Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.

Der UN-Migrationspakt (der nichts mit den Themen „Flucht“ oder „Asyl“ zu tun hat) wurde unterzeichnet und das deutsche Einwanderungsgesetz wird noch diesen Monat verabschiedet.

Beides auf Initiative der Wirtschaft, der es vor allem um billige Löhne geht.

Beides gegen die Interessen der einheimischen Bevölkerung.

Beides mit größtenteils Wohlwollen der sich „links“ nennenden Parteien.

Das Zusammenspiel zwischen Staat und Organisierter Kriminalität wird immer dreister. Zumindest in diesem Bereich gibt es noch einen funktionierenden Journalismus, der die Probleme aufzeigt. Wie gerade bei den Cum-Geschäften.

„Während er in das Filmabenteuer mit Eisenstein eintrat und mit Mental Radio (1931) eine Aufsehen erregende Studie über Telepathie schrieb, wurde er von 770 Persönlichkeiten aus 55 Ländern der schwedischen Akademie zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur vorgeschlagen. Im Begründungstext hieß es u. a.: „Er ist der Verfasser von rund vierzig Bänden Romane, Dramen, Wirtschaftswissenschaft, Gesellschafts- und Literaturkritik und ist ohne Frage der meistgelesene lebende Autor. Seine Bücher sind in mehr als dreißig Sprachen übersetzt worden und haben das Denken der Massen und des kritischen Potentials der kulturellen Welt entscheidend beeinflußt. Wir halten seine größten Romane, wie The JungleLove's Pilgrimage, Oil!, Boston für eine außergewöhnliche Leistung in der Weltliteratur der Gegenwart, wegen ihrer Meisterschaft im Faktischen, der gesellschaftlichen Vision, wegen ihrer Geschlossenheit, Ehrlichkeit und Tapferkeit im Denken, ihrer leidenschaftlichen Menschlichkeit, wegen der Originalität in der Darstellungstechnik, der Vitalität und schwungvollen Kreativität.“

Der englische sozialkritische Dramatiker George Bernard Shaw versuchte mit einem zusätzlichen Schreiben, eine positive Entscheidung des Nobel-Komitees herbeizuführen, indem er darauf hinwies, daß weder die Anerkennung in akademischen Kreisen noch die Bewertung als hohe Literatur Kriterien einer weitreichenden internationalen Wirkung seien. „Schriftsteller, die in literarischen Zirkeln große Lieblinge sind und vielleicht exquisite literarische Arbeiten hervorbringen, haben womöglich überhaupt keinen Einfluß auf den Geist ihrer Zeit. Dagegen können gröbere Begabungen von Schreibern, denen die literarische Grazie nicht Selbstzweck, sondern Köder ist, um Leser für ihre Ideen einzufangen, sehr wohl die Bedeutsamkeit haben, die des Nobelpreises würdig ist. Da Upton Sinclairs Begabung dieser Art ist, habe ich mich denen angeschlossen, die seine Kandidatur unterstützen, während die Professoren vor Entsetzen aufschrien.“

Der Auswahlausschuß in Stockholm hielt es wohl mit den Professoren. Den Preis 1932 errang John Galsworthy, dessen High Society-Chronik der Londoner Familie Forsyte dort eher Anklang fand als ein Muckraking im Interesse des internationalen Proletariats.“ 

Der zu seiner Zeit meistgelesene Autor heisst Upton Sinclair, der vor 50 Jahren gestorben ist. Da dieser Jahrestag von den meisten deutschen Medien ignoriert bzw. totgeschwiegen wurde, ist es dem Wurm eine besondere Freude auf ihn hinzuweisen. Wenn es einen Menschen gibt, dessen Werke und dessen Lebenserfahrungen gerade heute wichtig und aktuell sind, dann ist es Upton Sinclair. 

Es scheint ein böser Wahn die ganze Welt erfaßt zu haben, der Wahn zu zerstören, der Wahn des Hasses und der Verfolgung, des Haders und des Streites auf allen Gebieten unseres Lebens. Was uns täglich die Zeitungen melden, was wir mit Augen sehen, mit unsern Ohren hören, - der Wahnwitz starrt uns überall entgegen. Ernste Männer versammeln sich, um über das Wohl der Völker und der Einzelnen zu sinnen und zu reden, um der bitteren Not zu wehren, den Wohlstand zu fördern – da wirft ein vom Wahn des nationalen Hasses erfüllter Mensch die Brandfackel in die Menge, die Leidenschaften entflammen, Haß blitzt aus den Augen, Haß schreit aus den heiseren Stimmen, jede Besonnenheit entflieht, Worte des Schimpfes fliegen hinüber, herüber, der Friede ist gebrochen, das Parlament liegt brach, und vergebens frägt der Zuschauer nach Ursache, Wurzel und – Ende dieses Wahnes …“

Der Text ist nicht von heute, sondern stammt aus dem Jahre 1898. Hier ist der 2. Teil von „Der Kampf um die Vermeidung des Weltkrieges“.

 

Dezember 1913: „Die Unruh der Welt“ (the world‘s unrest), das ist ein Satz, der gegenwärtig in der englischen Publizistik geläufig als Spitzmarke für die Betrachtungen über die Ereignisse des Tages gebraucht wird. Und wahrlich mit Recht: Stillstand und volle Ruhe hat es zwar niemals gegeben; aber ein solches Gären und Brodeln, eine solche Unsicherheit, eine solche Ueberstürzung von Gefahren, Drohungen, Konflikten und Krisen, wie die jüngste Zeit sie aufweist, das hat noch keiner von uns erlebt. Wenn das so weiter kracht und wirbelt und aufblitzt, was soll da kommen? Die Antwort wäre einfach: „Was kommen muß, ist Zusammenbruch, Weltkrieg, Anarchie ...“ Aber diese Antwort stützt sich nur auf eine Kategorie der gegenwärtigen Unruhphänomene, und zwar die lautesten, sichtbarsten, zornigsten. Sie zieht nicht die stillen Kräfte und leisen Mächte in Rechnung, die, im Lichte aufdämmernder Erkenntnis und erwachenden Gewissens an der Arbeit sind, mit rettenden Ideen und erlösenden Taten das Unheil abzuwehren.“

Vor 100 Jahren endete der 1. Welkrieg. „Der Kampf um die Vermeidung des Weltkrieges" zeigt seine Vorgeschichte.

Aus einem früheren Beitrag des Wurms: „Der Wurm wird sich über dieses Werk zu einem späteren Zeitpunkt seine Gedanken machen. Soviel vorweg: von 1892 bis 1914 (mit einer Pause von 1901 bis 1906) erschienen in der pazifistischen Zeitschrift „Friedenswarte“ Bertha von Suttners „Randglossen zur Zeitgeschichte“, die hier in Buchform zusammengefasst sind.

Einerseits ein wunderbares Werk der Zeitgeschichte und ein Genuss zu Lesen – andererseits bleibt es zumindest einem Wurm im Halse stecken. Es mag gute Bücher über die Gründe und den Verlauf des ersten Weltkrieges geben – keines reicht jedoch an dieses zweibändige Werk heran, das sofort in Deutschland und Österreich-Ungarn verboten wurde.

Vielleicht gab es Mächte und Regierungen, die den Krieg nicht wollten – den Frieden wollte jedoch keiner. Das geht deutlich aus Bertha von Suttners Kommentaren hervor.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/101-die-waffen-nieder.html