Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.
Es würde ja so schön passen: Nach Jahren medialer Finsternis kommt eine junge, edle Frau mit wackeren Mitstreitern daher, die wenigstens ein bisschen Licht ins Dunkel bringt. Die verharrenden, dem alten Denken verpflichteten Kräfte, wollen weiter im Dunkel agieren und wehren sich gegen jeglichen Lichtstrahl. Die junge, edle Frau wird zu Fall gebracht.
Tatsächlich wollte Julia Ruhs mit ihrem Format „Klar – Was Deutschland bewegt“ nicht die Dunkelheit überwinden, sondern diese rechtfertigen.
Ach, wie waren die Menschen froh, als endlich mal Dinge angesprochen wurden, die ansonsten verheimlicht oder verleugnet wurden. Ach, wie gerne sie sich heim ins Reich der Öffentlich-Rechtlichen haben zurückführen lassen.
Tatsächlich wurden nur Dinge erwähnt, die ohnehin schon jeder wusste oder es gab nur Pseudo-Kritik – banal, aber effizient.
Die Dunkel-Menschen wissen weder, dass sie dunkel, noch dass sie nackt sind. Und deshalb mussten sie das Feigenblatt, das ihre Nacktheit verdeckt hielt, mit Gewalt von sich wegreissen.
Mit der Folge, dass ihnen in Zukunft noch weniger Menschen glauben werden.
Das neue Buch von Christoph Hein, „Das Narrenschiff“, erzählt die Geschichte der DDR aus der Sicht der Oberschicht. Keinesfalls Narren, sondern angepasste Opportunisten, wie es sie überall auf der Welt gibt.
Ein Mensch mit Nachnamen Liebich hat seine Haftstrafe nicht angetreten und ist flüchtig.
Was mensch auch immer von diesem Menschen halten mag – sein Lebensmotto scheint zu sein „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“
Zumindest hat er das Selbstbestimmungs-Gesetz in all seiner Absurdität und Menschen-Feindlichkeit entlarvt. – Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es lustig.