Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.

Ullrich Fichtner: „Kurz vor dem Ende seiner Karriere kommen sich Glanz und Elend im Leben des Claas Relotius einmal ganz nah. Es ist der Montag vor drei Wochen, der 3. Dezember, am Abend wird Relotius, SPIEGEL-Mitarbeiter seit sieben, SPIEGEL-Redakteur seit eineinhalb Jahren, in Berlin auf eine Bühne gerufen. Er hat nach Meinung der Jury des Deutschen Reporterpreises 2018 wieder die beste Reportage des Jahres geschrieben, über einen syrischen Jungen diesmal, der im Glauben lebt, durch einen Kinderstreich den Bürgerkrieg im Land mit ausgelöst zu haben. Die Juroren würdigen einen Text

"von beispielloser Leichtigkeit, Dichte und Relevanz, der nie offenlässt, auf welchen Quellen er basiert."

Aber in Wahrheit ist, was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wissen kann, leider alles offen. Alle Quellen sind trüb. Vieles ist wohl erdacht, erfunden, gelogen. Zitate, Orte, Szenen, vermeintliche Menschen aus Fleisch und Blut. Fake …

So lässt sich sagen, dass Claas Relotius, 33 Jahre alt, einer der auffälligsten Schreiber des SPIEGEL, ein bereits vielfach preisgekrönter Autor, ein journalistisches Idol seiner Generation, kein Reporter ist, sondern dass er schön gemachte Märchen erzählt, wann immer es ihm gefällt. Wahrheit und Lüge gehen in seinen Texten durcheinander, denn manche Geschichten sind nach seinen eigenen Angaben sauber recherchiert und Fake-frei, andere aber komplett erfunden, und wieder andere wenigstens aufgehübscht mit frisierten Zitaten und sonstiger Tatsachenfantasie. Während seines Geständnisses am Donnerstag sagte Relotius wörtlich:

"Es ging nicht um das nächste große Ding. Es war die Angst vor dem Scheitern." Und "mein Druck, nicht scheitern zu dürfen, wurde immer größer, je erfolgreicher ich wurde".

Die kruden Potpourris, die wie meisterhafte Reportagen aussahen, machten ihn zu einem der erfolgreichsten Journalisten dieser Jahre. Sie haben Claas Relotius vier Deutsche Reporterpreise eingetragen, den Peter Scholl-Latour-Preis, den Konrad-Duden-, den Kindernothilfe-, den Katholischen und den Coburger Medienpreis. Er wurde zum CNN-"Journalist of the Year" gekürt, er wurde geehrt mit dem Reemtsma Liberty Award, dem European Press Prize, er landete auf der Forbes-Liste der "30 under 30 - Europe: Media" - und man fragt sich, wie er die Elogen der Laudatoren ertragen konnte, ohne vor Scham aus dem Saal zu laufen.“

www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fall-claas-relotius-spiegel-legt-betrug-im-eigenen-haus-offen-a-1244579.html

Der Wurm kann Ullrich Fichtner die Antwort darauf geben: so wie Claas Relotius machen es die meisten Menschen: das „liefern“, was von einem erwartet wird, mit dem Bewusstsein, dass das, was nicht „passt“ erst gar nicht genommen wird. Was nicht passt, wird passend gemacht.

 

Um es vorwegzunehmen: nein, das Jüdische Museum in Berlin ist nicht anti-israelisch, sondern leistet vorzügliche Arbeit. Die israelische Regierung ist da jedoch anderer Ansicht, indem sie die deutsche Regierung auffordert, dem Jüdischen Museum neben anderen ihr missliebigen Organisationen Gelder zu entziehen.

 

Der UN-Migrationspakt (der nichts mit den Themen „Flucht“ oder „Asyl“ zu tun hat) wurde unterzeichnet und das deutsche Einwanderungsgesetz wird noch diesen Monat verabschiedet.

Beides auf Initiative der Wirtschaft, der es vor allem um billige Löhne geht.

Beides gegen die Interessen der einheimischen Bevölkerung.

Beides mit größtenteils Wohlwollen der sich „links“ nennenden Parteien.

Das Zusammenspiel zwischen Staat und Organisierter Kriminalität wird immer dreister. Zumindest in diesem Bereich gibt es noch einen funktionierenden Journalismus, der die Probleme aufzeigt. Wie gerade bei den Cum-Geschäften.

„Während er in das Filmabenteuer mit Eisenstein eintrat und mit Mental Radio (1931) eine Aufsehen erregende Studie über Telepathie schrieb, wurde er von 770 Persönlichkeiten aus 55 Ländern der schwedischen Akademie zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur vorgeschlagen. Im Begründungstext hieß es u. a.: „Er ist der Verfasser von rund vierzig Bänden Romane, Dramen, Wirtschaftswissenschaft, Gesellschafts- und Literaturkritik und ist ohne Frage der meistgelesene lebende Autor. Seine Bücher sind in mehr als dreißig Sprachen übersetzt worden und haben das Denken der Massen und des kritischen Potentials der kulturellen Welt entscheidend beeinflußt. Wir halten seine größten Romane, wie The JungleLove's Pilgrimage, Oil!, Boston für eine außergewöhnliche Leistung in der Weltliteratur der Gegenwart, wegen ihrer Meisterschaft im Faktischen, der gesellschaftlichen Vision, wegen ihrer Geschlossenheit, Ehrlichkeit und Tapferkeit im Denken, ihrer leidenschaftlichen Menschlichkeit, wegen der Originalität in der Darstellungstechnik, der Vitalität und schwungvollen Kreativität.“

Der englische sozialkritische Dramatiker George Bernard Shaw versuchte mit einem zusätzlichen Schreiben, eine positive Entscheidung des Nobel-Komitees herbeizuführen, indem er darauf hinwies, daß weder die Anerkennung in akademischen Kreisen noch die Bewertung als hohe Literatur Kriterien einer weitreichenden internationalen Wirkung seien. „Schriftsteller, die in literarischen Zirkeln große Lieblinge sind und vielleicht exquisite literarische Arbeiten hervorbringen, haben womöglich überhaupt keinen Einfluß auf den Geist ihrer Zeit. Dagegen können gröbere Begabungen von Schreibern, denen die literarische Grazie nicht Selbstzweck, sondern Köder ist, um Leser für ihre Ideen einzufangen, sehr wohl die Bedeutsamkeit haben, die des Nobelpreises würdig ist. Da Upton Sinclairs Begabung dieser Art ist, habe ich mich denen angeschlossen, die seine Kandidatur unterstützen, während die Professoren vor Entsetzen aufschrien.“

Der Auswahlausschuß in Stockholm hielt es wohl mit den Professoren. Den Preis 1932 errang John Galsworthy, dessen High Society-Chronik der Londoner Familie Forsyte dort eher Anklang fand als ein Muckraking im Interesse des internationalen Proletariats.“ 

Der zu seiner Zeit meistgelesene Autor heisst Upton Sinclair, der vor 50 Jahren gestorben ist. Da dieser Jahrestag von den meisten deutschen Medien ignoriert bzw. totgeschwiegen wurde, ist es dem Wurm eine besondere Freude auf ihn hinzuweisen. Wenn es einen Menschen gibt, dessen Werke und dessen Lebenserfahrungen gerade heute wichtig und aktuell sind, dann ist es Upton Sinclair.