Hallo Freaks, Filmfreunde und Perverse!

https://www.youtube.com/watch?v=jZsKTHNTj6o

 

„Hallo Freaks, Filmfreunde und Perverse!

Manche bezeichnen mich als den beliebtesten und manche als den unbeliebtesten schwulen Filmregisseur Deutschlands. Und dafür habe ich eine ganze Menge getan. Seit über 30 Jahren nerve ich nun die Nation mit meinen über 140 Filmen, endlosen Talkshows, vielen Büchern, Hörspielen und Theaterstücken. Hier findet ihr alle Infos zu meinen weltberühmten Filmen sowie auch kleine Geheimnisse aus den Abgründen meiner Seele.“

http://www.rosavonpraunheim.de/index.html

 

So lautet die Begrüßung auf Rosa von Praunheims Webseite. Zumindest die Begrüßung ist nicht aktuell – tatsächlich hat er 57 Jahre lang Filme gedreht.

Rosa von Praunheim ist gestorben. Vielleicht wurde ihm zu Ende seines Lebens die Frage gestellt, was er aus dem ihm geschenkten Leben gemacht habe. Auf jeden Fall musste die Antwort nicht lauten, dass er sein Leben mit belanglosen, oberflächlichen Menschen, belanglosem, oberflächlichem Geschwätz, belanglosen, oberflächlichen Dingen verschwendet habe.

Nein, er hat dem Land und der ganzen Menschheit Impulse gegeben, so dass die Welt ohne ihn heute anders aussähe.

Sein Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ ist Beginn und Höhepunkt der modernen Schwulen-Bewegung, die sich nicht versteckt, sondern in die Gesellschaft hinein geht.

1991 outete er die beliebten Alfred Biolek und Hape Kerkeling als schwul, was zur Folge hatte, dass sich die gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexuellen deutlich besserte.

Und er hatte sehr viele sehenswerte Filme gemacht, die sich oft um Kleinkünstler, Vergessene, Verzweifelte, Liebenswerte oder vergessene Themen drehten. Ohne Rosa von Praunheim gäbe es all diese Filme nicht.

 

Rosagrafie

 

Es gibt viele gute Kommentare über Leben und Werk – aber das, was Rosa von Praunheim über sich selbst schreibt, ist überzeugend genug.

 

„Als Holger Mischwitzky 1942 in Riga, Lettland, geboren. Aufgewachsen in der DDR am Rande von Berlin in Teltow-Seehof. 1953 mussten die Eltern flüchten und siedelten sich über Umwegen in Frankfurt am Main an, wo wir im Stadtteil Praunheim wohnten.

Auf dem humanistischen Wöhlergymnasium machte ich meine erste Theaterinszenierung in lateinischer Sprache. Durch den häufigen Schulwechsel brachte ich es aber nicht weit und verließ vor der Mittleren Reife die Schule, wechselte zur Kunstschule Offenbach für ein Jahr.

Dann wurde ich auf der Hochschule für bildende Künstle in die Abteilung Freie Malerei aufgenommen. Hier studierte ich Anfang der sechziger Jahre, ging aber vor einem Abschluss ab.

1967 entstand mein erstes Buch und auch mein erster Kurzfilm Von Rosa von Praunheim. Durch den Verkauf des Films an den Hessischen Rundfunk konnte ich weitere Filme produzieren. 1968 bekam ich für meinen zweiten Kurzfilm Rosa Arbeiter auf goldener Straße Preise und wurde schnell bekannt.

1970 drehte ich drei größere Filme, darunter Die Bettwurst, die bis heute ein Kultfilm ist und Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt, mit dem ich die neue deutsche Schwulenbewegung gründete. Durch den Skandal, den dieser Film auslöste wurde ich berühmt und berüchtigt.

Bis heute habe ich über 150 Filme gedreht.

Neben dem Thema Homosexualität habe ich Filme in und über New York gemacht (Überleben in New York) und Filme mit älteren vitalen Frauen (Evelyn Künneke und Lotti Huber). Ich habe einige Filme über Aids gemacht und mich persönlich in der Aids Krise fast 10 Jahre für Prävention engagiert. Mein Outing von schwulen Prominenten war ein Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der Aidskrise.

1992 verfilmte ich das Leben des Transvestiten Charlotte von Mahlsdorf Ich bin meine eigene Frau. Die meisten meiner Filme sind auf vielen internationalen Festivals gelaufen.

Ich hatte unzählige Retrospektiven meiner Filme in der ganzen Welt.

Im Winter 1998 drehte ich in Hollywood Can I Be Your Bratwurst, Please? mit Jeff Stryker, der bis jetzt auf über 100 internationalen Festivals lief. Im Herbst 1999 habe ich einen meiner schönsten Filme in einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern gedreht, Wunderbares Wrodow. Er bekam den Robert Geisendörfer Medienpreis. Der Einstein des Sex, über den Sexualforscher Magnus Hirschfeld, kam im März 2000 in die Kinos. Im Frühjahr 2000 drehte ich für ZDF und ARTE die lange Dokumentation Für mich gab es nur noch Fassbinder - die glücklichen Opfer des Rainer Werner F., die im Winter 2000 ins Fernsehen kam. Im Februar 2002 wurde bei den Berliner Filmfestspielen im Panorama meine Doku Tunten lügen nicht mit den Berliner Tunten Ovo Maltine, Tima der Göttlichen, Bev Stroganoff und Ichgola Androgyn uraufgeführt und ist seitdem auf vielen internationalen Festivals zu sehen. Mein Spielfilm Kühe vom Nebel geschwängert mit dem Obdachlosentheater Die Ratten wurde im September 2002 auf den Filmfestspielen in Venedig gezeigt, später auf den Festivals in Hof und Rotterdam und bekam eine kleine Kinoauswertung.

Zu meinem 60. Geburtstag am 25. November 2002 drehte ich zusammen mit dem Kameramann Rene Krumenacher einen autobiographischen Film, mit dem Titel Pfui Rosa. Im Herbst 2003 stellte ich die Dokumentation Ratten 07 für das ZDF/ARTE her.

Dein Herz in meinem Hirn ist ein Spielfilm über Kannibalismus, der bei den Filmfestivals in Montreal und Hof 2005 gezeigt wurde. Ich hatte die Ehre mit zwei großartigen Schauspielern Martin Molitor und Martin Ontrop arbeiten zu dürfen.

Bei den Berliner Filmfestspielen 2005 durfte ich drei neue Filme zeigen. Wer ist Helene Schwarz – eine lange Dokumentation über die Muse des deutschen Films, die 36 Jahre an der Deutschen Film und Fernsehakademie in Berlin Studenten betreut und heute immer noch im Alter von 78 Jahren dort arbeitet. Ein liebevolles Portrait einer wunderbaren Frau und eine Geschichte des deutschen Films mit vielen berühmten Regisseuren. Männer Helden und schwule Nazis – eine lange Dokumentation über schwule Männer und ihrem Interesse an rechtsradikalem Gedankengut.

2006 drehte ich Mit Olga auf der Wolga eine Doku über eine Flusskreuzfahrt von Moskau nach Sankt Petersburg mit einer Gruppe von originellen Berlinern. Der Spielfilm Sechs tote Studenten ist eine Komödie über meine Zeit als Filmprofessor.

Im Jahre 2000 offenbarte mir meine damals 94-jährigen Mutter, dass ich nicht ihr Sohn bin. Sie hatte mich in Riga während der deutschen Besatzung in einem Kinderheim gefunden. Mehr sagte sie nicht. Im Jahr 2003 verstarb sie. Zuerst wollte ich nicht nach meiner leiblichen Mutter forschen, da ich eine liebevolle hatte. Erst später erwachte meine Neugier. Doch ohne meinen richtigen Familiennamen schien die Suche zwecklos. Durch einen lettischen Journalisten fand ich Agnese, die im Staatlichen Archiv Lettlands Erstaunliches herausfand. Ebenso erstaunlich war es, dass ich in Berlin tatsächlich meine richtige Geburtsurkunde fand. Darin stand, dass ich 1942 im Zentralgefängnis in Riga zur Welt gekommen war. Ich dokumentierte die Suche in dem Film Meine Mütter, der auf den Hofer Filmtagen im Oktober 2007 seine Premiere hatte.

Anfang 2008 beendete ich den Film Tote Schwule – lebende Lesben. Ich portraitiere drei Zeitzeugen der Nazizeit, Walter Schwarze, Joe Luga und Albrecht Becker, die alle inzwischen verstorben sind und fünf starke lesbische Frauen von heute.

In Hof zeigte ich im Herbst 2008 meinen Kurzfilm Rosa Riese, einen Film über einen Massenmörder aus Brandenburg. Das Festival verlieh mir den Filmpreis der Stadt Hof, eine ganz besondere Auszeichnung für mich, da ich seit über 20 Jahren eng mit dem Festival verbunden bin, dort 14 Filme zeigen durfte.

2009 drehte ich den Film Rosas Höllenfahrt, einen Dokumentarfilm, in dem ich mich auf die historischen Spuren der Höllenvorstellungen verschiedener Religionen und Kulturen begebe.

Eine Retrospektive in New York entfachte meine Liebe zu der Metropole neu. Ich wollte unbedingt wieder einen New-York-Film drehen. Ich traf viele Protagonisten meiner früheren Filme wieder und so entstand die Idee zu der Dokumentation New York Memories, die Fortsetzung meines Kinoerfolges Überleben in New York.

Auf der Berlinale 2011 hatte mein neuer Film Die Jungs vom Bahnhof Zoo, ein Film über männliche Prostitution in Berlin, Premiere.

2012 drehte ich mit Rosas Welt 70 neue Filme zu meinem 70. Geburtstag und bekam das Bundesverdienstkreuz.

2015 war die Premiere meines Films Härte mit Luise Heyer und Hanno Koffler in den Hauptrollen.

2017 drehte ich eine Doku über Künstler*innen im Berliner Stadtteil Neukölln mit dem Titel Überleben in Neukölln.

2018 Ausstellung in der Akademie der Künste Berlin Abfallprodukte der Liebe und die Premiere meines Theaterstücks Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht im Deutschen Theater Berlin.

2019 Darkroom - Tödliche Tropfen basierend auf einer wahren Mordserie in Berlin.

2020 Operndiven, Operntunten eine Doku über Operndiven und ihre Fans, u.a. mit Edda Moser und der kürzlich verstorbenen Edita Gruberová. Im Deutschen Theater inszenierte ich mein Theaterstück Hitlers Ziege oder die Hämorrhoiden des Königs.

2022 Die Nachtigall oder der grausame Sohn und Der Hirschensprung.

Im September 2022 kommt das Dokudrama Rex Gildo - Der letzte Tanz im Verleih von Missingfilms ins Kino.

Am 8. September 2022 ist die Premiere von Die Bettwurst, ein Musical in der Bar Jeder Vernunft in Berlin.

Ebenfalls im September erscheint mein Roman Hasenpupsiloch im Martin Schmitz Verlag.“

http://www.rosavonpraunheim.de/lebenslauf/lebenslauf.html

 

Schwuler Rosa

 

„Schwul war ich schon immer, aber Filme darüber durfte ich erst Ende der 60er Jahre machen und mache sie im hohen Alter von fast 70 Jahren immer noch genauso gerne. Ich bin stolz darauf, dass ich die Gelegenheit hatte, in über 40 Jahren immer wieder schwule Themen zum Inhalt meiner Filme machen zu können. Ich war weltweit einer der Ersten, der nach dem zweiten Weltkrieg einen politischen Schwulenfilm gemacht hat und sage in Bescheidenheit, dass ich wohl der produktivste Schwulenfilmer dieser Erde bin.

Meinen Namen Rosa von Praunheim erfand ich Anfang der 60er Jahre. Als ich auf der Kunsthochschule in Berlin studierte, brauchte ich einen Künstlernamen und ich wählte Rosa, um an den Rosa Winkel, den die Schwulen im KZ tragen mussten, zu erinnern. Praunheim ist ein Stadtteil von Frankfurt a. M., wo ich meine Jugend verbrachte. Nein, Schwulenpolitik habe ich damals noch nicht gemacht, aber ich fühlte mich in all den kleinbürgerlichen Schwulenkneipen, in denen meist nur Eitelkeit zur Schau gestellt wurde, nicht wohl. Ich mochte die Schwulen nicht, die sich total unpolitisch gaben und die sich auch später nicht trauten, über ihr Schwulsein öffentlich zu sprechen, geschweige denn eine Schwulenbewegung zu unterstützen. Sauer war ich auf all die feigen Schwulen, die wegrannten, wenn Schwulenhasser sie jagten, statt gemeinsam Widerstand zu leisten.

Erst 1969 wurde der Paragraph 175 verändert, der bis dahin alle Schwulen kriminalisierte. Bislang hatte ich als Schwuler immer mit einem Fuß im Knast gelebt. Ich erinnere mich noch, wie mich damals ein Nachbar bedrohte und anzeigen wollte, als er herausbekam, dass ich schwul bin.

Ich war jung, wild und provokant. Schon in meinem dritten Kurzfilm Schwestern der Revolution (1969) zeigte ich eine Gruppe von Schwulen, die sich mit der Frauenbewegung solidarisierte.

Das brachte die etablierte Filmgesellschaft Bavaria auf die Idee, mich anzufragen, ob ich nicht einen Film zum Thema Homosexualität machen möchte. Ich schrieb ein konventionelles Skript und drehte ohne Ton in Berlin mit vielen Freunden. Erst später schrieben Martin Dannecker und ich die provozierenden sozialkritischen Kommentare, die über den Stummfilm gelegt wurden, der einen grossen Skandal auslöste. 1971 erlebte mein Film Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt auf den Filmfestspielen in Berlin seine Welturaufführung. Die Schwulen waren entsetzt, weil sie nicht wie erwartet mit Samthandschuhen angefasst, sondern von mir wegen ihrer Passivität, Feigheit und unpolitischen Haltung laut beschimpft wurden. Das Fernsehen verbot den Film zuerst und sendete ihn erst zwei Jahre später. Inzwischen hatten wir nach den ersten Kinoaufführungen des Films über 50 Schwulengruppen in Berlin und West-Deutschland gegründet. Das war der Beginn der modernen Schwulenbewegung in Deutschland.

Viele von uns, die sich damals engagierten, glaubten an eine Weltrevolution, an die sexuelle Befreiung im ganz großen Stil. Wir riefen zur Solidarität mit allen Minderheiten auf, wir wollten gemeinsam mit der Frauenbewegung kämpfen. Viel Zuspruch bekamen wir von linken schwulen Studenten, die in anderen linken Gruppen als Schwule nicht anerkannt wurden. Die ersten Jahre waren sehr bewegt und produktiv. Für viele Schwule wurde ich eine wichtige Identifikationsfigur und die Bewegung wuchs.

Doch schon bald gewann der Kommerz die Oberhand und die schwule Subkultur genoss die neuen Freiheiten vor allem in Sexbars, bei Ledertreffen und in Discos. Der politische Anspruch wurde wieder geringer. Einige Wenige gründeten schwule Buchläden und Cafés als soziale und kulturelle Treffpunkte für Schwule; schwule Kleinverlage und Zeitschriften enstanden.

Als ich den Schwulenfilm Nicht der Homosexuelle machte, wusste ich wenig von den politischen Entwicklungen in den USA, von den Aufständen der Schwulen 1969 in der Stonewall Bar in New York gegen die mafiöse Polizei, die sie unterdrückte und schikanierte. Ich wusste auch nichts von der schwulenpolitischen Vorgeschichte in Deutschland um die Jahrhundertwende, wusste kaum etwas von dem Vorkämpfer Magnus Hirschfeld, der schon 1897 die erste Schwulenorganisation gegründet hatte. 1971 flog ich zum ersten mal nach New York und nahm an der zweiten großen Schwulendemonstration (Christopher Street Day) teil. Ich war begeistert von den tausenden bunt gekleideten und kämpferischen Homosexuellen.

Ich zeigte auch dort meinen Schwulenfilm und löste wieder heftige Diskussionen aus. Ich begann dann in den USA mit meinem großen Dokumentarfilm Armee der Liebenden – Aufstand der Perversen, der die Schwulen- und Lesbenbewegung in den USA von den 50er Jahren an bis 1976 darstellte. Ich denke, ein historisch wichtiger Film.

Armee der Liebenden kam Ende der 70er Jahre in die Kinos und hatte großen Erfolg. Gleichzeitig hatte ich in New York Undergroud and Emigrants über die Underground-Theaterszene in den USA gedreht. Hier porträtierte ich viele schwule Theater- und Filmemacher, unter anderem Andy Warhol, Charles Ludlam und Jack Smith. Sie zeigten zum ersten Mal auf der Bühne und Leinwand schwulen Sex, ließen glitzernde Transvestiten auftreten und sangen von gleichgeschlechtlicher Liebe. Ich war hingerissen von der sehr kreativen Szene in New York, die zum großen Teil aus Juden und Schwulen bestand. Mein Dokumentarfilm über den Andy Warhol-Superstar Tally Brown wurde 1979 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Anfang der 80er Jahre drehte ich Stadt der verlorenen Seelen, ein Musical mit amerikanischen Showkünstlern, die in Berlin strandeten und dort versuchten, eine neue Karriere zu starten. In der Hauptrolle ist die schwarze Venus Angie Stardust zu sehen, einer der ersten schwarzen Travestiekünstler, die in den weißen Clubs in New York auftraten. Dann waren da Jayne County, eine Punk-Transe, die in England mit den Electric Chairs Erfolg hatte, und Joaquim la Habana aus Kuba. 1985 drehte ich den Spielfilm Horror Vacui, in dem zwei schwule Freunde in die Fänge einer Sekte geraten. Der Film bekam den Los Angeles Filmcritic Award. In einem weiteren Spielfilm Anita – Tänze des Lasters portraitierte ich die bisexuelle Tänzerin Anita Berber mit ihrem Tanzpartner Droste. Auch dieser Film ging um die Welt.

Anfang der 80er kam Aids auf und beeinflusste mein filmisches wie auch mein persönliches Leben auf sehr intensive Weise. 1983 war Aids in der deutschen Presse zum ersten mal ein großes Thema. Gleichzeitig erkrankten schon Freunde von mir in New York. Niemand wusste zu dem Zeitpunkt, wie Aids sich verbreitete und was es genau war. Wir alle waren in Panik, weil es tödlich verlief. Erst Ende 1984 entdeckte man das Virus und war fähig, es im Körper nachzuweisen. Ich hatte Glück und war negativ.

Diese Zeit war für viele Schwule sehr schwer und ich beschloss, politisch wieder aktiver zu werden. Ich organisierte ab 1985 Aids-Informationsveranstaltungen, ich schrieb aufklärerische und provokative Artikel im Spiegel und forderte öffentlich die radikale Einhaltung von Safer Sex-Regeln. Dann veranstaltete ich ein großes Benefiz für die neu gegründete Aids-Hilfe mit vielen deutschen Topstars, darunter Inge Meysel, Alfred Biolek, Herbert Grönemeyer, Andre Heller und Klaus Hoffmann.

1985 machte ich auch meinen ersten Spielfilm zur Aids-Thematik, Ein Virus kennt keine Moral. Es wurde eine schwarze Komödie. Ich wollte bewusst keinen Mitleids-Film drehen, ich wollte gleichzeitig aufklären und unterhalten. Bei den zahlreichen Diskussionen, die nach dem Film stattfanden, waren viele Menschen dabei, die trotz Aufklärung Safer Sex kritisierten, weil sie meinten, dass das Virus eine Erfindung des CIA und Deuschland nicht bedroht sei. Man sollte lediglich darauf verzichten, mit Amerikanern ungeschützten Sex zu haben.

Viele linke Schwulen meinten, dass die Presse nur Panik verbreiten würde und dass man Safer Sex nicht so banal wie ein Waschmittel bewerben könne. Die Sexualforscher plädierten für eine intensive psychologische Beratung hinsichtlich des Umgangs mit Aids. Ich regte mich fürchterlich auf, sagte, dass das Virus sich viel zu schnell verbreiten würde, um lange über Maßnahmen zu debattieren, und dass sich alle mit Kondomen schützen sollten. Mein Kampf dauerte 10 Jahre an.

Ich trat oft kämpferisch in den Medien auf – drehte Ende der 80ziger Jahre in New York zwei Dokumentationen: Positiv über den Kampf von radikalen Anti-Aids-Aktivisten (Act Up) und Schweigen = Tod über Künstler im Kampf gegen Aids. Dann 1990 Feuer unter dem Arsch, ein Film über die Aids-Krise in Berlin.

Mit meinen radikalen Auftritten in der Öffentlichkeit machte ich mir nicht nur Freunde. Ich griff die inzwischen mächtig gewordenen Aids-Hilfen an, weil sie sich aus meiner Sicht nicht genug für Safer Sex einsetzen. Die Aids-Hilfen schlugen zurück und boykottierten meine Filme.

Ende der 80er Jahre hatte ich im Kino meinen größten kommerziellen Erfolg mit einer Dokumentation über drei ungewöhnliche deutsche Frauen in den USA mit dem Titel Überleben in New York. Eine der Frauen hatte in New York ihr lesbisches Coming Out und lebt dort heute noch in einer glücklichen Beziehung mit einer Frau.

Als ich dann auf dem Höhepunkt der Aids-Krise begann, prominente Schwule im Fernsehen zu outen (1991/92), hatte ich nicht nur viele Schwule, sondern auch viele Heteros gegen mich. Ein riesiger Skandal. Meine Outings waren kein Programm, sondern nur eine Aktion auf kurze Zeit, ein Steinwurf, um ängliche und feige Schwule im Lande aufzuwecken und sie zu mehr Mitverantwortung zu bewegen. Prominente Schwule sollten Vorbilder und Identifikatiunsfiguren sein. Aids hatte die Schwulen wieder in ihre Verstecke zurückgetrieben und sie waren einer weiteren großen Diskriminierungswelle ausgesetzt. Ich war der Meinung, dass man dieser durch mehr Öffentlichkeit entgegen treten sollte.

Trotz des großen Aufschreis in den Medien sagen heute die von mir geouteten Showstars A. Biolek und H. Kerkeling, dass sie auch erleichtert waren, nicht mehr versteckt leben zu müssen. Die Journaille im Land änderte ihre Einstellung zu den Schwulen, stigmatisierte und problematisierte sie weniger. Heute berichtet die Presse über prominente Schwule in den Klatschspalten ähnlich wie über Heteros. Viele prominete Schwule werden positiv und als Sympathieträger dargestellt. Das war vor den Outings nicht möglich.

Nach den Outings forderten einige einen Fernsehboykott gegen mich, doch schon bald konnte ich weitere Filme drehen. Für den Hessischen Rundfunk machte ich eine große Dokumentation unter dem Titel Schwuler Mut – 100 Jahre Schwulenbewegung, den ich parallel zu einer großen Ausstellung und Veranstaltungsreihe in der Berliner Akademie der Künste fertigstellte.

Stolz und Schwul war eine Porträtserie über drei alte schwule Männer, die jeweils von den wilden 20ern, den schrecklichen 40ern und 50ern erzählen. Dann durfte ich Vor Transsexuellen wird gewarnt für den NDR drehen, ein Dokumentarfilm über die Bürgerrechtsbewegung von Transsexuellen in den USA. Besonders beeindruckend für mich war der Kampf der Frau-zu-Mann-Transsexuellen, von denen man bislang wenig wusste.

1995 drehte ich Neurosia, einen autobiographischen Spielfilm, in Form einer schrillen Komödie.

1999 drehte ich meinen bislang teuersten Spielfilm Der Einstein des Sex über das Schaffen und Leben des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld . Für diesen Film recherchierte ich fast 10 Jahre und verfasste viele Drehbuchentwürfe. Ich war sehr beeindruckt von der frühen deutschen Schwulenbewegung, die so progressiv um die Jahrhundertwende begann und dann so entsetzlich von den Nazis unterbrochen wurde.

1999 drehte ich in Hollywood für Ziegler-Film meinen erotischen Kurzfilm Can I be your Bratwurst, please? mit der lebenden Pornolegende Jeff Stryker in der Hauptrolle. Der Film lief auf über zweihundert Filmfestivals weltweit.

2000 kam meine Dokumentation über den Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder heraus, der sehr stark Fassbinders homosexuelles Leben beleuchtet.

2002 wurde mein Film Tunten lügen nicht auf der Berlinale uraufgeführt. Es ist eine Dokumentation über vier Polit-Tunten in Berlin, die ich seit den 80ern beobachtete und schätzen gelernt habe. Im Film outen sich drei von ihnen als HIV+ und bald mussten wir die Darstellerin Ovo Maltine zu Grabe tragen. Sie liegt auf dem Alten St. Mathäus Friedhof in Berlin. Kurz vor ihrem Tod besuchte ich Charlotte von Mahlsdorf in Schweden, sprach mit ihr über Sterben und Tod in meinem Kurzfilm Charlotte in Schweden.

Zu meinem 60. Geburtstag drehte ich das Selbstpotrait Pfui Rosa, so hatte mich die Bild-Zeitung nach meinen Outings betitelt.

2005 drehte ich Männer, Helden, schwule Nazis. Der Dokumentarfilm war mit einer sehr schwierigen Recherche verbunden. Ich fand heraus, dass es schon Ende des 19. Jahrhunderts politisch rechtsgesinnte Schwule gab, Anti-Semiten und Frauenfeinde. Bei den Nazis gab es unter dem SA-Führer Ernst Röhm eine ganze Reihe von Schwulen und genauso sind auch heute bei den Neonazis, so pervers es klingt, viele Schwule, auch in hohen politischen Positionen, zu finden. Die Uraufführung bei der Berlinale wurde sehr kontrovers besprochen.

In der Presse wurde ein Fall von einem schwulen Kannibalen bekannt. Dadurch angestoßen drehte ich eine Spielfilm-Improvisation unter dem Titel Dein Herz in meinem Hirn mit den wunderbaren Schauspielern Martin Ontrop und Martin Molitor.

2007 enstand mein vielleicht emotionalster Film Meine Mütter, die Suche nach meiner leiblichen Mutter. Erst mit 94 Jahren erzählte mir meine liebe Adoptiv-Mutter Gertrud, dass ich nicht ihr leiblicher Sohn sei. Nach ihrem Tod machte ich mich auf die Suche nach Riga, wo ich 1942 geboren wurde und fand Erstaunliches heraus.

2008 entstanden Tote Schwule – lebende Lesben und Rosa Riese, eine Spielfilm-Improvisation über einen realen Frauenmörder in Brandenburg, der inzwischen in der Psychatrie sitzt und Frauenkleider trägt.

2009 drehte ich für ZDF/ARTE Rosas Höllenfahrt, eine filmische Reise durch die Religion und deren Höllenvorstellungen. Bei der Talkshow von Anne Will (2010) bezeichnete der Bischof Overbeck Schwule als Sünder. Daraufhin outete sich einer meiner Protagonisten im Film, der bis dahin als erzkonservativ bekannte Religionslehrer und Herausgeber theologischer Blätter David Berger, als schwul und verlor prompt alle seine kirchlichen Ämter.

Nach 10 Jahren USA-Abstinenz reiste ich 2009 wieder nach New York, wo ich New York Memories, eine Fortsetzung von Überleben in New York drehte. Ich befragte und porträtierte die Protagonistinnen Claudia und Anna nach 20 Jahren erneut und fand ein völlig verändertes New York vor, reich und konservativ, voller Coffee-Shops und Luxusläden, aber immer noch energiegeladen. 2010 drehte ich für RBB und NDR Die Jungs vom Bahnhof Zoo, einen Dokumentarfilm über männliche Armutsprostitution in Berlin. Wie viele meiner Filme wurden New York Memories und Die Jungs vom Bahnhof Zoo bei der Berlinale uraufgeführt

Im November 2012 werde ich 70 Jahre alt. Ich habe den nahezu größenwahnsinnigen Plan, bis dahin noch 70 Filme zu drehen. Werde ich das schaffen? Gerade habe ich in drei Tagen die Komödie Axel und Peter mit zwei schwergewichtigen schwulen Darstellern abgedreht, Peter Kern und Axel Ranisch, beide sind bemerkenswert begabte Schauspieler und Regisseure.

Es macht Spaß, schwul zu sein, und es macht Spaß, Filme zu drehen.

2011 ist es vierzig Jahre her, dass ich meinen Schwulenfilm Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt gedreht habe. Es ist dann vierzig Jahre her, dass wir die ersten kämpferischen Schwulengruppen gründeten, wie z.B. die Homosexuelle Aktion West Berlin. Es ist 25 Jahre her, dass ich mich mit Filmen, in Talkshows und jounalistisch für den Kampf gegen Aids engagiere.

In den vierzig Jahren, in denen ich Schwulenfilme mache, hat sich viel verändert. Wer hätte damals gedacht, dass Berlin mal einen populären schwulen Bürgermeister haben würde, der sich öffentlich mit dem Satz Ich bin schwul und das ist auch gut so outete und damit auf enorm positive Reaktionen bei schwulen und heterosexuellen Bürgern und bei der Presse stieß. Wer hätte gedacht, dass inzwischen Heteros erfolgreiche Schwulenfilme drehen und das in fast jeder TV-Soap mindestens ein Schwuler anzutreffen ist. Und trotzdem gibt es weltweit Schwulenunterdrückung. Viele Länder dieser Erde kriminalisieren Schwule noch immer. In Osteuropa, in Afrika und Asien sieht es schrecklich für Homosexuelle aus. Die Kirchen bekämpfen Schwule und Lesben vehement. Also, es gibt noch viel zu tun für uns und für mich in der kurzen Lebenszeit, die mir noch bleibt.“

http://www.rosavonpraunheim.de/specials/schwuler_rosa.html

 

Frauen um Rosa

 

„Neben dem Schwulenthema waren für mich Frauen, meist ältere Frauen, das Zweitwichtigste in meinem Leben und in meinen Filmen. Warum? Ist es die Ersatzmutter, bei der man sich besonders verstanden fühlt, ist es die Identifikation mit starken selbstbewussten, klugen Frauen, weshalb Schwule oft die großen Diven verehren von Mae West bis Marlene Dietrich, von Judy Garland bis Liz Taylor?

Die erste bedeutende Frau in meinem Leben war Nora, Gräfin Stolberg zu Stolberg. Leider ist sie nie in einem meiner Filme aufgetreten, nur in einem Hörspiel Frauen zwischen Hitler und Goethe. Ich lernte Nora mit 17 Jahren kennen und schätzen. Sie war die Mutter einer Freundin auf der Kunstschule in Offenbach, ca. 20 Jahre älter und sie schloss mich in ihr Herz. Nächtelang diskutierten wir alle Themen dieser Welt. Sie hatte viel Zeit für mich, da ihre Kinder aus dem Haus waren und ihr Mann, der gerade durch einen Unglücksfall mit einer brennenden Zigarette im Schlaf erstickt ist. Nora war Halbjüdin, ihr Vater war im KZ umgekommen. Nora war eine leidenschaftliche, sinnliche Frau und wir tanzten nächtelang nach der Melodie von „Strangers in the night”. Nora ist wie viele meiner wichtigsten älteren Freundinnen tot. So tot wie Luzi Kryn aus der Bettwurst, wie Lotti Huber und Evelyn Künneke, die alle in den letzten Jahren verstorben sind.

Die zweitwichtigste Frau in meinem Leben war jünger als ich, Carla, die ich Carla Aulaulu nannte und mit der ich meine Filmkarriere begann. Ich lernte sie Anfang oder Mitte der sechziger Jahre in Berlin kennen. Ich war auf die Kunsthochschule gegangen, um Malerei zu studieren, gleichzeitig schrieb ich poetische Geschichten von ermordeten Königen und liebte alles Verrückte und Abseitige. Ich sammelte um mich herum wilde schwule Männer und exzentrische Frauen. Carla war die Verrückteste, klaute sich mit ihrer Freundin Drogen aus dem Botanischen Garten, schneiderte sich die wildesten Outfits und tanzte mit mir die Nächte in Schwulenbars durch. Ich bat meine Freundin, die Fotografin Elfi Mikesch, von Carla Fotos zu machen, aus denen später 1968 das Fotobuch Oh Muvie entstand. Carla war klein, nicht besonders schlank, aber wollte unbedingt die erotischste Frau der Welt sein. Ihre Parodien begeisterten uns alle. Bald wurde sie durch meine ersten Kurzfilme eine Kultfigur im deutschen Underground und 1969 heirateten wir.

Die Hochzeitsnacht war kurios, weil ich sie mit jemand anderem, einem Mann verbrachte und Carla hohes Fieber bekam. Danach haben wir uns nie wieder gesehen, sie ging nach München, machte mit Fassbinder Theater und Film und verliebte sich dann in einen unbegabten Regisseur, der auf ihre Vergangenheit eifersüchtig war, und sie versank immer mehr in Vergessenheit.

Carla war wild, frech, eine Comicfigur, hatte eine unbändige Fantasie und regte mich zu meinen ersten Filmen an. 1969 entstand Von Rosa von Praunheim, in dem Carla ein Dienstmädchen spielte, zu Füßen von drei großen Frauen, die sie unterdrückten. Dazu sangen Carla und ich in verschiedenen Sprachen. Mit unserem zweiten Film Rosa Arbeiter auf goldener Straße gewannen wir Preise und kamen auf das Cover eines großen Filmmagazins. Meine Karriere begann.

Leider habe ich keinen Kontakt mehr zu Carla, als ich sie im letzten Jahr anrief, legte sie den Hörer auf. Man sagt, dass sie ein Kind hat und von der Sozialhilfe lebt, und sie soll Gedichte schreiben. Ihre starke Persönlichkeit hat meine Filmkarriere geprägt, sie hat mich an- und aufgeregt wie kaum eine andere Frau.

Dann kam meine Tante Luzi Kryn, mit der ich 1969 erst Schwestern der Revolution drehte und dann die unvergessliche Bettwurst. Über Luzi berichte ich an anderer Stelle auf meiner Webside ausführlicher.

Die Schlagersängerin Evelyn Künneke traf ich Anfang der 70er Jahre. Ich lernte sie auf einem Schwulenball kennen. Da war ich schon berühmt und sie noch viel berühmter. Sie war in den 40er Jahren mit dem Schlager „Sing Nachtigall sing“ berühmt geworden, war angeblich Europas berühmteste Stepptänzerin und hatte ein Comeback in den 50er Jahren mit „Egon Egon“ und vielen anderen billigen Titeln. Ich liebte die Trivialität von Evelyn, ihre Publicitysucht, ihre tausend Zeitungsartikel und ihre schlechten Filme, in denen sie mitgewirkt hatte. Mit der Zeit begann ich aber, ihre Musikalität zu schätzen, besonders wenn sie mir Jazznummern vorspielte.

Ich liebte ihren Berliner Humor. Evelyn war 20 Jahre älter, war dick und versoffen, als ich sie kennenlernte. Die Presse schrieb: „Sie trank mehr als sie sang“ und ihre Karriere war vorbei. Wir waren fasziniert voneinander. Evelyn machte alles, um wieder ins Rampenlicht zu kommen. In meinem Film Axel von Auersperg spielte sie einen Bischof, der einen lateinischen Blues sang. Das ZDF zensierte die Szenen mit Evelyn, immerhin 30 Minuten und sendete den Film später völlig verstümmelt. Der Presseskandal, der daraus enstand, verhalf Evelyn zu einem Comeback.

Dann setzte Evelyn in die Zeitung, dass sie sich mit mir verloben wolle, ich hatte keine Ahnung davon, also entlobten wir uns öffentlich, um uns dann ein Jahr später erneut zu verloben. Das Spiel mit der Presse begann auch mir Spaß zu machen. Ich drehte 1976 ihre Lebensgeschichte unter dem Titel Ich bin ein Antistar. Die Arbeit mit ihr war schwierig, oft war sie sehr zickig, aber immer wieder gelang es ihr, mich mit ihrem unbändigen Humor und ihren Verrücktheiten zu faszinieren. Bis zu ihrem Tod blieben wir befreundet.

Ich hatte mich inzwischen aber einer neuen faszinierenden Frau zugewandt, Lotti Huber, die ich für meinen Film von 1981 Unsere Leichen leben noch entdeckte. Lotti war ungeheuer eifersüchtig auf Evelyn, Lotti fand sie banal und trivial. Ich fand das lustig. Bevor ich in den 80er Jahren mit Lotti Huber einen Film nach dem anderen machte, hatte ich in New York die Sängerin Tally Brown kennengelernt. Ich verewigte sie in meinem Film Tally Brown New York, der Ende der 70er Jahre den Bundesfilmpreis bekam.

Tally sang Lieder von Brecht, David Bowie und den Rolling Stones. Sie war dick, schminkte ihre Zunge grün, trug lose griechische Gewänder, die ihre riesigen Hängetitten andeuteten und war ein Undergroundstar, hatte bei Andy Warhol gespielt und vielen anderen. Tally war die zickigste Diva, mit der ich je gearbeitet hatte, doch all die Mühe, die Demütigungen und die Qualen die ich ausstand lohnten sich, sie war eine wahre Königin und ich bin stolz, dass mein Film bleibt, während sie schon lange nicht mehr unter uns weilt.

Das Gegenteil von Tally war die New Yorker Dichterin Helen Adam, die ich in meinem Film Todesmagazin, oder wie wird man ein Blumentopf verewigte. Helen, spindeldürr, trug mit hoher Stimme grausame Balladen aus dem alten Schottland vor, die sie nachdichtete. Helen war von einer typisch britischen Freundlichkeit, die ich nie vergessen werde. Ich liebte sie abgöttisch, lud sie zu einem Dichtertreffen nach Berlin ein und war total erschüttert, als ich hörte, dass sie arm und geistig umnachtet starb.

Lotti Huber traf ich 1980 durch einen Journalistenfreund in Berlin. Dieser kleinen dicken Person mit der Energie einer Atombombe konnten nur wenige widerstehen. Unser erster gemeinsamer Film Unsere Leichen leben noch wurde ein großer Erfolg. Da wir in der gleichen Straße in Berlin lebten, sahen wir uns sehr oft, manchmal täglich und wir dachten uns immer neue Filmstoffe aus.

Lotti war ungeheuer fantasievoll, und sehr, sehr witzig. Ich wollte tausend Filme mit ihr machen, aber es wurden nur vier: In Horror vacui spielte sie eine Sektenchefin, in Anita, Tänze des Lasters einen Sexstar aus den zwanziger Jahren, und in Affengeil, unserem letzten Film von 1990 spielte sie ihr Leben.

Die Freundschaft zu Lotti war sehr, sehr intensiv. Wir tanzten gemeinsam auf der Bühne des Renaissancetheaters in Berlin, ich regte sie an, ihre Memoiren zu schreiben, die zum Bestseller wurden. Auf unseren vielen gemeinsamen Reisen zu Filmpremieren entwickelten wir Lottis Lifeshow, die sie bis zu ihrem Tode auf vielen Bühnen in ganz Deutschland zeigte. Lotti hatte das Glück, mit unseren Filmen immer berühmter zu werden und wurde somit von mir unabhängig.

Ich wandte mich anderen Themen zu, hatte in der Aidskrise genug zu tun, meine Freunde aufzuklären, sie zu beerdigen und sie mit meinem Outing von schwulen Prominenten aufzurütteln.

Lotti und ich verloren uns nicht aus den Augen, aber unsere Beziehung wurde distanzierter, so dass ich nicht richtig trauern konnte, als sie Ende der 90er Jahre starb. Ich erschien mit einem großen weißen Cowboyhut auf der großen Beerdigung mit der Aufschrift „Ich liebe Dich“.

Nach Lotti kommt meine geliebte Mutter, mit der ich immer näher zusammenrückte, die 14 Jahre bei mir in meiner großen Berliner Wohnung wohnte. Meine Mutter spielt in einigen von meinen Filmen mit. 1976 in dem Film 24. Stock, dann in Neurosia von 1995. Trotz ihrer bürgerlichen Erziehung war sie immer tolerant, sie liebte mich ohne mich zu verstehen, für mich die höchste Form der Liebe. Sie ertrug meine Exzentrik. Sagte sie doch einmal, dass sie schon zwei Weltkriege ertragen hätte und ich wäre der Dritte. Im September 2003 verstarb sie beim Schachspiel in meiner Wohnung. Ich trauere bis heute um sie, besuche regelmäßig ihr Grab. Im Jahre 2000 hatte sie mir offenbart, dass ich nicht ihr Sohn sei, sie hätte mich 1942 in einem Kinderheim in Riga gefunden, mehr sagte sie nicht.

Nach ihrem Tode entschloss ich mich, auf die Suche nach meinen leiblichen Eltern zu gehen. Der Film „Meine Mütter“, der daraus entstand, schildert die spannende Suche nach meiner Vergangenheit. Er kam 2008 ins Kino und gilt bei vielen als mein bester Film. Er ist eine Liebeserklärung an meine Mütter.

Eine Ersatzmutter fand ich bald in Helene Schwarz, die seit über 40 Jahren an der deutschen Filmakademie in Berlin arbeitet und die als die Muse des deutschen Films gilt. Ihr widmete ich den Film Wer ist Helene Schwarz (2005).

Eine andere Frau, das ganze Gegenteil zu der liebevollen Helene, ist Ellen Reichardt, die in meinen Filmen Mit Olga auf der Wolga und Sechs tote Studenten (2007) die Hauptrolle spielt. Eine egozentrische, schwierige, aber wunderbar fantasievolle, verrückte Frau.

Und schon wieder habe ich ein Auge auf mehrere ältere Damen geworfen, auch wenn ich schon selbst ins Alter komme. Im Oktober 2008 machte ich für meinen Film Rosas Höllenfahrt ein Interview mit der charmanten und intelligenten Theologin Uta Ranke-Heinemann. Ich habe mich sofort in sie verliebt ...“

http://www.rosavonpraunheim.de/specials/frauen.html

 

Outing

 

https://www.youtube.com/watch?v=OWb3OpGcIxI

 

Aus „Wikipedia“: „Großes Aufsehen erregte von Praunheim am 10. Dezember 1991 durch die von ihm in Deutschland losgetretene Outing-Debatte (nach US-amerikanischem Vorbild), als er den Moderator Alfred Biolek und den Entertainer Hape Kerkeling in der RTL-Sendung Explosiv – Der heiße Stuhl zumindest indirekt als schwul bezeichnete, um öffentlichkeitswirksame Solidarität insbesondere von homosexuellen Prominenten, von denen sich zu der Zeit kaum welche offiziell zu ihrer sexuellen Orientierung (und gegebenenfalls zu ihrer gleichgeschlechtlichen Lebensweise) bekannten, mit den damals auch auf Grund von HIV/AIDS vielfach stigmatisierten und benachteiligten Schwulen einzufordern – eine Aktion, die er später als „Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der AIDS-Krise“ bezeichnete, die er nicht wiederholen würde. Rückblickend betrachtet hatte die umstrittene Aktion einen positiven Effekt auf die gesellschaftliche und mediale Akzeptanz von Homosexuellen. Erstmals begannen Teile der Medien, positiv über Homosexuelle zu berichten und nicht nur in problematischen oder negativen Zusammenhängen. In der Folge hatten immer mehr Schwule und Lesben, darunter auch Prominente, ihr Coming-out: „Die Outings führten dazu, dass in der Gesellschaft vermehrt über den Umgang mit Homosexuellen diskutiert wurde und sich die Wahrnehmung homosexueller Menschen änderte. Homosexualität wurde nun überwiegend als natürlich angesehen, statt wie vor wenigen Jahren noch pathologisiert.“ (Lennard Gottmann, Humboldt-Universität zu Berlin) Biolek und Kerkeling äußerten sich später versöhnlich zu der Aktion. Zumal der WDR Kerkeling vor seinem Outing in eine Scheinbeziehung mit einer Frau hatte drängen wollen und beide Show-Größen keine beruflichen Nachteile durch die Aktion erfahren haben.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_von_Praunheim

 

https://www.youtube.com/watch?v=AbDt39ypRnU

 

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt

 

https://www.youtube.com/watch?v=Kbv1itTA0kE

 

Aus „Wikipedia“: „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt ist ein 1971 im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks gedrehtes Filmdrama von Rosa von Praunheim.

In dem Film wird am Beispiel der Protagonisten das Leben homosexueller Männer Anfang der 1970er Jahre in der schwulen Subkultur in Berlin dargestellt. Eine zentrale These des Films ist, dass Homosexuelle die schlechte Situation, in der sie auf Grund ihrer Benachteiligung leben, zum Teil selber zu verantworten hätten. Tenor ist, dass Homosexuelle ihre Angst und Ohnmacht überwinden und aus ihren „Verstecken“ herauskommen sollten, um sich zu organisieren, sich gegenseitig zu unterstützen und solidarisch für eine bessere, gleichberechtigte Gesellschaft zu kämpfen.

Die Aussagen und Forderungen des Films beruhen auf der politischen Agenda und gesellschaftlichen Analyse der Drehbuchautoren. Der Film wurde als Stummfilm gedreht und erst nachträglich mit Dialogen sowie sozialkritischen und provokanten Kommentaren unterlegt, um einen Abbruch der Dreharbeiten durch Produktionsverantwortliche zu vermeiden. Die dabei entstandene Asynchronität wurde bewusst als Stilmittel eingesetzt. In dem Film kommt es zum ersten Kuss zwischen zwei Männern, der im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Der Film wurde zum Auslöser der modernen deutschen Lesben- und Schwulenbewegung und hatte nicht nur direkte gesellschaftspolitische Auswirkungen in der Bundesrepublik Deutschland zur Folge, sondern auch eine internationale Wirkung: „Sein [Rosa von Praunheims] epochaler Film Nicht der Homosexuelle … gilt seit langem als maßgeblich für die Etablierung der schwulen Befreiungsbewegung in Deutschland und als Katalysator für Befreiungsbewegungen weltweit.“ (Cerise Howard, Filmhistorikerin und Kuratorin des Australischen Filmmuseums) Der Film trug zum Wandel der Verwendung des Worts schwul vom Schmähwort zur Selbstbezeichnung Homosexueller bei.

 

Handlung

 

Der junge Daniel aus der Provinz kommt nach West-Berlin und trifft dort auf Clemens. Beide erleben die große Liebe, ziehen zusammen und versuchen, die bürgerliche Ehe zu kopieren. Nach vier Monaten trennen sie sich wieder, weil Daniel einen reichen älteren Mann kennengelernt hat, in dessen Villa er einzieht. Wenig später betrügt ihn sein neuer Freund bei einem Musikabend mit einem anderen Mann. Für ihn war Daniel nur ein Lustobjekt auf Zeit.

Daniel beginnt, in einem Schwulen-Café zu arbeiten, kleidet sich nach der neuesten Mode und passt sich schnell an die Ideale und Gegebenheiten der schwulen Subkultur an. Er verbringt seine Freizeit gerne im Strandbad und lässt sich nur mit einer knappen Badehose bekleidet von anderen Schwulen bewundern. Nachts geht er in Szene-Bars und wird immer mehr von ständig wechselnden Partnern und flüchtigen Sex-Abenteuern abhängig. Nach einiger Zeit entdeckt er auch die Reize des Cruisings in Parks und in öffentlichen Toiletten, wo er einmal auch miterleben muss, wie ältere schwule Männer beleidigt und verprügelt werden.

Eines Tages landet Daniel zu später Stunde in einem Travestie-Lokal, in der sich um diese Uhrzeit vor allem Männer treffen, die bis dahin noch keinen Partner für die Nacht gefunden haben. Hier lernt er Paul kennen, der ihn mit in seine schwule Wohngemeinschaft im Stil einer Kommune nimmt.

Die Bewohner der Kommune diskutieren mit Daniel über die Herausforderungen und Probleme ihres Lebens und versuchen, ihm zu verdeutlichen, dass er ein oberflächliches Leben führen würde. Emanzipierte Männer sollten ihrer Meinung nach öffentlich zu ihrer Homosexualität stehen und aktiv für andere Werte schwulen Lebens eintreten, als nur Modetrends und schnellem, meist anonymen Sex nachzujagen. Die Bewohner schlagen Daniel vor, sich mit ihnen auf einer aktivistischen Ebene zu verbünden. Zusammen mit Gleichgesinnten wollen sie soziale Netzwerke schaffen, um sich gegenseitig zu unterstützen und um sich politisch zu organisieren, damit sie gemeinschaftlich für eine gerechtere Gesellschaft kämpfen können, in der sich Homosexuelle frei und ohne Diskriminierung bewegen und entwickeln können.

 

Hintergrund

 

Am 1. September 1969 trat die Liberalisierung des § 175 (StGB) in Kraft. Praktizierte männliche Homosexualität unter Erwachsenen war fortan nicht mehr strafbar. Dadurch begann langsam ein öffentliches schwules Leben in Deutschland, primär in Großstädten wie Berlin und Köln. Dieses war noch geprägt von den inkognito lebenden, sich der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft unterordnenden und auf Toleranz hoffenden Homophilen, ihren in der Öffentlichkeit nicht sichtbaren und meist getarnten Vereinen, der rein kommerziell geprägten und hinter unscheinbaren Türen, zugeklebten Fenstern und namenlosen Klingelschildern versteckten Bar- und Club-Szene, die von der neuen Schwulenbewegung auch als „Sex-Ghetto“ bezeichnet wurde, sowie den als anonymen Kontaktplätzen dienenden Parks und öffentlichen Toiletten, sogenannten Klappen, die aus der Zeit vor der Entkriminalisierung homosexueller Sexualkontakte im Jahr 1969 eine zentrale Bedeutung eingenommen hatten.

So hieß der Arbeitstitel des Films: Nicht der Schwule ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt – Das Glück auf der Toilette.

„Der Film war geprägt von Wut und Frust, die sich in meinem bisherigen schwulen Leben in Berlin aufgestaut hatten. Ich war davon überzeugt, dass wir nicht immer nur passiv auf die Nettigkeit der Gesellschaft warten können, damit sich für uns etwas zum Vorteil verändert. […] Unser Film sollte provozieren, Schwule und Heteros aus ihrer Ruhe und ins Gespräch bringen. Wir wollten auf keinen Fall einen Film, der die Schwulen glorifiziert oder bemitleidet. Uns war es wichtig, die ‚beschissene‘ Situation der Schwulen schonungslos aufzudecken, […].“

– Rosa von Praunheim

Neben Rosa von Praunheim und Sigurd Wurl lieferte der Soziologe und Sexualwissenschaftler Martin Dannecker die Textbeiträge zu dem Film. Zusammen mit Reimut Reiche arbeitete Dannecker ab 1970 an seiner Untersuchung über den „gewöhnlichen Homosexuellen“.

 

Veröffentlichung und historische Bedeutung

 

Der Film wurde am 3. Juli 1971 im Rahmen der Berlinale im Internationalen Forum des Jungen Films uraufgeführt. Bei den Aufführungen in Kinos und auf Filmfestivals kam es oft zu spontanen Diskussionen, teilweise im Beisein der Drehbuchautoren. Bereits 1971 gründeten sich daraufhin zahlreiche Homosexuelleninitiativen, beispielsweise die Homosexuelle Aktion Westberlin (HAW) und die Rote Zelle Schwul (RotZSchwul) in Frankfurt am Main. Zwischen 1971 und 1973 kam es zur Gründung von über 70 registrierten Gruppen, Vereinen und anderen Einrichtungen, davon 55 mit einem allgemeinen Vertretungsanspruch, die fast ausnahmslos auf den Film zurückgingen. Dies war der Beginn der modernen, anfangs studentisch und politisch links geprägten Lesben- und Schwulenbewegung in der Bundesrepublik Deutschland.

Im Fernsehen wurde der Film erstmals am 31. Januar 1972 bewusst zu später Stunde im WDR ausgestrahlt. Der ursprünglich vorgesehene Sendetermin in der ARD wurde von der Programmleitung auf Vorschlag der Ständigen Fernsehprogrammkonferenz ins Dritte Fernsehprogramm verschoben: „Die Konferenz hatte die Meinung vertreten, dieser Film sei geeignet, zur Zeit noch bestehende Vorurteile gegen Homosexuelle zu bestätigen oder zu verstärken, anstatt diese abzubauen.“ Der Bavaria-Film-Produzent Günter Rohrbach kommentierte dazu: „Unter dem Vorwand, gerade die Homosexuellen selbst vor Schaden bewahren zu wollen, wird der engagierteste, mutigste und konsequenteste Film, der bisher für ihre Befreiung gedreht wurde, einer großen Öffentlichkeit vorenthalten.“ Eigentlich würde es den Programmverantwortlichen darum gehen, so Rohrbach, an der bestehenden Situation der Homosexuellen in der Gesellschaft nichts zu ändern, und zwar in der Gewissheit, in diesem Punkt mit der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft übereinzustimmen. Steve Ewin (B. A.) vom American Institute for Contemporary German Studies (AICGS) schrieb in seiner Abhandlung über die LGBT-Repräsentation in deutschen Medien (Weimar and Beyond, 2021), Nicht der Homosexuelle … sei eine direkte Breitseite gegen eine Gesellschaft gewesen, die sich geweigert habe, Handlungen nach § 175 als „nationalsozialistisches Unrecht“ anzuerkennen.

Der WDR hatte vorsorglich die Sendertelefone für die Ausstrahlung verstärkt besetzt, was sich auch als notwendig erwies. Wie in solchen Situationen üblich, riefen vor allem empörte Bürger an, etwa 95 % der Anrufe waren negativ. Die am häufigsten geäußerte Meinung war sinngemäß: „Lasst uns doch mit den Homosexuellen zufrieden, wir wollen mit denen nichts zu tun haben.“ Ein Jahr nach der Erstausstrahlung sendete das WDR Fernsehen eine Publikumsdiskussion unter Leitung von Moderator Reinhard Münchenhagen mit der Teilnahme des Filmemachers Rosa von Praunheim, des Co-Autors Martin Dannecker, des Religions- und Kultursoziologen Demosthenes Savramis, der Politikerin Emmy Diemer-Nicolaus, des Bundestagsabgeordneten Wilderich Freiherr Ostman von der Leye und des Co-Produzenten Günter Rohrbach, die kontrovers darüber debattierten, weshalb der Film erst zu später Stunde im Dritten Programm gesendet worden war, über die Definitionen der Begriffe „normal“ und „pervers“, die gesellschaftliche Integration von Homosexuellen, die Strafrechtsreform in Bezug auf den Paragraphen 175, Homosexualität am Arbeitsplatz, den Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Homosexuellen und den Aufklärungswert des Films.

Die erste bundesweite Ausstrahlung im ARD-Fernsehen erfolgte schließlich am 15. Januar 1973, allerdings schaltete sich dabei der Bayerische Rundfunk unter seinem damaligen Fernsehdirektor Helmut Oeller aus und sendete stattdessen den finnischen Rennfahrerfilm Benzin im Blut als Gegenprogramm, was erneut zu einem Medienskandal rund um von Praunheims Film führte.

Gegen die Fernsehaufführung (im Allgemeinen und in der ARD im Speziellen) hatten im Vorfeld auch die Internationale Homophilen-Welt-Organisation (IHWO) und die vom ehemaligen NPD-Mitglied Jürgen Neumann 1971 gegründete Deutsche Homophile Organisation (DHO) agiert, die auf Grund ihrer Politik der gesellschaftlichen Anpassung und Unterordnung gegenüber der heterosexuellen Mehrheit massiver Kritik ausgesetzt waren und um ihre Daseinsberechtigung fürchteten. Mit der alten Homophilenbewegung gab es kaum Schnittstellen und Kontakte, sondern vor allem Konflikte. Aus der Ablehnung der bisherigen „versteckten“ und rein kommerziellen Lokalszene wurden zum Beispiel in der Folge alternative Begegnungsstätten und Vereinslokale geschaffen, wie das SchwuZ in Berlin. Auch kommerzielle Bars und Clubs präsentierten sich offen der Schwulenszene zugehörig, zum Beispiel durch das Anbringen von Regenbogenfahnen an den nun durch Fenster geöffneten Fassaden. Die homophilen Einrichtungen und Strukturen in Deutschland fielen nach dem Film rasch in sich zusammen und es entstand eine neue, von der modernen Lesben- und Schwulenbewegung geprägte Szene und Community.

Auch in der DDR wurde die Botschaft des Films von Schwulen und Lesben übernommen und in Aktivismus umgesetzt. Unter anderem stieß sie 1973 die Gründung der HIB in Ost-Berlin an, nicht nur die erste Organisation von Schwulen und Lesben in der DDR, sondern im gesamten Ostblock. Mitinitiator Peter Rausch fasste die Situation wie folgt zusammen: „Wir sahen damals den Film von Rosa von Praunheim Nicht der Homosexuelle … und wir waren elektrisiert.“ Auf Grund staatlicher Unterbindungen einer offenen homosexuellen Emanzipationsbewegung und Vereinskultur konnte diese jedoch nicht erwachsen wie in West-Deutschland.

In der Schweiz waren homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen seit 1942 nicht mehr strafbar. Die progressiv ausgerichtete Schwulen-Zeitschrift Der Kreis musste allerdings 1967 eingestellt werden, und es wurden andere, von der Homophilenbewegung initiierte Projekte gestartet, die sich hinsichtlich ihrer politischen Ausrichtung den heterosexuellen Normen unterordneten. Erst im Frühjahr 1972 gelang es, Nicht der Homosexuelle … öffentlich in der Schweiz aufzuführen, unter anderem weil zuvor von konservativen Schwulen-Organisationen massiv Widerstand gegen den Film geleistet worden war. Nach den ersten Aufführungen kam es in den Wochen und Monaten darauf zur Gründung der Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich (HAZ) und anderer modern ausgerichteter Einrichtungen der neuen Emanzipationsbewegung, zum Beispiel der Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel und der Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern: „Nach dem Film Nicht der Homosexuelle … von Rosa von Praunheim und der Gründung der Homosexuellen Arbeitsgruppen in der Schweiz und in Bern ab 1972, erwachte eine neue, selbstbewusstere schwule Emanzipation.“ (Daniel Frey, bern.lgbt)

Der Film löste nahezu weltweit positive Impulse auf die Entwicklung der homosexuellen Emanzipationsbewegung, Sub- und Vereinskultur sowie der gesellschaftlichen Akzeptanz von Homosexuellen aus: „Rosa von Praunheims radikale Abhandlung über Schwulenkultur und -politik sorgte Anfang der 1970er Jahre für einen regelrechten Boom des Aktivismus nach der Stonewall-Ära und hat seitdem queere Emanzipation international neu definiert.“ (Museum of Modern Art) …

 

Zitate und wegweisende Aussagen

 

Der Filmtitel Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt wird häufig in abgewandelter Form (entsprechend des jeweiligen Themas) zitiert.

Ein Tabubruch bestand darin, dass in dem Film rund 100 Mal die Wörter „schwul“ und „Schwuler“ ausgesprochen werden, was damals viele Heterosexuelle, aber auch Homosexuelle als sehr provokant und schwer erträglich empfanden. Der bis dahin rein negativ verstandene Begriff „schwul“ wurde jedoch auf Grund des Films, der progressiv mit dem Begriff umgeht, von Aktivisten und Studenten in eine positive Selbstbezeichnung homosexueller Männer umgemünzt.

„Schwule wollen nicht schwul sein, sondern sie wollen so spießig sein und kitschig sein wie der Durchschnittsbürger. Sie sehnen sich nach einem trauten Heim, in dem sie mit einem ehrlichen und treuen Freund unauffällig ein eheähnliches Verhältnis eingehen können. Der ideale Partner muss sauber, ehrlich und natürlich sein, ein unverbrauchter und frischer Junge, so lieb und verspielt wie ein Schäferhund.

Da die Schwulen vom Spießer als krank und minderwertig verachtet werden, versuchen sie noch spießiger zu werden, um ihr Schuldgefühl abzutragen mit einem Übermaß an bürgerlichen Tugenden. Sie sind politisch passiv und verhalten sich konservativ als Dank dafür, dass sie nicht totgeschlagen werden.

Schwule schämen sich ihrer Veranlagung, denn man hat ihnen in jahrhundertelanger christlicher Erziehung eingeprägt, was für Säue sie sind. Deshalb flüchten sie weit weg von dieser grausamen Realität in die romantische Welt des Kitsches und der Ideale. Ihre Träume sind Illustrierten-Träume, Träume von einem Menschen, an dessen Seite sie aus den Widrigkeiten des Alltags entlassen werden in eine Welt, die nur aus Liebe und Romantik besteht. Nicht die Homosexuellen sind pervers, sondern die Situation, in der sie zu leben haben.“

„Die Mehrzahl der Homosexuellen gleicht dem Typ des unauffälligen Sohnes aus gutem Hause, der den größten Wert darauf legt, männlich zu erscheinen. Sein größter Feind ist die auffällige Tunte. Tunten sind nicht so verlogen, wie der spießige Schwule. Tunten übertreiben ihre schwulen Eigenschaften und machen sich über sie lustig. Sie stellen damit die Normen unserer Gesellschaft in Frage und zeigen, was es bedeutet, schwul zu sein.“

„Homosexuelle haben miteinander nichts gemeinsam als den starken Wunsch, mit einem Mann zu schlafen. Der immer stärker werdende Wunsch nach einem nackten männlichen Körper treibt sie aus ihren Familien heraus zu den Orten, wo sie Schwule treffen. In der Gemeinschaft der Schwulen können sie für kurze Zeit vergessen, dass sie Aussätzige und Verstoßene sind.“

„Schwule versuchen die bürgerliche Ehe zu kopieren an statt die, denen sie ihr ganzes Unglück verdanken, zu hassen, wäre es ihr größtes Glück, eine von Kirche und Staat erlaubte lebenslange Zweierbeziehung einzugehen.“

„Die bürgerliche Ehe funktioniert durch Aufzucht von Kindern und Unterdrückung der Frau. Die schwule Ehe kann nur ein lächerlicher Abklatsch sein, da fehlende gemeinsame Aufgaben ersetzt werden durch eine romantische Liebe, die fern jeder Realität ist. Die romantische und vergötternde Liebe ist nichts anderes als Selbstliebe. Die meisten Schwulen merken nicht, daß sie in der Liebe zum anderen nur sich selbst lieben. Der Freund wird als Abgott der eigenen Hoffnungen und Sehnsüchte gesehen. Sie versuchen nicht ihn zu verstehen und auf ihn einzugehen; sie belasten ihn sogar noch mit den eigenen Schwierigkeiten. Die schwule Ehe zerbricht  an der Rivalität von zwei eitlen Männern, die dazu erzogen wurden, ihre Interessen, anstatt miteinander im Wettbewerb gegeneinander durchzusetzen. Die fehlenden gemeinsamen Aufgaben und die Unfähigkeit sich zu verstehen, weil man zu sehr seiner eigenen Person verhaftet bleibt, führen bald zum tragischen Ende einer romantischen Freundschaft. Zurück bleibt die Einsamkeit und die große Leere, die bald von neuen unwirklichen und eitlen Träumen angefüllt wird.“

„Jetzt aber ist die Zeit da, wo wir uns selbst helfen müssen. […] Das Wichtigste für alle Schwulen ist, dass wir uns zu unserem Schwulsein bekennen. […] Wir schwulen Säue wollen endlich Menschen werden und wie Menschen behandelt werden. Und wir müssen selbst darum kämpfen. Wir wollen nicht nur toleriert, wir wollen akzeptiert werden. Es geht nicht nur um eine Anerkennung von Seiten der Bevölkerung, sondern es geht um unser Verhalten unter uns. Wir wollen keine anonymen Vereine! Wir wollen eine gemeinsame Aktion, damit wir uns kennenlernen und uns gemeinsam im Kampf für unsere Probleme näherkommen und uns lieben lernen.

Wir müssen uns organisieren. Wir brauchen bessere Kneipen, wir brauchen gute Ärzte, und wir brauchen Schutz am Arbeitsplatz.

Werdet stolz auf eure Homosexualität!

Raus aus den Toiletten, rein in die Straßen!

Freiheit für die Schwulen!“

Die am Ende des Films eingeblendete Aufforderung „Raus aus den Toiletten, rein in die Straßen!“ wird von vielen Zuschauern als eine übertragene Anpassung des in den USA verwendeten Imperativs „Out of the closet and into the street!“ verstanden. Allerdings war im deutschsprachigen Raum die zugrundeliegende Redewendung „Coming out of the closet“ mit ihrer Bedeutung (wörtlich: „Aus dem Kleiderschrank herauskommen“, im übertragenen Sinne: „Aus dem Versteck herauskommen“, in diesem Kontext: „Sich zu seiner Homosexualität bekennen“) noch nicht bekannt. Vielmehr passt die Aufforderung zu den provokanten Aussagen über Klappensex im Film: Anstatt seine Freizeit nur mit Sex auf Klappen zu verbringen, wäre es notwendiger, sich mit anderen Homosexuellen zu solidarisieren und gemeinsam mit ihnen auf der Straße für die Rechte von homosexuellen Menschen zu demonstrieren.

Günter Rohrbach schrieb 1972 im Spiegel über den Film: „Er ist aggressiv und polemisch, er ist beides, vor allem gegen die Homosexuellen selbst. Das macht ihn für sie so schmerzlich, das macht ihn aber auch für die Heterosexuellen so problematisch. Beiden Gruppen wäre wahrscheinlich in ihrer Mehrheit ein Film lieber gewesen, der auch das direktoriale Verdikt am wenigsten zu fürchten gehabt hätte: ein angepasster, für das Phänomen der Homosexualität um Toleranz werbender Film. (Auch das sind schließlich Menschen!) Kann man es dem Homosexuellen Rosa von Praunheim verargen, daß er gerade das nicht wollte? Würde es der Befreiung der Schwarzen nützen, wenn man einen Film machte, in dem sie alle weiß geschminkt wären?“

 

Rezeption

 

Das Medienecho auf den Film und dessen Macher war enorm und hält im Grunde bis heute an: „Rosa von Praunheim ist einer der erfolgreichsten schwulen Filmemacher der Welt. Mit seinem Film Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt von 1971 etablierte er sich als öffentlicher Wegbereiter der modernen Schwulenrechtsbewegung.“ (Akademie der Künste) „Es ist ein persönlicher Befreiungsschlag für Holger Mischwitzky [Rosa von Praunheim] – und ein Weck- und Mahnruf für alle homosexuellen Männer. […] Mit dem Film wird Rosa von Praunheim quasi über Nacht zur Ikone der Schwulen- und Lesbenbewegung in Deutschland.“ (Deutsche Welle) Die Geschichtsprofessorin Dagmar Herzog schrieb in einem Artikel für die Bundeszentrale für politische Bildung: „Die Bedeutung dieses Films für die Schwulenbewegung in der Bundesrepublik kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.“ Im Jahrbuch der Geschichte für Homosexualität (2021) des Fachverbandes Homosexualität und Geschichte heißt es: „Im deutschsprachigen Raum hat Rosa von Praunheims 1971 erschienener Film […] einen ähnlich ikonischen Charakter wie die Stonewall Riots in den USA.“ „Ein seltenes Beispiel für einen Film mit direkter gesellschaftspolitischer Wirkung.“ (Internationale Filmfestspiele Berlin) Sven Hauberg titelte in der Teleschau: „Der Skandalfilm, der Deutschland veränderte.“ Der US-amerikanische Filmkritiker Joe Hoeffner schrieb in einem Artikel über die weltweit wichtigsten Filme des queeren Kinos: „Viele Filme wurden als ‚revolutionär‘ bezeichnet, aber Nicht der Homosexuelle… verdient diese Beschreibung wirklich. Der Breakout-Film des Regisseurs und Aktivistin Rosa von Praunheim (alias Holger Mischwitzky) wurde zum Fundament der deutschen Schwulenrechtsbewegung, und sein Aufruf zur Befreiung hallte durch die Geschichte des queeren Kinos.“ Das Museum of Modern Art in New York City meinte: „Rosa von Praunheims radikale Abhandlung über Schwulenkultur und -politik sorgte Anfang der 1970er Jahre für einen regelrechten Boom des Aktivismus nach der Stonewall-Ära und hat seitdem queere Emanzipation international neu definiert.“ Darin sind sich die Medien bis heute einig: „Ganz große Fernsehgeschichte.“ (Erwin In het Panhuis, Queer.de)

Neben den gesellschaftspolitischen Auswirkungen wurden die filmischen Qualitäten und Eigenschaften des Werks behandelt: „Im Vorgriff auf dies angestrebte neue homosexuelle Selbstbewusstsein hat der Regisseur darauf verzichtet, die Form seines Films den herrschenden Kino-Normen anzugleichen.“ (Der Spiegel) „Ganz im Stile der 70er Jahre ist dieser Film inzwischen ein filmisches Dokument der Schwulenbewegung und seiner Zeit. Wobei die filmische Experimentierfreudigkeit so manchen Aufführer verwirrt, da der unter anderem eine 10-minütige stumme Szene hat! [Während des Cruising im Park] Auch als Dokument der Szene Anfang des siebten Jahrzehnts ist der Film bemerkenswert. Ohne Tabus zeigt er damals ungesehene Bilder von Schwulen auf Klappen oder im Park. Nicht der Homosexuelle ... ist ein Zeitdokument, dessen Mut und Kraft auch heute noch beeindrucken.“ (Queerfilm.de, 2001) Der Südwestrundfunk attestierte: „Ein zentraler Kunstgriff des Films war es, sich das Attribut ‚schwul‘ positiv anzueignen“. Dieser Kunstgriff wurde mit Erfolg gekrönt: „Mit dem Film bekam das kleine Wort ‚schwul‘ eine neue Bedeutung, etwa 100 Mal fällt es im deklamatorischen Kommentar des Stummfilms. Von da an eigneten sich in erster Linie junge Homosexuelle das einstige Schimpfwort als Kampfbegriff und stolze Selbstbeschreibung an.“ (Deutsche Presse-Agentur)

Der Erfolg des Films schob auch in der Film- und Fernsehbranche eine neue Bewegung an: Nicht der Homosexuelle … sei zweifellos der Urknall des deutschen New Queer Cinema gewesen, so Douglas Messerli, Filmkritiker und Literaturprofessor (World Cinema Review, 2021).

Der Regisseur wurde ebenso innerhalb der (internationalen) queeren Community für seinen Film gewürdigt. 1972 schrieb der bedeutende US-amerikanische LGBT-Aktivist und Filmexperte Vito Russo einen öffentlichen Brief an Rosa von Praunheim: „Dein Film verdient es, hier in Amerika gezeigt zu werden. Sowohl die schwule als auch die heterosexuelle Community hier müssen darauf aufmerksam gemacht werden, dass diese Dinge anderswo auf der Welt diskutiert und präsentiert werden. Nur durch ständige Offenlegung und Ausdruck können wir jemals hoffen, das zu überwinden, was so viele Jahre, zu viele Jahre, ein irrationales Tabu war. Wenn Menschen ihr Leben damit verbringen, für eine Sache zu kämpfen, an die sie glauben, gibt es ihnen unermesslichen Trost zu wissen, dass es andere gibt, die sowohl in ihrem Leben als auch in ihrer Kunst für die Meinungsfreiheit kämpfen.“ – New York City, den 18. Februar 1972, anlässlich der bevorstehenden New-York-Premiere von Nicht der Homosexuelle … im Museum of Modern Art am 6. April 1972 (MoMA-Archiv). Wieland Speck, Mitbegründer des Teddy Award und Filmemacher, sagte 2019 in einem Tagesspiegel-Interview: „1971 sah ich Rosa von Praunheims Nicht der Homosexuelle ... und wusste von da an, dass Kino unglaubliche Dinge kann: Es kann aufregen, zur Reflexion zwingen, auf die Straße treiben. Ästhetik und Politik kommen zusammen.“ „Rosa von Praunheim ist einer der seltenen Künstler, denen es gelang, mit einem Werk die gesellschaftliche Wirklichkeit zu verändern.“ (Schwules Museum) Der bekannte LGBT-Aktivist Johannes Kram schrieb 2017 in seinem vielbeachteten und für einen Grimme Online Award nominierten Nollendorfblog: „Rosa von Praunheim hat zusammen mit Martin Dannecker die moderne deutsche Homosexuellenbewegung losgetreten. Dafür gebührt ihm ewiger Dank. […] Auch heute ist Nicht-Handeln keine Option, wenn es darum geht, die Homo- und Transsexuellenverfolgung um uns herum [in homophoben und transfeindlichen Staaten] nicht hinnehmen zu wollen, auch heute sind deutlichere, unbequemere Aktionen gefragt, um den staatlich geförderten Hass gegen LGTBI* in der nächsten Nachbarschaft zu bekämpfen. […] Hierfür brauchen wir Rosa. Was wir aber vor allem brauchen ist der Rosa in uns!““

https://de.wikipedia.org/wiki/Nicht_der_Homosexuelle_ist_pervers,_sondern_die_Situation,_in_der_er_lebt

 

Nicht der Nicht-Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt

 

Nicht zuletzt durch Rosa von Praunheims Wirken hat sich die Lage für Homosexuelle sehr verbessert. Nicht alle, aber die meisten müssen sich nicht mehr verstecken und können ihre Wünsche mehr oder weniger ausleben.

Das ist auch von Vorteil für die Nicht-Homosexuellen, die vor allem im kulturellen Bereich von der ungeheuren Vielfalt und Buntheit der homosexuellen Kreativität profitieren.

Alles gut und schön. Dies hat dann allerdings zur Folge, dass Randbereiche homosexuellen Lebens in die Öffentlichkeit drängen, wo sie nicht hingehören und mensch das auch noch gut finden muss. Dazu gehören „Puppy Play“ (Lack- und Leder-Hunde-Rollenspiel) und Lesungen von Drag Queens in Kindergärten.

Eigentlich neutrale Institutionen wie Parlamente, Behörden oder Polizei werden genötigt, zu bestimmten Anlässen die Regenbogen-Flagge zu hissen oder sonstwie ihre „Solidarität“ mit der gesamten Szene zu zeigen.

Wem es da zu bunt wird (wozu auch konservative Homosexuelle gehören), der wird gleich als „rechts“ oder sonstwie unangenehm beschimpft.

Nichtsdestotrotz: die Übertreibungen hat Rosa von Praunheim nicht in Gang gesetzt, wohl aber eine halbwegs Normalität und halbwegs Unbefangenheit von und gegenüber Homosexuellen.

Ob er in Frieden ruhen mag? Wohl eher wird er sich auf die eine oder andere Art und Weise austoben wollen. Es sei ihm gegönnt.

 

https://www.youtube.com/watch?v=si02bKUiEg0

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm

 

 

Das Böse verlachen

- Satire, Realsatire, ernst Gemeintes -

 

Wochenkommentar von Ferdinand Wegscheider | 20.12.

Im neuen Wochenkommentar stellen wir heute fest, dass der ganz normale Wahnsinn auch in der Woche vor Weihnachten keine Pause gemacht hat!

https://www.servustv.com/aktuelles/v/aavlbmg5y1prl7tzc3gy/

 

Beachtlich - Frieden auf Erden / Steimles Aktuelle Kamera / Ausgabe 213

https://www.youtube.com/watch?v=xrmxdv-KC28

 

Nu, meine Damen und Herren, rücken Sie mal ein Stück zusammen! Uwe Steimles Weihnachtssendung

https://www.youtube.com/watch?v=aSRUr435sRU

 

Hasstalavista - Serdar reagiert auf Bareback (Denglish)

https://www.youtube.com/watch?v=Du407-YH2Rk

 

Simone Solga: Merzens dicke Lippe | Folge 196

https://www.youtube.com/watch?v=o8gbss2hzt4

 

HallMack  Aktuelle Kamera 178 - Milliarden Geschenk

https://www.frei3.de/post/b8a5a7be-894c-4991-978b-f84f910390d0

 

Frohe Ostern

https://www.youtube.com/watch?v=lk_CYpSQM0Q