Nur knapp überlebt hat Salman Rushdie einen Mordanschlag.

Trotz allem Übel: die Meinungsfreiheit wird heutzutage weniger von religiösen Fanatikern bedroht als von westlichen Regierungen.

 

Das Attentat

 

Ben Beckett: „Der Romanautor Salman Rushdie wurde am vergangenen Freitag bei einer Veranstaltung in New York schwer verletzt, als ein Mann auf die Bühne stürmte und ihm mehrere Messerstiche in Hals und Brust versetzte. Henry Reese, der Mitbegründer einer Organisation zur Unterstützung von im Exil lebenden und bedrohten Schriftstellern, wurde ebenfalls verletzt, allerdings weniger schwer.

Am frühen Samstag wurde Rushdie nach einer Operation an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Das volle Ausmaß seiner Verletzungen ist derzeit noch unklar, aber sein Agent gab eine Erklärung ab, in der es hieß, der Zustand des Schriftstellers sei »nicht gut«. Ein Arzt, der am Ort des Geschehens war, bezeichnete die Wunden als »ernst, aber etwas, was man überleben könnte«.“

https://jacobin.de/artikel/die-attacke-auf-salman-rushdie-ist-ein-angriff-auf-die-meinungsfreiheit-kunstfreiheit-santanische-verse/

 

Blick zurück

 

Fatwa

 

Aus „Wikipedia“: „Eine Fatwa ist eine von einer muslimischen Autorität auf Anfrage erteilte Rechtsauskunft, die dem Zweck dient, ein religiöses oder rechtliches Problem zu klären, das unter Angehörigen des Islam aufgetreten ist. Derjenige, der die Rechtsauskunft erteilt, ist in der Regel ein mit der islamischen Jurisprudenz (Fiqh) vertrauter Mann und wird als Mufti bezeichnet; derjenige, der um die Rechtsauskunft bittet, Mustaftī genannt …

Die Einflusssphäre der jeweiligen Fatwa beruht auf der persönlichen Autorität ihres Verfassers; das bedeutet, dass – anders als im Gerichtsurteil – die in der Fatwa vertretene Rechtsauffassung nur bindend für diejenigen ist, die diese Autorität auch anerkennen. Da der sunnitische Islam keinen Klerus kennt, gibt es auch keine allgemein akzeptierten Bestimmungen darüber, wer eine Fatwa ausstellen kann. Aus diesem Grund gibt es die sogenannte „Adab-al-Mufti-Literatur“, die die Pflichten von Mufti und Mustafti konkretisieren soll. Jede islamische Rechtsschule (Madhhab) folgt ihrem eigenen Rechtssystem, und die Muslime gehören jeweils unterschiedlichen Rechtsschulen an. So können sowohl theoretisch als auch praktisch verschiedene islamische Geistliche einander widersprechende oder konkurrierende Fatwas ausstellen.

In Ländern mit islamischem Recht werden Fatwas vor der Herausgabe meist von den nationalen Religionsführern diskutiert und beschlossen. Oftmals tun sie dies nicht völlig unabhängig von der Regierung. In solchen Fällen sind Fatwas kaum widersprüchlich und haben den Rang eines vollstreckbaren Gesetzes. Sollten sich zwei Fatwas widersprechen, wird meist von den Führern (in deren Händen ziviles und religiöses Recht liegt) ein Kompromiss erarbeitet, um zu klären, welche der beiden rechtlich wirksam sein soll.

In Ländern, in denen die Schari'a nicht Teil der Rechtsordnung ist, werden gläubige Muslime oft mit zwei konkurrierenden Fatwas konfrontiert. In einem solchen Fall folgen sie in der Regel dem Führer, der ihre religiöse Richtung vertritt oder dessen Entscheidung ihnen am ehesten entgegenkommt. So würden beispielsweise Sunniten meist derjenigen Rechtsschule folgen, der sie traditionell angehören, die Fatwa eines schiitischen Geistlichen jedoch nicht befolgen.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa

 

Die Rushdie-Fatwa des Ayatollahs Khomeini

 

Loay Mudhoon: „"Hiermit informiere ich die frommen Muslime in aller Welt darüber, dass der Autor des Buches 'Die Satanischen Verse' zusammen mit allen Unterstützern zum Tode verurteilt ist. Ich rufe alle Muslime auf, sie - ohne zu zögern - zu töten." Wer bei einem solchen Attentat selbst ums Leben komme, werde zum Märtyrer.

Am 14. Februar 1989 erließ Ayatollah Khomeini, iranischer Revolutionsführer und geistliches Oberhaupt der von ihm gegründeten Islamischen Republik Iran, eine Fatwa, ein Rechtsgutachten, das zum Mord an Salman Rushdie aufrief …

33 Jahre nach der "Khomeini-Fatwa" lässt sich leicht erkennen, dass es sich hierbei um eine offensichtliche politische Instrumentalisierung des islamischen Glaubens handelt. Der iranische Revolutionsführer nutzte die Wut der muslimischen Massen über Rushdies Roman "Die satanischen Verse", der angeblich den Propheten beleidigt hätte, um sich als Verteidiger des Islam zu stilisieren - vor allem außerhalb des schiitischen Iran.

Khomeinis politisches Kalkül zielte darauf ab, seine schiitisch begründete Islamische Revolution aus der innerislamischen Isolation zu befreien und sie als ein revolutionäres Modell für die gesamte, auch sunnitische islamische Welt zu empfehlen - selbstverständlich mit ihm als "islamischem Papst"! Darüber hinaus wollte er die pan-islamischen Empörungswellen über die "Satanischen Verse" für seinen Kampf gegen den "großen Satan" USA nutzen, um seine anti-westliche Staatsräson zu zementieren.

Auch über die theologische und intellektuelle Isolation des Fatwa-Verfassers dürfte der mutmaßliche Angreifer von Salman Rushdie kaum informiert sein. Kurz nach dem Erlass der Fatwa hatten sich zahlreiche muslimische Staaten und Gelehrte gegen Khomeinis Anmaßung verwahrt, im Namen aller Muslime zu sprechen. Auch schariarechtlich lehnten die meisten islamischen Autoritäten die Fatwa mit der Begründung ab, es gebe im Koran gar keine Grundlage für Strafen wegen Gotteslästerung oder Prophetenbeleidigung.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass das Gift des radikalen Islamismus grenzüberschreitend, ja geradezu entgrenzend weiterwirkt - insbesondere wenn fragwürdige Fatwas den Griff zur Gewalt legitimieren. Hadi Matar hat die jahrzehntealte Todesdrohung Ajatollah Khomeinis gegen Salman Rushdie als seine individuelle Pflicht interpretiert und fatalerweise in die Tat umgesetzt. Diese Gefahr bleibt in unserer vernetzten Welt leider allgegenwärtig.“

https://de.qantara.de/inhalt/anschlag-auf-salman-rushdie-die-geister-die-khomeini-rief

 

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es sich – bei aller Empörung gegen die „Satanischen Verse“ seitens gläubiger Moslems - nicht um einen Konflikt „Säkulare Welt gegen Islam“ geht, sondern „Säkulare Welt gegen Schiiten“.

 

Folgen der Rushdie-Fatwa

 

Ben Beckett: „Der Roman, in dem Ausschnitte aus dem Leben des Propheten Mohammed nacherzählt werden, wurde in Dutzenden von Ländern verboten – die meisten, wenn auch nicht alle, mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit. In den folgenden Jahren kam es in Großbritannien und in der gesamten muslimischen Welt zu größeren Protesten und Bücherverbrennungen. Es folgten eine Hetzkampagne samt Drohungen und mittelschwerer Gewalttaten, einschließlich mehrerer erfolgreicher oder versuchter Bombenanschläge auf Buchhandlungen. Ein Trend, der in geringerem Ausmaß auch auf die USA übergriff.

Die folgenreichste Reaktion auf das Buch war jedoch die 1989 von Ayatollah Ruhollah Khomeini, dem damaligen religiösen Führer und Staatsoberhaupt des Iran, gegen Rushdie erlassene religiöse Verfügung (Fatwa). Khomeini forderte die Ermordung Rushdies, und die iranische Regierung unterstützte den Erlass, indem sie öffentlich ein Kopfgeld von mehreren Millionen Dollar auf ihn aussetzte. Einige andere islamische Gelehrte hielten es für falsch, Rushdie wegen der Veröffentlichung des Romans zu töten – oder waren zumindest dafür, dass er einen Prozess verdiene, bevor er hingerichtet werde –, doch der Autor war gezwungen, fast ein Jahrzehnt unterzutauchen, stets begleitet von bewaffneten Personenschützern.

Die Fatwa war keine leere Drohung. Während Rushdie nach ihrer Veröffentlichung zunächst körperlich unversehrt blieb, wurde Hitoshi Igarashi, der die Satanischen Verse ins Japanische übersetzt hatte, 1991 ermordet. Ettore Capriolo, der das Buch ins italienische übersetzt hatte, wurde im selben Jahr in seiner Wohnung erstochen. William Nygaard, der norwegische Verleger des Buchs, wurde 1993 erschossen. Alle drei Verbrechen wurden bis heute nicht aufgeklärt. Ebenfalls 1993 war Aziz Nesin, der türkische Übersetzer des Buchs, das Hauptziel eines Brandanschlags, bei dem 37 Menschen getötet wurden.

1998 erklärte die iranische Regierung in einem Versuch, die Beziehungen zu Großbritannien zu verbessern, dass sie die Ermordung von Rushdie nicht mehr unterstütze. Sie fügte jedoch hinzu, dass die Fatwa formal gesehen in Kraft bleibe, da nur der Religionsgelehrte, der ein solches Urteil erlasse, auch die Möglichkeit habe, es zu widerrufen – Khomeini war zu diesem Zeitpunkt aber längst tot. Organisationen, die der iranischen Regierung nahe stehen, zahlten jedoch noch bis 2016 in den Fonds für das Kopfgeld auf Rushdie ein.“

https://jacobin.de/artikel/die-attacke-auf-salman-rushdie-ist-ein-angriff-auf-die-meinungsfreiheit-kunstfreiheit-santanische-verse/

 

Kenan Malik: „Die Rushdie-Affäre war ein Wendepunkt im politischen und kulturellen Leben Großbritanniens, sie brachte Themen wie den radikalen Islam, den Terrorismus, die Grenzen der Meinungsfreiheit und die Grenzen der Toleranz an die Oberfläche. Und sie bedeutete einen Wendepunkt für die Einstellung vieler zu diesen Themen. In der Folge entwickelte sich sowohl eine größere Feindseligkeit gegenüber Muslimen als auch ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass es in einer pluralistischen Gesellschaft moralisch inakzeptabel ist, andere Kulturen oder Glaubensrichtungen zu verletzen.“

https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/salman-rushdie-scheute-sich-nie-anstoss-zu-erregen-anders-als-so-viele-heute

 

Folgen für Salman Rushdie

 

Aus einem „profil“-Interview im Jahr 2012 von Wolfgang Paterno:

„Am Valentinstag 1989 wurden Sie von einer Reporterin gefragt, wie es sich anfühle, vom iranischen Despoten Ayatollah Khomeini zum Tode verurteilt worden zu sein. Wie erlebten Sie diesen Augenblick?

Es war beängstigend. Vier Wochen vor Ausrufung der Fatwa am 14. Februar wurde mein Roman „Die Satanischen Verse“ in Bradford öffentlich verbrannt.  Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich die Affäre in eine alarmierende Richtung – nicht so sehr aufgrund der Tatsache, dass ein religiöses Edikt zu meiner Ermordung ausgerufen worden war. Dramatisch war, dass dem religiösen Eiferer eines Landes Todesschwadronen zur Seite standen.

Sie mussten buchstäblich mit nichts als Ihren Kleidern am Leib die Flucht ergreifen?

Als ich meine Wohnung verließ, dachte ich noch, dass ich nur ein, zwei TV-Interviews zur Sache geben werde. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich in mein Appartement nicht mehr zurückkehren sollte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits einige Bücher veröffentlicht  – plötzlich war ich nicht mehr wert als der Staub zu meinen Füßen. Ich hatte mich in ein Ziel verwandelt und befand mich unversehens in einem mir gänzlich fremden Leben.

Wann wurde Ihnen klar, dass die Situation absehbar kein Ende finden würde?

Nach einer Woche. Zuvor dachten alle Beteiligten, die Angelegenheit sei nach spätestens sieben Tagen ausgestanden, die Polizei riet mir, dass ich mich ruhig verhalten, das Licht der Öffentlichkeit meiden solle. Einige Tage darauf dämmerte allen, dass die diplomatischen Bemühungen umsonst waren. Ärger breitete sich aus, weil viele nicht verstanden hatten, dass sie nun in ein Langzeitprojekt verwickelt waren; viele hatten zuvor noch gedacht, dass sich der Fall rasch erledige.

Stattdessen avancierte die sogenannte Beschützeraktion „Malachit“ zu einer der längsten in der Geschichte des britischen Geheimdienstes.

Je länger diese andauerte, desto mehr reifte in den Beamten die Erkenntnis, dass es sich dabei auch um eine der gefährlichsten handelte. Bald entdeckte ich, dass jene Agenten von Scotland Yard, die zu meiner Bewachung abgestellt waren, zu geheimen Größen wurden, zu Superstars der Beschützerwelt. Mitglieder des „Malachit“-Teams erwarteten, dass man zu ihnen aufschaute.

Welches Bild drängt sich Ihnen heute auf, wenn Sie an die Zeit nach Ausrufung der Fatwa denken?

Die Ereignisse und die darin involvierten Menschen scheinen in helles Licht getaucht, ohne eine Spur von Schatten. Es gibt in diesem Bild nur gut oder böse, richtig oder falsch, ja oder nein, Feigheit oder Mut, Stärke oder Schwäche. Eine vollends ausgeleuchtete Welt, ohne Mitte.

Der Schweizer Autor Robert Walser bemerkte einst, Nervenheilanstalten seien die Klöster der Moderne. Sie wurden gezwungenermaßen zum Einsiedler, bedroht von unzurechnungsfähigen Fanatikern.

Absolut. Viele machten sich damals folgendes Bild von mir: Der fristet sein Leben in luxuriöser Einsamkeit. Tatsächlich befand ich mich inmitten einer Vielzahl von Menschen. Wie viele Schriftsteller bin auch ich die Einsamkeit gewöhnt, ich mag das Alleinsein, nicht zuletzt um meiner Arbeit willen. Das Problem damals war die Abwesenheit von Einsamkeit, die ständigen Ortswechsel. Mein Leben bekam den Charakter eines endlosen Umzugs. Es ist bereits kompliziert, sich ein Haus mit vier Männern zu teilen, mit denen man befreundet ist. Handelt es sich dabei um vier schwerbewaffnete Agenten, so können aus der Situation gravierende Probleme erwachsen: Das Gefühl der Klaustrophobie hatte nichts mehr mit der Angst vor dem Eingesperrt-Sein, sondern mit zwischenmenschlicher Nähe zu tun.

Während Sie schrieben, hielten sich Ihre Bewacher im Hintergrund?

Bereits als junger Autor entwickelte ich die Fertigkeit, die Welt um mich gleichsam mit einem Fingerschnippen auszublenden und meine gesamte Konzentration dem weißen Blatt Papier auf dem Tisch zu widmen. Als eine der wenigen positiven Folgen der Zeit, in der ich mich verstecken musste, kann ich nun tatsächlich im Auge des Orkans arbeiten. In jedem noch so engen Raum, in dem 20 Menschen lachen und reden, kann ich heute problemlos schreiben. Damals schrieb ich, um am Puls des Lebens zu bleiben.

Erfuhren Sie Neues über sich in den Jahren, in denen Sie sich verborgen halten mussten?

Sehr viel. Hätte mir jemand im Februar 1989 gesagt, was in den kommenden zwölf Jahren auf mich zukommen würde, ich hätte gemutmaßt, dass ich gegen Ende dieser Tortur als menschliches Wrack dastehen würde. Tatsächlich fühlte ich mich keineswegs am Boden zerstört, als ich durch den schwarzen Tunnel des Versteckt-Sein-Müssens wieder ans Tageslicht drang – möglicherweise lassen sich Widerstandskräfte entwickeln, an die man vorher nicht geglaubt hat.

Laut eigenen Aussagen lernten Sie damals, stundenlange Telefongespräche zu führen oder sich nächtelang schlechten TV-Serien zu widmen.

Ich weiß jetzt auch, wie Geheimagenten Örtlichkeiten prüfen. Es gibt nur zwei Gruppen von Menschen, die Räume so betreten: Kriminelle und Sicherheitsleute. Ich bin ferner in der Lage zu erkennen, ob ich als Autofahrer verfolgt werde und wie Häscher abzuschütteln sind. Ich lernte ein paar wirklich interessante Tricks.

Viele wollen in Ihnen eine Ikone der freien Rede erblicken. Können Sie dem etwas abgewinnen?

Das ist schmeichelhaft, ich fühle mich aber nicht sehr symbolisch. Ein massives Problem der Jahre im Verborgenen waren die Zuschreibungen, die meine Person betrafen: Menschen, die mir feindlich gesinnt waren, betrachteten mich als Ausgeburt des Satans, als dämonische Macht. All jene, die auf meiner Seite standen, beschrieben mich als idealisierten Zeitgenossen, als eine Art Freiheitsstatue. Schauen Sie mich an: Ich bin nicht die Freiheitsstatue!

Fühlen Sie sich als Vorkämpfer der Freiheit?

Natürlich bin ich leidenschaftlich besorgt über die Einschränkung der freien Rede, die nicht nur mich in Mitleidenschaft zog, sondern viele Künstler. Dennoch bin ich vor allem Autor, der eine Arbeit zu erledigen hat. In „Joseph Anton“ wollte ich über wirkliche Menschen schreiben, die in den Strudel fataler Ereignisse geraten, die weder Helden noch Bösewichte sind – mich selbst nehme ich da nicht aus.

Sie klangen ernst, als Sie sagten, dass Sie das Wort „exotisch“ hassten. Man glaubt Ihnen nicht ganz.

Leider. Mit 14 kam ich von Bombay nach London, die europäische Welt hinterließ in mir einen surrealen Eindruck. Einer der Vorteile meines größtenteils von Reisen bestimmten Lebens ist, dass sich viele Orte auf dem Globus vertraut anfühlen. Kafka war nie in Amerika, schrieb dennoch darüber. Sein Amerika ist ein geträumtes, imaginiertes, verfremdetes. Würde ich ein Buch über New York schreiben, so mache ich das aus der Perspektive eines New Yorkers.

Bombay, London, New York: Würden Sie sich als internationalen Autor bezeichnen?

Was bedeutet das? Heißt das etwa, dass man auf der Oberfläche der Welt dahin gleitet, nirgendwo dazugehört? Es gibt eine vollkommen uninteressante Art von internationaler Literatur, die sich in letzter Konsequenz als allerorten erhältlicher Flughafen-Roman tarnt, der sich international gibt, es aber nicht ist. In meiner schriftstellerischen Arbeit ist die Verortung des Geschehens maßgeblich. Müsste ich eine Bezeichnung für meine Art des Schreibens finden, würde ich mich „Metropolen-Autor“ nennen.

Dem Land können Sie nichts abgewinnen?

Städte sind für mich Inspiration und Heimat, ich liebe das Leben in den Großstädten. Einer meiner Freunde, der Schriftsteller Ian McEwan, hat sich kürzlich ein Haus außerhalb Londons gekauft, mitten auf dem Land. Dort wohnen zu müssen, das wäre für mich ein Zwangsaufenthalt in der Hölle. Was macht man auf dem Land? Aus dem Fenster schauen? Und dann?

Planten Sie vor Ausrufung der Fatwa bereits, irgendwann Ihre Autobiografie zu verfassen?

Wäre ich von der Fatwa verschont geblieben, hätte ich niemals meine Memoiren verfasst. Das ist keine literarische Gattung, derentwillen ich Schriftsteller wurde, ich bin Autor, um Geschichten anderer Menschen, nicht über mich selbst zu erzählen. „Joseph Anton“ schrieb ich schließlich, weil diese Geschichte erzählt werden musste, sondern weil es sich dabei um eine Art Schallraum handelt, in dem Spuren aufscheinen, in die wir alle verwoben scheinen. Also begann ich auf vorerst visuelle Weise über das Phänomen des Selbstporträts nachzudenken. Ich erinnerte mich an zahlreiche Besuche in den florentinischen Uffizien, wo viele Selbstbildnisse Alter Meister hängen. Dürer glaubte von sich, er sei mit Abstand der schönste Mann seiner Epoche, seine Selbstporträts sind von makelloser Schönheit. Demgegenüber stehen die Eigenbildnisse Rembrandts, der sich mit zunehmendem Alter als hinfälligen Künstler darstellte.  Rembrandt malte sich wahrheitsgemäß, schön und erschreckend zugleich. „Joseph Anton“ wollte ich auf diese Weise schreiben: Erzähl deine Geschichte, sei wahrhaftig, blicke in den Spiegel und erzähle, was dir wirklich und tatsächlich entgegenblickt.

Spätestens seit 1989 scheinen die Bereiche Humor und Religion strikter denn je zuvor voneinander getrennt. Darf man über Glauben keine Witze mehr machen?

Zumindest über Glaubensrichtungen nicht. Die Filme von Woody Allen sind voller Witze über das Judentum, Monty Python machte sich über das Christentum lustig. Und? Nichts passierte. Die Welt löste sich nicht in einem Flammenmeer auf. So sollte es sein, das entspricht dem reifen Umgang mit der Welt. Es existiert nur eine Religion, die dessen nicht fähig ist; sie sollte schnell wieder Sinn für Humor entwickeln.

Die Arabische Welt steht seit geraumer Zeit im Zentrum des Interesses. Gibt es eine Arabische Welt überhaupt? Oder eher davon viele?

Sehr viele. Ich bin keineswegs ein Experte des arabischen Raums, ich habe kaum eines der Länder dort bereist, ich spreche nicht Arabisch. Ich bin ein Betrachter aus der Distanz. Klar scheint jedoch, dass die islamische Welt zerrissen ist, geprägt von gegenseitigem Misstrauen: In Irak und Pakistan töten Sunniten Schiiten, Schiiten werden von Sunniten ermordet. Es gibt nicht die eine arabische Welt, dennoch fürchte ich, dass die Bösen gewinnen werden, die rückwärtsgewandte Ausprägung des Islam immer mehr Macht anhäufen wird – wie derzeit in Ägypten, wo die Muslimbrüder mit eiserner Pranke nach der Macht greifen, um wieder eine Diktatur zu errichten. Nur knapp ein Jahr nach dem Fall Mubaraks beginnt sich ein neuer, ein islamischer Mubarak zu etablieren, obwohl die Menschen nicht nur in Ägypten eine tiefe Sehnsucht nach Freiheit, nach dem Sprung in die Moderne empfinden.

Wird auf den Arabischen Frühling je ein Arabischer Sommer folgen?

Das weiß ich nicht. Die Welt ändert sich rasant. Hätte jemand ein Jahr vor dem Fall des Kommunismus gesagt, dass diese politische Richtung in nur zwölf Monaten so gut wie von der politischen Landkarte verschwunden sein wird, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Vergangenes Jahr herrschte in der arabischen Welt Optimismus, dieses Jahr Pessimismus. Warten wir’s ab.

Blicken Sie bisweilen noch angstvoll über Ihre Schulter?

Ich lebe seit 13 Jahren in New York. Ich nehme die U-Bahn, fahre Taxi. In New York gibt es sehr viele moslemische Taxifahrer. Viele davon weigern sich, von mir überhaupt Fahrgeld anzunehmen, nicht wenige wollen ein Autogramm. Die heikelste Situation erlebte ich vor Jahren in Manhattan. Auf der Straße stellte sich mir eine Passantin in den Weg und schleuderte mir rüde ins Gesicht: „Ich wollte Ihnen schon lange sagen, dass Ihr Kollege V. S. Naipaul verglichen mit Ihnen der zehnmal bessere Schriftsteller ist.“ Und weg war sie.

Sartre hatte also unrecht: Die Hölle sind nicht die anderen?

Durchaus. Während der Jahre des Verbergens empfand ich dennoch eine heftige Bedrängnis durch die anwesenden Agenten, insofern verstehe ich gut, was Sartre meinte, als er sagte, die Hölle seien die anderen. Ich dachte immer, dass Joyce, Proust und Kafka die heilige literarische Trinität des 20. Jahrhunderts darstellen. Während der Zeit im Abseits wurde mir jedoch klar, dass wir in jenem Universum leben, das Kafka in seinen Texten schuf. Wir sind im Kafkaesken gefangen.

In Ihrem Debütroman „Grimus“ findet sich eine Stadt, in der niemand stirbt. Was sagen Sie: Sollte das Leben immer weiter gehen?

50.000 Jahre alt zu werden ist eine unerträgliche Vorstellung. Mit 65 bin ich nicht alt-alt, aber auch nicht mehr jung; ich bekomme bereits Altersrabatt im Kino. Das Verhältnis von Vergangenheit und Zukunft beginnt langsam zu kippen, es liegt viel weniger Zukunft vor einem, als man Vergangenheit bereits hinter sich gebracht hat. Im Wissen darum gilt es, wenig Zeit zu verschwenden: Du hast nur diese Chance, nützte sie, verpass sie nicht. Hört auf zu reden, setzt euch an den Schreibtisch.“

https://www.profil.at/kultur/salman-rushdie-ich-bin-nicht-die-freiheitsstatue/402113514

 

Iran in der Gegenwart

 

Um Missverständnissen vorzubeugen: Der Wurm hat sich seit jeher gegen jeglichen religiösen und sonstigen Fanatismus ausgesprochen. Das gilt auch für den Fanatismus im Iran. Neben der Religion im Iran gibt es auch den Staat und die Menschen, von denen die Wenigsten fanatisch sind. Siehe den früheren Beitrag des Wurms http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/182-taxi-teheran.html

 

Sandy English: „Die jüngste Medienberichterstattung über angebliche Anschläge des Iran auf das Leben des regimekritischen Journalisten Masih Alinejad in New York City und des imperialistischen Kriegstreibers John Bolton deuten auf immense Spannungen und die Tatsache hin, dass die USA den Iran weiterhin als Hindernis in der Region und als Hemmnis für ihre Kriegskampagne gegen Russland und China betrachten.“

https://www.wsws.org/de/articles/2022/08/15/wfft-a15.html

 

Loay Mudhoon: „Inzwischen hat das iranische Regime Rushdie selbst die Schuld an der Tat gegeben. Das ist infam, schließlich hielt es selbst immer an der Fatwa fest. Die Reaktionen der von religiösen Hardlinern kontrollierten Medien im Iran müssen an dieser Stelle nicht weiter bewertet werden. Paradoxerweise dürfte der gescheiterte Mordanschlag für die Entscheidungsträger in Teheran aber politisch durchaus ungelegen kommen, da er die Verhandlungen über ein neues Atomabkommen belasten und die iranische Position schwächen könnte.“

https://de.qantara.de/inhalt/anschlag-auf-salman-rushdie-die-geister-die-khomeini-rief

 

Ben Beckett: „Die Ermittler haben noch kein offizielles Motiv für den Angriff bekannt gegeben, aber NBC News berichtet, dass der 24-jährige Verdächtige in den sozialen Medien Beiträge veröffentlicht habe, die Unterstützung für das iranische Militär und Geheimdienste bekundeten. Mit der iranischen Regierung verbundene Institutionen haben seit langem ein Kopfgeld auf Rushdie ausgesetzt, nachdem ein religiöses Urteil seinen Tod gefordert hatte.“

https://jacobin.de/artikel/die-attacke-auf-salman-rushdie-ist-ein-angriff-auf-die-meinungsfreiheit-kunstfreiheit-santanische-verse/

 

Der Staat Iran agiert derzeit in der Weltpolitik an markanten Stellen, ob es um das eigene Atomabkommen geht, die Zusammenarbeit mit Russland und China, den Konflikt um Syrien, eine mögliche Verständigung mit Saudi-Arabien. Da dürften mehrere Länder und Geheimdienste etwas dagegen haben und bereit sein, zu unschönen Mitteln zu greifen. Die Ermordung von Qasem Soleimani durch die USA zeigt, dass solche Dinge geschehen. Siehe dazu http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/422-bei-ankunft-mord.html

 

Möglicherweise handelt es sich um einen fanatisierten Einzeltäter, der zugeschlagen hat – der Wurm schließt allerdings nicht aus, dass in diesem Fall finstere Mächte im Hintergrund ihre Hände im Spiel hatten.

Salman Rushdie saß in den letzten Jahren ohne Personen-Schutz quasi auf dem Präsentier-Teller; das einfachste Mittel, dem Staat Iran massiv zu schaden, wäre ein Attentat auf Salman Rushdie gewesen.

 

Anklage gegen Rassismus und Religion

 

Kenan Malik: „Die Satanischen Verse, Rushdies vierter Roman, war sowohl eine Auseinandersetzung mit der Erfahrung von Migranten als auch mit dem Islam, eine ebenso schonungslose Anklage gegen Rassismus wie gegen Religion. Entscheidend war jedoch weniger, was Rushdie schrieb, sondern vielmehr, was der Roman symbolisieren sollte. Die 1980er Jahre waren ein Jahrzehnt, in dem sich die traditionellen politischen und moralischen Grenzen aufzulösen begannen, eine Auflösung, mit der wir immer noch zu kämpfen haben.

Rushdie kartografierte dieses neue Terrain, indem er das Gefühl einfing, dass sich Dinge verschoben und ins Rutschen geriet, was er als berauschend empfand. Die Satanischen Verse waren, wie er zu der Zeit schrieb, als er untergetaucht war, „ein Liebeslied an unsere Mischwesen“, ein Werk, das „die Hybridität, die Unreinheit, die Vermischung, die Verwandlung feiert, die aus neuen und unerwarteten Kombinationen von Menschen, Kulturen, Ideen, Politik, Filmen und Liedern entsteht“. Viele Kritiker der Satanischen Verse glaubten, „dass die Vermischung mit einer anderen Kultur unweigerlich die eigene schwächen und ruinieren wird. Ich bin der entgegengesetzten Meinung.“

Während Rushdie das Aufbrechen traditioneller Grenzen feierte, sehnten sich andere nach neuen Gewissheiten. Der fundamentalistische Islam war in den westlichen muslimischen Gemeinschaften bis dahin kaum präsent. Nun fasste er Fuß und bot die Gewissheit und Reinheit, nach der sich viele zu sehnen begannen.

Die Kampagne gegen Rushdie war vielleicht der erste große Wutausbruch über die Verunglimpfung von Identitätssymbolen in einer Zeit, in der diese Symbole neue Bedeutung erlangten. Briten mit muslimischem Hintergrund, die in den 1970er und frühen 80er Jahren aufwuchsen, betrachteten „muslimisch“ selten als den wichtigsten Teil ihrer Identität. Die Rushdie-Affäre kündete von einem Wandel in der Selbstwahrnehmung und von den Anfängen einer ausgeprägten muslimischen Identität.“

https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/salman-rushdie-scheute-sich-nie-anstoss-zu-erregen-anders-als-so-viele-heute

 

Islamisten und deren Helfershelfer

 

Ein bemerkenswerter Artikel von Necla Kelek: „Publizisten, die sich kritisch mit dem Islam auseinandersetzen, wurden schon früher als „Fundamentalisten der Aufklärung“ oder „Panikmacher“ verspottet und denunziert. Und auch die Reaktionen auf das Attentat auf Salman Rushdie sind ein Lehrstück in Sachen Realitätsverweigerung und Inkonsequenz. Autoren sollten deshalb Widerstand leisten – und „Die satanischen Verse“ so lange lesen, bis Rushdie hoffentlich wieder genesen ist.

Es war 1988, als der Roman „Die satanischen Verse“ erschien und Monate später vom iranischen Ayatollah Khomeini mit einer – entgegen anderslautender Berichte immer noch gültigen – Todesfatwa belegt wurde. Es begann eine jahrelange, weltweite Hatz auf den Autor Salman Rushdie, seine Übersetzer und Verleger. Nicht nur durch die Mullahs, sondern auch von Muslimen im Westen, die fortan jede Kritik an ihrer Religion als „islamophob“ bezeichneten und damit auf offene Ohren stießen.

Es gab Christen wie den katholischen Moraltheologen Eugen Drewermann, die das Buch „für eine Beleidigung“ hielten und islamistischen Terror „für eine Waffe der Ohnmächtigen“. Aber es gab auch Leute wie die Verleger Michael Naumann und Helge Malchow in Deutschland, die der Gefahr zum Trotz das Buch verlegten. Und es gab Menschen muslimischer Herkunft, die sich kritisch mit ihrer Religion auseinandersetzten. Darunter Ayaan Hirsi Ali, Seyran Ateş, Hamed Abdel-Samad, Ahmad Mansour und ich.

Es ist nun zehn Jahre her, dass wir dafür von den Herren des Feuilletons als „unsere heiligen Krieger“ (Claudius Seidl), „Fundamentalisten der Aufklärung“ (Timothy Gordon Ash) oder „Panikmacher“ (Patrick Bahners) verspottet oder denunziert wurden. Hunderte Opfer des islamistischen Terrors später haben sie ihre Position nicht korrigiert, sondern ist ihre Deutung, dass der Islam Frieden und nicht Unterwerfung, das Kopftuch Vielfalt und nicht Bevormundung bedeute, sogar vermeintlich akzeptierte Lesart des Koran und der Regierungspolitik geworden.

Es gibt mittlerweile staatliche Meldestellen und ministerielle Arbeitsgruppen – nein, nicht zum Thema Islamismus und Terror –, sondern zum „antimuslimischen Rassismus“. Eine Definition, die unterstellt, dass der Islam kein selbstgewählter Glaube, sondern ein unveränderliches Merkmal wie Ethnie oder Hautfarbe sei. Dass die von den Islamverstehern als „Islamkritiker“ gelabelten Personen von ihren Glaubensbrüdern mit dem Tode bedroht werden, erscheint dagegen als Berufsrisiko oder hinnehmbar, denn auch „Worte können Gewalt bedeuten“.

Den ersten und bekanntesten „Islamkritiker“ (Bild in einer Überschrift zum Attentat) hat es nun erwischt. Am 12. August stach der bekennende Muslim Hadi M., ein Schiit, bei einer Veranstaltung in Chautauqau im Staat New Jersey, USA, zehnmal auf den Schriftsteller Salman Rushdie ein und verletzte ihn lebensgefährlich. Die Reaktionen darauf sind ein Lehrstück.

Offiziell ist Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) als Stimme der Regierung schockiert, inoffiziell führt aber dieselbe Regierung die Geschäfte mit den Urhebern des Mordaufrufs weiter. Stichworte: Stabilität und Gas. Es ist so, wie man sich über den Holocaustleugner Abbas im Nachhinein wegen Relativierung des Holocaust aufregt, vorher aber die Zusammenarbeit mit ihm gelobt hat und, trotz des Skandals, dem Clan-Chef der Palästinenser weiter Entwicklungshilfe, wie zum Beispiel 193 Millionen Euro im Jahr 2020, überweisen wird.

Der Attentäter wird uns nach dieser Definition wieder einmal als ein Einzeltäter vorgestellt, wie die tausend anderen, die sich aus Moscheen in Deutschland dem Dschihad des IS angeschlossen oder im Westen Anschläge verübt haben. Staatlicherseits wird ignoriert, dass es sich bei den vorherrschenden Lesarten des Islam um eine Ideologie gegen die westliche Art zu leben handelt und dass diese Schläfer unserer Art zu leben einen dunklen Krieg erklärt haben. Es wird von den Gutgläubigen davon ausgegangen, dass Freiheiten, die von Staats wegen garantiert sind, auch akzeptiert und gelebt werden. Das geht so weit, dass der Hamburger Senat an einem Staatsvertrag mit Islamverbänden festhält, die gleichzeitig vom Verfassungsschutz als gefährlich eingestuft werden – und die im Auftrag fremder Staaten agieren.

Aber auch das Feuilleton macht weiterhin Islampolitik. Wie man als Kulturredakteur und gelernter Relativist mit der Sache umgeht, zeigte Patrick Bahners bereits wenige Stunden nach dem Mordanschlag in einem Kommentar in der FAZ. Fern des Anflugs einer Erschütterung nimmt er das Attentat als Aufhänger, um in seiner ihm eigenen Art über ein christliches Sommercamp in einem von Weißen okkupierten Ort (Bahners: „Chautauqua ist ein Wort aus der Sprache der von weißen Siedlern bekämpften und vertriebenen Ureinwohner“) zu schwadronieren.

Die Tat selbst kommentiert er dagegen kurz und distanziert: „Von Politikern und Repräsentanten von Schriftstellerverbänden wurde die Tat als Anschlag auf uns alle bezeichnet, auf das Leben in Freiheit.“ Gleichwohl sei dies ein „Gemeinplatz“, um in seinem Kommentar dann weiter über den „Ort ohne Glaubenszwang“ fortzufahren, als wäre er als Tatortreiniger unterwegs, der den Ort von den blutigen Spuren säubern will. Weniger Empathie und mehr Ignoranz gegenüber dem Problem einer gewaltaffinen Religion und dem konkreten Mordversuch geht nicht.

Salman Rushdie hat solche Prototypen des machthungrigen wie opportunistischen Intellektuellen wie Bahners in seiner fiktiven Autobiographie „Joseph Anton“ treffend beschrieben, und jeder seiner Sätze hat mehr Esprit als die Auslassungen dieses Redakteurs, der vielleicht etwas von Donald Duck, aber erwiesenermaßen weder etwas vom Islam versteht noch menschlich zu erschüttern ist.

Ich hoffe und bete dafür, dass Salman Rushdie die Tat übersteht. Er muss leben. Für uns! Aber das ist nicht genug. Wir sollten endlich reagieren und verlangen, dass in jeder der 3000 Moscheen in Deutschland, vor jedem Gebet, also fünfmal am Tag, eine Seite aus den „Satanischen Versen“ vorgelesen wird. Ähnlich wie es Günter Wallraff schon 2007 vorgeschlagen hat. Und wir sollten Rushdie als Teil des Widerstandes gegen die Dummheit lesen, wie es Daniel Kehlmann, Elfriede Jelinek und andere vorgeschlagen haben. Solange, bis Salman Rushdie vollständig genesen ist. Wir Autorinnen und Autoren sollten bis dahin unsere Lesungen mit einem Stück aus diesem Werk beginnen – und unsere Leser auffordern: Kaufen Sie die „Satanischen Verse“, schenken Sie das Buch ihren muslimischen Freundinnen und Freunden. Lesen ist Widerstand.“

https://www.cicero.de/kultur/attentat-salman-rushdie-gastbeitrag-kelek

 

Wie der Wurm bereits geschrieben hatte – es handelt sich nicht um „den“ Islam oder um „die“ Moslems sondern um religiöse Fanatiker. Hier ist der Wurm anderer Meinung als Necla Kelek, wiewohl er deren Beschreibungen des politischen Islam in Deutschland und ihren Kampf gegen alle Relativierer oder „Prototypen des machthungrigen wie opportunistischen Intellektuellen“ durchaus zu schätzen weiss.

Siehe auch (unter „Umstrittene Ergebnisse“ – „Migrationsforschung: ideologischer Mumpitz“): http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/276-mietbare-zwerge.html

 

Die Aufgabe des Dichters

 

Kenan Malik: „„Die Aufgabe des Dichters“, so beobachtet es eine der Figuren in Salman Rushdies Die satanischen Verse, „besteht darin, das Unbenennbare zu benennen, Betrug aufzudecken, Stellung zu beziehen, Auseinandersetzungen in Ganz zu bringen, die Welt zu gestalten und sie am Einschlafen zu hindern“. „Und wenn aus den Wunden, die seine Verse reißen, Ströme von Blut fließen," fügt der Erzähler hinzu, „so werden sie ihn nähren.“

Während Rushdie schwer verletzt in einem Krankenhaus in Pennsylvania liegt, wird noch einmal deutlich, dass der Roman etwas erschreckend hellsichtiges an sich hatte. Die Wut gegen ihn hat dazu geführt, dass Blut fließt. Darunter nun auch das von Rushdie selbst.“

https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/salman-rushdie-scheute-sich-nie-anstoss-zu-erregen-anders-als-so-viele-heute

 

Die Aufgabe der Gesellschaft

 

Kenan Malik: „Dennoch hat sein Verlag Penguin seinen Einsatz für die Satanischen Verse nie in Frage gestellt. Penguin-Chef Peter Mayer erinnerte sich später daran, dass es um „viel mehr als nur um das Schicksal dieses einen Buches“ ging. Wie Penguin reagierte, „würde die Zukunft des freien Hinterfragens beeinflussen, ohne das es kein Verlagswesen, wie wir es kennen, geben würde“.

Es ist eine Haltung, die aus einer anderen Zeit zu stammen scheint. Heute glauben viele, dass pluralistische Gesellschaften nur dann richtig funktionieren können, wenn die Menschen sich selbst zensieren, indem sie, in den Worten des Soziologen Tariq Modood, „das Ausmaß begrenzen, in dem sie die fundamentalen Überzeugungen der anderen der Kritik unterwerfen“.

Ich vertrete den entgegengesetzten Standpunkt. In einer pluralistischen Gesellschaft kommt der freien Meinungsäußerung besondere Bedeutung zu. In solchen Gesellschaften ist es unvermeidlich und zuweilen sogar wichtig, dass Menschen die Gefühle anderer verletzen. Unvermeidlich, weil dort, wo unterschiedliche Überzeugungen tief verwurzelt sind, Zusammenstöße unvermeidlich sind. Es ist besser, sie offen auszutragen, als sie im Namen des „Respekts“ zu unterdrücken.

Und wichtig, weil mit jeder Art von gesellschaftlichem Fortschritt einhergeht, dass einige tief verwurzelte Gefühle verletzt werden. „Das darfst du nicht sagen!“ ist nur allzu oft die Antwort der Mächtigen, wenn ihre Macht in Frage gestellt wird. Zu akzeptieren, dass bestimmte Dinge nicht gesagt werden dürfen, bedeutet zu akzeptieren, dass bestimmte Formen der Macht nicht in Frage gestellt werden können.

Was als „Beleidigung einer Community“ angesehen wird, ist vielmehr Teil einer Debatte innerhalb von Communitys. Deshalb sind an so vielen Auseinandersetzungen über Beleidigungen Künstler beteiligt, die Minderheiten angehören – nicht nur Rushdie, sondern auch Hanif Kureishi, Monica Ali, Gurpreet Kaur Bhatti, Sooreh Hera, MF Husain und viele andere.

Die Kritiker von Rushdie sprachen ebenso wenig für die muslimische Community wie Rushdie selbst. Beide vertraten unterschiedliche Strömungen innerhalb der muslimischen Communitys. Rushdie verlieh einer radikalen, säkularen Haltung eine Stimme, die in den 1980er Jahren unübersehbar war. Die Kritiker von Rushdie sprachen für einige der konservativsten Strömungen. Es sind die fortschrittlichen Stimmen, die diese Konservativen zum Schweigen bringen wollen, an denen der größte Verrat geübt wird, wenn gefordert wird, Beleidigungen einzuschränken. Denn es ist ihre Infragestellung traditioneller Normen, die oft als „beleidigend“ angesehen wird.

Die Menschen, so Rushdie in seinem Essay Im gutem Glauben von 1990, „gestalten ihre Zukunft, indem sie argumentieren und herausfordern und in Frage stellen und das Unsagbare sagen; nicht indem sie das Knie beugen, ob vor Göttern oder Menschen“.

Wir können nur hoffen, dass Salman Rushdie sich von seinem schrecklichen Angriff erholt. Worauf wir bestehen können, ist, weiterhin „das Unsagbare zu sagen“ und die von Rassisten und religiösen Fanatikern auferlegten Grenzen zu hinterfragen. Alles andere wäre ein Verrat.“

https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/salman-rushdie-scheute-sich-nie-anstoss-zu-erregen-anders-als-so-viele-heute

 

Wahrheit, Mut, Widerstandskraft

 

Sandy English: „US-Präsident Joe Biden erklärte, er stehe an der Seite Rushdies, der „durch seine Weigerung, sich einschüchtern oder zum Schweigen bringen zu lassen, für wesentliche universelle Ideale steht – Wahrheit, Mut, Widerstandskraft“.

Man kann sich kaum eine abstoßendere Zurschaustellung von Heuchelei vorstellen. Biden, Johnson und Konsorten haben selbst eine Fatwa gegen WikiLeaks-Gründer Julian Assange ausgesprochen, der im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh gefoltert wird und auf seine Auslieferung in die USA wartet. Dort wollen ihn die amerikanischen Behörden für den außergewöhnlichen Mut vor Gericht stellen, den er bewiesen hat, als er der Welt die Wahrheit über den mörderischen Charakter der US-Intervention im Irak und Afghanistan enthüllt hat.“

https://www.wsws.org/de/articles/2022/08/15/wfft-a15.html

 

Nicht nur das: All diejenigen, die es in westlichen Systemen wagen, berechtigte Kritik an ihren Regierungen zu üben, werden wie Staatsfeinde behandelt. Siehe unter anderem den Anfang von http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/551-aktualitaet-eines-voellig-unpolitischen-voellig-toten.html

 

Vor 40 Jahren mögen noch religiöse Fanatiker die größte Gefahr für die geistige Freiheit gewesen sein – mittlerweile sind es die westlichen Regierungen. Wehe denjenigen, die „Wahrheit, Mut, Widerstandskraft“ zeigen.

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm

 

 

Das Böse verlachen

- Satire, Realsatire, ernst Gemeintes -

 

Dumm und Dümmer | Wer weiß denn hier am wenigsten? | Strippenzieher

https://test.rtde.tech/programme/strippenzieher/145881-dumm-und-dummer-wer-weiss/

 

Scholz weiß von "NICHTS"

https://www.youtube.com/watch?v=yS6AxcEC7xE

 

48 Stunden

https://www.youtube.com/watch?v=QD82WAz_bEY

 

Lauterbach vs. Heilmittelwerbegesetz

https://www.youtube.com/watch?v=nXM-H31K9yM

 

ICH MUSS

https://www.youtube.com/watch?v=ZdLv3f9FtD4

 

Simone Solga: Lauterbach, der Launebär | Folge 53

https://www.youtube.com/watch?v=7GdsF2SlTdM

 

Olaf Scholz gut zuhören !!

https://www.youtube.com/watch?v=dL53dkA7rDA

 

Entlarvte Moderatorin aus Versehen Genderzwang beim ZDF? Merkwürdige Volten der Mainzelmännchen

https://www.youtube.com/watch?v=cl1QJPKky5Y

 

Intensivkrankenschwesterin: Wie Genderfreunde den Vogelin abschiessen | 0 TAGE OHNE NONSENS Ep. 7

https://www.youtube.com/watch?v=dwt2TNJBfgU

 

PROF.HANS-WERNER SINN: "DIE DEUTSCHEN ZERSTÖREN IHRE WIRTSCHAFT FÜR REIN GAR NICHTS!"

https://www.bitchute.com/video/jtZFtvxptNaJ/

 

DAHEME / Steimles Wunschbriefkasten / Ausgabe 08

https://www.youtube.com/watch?v=HA_bh0U3i88

 

HallMack Lebensmittel mit Diebstahlsicherung

https://www.frei3.de/post/a70f8c30-ea44-4e91-9ce5-aeee18340e34

 

HallMack Einladung zum Bürgerfest

https://www.frei3.de/post/921c3882-d778-4572-add3-ab979d4730cd

 

HallMack Gasumlage die bittere Medizin

https://www.frei3.de/post/af4f4dd1-40c3-426a-9069-d92bac61767e

 

HallMack Man bereitet sich vor

https://www.frei3.de/post/212d7668-b943-42ad-9f39-2709b2ebdb5d