Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.

 

„Zugenähte Lippen und angenagelte Hoden: Der für seine spektakulären Protestaktionen bekannte Künstler Pjotr Pawlenski und seine Lebensgefährtin wurden am Montag verhaftet - wegen Sachbeschädigung.

Der nach Frankreich geflohene russische Performancekünstler Pjotr Pawlenski hat in seinem Gastland mit einer umstrittenen Aktion für Aufsehen gesorgt: Er zündete eine Bankfiliale in Paris an und wurde am Montag wegen Sachbeschädigung verhaftet, wie die Polizei mitteilte. Bilder in sozialen Netzwerken zeigen den schwarz gekleideten Pawlenski vor der Bank, hinter zwei vergitterten Fenstern schlagen Flammen empor.

Mit seiner Aktion will er zur großen Revolution aufrufen, das berichtet die französische Fotoagentur Divergence Images. Der Aktionskünstler denunziert außerdem die Bankiers, weil sie an die Stelle der Monarchen gerückt seien.

Wie die Nationalbank Banque de France mitteilte, habe sich das Feuer in der Filiale in der Nähe des Bastille-Platzes ausgebreitet; sie bleibe deshalb vorerst geschlossen. Die Bank will den Künstler und seine ebenfalls verhaftete Lebensgefährtin Oksana Schaligina vor Gericht bringen.

Nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung einer Theaterschauspielerin war der 33-jährige Pawlenski mit seiner Familie im Dezember 2016 zuerst in die Ukraine und später nach Frankreich geflohen. Dort hatte er erst im Mai dieses Jahres Asyl erhalten. In Russland drohen ihm zehn Jahre Arbeitslager.“

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/paris-aktionskuenstler-pjotr-pawlenski-zuendet-bankfiliale-an-a-1173154.html

Mensch stelle sich folgendes Szenario vor:

Karl-Theodor zu Guttenberg wäre nicht beim Schummeln erwischt worden und gilt nach wie vor in weiten Teilen der Bevölkerung als Heilsbringer. CDU und CSU dümpeln rum und kriegen nichts Ordentliches mehr zustande. Die einzige Hoffnung ist der Heilsbringer. Karl-Theodor zu Guttenberg übernimmt beide Parteien zu seinen Bedingungen. Auf dem Wahlzettel zur Bundestagswahl stehen weder CDU noch CSU, dafür „Liste Guttenberg – die neue Union“.

Ähnliches passiert gerade in Österreich, wo der 31jährige Sebastian Kurz die alte ÖVP übernommen hat und nach der Nationalratswahl am Sonntag wohl nächster Bundeskanzler werden wird.

Alte Institutionen werden hinweg gewischt oder putschartig übernommen, was beim Volk ungemein gut ankommt. Alles wird auf die Figur des meist jungen, eloquenten, gut aussehenden jungen Mannes zugeschnitten. Was in Frankreich Emmanuel Macron und in Deutschland Christian Lindner sind (und Karl-Theodor zu Guttenberg gewesen wäre), ist in Österreich Sebastian Kurz.

Hierbei handelt es sich um eine gesamt-gesellschaftliche Erscheinung, die weiter um sich greifen wird. Trotz allem anfänglichen Jubel wird sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt weiter zersetzen.

Wie immer fragt sich der Wurm, wo das herkommt und wo das hinführt.

Katalonien will die Unabhängigkeit von Spanien. Warum? Einen zwingenden Grund dafür gibt es nicht. Schließlich genießt Katalonien schon eine gewisse Autonomie und die eigene Kultur wird nicht unterdrückt.

Spanien hat extreme soziale Probleme und die hauptsächlichsten Konflikte sollten auf diesem Gebiet ausgetragen werden. Um davon abzulenken (und nicht nach eventuellen „Schuldigen“ zu fragen), bietet es sich an, die nationale Karte zu ziehen.

„Es gibt mehr Nichtwähler als Wähler einer bestimmten Partei. Diese Nichtwähler fühlen sich und ihre Wünsche nicht durch die zur Wahl angetretenen Parteien vertreten. Nichtwahl entweder aus bewusstem Protest oder aus Apathie („ist ja eh egal, wer regiert“). 

So wie sich vor allem in den letzten 25 Jahren der Neo-Liberalismus entwickelt hat, wären dringend Antworten von der linken Seite nötig. Wer während dieser Zeit die Entwicklung der Asozialdemokraten oder der Linken verfolgt hat, kann nur tief traurig sein. Ganz zu schweigen von den Grünen, die als Pazifisten gestartet sind und mittlerweile üble Kriegshetzer sind.

Alle paar Jahre wird eine Protest-Partei nach oben gespült und geht dann wieder unter. Ob sie jetzt NPD, Republikaner, Piraten oder sonstwie heissen. Wie sich die AfD entwickelt, wird sich noch zeigen müssen. Gutes erwartet sich der Wurm jedoch nicht.

Genauso wenig, wie er sich von der parlamentarischen Demokratie mit ihren aktuellen Parteien erwartet. Nicht von „der Partei“, nicht von den Pseudo-Linken und von rechts erst recht nichts.“

So die Worte des Wurms vor anderthalb Jahren zu einigen Landtags- und Kommunalwahlen: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/214-schlechte-alternative.html .

Groß geändert an der damaligen Einschätzung hat sich nichts.

Mit einer Ausnahme: die AfD ist jetzt im Bundestag vertreten.

Diese Woche ist Bundestags-Wahl.

Große Spannung ist keine da. Alle Umfragen gehen in die Richtung von (ca.) CDU/CSU 35%, SPD 22% und die restlichen relevanten Parteien (Linke, Grüne, FDP, AfD) jeweils um die 10%.

Auch, wenn große Teile der SPD nicht wollen, wird die Große Koalition wohl weiter geführt werden.

Wer auch immer gewählt und regieren wird – der Wurm macht sich keine großen Hoffnungen. Der Neo-Liberalismus wird weiter um sich greifen und die Aufrüstung im Innern und Äußern wird drastisch erhöht werden.