Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.

Wir im Erdreich kapieren oft nicht, was und warum die Menschen etwas machen. Deshalb gibt es bei uns welche, die die Menschen studieren und uns Nachhilfe geben. Babette Bücherwurm hat’s mit der Literatur und piesackt uns mit solchen Sätzen wie „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich verändert“ von Giuseppe Tomasi di Lampedusa.

Weiter gehend haben wir unseren „Professor“ Aurelius Auerochs, der sich vorzüglich in der menschlichen Geschichte auskennt und uns anschauliche Beispiele gibt. So sollen wir uns vorstellen, wir wären in einem Land in Lateinamerika, in dem eine korrupte Oberschicht herrscht. Diese Oberschicht hat ein prächtiges Leben und kümmert sich kaum um die Masse der Bevölkerung, die mehr und mehr verelendet. Entweder wg. eigener Dummheit oder dadurch, dass Teile dieser Oberschicht sich gegen die oberste Spitze wenden und die Massen aufstacheln (was sehr viel wahrscheinlicher ist), kommt es zur Revolution.

Die neuen Machthaber sind mehr oder weniger auf der Seite des Volkes und versuchen, die Wirtschaft anzukurbeln und eine gerechtere Gesellschaft zu verwirklichen. Machen Fehler, sind manchmal etwas übereifrig und sind von Anfang an chancenlos: denn die bestimmenden Leute aus der Wirtschaft boykottieren die eigene Regierung, die Polizei macht keine Verbrechensbekämpfung mehr, wodurch die Kriminalität deutlich steigt. Außenpolitisch gibt es einen großen Staat in der Nähe, der kein Interesse hat, dass diese Regierung Erfolg hat und alles dafür tut, dass sie scheitert. Um die ohnehin instabile Lage weiter zu verschärfen, wird dafür gesorgt, dass wichtige Wirtschaftsgüter wie Lebensmittel oder Benzin knapp werden und sich lange Schlangen vor den jeweiligen Geschäften bilden. Und es wird eine neue Protestbewegung ausgebildet und bezahlt, die für ordentlich Rabbatz sorgen soll.

Nach relativ kurzer Zeit, sagen wir nach einem Jahr, meint das Militär einen Putsch machen zu müssen, führt mehr oder weniger die alten Zustände wieder ein und sorgt dafür, dass die Anhänger der gestürzten Regierung nie mehr an die Macht kommen können.

So oder so ähnlich spielt es sich bei den Menschen ab. Wir haben natürlich gleich gemerkt, dass Aurelius Auerochs uns mit „Land in Lateinamerika“ hinters Licht führen will und eigentlich Ägypten meint, wo das gerade passiert ist.

In Mainz fallen derzeit zahlreiche Züge aus, und der Regionalverkehr läuft nur eingeschränkt. Fernverkehrszüge wie ICE werden teils umgeleitet oder halten an anderen Bahnhöfen. Grund ist ein Personalengpass im Mainzer Bahnstellwerk.

Ist ja auch mal Zeit geworden, dass das Sparen am Personal bei der Bahn mal so richtig offensichtlich wird. Der Personalbestand wurde in den letzten Jahren stark ausgedünnt, so dass konzernweit 8 Millionen Überstunden und 9 Millionen Stunden ausstehender Urlaub aufgelaufen sind. Es wäre schön gewesen, wenn den Mitarbeitern wenigstens das Gefühl gegeben worden wäre, wichtig zu sein. Bei vielen wird das Gegenteil der Fall gewesen sein. Mit der Folge, dass die Identifikation der Mitarbeiter mit der Bahn sehr gesunken ist. Und das bei einem Unternehmen, bei dem schon Kinder davon geträumt haben, dort arbeiten zu dürfen.

Berthold Beitz ist tot, eine der führenden Gestalten der Wirtschaft seit den 1950er Jahren bis zur letzten Woche.

Offensichtlich besaß er hervorragende Manager-Qualitäten, aber deswegen äußert sich der Wurm nicht über ihn. Was ihn aus der Menge der Wirtschaftstreibenden und überhaupt der Menschen heraushebt, ist sein Charakter. So überragend war der jetzt auch wieder nicht, aber im Vergleich zu seinen Mitmenschen war Berthold Beitz für den Wurm ein Riese unter Zwergen.

Wir Regenwürmer sind begeisterte Fußballanhänger, die sich gerne mal ein Fußballspiel auf dem Rasen ansehen. Allerdings übertreiben es manche von uns doch ein wenig in ihrer Eigenschaft als Schlachtenbummler, indem sie manchmal für unbespielbare Plätze sorgen.

Immerhin haben sich unsere Freunde in Schweden bei der Europameisterschaft im Frauenfußball zurückgehalten und wir haben hier vor dem Fernseher unsere Freude an den Spielen gehabt. Nachdem wir beim Männerfußball schon einiges an Gegurke miterleben mussten, spielten die Nationalmenschschaften der Frauen auf richtig hohem Niveau. Selbst die Skeptiker unter uns waren zufrieden.

Wurm und mensch kann ja durchaus skeptisch sein und sich fragen, ob bei Frauen ein Fußballspiel auf hohem Niveau raus kommen kann und sich dann eines Besseren belehren lassen. Etwas anderes ist es, den Frauen das Fußballspielen verbieten zu wollen. Um mal Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenfu%C3%9Fball zu zitieren:

„1955 beschloss der DFB auf seinem Verbandstag, das Fußballspielen mit Damenmannschaften zu unterbinden. Er verbot den ihm angeschlossenen Vereinen, Frauenabteilungen zu gründen oder Sportstätten zur Verfügung zu stellen. Als Begründung für das Verbot hieß es in der entsprechenden Erklärung des DFB unter anderem: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“ Trotzdem spielten Frauen weiterhin in eigenen Vereinen oder als Abteilungen von Vereinen, die nicht dem DFB unterstanden, wie beispielsweise die Frauen-Fußballabteilung der Frankfurter Schützengemeinschaft Oberst Schiel.“

Hunde und Menschen, die sich für etwas Besseres wähnen, können ihren Stammbaum über einen sehr langen Zeitraum zurück verfolgen (vorausgesetzt, dass die Mütter nicht geschummelt haben). So ist das auch bei der Geburt der Woche, „Seiner Königlichen Hoheit Prinz George von Cambridge“.

Das Erstaunliche an dessen Stammbaum ist, dass einer seiner Vorfahren Vlad III. Draculea ist. Wem der Name bekannt vorkommt, der liegt richtig: Es handelt sich tatsächlich um „Dracula“ (der Literat Bram Stoker hat in seinem Dracula-Roman das „e“ einfach weggelassen). Seit Königin Mary (Gemahlin von König George V. und Großmutter der aktuellen englischen Königin) zirkuliert Draculas Blut im englischen Königshaus. „Draculea“ heisst auf Latein „Sohn des Drachen“ und auf Rumänisch „Sohn des Teufels“. Nun kann sich jeder aussuchen, ob die aktuelle englische Königsfamilie von einem Drachen, einem Teufel oder einem Vampir abstammt.