Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.

„An Winckelmann

 

Wenn ich der Frömmler Gaukelei’n entkommen,

So sei der Dank dafür an dich gewendet:

Wohl fand dein Geist, was nie beginnt noch endet,

Doch fand er’s nicht im Predigtbuch der Frommen.

 

Dir ist das Licht des Göttlichen entglommen

Im Werk der Heiden, die es reich gespendet;

Denn himmlisch ist, was immer ist vollendet,

Und Christus selbst gebietet: Seid vollkommen!

 

Zwar möchten gern gewisse schwarze Röcke

Den Geist verwickeln, der sich will befreien,

Wo nicht, uns stellen in die Zahl der Böcke.

 

Doch laßt nur ab, die Heiden zu beschreien!

Wer Seelen hauchen kann in Marmorblöcke,

Der ist erhaben über Litaneien.“

 

Dieses schöne Sonett von August von Platen aus dem Jahre 1826 ist Johann Joachim Winckelmann gewidmet, der vor 300 Jahren geboren wurde, der bis heute Einfluss ausübt und ohne den Deutschland und Teile der Welt anders aussähen.

Aus „Wikipedia“: „Johann Joachim Winckelmann (* 9. Dezember 1717 in Stendal; † 8. Juni 1768 bei Triest) war ein deutscher Archäologe, Bibliothekar, Antiquar und Kunstschriftsteller der Aufklärung. Er gilt, neben Flavio Biondo, als der Begründer von wissenschaftlicher Archäologie und Kunstgeschichte und als geistiger Begründer des Klassizismus im deutschsprachigen Raum.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Joachim_Winckelmann

„Leser lassen sich in drei Teile teilen – die oberflächlichen, die unwissenden und die gelehrten; ich habe meine Feder mit viel Glück dem Genius und dem Vorteil eines jeden angepasst. Der oberflächliche Leser wird wunderbar zum Lachen gereizt werden; das Lachen aber reinigt Brust und Lungen, es ist ein herrliches Mittel gegen die Hypochondrie und die unschuldigste aller urintreibenden Medizinen. Der unwissende Leser (der Unterschied zwischen ihm und dem vorgenannten ist ausserordentlich fein) wird geneigt sein, offenen Mundes zu starren; das hilft wunderbar gegen kranke Augen; es dient dazu, die Lebensgeister aufzurichten und anzufeuern und unterstützt die Schweissbildung wunderbar. Aber der wirklich gelehrte Leser, zu dessen Wohl ich wache, wenn andre schlafen, und schlafe, wenn andre wachen, wird hier des Stoffes genügend finden, um für den Rest seiner Tage seine Spekulationen zu beschäftigen.“

http://gutenberg.spiegel.de/buch/ein-marchen-von-einer-tonne-7224/3

Oft ist es traurig, was sich ein Wurm mit den meisten Menschen und deren Treiben antun muss. Umso erfreulicher ist es, wenn er sich einem Menschen widmen darf, der ihm großen Grund zur Freude bereitet.

In diesem Falle ist es Jonathan Swift, der vor 350 Jahren geboren wurde und aus dessen „Ein Märchen von einer Tonne“ die Eingangsworte stammen.

James Cogan: „In der offiziellen australischen Politik ist das Chaos ausgebrochen. Am 27. Oktober erklärte der High Court, das höchste Gericht des Landes, fünf gewählte Parlamentsabgeordnete dürften wegen ihrer doppelten Staatsbürgerschaft nicht im australischen Parlament sitzen. Dazu zählt auch der stellvertretende Premierminister Barnaby Joyce.

Das Gericht berief sich dabei auf die denkbar wörtlichste Auslegung einer Klausel aus der Verfassung von 1901, die jedem die Kandidatur zum Parlament verbietet, der „einer ausländischen Macht in irgendeiner Form zu Treue, Gehorsam oder Haftung verpflichtet ist“ oder „die Rechte oder Privilegien eines Untertanen oder Bürgers einer ausländischen Macht genießt.“

Die sieben Richter kamen zu dem einstimmigen Urteil, dass Abgeordnete keine „Loyalität oder Verpflichtungen gegenüber anderen Ländern“ haben dürfen. Das Gericht erklärte, Politiker müssten ausschließlich Australien gegenüber loyal sein.

Seit der Entscheidung des High Court sind drei weitere Abgeordnete zurückgetreten, weil ihre Eltern in Großbritannien geboren sind. Deshalb könnten sie die Staatsbürgerschaft dieser „ausländischen Macht“ beantragen, die den Kontinent besiedelt hat, und deren Monarchin auch die Königin von Australien ist.

Die liberal-nationale Koalition und die oppositionelle Labor Party haben sich darauf geeinigt, dass jeder Abgeordnete bis zum 1. Dezember eine Offenbarungserklärung abgeben muss. Sie müssen schwören, dass sie jeden Anspruch auf Staatsbürgerschaft in allen anderen Ländern aufgegeben haben, nicht nur in den Ländern ihrer Eltern, sondern auch in denen ihrer Großeltern und sogar ihrer Ehepartner.

Bis zu 30 der 226 Abgeordneten in beiden Kammern des Parlaments könnten dadurch zum Rücktritt gezwungen werden. Selbst vor den möglichen Austritten bis zum 1. Dezember haben die Parteien der Koalition bereits ihre dünne Mehrheit von einem Sitz im Unterhaus und damit ihre Regierungsfähigkeit verloren. Die Grünen und andere Teile des politischen Establishments haben vorgeschlagen, der Generalgouverneur – das nicht gewählte Staatsoberhaupt – solle die diktatorischen Vollmachten seines Amtes benutzen, um das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen.

Die meisten Australier sowie internationale Beobachter reagierten auf diese Situation zutiefst verstört. Australien ist eines der kulturell vielseitigsten Länder der Welt. Seine Bevölkerung ist durch Zuwanderung im großen Stil von kaum sieben Millionen im Jahr 1945 auf fast 25 Millionen gestiegen. Nach australischen Gesetzen haben alleine drei Millionen Menschen das Recht auf die doppelte Staatsbürgerschaft in Großbritannien. Viele weitere Millionen können die doppelte Staatsbürgerschaft von Neuseeland, Italien, Griechenland und Dutzenden anderen Ländern beantragen, aus denen Menschen in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg eingewandert sind.“

https://www.wsws.org/de/articles/2017/11/18/pers-n18.html

Was ist da los? Das, was da gerade in Australien abläuft, ist auf den ersten Blick völlig unverständlich.

Auf den zweiten Blick ist das allerdings sehr verständlich. Und das ist alles andere als schön.

Paukenschlag des Bundesverfassungsgerichts: Zwei Geschlechter sowie die seit 2013 gesetzlich ermöglichte leere Angabe als Alternative im Personenstandsregister sind ungenügend.

Stephan Schleim: „Mit einem Streich wurden nicht nur vorangegangene Urteile des Amtsgerichts Hannover (13.10.2014, Az. 85 III 105/ 14), des Oberlandesgerichts Celle (21.1.2015, Az. 17 W 28/ 14) und des Bundesgerichtshofs (22.6.2016, Az. XII ZB 52/15) aufgehoben, sondern auch die entsprechenden gesetzlichen Regelungen für verfassungswidrig erklärt. Gerichte und Verwaltungsbehörden (vor allem Standesämter) dürfen diese Paragraphen nicht mehr anwenden, wenn sich eine Person dauerhaft weder dem männlichen noch weiblichen Geschlecht zuordnen will; alle Verfahren werden bis zu einer Neuregelung angehalten, für die der Gesetzgeber bis zum 31.12.2018 Zeit bekommen hat.

In dem Fall geht es um eine Person mit Turner-Syndrom, die bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugeordnet bekam, sich damit jedoch nicht identifiziert. Bei diesem Syndrom hat jemand statt einem XX- oder XY-Chromosomenpaar nur ein funktionierendes X-Chromosom. Damit werden eine Reihe innerer wie äußerer Merkmale in Zusammenhang gebracht, Lebenserwartung und Intelligenz sind aber nicht eingeschränkt.

Seit einer Gesetzesänderung von 2013 gab es die Möglichkeit, den Geschlechtseintrag im Geburtenregister leer zu lassen, wenn sich kein Geschlecht zuordnen ließ …

Die klagende Person beantragte unter Vorlage einer Chromosomenanalyse beim Standesamt aber die Geschlechtsangabe “inter/divers” oder “divers”. Mit Verweis auf die Gesetzeslage lehnten die Standesbeamten dies jedoch ab – und bekamen auf dem Rechtsweg von den drei Gerichten Recht.“

https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/abschied-vom-binaeren-geschlechtsmodell/

Sofortige Beendigung des Krieges (der Millionen zu Toten oder Krüppeln machte), Millionen von bislang besitz- und rechtlosen Bauern haben Teil am zu bebauenden Land, Millionen von Arbeitern haben Teil an den Fabriken und sehr viel angenehmere Arbeits-Bedingungen, Frauen sind grundsätzlich den Männern gleich gestellt, Scheidungen und Abtreibungen sind völlig problemlos, sämtliche vorher gegen Homosexuelle gerichteten Paragraphen ersatzlos gestrichen – und das vor 100 Jahren.

Was würde ein heutzutagiger politisch korrekter Gutmensch dazu sagen?

Sehr wahrscheinlich würde sich bei diesem Schaum vor dem Mund bilden und er würde beginnen, gegen die Ergebnisse der russischen Oktober-Revolution, die vor 100 Jahren stattfand, zu hetzen.

Denn seitdem ist er westlicher Propaganda ausgesetzt, die diese Revolution verleumdet.