Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.

Über Geschmäcke und Farben kann man eigentlich nicht streiten. Rein ästhetisch betrachtet, liebt ein Regenwurm kräftige Farben. Blasse Farben haben für ihn praktisch betrachtet aber auch einen Wert: Sie sind nämlich das Signal, dass die einstmals kräftige Pflanze dazu bereit ist, gefressen zu werden. Sie sind die Farben des Endes, der Müdigkeit, der Schwäche.

Eine besondere blasse Farbe ist rosa. Große Aufregung, nachdem in Berlin das „Barbie Dreamhouse“ eröffnet wurde: Presse, Demonstranten und eine Halbnackte von „Femen“ waren da. Weil Barbie und rosa angeblich nicht gut seien für Mädchen. Barbie gibt es schon seit 50 Jahren und seither gehört auch rosa irgendwie zu ihr.

Im Erdreich ist manchmal so ein Gewimmel und Gewusel, dass wurm sich manchmal wünscht, etwas mehr Ruhe zu haben. Etwa da, wo Tausendfüßler und Borkenkäfer sich „Gute Nacht“ sagen. Oder noch besser an einem Ort, an dem es noch nicht mal solche Viecher gibt. Da, wo ein Wurm noch ein Wurm ist und zu Hause erzählen kann, dass er dort gewesen ist: am Mount Everest.

Nun hört wurm, dass es genau dort zu einer Schlägerei zwischen Sherpas und Bergsteigern gekommen ist. Eigentlich nicht erwähnenswert. Das war ungefähr so, wie wenn in hiesigen Breiten die Autobahn gesperrt wird, die Bauarbeiter bei der Arbeit sind und plötzlich Motorradfahrer auftauchen, die sich nicht um die Absperrungen kümmern und munter zwischen den Arbeitern durchfahren. Für die Arbeiter besteht zwar keine Gefahr, aber sie regen sich auf und bringen das zum Ausdruck. Darüber regen sich die Motorradfahrer auf und es kommt zu hitzigen Wortgefechten. Später kommt der ganze Bauarbeiter-Trupp zum Lager der Motorradfahrer und vermöbelt die mal so richtig. Zurück zum Mount Everest. Alle sind zufrieden. Die Sherpas haben den Bergsteigern Respekt beigebracht und die Bergsteiger können das jetzt überall rum erzählen, was ja gut fürs Geschäft ist.