„Während er in das Filmabenteuer mit Eisenstein eintrat und mit Mental Radio (1931) eine Aufsehen erregende Studie über Telepathie schrieb, wurde er von 770 Persönlichkeiten aus 55 Ländern der schwedischen Akademie zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur vorgeschlagen. Im Begründungstext hieß es u. a.: „Er ist der Verfasser von rund vierzig Bänden Romane, Dramen, Wirtschaftswissenschaft, Gesellschafts- und Literaturkritik und ist ohne Frage der meistgelesene lebende Autor. Seine Bücher sind in mehr als dreißig Sprachen übersetzt worden und haben das Denken der Massen und des kritischen Potentials der kulturellen Welt entscheidend beeinflußt. Wir halten seine größten Romane, wie The Jungle, Love's Pilgrimage, Oil!, Boston für eine außergewöhnliche Leistung in der Weltliteratur der Gegenwart, wegen ihrer Meisterschaft im Faktischen, der gesellschaftlichen Vision, wegen ihrer Geschlossenheit, Ehrlichkeit und Tapferkeit im Denken, ihrer leidenschaftlichen Menschlichkeit, wegen der Originalität in der Darstellungstechnik, der Vitalität und schwungvollen Kreativität.“
Der englische sozialkritische Dramatiker George Bernard Shaw versuchte mit einem zusätzlichen Schreiben, eine positive Entscheidung des Nobel-Komitees herbeizuführen, indem er darauf hinwies, daß weder die Anerkennung in akademischen Kreisen noch die Bewertung als hohe Literatur Kriterien einer weitreichenden internationalen Wirkung seien. „Schriftsteller, die in literarischen Zirkeln große Lieblinge sind und vielleicht exquisite literarische Arbeiten hervorbringen, haben womöglich überhaupt keinen Einfluß auf den Geist ihrer Zeit. Dagegen können gröbere Begabungen von Schreibern, denen die literarische Grazie nicht Selbstzweck, sondern Köder ist, um Leser für ihre Ideen einzufangen, sehr wohl die Bedeutsamkeit haben, die des Nobelpreises würdig ist. Da Upton Sinclairs Begabung dieser Art ist, habe ich mich denen angeschlossen, die seine Kandidatur unterstützen, während die Professoren vor Entsetzen aufschrien.“
Der Auswahlausschuß in Stockholm hielt es wohl mit den Professoren. Den Preis 1932 errang John Galsworthy, dessen High Society-Chronik der Londoner Familie Forsyte dort eher Anklang fand als ein Muckraking im Interesse des internationalen Proletariats.“
Der zu seiner Zeit meistgelesene Autor heisst Upton Sinclair, der vor 50 Jahren gestorben ist. Da dieser Jahrestag von den meisten deutschen Medien ignoriert bzw. totgeschwiegen wurde, ist es dem Wurm eine besondere Freude auf ihn hinzuweisen. Wenn es einen Menschen gibt, dessen Werke und dessen Lebenserfahrungen gerade heute wichtig und aktuell sind, dann ist es Upton Sinclair.