Seit langem erhofft oder befürchtet, auf jeden Fall erwartet: Uwe Tellkamps neues Buch „Der Schlaf in den Uhren“ ist erschienen.

Was mensch auch immer davon halten mag – es offenbart Glanz und Elend des deutschen Bildungs-Bürgertums.

 

Der Wurm zum Buch

 

Etwas bösartig ausgedrückt, handelt es sich zu einem großen Teil um ein Sammelsurium von Dingen, die dem Autor in den letzten Jahren durch den Kopf gegangen sind. Er hätte ruhig mehrere hundert Seiten streichen können, ohne dass es dem Inhalt geschadet oder der Leser es gemerkt hätte.

Er ist in vielen Dingen nicht eindeutig und lässt Raum für Spekulationen. Ein geringfügiges Beispiel hierfür ist das Wort „Treva“, über das uns ansonsten allwissende Intellektuelle Folgendes zu berichten wissen:

Frank Hertweck: „Die Sicherheit ist der trevische Geheimdienst, die Hauptstadt heißt Treva, wie eine alte Bezeichnung für Hamburg, steht gleichzeitig irgendwie für Westdeutschland, dann für das wiedervereinigte Deutschland.“

https://www.swr.de/swr2/literatur/uwe-tellkamp-der-schlaf-in-den-uhren-100.html

 

Jan Drees: „Das hier vorgestellte Land ist deutlich die Bundesrepublik, wird aber konsequent als „Treva“ bezeichnet, ist also eine phantasierte Version unseres Landes. Treva also, vermutlich abgeleitet von „tre via“, den drei Wegen der westlichen Besatzungsmächte nach dem Zweiten Weltkrieg, zugleich auf den romfeindlichen, keltischen Volksstamm der Treverer verweisend. Diesem Volksstamm verdankt Deutschlands älteste Stadt Trier ihren Namen – und ist nur eines von vielen ersten Phänomenen, die im Roman angespielt werden.“

https://www.deutschlandfunk.de/uwe-tellkamp-schlaf-uhren-rechtsnational-debatte-100.html

 

Zum größten Teil schildert Uwe Tellkamp die handelnden Akteure beim Untergang der DDR 1989/90 und jene 2015 in Treva bis kurz vor der Massen-Zuwanderung.

Mit erstaunlichen Parallelen: in beiden Staaten gibt es theoretisch mehrere Parteien, die aber in der Praxis eine Einheits-Partei bilden. Die Medien werden gebeten, für „das Gute" zu sein und nicht die Wahrheit zu berichten aus Angst vor starken „rechten“ Kräften (für Treva werden ausdrücklich AfD und Pegida genannt).

Der eine Staat geht gerade unter, der andere ist auf dem besten Wege dazu.

Diejenigen, die Schwierigkeiten mit häufigen Zeit- und Themen-Wechseln haben, sollten das Buch lieber meiden; ansonsten ist es aber leicht lesbar.

Eine wertvolle Hilfe zum besseren Verständnis bietet der Autor selbst.

 

Uwe Tellkamp zum Buch

 

Aus dem Klappentext: „August 2015: Fabian Hoffmann, der einstige Dissident, steht als Chronist in Diensten der "Tausendundeinenachtabteilung" von Treva. Hier, in den Labyrinthen eines unterirdischen Reichs, arbeitet die "Sicherheit" an Aktivitäten, zu denen einst auch die Wiedervereinigung zweier geteilter Staaten gehörte. In diese Welt ist Fabian einem ihrer Kapitäne, Deckname "Nemo", gefolgt, um herauszufinden, wer seine Schwester und seine Eltern verraten hat. Zugleich ist Fabian mit einer Chronik befasst, die zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung erscheinen soll. Doch es kommt anders. Fabian gerät auf eine Reise, die ihn tief in die trevische Gesellschaft und ihre Utopien hineinführt. Er analysiert Ordnungsvorstellungen und Prinzipien der Machtausübung, die Verflechtungen von Politik, Staatsapparat und Medien, beobachtet die Veränderungen im alltäglichen Leben. Immer mehr löst sich dabei seine Chronik von ihrem ursprünglich amtlichen Auftrag, streift zurück bis in das Dresden seiner Kindheit, in die stillstehende Zeit vor zwei Epochenjahren. Auf seiner Suche nach Ordnung und Sinn kämpft Fabian gegen die Windmühlen der Macht, die Fälschungen der Wirklichkeit, den Verlust aller Sicherheiten - und gibt doch den Traum von einer befreiten Zukunft nicht verloren.“

 

Uwe Tellkamp in einem sehr schönen Interview mit Burkhard Müller-Ullrich (ab der 12. Minute): „… und dieses Jahr 2015, das für den Fabian so eine Art „Epochen-Jahr“ wird, wird gegen-geschaltet im Buch mit den Ereignissen des Jahres 1989, also der unmittelbaren Vorwende- und Mauerfall-Zeit. Für den Fabian, der im August 2015 in einem fiktiven Stadtstaat sitzt als Mitarbeiter der Chronik in der 1001-Nacht-Abteilung, werden diese Ereignisse immer ungreifbarer, weil die Ereignisse des Jahres 2015 für ihn immer zudringlicher und immer greifbarer werden. Und sie beginnen, sich gegenseitig zu durchdringen, sich gegenseitig zu kommentieren und auch zu überformen und zunächst registriert er nur, was passiert. Etwas befremdelt oder, sagen wir mal, überrascht, merkt er, wie er selbst bei Vorstellungen gepackt wird, die er für selbstverständlich hielt, die es plötzlich nicht mehr sind, und er spürt, wie sich die Stadt ändert, wie sich Erzählungen über die Vorkommnisse ändern und wie sich Moral einschleicht, also die Zuwertung oder Zuschreibung von „Gut“ und „Böse“, manchmal auch „schwarz“ und „weiß.“ Und das verstört ihn so sehr, dass er von dieser Ursprungs-Aufgabe, nämlich der Chronik der 1989er Ereignisse mehr und mehr abkommt und mehr und mehr in diese Gegenwart des Jahres 2015 kommt.

Als Ich-Erzähler, der beschränkt ist in seiner Sicht, subjektiv ist, aber das registriert, was er registrieren kann. Mehr ist es eigentlich gar nicht, mehr passiert auch gar nicht in dem Buch, Sie haben Vorwende-Ereignisse, etwa bis Januar 1990, und wir haben diesen einen August 2015, der für ihn so eine Klippe ist, wie so eine letzte besonnte Klippe eines Stadt-Gebildes, oder, wenn man so will, eines Abendlands, wo noch ein letzter Abend-Sonnenschein drauf fliegt, bevor etwas anderes beginnt, was er noch nicht nennen kann.“

Ab der 15. Minute: „Gleichwohl gibt es auch Gegenstimmen, er zweifelt an seiner Sicht der Dinge, er wird ja konfrontiert mit Einwürfen und Gegenreden. „Wie kannst du das sehen“ und „Wie kannst du diese Narrative aufgreifen“ und „Wie kannst du so unkritisch sein“, und da kommt man dann eben zu der von Ihnen erwähnten Kulturträger-Schicht, zu den Kultur-Schaffenden, die natürlich gerade in Deutschland eher links-liberal, in der Realität links-liberal verfasst sind, bei anderen Erzählungen, die die Dinge anders sehen, sehr schnell, ja, mit Strafen belegt werden oder mit so kleinen Aussatz-Pocken bestückt werden; also man gerät zuerst in einen Nimbus, also ein Zwischen-Reich, und wenn man da aber noch was drauf haut, dann ist man ganz schnell im Fegefeuer und dann in der Hölle.

Und wie die Situation im Kultur-Betrieb in Deutschland tatsächlich aussieht, weiss ich nicht, es gibt auch viel Schweigen, weil natürlich die Kollegen genau sehen, was mit einem passiert, der abweicht von gewissen Betretbarkeits-Linien. Aber es gibt auch viel Gegenwind, interessanterweise von den staatlich geförderten Institutionen, die ganz schnell Regenbogen-Fahnen raushängen oder „Wir sind mehr“ skandieren oder „Wir sind bunt, tolerant und weltoffen“ skandieren. Hinter den Kulissen hört man anderes; ich krieg‘ inzwischen auch Briefe von Journalisten, die sich am Kopf kratzen, metaphorisch gesprochen, sagen, was hier abgeht, das hätten sie so noch nicht erlebt. „Was hier abgeht“, meint die Rezension des Romans hier usw.. Für mich ist es ein sehr bewegendes, grundsätzliches Thema. In dieser Gesellschaft gehen wieder elementare Dinge vor, die alten Dämonen kehren zurück, die alten Fragen „Was tun, woher kommen wir, wohin wollen wir“, kommen wieder, und das treibt den Fabian um, weil es natürlich auch mich umtreibt.“

https://kontrafunk.radio/de/podcast/flg-18-die-1001-nacht-abteilung

 

Aus einer Lesung in Dresden, moderiert von Susanne Dagen:

https://www.youtube.com/watch?v=vy1r7kj6py4

 

Gesinnungskritik

 

Michael Hametner: „Schriftsteller, ob Mann oder Frau, leben gefährlich. Nicht, weil die Literaturkritik ein Buch von ihnen als missraten abweisen könnte, sondern weil sie ein Fall für die Gesinnungskritik werden könnten. Nicht der Gedanke und seine sprachliche Form werden dann beurteilt, sondern die Grundhaltung zur Welt. Wenn sich etwas finden lässt – am liebsten außerhalb des in Rede stehenden Buches -, woraus sich Erregung saugen lässt, dann geht es der Gesinnung ans Messer. Erregung ist der Nektar unserer Tage. Scham der Honig, der sich daraus machen lässt. Jetzt heißt es: Schäm dich!

Wer musste sich in den letzten zwanzig Jahren nicht alles schämen: Martin Walser für vorgeblichen Antisemitismus in seinem Roman „Tod eines Kritikers“, weil der tote Kritiker Ähnlichkeit mit dem Juden Marcel Reich-Ranicki besaß; Christian Kracht, für seine Romanfigur August Engelhardt, weil er wie Adolf Hitler Vegetarier und Sektenguru ist; Monika Maron, weil sie in einem Roman sagen lässt: In diesem Land muss man nicht Deutsch können, drogenabhängig oder kriminell sein, damit sich jemand mit dir beschäftigt, und Uwe Tellkamp 2018 für eine Antwort in einem öffentlichen Gespräch, in dem er behauptete, 95 Prozent der Geflüchteten seien nicht nach Deutschland eingereist, sondern in seine Sozialsysteme.

Dafür müssen sich Walser, Kracht, Maron und Tellkamp schämen, verlangt das Feuilleton. Ingo Schulze musste sich für seinen Buchhändler Paulini nicht schämen, der sich fast wortgleich wie Monika Marons Taxifahrer über die angebliche Bevorzugung von Migranten aufregt, weil er die Figur vom Felsen stürzt. War jetzt das Feuilleton in seiner Erregung kurz davor, Uwe Tellkamp vom Felsen zu stürzen? Es scheint so. Sein Roman „Der Schlaf in den Uhren“, der 14 Jahre nach „Der Turm“ ans Licht gekommen ist, wird mit Gesinnungskritik überzogen. Auch kein Tellkamp soll ungestraft sagen, dass es in deutschen Medien Gesinnungskorridore gibt. Er soll auch nicht ungestraft Freundschaft mit Dresdens Buchhändlerin Susanne Dagen halten, weil sie „mit Rechten liest“ und die zur Not auch unter falschem Namen auftreten lässt. Aber das ist doch ein ganz anderer Fall.

Wie sehr Tellkamp mit seinem Wort von Gesinnungskorridor ins Schwarze getroffen hat, führt man ihm gerade vor und urteilt über seinen neuen Roman „Der Schlaf in den Uhren“ mehrheitlich nicht mit Literaturkritik, sondern mit Gesinnungskritik. Zweifellos hat die Literaturkritik alles Recht, seinen 900-Seiten-Roman als im Ganzen oder in Teilen nicht gelungenen Roman zu bezeichnen. Sie muss dies allerdings am Text begründen, was sie aber selten macht, denn sie wendet gegen das Buch ein: nicht kommensurabel!

Dabei war die Situation schon vor Erscheinen des neuen Buches verfahren. Tellkamp hatte das Gefühl, die lange Pause zwischen seinen beiden Romanen dazu benutzen zu müssen, auch ohne neues Buch nicht vergessen zu werden. Es gab nicht wenige Lesungen aus dem Manuskript, es gab besagtes öffentliches Gespräch, von dem sich – wie damals bei Martin Walser – sein Verlag distanzieren zu müssen glaubte, es gab bedachte und unbedachte Reaktionen des Autors. Zusammen schufen diese Gründe in der Literaturszene des Landes eine Stimmung gegen ihn und das neue Buch, noch bevor „Der Schlaf in den Uhren“ in den Buchhandlungen angekommen war.

Die Stimmungsmacher wollten sich jetzt absichern, und das ging nur mit Gesinnungskritik. Sie ist gar nicht so schwer, denn ein Roman, der es an Eindeutigkeit missen lässt – was wirkliche Literatur meist tut – bietet viele Vorwände. Nicht einmal alle sind Vorwand. Vermutlich ist in den 14 Jahren Arbeit am Text eine Neigung zu überkonstruiertem und überbedachtem Schreiben eingetreten, weshalb selbst der erfahrenste Literaturkritiker für 50 Seiten sechs Stunden braucht. Ähnliche Rechnungen wurden aufgestellt und – schlimmer noch – dem Autor vorgehalten. Was machen wir jetzt – nur ein Beispiel – mit Thomas Manns „Zauberberg“ und „Doktor Faustus“?

Für einen Fall Tellkamp - wie vorher für einen Fall Martin Walser, Christian Kracht und Monika Maron - eignet sich seine Literatur nicht! In unserem Land von PC und Cancel Culture scheint sich eine Unversöhnlichkeit auszubreiten, bei der die selbsternannten Guten die von ihnen ausgemachten Bösen moralisch zu beschämen suchen. Lager entstehen, und sie reden nicht mehr miteinander. Die Dokumentation „Der Fall Tellkamp“ (Erstsendung am 18. Mai bei 3sat) hat den Finger genau in diese Wunde gelegt, indem sie versucht hat, sie miteinander reden zu lassen. Mit dem Mittel des Gegenschnitts im Film geht das. In der Realität auch noch?“

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/uwe-tellkamp-monika-maron-wenn-aus-literaturkritik-gesinnungskritik-wird

 

Kritiken aus dem Mainstream

 

„Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.06.2022

Rezensent Thomas Assheuer nimmt sich noch einmal Uwe Tellkamps Roman "Der Schlaf in den Uhren" vor, um ihn mit allen Mitteln der Ideologiekritik abzuklopfen. Denn hinter Tellkamps Metafiktion entdeckt Assheuer mehr als nur eine Mediensatire, in der Journalismus und Kultur eine unheilig-linke Allianz mit der Macht eingehen. Der Rezensent sieht vielmehr einen reaktionären Geschichtsrevisionismus am Werk, bei dem nicht nur die Stasi in der Bundesrepublik aufgegangen sei "wie ein Brühwürfel im Eintopf", sondern vor allem der Nationalsozialismus als eine Reaktion auf "die ewige Linke" erscheine, was Assheuer unter anderem daran festmacht, dass Tellkamp die kommunistischen Bonzen im sowjetischen Geländewagen GAZ-69 Jagd auf Ungeziefer in der Birkenheide machen lässt.

 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2022

Rezensent Paul Jandl erkennt mit Uwe Tellkamps neuem Buch "Der Schlaf in den Uhren" eine tiefe Kränkung des Autors. Auf labyrinthischen 900 Seiten kann man einen Schriftsteller, der Tellkamp deutlich verkörpern soll, in den Jahren zwischen dem Mauerfall und der Flüchtlingswelle 2015 dabei beobachten, wie er das Ende der Meinungsfreiheit in Deutschland beklagt, erklärt Jandl. Im Kern ist das dem Rezensenten zufolge eine Chronik der Deutschen Wiedervereinigung, die den von ihm aufgeworfenen Fragen der Geschichtsdeutung leider nicht besonders elegant folge. Militärischer Stechschritt wechsele sich ab mit schwülstigen Beschreibungen, ächzt Jandl, dem auch die Opferrolle nicht behagt, in der sich der Protagonist sonnt, wobei er zugleich stets Recht habe, wie der Rezensent genervt feststellt.

 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.05.2022

Einige stark erzählte Szenen, mitunter geniale Formulierungen und passagenweise glänzende Prosa entdeckt Rezensentin Judith von Sternburg in Uwe Tellkamps seit zehn Jahren angekündigten und erwarteten Romankoloss "Der Schlaf in den Uhren". Er schließt natürlich an Tellkamps Erfolgsroman "Der Turm" an und setzt die Geschichte aus der Sicht früherer Nebenfiguren fort. Aber eine konsistente Geschichte sollte man sich nicht erwarten, warnt Sternburg vor, Tellkamp verzettele sich in dieser "Romanrohbauruine" heillos in immer neuen Ansätzen mit immer neuen Figuren, so dass ihr weder das Personenverzeichnis noch das "Verzeichnis von Inhalten" weiterhelfen. Dass er dabei eine große Verschwörung der "Hauptstrommedien" im Verbund mit Regierung und Geheimdienst aufdeckt und Einwanderung sowie Meinungsdiktatur beklagt, kann die Rezensentin kaum ernst nehmen. Unangenehm sind ihr der "fade" Humor und die "platte" Ironie trotzdem.

 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 16.05.2022

Rezensent Jan Drees erkennt in Uwe Tellkamps neuem Roman nicht mehr als "eine epische, verschwörungstheoretisch mäandernde Alternativerzählung von rechts" und entschlüsselt einige der zahlreichen Fährten, die Tellkamp legt. Rahmen der Handlung ist die Geschichte von Fabian Hoffmann, der im Jahr 2015 in den Tiefen einer fiktiven Kohleinsel für einen mächtigeren Ausläufer der ehemaligen "Stasi" arbeitet und fortlaufend eine Chronik des Landes verfasst, ein Ausschnitt dessen, ist der vorliegende Band, resümiert der Rezensent, der sich schwer tut, zwischen den "verworrenen wie verwirrenden" Erzählsträngen eine klare Handlung zu erkennen. Einzigen Spannungsbogen entdeckt Drees in der Suche des Protagonisten nach den Verrätern seiner übrigen Familie, die kurz vor der Flucht aus der Republik festgenommen wurde. Diese Suche inszeniere der Autor mit "langen, gedrechselten, teilweise überästhetisierten und -konstruierten Sätzen", die der Wahrnehmung politischer Kräfte im rechten Spektrum eine literarische Stimme verleihen wolle, bemerkt der Rezensent. Auch wenn einige Szenen für sich den Rezensenten durchaus beeindrucken können, so spekuliert Drees abschließend lieber darüber, wie schnell ein so schwerer Buchbrocken im Wasser versinken würde.

 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2022

Rezensent Andreas Platthaus erinnert an das jahrelange Rätselraten um den neuen, nun vorliegenden Roman von Uwe Tellkamp und an die fragwürdigen politischen Überzeugungen des Autors, um sich dann in die "autonome" Text zu werfen. Weder rund noch solitär ist das Buch, warnt Platthaus, und zwar weil Tellkamp dergleichen gar nicht anstrebt, wie der Rezensent ahnt. Das vom Jahr 1989 ausgehende Denken in Schichten und das ständige Ausweiten des Stoffes in alle Richtungen gelingt laut Rezensent durchaus, ebenso eine ambivalente Figurenzeichnung. Für Platthaus immerhin eine Abwechslung vom "Einheitsbrei" deutscher Gegenwartsliteratur.

 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.05.2022

Rezensentin Julia Encke kann überhaupt nichts finden an Uwe Tellkamps neuem Roman. Das lange Warten gebiert in diesem Fall Ungeheuer: Einen 900 Seiten dicken Schinken, der die Rezensentin schon nach wenigen Seiten mit "pseudopoetischen Bildungsfetzen", allerlei selbstgefälligem Fachgesimpel, "Bedeutungsproduktion und Wortschöpfungen" a la "Hauptstrommedien", Adjektivpartizipien ohne Ende und losen Erzähl-Enden fertigmacht. Widerwille macht sich bei Encke breit. Und der Ruf nach einem Lektorat. Dass der Text eine Fortsetzung von "Der Turm" sein soll, findet Encke auch fragwürdig, weil eigentlich nur die Figuren erneut auftauchen, wie sie feststellt.

 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.05.2022

Rezensent Dirk Knipphals wirkt ermüdet nach der Lektüre von Uwe Tellkamps 900-seitiger Fortsetzung von "Der Turm", die für ihn oft eher "mühsames Durcharbeiten" ist. Wo er dem Roman anfangs noch eine oktopusartige (die Tiere kommen wiederholt vor ), "tastende" Bewegung abgewinnen kann, die mit ihren Fangarmen vorsichtig in die Abgründe der Gesellschaft eindringt, wird es ihm dann schnell zu rasant, wie Tellkamp durch die gesellschaftspolitischen Themen seit der Wiedervereinigung prescht. Dass die 2015 spielende Geschichte um den Ich-Erzähler Fabian Hoffmann, Sohn eines Stasi-verfolgten Dissidenten und nunmehr selbst für die geheime Sicherheitsbehörde tätig, zunehmend verschwörungstheoretische Züge annimmt und teilweise Erinnerungen an fremdenfeindliche Äußerungen des Autors aufkommen lässt, gefällt ihm auch nicht. Immerhin über zum Teil "grandios gehässige" Passagen freut sich Knipphals. Letztlich scheitert der Roman für ihn aber daran, dass er weder mit der "Erfahrung der Wende", noch mit der gegenwärtigen stark medial geprägten Politiklandschaft wirklich etwas anzufangen wisse - für eine Gegenwartsanalyse reicht es daher nicht, meint der Kritiker.

 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.05.2022

Rezensentin Marie Schmidt freut sich über das Erscheinen des neuen Romans von Uwe Tellkamp. So kann das Buch nicht im Sinne der Cancel-Debatten nachträglich mythisiert werden, glaubt sie. Davon abgesehen hält sie nicht viel von dem Text. Gelesen als satirische Fortschreibung von "Der Turm" lässt sie das Buch ebenso ratlos zurück wie verstanden als fantastische, mit reaktionären Elementen gespickte Erzählung über den "deep state". Von der Anlage her erscheint ihr der Text mit seinen vielen Zeitebenen, abrupten Episodenenden, "schemenhaften" Figuren und dem ständigen Changieren zwischen Fantastischem und Realem unzugänglich. Für Schmidt ein selbstgerechtes, konfuses Buch, das dem Leser keinerlei Anreiz bietet, es zu Ende zu lesen.

 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.05.2022

Rezensent Adam Soboczynski hält Uwe Tellkamp für einen "Meister der Vergangenheit". Wann immer der Autor in seinem neuen Buch in Diskussionen von Oppositionellen und Intellektuellen zur Wendezeit einsteigt, zeigt sich der Rezensent fasziniert und wittert stilistisches Talent. Leider ist das laut Soboczynski die Ausnahme. Sobald Tellkamp aber Gegenwart behandelt, wird es für den Rezensenten zäh und verschwörungstheoretisch unangenehm. Derart zermürbend findet er die Lektüre schon nach 50 Seiten, dass er an seinen geistigen Fähigkeiten zweifelt. Aber nein, es liegt an der mangelnden Figurenpsychologie, der fehlenden Orientierung, den Zeitsprüngen und der generellen Zusammenhangslosigkeit in diesem Buch, meint Soboczynski. Selbst die Kenntnis des Vorgängerromans und der Klappentext helfen da nur wenig, klagt der Rezensent.

 

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.05.2022

Rezensent Richard Kämmerlings sieht momentweise über das Wettern des Autors über "illegale Masseneinwanderung" in das deutsche Sozialsystem hinweg und würdigt Uwe Tellkamps neuen Roman als "fantastische", hoch poetische Geschichte über ein fiktives Staatswesen als Nachfolgeorganisation der Stasi. Wie Tellkamp seinen Erzähler die Ereignisse von 1989/90 und die von 2015 schildern lässt, übergenau, parodistisch, hinterlässt bei Kämmerlings allerdings gemischte Gefühle. Immer wieder kippt der Text laut Rezensent ins "offen Fremden- und Islamfeindliche" und der megalomane Wende- bzw. "Thesenroman über das Wesen der Macht" gewinnt eine unangenehme Nähe zum "'Lügenpresse'-Stereotyp", findet Kämmerlings.“

https://www.perlentaucher.de/buch/uwe-tellkamp/der-schlaf-in-den-uhren.html

 

Leser-Kritiken aus „amazon“

 

„„Mammut ist Kohl, Mutti löste ihn ab und die Stasi wird heute durch die 3M gekennzeichnet: Medien, Macht, Mitläufer. Sie alle arbeiten in der TausendundeinerNacht-Abteilung.

Uwe Tellkamp (UT) zielt mit diesem Buch auf das Mark eines Herrschaftssystems, das mit seiner Presse jeglichen Halt verloren hat: „Dabei kam der Mann gar nicht zum Punkt, sondern schwadronierte in endlosen Schleifen um den heißen Brei, das hatten ihm schon manche seiner Leser vorgeworfen. Der Kerl will auf Kunst machen.“ Mit dieser Aussage wird klar, welche Zustände der Autor aufspießen will. Ich musste dabei an das kleine Schrecklein denken, der in den heiligen Hallen seiner Supermoral von der Kanzel predigt.

UT durchlüftet auf 900 spannenden Seiten die Machtsysteme in Deutschland, deren Innerstes heute vor allem durch die Relotiuspresse zusammengehalten und vorangetrieben wird. Politiker sind meist nur noch Mitläufer bzw. willfährige Erfüller. Wer begreifen will, wie Journalisten strotzen vor Kraft, sehe sich einen Jörges an oder einen Rotzheimer. Sie lassen Politiker vor ihrem Karren springen und Männchen machen. Politiker und Journalisten wechseln heute hin und her, sie rekrutieren sich gegenseitig. Siehe die neue Regierungssprecherin der Grünen.

Die Bezeichnungen von UT für Journalisten sind Legende und sie zielen mitten in das größte Problem unserer Zeit. Dieser Roman steigt in diesem Sinne tief hinab in das schmierige Räderwerk von Menschen, die ein Leben lang darüber schreiben, was sie eigentlich werden wollten und dabei das Einfachste überhaupt entdeckt haben: Haltung und Moral. So einfach ist es, würde Adenauer sagen, in der Tiefe gesehen, er verachtete sie noch, jene, mit denen Politiker heute Fangen und Verstecken spielen, während sie beide uns ihre Märchen auftischen, während sie uns immer ärmer machen, die Journalitik-Machthaber.

Politiker und Journalisten bilden ein Räderwerk und biegen sich die Dinge zurecht. Ihre Macht ist schlicht zu groß geworden und die Contrarevolution gegen die Medien hat soeben erst begonnen. Matussek, Musk, Tellkamp, Broder, Tichy, Bolz, Köppel oder Peter Hahne sind nur einige Menschen der bürgerlichen Vernunft, die dagegen halten. Im Netz sind es immer mehr hellsichtige, private Kommentatoren, die sich zurückerinnern an das, was früher ein Journalist war. Dieser hat sich selten für ein Konzept als Aktivist entschieden, sondern alle Seiten einer Sache beleuchtet. Weil es ihn nicht mehr gibt, übernimmt der Leser selbst das Rundum-Beleuchten einer Sache.

Schon jetzt darf man gespannt sein, wie druckfrisch ein kleines sauber laufendes Rädlein den neuen Roman zerreißen wird. Es ist so planbar wie alle Stimmen, die diesen Roman in den Keller wünschen, ist er doch Negativ-Futter für ihre Lebensinhalte, die Franz Werfel in seinem 1946 veröffentlichten Roman „Stern des Ungeborenen" so umschrieb: „Zwischen Weltkrieg II und Weltkrieg III drängten sich die Deutschen an die Spitze der Humanität und Allgüte. Und sie nahmen das, was sie unter Humanität und Güte verstanden, äußerst ernst. Sie hatten doch seit Jahrhunderten danach gelechzt, beliebt zu sein. Und Humanität schien ihnen jetzt der bessere Weg zu diesem Ziel. Sie fanden diesen Weg sogar weit bequemer als Heroismus und Rassenwahn. So wurden die Deutschen die Erfinder der Ethik der selbstlosen Zudringlichkeit.“

UT sagt: “Ich bin ein Medienjunkie. Mich interessiert der Medienbetrieb, mich interessiert diese Macht. Da sitzt keiner da und lügt wie gedruckt oder geschwindelt, das sind die wenigsten. Nein, die meisten nehmen einfach wenig wahr.“ Wer kennt sie nicht, jene bis zum Abwinken narrativ nachgebeteten Worte wie Nachhaltigkeit, Energie-, Klima-, Verkehrswende oder Klimaschutz. Die Ideologen der Weltrettungsszene geben die Inhalte vor, sie sollten immer antirassistisch, divers, antisexistisch und gendergerecht verpackt sein. Sogar auf den heiligen Messen des Vergnügens müssen heute tiefgezogene Ausschnitte verborgen und alles dem neuen Normal unterordnet werden. Dabei wird deutlich, wie das neue Wahrheitsministerium tatsächlich agiert und seine Minen verlegt.

Mehr als alle äußeren Feinde sitzen die echten Zerstörer heute dort, wo unentwegt schwadroniert wird. "Wenn man dir unentwegt Moral predigt, lernst du nicht Moral, sondern predigen." (P. Schumacher) Deshalb gibt es heute in der Canossa-Republik D so viele Partei- und Journalistenprediger, die mit Leerverkäufen agieren. Ihr Gewinn basiert auf der Entsagung des Volkes. UT meint dazu: „Ich verachtete die Gutwetter-Geschmeidigen, Rectum-Puderbüchsen auf zwei Beinen, Charakterbettler, Daseins-Quallen, Harmonie-Harfner, die Feuilletonlyriker und Gefälligkeitsschnitzer, hübsch artig in der Prosa, nett in den Pinseln, vernünftig in der Oper, ja nichts riskieren, ja nicht aufs Große Ganze, und ja kein Pathos, da kriegst du Dresche von denen, die bei allem, was nicht durchironisiert ist, gleich den gereckten Arm sehen.“

Es sind Kleinigkeiten, die die Rädchen meinen beeinflussen und beschmieren zu müssen. Siehe gestern Abend die visuelle Einblendung eines Mannes der Schwefelpartei beim Talk der General-Luschen im ZDF. Wäre Habeck und sein wabberndes Doppelkinn vergleichbar abgebildet worden, ginge heute ein Sturm der Entrüstung durch den aufgeblasenen Blätterwald. Ich empfinde mindestens ebenso große Verachtung für diese neue Stasi wie UT.

Meine Hoffnung wäre, dass dieser Roman die Axt wäre für das gefrorene Herz der neureligiösen Gutmenschapostel, alleine mir fehlt der Glaube. Später, in 100 Jahren aber, wird er herausleuchten aus einer dunklen Zeit, deren Verlust an Vernunft sich messen kann mit jenem der 1930er Jahre. Dass die selbstlos Zudringlichen so vehement nach schweren Waffen schreien und dem totalen Krieg das Wort reden, während sie ihrem nicht existierenden Volk Sparsamkeit abzwingen, sie werden trotzdem bejubelt. Absurder und religiöser geht es fast kaum.

Dass allzu grünlinke Meinungen unproduktiv werden, weil sie die Realität nicht mehr abbilden, hat soeben Netflix erkannt, deren Verluste jetzt aufgefangen werden sollen. Mit diesem Hinweis, man lasse sich das auf der Zunge zergehen: „Wir lassen die Zuschauerinnen und Zuschauer entscheiden, was für sie angemessen ist, anstatt bestimmte Kunstschaffende oder Stimmen zu zensieren.“

Alleine die Beschreibung des Kanzleramtes auf Seite 91 und 92 ist ein Erlebnis, niemals habe ich ein hässlicheres Gebäude auf dem Radar gehabt, ein Symbol für abgehobene Macht und Alternativlosigkeit. Vgl. dazu das Buch "Architekten: Ein Metier baut ab" von Hans Kollhoff."

 

„Achtung: Gegenroman!

Man kann Uwe Tellkamps neuen Roman „Der Schlaf in den Uhren“ gar nicht bewerten, ohne die letzten medialen Jahre seit dem „Turm“ mit einzubeziehen. Dieser Unmöglichkeit vorausgreifend ist „Der Schlaf in den Uhren“ nun zwar auch als Fortsetzung des „Turms“ angelegt, dies bleibt aber nur Rahmen und Chimäre, wenn man ehrlich ist. Und das ist dann auch schon die größte Schwäche des neuen Tellkamp.

Aber „Der Schlaf in den Uhren“ ist – wie auch schon „Der Turm“ – vor allem eines: der richtige Roman zur richtigen Zeit vom richtigen Autor. Und er ist erneut: wortgewaltig, schwelgend, sprachlich brillant, auch ausufernd, verlaufsstark und vor allem so flüssig und gut zu lesen als würde man einen Kinofilm schauen.

Ja, natürlich ist dies eine Vereulenspiegelung der letzten Jahre. Und, ja, natürlich ist die Kritik an Politik, Medien und Kulturbetrieb hier nicht besonders aufwändig versteckt. Aber genau das macht diesen Roman so stark. Tellkamp liefert erneut den Einspruch, die Gegenrede – den Gegenroman und man darf sich dabei endlich einmal daran erinnern, dass Pluralität ja nur dann entsteht, wenn auch wirklich plurale Stimmen zu Wort kommen dürfen. Das war in den vergangenen Jahre nicht immer der Fall und man sollte sich bei so manchen Twitter-Shitstorm nach z.B. vermeintlich falsch benutzten Wörtern oder aber mangelnder Wokeness und Awareness oder dergleichen einmal fragen, ob sich die beanspruchte Deutungshoheit gewisser Themen nicht mittlerweile selbst in Radikalität, Ausgrenzung und Entfremdung verwandelt hat.

Da tut „Der Schlaf in den Uhren“ richtig, richtig gut! Zum Inhalt nur so viel: Ja, es werden alte Bekannte aus dem „Turm“ als Figuren weitergeführt, aber die gesamte Umgebung ist fiktiv und eigentlich haben die Settings der beiden Bücher nicht mehr allzu viel gemein. Aber sei’s drum. Die einen werden ihn hassen, nur weil Tellkamp draufsteht, die anderen werden ihn genau deswegen in höchste Höhen heben. Am Ende aber ist es mindestens ein sehr, sehr guter Roman."

 

„Literarische Aufarbeitungen der Zeitgeschichte und persönliche Auseinandersetzungen mit biographischen Ereignissen finden sich momentan ja einige, wie zum Beispiel S. Aust mit Zeitreise und G.Damers mit Schatten und Träumen, auf das ich völlig zufällig gestoßen bin. Der Schlaf in den Uhren schließt hier an, gleichzeitig changiert Tellkamps neues Werk zwischen Dystopie und Realität. Uwe Tellkamp schreibt gekonnt zwischen diesen beiden Polen hin und her und spielt mit der Fortschreibung der Vergangenheit in die Gegenwart - bis hinein in eine potentielle Zukunft. Gezielt spielt Tellkamp damit, er weckt Ängste, erzeugt sowohl Bestätigung als auch Unbehagen. Tellkamp ist wie gewohnt nichts für schwache … äh.. woke Nerven ;)" 

 

„Vorweg: "Die Wahrheit auszusprechen kostet heutzutage etwas, man zahlt einen hohen Preis dafür" (S. 540).

Lange genug hat man auf die "Fortsetzung" vom "Turm" gewartet. Nun ist sie da und erfüllt die Erwartungen voll und ganz. Tellkamp hat wieder ein Stück bester Literatur abgeliefert. Man kann das Buch als literarischen Genuß genießen, man kann auch über den politischen Inhalt viel nachdenken.

Sinnvoll ist, den "Turm" vorher zu lesen. Es steigert den Reiz der erzählten Geschichten. Für den Notfall, d.h. für jene, die nicht die Zeit investieren wollen oder können, empfehle ich als Notlösung die Verfilmung. Man kann das Buch natürlich auch ohne Kenntnis des "Turmes" lesen.

Obwohl Tellkamp bisweilen recht deutlich wird, ist doch viel Raum für Spekulation und Interpretation gegeben. Tellkamp kommt nicht mit platten, schlichten Parolen daher. Nein, man muß sich schon Gedanken machen und wird dabei nicht alles gleich entschlüsseln können.

Zentrale Themen sind natürlich jene Kräfte, die ein Netz der Manipulation sowie der geheimen und offenen Herrschaft über die Menschen gesponnen haben, für das vor allem die gleichgeschalteten, volksfremden Medien stehen. Tellkamp entwirft eine fiktive Welt, die mit unserer jedoch viel gemeinsam hat. Die Verstrickungen der Menschen und auch das Aufbäumen gegen diese die Realität nur simulierenden Mächte, sind Thema.

Es ist kein Wunder, daß schon bei Auslieferungsbeginn die gleichgeschalteten Medien mit dubiosen Rezensionen versuchen, Tellkamps Buch und seine Person in eine schlechtes Licht zu rücken. Am übelsten sind dabei die Ad-hominem-Anwürfe. Tellkamps gemäßigter Konservatismus wird weit nach rechts gerückt und seine "Kontaktschuld" bezüglich der bösen Rechten hervorgehoben. Das kann aber weder die integre Person noch das Werk dieses Dichters schmälern. Der Leser wird feststellen, daß alles Maß und Sinn hat, nichts extrem oder unglaubwürdig ist.

Bei einem Buch, das auf Seite 905 endet, verbietet sich hier ein näheres Eingehen auf den Inhalt. Wer Tellkamps Schreibstil mag, kommt hier auf seine vollen Kosten. Dicke Bücher sind heutzutage nichts (mehr?) für die Masse. Der Kenner und Genießer schätzt jede bedruckte Seite. Tellkamp hat geliefert, lesen Sie es selbst.“

https://www.amazon.de/Schlaf-den-Uhren-Roman/product-reviews/3518431005/ref=cm_cr_dp_d_show_all_btm?ie=UTF8&reviewerType=all_reviews

 

Ein Blick auf das Bildungs-Bürgertum

 

Je mehr ein Mensch gebildet ist, umso besser ist es. Theoretisch.

In der Praxis sieht es so aus, dass es sich bei den Bildungs-Bürgern um eine abgehobene Schicht handelt, die ausschließlich um sich selbst kreist. Was „unter“ ihnen passiert, ist ihnen völlig egal bzw. sie verachten jene, die nicht so „gebildet" oder wirtschaftlich erfolgreich sind wie sie selbst; der Satz „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen“ (der propagandistisch Marie Antoinette untergeschoben wurde), würde voll und ganz zu ihnen passen.

Ob es sich um Kultur-Schaffende, Medien-Schaffende, Wissenschafts-Schaffende oder um hohe Staats-Diener handelt – die Gegenwart ist geprägt von einer Eliten-Verwahrlosung sondergleichen.

Der Wurm als Chronist seiner Zeit hatte sich schon mehrfach mit ihr beschäftigt und meist kein gutes Haar an ihr gelassen. Unter anderem hier:

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/39-leben-im-elfenbeinturm.html

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/98-geistige-abschottung-fuehrt-zu-verbloedung.html

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/189-ein-gutmensch-ist-ein-schlechter-mensch.html

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/255-glanz-und-elend-des-buergertums.html

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/344-die-kraft-die-stets-das-gute-will-und-stets-das-boese-schafft.html

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/366-intellektuelles-prekariat.html

 

Diese Elite fördert und ehrt sich selbst. Ein Beispiel für die Literatur ist Herta Müller, die dazu gebracht wurde, „das Richtige“ zu sagen und zu schreiben und dafür belohnt wurde bis hin zum Nobel-Preis. Siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/123-johannis-fest.html und http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/153-was-gesagt-werden-muss.html .

 

Uwe Tellkamp gehörte auch zu diesem erlesenen Kreis – solange er das „lieferte“, was von ihm erwartet wurde. In jenem Moment, in dem er ausscherte, wurde aus „Everybody's Darling“ plötzlich „Everybody's Arschloch“.

Das literarische Bildungs-Bürgertum interessiert sich für Feinheiten der Wörter, Feinheiten des Satzbaues. Es berauscht sich am Wort-Getöse um die neuen Kleider des Kaisers, sieht aber nicht, dass er nackt ist. Selbst als ein Kind ruft, dass der Kaiser nackt ist, interessiert es sie nicht – was sind schon die Worte eines Kindes?

An dieser Stelle nun betritt Uwe Tellkamp die Bühne. Er war zumindest mal einer der Ihren (so halb gehört dieses „schwarze Schaf“ ja noch dazu) und er spricht die Sprache, die sie verstehen. Wenn Uwe Tellkamp jetzt sagt, dass der Kaiser nackt sei, werden einige bis viele ihm glauben oder sich zumindest Gedanken machen; andere werden sich nicht mehr allein und ausgestoßen fühlen und verstärkt ihre Meinung sagen.

Uwe Tellkamp und sein neues Buch haben damit eine große Sprengkraft, die ihre Wirkung noch entfalten wird. Wann und wie dies sein wird, wird sich noch zeigen.

 

Davor und danach

 

Warum Uwe Tellkamp in der woken Szene in Ungnade fiel und welches die Folgen waren – darauf braucht der Wurm nicht näher einzugehen; das macht eine erstaunlich faire und viel beachtete Dokumentation von Andreas Gräfenstein recht deutlich:

„„Der Fall Tellkamp - Streit um die Meinungsfreiheit“: Lange haben Leserschaft und Feuilleton darauf gewartet, nun ist er da: Uwe Tellkamps neuer Roman "Der Schlaf in den Uhren“ erscheint bei Suhrkamp. Viel wurde in den letzten Jahren spekuliert, auch ob der Verlag überhaupt noch zu seinem preisgekrönten Autor steht. Zu groß schienen die Differenzen, seitdem sich Tellkamp 2018 gegen islamische Zuwanderung positionierte und massiver öffentlicher Kritik ausgesetzt sah.

"Wir werden behandelt, als wären wir Verbrecher,“ sagt Tellkamp, der erstmals für diesen Film wieder Interviews gibt. Mit "wir" meint er sich und die umstrittene Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen. Ihr "Buchhaus Loschwitz" galt lange als zentraler Ort der bürgerlichen Mitte in Dresden, heute zeigen sich hier die neuen Frontlinien besonders deutlich. Noch bis 2006 veranstaltete der Kulturwissenschaftler Paul Kaiser im Buchhaus eine Diskussionsreihe. Heute sagt er: "Das Buchhaus war ein freigeistiger Ort, doch mit dem offensiven Bekenntnis zu Götz Kubitschek war für mich die rote Linie überschritten.“ Dagen kooperiert mit dem Antaios Verlag von Götz Kubitschek, der seit 2021 vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall geführt wird. Im selben Jahr drohte die Lage zu eskalieren: Eine Buttersäurebombe wurde ins Buchhaus Loschwitz geworfen.

Uwe Tellkamp und Susanne Dagen sind zu polarisierenden Figuren geworden. Nach vielen Streitgesprächen und offenen Briefen, gibt es nun kaum noch direkte Auseinandersetzung, stattdessen Schweigen, verhärtete Fronten. Wie konnte es passieren, dass ein einst diskussionsfreudiger Kreis Intellektueller die Streitkultur aufgegeben hat und nun nicht mehr miteinander debattieren kann?  Im Film kommen neben Uwe Tellkamp, Susanne Dagen und Paul Kaiser u.a. auch die Schriftstellerin Monika Maron, der Autor Ingo Schulze, der Theatermacher Heiki Ikkola, die Autorin Jana Hensel, der Theologe und Politiker Frank Richter sowie die Journalisten Stefan Locke (FAZ) und Martin Machowecz (DIE ZEIT) zu Wort.

Regisseur Andreas Gräfenstein hat mehr als zwei Jahre an diesem Film gearbeitet. Er hat selbst in Dresden gelebt, kennt Orte und handelnde Personen. Sein Film ist der Versuch, jenseits des politisch Extremen die Sprachlosigkeit in der Debatte zu überwinden.“

https://www.3sat.de/kultur/kulturdoku/der-fall-tellkamp-film-100.html

 

In der 3sat-Mediathek ist der Film bis Mai 2027 zu sehen; auf YouTube wurde er aber auch schon hochgeladen:

 

https://www.youtube.com/watch?v=2q3DFiM-Ec0

 

Nach Erscheinen des Buches ist Uwe Tellkamp auf großer Lesereise vor zahlreichem Publikum und für „die Masse“ eher in alternativen Medien zu sehen wie in „Tichys Ausblick“:

 

https://www.youtube.com/watch?v=5n2kZDsf3GU

 

Wer „Der Schlaf in den Uhren“ schon gelesen (aber nicht so richtig verstanden) hat oder das Buch erst gar nicht lesen will, wird hier einen Uwe Tellkamp erleben, der Klartext redet und sagt, worum es hierbei geht.

Neben dem Bildungs-Bürgertum werden hier mehr oder weniger kulturell Interessierte angesprochen, die froh sind, dass endlich mal ein intellektuelles Schwergewicht dem moralistischen Meinungs-Terror entgegen tritt.

Mensch braucht nicht mit Uwe Tellkamp in allem einer Meinung zu sein – aber er sollte froh sein, dass es ihn gibt. Er und seine Mitstreiter sind unendlich wichtig für die Meinungs-Freiheit.

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm.

 

 

Das Böse verlachen

- Satire, Realsatire, ernst Gemeintes -

 

2. Juli – Wochenkommentar von Ferdinand Wegscheider

„Die Lage ist ernst!“ - Im neuen Wochenkommentar geht es heute um wackere Kämpfer, die im Hintergrund dafür sorgen, dass unsere Kleinsten die Corona-Impfung bekommen, es geht um die klügsten Sanktionen aller Zeiten und um die besten Regierungspolitiker aller Zeiten!

https://www.servustv.com/aktuelles/v/aabm8tsy0fg00wv7gf73/

 

Sommerpause | Wer Pause macht, hat mehr vom Leben | Strippenzieher

https://test.rtde.tech/programme/strippenzieher/142357-sommerpause-wer-pause-macht-hat/

 

Simone Solga: Deutschland voll im Eimer | Folge 49

https://www.youtube.com/watch?v=YCGKhc2hN0k

 

Einzelhandel vs. Einzelhandel

https://www.youtube.com/watch?v=5Zx7sev5AlQ

 

SUPER VIEL GELD

https://www.youtube.com/watch?v=WpLYfykW8Mg

 

RICARDO LANGE,INTENSIV-PFLEGER NIMMT LAUTERBACH AUSEINANDER BEI ANNE WILL

https://www.bitchute.com/video/YjOGCK2RBjr1/

 

UNTERSTE SCHUBLADE - OLAF SCHOLZ : "AFD IST DIE PARTEI RUSSLANDS"

https://www.bitchute.com/video/AN5oHk3WC2iw/

 

weil sonst - #dankefüralles

https://www.youtube.com/watch?v=uNv_7oE-JU0

 

Dreiecksbadehose / Steimles Aktuelle Sendepause präsentiert "Steimles Wunschbriefkasten" Ausgabe 04

https://www.youtube.com/watch?v=ktEQpC9kr_o

 

HallMack Mehr Geld für Politiker

https://www.frei3.de/post/d5440f42-e39d-40bc-a133-59c4972ad1ec

 

HallMack Tesla-Werk macht dicht

https://www.frei3.de/post/3915e58c-6ba0-4ce8-9c15-172a23886986