Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.

Bei allem Ärger über das Treiben der Menschheit, müssen die Bewohner des Erdreichs neidlos anerkennen, dass die Menschen zu tollen Sachen fähig sind. Etwa im Bereich der Kultur. So kann der Wurm nicht verhehlen, gerne ihre Filme zu sehen. 

Letzten Sonntag verneigten sich die Bewohner des Erdreichs vor einem der ganz Großen des Films, denn da jährte sich der 50. Todestag von Peter Lorre. 

Kaum lobt der Wurm einmal die Menschen, kann er schon wieder über sie schimpfen: zumindest in Deutschland ist Peter Lorre weitest gehend vergessen (mensch frage mal in seinem Bekanntenkreis nach ihm – das Ergebnis wird sehr wahrscheinlich niederschmetternd sein) und das Fernsehen hielt es nicht einmal für nötig, an diesem Tag einen seiner Filme zu zeigen. 

„‚Natürlich ist das, was auf der Krim geschieht, ein Verstoß gegen das Völkerrecht‘, sagte Schröder auf der Veranstaltung in Hamburg weiter. Dennoch wolle er seinen Freund, den russischen Präsidenten Wladimir Putin, nicht verurteilen. Er selbst habe als Kanzler beim Jugoslawien-Konflikt ebenfalls gegen das Völkerrecht verstoßen. ‚Da haben wir unsere Flugzeuge (...) nach Serbien geschickt, und die haben zusammen mit der Nato einen souveränen Staat gebombt - ohne dass es einen Sicherheitsratsbeschluss gegeben hätte."‘ Insofern sei er mit dem erhobenen Zeigefinger vorsichtig, betonte Schröder.“

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/krim-krise-ex-kanzler-gerhard-schroeder-kritisiert-eu-a-957728.html

Auf das, was gerade in der Krim vor sich geht, wird der Wurm später noch eingehen. Zusammen mit dem Leiter der Arbeitsgruppe MMM (Macht, Medien, Manipulation), Bonifaz Breitmaulfrosch, fragt er sich erst einmal, wie der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder im Jahre 1999 gegen das Völkerrecht „verstoßen“ hat. Anders ausgedrückt: wie er dafür gesorgt hat, dass zahlreiche Menschen zu Tode kamen.

“Gestern wurde Thaddäus Troll auf dem Steigfriedhof beerdigt. An seinem Grab spielte eine Dixieland-Band. Der Pfarrer faßte sich kurz. Cannstatter Trollinger wurde ausgeschenkt. Die Trauergäste erhielten folgenden Text:

Liebe Freunde – mein vor ein paar Tagen beendetes Leben lang hatte ich eine Aversion gegen die Zeremonien einer Beisetzung. Die routinierte Pompe funèbre; die Betretenheit der Trauergäste; der bemühte Trost des Priesters; die larmoyante Schönfärberei der Nachrufer; der rasche Transit des Krematoriums; die gewerbsmäßig geheuchelte Anteilnahme der Sargträger; die jämmerlichen Bläser, die hinter Grabsteinen getarnt ihren Zank unterbrachen, um ‚So nimm denn meine Hände‘ zu tuten; der Motor der Pflicht, der die meisten Anwesenden in schlechtsitzende, eingemottete Trauerkleidung gezwängt und zum Friedhof getrieben hatte – das alles löste aus, daß ich mich mit der kalauernden Begründung: ‚Der kommt ja auch nicht zu der meinigen‘ vor Beisetzungen drückte. Um die heutige Beerdigung komme ich mit dem besten Willen nicht herum.“

Dies der Beginn des „Nachruf zu Lebzeiten“ von Thaddäus Troll. Seine Beerdigung fand tatsächlich wie gewünscht im Jahre 1980 statt.

Trotzdem die meisten Menschen weder Ironie noch Hintergründiges verstehen, gibt es doch einige Wenige, die sich daran erfreuen können. Vor allem dann, wenn die Ironie angekündigt ist. Etwa im Kabarett oder in der Glosse in der Zeitung. Wenn gesagt wird „jetzt wird’s ironisch“, dann besteht wenigstens die Möglichkeit, dass es verstanden wird.

Wir Bewohner des Erdreichs verehren Thaddäus Troll als Meister des Sprachwitzes und der Ironie und denken an ihn gerade in diesen Tagen, an denen er 100 Jahre alt geworden wäre.

Vor 175 Jahren wurde das erste deutsche Gesetz zum Arbeitsschutz erlassen. Anders ausgedrückt: vor 1839 gab es überhaupt keine Regeln und Gesetze.

Und dieses Gesetz, das Preußische Regulativ vom 9. März 1839 (eigentlich: Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter) war ein Gesetz, mit dem die Kinderarbeit eingeschränkt wurde.

Mensch lese und schaudere: „Durch das Preußisches Regulativ wurde Kindern bis zum neunten Lebensjahr die regelmäßige Arbeit in der Fabrik, in Berg-, Hütten- und Pochwerken verboten. Die Arbeitszeit der Jugendlichen unter 16 Jahren durfte zehn Stunden nicht überschreiten. Jugendlichen unter 16 Jahren, die keine dreijährige Schulzeit nachweisen konnten, wonach sie die „Muttersprache geläufig lesen“ und „einen Anfang im Schreiben gemacht“ haben, wurde die Fabrikarbeit untersagt. Davon ausgenommen waren Fabriken, denen eigene Schulen angegliedert waren und die einen Bildungsanspruch garantierten. Nachtarbeit von 21 Uhr bis 5 Uhr, Sonn- und Feiertagsarbeit wurde für Jugendliche verboten.“

Es ist soweit: die Volksseele kocht. Gegenüber einem Menschen, der (soweit bekannt) gegen kein Gesetz verstoßen und keinem Menschen geschadet hat. Und dennoch ins Ausland fliehen musste.

Was hat dieser Mensch verbrochen? Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy hat sich in seinem stillen Kämmerlein Bilder und Filme von nackten Jungs angesehen. Da darauf keine sexuellen Handlungen zu sehen waren, war das alles ganz legal.