https://www.youtube.com/watch?v=OsFEV35tWsg
Philip Zimbardo ist gestorben. „Der Zimbardo“ gilt nach wie vor als das Psychologie-Lehrbuch für das Studium und den interessierten Laien.
Bekannt war er vor allem durch das von ihm initiierte „Stanford Prison Experiment“.
Kurz-Biographie
„„Menschen, die einer Sekte beitreten, suchen nach Seelenfrieden. Sie brauchen jemanden, der ihnen sagt, was sie zu tun haben." - Philip Zimbardo
Prof. Dr. Philip Zimbardo (*1933 in New York City) ist ein US-amerikanischer emeritierter Professor für Psychologie der Stanford University. Bereits während seiner Jugend in New York City machte er aufgrund seiner italienischen Wurzeln und der Armut seiner Familie Erfahrungen mit Diskriminierung und Vorurteilen. Dies trug zu seinem späteren Interesse an menschlichen Verhaltensweisen bei und beeinflusste seine weiterführende sozialpsychologische Forschung, geprägt von der Frage nach dem Guten und Bösen im Menschen. Er studierte am Brooklyn College Soziologie, Anthropologie und Psychologie und promovierte an der Yale Universität in Psychologie. In den folgenden Jahren unterrichtete er an der New York Universität, bis er 1968 nach Stanford wechselte. Die meiste Zeit seiner Karriere verbrachte der Psychologe damit zu erforschen, wie und warum Menschen sich in bestimmten Situationen verändern und in unerwarteter Art und Weise reagieren. 1971 führte Philip Zimbardo aus diesem Interesse heraus das – heute zunehmend umstrittene – Stanford-Prison-Experiment durch, wodurch er weltweite Bekanntheit erlangte. Es handelte sich dabei um einen Versuch, der zeigen sollte, wozu Menschen in der Lage sind, wenn ihnen die Macht über eine Gruppe von Gefangenen gegeben wird. Schnell bekam das Experiment eine eigene Dynamik, es kam immer häufiger zu Fällen von Demütigung und Erniedrigung.
„Und das Entscheidende ist, ich kann etwas verändern. Und das gibt einem wirklich Kraft." - Philip Zimbardo
Weitere Schwerpunkte seiner Untersuchungen waren Schüchternheit, Motivation und die menschliche Wahrnehmung von Zeit. Deshalb suchte er nach dem Experiment in Stanford nach Mitteln, um Menschen mithilfe der Psychologie helfen zu können. 1977 gründete er daher die „Shyness Clinic“, um Schüchternheit sowohl bei Kindern, als auch bei Erwachsenen zu behandeln. Er behauptet, dass soziale Phobien private und berufliche Ziele nicht zwingend beeinträchtigen müssen. Er wird vom „Dr. Evil“, der sich mit Bedingungen auseinandersetzte, unter denen gute Menschen Böses tun, zu einem Psychologen, der herausfinden möchte, wie Menschen sich der unwiderstehlichen Macht des Bösen widersetzen können. Er bezeichnete diejenigen, die sich dagegen wehren können, als Helden. Über die Psychologie des Heldentums ist jedoch wenig bekannt, daher gründete Zimbardo 2009 das „Heroic Imagination Project“, eine Organisation um eben solche Alltags-Helden anzuerkennen und zu fördern. Zimbardo und sein Team entwickeln Ausbildungsprogramme für Schüler, beschäftigen sich jedoch auch mit Zivilcourage in Unternehmen. Unter anderem arbeiten sie mit Videos, die anregen sollen, die eigene Handlungsweise zu reflektieren.“
2008: Philip Zimbardo, US-Sozialpsychologe, über Täter und Opfer, Abu Ghoreib und die Macht des Individuums: "Ich war Gefängnisdirektor und Gefangener zugleich"
„Es kommt sehr selten vor, dass auf einem wissenschaftlichen Kongress der gleiche Vortrag zweimal gehalten wird. Auf dem Weltkongress der Psychologie, der diese Woche in Berlin stattfindet, war das gestern der Fall: Philip Zimbardo, ein US-amerikanischer Sozialpsychologe, redete noch einmal in dem Saal, der tags zuvor wegen Überfüllung geschlossen worden war. Insgesamt waren es um die zweitausend Psychologen, die Zimbardo zuhörten, und viele von ihnen standen nach dem Vortrag auf, um ihm zu applaudieren - der 75-Jährige war der unbestrittene Star des Berliner Kongresses.
Herr Professor Zimbardo, wie erklären Sie sich den enormen Zulauf?
Nun, viele Kollegen kennen mich aus dem Studium. Ich habe ein Lehrbuch verfasst, das auch in Deutschland seit Jahrzehnten als Einführung in die Psychologie genutzt wird. Die Leute wollten sehen, was für ein Mensch dahintersteckt und was er jetzt zu sagen hat.
Sie haben über die Psychologie des Bösen gesprochen, über den Luzifer-Effekt, wie Sie ihn nennen. Was meinen Sie damit?
Ich versuche zu erklären, warum sich ganz normale Menschen in bestimmten Situationen grausam und böse verhalten.
Ein sehr deutsches Thema.
Ja, man denkt unwillkürlich an die Nazis. Das Interesse an der NS-Zeit ist neu erwacht, wie ich beobachte: Die jungen Deutschen wollen heute verstehen, wie ihre Großväter, die sie als gütige Menschen kennengelernt haben, so bestialisch sein konnten. Das ist eine andere Haltung als die der Elterngeneration: Die Enkel sind unvoreingenommener in ihrer Neugier.
Und welche Antwort haben Sie?
Es gibt nicht die gute oder die böse Person - jeder von uns trägt beide Eigenschaften in sich. Die meisten Gräueltaten werden von Menschen verübt, die bis dahin völlig normal waren, die meisten Heldentaten übrigens auch. Wir alle sind gewöhnlich, bis wir in ungewöhnliche Situationen kommen.
Worauf gründen Sie diese Aussage?
Zum Beispiel auf die Erkenntnisse aus dem Stanford Prison Experiment, das ich 1971 machte und das weltweit Aufsehen erregte. In dem Experiment sollten 24 Studenten zwei Wochen lang Gefängnis spielen - in einem Keller auf dem Universitätsgelände. Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt, in Wärter und Gefangene.
Und das hat die Ethikkommission erlaubt?
Ja. Die Teilnahme war absolut freiwillig und wer aussteigen wollte, konnte das jederzeit tun. Körperliche Gewalt war den Wärtern verboten. Am Anfang war nicht abzusehen, wie das Ganze ausarten würde.
Was passierte?
Schon am zweiten Tag begannen die Wärter ihre Gefangenen zu schikanieren: Sie störten ihren Schlaf, nahmen ihnen das Essen weg, demütigten sie mit Worten und ließen sie das Klo bloß mit ihren Händen reinigen. Schon nach 36 Stunden war der erste Gefangene nervlich am Ende und stieg aus dem Versuch aus. Andere folgten ihm.
Haben Sie das Experiment dann beendet?
Nicht sofort. Ich spielte den Gefängnisdirektor und stumpfte dabei emotional ab. Ich sah, wie die Wärter die Gefangenen um zehn Uhr zusammentrieben, hakte den Punkt Morgenappell auf meiner Liste ab und nahm die Szene ungerührt mit der Kamera auf. Als ich die Filme später anschaute, war ich entsetzt: Oft bin ich mit herausgedrückter Brust umherstolziert, die Hände hinter dem Körper verschränkt - wie ein Diktator beim Abschreiten einer Militärformation. Ich war zum Gefangenen meiner eigenen Rolle geworden.
Wann haben Sie das bemerkt?
Eine ehemalige Studentin von mir kam zu Besuch und sah, was los war. "Wie kannst du diesen Jungen so etwas antun", schrie sie mich an. Sie drohte, die Freundschaft zu quittieren, wenn ich das Experiment nicht sofort beende. Das habe ich dann getan, am fünften Tag. Der jungen Frau habe ich bald darauf einen Heiratsantrag gemacht.
Wie hat sie reagiert?
Sie hat mich erhört und wir leben bis heute glücklich miteinander.
Was damals genau passierte, haben sie erst vor ein paar Jahren aufgeschrieben. Warum so spät?
Ich hatte vieles andere zu tun. Aber als ich 2004 die Fotos aus Abu Ghoreib sah, sprangen mir die Parallelen zu unserem Experiment ins Auge. Ich sah Menschen mit Tüten über dem Kopf, nackte, angeleinte Gefangene auf allen Vieren - diese Bilder kannte ich von früher. Und als amerikanische Politiker dann behaupteten, bei den gewalttätigen Wachen handele es sich um perverse Ausnahmen, das Militär als Ganzes aber sei gut, bin ich an die Öffentlichkeit gegangen.
Was haben Sie Ihren Landsleuten gesagt?
Ich habe ihnen erzählt, was wir aus dem Gefängnis-Experiment gelernt haben. Dass Menschen das Gefühl für persönliche Verantwortung verlieren, wenn man sie in eine Uniform steckt, und wie schnell Gruppendruck zu Verrohung führen kann. Wenn dann noch die Langeweile des Gefängnisalltags hinzukommt, nehmen plötzlich die übelsten Fantasien Gestalt an. Wenig später habe ich begonnen, mir die Filmbänder von 1971 anzuschauen und Tag für Tag zu protokollieren. Daraus ist das Buch über den Luzifer-Effekt entstanden.
Vielen Deutschen ist der Film "Das Experiment" bekannt. Er bezieht sich auf die Geschehnisse in den Kellern von Stanford ...
... stellt sie aber nicht richtig dar. In dem Film vernachlässigt der Psychologe seine Aufsichtspflicht, es werden Menschen vergewaltigt und es gibt Tote - all das ist bei uns nicht passiert. Wo die Fakten enden und die Fiktion beginnt, bleibt in dem Film unklar. Deshalb will ich nicht, dass gesagt wird, er beruhe auf einer wahren Begebenheit. Es wird demnächst ein neuer Film gedreht, der sich an die Tatsachen hält. Der Name Stanford darf nur unter dieser Bedingung verwendet werden - dafür wird die Rechtsabteilung meiner Universität schon sorgen.
Anders als viele Psychologen betonen Sie oft die Bedeutung des sozialen Umfelds. Warum ist das so?
Das hat viel mit meiner Herkunft zu tun. Ich bin in der South Bronx in New York aufgewachsen, in sehr bescheidenen Verhältnissen. Wenn man sieht, dass Väter Alkoholiker sind, dass die Schwestern von Freunden auf den Strich gehen, dann will man glauben, dass Menschen so sind, weil die Umstände schlecht sind. Wenn man in einer privilegierten Familie aufwächst, glaubt man eher, dass alles am Individuum liegt. Ich habe also früh beobachten können, was das Umfeld mit Menschen macht.
Aber Ihnen ist es gelungen, sich daraus zu befreien.
Ja. Und auch deshalb trete ich dafür ein, das Individuum immer in seinem Kontext zu sehen. Wir müssen versuchen, die Lebensumstände so zu gestalten, dass das Gute im Menschen zutage treten kann und das Böse kaum Chancen hat.
Was kann der Einzelne dafür tun?
Zunächst sollten wir die Illusion aufgeben, dass wir Helden sind und die anderen nicht. Jeder von uns trägt das Gewöhnliche, das Böse in sich. Gegen eine feindselige Umwelt können wir uns schützen, indem wir soziale Netzwerke aufbauen. Allein werden wir nicht viel verändern, aber mit einigen Gleichgesinnten kommen wir weit. Sehr wichtig ist auch der Glaube an die Macht des Individuums: Wir sind nicht hilflos, jeder Einzelne kann viel bewegen.
Interview: Lilo Berg
Philip Zimbardo wurde am 23. März 1933 als Sohn sizilianischer Einwanderer in der Bronx in New York geboren. Er studierte am Brooklyn College und in Yale Psychologie. Von 1968 bis zu seiner Emeritierung 2003 lehrte er an der Stanford University. Zimbardo war Präsident der American Psychological Association.
Das Stanford Prison Experiment hat Zimbardo berühmt gemacht. 1971 teilte er dafür 24 Studenten in "Wärter" und "Gefangene". Erstere verhielten sich zunehmend sadistisch, letztere wurden immer passiver.
Der Wissenschaftler veröffentlichte zahlreiche Bücher, darunter das Standardlehrbuch "Psychology and Life" (deutsch: "Psychologie").
Buchtipp: Philip Zimbardo: "Der Luzifer-Effekt. Die Macht der Umstände und die Psychologie des Bösen", Spektrum-Verlag Heidelberg 2008, 39,95 Euro
Informationen zu Zimbardo und zu seinem aktuellen Buch:
Widerstand gegen Einflüsse
„Erstellt von Philip Zimbardo und Cindy X. Wang
Dr. Z‘s 20 Tipps zum Widerstand gegen unerwünschte Einflüsse auf Sie
Hier ist eine Reihe allgemeiner Ratschläge, die ich normalerweise Studenten am Ende meiner Kurse an der Stanford University gebe, egal ob es sich um eine Einführung in die Psychologie, Gedankenkontrolle oder die Erforschung der menschlichen Natur handelt. Sie decken die verschiedenen Spielarten des Einflusses ab und sind wirklich allgemeine Empfehlungen, wie man einflussreicher werden kann.
1. Geben Sie sich nicht der Illusion hin, Sie seien „unverwundbar“. Wenn es ihnen passieren kann, kann es auch Ihnen passieren.
2. Seien Sie bescheiden in Ihrer Selbsteinschätzung – es ist besser, sich selbst als verletzlich wahrzunehmen und die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, als sich in Gefahren zu begeben, „in die sich selbst kein Engel traut“.
3. Beschäftigen Sie sich so intensiv wie möglich mit dem Leben, aber bleiben Sie dabei aufmerksam und wachsam, im Einklang mit dem Augenblick und bereit, sich bei Bedarf auch mal zurückzuziehen und kritisch zu denken. Die Menschen sind im Allgemeinen gut und vertrauenswürdig, aber andere machen Karriere als „Einflussprofis“, die versuchen, Sie dazu zu bringen, das zu tun, was sie wollen.
4. Machen Sie sich Cialdinis Kontexte und Prinzipien der Compliance bewusst. Wenn Sie spüren, dass Sie nach einem der Prinzipien handeln, achten Sie auf den relevanten Kontext, in dem Sie manipuliert werden, und ziehen Sie sich zurück. Wenn der Kontext offensichtlich ist, rechnen Sie mit der Aktivierung des Prinzips.
5.Seien Sie bereit, die drei schwierigsten Sätze der Welt auszusprechen: „Ich habe mich geirrt“, „Ich habe einen Fehler gemacht“ und „Ich habe meine Meinung geändert“. Lassen Sie den Köder weg, akzeptieren Sie den sofortigen Verlust von Geld, Ansehen usw., der zu größeren langfristigen Verlusten führen könnte – Dissonanz und Beständigkeit erlahmen dann angesichts einer solchen Ehrlichkeit gegenüber sich selbst.
6. Trennen Sie Ihr Ego von Ihren Taten; bewahren Sie sich ein positives Selbstwertgefühl, das unabhängig von gelegentlichen Misserfolgen und manchmal dummen Taten ist (Lachen Sie einmal am Tag über sich selbst. Das gilt besonders für schüchterne Menschen).
7. Trennen Sie in Ihrem Kopf den Boten von der Nachricht, verarbeiten Sie beides systematisch und nicht heuristisch, seien Sie sich bewusst, wenn Sie müde sind, ein „kognitiver Geizhals“ sind, wenn Sie einfache Abkürzungen wollen und auf nonverbale Tricks hereinfallen. Es gibt kein kostenloses Mittagessen und keine schnellen und schmutzigen Wege zu etwas Wertvollem – Trägheit und Gier führen zu Leichtgläubigkeit.
8. Bestehen Sie auf einer Zweitmeinung und einer Verzögerung der Vertragsunterzeichnung, während Sie sachfremd darüber nachdenken. Unterschreiben Sie niemals sofort auf der gepunkteten Linie.
9. Entwickeln Sie „Diskrepanzdetektoren“, die mentale und intuitive Systeme warnen, die aus vagen Gefühlen resultieren, dass etwas nicht stimmt, dass etwas in der Situation oder der Geschichte, die man Ihnen erzählt, nicht zur Analyse passt, um Gegenmaßnahmen -> Widerspruch -> Ungehorsam einzuleiten.
10. Versuchen Sie, den Advocatus Diaboli zu spielen, seien Sie der Abweichler, um die Reaktionen gegen Sie und diese Position einzuschätzen, wenn der Einflussagent sagt, dass er/sie nur X zu Ihrem Besten tut.
11. Vermeiden Sie „totale Situationen“, in denen Sie den Kontakt zu Ihren sozialen Unterstützungs- und Informationsnetzwerken verlieren (Sekten und die stärksten Kräfte sozialen Einflusses gedeihen dort). Sie möchten nicht, dass alle Ihre Verstärker aus diesen neuen Quellen kommen.
12. Seien Sie bei allen Konfrontationen mit Autoritäten höflich, gehen Sie individuell auf sich und den anderen ein und stellen Sie klar, dass der Vorgang oder die Situation nicht „Ihr Problem“ ist. Beschreiben Sie das Problem sachlich, werden Sie nicht emotional und sagen Sie deutlich, welche Lösung Sie suchen und welche positiven Konsequenzen Sie erwarten. Drohungen und Kosten für den anderen oder seine Behörde sollten Sie erst im letzten Ausweg einsetzen.
13. Wenn Sie in einer Situation der Begegnung mit Autoritäten zur Rede gestellt werden, fragen Sie nach Ihrem Ausweis, verlangen Sie, ihn zu sehen, lassen Sie sich den Namen der Person geben (schreiben Sie ihn auf) und alle Einzelheiten über die Begegnung.
14. Lassen Sie es niemals zu, dass Sie sich emotional von Ihrem vertrauten und vertrauenswürdigen Bezugskreis (Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen) abschotten – und akzeptieren Sie keine herablassenden Äußerungen dieser Personen.
15. Bedenken Sie, dass alle Ideologien bloß Worte sind, Abstraktionen, die für bestimmte politische, soziale und wirtschaftliche Zwecke verwendet werden. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Maßnahmen ergreifen, die zur Aufrechterhaltung dieser Ideologie notwendig erscheinen. Fragen Sie immer, ob die Mittel den Zweck heiligen, und schlagen Sie Alternativen vor.
16. Überlegen Sie es sich gut, bevor Sie echten Menschen abstrakte Prinzipien auferlegen und dem Rat anderer folgen, auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln, die gegen das verstößt, wofür sie stehen.
17. Vertrauen Sie Ihrer Intuition und Ihrem Bauchgefühl, wenn Sie spüren, dass Sie zum Ziel von Einfluss werden, setzen Sie Ihre Gegenargumentationsmentalität ein und suchen Sie nach den Quellen des Widerstands.
18. Regeln sind abstrakte Formen der Verhaltenssteuerung und der Erlangung von Gehorsam und Konformität. Stellen Sie sie bei Bedarf in Frage: Fragen Sie: Wer hat die Regel aufgestellt? Welchem Zweck dient sie? Wer pflegt sie? Ist sie in dieser speziellen Situation sinnvoll? Was passiert, wenn Sie sie verletzen? Bestehen Sie darauf, dass die Regel explizit formuliert wird, damit sie nicht im Laufe der Zeit modifiziert und geändert werden kann, um dem Einflussnehmer zu gefallen.
19. Bei der Entwicklung von Ursachenzuschreibungen für ungewöhnliches Verhalten – Ihres oder das anderer – sollten Sie sich nie vorschnell auf dispositionelle Dinge konzentrieren, sondern immer zunächst mögliche situative Kräfte und Variablen berücksichtigen, die die wahren Ursachen darstellen, und versuchen, diese hervorzuheben und, wenn möglich, zu ändern.
20. Stellen Sie sich Dr. Z als Ihr Gewissen vor, Ihre persönlichen Jiminy Grille (aus Pinocchio), der auf Ihrer Schulter sitzt und sagt: „Bleib cool, bleib selbstbewusst und gelassen – damit du nicht zum Idioten wirst.“
https://web.archive.org/web/20160312031017/http://lucifereffect.com/guide_hints.htm
Die Banalität des Heldentums
„Die Umstände können fast jeden dazu zwingen, dem Bösen zuzuschauen, aber sie können auch den Helden in uns zum Vorschein bringen. Zeno Franco und Philip Zimbardo zeigen, wie wir alle im Alltag zu Heldentaten fähig sind.
Vor 35 Jahren startete einer von uns (Philip Zimbardo) das sogenannte Stanford Prison Experiment. 24 junge Männer, die auf eine Zeitungsanzeige reagiert hatten, in der Teilnehmer für eine Studie gesucht wurden, wurden nach dem Zufallsprinzip Rollen als „Gefangene“ oder „Wächter“ in einem simulierten Gefängnis der Psychologieabteilung der Stanford University zugewiesen. Die „Gefangenen“ wurden zu Hause von echten Polizisten festgenommen, registriert und ins Gefängnis gebracht. Alles, von den absichtlich erniedrigenden Gefängnisuniformen über die Zellennummern an den Labortüren bis hin zu den obligatorischen Leibesvisitationen und Entlausungen, war darauf ausgelegt, die entpersönlichende Erfahrung eines echten Gefängnisses nachzubilden. Die Männer, die als Wächter eingesetzt wurden, erhielten Khakiuniformen, verspiegelte Brillen und Schlagstöcke.
Die Idee war, die Psychologie der Gefangenschaft zu untersuchen – um zu sehen, was passiert, wenn man gute Menschen an einen entmenschlichenden Ort bringt. Doch innerhalb weniger Stunden entwickelte das, was als kontrolliertes Experiment menschlichen Verhaltens gedacht war, ein verstörendes Eigenleben. Nach einer Rebellion der Gefangenen am zweiten Tag des Experiments begannen die Wärter, zunehmend erniedrigende Strafen anzuwenden, und die Gefangenen wurden immer passiver. Jede Gruppe übernahm rasch die mit ihrer Rolle verbundenen Verhaltensweisen, nicht aufgrund einer besonderen inneren Veranlagung oder Anweisungen der Experimentatoren, sondern weil die Situation selbst die beiden Gruppen so stark dazu aufforderte, ihre neuen Identitäten anzunehmen. Interessanterweise waren sogar die Experimentatoren so in das Drama verwickelt, dass sie ihre Objektivität verloren und die außer Kontrolle geratene Studie erst beendeten, als ein objektiver Außenstehender eingriff und sie an ihre Pflicht erinnerte, die Teilnehmer menschlich und ethisch zu behandeln. Das auf zwei Wochen angelegte Experiment endete abrupt nach sechs Tagen.
Mit dem Verständnis der Psychologie des Bösen haben wir erkannt, dass solche Veränderungen des menschlichen Charakters nicht so selten sind, wie wir gerne glauben würden. Historische Forschungen und Verhaltenswissenschaften haben die „Banalität des Bösen“ aufgezeigt – das heißt, unter bestimmten Bedingungen und sozialem Druck können normale Menschen Taten begehen, die sonst undenkbar wären. Neben dem Stanford-Gefängnis-Experiment zeigten auch Studien, die in den 1960er-Jahren von Stanley Milgram an der Yale University durchgeführt wurden, die Banalität des Bösen. Bei den Milgram-Experimenten wurden die Teilnehmer gebeten, die Rolle eines „Lehrers“ zu spielen, der dafür verantwortlich war, einem „Lernenden“ Elektroschocks zu verabreichen, wenn dieser die Prüfungsfragen nicht richtig beantwortete. Die Teilnehmer waren sich nicht bewusst, dass der Lernende mit den Experimentatoren zusammenarbeitete, und erhielten keine Elektroschocks. Als die Schüler immer mehr versagten, wurden die Lehrer angewiesen, die Spannungsintensität der Schocks zu erhöhen – selbst als die Schüler anfingen zu schreien, flehten, die Schocks sollten aufhören, und schließlich überhaupt nicht mehr reagierten. Auf Druck der Versuchsleiter – ernst wirkende Männer in Laborkitteln, die sagten, sie würden die Verantwortung für die Folgen übernehmen – hörten die meisten Teilnehmer nicht auf, Schocks zu verabreichen, bis sie 300 Volt oder mehr erreichten – bereits im tödlichen Bereich. Die Mehrheit der Lehrer verabreichte den maximalen Schock von 450 Volt.
Wir alle glauben gern, dass die Grenze zwischen Gut und Böse undurchlässig ist – dass Menschen, die schreckliche Dinge tun, wie Mord, Verrat oder Entführung, auf der bösen Seite dieser Grenze stehen und der Rest von uns sie niemals überschreiten könnte. Aber das Stanford-Gefängnisexperiment und die Milgram-Studien haben gezeigt, dass diese Grenze durchlässig ist. Manche Menschen stehen nur deshalb auf der guten Seite, weil sie nie durch Situationen gezwungen oder verführt wurden, diese Grenze zu überschreiten.
Dies gilt nicht nur für Folterer und andere grausame Taten, sondern auch für Menschen, die eine weitaus häufigere Art von Unrecht begehen – das Unrecht, nichts zu unternehmen, wenn es erforderlich ist. Ob wir nun Nazideutschland oder das Gefängnis Abu Ghraib betrachten, es gab viele Menschen, die beobachteten, was geschah, und nichts sagten. In Abu Ghraib zeigt ein Foto zwei Soldaten, die vor einer Pyramide nackter Gefangener lächeln, während ein Dutzend anderer Soldaten herumstehen und passiv zuschauen. Wenn Sie solche Missbräuche beobachten und nicht sagen: „Das ist falsch! Hör auf damit!“, geben Sie stillschweigend Ihre Zustimmung, weiterzumachen. Sie gehören zu der schweigenden Mehrheit, die böse Taten akzeptabler macht.
Beim Stanford-Gefängnis-Experiment zum Beispiel gab es die „guten Wärter“, die das Gefängnis instand hielten. Die guten Wärter in den Schichten, in denen die schlimmsten Misshandlungen stattfanden, taten den Gefangenen nie etwas Böses, aber nicht ein einziges Mal in der ganzen Woche stellten sie die anderen Wärter zur Rede und sagten: „Was macht ihr da? Wir bekommen das gleiche Geld, ohne uns selbst zu verausgaben.“ Oder: „Hey, denkt daran, das sind College-Studenten, keine Gefangenen.“ Kein guter Wärter griff jemals ein, um die Aktivitäten der schlechten Wärter zu stoppen. Kein guter Wärter kam jemals eine Minute zu spät, ging eine Minute zu früh oder beschwerte sich öffentlich. In gewisser Weise waren es also die guten Wärter, die solche Misshandlungen zuließen. Die Situation diktierte ihre Untätigkeit, und ihre Untätigkeit ermöglichte das Böse.
Aber weil das Böse so faszinierend ist, sind wir besessen davon, uns auf die Übeltäter zu konzentrieren und sie zu analysieren. Vielleicht aufgrund der tragischen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs haben wir es versäumt, die Kehrseite der Banalität des Bösen zu berücksichtigen: Ist es auch möglich, dass Heldentaten etwas sind, das jeder vollbringen kann, wenn er die richtige Einstellung und die richtigen Bedingungen hat? Könnte es auch eine „Banalität des Heldentums“ geben?
Die Banalität des Heldentumskonzepts lässt vermuten, dass wir alle potenzielle Helden sind, die auf einen Moment im Leben warten, um eine Heldentat zu vollbringen. Die Entscheidung, heldenhaft zu handeln, ist eine Wahl, die viele von uns irgendwann treffen müssen. Indem wir Heldentum als universelles Attribut der menschlichen Natur und nicht als seltenes Merkmal der wenigen „auserwählten Helden“ begreifen, wird Heldentum zu etwas, das für jeden Menschen möglich erscheint und vielleicht mehr von uns dazu inspiriert, diesem Ruf zu folgen.
Sogar Menschen, die kein vorbildliches Leben geführt haben, können in bestimmten Momenten Heldentaten vollbringen. Während des Hurrikans Katrina beispielsweise tat ein junger Mann namens Jabar Gibson, der bereits eine Vorgeschichte mit schweren Verbrechen hatte, etwas, was viele Menschen in Louisiana als Heldentat betrachteten: Er beschlagnahmte einen Bus, lud ihn mit Bewohnern seines armen Viertels in New Orleans voll und brachte sie in Sicherheit nach Houston. Gibsons „abtrünniger Bus“ traf an einem Hilfsstützpunkt in Houston ein, bevor die Regierung irgendwelche Evakuierungsmaßnahmen genehmigte.
Die Vorstellung von der Banalität des Heldentums entlarvt den Mythos der „auserwählten Helden“, einen Mythos, der zwei grundlegende menschliche Tendenzen verstärkt. Die erste besteht darin, Menschen, die etwas Besonderes leisten, sehr seltene persönliche Eigenschaften zuzuschreiben – sie als übermenschlich anzusehen, praktisch unvergleichbar mit dem Rest von uns. Die zweite ist die Falle der Untätigkeit – manchmal auch als „Bystander-Effekt“ bezeichnet. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Bystander-Effekt oft durch eine Diffusion der Verantwortung motiviert ist, wenn verschiedene Menschen, die einen Notfall beobachten, alle davon ausgehen, dass jemand anderes helfen wird. Wie die „guten Wächter“ tappen wir in die Falle der Untätigkeit, wenn wir davon ausgehen, dass es die Verantwortung von jemand anderem ist, den Helden zu spielen.
Auf der Suche nach einer Alternative zu dieser Untätigkeit und Komplizenschaft mit dem Bösen haben wir die Banalität des Heldentums untersucht. Unsere anfängliche Forschung hat es uns ermöglicht, ein Beispiel nach dem anderen von Menschen zu untersuchen, die etwas wirklich Heldenhaftes getan haben, von Einzelpersonen, die internationalen Ruhm genießen, bis hin zu denen, deren Namen noch nie in einer Lokalzeitung auf den Schlagzeilen standen. Dies hat uns dazu gebracht, kritischer über die Definition von Heldentum nachzudenken und die situativen und persönlichen Merkmale zu berücksichtigen, die heroisches Verhalten fördern oder erleichtern.
Heldentum ist eine Idee, die so alt ist wie die Menschheit selbst, und einige ihrer Feinheiten gehen durch die Populärkultur verloren oder werden umgewandelt. Ein Held zu sein bedeutet nicht einfach, ein gutes Vorbild oder eine beliebte Sportfigur zu sein. Wir glauben, dass es notwendig geworden ist, die historischen Bedeutungen des Wortes zu überdenken und es in modernen Begriffen zum Leben zu erwecken. Indem wir uns stärker auf diesen Höhepunkt menschlichen Verhaltens konzentrieren, können wir das fördern, was wir als „heroische Vorstellungskraft“ bezeichnen, oder die Entwicklung eines persönlichen Heldenideals. Dieses Heldenideal kann dazu beitragen, das Verhalten einer Person in schwierigen Zeiten oder moralischer Unsicherheit zu lenken.
Was ist Heldentum?
Frank De Martini war ein Architekt, der sein eigenes Haus aus braunem Stein in Brooklyn restauriert hatte. Er mochte alte Autos, Motorräder, Segeln und verbrachte gern Zeit mit seiner Frau Nicole und ihren beiden Kindern.
Nachdem die entführten Flugzeuge am 11. September 2001 das World Trade Center getroffen hatten, durchsuchte De Martini, ein Bauleiter der Hafenbehörde, sorgfältig die oberen Stockwerke des Nordturms, um den Opfern zu helfen, die durch den Angriff eingeschlossen worden waren. De Martini wurde von drei Kollegen unterstützt: Pablo Ortiz, Carlos DaCosta und Pete Negron. Die Autoren Jim Dwyer und Kevin Flynn rekonstruieren die Bewegungen von De Martini und seinen Kollegen in ihrem Buch 102 Minutes: The Untold Story of the Fight to Survive Inside the Twin Towers. Die Beweise deuten darauf hin, dass diese vier Männer 70 Leben retten konnten, indem sie von Problem zu Problem gingen und dabei nur Brechstangen und Taschenlampen verwendeten – die einzigen verfügbaren Werkzeuge. Es gibt Anzeichen dafür, dass De Martini sich zunehmend Sorgen um die strukturelle Integrität des Gebäudes machte. Dennoch arbeiteten er und seine Männer weiter daran, andere zu retten, anstatt zu evakuieren, als sie die Chance dazu hatten. Alle vier Männer starben beim Einsturz des Turms.
Diese Männer waren nicht als überlebensgroße Helden bekannt, aber die meisten von uns würden ihre Taten am 11. September sicherlich als heroisch bezeichnen. Aber was genau ist Heldentum?
Heldentum ist etwas anderes als Altruismus. Während Altruismus selbstlose Taten betont, die anderen helfen, beinhaltet Heldentum das Potenzial für tiefere persönliche Opfer. Der Kern des Heldentums dreht sich um das Engagement des Einzelnen für ein edles Ziel und die Bereitschaft, die Konsequenzen des Kampfes für dieses Ziel zu akzeptieren.
Historisch gesehen ist Heldentum am ehesten mit dem Militärdienst verbunden; aber auch soziales Heldentum verdient eine genaue Betrachtung. Während Achilles als archetypischer Kriegsheld gilt, war auch Sokrates’ Bereitschaft, für seine Werte zu sterben, eine Heldentat. Heldentum im Dienste einer edlen Idee ist normalerweise nicht so dramatisch wie Heldentum, das unmittelbare körperliche Gefahr mit sich bringt. Soziales Heldentum hat jedoch auf seine Weise seinen Preis, oft geht es mit dem Verlust der finanziellen Stabilität, einem niedrigeren sozialen Status, einem Verlust der Glaubwürdigkeit, Verhaftung, Folter, Gefährdung von Familienmitgliedern und in manchen Fällen mit dem Tod einher.
Diese verschiedenen Arten, sich mit dem heroischen Ideal auseinanderzusetzen, legen eine tiefere, komplexere Definition des Heldentums nahe. Basierend auf unserer eigenen Analyse vieler Taten, die wir als heroisch erachten, glauben wir, dass Heldentum aus mindestens vier unabhängigen Dimensionen besteht.
Erstens beinhaltet Heldentum eine Art von Streben, das von der Bewahrung des Lebens (Frank De Martinis Einsatz im World Trade Center) bis zur Bewahrung eines Ideals (Dr. Martin Luther King Jr.s Streben nach Gleichberechtigung für Afroamerikaner) reichen kann.
Zweitens muss Heldentum mit einer Form von tatsächlichem oder erwartetem Opfer oder Risiko verbunden sein. Dies kann entweder eine Form von körperlicher Gefahr oder ein tiefgreifendes soziales Opfer sein. Die körperlichen Risiken, die Feuerwehrleute in Ausübung ihrer Pflicht eingehen, sind eindeutig heroischer Natur. Soziale Opfer sind subtiler. So riskierte beispielsweise Dr. Tom Cahill, ein Forscher an der University of California in Davis, im Jahr 2002 seine Glaubwürdigkeit als Wissenschaftler, indem er eine Pressekonferenz einberief, um die Ergebnisse der EPA, dass die Luft in der Nähe von Ground Zero nach den Anschlägen vom 11. September sicher zum Atmen sei, offen anzufechten. Seine Bereitschaft, „an die Öffentlichkeit zu gehen“, wurde von der Regierung und einigen Wissenschaftlerkollegen in Frage gestellt. Wie Cahill sind Whistleblower in Regierung und Wirtschaft häufig mit Ächtung, körperlicher Bedrohung und dem Verlust ihres Arbeitsplatzes konfrontiert.
Drittens kann die Heldentat entweder passiv oder aktiv sein. Wir denken oft, Heldentaten seien eine mutige Tat, etwas, das klar erkennbar ist. Aber manche Formen des Heldentums beinhaltet passiven Widerstand oder die Unwilligkeit, sich bewegen zu lassen. Denken Sie an die Taten des Unabhängigkeitskriegsoffiziers Nathan Hale vor seiner Hinrichtung durch die britische Armee. In diesem Moment konnte er nichts tun, außer zu entscheiden, wie er sich dem Tod hingab – mit Tapferkeit oder mit Furcht. Die Worte, die er in seinen letzten Augenblicken aussprach (entnommen aus Joseph Addisons Stück Cato): „Ich bedauere, dass ich nur ein Leben für mein Land geben kann“, werden mehr als zwei Jahrhunderte später als Symbol der Stärke in Erinnerung behalten.
Schließlich kann Heldentum eine plötzliche, einmalige Tat sein oder etwas, das über einen längeren Zeitraum anhält. Das könnte bedeuten, dass Heldentum eine fast augenblickliche Reaktion auf eine Situation sein kann, wie zum Beispiel, als ein selbsternannter „Durchschnittstyp“ namens Dale Sayler einen bewusstlosen Fahrer aus einem Fahrzeug zog, das kurz davor war, von einem herannahenden Zug erfasst zu werden. Alternativ kann es eine wohlüberlegte Reihe von Aktionen sein, die sich über Tage, Monate oder ein ganzes Leben erstrecken. So unterzeichnete beispielsweise 1940 ein japanischer Konsul in Litauen, Chiune Sugihara, mehr als 2.000 Visa für Juden, die der Nazi-Invasion entkommen wollten, obwohl seine Regierung ihm direkte Anweisungen erteilt hatte, dies nicht zu tun. Jeden Morgen, wenn Sugihara aufstand und dieselbe Entscheidung traf, zu helfen, jedes Mal, wenn er ein Visum unterschrieb, handelte er heldenhaft und erhöhte die Wahrscheinlichkeit schlimmer Konsequenzen für sich und seine Familie. Am Ende des Krieges wurde er kurzerhand aus dem japanischen Staatsdienst entlassen.
Was macht einen Helden aus?
Unsere Bemühungen, heroische Aktivitäten zu katalogisieren und zu kategorisieren, haben uns dazu gebracht, die Faktoren zu erforschen, die zusammenkommen, um Helden zu erschaffen. Es muss betont werden, dass dies eine anfängliche, explorative Arbeit ist; bestenfalls erlaubt sie es uns, einige Spekulationen vorzuschlagen, die eine weitere Untersuchung rechtfertigen.
Aus einer Reihe früherer Untersuchungen konnten wir lernen, wie bestimmte Situationen den zuvor erwähnten Zuschauereffekt auslösen können. Aber genauso wie sie Zuschauer schaffen können, haben Situationen auch eine enorme Macht, heroische Taten in Menschen hervorzubringen, die sich selbst nie als Helden betrachtet hätten. Tatsächlich besteht die erste Reaktion vieler Menschen, die als Helden bezeichnet werden, darin, ihre eigene Einzigartigkeit mit Aussagen wie „Ich bin kein Held; jeder in der gleichen Situation hätte getan, was ich getan habe“ oder „Ich habe nur getan, was getan werden musste“ zu leugnen. Situationen, in denen es unmittelbar um Leben und Tod geht, wie wenn Menschen in einem brennenden Haus oder einem Autowrack gestrandet sind, sind klare Beispiele für Situationen, die Menschen zu heroischen Taten anspornen. Aber andere Situationen – wie das Zeugesein von Diskriminierung, Unternehmenskorruption, Regierungsvergehen oder militärischen Gräueltaten – bringen nicht nur das Schlechteste in Menschen zum Vorschein; sie bringen manchmal das Beste zum Vorschein. Wir glauben, dass diese Situationen eine „klare“ ethische Prüfung darstellen, die manche Menschen dazu treibt, zu handeln, um das Böse zu stoppen. Aber warum können manche Menschen diese Grenze erkennen, während andere sie nicht sehen? Warum übernehmen manche Menschen die Verantwortung für eine Situation, während andere dem Zuschauereffekt erliegen?
Genau wie beim Stanford-Gefängnis-Experiment und den Milgram-Studien interagieren die Situation und die persönlichen Eigenschaften jeder in die Situation verwickelten Person auf einzigartige Weise. Wir sind uns noch nicht sicher, wie diese persönlichen Eigenschaften mit der Situation zusammenwirken, um heroisches Handeln hervorzurufen, aber wir haben einige vorläufige Ideen. Der Fall von Sugiharas Intervention zugunsten der Juden ist besonders aufschlussreich.
Berichte über Sugiharas Leben zeigen uns, dass seine Bemühungen, jüdische Flüchtlinge zu retten, das dramatische Finale einer langen Liste kleinerer Bemühungen waren, von denen jede seine Bereitschaft zeigte, sich gelegentlich den strengen sozialen Zwängen der japanischen Gesellschaft im frühen 20. Jahrhundert zu widersetzen. So folgte er beispielsweise nicht den Anweisungen seines Vaters, Arzt zu werden, sondern studierte stattdessen Sprachen und ging in den Staatsdienst; seine erste Frau war keine Japanerin; und in den 1930er Jahren trat Sugihara von einer prestigeträchtigen Position im Staatsdienst zurück, um gegen die Behandlung der Chinesen durch das japanische Militär während der Besetzung der Mandschurei zu protestieren. Diese Vorfälle deuten darauf hin, dass Sugihara bereits über die innere Stärke und Selbstsicherheit verfügte, die notwendig waren, um sich in unsicheren Situationen von seinem eigenen moralischen Kompass leiten zu lassen. Wir können spekulieren, dass Sugihara eher bereit war, seine individuelle Meinung durchzusetzen, als die anderen in seiner Umgebung, die es vorzogen, „mitzumachen, um dazuzugehören“.
Außerdem war Sugihara an zwei verschiedene Verhaltensregeln gebunden: Er war ein vereidigter Vertreter der japanischen Regierung, wuchs aber in einer ländlichen Samurai-Familie auf. Sollte er dem Befehl seiner Regierung gehorchen, den Juden nicht zu helfen (und damit auch dem uralten Sittenspruch seiner Kultur nachkommen, seiner Familie keine Schande zu bereiten, indem er der Autorität nicht gehorcht)? Oder sollte er dem Samurai-Sprichwort folgen, das ihn verfolgte: „Selbst ein Jäger kann keinen Vogel töten, der zu ihm fliegt, um Zuflucht zu suchen“? Als die japanische Regierung seine wiederholten Bitten um Erlaubnis, den Flüchtlingen zu helfen, ablehnte, erkannte Sugihara vielleicht, dass diese beiden Verhaltensregeln im Konflikt standen und dass er sich einer klaren ethischen Prüfung stellen musste.
Interessanterweise handelte Sugihara nicht impulsiv oder spontan; stattdessen wägte er die Entscheidung sorgfältig mit seiner Frau und seiner Familie ab. In Situationen, die soziales Heldentum nahelegen, kann das Problem ein „moralisches Kitzeln“ auslösen, das die Person nicht ignorieren kann – eine Art positives Grübeln, bei dem wir nicht aufhören können, über etwas nachzudenken, weil es uns nicht passt.
Doch bleibt die Frage: „Was veranlasst Menschen, zu handeln?“ Viele Menschen in ähnlichen Situationen erkennen die mit der Situation verbundenen ethischen Probleme und sind zutiefst beunruhigt, entscheiden sich jedoch einfach, sie zu ignorieren. Was kennzeichnet den letzten Schritt hin zu heroischem Handeln? Handeln diejenigen, die handeln, gewissenhafter? Oder sind sie einfach weniger risikoscheu?
Wir kennen die Antwort auf diese wichtigen Fragen nicht – die Sozialwissenschaften haben sie noch nicht geklärt. Wir glauben jedoch, dass ein wichtiger Faktor, der heroisches Handeln fördern kann, die Stimulierung der heroischen Vorstellungskraft ist – die Fähigkeit, sich vorzustellen, physisch oder sozial riskante Situationen zu bewältigen, mit den hypothetischen Problemen zu kämpfen, die diese Situationen mit sich bringen, und seine Handlungen und die Konsequenzen zu bedenken. Indem man diese Fragen im Voraus beachtet, ist man besser darauf vorbereitet, zu handeln, wenn und falls ein Moment eintritt, der nach Heldentum verlangt. Die Stärkung der heroischen Vorstellungskraft kann dazu beitragen, Menschen für die ethischen Prüfungen, die in komplexen Situationen stecken, sensibilisieren und es dem Einzelnen ermöglichen, die Kosten seiner heroischen Handlung bereits abgewogen und bis zu einem gewissen Grad überwunden zu haben. Sich selbst als fähig zu der Entschlossenheit zu sehen, die für Heldentum erforderlich ist, kann der erste Schritt zu einem heroischen Ergebnis sein.
Wie man die heroische Vorstellungskraft fördert
Im letzten Jahrhundert haben wir die schleichende Verminderung des Wortes „Held“ miterlebt. Dieser Titel war einst nur jenen vorbehalten, die unter großem persönlichen Risiko Großes vollbrachten. Nach und nach, als wir uns in Richtung mechanisierter Kampfsysteme bewegten, insbesondere während und nach dem Zweiten Weltkrieg, rückten die ursprünglichen Ideale des militärischen Heldentums in weite Ferne. Zugleich wurde auch unsere Vorstellung von sozialem Heldentum langsam verwässert. Wir halten Erfinder, Sportler, Schauspieler, Politiker und Wissenschaftler als Beispiele für „Helden“ hoch. Diese Personen sind eindeutig Vorbilder und verkörpern wichtige Eigenschaften, die wir alle gerne bei unseren Kindern sehen würden – Neugier, Ausdauer, körperliche Stärke, ein barmherziger Samariter zu sein –, aber sie zeigen weder Mut noch Stärke. Indem unsere Gesellschaft das Ideal des Heldentums herabsetzt, macht sie zwei Fehler. Erstens verwässern wir den wichtigen Beitrag wahrer Helden, ob es sich nun um Leuchten wie Abraham Lincoln oder den Helden von nebenan handelt. Zweitens vermeiden wir es, uns mit den älteren, anspruchsvolleren Formen dieses Ideals auseinanderzusetzen.
Wir müssen uns nicht selbst herausfordern, um zu sehen, ob wir in einer Situation, die Mut erfordert, diesen Test bestehen würden. In früheren Generationen haben Worte wie Tapferkeit, Stärke, Tapferkeit und Heldenmut unsere Seelen bewegt. Kinder lasen von den Heldentaten großer Krieger und Entdecker und machten sich auf, in deren Fußstapfen zu treten. Aber wir verbringen wenig Zeit damit, über die tiefe Bedeutung nachzudenken, die diese Worte einst hatten, und konzentrieren uns weniger darauf, uns selbst zu ermutigen, darüber nachzudenken, wie wir im sozialen Bereich, wo die meisten von uns früher oder später die Gelegenheit haben werden, heldenhaft zu sein, mutig sein können. Während unsere Gesellschaft den Heldenmut verdummt, gelingt es uns nicht, heroische Vorstellungskraft zu fördern.
Es gibt mehrere konkrete Schritte, die wir unternehmen können, um die heroische Vorstellungskraft zu fördern. Wir können damit beginnen, aufmerksam zu bleiben und jede Situation, der wir begegnen, sorgfältig und kritisch zu bewerten, damit wir einen Notfall, der unser Handeln erfordert, nicht beschönigen. Wir sollten versuchen, unseren „Diskontinuitätsdetektor“ zu entwickeln – ein Bewusstsein für Dinge, die nicht passen, fehl am Platz sind oder in einer Umgebung keinen Sinn ergeben. Das bedeutet, Fragen zu stellen, um die Informationen zu erhalten, die wir brauchen, um verantwortungsbewusst zu handeln.
Zweitens ist es wichtig, zwischenmenschliche Konflikte nicht zu fürchten und die persönliche Widerstandskraft zu entwickeln, die notwendig ist, um für die Prinzipien, die uns am Herzen liegen, einzutreten. Tatsächlich sollten wir schwierige Interaktionen nicht als Konflikte betrachten, sondern als Versuche, andere Menschen dazu zu bringen, ihre eigenen Prinzipien und Ideologien zu unterstützen.
Drittens müssen wir uns eines erweiterten Zeithorizonts bewusst sein, nicht nur des gegenwärtigen Augenblicks. Wir sollten uns mit der gegenwärtigen Situation beschäftigen, aber auch in der Lage sein, einen Teil unseres analytischen Fokus abzukoppeln, um uns alternative Zukunftsszenarien vorzustellen, die sich je nach unseren gegenwärtigen Handlungen oder Unterlassungen ergeben könnten. Darüber hinaus sollten wir einen Teil unserer Gedanken auf die Vergangenheit richten, da uns dies dabei helfen kann, uns an Werte und Lehren zu erinnern, die uns vor langer Zeit vermittelt wurden und die unser Handeln in der gegenwärtigen Situation beeinflussen können.
Viertens müssen wir der Versuchung widerstehen, Untätigkeit zu rationalisieren und Rechtfertigungen zu entwickeln, die böse Taten als akzeptable Mittel zur Erreichung vermeintlich gerechter Ziele umdeuten.
Schließlich müssen wir versuchen, die Erwartung negativer Konsequenzen, die mit manchen Formen des Heldentums verbunden sind, wie etwa soziale Ächtung, zu überwinden. Wenn unser Kurs gerecht ist, müssen wir darauf vertrauen, dass andere schließlich den Wert unserer heroischen Taten erkennen werden.
Doch über diese grundlegenden Schritte hinaus muss unsere Gesellschaft darüber nachdenken, wie sie die heroische Vorstellungskraft aller ihrer Bürger fördern kann, insbesondere der jungen Menschen. Die alten Griechen und angelsächsischen Stämme verehrten ihre Helden in epischen Gedichten wie der Ilias und Beowulf. Diese Geschichten gelten leicht als veraltet, doch ihre Anweisungen für den Helden gelten noch immer.
In diesen Geschichten begegnet der Protagonist oft einer mystischen Figur, die versucht, den Helden von seinem Weg abzubringen. Auch in unserem eigenen Leben müssen wir die Verführung durch das Böse vermeiden und uns darüber im Klaren sein, dass die Verführung wahrscheinlich ganz gewöhnlich sein wird – zum Beispiel ein unethischer Freund oder Kollege. Indem wir eine Reihe kleinerer Prüfungen unseres Mutes bestehen, können wir eine persönliche Gewohnheit des Heldentums entwickeln.
Epische Gedichte erzählen auch oft davon, dass der Held die Unterwelt besucht. Diese metaphorische Begegnung mit dem Tod stellt eine Akzeptanz und Überwindung der eigenen Sterblichkeit dar. Bis heute erfordern einige Formen des Heldentums, den höchsten Preis zu zahlen. Aber wir können dies auch als die Bereitschaft eines Helden verstehen, alle Konsequenzen seiner heroischen Tat zu akzeptieren – ob die Opfer nun physischer oder sozialer Natur sind.
Schließlich diente ein Verhaltenskodex, von den urzeitlichen Kriegsgeschichten über Achilles bis zu Sugiharas überwältigender Freundlichkeit gegenüber den jüdischen Flüchtlingen im Zweiten Weltkrieg, als Rahmen, aus dem heroisches Handeln hervorging. In diesem Kodex befolgt der Held eine Reihe von Regeln, die ihn daran erinnern, dass etwas nicht stimmt und er versuchen muss, es wieder in Ordnung zu bringen – manchmal sogar, wenn er es lieber vergessen würde. Heute scheint es, als würden wir uns immer weiter von der Aufrechterhaltung einer Reihe von Lehren entfernen, die als Lackmustest für Richtig und Falsch dienen.
Doch wie können wir uns und unsere Kinder in einer digitalen Welt mit dem verbinden, was einst mündliche Überlieferungen waren? Hollywood hat einige dieser Aufgaben bereits bewältigt. Die jüngste Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Der Herr der Ringe bescherte uns eine klassische Geschichte, die auf der epischen Tradition basiert. Doch wie viele von uns haben innegehalten und mit ihren Kindern über die tiefere Bedeutung dieser Geschichte gesprochen? Angesichts der zunehmenden Raffinesse von Videospielen stellt sich die Frage, ob die Macht dieser Unterhaltungsform dazu genutzt werden kann, Kinder über die Tücken des Herdentriebs aufzuklären? Könnten diese Spiele Kindern helfen, in moralisch zweifelhaften Situationen ihren eigenen inneren Kompass zu entwickeln? Oder ihnen vielleicht sogar helfen, über ihre eigene Fähigkeit nachzudenken, heldenhaft zu handeln? Und wie können die grundlegenden Lehren eines Ehrenkodex im digitalen Zeitalter weiterhin für zwischenmenschliche Beziehungen relevant bleiben?
Wenn wir die Fähigkeit verlieren, uns selbst als Helden vorzustellen und die Bedeutung wahren Heldentums zu verstehen, wird unsere Gesellschaft ärmer. Aber wenn wir uns wieder mit diesen alten Idealen verbinden und sie wieder auffrischen können, können wir eine Verbindung mit dem Helden in uns selbst herstellen. Es ist dieser lebenswichtige, innere Kanal zwischen der modernen Arbeitswelt und der mythischen Welt, der einen gewöhnlichen Menschen darauf vorbereiten kann, ein Alltagsheld zu sein."
https://web.archive.org/web/20160312145404/http://lucifereffect.com/articles/heroism.pdf
Nichtsdestotrotz gibt es auch heute noch genügend „Helden“ in Büchern, Filmen und sonstigen Medien.
Für den Anfang reicht es, sich so zu verhalten, dass mensch in den Spiegel sehen und dabei sagen kann: „gut“!
Es schadet auch nicht, den Kategorischen Imperativ von Immanuel Kant zu kennen und nach diesem zu handeln:
„Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“
Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm
Das Böse verlachen
- Satire, Realsatire, ernst Gemeintes -
Wochenkommentar von Ferdinand Wegscheider | 19.10.
„Die Paranoia der Verschwörungstheoretiker!“ - Im neuen Wochenkommentar ziehen wir heute wieder einmal eine Zwischenbilanz über ehemalige Verschwörungsmythen, die sich als richtig herausgestellt haben!
https://www.servustv.com/aktuelles/v/aavihagy2lzhumgyi3ql/
"Welch eine Freude!" oder kurz gesagt: "WEF"
https://www.youtube.com/watch?v=yWr01_wBqpM
Simone Solga: Wer malocht, ist selber schuld | Folge 136
https://www.youtube.com/watch?v=3jS4GMRQdqQ
Heißer Herbst / Steimles Aktuelle Kamera / Ausgabe 163
https://www.youtube.com/watch?v=RaxxVVcRCnY
HallMack Europa braucht einen TRUMP
https://www.frei3.de/post/bd6177f8-092c-4c5c-8208-5362ff6908c3
HallMack Aktuelle Kamera 83 - Krieg - Bald sind wir bereit
https://www.frei3.de/post/36c40175-cc1c-4cab-ac0c-f4eef3376bfe