Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.

 

 

Nachdem sie bereits vor einem Jahr im Bezahlsender Sky zu sehen war, ist die mit Abstand teuerste deutsche Fernsehserie jetzt auch im frei zugänglichen öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu begutachten.

Für den unbedarften Zuschauer, der nicht denken, sich aber gut unterhalten will, ist das eine schöne Sache. Für einen denkenden Wurm stellenweise ein Ärgernis.

 

Die Mafia soll Menschen umgebracht haben. Jahrzehnte lang. Aber das wollte keiner beim Namen genannt haben, da die Mafia eine mächtige Organisation ist und ab und zu auch „Gutes“ tut. Wer es wissen wollte, der wusste es, aber die meisten wollten es nicht wissen.

Nun gibt es seit einigen Jahren immer mehr Gerüchte und sogar Beweise, dass die Mafia doch mordet und deshalb sahen sich die Ober-Mafiosi gezwungen, eine Studie über Mafia-Morde in Auftrag zu geben.

Polizei und Staatsanwaltschaft sollten an der Studie beteiligt sein, wurden von den Mafia-Bossen aber schnell wieder „ausgeladen“.

Die Unter-Bezirke lieferten Material, teilweise nur einen Teil davon, teilweise weigerten sie sich ganz; von der Mafia abhängige und mit ihr verbündete Organisationen wurden gar nicht erst gefragt.

Unter Krokodils-Tränen des erschütterten Ober-Mafioso werden schließlich die Ergebnisse präsentiert und die getöteten Opfer gezeigt. Die Namen der Täter werden nicht genannt. Mit jenen Mördern, die dazu bereit waren, wurden Gespräche geführt, aus denen hervor geht, weshalb sie mordeten. Das schlimmste, was den Mördern passierte, war die frühzeitige Verrentung; meistens wurden sie jedoch in einen anderen Bezirk versetzt, in dem sie weiter töten konnten. Und bei der Mafia waren sie sicher davor, an die staatliche Justiz ausgeliefert zu werden.

Der Ober-Mafioso mit den Krokodils-Tränen sagte, dass er bei dem Wort „Mord“ früher nicht so genau hingehört hätte und oft gar keine Akte darüber angelegt worden wäre. Die ersten Male hätte er sich gar nicht vorstellen können, was da überhaupt passiert sei. Erschüttert seien sie jetzt alle bei der Mafia – aber deswegen würde keiner zurücktreten oder sonstige Konsequenzen ziehen.

So oder so ähnlich muss sich mensch vorstellen, wie es bei der Vorstellung der Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ zugegangen ist.

 

Momentan läuft in den Kinos „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“.

Für manche zu sehr auf den Massen-Geschmack ausgelegt, für manche zu sehr „verkopft“, für andere wie den Wurm hat er genau die richtige Mischung aus Unterhaltung und Anspruch. Der Film ist richtig gut geworden.

 

Die Sommerferien sind vorbei und gleichzeitig wird immer deutlicher, welch katastrophale Zustände in den Schulen herrschen: Investitions-Rückstände im zweistelligen Milliarden-Bereich und Lehrer-Mangel im fünfstelligen Bereich.

 

Was würde aus diesem Land werden, wenn alles so weiter ginge wie bisher?

Wäre es „ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“?

Wenn „ja“ - wer ist „wir“?

Diejenigen, die nicht „wir“ sind, sind allerdings mehr als „wir“.

Allerdings werden sie nicht ernst genommen. Auch und gerade von jenen Parteien, die für sie da sein sollten.

Diese Woche ging die Bewegung „Aufstehen“ an den Start. Wie es auch immer mit ihr weiter gehen wird – sie wird das Land verändern.