Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.

„Es gibt mehr Nichtwähler als Wähler einer bestimmten Partei. Diese Nichtwähler fühlen sich und ihre Wünsche nicht durch die zur Wahl angetretenen Parteien vertreten. Nichtwahl entweder aus bewusstem Protest oder aus Apathie („ist ja eh egal, wer regiert“). 

So wie sich vor allem in den letzten 25 Jahren der Neo-Liberalismus entwickelt hat, wären dringend Antworten von der linken Seite nötig. Wer während dieser Zeit die Entwicklung der Asozialdemokraten oder der Linken verfolgt hat, kann nur tief traurig sein. Ganz zu schweigen von den Grünen, die als Pazifisten gestartet sind und mittlerweile üble Kriegshetzer sind.

Alle paar Jahre wird eine Protest-Partei nach oben gespült und geht dann wieder unter. Ob sie jetzt NPD, Republikaner, Piraten oder sonstwie heissen. Wie sich die AfD entwickelt, wird sich noch zeigen müssen. Gutes erwartet sich der Wurm jedoch nicht.

Genauso wenig, wie er sich von der parlamentarischen Demokratie mit ihren aktuellen Parteien erwartet. Nicht von „der Partei“, nicht von den Pseudo-Linken und von rechts erst recht nichts.“

So die Worte des Wurms vor anderthalb Jahren zu einigen Landtags- und Kommunalwahlen: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/214-schlechte-alternative.html .

Groß geändert an der damaligen Einschätzung hat sich nichts.

Mit einer Ausnahme: die AfD ist jetzt im Bundestag vertreten.

Diese Woche ist Bundestags-Wahl.

Große Spannung ist keine da. Alle Umfragen gehen in die Richtung von (ca.) CDU/CSU 35%, SPD 22% und die restlichen relevanten Parteien (Linke, Grüne, FDP, AfD) jeweils um die 10%.

Auch, wenn große Teile der SPD nicht wollen, wird die Große Koalition wohl weiter geführt werden.

Wer auch immer gewählt und regieren wird – der Wurm macht sich keine großen Hoffnungen. Der Neo-Liberalismus wird weiter um sich greifen und die Aufrüstung im Innern und Äußern wird drastisch erhöht werden.

Zum Bundestags-Wahlkampf hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière einen zehn Punkte umfassenden Katalog zur Skizzierung einer "deutschen Leitkultur" veröffentlicht http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-04/thomas-demaiziere-innenminister-leitkultur und die AfD plakatiert den Begriff der Leitkultur.

Was in beiden Fällen reichlich daneben war.

Ein Grund mehr, an den Schöpfer des Begriffes der „Leitkultur“ zu erinnern, der damit allerdings etwas ganz anderes als eine deutsche Leitkultur meinte, sondern eine europäische: Bassam Tibi.

Um es in den Worten des Wurms auszudrücken: Die internationalen Verkehrsregeln sind so etwas wie eine Leitkultur. Für alle Verkehrsteilnehmer ist es sinnvoll und unerlässlich, die Verkehrsregeln zu kennen und sie zu respektieren. Wer bei Rot über die Ampel fährt, maßlos zu schnell fährt oder Fußgänger auf dem Zebrastreifen überfährt, wird zum Wohle der anderen erst ermahnt, dann bestraft und schließlich aus dem Verkehr gezogen.

Der Wurm schätzt Bassam Tibi sehr und hält ihn für eine der wichtigsten Personen des Landes. Siehe vor allem http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/235-die-wiedergeburt-des-bassam-tibi.html . Mit einer umfangreichen Einführung versehen, ist sein zuerst 1998 erschienenes Buch „Europa ohne Identität? – Europäisierung oder Islamisierung“ (mit früher unterschiedlichen Untertiteln) jetzt neu erschienen.

Es ist nicht immer schön, was sich der Wurm alles im Dienste für seine Leser ansehen muss. Dazu gehört das „Kanzlerduell“ vom letzten Sonntag.

 

 

Flasche leer: Die ganze Woche zuvor kamen Berichte, wie Martin Schulz sich vorbereitet, wie er Angela Merkel stellen will, wie er seine letzte Chance nutzen will. Und dann kam – nichts.

Was erlauben Strunz? Drei zutiefst langweilige Moderatoren und ein Krawallo namens Claus Strunz. Auch, wenn dessen Rolle diskussions-würdig war: wenigstens mal einer, der nachgehakt hat.

Das Proporz-Format der Sendung lässt schon von Anfang an auf Langeweile schließen: 4 Moderatoren der 4 größten Fernseh-Sender des Landes stellen Fragen; Angela Merkel und Martin Schulz sollten möglichst nach der Sekunde die gleiche Redezeit haben.

Und die 4 Journalisten kamen in ihrem Leben wohl noch nie mit größeren sozialen Problemen in Berührung. Sandra Maischberger ab der 59. Minute: „Deutschland boomt … und doch sagen Sie, es geht ein tiefer Riss durch unsere Gesellschaft. Leben Sie vielleicht in einem anderen Land mit anderen Nachbarn?“

Das Eklatanteste war aber das, worüber nicht geredet wurde. Nämlich genau das, was interessant ist.

In früheren Zeiten wurden die Menschen von intelligenten Menschen auf intelligente Weise verarscht. Heutzutage werden sie von dummen Leuten für dumm verkauft.

Ein sehr deutliches Beispiel bietet die Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Integration von Muslimen.

Dirk Müller: „… Das sieht man auch an der einflussreichen und vor allem Einfluss nehmenden Bertelsmann-Stiftung, dort sieht man das ebenfalls so.

Die erkennt und das finden sie heute auf allen Titelseiten ganz oben, weil das passt momentan in das Weltbild, das möchte man gerne der Bevölkerung eintrichtern, dass die Muslime in Deutschland toll und noch immer toller integriert sind. Und das wird immer besser, und die Menschen nehmen das nur völlig falsch wahr, die verstehen das nur nicht, so die Analysen. Die „Welt“ titelt: „96% der Muslime fühlen sich Deutschland verbunden“.

Ja ne, ist klar. Ihr dürft uns ja gerne verarschen, aber gebt Euch doch wenigstens ein bisschen mehr Mühe dabei, das ist doch so wahnsinnig herabsetzend, finde ich. Offenkundig nehmen die Menschen das nur falsch wahr und die Umfragen zeigen auch – es wurden übrigens bei dieser Umfrage nur jene Zuwanderer befragt, die schon mehr als 7 Jahre hier sind, vor 2010 hergekommen sind; die danach über das Asylzuwanderungs-Gesetz gekommen sind, die wurden da auch nicht befragt, nun, das ist so ‘ne Randnotiz dabei – aber ohnehin fordert man dabei gleich innerhalb dieser Studie eine bessere Vereinbarkeit von Job und Moscheen-Gängen, damit die Integration besser gelingt, also das ist schon ganz interessant, was hier passiert.

Übrigens wird dabei auch gleich festgestellt, bzw. in weiteren Umfragen, dass die Deutschen total tolerant sind und haben gar kein Problem mit der Zuwanderung und mit der Multikulturalität. Nur wenige Ewig-Gestrige, die verstehen das nicht richtig. Interessant ist, dass, wenn man dann mal bei der „Zeit“ beispielsweise schaut, unter diesem Artikel sind die Kommentare, da sehen Sie „gelöscht“ – „gelöscht“ – „gelöscht“ – „bitte kommentieren Sie sachlich“ – „gelöscht“ – „gelöscht“ – „gelöscht“.

Komisch, das passt doch irgendwie gar nicht zu dieser Toleranz, die da angeblich geübt ist. Offenkundig sind es nur wenige, die momentan mit der jetzigen Situation Probleme haben, aber ich weiss nicht, wie es Ihnen geht: in meinem Umfeld sind nur diese Wenigen, die die Situation momentan problematisch einschätzen – scheinbar kenne ich nur Spinner. Sie auch? Geht’s Ihnen da ähnlich? Kennen Sie auch nur Spinner? Merkwürdig eigentlich – oder?“