Platzverweis für Jesus

 

https://www.youtube.com/watch?v=6yGXt6AIRPo

 

In einem gemeinsamen Beitrag der ARD-Formate Monitor und Sportschau wird der bekennende Christ und Fußball-Nationalspieler Felix Nmecha wegen seiner religiösen Überzeugungen kritisiert.

Es geht weniger um seine privaten Meinungen als vielmehr um eine geplante Kampagne evangelikaler Organisationen, um größt mögliche Aufmerksamkeit zu erreichen.

 

Zum Bericht

 

Andreas Spinrath, Julius Baumeister und Marcus Bark: „Vor Milliarden Menschen warb der deutsche Nationalspieler Felix Nmecha bei der WM für seinen christlichen Glauben. Recherchen des ARD-Magazins MONITOR und der Sportschau zeigen, dass dahinter eine Kampagne steckt, die Homosexualität als Sünde begreift, Schwangerschaftsabbrüche als "Satans Plan" verurteilt und Andersgläubige missionieren will.

Aus im Sechzehntelfinale. Gegen Paraguay. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mal wieder am Boden, zum dritten Mal nacheinander bei einer Weltmeisterschaft. Felix Nmecha erlebt das verlorene Elfmeterschießen an der Seitenlinie. Schon nach der ersten Halbzeit war er ausgewechselt worden. Nmecha sieht als Randfigur, wie Jonathan Tah einen Elfmeter über das Tor schießt.

Bei der Fußball-WM warb der deutsche Nationalspieler Felix Nmecha vor Milliarden Menschen für seinen christlichen Glauben. Viele Fußballprofis zeigen ihren Glauben auf dem Platz - doch Recherchen von MONITOR und der Sportschau legen nahe, dass hinter Nmechas Auftritten mehr steckt als lediglich ein persönliches Glaubensbekenntnis.

Beim Auftakt hatten die beiden noch im Mittelpunkt des Mittelkreises gestanden. Mit vier Spielern des Gegners Curaçao beteten sie Arm in Arm. Die Bilder erreichten Milliarden Menschen auf allen Kanälen.

"Wir glauben alle, dass Jesus verherrlicht wird durch das Spiel", sagte Nmecha in einem Interview mit der Sportschau. In seinen Erzählungen klang es nach einer spontanen Aktion, genau wie zuvor der Jubel nach seinem Tor in der sechsten Minute. Nachdem es so traumhaft für die deutsche Mannschaft und ihn begonnen hatte, nahm Nmecha symbolisch eine unsichtbare Krone von seinem Kopf und legte sie vor sich auf den Rasen.

Das Beten von Nmecha kommentierte Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), in einem Interview mit "Sky/RTL": "Die Intention, die er damit verfolgt, die ist ja positiv. Nämlich, dass man über das Fußballspielen hinaus für bestimmte Dinge steht, für Menschlichkeit, für Respekt."

Recherchen des ARD-Politikmagazins MONITOR und der Sportschau zeigen, dass die Aktionen offenbar nicht spontan, sondern geplant waren. Denn mit seinem Torjubel warb Felix Nmecha auf der größten Bühne, die der Sport zu bieten hat, für eine spezielle Kampagne: "The King’s Return", die Rückkehr des Königs. Nmecha selbst postete seinen Torjubel online mit dem Hashtag dieser Kampagne. "The King's Return" ist nach eigener Aussage eine "von Spielern getragene Bewegung während der gesamten Weltmeisterschaft mit einer Botschaft: Jesus kommt wieder."

Hinter dieser Kampagne steht die Organisation "Ballers in God". Felix Nmecha und viele andere durchaus prominente Fußballer aus vielen Nationen unterstützen die Organisation und damit ein Netzwerk, dem es offenbar auch um Missionierung geht und um die Verbreitung radikaler Ansichten.

Denn für die Kampagne zur WM gibt es auch eine eigene Webseite. Auf der Homepage von "The King's Return", auf der das Foto des Gebetskreises mit Nmecha zu sehen ist, wird angeboten, "mit echten Menschen zu chatten", um Beratungen zu erhalten, die auf den vermeintlich rechten Weg führen sollen - auf den Weg zu Jesus. Der Link führt zur Organisation Groundwire in den USA, die eine Art Lebensberatung anbietet.

MONITOR-Reporter chatteten dort stundenlang, unter verschiedenen Pseudonymen. Etwa als junger Mann, der angibt, nur muslimische Freunde zu haben. Die Chatpartnerin legt nahe, sich zwischen Gott und den Freunden "entscheiden zu müssen". Auf die Frage einer vermeintlich 17-Jährigen, die ungewollt schwanger wurde, schreibt man, dass Abtreibungen "leider legal" seien: "Abtreibung ist Satans Plan, um das, was Gott gehört, zu 'töten, zu stehlen und zu zerstören'.

"Es gelang den Reportern auch, Zugang zur "ChatTranskriptbibliothek" zu bekommen, einen Leitfaden für die Unterhaltungen im digitalen Raum. Dort findet sich ein Beispiel-Dialog mit einem Mädchen, das fragt, ob es eine Sünde sei, lesbisch zu sein. "Ja", ist die Antwort. Im weiteren Verlauf des Musterchats heißt es: "Jesus hat die Macht, uns von innen und außen zu verändern. Er nimmt all unseren Mist weg und macht uns neu." Als das Mädchen dann schreibt, dass die Mutter Verständnis für sie habe, antwortet der Chatpartner: "Schande über Deine Mutter."

Für den Theologen Wolfgang Palaver sind diese Chats Ausdruck eines radikalen Weltbilds: "Es ist problematisch, weil es von einem Schwarz-Weiß-Denken ausgeht." Es gehe darum, "das eigene Christentum, die eigene Religiosität in Kontrast zu einer verlorenen, säkularen, völlig gescheiterten Welt darzustellen".“

https://www.sportschau.de/fussball/fifa-wm-2026/nmecha-im-netzwerk-radikaler-christen,wm-nmecha-netzwerk-radikaler-christen-100.html

 

500 Millionen und noch viel mehr: evangelikales Wachstum

 

Ronny Blaschke: „Weltweit orientieren sich etwa 500 Millionen Menschen am evangelikalen Christentum, insbesondere in den USA, in Brasilien und Nigeria. In Deutschland sind es schätzungsweise eine Million Menschen, die meisten sind in sogenannten Freikirchen organisiert. Die Gruppen innerhalb dieser Strömung unterscheiden sich häufig, etliche lehnen Abtreibungen und Homosexualität ab. Wie stehen »Ballers in God« zu diesen Fragen? Eine schriftliche Anfrage für diesen Artikel blieb unbeantwortet.“

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1200424.felix-nmecha-evangeliskale-netzwerke-und-betende-fussballstars.html

 

Evangelikale Kampagne

 

Ronny Blaschke: „Felix Nmecha wollte zeigen, dass er sein Tor im Spiel gegen Curaçao einer höheren Kraft verdankte. Der deutsche Nationalspieler kniete auf dem Rasen und richtete seinen Zeigefinger Richtung Himmel. Er nahm eine imaginäre Krone von seinem Kopf und legte sie auf den Boden. Eine Geste, die auch schon andere christliche Profisportler gezeigt haben. Nmecha wollte den Ruhm nicht allein beanspruchen. Er betrachtete seinen Erfolg als Geschenk Gottes.

Das Netzwerk »Ballers in God« hat nach dem 7:1 der deutschen Mannschaft in ihrem Auftaktspiel bei dieser Weltmeisterschaft mehrere Fotos und Videos von Nmecha veröffentlicht. Zu sehen ist dabei auch, wie Nmecha nach dem Spiel und sein Teamkollege Jonathan Tah sowie mehrere Nationalspieler Curaçaos einen Kreis bilden – für ein kurzes Gebet. Später sagte Nmecha, dass sie eben alle Christen und Brüder seien: »Vom Ergebnis her ist es natürlich schön für uns. Aber auch im Ganzen glauben wir alle, dass Jesus verherrlicht wird durch das Spiel. Deswegen haben wir zusammen gebetet.«

»Ballers in God« zählt auf Instagram mehr als 750 000 und auf Tiktok rund 140 000 Follower. Es handelt sich um ein schnell wachsendes Netzwerk, das Theologen dem evangelikalen Christentum zurechnen. Diese Strömung des Protestantismus legt die Bibel in der Regel wörtlich aus. »Im Evangelikalismus wird tendenziell eine Entschiedenheit gefordert«, sagt der Theologe Martin Fritz. »Man solle doch das Leben ganz in die Hände von Jesus legen. Das kann in Gemeinschaften auch zu einem Entscheidungsdruck führen, auch zu Angst vor dem Unheil.«

»Ballers in God«, gegründet 2015 von dem englischen Profifußballer John Bostock, lässt fast täglich in Videos, Podcasts und Bilderstrecken ehemalige und aktuelle Profis über ihren Glauben sprechen. Während der WM in den USA, Kanada und Mexiko zeigt das Netzwerk beispielsweise, wie Südafrikas Team sich mit einem Gebet auf das Training einstimmt oder wie der brasilianische Torwart Alisson Becker die Kabine mit einer Bibel betritt. Überdies werden immer wieder »BIG Retreats« für das gemeinsame Beten oder Fasten organisiert.

Martin Fritz, der an der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin forscht, erkennt bei »Ballers in God« eine Tendenz zum »neocharismatischen Christentum«. Dabei handelt es sich um eine Strömung des Evangelikalismus, die sich mit Hilfe des Heiligen Geistes an vermeintlichen Wundern orientiert, an Energie und Erfolgsstreben.

So erzählen dort Fußballer, wie sie mit Hilfe von Jesus Christus ihre persönlichen Rückschlage überwunden haben wollen: Verletzungen, Unfälle, Trauerfälle in der Familie. Die Religionsfreiheit schützt das Werben für den eigenen Glauben, die Missionierung, weitreichend. Ein Leitfaden von »Ballers in God« riet Fußballern einmal das gezielte Ansprechen von Kollegen, die verletzt sind oder unter mentalem Druck stehen.

Kritik blieb nicht aus, auch weil das Netzwerk offenbar Verbindungen zur US-amerikanischen Bethel Church hält, die Esoterik und übernatürliche Erlebnisse propagiert, darunter Prophezeiungen, Wunderheilungen und die Austreibung von Dämonen. Ein früherer Prediger der Bethel Church, Ben Fitzgerald, will diese Strömung in Europa verbreiten. Seine Organisation Awakening Europe (Erwachendes Europa), orientiert sich am Seven Mountain Mandate: Nach dieser Lehre sollen sieben Schlüsselbereiche der Gesellschaft umgestaltet werden: Bildung, Religion, Familie, Wirtschaft, Regierung, Medien sowie Kunst und Unterhaltung, wozu auch der Sport zählt …

»Ballers in God« ist ein Modell, das, unterstützt durch gezieltes Merchandising, rasant wächst – und so offenbar andere Netzwerke inspiriert. In Deutschland gründete der Theologe und ehemalige Fußballprofi Manuel Bühler 2017 »Fußball mit Vision«. In diesem Verein stehen frühere und aktuelle Profis für den Glauben an Jesus Christus ein, zum Beispiel die deutsche Nationalspielerin Giovanna Hoffmann oder Felix Uduokhai von Besiktas Istanbul.

Vor der EM in Deutschland 2024 startete »Fußball mit Vision« eine Kampagne, verteilte »Kickerbibeln« oder »EM-Andachtsbücher« und verbreitete die »Lieblingsbibelverse« von Spielern.

»Fußball mit Vision« besucht Schulen und Vereine. Aber wie weit darf die Missionierung gehen? Der Journalist Michaelis hält immer wieder Vorträge über evangelikale Netzwerke im Fußball und meint: »Es ist höchste Zeit für eine Informationsoffensive.« Die Weltmeisterschaft ist dafür womöglich eine gute Zeit. Viele Spieler werden abermals auf dem Rasen beten und sich nach geschossenen Toren bei Jesus bedanken. Die WM bedeutet auch für »Ballers in God«: Hochkonjunktur.“

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1200424.felix-nmecha-evangeliskale-netzwerke-und-betende-fussballstars.html

 

Dina Falken and Felix Michaelis: „Die evangelikalen Plattformen „Ballers in God“ und „Fußball mit Vision e. V.“ nutzten die Bilder von Nmechas Glaubensbekenntnis gezielt für ihre Missionsarbeit auf Social Media. Mit Erfolg: Einige der Posts erreichen bereits nach kurzer Zeit mehrere hunderttausend Likes.  Insgesamt wirkt das vermeintlich spontane Glaubensbekenntnis wie eine abgesprochene Inszenierung. Das bestätigte auch Jonathan Tah in einem Interview mit Magenta TV: „Um ehrlich zu sein: Felix hat mich angesprochen, ob ich Bock hätte.“ Weitere Gebetskreise sind geplant. Die Art und Weise seiner Torjubel hat sich Nmecha nicht selbst ausgedacht; sie stammen von den Communitys, für die er bereits länger aktiv wirbt.

Etwa „Fußball mit Vision e. V.“ hat mit der Initiative „Jesus my Goal“ einen eigenen Torjubel ins Leben gerufen, der ein direktes Bekenntnis zur Community und zum Glauben sein soll. Der Jubel ist simpel und besteht aus vier Handzeichen. Auf der Homepage werben bekannte Gesichter für die Initiative, darunter Chris Führich, Giovanna Hoffmann, Felix Nmecha und Cody Gakpo. Ein ähnliches Projekt ist „The King’s Return“, ein Torjubel, den die Plattform „Ballers in God“ erfunden hat. Beim Jubel sollen die Fußballer*innen eine Geste ausführen, bei der sie eine Krone zu Ehren Gottes Königreich auf den Boden legen.

Nach seinem Tor zeigte Felix Nmecha nicht nur den „The King’s Return“-Jubel, sondern auch den „Jesus my Goal“-Jubel. Über Nmechas Nähe zu sowohl „Ballers in God“ als auch „Fußball mit Vision e. V.“ wurde bereits ausgiebig berichtet. „Ballers in God“-Gründer John Bostock pflegt enge Kontakte zu Ben Fitzgerald dem Leiter der Awakening Church, einem Netzwerk mit nachweisbaren Verbindungen zur US-amerikanischen Bethel Church. Außerdem teilte Fitzgerald Nmechas Interview auf Instagram.

„Fussball mit Vision“, ein eigenständiger Verein, gegründet von SRS e.V.-Mitarbeiter Manuel Bühler, pflegt Kontakte zur Freikirche Köln-Ostheim. Bühler hat gemeinsam mit Pastor Andre Töws das Nachwuchstalent Sima Suso getauft. Suso selbst erklärt, wie die Missionierung verlief: Bühler habe ihn über Social Media kontaktiert und anschließend in die Gemeinde eingeladen. Die Freikirche Köln-Ostheim vertritt ähnlich wie die Awakening Church oder die Bethel Church ein streng fundamentalistisches Bibelverständnis und verbreitet auf ihrem YouTube-Kanal öffentlich homofeindliche Inhalte.

Felix Nmecha selbst bewegt sich seit Jahren in entsprechenden Netzwerken. So besuchte er regelmäßig die „Christus in Düsseldorf“-Gemeinde. Deren Leiter Elvis Boateng verfolgt die Weltmeisterschaftsspiele gemeinsam mit „Ballers in God“-Gründer John Bostock vor Ort in den USA und begleitete Bostock zu einem Event der Awakening Church. Boateng hat sich in der Vergangenheit auf der Plattform X wiederholt queerfeindlich geäußert. So schrieb er 2021: „Du magst mich altmodisch oder traditionell nennen. Ich glaube immer noch daran, dass Mangel an Respekt für ältere Menschen, unehelicher Sex, Ehescheidung, Homosexualität, unangemessene Freizügigkeit falsch sind.“

Die Szenen zum Gebetskreis fanden Resonanz in sehr unterschiedlichen politischen und religiösen Milieus. Neben christlich-konservativen Medien wie IDEA oder Bibel TV berichteten auch rechtspopulistische Portale wie NIUS und Apollo News über den Gebetskreis. Die Junge Freiheit schrieb: „Ungewöhnliche Szene nach dem Abpfiff des deutschen WM-Auftaktspiels. Nationalspieler Felix Nmecha und Jonathan Tah beten auf dem Rasen mit ihren Gegnern. Zuletzt bekam der Dortmunder Ärger, weil er um Charlie Kirk trauerte.“

Auch im Umfeld der AfD stießen der Gebetskreis sowie Nmechas Aussagen nach dem Spiel auf Zustimmung. So teilte etwa die AfD-Politikerin Beatrix von Storch entsprechende Beiträge zustimmend: „Es gibt wieder Hoffnung. Weil die Hoffnung einen Namen hat, den Linke ausradieren wollen: Jesus Christus. Und nun steht er in der Mitte unserer deutschen Fußballnationalmannschaft.“ Später teilt Storch auch den Ballers in God-Post.

Die Begeisterung kommt nicht von ungefähr. „Ballers in God“-Gründer John Bostock pflegt gute Kontakte zu Ben Fitzgerald, dem Leiter der Awakening Church. Das legen Bilder nahe. Fitzgerald wurde von der Bethel Church nach Deutschland geschickt – einer Organisation, die das sogenannte „Seven Mountain Mandate“ lehrt. Demnach sollen Evangelikale gesellschaftliche Schlüsselbereiche wie Politik, Medien und Sport gezielt durchdringen. Dass dieses Netzwerk politisch wirksam werden kann, zeigt sich in den USA: Evangelikale, darunter Kreise um die Bethel-nahe „New Apostolic Reformation“, gehören zu den Unterstützer*innen Donald Trumps und sollen ihm zum Wahlsieg verholfen haben. Seine Religionsberaterin Paula White leitet bis heute das Büro für Glaubensfragen im Weißen Haus.

Zahlreiche Medien und bekannte Persönlichkeiten griffen die Szene beim WM-Spiel als positive Geschichte über Zusammenhalt, Fairplay oder gelebten Glauben auf. Auch seitens des DFB bleibt eine kritische Einordnung aus. Dabei stellt sich die Frage, weshalb organisierte religiöse Kampagnen im Umfeld eines globalen Sportereignisses kaum hinterfragt werden, obwohl ihre Akteure teilweise weitreichende gesellschafts- und kulturpolitische Ziele verfolgen.

Dass einzelne Nationalspieler ihren Glauben öffentlich zeigen, ist dabei nicht das eigentliche Thema. Religiöse Gesten gehören seit Jahrzehnten zum Fußball. Die Frage ist deshalb nicht, ob Fußballer*innen ihren Glauben öffentlich zeigen dürfen, sondern, warum organisierte Missionskampagnen im Umfeld der weltweit größten Sportveranstaltung kaum als solche erkannt werden. Während Medien, Verbände und politische Akteur*innen die Bilder überwiegend positiv aufnahmen, blieben die Netzwerke hinter den Kulissen weitgehend unbeachtet. Dabei zeigen die Verbindungen von „Ballers in God“, „Fußball mit Vision e.V.“ und ähnlichen Initiativen, dass es nicht nur um persönliche Glaubensbekundungen einzelner Spieler handelt, sondern um eine zunehmend professionelle Form religiöser Einflussnahme im Profisport.“

https://www.belltower.news/gebetskreis-torjubel-und-social-media-evangelikale-bei-der-weltmeisterschaft-166069/

 

Fußball-Gott verherrlicht sich an Felix Nmecha und kickt ihn aus dem Turnier

 

Ralf Nestmeyer: „Es gibt Fußballgötter wie Toni Turek, Pelé oder Diego Maradona. Das sind Menschen, die Außergewöhnliches im Fußball geleistet haben und deshalb von ihren Fans verehrt werden. Und dann gibt es den Gott des deutschen Nationalspielers Felix Nmecha, der offenbar nicht mehr damit zufrieden ist, nur sonntags in der Kirche angebetet zu werden, sondern neuerdings auch bei Länderspielen verherrlicht werden will.

Für manche Menschen ist Fußball eine Religion, für andere ein Religionsersatz. Beides kann man seltsam finden, aber wenigstens bleibt es im Stadion. Problematisch wird es, wenn überzeugte Christen den Fußballplatz zunehmend als Missionsbühne missbrauchen.

Felix Nmecha gehört zu dieser Kategorie. Der Mittelfeldspieler der deutschen Nationalmannschaft steigt demonstrativ mit der Bibel unter dem Arm aus dem Mannschaftsbus, kniet nach Toren auf dem Rasen nieder und legt symbolisch eine imaginäre Krone für Jesus Christus ab. Eine Aktion zum Fremdschämen. Nun kann jeder glauben, was er möchte. Doch Nmecha belässt es nicht bei seinem persönlichen Glauben. Er versteht sich erkennbar als Träger einer religiösen Botschaft, die möglichst viele Menschen erreichen soll, weshalb er auch beständig seine Mitspieler in Dortmund zum Kirchgang auffordert.

Nach Ende des mit 7:1 gewonnenen Auftaktspieles rief Nmecha seine Mitspieler und seine Gegner auf, gemeinsam zu beten. Jonathan Tah und fünf Fußballer aus Curaçao folgten der Einladung und bildeten mit verschränkten Armen betend einen Kreis. Im anschließenden Interview in der ARD darauf angesprochen, erklärte Nmecha seine Motivation: "Im Spiel sind wir Gegner, aber nach dem Spiel sind wir alle Christen, wir sind Brüder. Dann haben wir einfach ein kleines Gebet zusammen gemacht. Wir sind immer noch sehr dankbar, vom Ergebnis her ist es natürlich schön für uns. Im Ganzen glauben wir alle, dass Jesus verherrlicht wird durch das Spiel. Deswegen sind wir zusammengekommen und haben mal kurz gebetet."

Spätestens an diesem Punkt wird es theologisch interessant. Wenn Jesus durch einen Kantersieg gegen Curaçao verherrlicht wird – wer ist dann für Eigentore, verschossene Elfmeter und grobe Fouls zuständig? Der Teufel? Und wenn Jesus durch ein Fußballspiel verherrlicht werden kann, funktioniert das auch durch Golf, Triathlon oder Skispringen?

Natürlich ist Nmecha nicht der einzige Fußballer mit religiösen Überzeugungen. Brasiliens Neymar läuft regelmäßig mit der Aufschrift "100 Prozent Jesus" herum, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi bekreuzigen sich nach Toren. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass der Dortmunder Bundesligaprofi Teil eines freikirchlichen Netzwerks ist, das den Sport gezielt als Missionsfeld begreift. Mit Projekten wie "Fußball mit Vision" oder "Ballers in God" sollen insbesondere Kinder und Jugendliche erreicht und an eine freikirchliche Ausprägung des Christentums herangeführt werden. Der Übergang zwischen Jugendarbeit, Mission und ideologischer Einflussnahme ist dabei mitunter fließend …

Felix Nmecha wird sich auch künftig als gläubiger Christ präsentieren. Das kann er in seinem privaten Umfeld gerne machen. Das ist sein gutes Recht. Doch genauso legitim ist die Frage, ob Nationalspieler Fußballstadien für religiöse Werbung nutzen sollten. Fußball lebt von Pässen, Dribblings und Toren, aber nicht von Bekehrungsversuchen. Bayern-Spieler Jonathan Tah hat angekündigt, dass es nach den nächsten DFB-Spielen ähnliche Szenen geben wird, um die eigenen Werte zu vermitteln. Man muss befürchten, dass bald der erste Spieler (Antonio Rüdiger?) bei der WM seinen Gebetsteppich ausrollt…

Bundestrainer Julian Nagelsmann sollte dem Treiben Einhalt gebieten. Der Fußballplatz ist kein Gotteshaus. Und das Stadion kein Missionsgebiet. Die Fans kommen, um ein Spiel zu sehen, nicht um Teil eines Bibelkreises zu werden. Die Trennung von Sport und Religion ist ebenso wichtig wie die Trennung von Staat und Religion.“

https://hpd.de/artikel/fussball-wm-bitte-keine-missionierung-dem-rasen-24160

 

„Evangelikal“ ist nicht gleichbedeutend mit „christlich“

 

Evangelikale sind Christen, die sich einzig und allein auf die Bibel berufen. Die ist jedoch sehr interpretierbar und in ihr stehen allerlei Unfug, Bösartigkeiten und Gefährlichkeiten drinnen.

Der dynamische Evangelikalismus konkurriert mit den etablierten christlichen Großkirchen. Und gewinnt immer mehr Anhänger. Warum das so ist, hatte der Wurm im folgenden Beitrag beschrieben: https://www.ansichten-eines-regenwurms.de/index.php/300-fest-der-familie

Spektakulär war die Wahl des Evangelikalen Jair Bolsonaro zum Präsidenten Brasiliens mit der gleichzeitigen Erosion der gemäßigten christdemokratischen Parteien und dem Triumph der fanatisierten evangelikalen Parteien: https://www.ansichten-eines-regenwurms.de/index.php/602-im-jordan-getauft

Unter den Evangelikalen befinden sich jene Apokalyptiker, die das Ende der Welt herbeiführen wollen: https://www.ansichten-eines-regenwurms.de/index.php/399-weltenende

Auch an sehr einflussreichen Stellen in der derzeitigen US-Regierung: https://www.ansichten-eines-regenwurms.de/index.php/1468-apocalypse-now

Gleichzeitig befinden sich die christlichen Großkirchen (nicht nur in Deutschland, aber vor allem da) in einem massiven Niedergang und Bedeutungs-Verlust. Siehe unter anderem https://www.ansichten-eines-regenwurms.de/index.php/1301-wir-sind-irrelevant , http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/index.php/1325-gott-und-die-cdu-sind-queer-und-durchgeknallt , https://www.ansichten-eines-regenwurms.de/index.php/1422-gott-wird-immer-queerer .

Es ist verständlich, wenn konservative Christen sich über die Aktionen von Felix Nmecha und Konsorten freuen – sie sollten sich aber dessen sehr bewusst sein, dass damit der Evangelikalismus an Boden gewinnt zu Lasten von Katholizismus und Protestantismus.

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm

 

 

Das Böse verlachen

- Satire, Realsatire, ernst Gemeintes -

 

"Schnellschuss"

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=CNG52iMJIyc

 

 

Schwächlinge an die Macht!

Im neuen Wochenkommentar werfen wir vor der Sommerpause noch einen Blick auf die erfreulichsten und wichtigsten aktuellen Themen, von Budgets über Kriegskassen bis hin zur totalen Überwachung - damit wir alle beruhigt und unbeschwert den Sommer genießen können.

https://www.servustv.com/de/page/AA0MFXGAAB4P4MMKJ9GE?cid=55eeddc0-1569-43d1-957d-0985d490475c

 

Der Desinformations-Skandal um das Datum des AfD-Parteitags - Eine Chronologie

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=fRT3aFVOXak

 

 

Die absolute Projektion - Stegner beleidigt Weidel

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=t3OT4TvPh-A

 

 

Simone Solga: Habecks Blackrock | Folge 224

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=XpXYwkQMtZ0

 

 

HallMack  Aktuelle Kamera 231 - Merz verordnet Sparsamkeit

 

 

https://www.frei3.de/post/b6ddf7c7-8530-4bb5-9568-bfb9dac5317a

 

 

HallMack  Aktuelle Kamera 232 - Säuberung im Plenarsaal

https://www.frei3.de/post/f1a586ea-dcb1-4522-a1da-937b94456389

 

HallMack  Aktuelle Kamera 233 - Spahns geheime Immunität

https://www.frei3.de/post/3ae09cda-a63f-40b6-b0f8-54aac2c08ced

 

Die AfD wird liefern !!

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=tSQLFCy0fKE