Fjodor Dostojewski wurde vor 200 Jahren geboren. Bei aller berechtigten Kritik an ihm bleibt festzustellen, dass kaum ein Zweiter die Menschen selbst mit ihren radikalsten Gedanken so gut gekannt und so gut beschrieben hat wie er. Und er bei aller Oberflächlichkeit um ihn herum zu großer Tiefe des Denkens fähig war.

Der Wurm versucht, ihm gerecht zu werden.

 

Schein-Erschießung

 

Es ist wohl die berühmteste und dramatischste Szene der Literatur-Geschichte: die Schein-Hinrichtung Fjodor Dostojewskis.

Stefan Zweig in seinem Buch „Drei Meister. Balzac – Dickens – Dostojewski“: „Wieder wie damals in der Nacht gellt die Klingel, Dostojewski öffnet erstaunt, aber diesmal ist's nicht die Stimme des Lebens, ein jubelnder Freund, Botschaft des Ruhms, sondern Ruf des Todes. Offiziere und Kosaken dringen in sein Zimmer, der Aufgestörte wird verhaftet, seine Papiere versiegelt. Vier Monate schmachtet er in einer Zelle der Sankt-Pauls-Festung, ohne das Verbrechen zu ahnen, dessen man ihn beschuldigt: Teilnahme an den Diskussionen einiger aufgeregter Freunde, die man übertrieben die Petraschewskysche Verschwörung genannt hat, ist sein ganzes Delikt, seine Verhaftung zweifellos ein Mißverständnis. Dennoch blitzt plötzlich die Verurteilung nieder zur härtesten Strafe, zum Tode durch Pulver und Blei.

Wieder drängt sich sein Schicksal in eine neue Sekunde, die engste und reichste seiner Existenz, eine unendliche Sekunde, in der sich Tod und Leben die Lippen reichen zum brennenden Kuß. Im Morgengrauen wird er mit neun Gefährten aus dem Gefängnis geholt, ein Sterbehemd ihm umgeworfen, die Glieder an den Pfahl geschnürt und die Augen verbunden. Er hört sein Todesurteil lesen und die Trommeln knattern – sein ganzes Schicksal ist zusammengepreßt in eine Handvoll Erwartung, unendliche Verzweiflung und unendliche Lebensgier in ein einziges Molekül Zeit. Da hebt der Offizier die Hand, winkt mit dem weißen Tuche und verliest die Begnadigung, das Todesurteil in sibirisches Gefängnis verwandelnd.“

https://www.projekt-gutenberg.org/zweig/3meister/chap005.html

 

Matthias Heine: „St. Petersburg an einem Wintermorgen anno 1849. Fjodor Dostojewski, 28 Jahre alt und Sozialist, betritt den Paradeplatz der Semjonowski-Garde. Er ist zum Tode verurteilt und soll sich erschießen lassen.

Es war eine große, zynisch inszenierte Besserungstheaterperformance, die an einem Wintermorgen im Dezember 1849 auf dem Paradeplatz der Semjonowski-Garde in St. Petersburg aufgeführt wurde. Die Requisiten: Ein Karren, mit dem eine Gruppe junger Leute zum Richtplatz gefahren wurde; weiße Leichenkittel, die man ihnen anzog; Pfähle, an die man sie band – und ein Peloton aus Kosaken mit Gewehren.

In einer der Haupt- und Opferrollen: Fjodor Dostojewski, damals 28 Jahre alt und Mitglied eines frühsozialistischen Zirkels, in dem man – anders als Sozialisten heute – davon träumte, die Leibeigenen zu entstaatlichen, sie also aus ihrer vom Zaren verordneten Sklaverei zu befreien.

Weil das zarische Innenministerium bei ihnen einen Spitzel eingeschleust hatte, wurden sie verhaftet, bevor Dostojewski seinen Roman „Njetotschka Neswanowa“ vollenden konnte. Ein Militärgericht verurteilte ihn und 13 weitere Mitglieder des Kreises zum Tode – aufgrund ihrer bloßen Teilnahme an den Sitzungen und weil sie in einem Brief an Gogol Religion, Leibeigenschaft und den Zaren angegriffen hatten.

Ein Jahr nachdem ein Sturm von Revolutionen durch Westeuropa gefegt war, wollte man in Russland das Aufkeimen von durch Charles Fourier inspirierten frühsozialistischen Ideen scharf unterdrücken.

Stefan Zweig malt die Szene in seinem Buch „Sternstunden der Menschheit“ lyrisch aus: Das ganze Leben wird in dem Moment, „da sie ihn an den Pfahl gebunden“ und ihm die Binde vor die Augen gelegt haben, noch einmal durch Dostojewskis Seele gespült: „Die Kindheit, bleich, verloren und grau,/ Vater und Mutter, der Bruder, die Frau,/ Drei Brocken Freundschaft, zwei Becher Lust/ Einen Traum von Ruhm, ein Bündel Schmach.“

Dann unterbricht ein Schrei des Offiziers die rasselnden Trommeln. Er tritt vor mit einem weiß flackernden Papier in der Hand und verliest einen vom Zaren abgesegneten Erlass, aufgrund dessen das Todesurteil in Zwangsarbeit und Festungshaft umgewandelt wird. Zar Nikolaus hatte die von seinen Beamten vorgeschlagene Strafe von acht Jahren sogar noch handschriftlich abgemildert: „Für vier Jahre. Danach gemeiner Soldat.“

Die Begnadigung stand schon fest, bevor die Scheinhinrichtung inszeniert wurde. Es ging nur darum, dass die Sozialisten möglichst nachhaltig eingeschüchtert werden sollten. Die Strafe büßte der junge Schriftsteller 3000 Kilometer entfernt in Sibirien ab.

Weil die Werke vor dem Hinrichtungsspektakel so viel bedeutungsloser sind als diejenigen, die Dostojewski in der Verbannung und nach seiner Rückkehr schrieb, wird der 22. Dezember 1849 als eigentlicher Geburtstag des Weltschriftstellers Fjodor Dostojewski angesehen. Sicher hat sie bei seiner Wendung weg vom Sozialismus, hin zum Christentum mystisch russischer Prägung eine Rolle gespielt.

Stefan Zweig lässt Dostojewski als Erstes ein von göttlichem Licht erstrahlendes Kirchendach erblicken, als ihm die Binde abgenommen wird. Dann erleidet er, noch am Pfahl, einen epileptischen Anfall. Erwachend mit weißem Schaum vor Mund, „wird ihm klar/ Dass er in jener Sekunde/ Jener andere war,/ Der vor tausend Jahren am Kreuze stand,/ Und dass er, wie Er,/ Seit jenem brennenden Todeskuss/ Um des Leidens das Leben liebhaben muss“. Um seine Lippen hängt „das gelbe Lachen der Karamasow“.

Es dauerte dann allerdings noch 16 Jahre, bis er den ersten seiner großen Romane, „Schuld und Sühne“, schreibt, und gar 27 Jahre, bis das Werk über die Brüder, deren Lachen ihm Zweig schon 1849 andichtete, entstand.“

https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article193231013/Actionszenen-der-Weltliteratur-9-Als-Dostojewski-zu-seiner-Erschiessung-ging.html

Hier der Link zu Stefan Zweigs „Heroischer Augenblick“ in „Sternstunden der Menschheit“: https://www.projekt-gutenberg.org/zweig/sternstu/chap009.html

 

Für die Bewohner des Erdreichs wäre für die Schein-Hinrichtung und die Zwangsarbeit in Sibirien nur eine Reaktion denkbar: „Ihr Arschlöcher! Jetzt erst recht!“. Nicht so Fjodor Dostojewski – er knickt völlig ein und küsst der Obrigkeit noch die Stiefel.

 

„Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“

 

Stefan Zweig: „In einen Abgrund ohne Namen stürzt er jetzt hinab aus seinem ersten jungen Ruhm. Vier Jahre lang umgrenzen fünfzehnhundert eichene Pfähle seinen ganzen Horizont. An ihnen zählt er mit Kerben und mit Tränen Tag um Tag die viermal dreihundertfünfundsechzig Tage ab. Seine Genossen sind Verbrecher, Diebe und Mörder, seine Arbeit Alabasterschleifen, Ziegeltragen, Schneeschaufeln. Die Bibel wird das einzig verstattete Buch, ein räudiger Hund und ein flügellahmer Adler seine einzigen Freunde. Vier Jahre weilt er im »Totenhaus«, in der Unterwelt, Schatten zwischen Schatten, namenlos und vergessen. Als sie ihm dann die Kette von den wunden Füßen abschmieden und die Pfähle hinter ihm liegen, eine braune, morsche Mauer, ist er ein anderer: seine Gesundheit zerstört, sein Ruhm zerstäubt, seine Existenz vernichtet. Nur seine Lebenslust bleibt unversehrt und unversehrbar: heller als je flammt aus dem schmelzenden Wachs seines zerkneteten Körpers die heiße Flamme der Ekstase. Ein paar Jahre noch muß er in Sibirien verbleiben, halbfrei und ohne die Verstattung, eine Zeile zu veröffentlichen. Dort in der Verbannung, in bitterster Verzweiflung und Einsamkeit, geht er jene seltsame Ehe mit seiner ersten Frau ein, einer kranken und eigenartigen, die seine mitleidige Liebe unwillig erwidert. Irgendeine dunkle Tragödie der Aufopferung ist in diesem seinen Entschluß für immer der Neugier und Ehrfurcht verborgen, nur aus einigen Andeutungen in den »Erniedrigten und Beleidigten« vermag man den schweigsamen Heroismus dieser phantastischen Opfertat zu ahnen.“

https://www.projekt-gutenberg.org/zweig/3meister/chap005.html

 

Brigitte van Kann: „Am Anfang von Dostojewskis Schreibkarriere stand das Zuchthaus. Weil er sich als junger Mann für demokratische Ideen begeisterte, wurde er 1849 zu zehn Jahren Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt. Was er hier erlebte, hielt er in den „Aufzeichnungen aus einem toten Haus“ fest, die nun neu übersetzt wurden.

„Zehn Minuten nach dem Aufbruch der Häftlinge verließen auch wir das Gefängnis, um nie mehr dorthin zurückzukehren, ich und mein Kamerad, mit dem ich gekommen war. Wir mussten (...) in die Schmiede gehen, damit unsere Ketten abgeschmiedet wurden. (...) Uns schmiedeten unsere Häftlinge ab (...). Die Schmiede drehten mich mit dem Rücken zu sich, hoben von hinten meinen Fuß hoch, legten ihn auf den Amboss (...) Sie waren geschäftig, wollten es möglichst geschickt, möglichst gut machen.

‚Die Niete, zuallererst dreh die Niete um!‘, kommandierte der Vorarbeiter, ‚halt sie jetzt, so, gut!‘ (...) Jetzt schlag mit dem Hammer.‘

Die Ketten fielen. Ich hob sie auf (...) Ich wollte sie in der Hand halten, sie zum letzten Mal anschauen. (...)

‚Nun, mit Gott! Mit Gott!‘ sagten die Häftlinge abrupt, mit ihren groben, doch irgendwie zufriedenen Stimmen.

Ja, mit Gott! Freiheit, ein neues Leben, die Auferstehung von den Toten (...), was für ein wunderbarer Moment!“

So eindrucksvoll enden Fjodor Dostojewskis „Aufzeichnungen aus einem toten Haus“, in denen er festhielt, was er selbst als Kettensträfling in Sibirien erlebt und erfahren hatte. In diese außerordentliche Lage war der junge Schriftsteller 1849 wegen seiner Teilnahme an einer politischen Diskussionsrunde geraten – wofür er zunächst die Todesstrafe erhielt. Er stand schon auf dem Richtplatz, als ein Bote des Zaren in letzter Minute die Umwandlung der Strafe in zehn Jahre Sibirien verkündete, auch das eine Art „Auferstehung von Toten“! Vier Jahre davon verbüßte Fjodor Dostojewski als Zwangsarbeiter in Ketten, den Rest leistete er als gemeiner Soldat ab. Schon während der Zwangsarbeit – der Katorga, wie sie auf Russisch heißt – beschließt er, das Erlebte aufzuschreiben.

Allerdings gilt auch während seines sechsjährigen Soldatenlebens striktes Schreibverbot. Dennoch gelingen dem Schriftsteller umfangreiche Notizen über seine Sträflingszeit: Er hält einprägsame Persönlichkeiten unter den Mithäftlingen fest, brisante, aber auch komische Situationen, derbe Aussprüche und vieles andere mehr. Über fünfhundert Einträge versammelt Dostojewski in diesem sogenannten „Sibirischen Heft“. Wie die Übersetzerin Barbara Conrad in ihrem kenntnisreichen Nachwort darlegt, sind Notate aus diesem „Heft“ sowohl in die „Aufzeichnungen“ als auch in die später weltberühmten Romane des Autors eingeflossen.

Dostojewskis Bericht aus dem Inneren der Sträflingswelt markiert nicht nur den Übergang von den Erzählungen aus den Jahren vor der Haft zu den großen epischen Werken (seine Romane sind ohne die vierjährige Erfahrung als Kettensträfling nicht zu denken.) Die Katorga war darüber hinaus auch Dostojewskis Schule des Lebens. Seine Strafgefangenzeit habe Dostojewski als „Laboratorium zur Erforschung der menschlichen Psyche“ gedient, lesen wir in Barbara Conrads Nachwort, als Versuchsanordnung „zur Analyse von Verbrechen und dem, was die Menschen dazu antreibt, sie zu begehen, zur Problematik der Gerechtigkeit und dessen, was als Recht gilt.“ Genau darum geht es in Dostojewskis Romanen. Man kann die „Aufzeichnungen aus einem toten Haus“ also mit Fug und Recht als Vorstudie zu seinem gewaltigen Prosawerk bezeichnen.

Mit dem Schwung der wiedererlangten Freiheit hatte sich der Schriftsteller gleich nach seiner Entlassung 1859 an die Fertigstellung der „Aufzeichnungen aus einem toten Haus“ gemacht. Publiziert zwischen 1860 und 1862, bescherten sie dem Schriftsteller, dessen vielversprechende Karriere 1849 so abrupt unterbrochen worden war, ein glanzvolles Comeback in der literarischen Welt. Sie erschienen zugleich mit der weitreichendsten Reform im alten Russland: Der Abschaffung der Leibeigenschaft durch Zar Alexander II. 1861, gefolgt von weiteren Reformen der Justiz und des Strafvollzugs. Zu letzteren gehörte auch das Verbot der barbarischen Körperstrafen. Man denke nur an die im Schwitzbad aufblühenden Narben auf den Rücken der Mitgefangenen, ein Anblick, den Dostojewski mit Entsetzen schildert.

Bewusst verzichtete der Autor in seinen „Aufzeichnungen aus einem toten Haus“ darauf, sein persönliches Leid in den Vordergrund zu stellen. Stattdessen greift er hier zum distanzierenden Mittel der Herausgeberfiktion: Er gibt vor, die „Aufzeichnungen“ unter den Papieren eines verstorbenen Bekannten entdeckt zu haben.

Tatsächlich sind Dostojewskis „Aufzeichungen aus einem toten Haus“ die erste literarisch-dokumentarische Darstellung eines sibirischen Zuchthauses, in dem Kettensträflinge Zwangsarbeit leisten. Von der Existenz solcher Orte wusste man natürlich im Russland des 19. Jahrhunderts, aber dennoch waren sie eine terra incognita.

„Hier hatte man seine eigene Welt, die mit nichts anderem mehr gleich war, hier hatte man seine eigenen Gesetze, seine Kostüme, seine Sitten und Bräuche, hatte bei lebendigem Leib ein totes Haus, ein Leben wie nirgendwo und Menschen von eigener Art.“

Der Text folgt einer geradezu eleganten Gliederung von den ersten Eindrücken des Gefangenen, über den ersten Monat und die neuen Bekanntschaften bis hin zu einer Theateraufführung im Zuchthaus, deren traurige Komik den Leser zwischen Lachen und Weinen hin und her reißt.

Bewusst hat die Übersetzerin den Text nicht geglättet, um ihn im Deutschen gefälliger zu machen. Eine Versuchung, der ihre Vorgänger häufig erlegen sind. Genauigkeit und Texttreue zeichnen Barbara Conrads Übersetzung aus. Das fängt schon beim Titel an, der in der Vergangenheit mit „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“ übersetzt wurde; nun heißt es wie im Russischen attributiv: " ... aus einem toten Haus“! Der immensen Schwierigkeit, das ebenso farbige wie verknappte Russisch der einfachen Leute ins Deutsche zu bringen, ist die Übersetzerin beherzt begegnet – indem sie zum Beispiel aus einem reichen Fundus an deutschen Redensarten schöpft und so das nötige volkstümliche Kolorit erzeugt. Wo russische Realien keine Entsprechung im Deutschen haben, erspart die Übersetzerin sich und dem Leser sprachliche Verrenkungen – und belässt den jeweiligen Begriff im Russischen: Der Leser findet die Erklärung im Glossar.

Doch warum, so mag sich mancher Leser fragen, soll ich heute überhaupt noch einen so alten, von der Geschichte mehrfach überholten Bericht über ein russisches Zuchthaus lesen? Nun, weil Dostojewskis „Aufzeichnungen aus einem toten Haus“ ein dokumentarischer Grundlagentext sind, unabdingbar für das Verständnis russischer Verhältnisse und russischer Literatur des 19. Jahrhunderts. Sie geben einen tiefen Einblick in die russische Gesellschaft von damals; und das obwohl – oder gerade weil – sie wie ein dunkler Spiegel deren dem Licht abgewandte Seite in den Blick nehmen. So lässt Dostojewski sein Alter ego, den fiktiven Autor der „Aufzeichnungen“, folgende Überlegung über seine Mithäftlinge anstellen:

„'Wer weiß? Diese Menschen sind vielleicht überhaupt nicht in dem Maße schlechter als jene Übrigen, die dort, jenseits der Gefängnismauern, geblieben sind.’ Ich musste selbst den Kopf schütteln über diesen Gedanken, dabei – mein Gott! hätte ich damals nur gewusst, wie wahr er ist!““

https://www.deutschlandfunk.de/neuuebersetzung-literaturgenie-dostojewski-in-ketten-100.html

 

Zum Lesen: https://www.projekt-gutenberg.org/dostojew/totenhau/titlepage.html

 

Hier eine Textprobe, die zeigt, dass Fjodor Dostojewski auch damals über ein großes Verständnis von Menschen und Situationen verfügte. Es geht in diesem Fall nur indirekt um das Leben im Lager. Es geht um Tyrannen und Henker: „Ich weiß nicht, wie es jetzt damit bestellt ist, aber in der noch gar nicht so weit zurückliegenden Zeit gab es Gentlemans, denen die Möglichkeit, ihr Opfer auszupeitschen, einen Genuß verschaffte, der an den eines Marquis de Sade oder einer Brinvilliers erinnerte. Ich glaube, daß in dieser Empfindung etwas liegt, was bei diesen Gentlemans das Herz wonnig und zugleich schmerzlich erstarren läßt. Es gibt Menschen, die wie Tiger danach lechzen, Blut zu lecken. Wer nur einmal diese Gewalt, diese unumschränkte Herrschaft über den Leib, über das Blut und den Geist seines Mitmenschen, der so wie er selbst geschaffen ist, seines Bruders nach dem Gebote Christi gekostet hat; wer diese Gewalt und die Möglichkeit kennengelernt hat, ein anderes Geschöpf, das das Ebenbild Gottes in sich trägt, aufs Tiefste zu erniedrigen, – der hat keine Macht mehr über seine Empfindungen. Die Tyrannei wird zu einer Gewohnheit; sie hat die Fähigkeit, sich zu entwickeln, und schreitet wie eine Krankheit fort. Ich bestehe darauf, daß auch der beste Mensch infolge einer Gewöhnung so roh und stumpf wie ein Tier werden kann. Das Blut und die Macht berauschen den Menschen: unter ihrem Einflusse entwickeln sich Roheit und Zügellosigkeit; dem Geiste und Gefühl werden selbst die unnormalsten Dinge zugänglich und zuletzt auch süß. Der Mensch und der Bürger gehen in dem Tyrannen fast immer zugrunde, und die Rückkehr zur Menschenwürde, zur Reue, zur Wiedergeburt wird ihm schließlich unmöglich. Außerdem wirken das Beispiel und die Möglichkeit einer solchen Willkür auch auf die ganze Gesellschaft ansteckend: in einer solchen Gewalt liegt etwas Verführerisches. Eine Gesellschaft, die sich solchen Erscheinungen gegenüber gleichgültig verhält, ist schon in ihrem tiefsten Kerne angesteckt. Mit einem Worte, das Recht seinen Mitmenschen einer Körperstrafe zu unterziehen, ist eine der Eiterbeulen der Gesellschaft, eines der stärksten Mittel, um in ihr jeden Keim und jeden Versuch einer Zivilisation zu vernichten, und ein ausreichender Grund zu ihrer unvermeidlichen und unbedingten Zersetzung.

Die Gesellschaft verabscheut einen gewöhnlichen Henker, aber einen Gentleman-Henker durchaus nicht. Erst vor kurzem ist eine entgegengesetzte Ansicht ausgesprochen worden, aber nur abstrakt, in Büchern. Sogar diejenigen, die diese Ansicht aussprechen, haben noch nicht alle in sich dieses Bedürfnis nach Willkür erstickt. Sogar jeder Fabrikbesitzer, jeder Unternehmer muß unbedingt ein eigentümliches, kitzelndes Vergnügen in dem Umstande finden, daß sein Arbeiter mit seiner ganzen Familie einzig von ihm abhängt. Es ist sicher so; eine Generation kann sich nicht so schnell von dem losreißen, was in ihr als eine Erbschaft früherer Generationen sitzt; der Mensch sagt sich nicht so schnell von dem los, was ihm ins Blut eingedrungen ist, was er sozusagen mit der Muttermilch eingesogen hat. Es gibt keine so plötzlichen Wandlungen. Seine Schuld und seine Erbsünde zu bekennen, genügt noch lange nicht; man muß sich ihrer gänzlich entwöhnen. Das geschieht aber nicht so schnell.

Ich brachte eben die Rede auf den Henker. Die Eigenschaften eines Henkers sind im Keime in fast jedem Menschen unserer Zeit vorhanden. Aber diese tierischen Eigenschaften entwickeln sich nicht in allen Menschen im gleichen Maße. Wenn sie in jemand, sich stetig entwickelnd, alle seine anderen Eigenschaften besiegen, so wird ein solcher Mensch natürlich schrecklich und abstoßend. Es gibt Henker von zwei Arten: die einen sind freiwillige, die andern unfreiwillige, die dazu gezwungen werden. Ein freiwilliger Henker steht natürlich in allen Beziehungen tiefer als ein unfreiwilliger, den das Volk jedoch bis zu einem Grauen, bis zum Ekel, bis zu einer instinktiven, fast mystischen Angst verabscheut. Woher kommt denn diese fast abergläubische Angst vor dem einen Henker und diese fast gutheißende Gleichgültigkeit gegen den andern? Es gibt außerordentlich seltsame Fälle: ich kannte gutmütige, anständige Menschen, die in der Gesellschaft sogar Achtung genossen, die es jedoch nicht ruhig ertragen konnten, wenn der Delinquent unter den Ruten nicht schrie und nicht um Gnade flehte. Die Delinquenten müssen unbedingt schreien und um Gnade flehen. Das ist einmal Sitte: es gilt als angemessen und notwendig, und als das Opfer einmal nicht schreien wollte, so fühlte sich der Vollstrecker, den ich kannte und der in anderen Beziehungen vielleicht sogar als guter Mensch angesehen werden konnte, persönlich gekränkt. Er wollte anfangs die Strafe auf eine leichte Weise vollstrecken lassen; als er aber die gewohnten Worte: »Euer Wohlgeboren, gnädiger Vater, haben Sie Erbarmen, lassen Sie mich ewig für Sie zu Gott beten usw.« nicht hörte, geriet er in Wut und ließ dem Betreffenden noch weitere fünfzig Rutenhiebe geben, um von ihm das Schreien und Flehen zu erreichen, und er erreichte es auch. »Es geht eben nicht anders, der Mann ist zu verstockt«, erklärte er mir sehr ernsthaft. Was aber den echten, unfreiwilligen, verpflichteten Henker betrifft, so weiß man ja, daß er ein zur Verbannung verurteilter Arrestant ist, den man aber als Henker dabehalten hat, der anfangs bei einem anderen Henker in der Lehre gewesen und nach absolvierter Lehrzeit für immer im Zuchthaus angestellt worden ist, wo er ein besonderes Zimmer für sich allein hat und sogar eine eigene Wirtschaft führt, aber doch fast immer unter militärischer Bewachung steht. Der lebendige Mensch ist natürlich keine Maschine: der Henker schlägt zwar aus Pflicht, gerät aber zuweilen auch in Rage; er schlägt zwar nicht ohne einen gewissen Genuß für sich selbst, hegt aber doch fast niemals einen persönlichen Haß gegen sein Opfer. Die Geschicklichkeit im Schlagen, die Kenntnis dieser Wissenschaft, der Wunsch, sich vor seinen Kollegen und vor dem Publikum zu zeigen, reizen seinen Ehrgeiz. Es ist ihm hauptsächlich um die Kunst als solche zu tun. Außerdem weiß er sehr gut, daß er von allen verstoßen ist, daß er überall mit abergläubischer Angst empfangen und begleitet wird, und es ist sehr wohl möglich, daß dies auf ihn einen gewissen Einfluß hat und seine Wut und seine tierischen Neigungen verstärkt. Sogar die Kinder wissen, daß er »sich von Vater und Mutter losgesagt hat«. Seltsam: alle Henker, die ich traf, waren geistig gut entwickelte Menschen, mit Verstand und Vernunft, mit einem ungewöhnlichen Ehrgeiz und sogar Stolz. Ob sich dieser Stolz als Reaktion gegen die allgemeine Verachtung entwickelt, oder ob er durch das Bewußtsein der Angst, die sie ihren Opfern einflößen, und durch das Gefühl der Herrschaft über sie gesteigert wird, weiß ich nicht zu sagen. Vielleicht begünstigt auch das parademäßige und theatralische Zeremoniell, mit dem sie vor dem Publikum auf dem Schafott erscheinen, in ihnen die Entwicklung eines gewissen Hochmuts. Ich erinnere mich, wie ich eine Zeitlang recht häufig mit einem Henker zusammenkam, den ich aus der Nähe beobachten konnte. Er war ein Kerl von mittlerem Wuchs, muskulös, hager, an die vierzig Jahre alt, mit einem recht angenehmen und klugen Gesicht und Lockenhaar. Er war immer ungewöhnlich ernst und ruhig; äußerlich benahm er sich wie ein Gentleman, beantwortete alle Fragen kurz, vernünftig und sogar freundlich, aber mit einer hochmütigen Freundlichkeit, als sähe er auf mich von oben herab. Die Wachoffiziere knüpften mit ihm oft in meinem Beisein Gespräche an und taten es wirklich mit einer gewissen Achtung ihm gegenüber. Er fühlte es und verdoppelte daher im Gespräch mit einem Vorgesetzten absichtlich seine Höflichkeit, Trockenheit und Würde. Je freundlicher ein Vorgesetzter mit ihm sprach, um so unzugänglicher wurde er selbst; obwohl er dabei nicht im geringsten von der raffiniertesten Höflichkeit abwich, bin ich doch überzeugt, daß er sich in einem solchen Augenblick hoch über den mit ihm redenden Vorgesetzten stellte. Das stand in seinem Gesicht geschrieben. Manchmal wurde er an heißen Sommertagen unter Bewachung, mit einer langen dünnen Stange bewaffnet, in die Stadt geschickt, um die Hunde totzuschlagen. In dieser kleinen Stadt gab es ungewöhnlich viel Hunde, die niemand gehörten und sich mit einer auffallenden Schnelligkeit vermehrten. In der heißen Jahreszeit wurden sie gefährlich, und dann wurde auf Befehl der Obrigkeit der Henker ausgesandt, um sie zu vertilgen. Aber selbst dieses erniedrigende Amt schien ihn in keiner Weise zu erniedrigen. Man muß gesehen haben, mit welcher Würde er durch die Straßen der Stadt spazierte, von einem müden Begleitsoldaten bewacht, schon durch seinen bloßen Anblick die ihm begegnenden Weiber und Kinder erschreckend; wie ruhig und sogar von oben herab er alle Begegnenden ansah. Die Henker haben übrigens ein gutes Leben. Sie besitzen Geld, essen sehr gut und trinken Branntwein. Das Geld bekommen sie als Schmiergeld. Ein Angeklagter aus dem Zivilstande, der nach dem Gerichtsurteil eine Körperstrafe abzubüßen hat, schenkt immer vorher etwas, und sei es auch sein Letztes, dem Henker. Von den andern, von den reichen Angeklagten verlangen sie aber selbst Geld, wobei sie den Betrag in einem gewissen Verhältnis zu dem vermuteten Vermögen des Arrestanten festsetzen: zuweilen lassen sie sich auch dreißig Rubel geben und sogar mehr. Mit sehr reichen feilschen sie sogar tüchtig. Die Strafe in einer sehr milden Form kann der Henker natürlich nicht verabreichen; er haftet ja dafür mit seinem eigenen Rücken. Aber er verspricht dem Opfer für ein gewisses Schmiergeld, nicht allzu schmerzhaft zu schlagen. Man geht auf seinen Vorschlag fast immer ein, sonst kann er tatsächlich barbarisch schlagen; das liegt fast ganz in seiner Gewalt. Es kommt vor, daß er sogar von einem sehr armen Angeklagten eine bedeutende Summe verlangt; die Verwandten desselben gehen zu ihm, handeln, suchen ihn zu erweichen, und wehe dem Armen, wenn sie ihn nicht befriedigen. In solchen Fällen kommt ihm die abergläubische Angst, die er allen einflößt, sehr zu statten. Was für Wunderdinge erzählt man sich nicht über die Henker! Übrigens versicherten mir die Arrestanten selbst, daß der Henker die Möglichkeit habe, den Delinquenten schon mit dem ersten Schlage zu töten. Aber wann ist das schon beobachtet worden? Übrigens ist es auch möglich. Man spricht davon allzu bestimmt. Der Henker selbst versicherte mich, daß er es wohl tun könne. Man erzählte sich auch, daß er die Fertigkeit habe, mit aller Wucht die Knute auf den Rücken des Arrestanten niedersausen zu lassen, aber so, daß sich nach dem Schlage auch nicht die kleinste Strieme zeigte und daß der Verbrecher nicht den geringsten Schmerz empfinde. Übrigens hat man über alle diese Kunststücke und Finessen schon allzu viel Geschichten gehört. Aber wenn der Henker sogar ein Geldgeschenk angenommen hat, um die Strafe in einer milden Weise zu vollziehen, so versetzt er dennoch den ersten Schlag aus aller Kraft und mit voller Wucht. Das ist bei ihnen Sitte. Die folgenden Schläge führt er immer leichter, besonders wenn man ihn vorher bestochen hat. Aber der erste Schlag gehört, ganz gleich, ob man ihn bezahlt hat oder nicht, ihm. Ich weiß wirklich nicht, warum sie es so machen. Um das Opfer sofort an die folgenden Schläge zu gewöhnen, mit der Berechnung, daß nach einem schweren Schlag die leichteren weniger schmerzhaft erscheinen, oder einfach aus dem Wunsche heraus, das Opfer ihre Gewalt fühlen zu lassen, ihm Angst einzujagen, es gleich beim ersten Schlage zu verblüffen, damit es sehe, mit wem es zu tun habe; mit einem Worte, um ihre ganze Kunst und Bedeutung zu zeigen? In jedem Falle befindet sich der Henker vor Beginn der Exekution in erregter Stimmung, er ist sich seiner Gewalt bewußt und fühlt sich als Herrscher; in diesem Augenblick ist er ein Schauspieler; das Publikum staunt über ihn und ist von ihm erschreckt, und er schreit natürlich nicht ohne Genuß seinem Opfer vor dem ersten Schlage zu: »Paß auf, es brennt!« – die üblichen, fatalen Worte in einem solchen Falle. Man kann sich schwer einen Begriff davon machen, wie entsetzlich sich die Menschennatur verunstalten läßt!“

https://www.projekt-gutenberg.org/dostojew/totenhau/chap015.html

 

„Arme Leute“

 

Nun aber zum ersten Werk von Fjodor Dostojewski. Stefan Zweig: „Aus dem trüben Dunst dieser Tage ballen sich langsam eigene Formen, und endlich reift aus diesem vernebelten, traumhaften Zustand von Angst und Ekstase sein erstes dichterisches Werk, der kleine Roman »Arme Leute«.

1844, mit vierundzwanzig Jahren, hat er diese meisterhafte Menschenstudie geschrieben, »mit leidenschaftlicher Glut, ja fast unter Tränen«. Seine tiefste Demütigung, die Armut, hat es gezeugt, seine höchste Gewalt, die Liebe zum Leid, das unendliche Mitleiden es gesegnet. Mißtrauisch betrachtet er die beschriebenen Blätter. Er ahnt darin eine Frage an das Schicksal, die Entscheidung, und nur mühsam entschließt er sich, Nekrasoff, dem Dichter, das Manuskript zur Prüfung anzuvertrauen. Zwei Tage vergehen ohne Antwort. Einsam grüblerisch sitzt er nachts zu Hause, arbeitet, bis die Lampe verqualmt. Plötzlich um vier Uhr morgens wird heftig an der Klingel gerissen, und Dostojewski, dem erstaunt Öffnenden, stürzt Nekrasoff in die Arme, küßt ihn und jubelt ihm zu. Er und ein Freund hatten gemeinsam das Manuskript gelesen, die ganze Nacht gehorcht, gejubelt und geweint, und am Ende hielt es beide nicht: sie mußten ihn umarmen. Es ist Dostojewskis erste Lebenssekunde, diese Klingel nachts, die ihn zum Ruhm ruft. Bis in den hellen Morgen tauschen die Freunde Glück und Ekstase in heißen Worten. Dann eilt Nekrasoff zu Bjelinski, dem allmächtigen Kritiker Rußlands. »Ein neuer Gogol ist erstanden«, ruft er schon an der Türe, das Manuskript wie eine Fahne schwingend. »Bei euch wachsen die Gogols wie die Pilze«, brummt der Mißtrauische, durch so viel Begeisterung verärgert. Aber als Dostojewski ihn am nächsten Tag besucht, ist er verwandelt. »Ja, begreifen Sie denn selbst, was Sie da geschaffen haben«, schreit er voll Erregung den verwirrten jungen Menschen an. Grauen überfällt Dostojewski, ein süßer Schauer vor diesem neuen plötzlichen Ruhm. Wie im Traum geht er die Treppe hinab, an der Straßenecke bleibt er taumelnd stehen. Zum erstenmal fühlt er und wagt doch nicht, es zu glauben, daß all dies Dunkle und Gefährliche, das ihm das Herz auftrieb, ein Gewaltiges ist und vielleicht das »Große«, von dem seine Kindheit wirr geträumt, die Unsterblichkeit, das Leiden für die ganze Welt. Erhebung und Zerknirschung, Stolz und Demut schwanken wirr durch seine Brust, er weiß nicht, welcher Stimme er glauben soll. Trunken taumelt er über die Straße, und in seine Tränen mischen sich Glück und Schmerz.“

https://www.projekt-gutenberg.org/zweig/3meister/chap005.html

Aus „Wikipedia“: „Der Roman schildert die Liebe des Kopisten Makar Alexejewitsch Dewuschkin zu der weitaus jüngeren Näherin Warwara Alexejewna Dobrosjolowa. Er wird ausschließlich über einen Briefwechsel zwischen den beiden erzählt. Die Hauptpersonen leben in derselben Straße in einem Petersburger Armenviertel. Warwara wohnt zur Untermiete bei einer älteren Verwandten, die – unter Berufung auf frühere Wohltaten –, einen starken Einfluss auf sie ausübt. Näheres über die Vergangenheit der beiden ist nicht bekannt. Dewuschkin, der abgetragene und schmutzige Kleider trägt und in erbärmlichen Wohnverhältnissen lebt, sieht sich als eine Ratte in der Gesellschaft. Mit Warwara kommt es zu einem Briefwechsel, sowie zu gelegentlichen Besuchen, die jedoch nie genauer ausgeführt werden. Auch tauschen die beiden Bücher aus. Dewuschkin reagiert beleidigt, als Warwara ihm ein Exemplar von Gogols Mantel übergibt, da er findet, das Leben des Protagonisten gleiche dem seinen. Schließlich beschließt Warwara einen reichen Witwer (und Bekannten ihrer Verwandten) namens Bykow zu heiraten, der ihre Ehre wiederherstellen und sie von ihrem Schicksal befreien soll.

Im Briefwechsel, der sich über ein halbes Jahr hinzieht, nimmt Dewuschkin die prominentere Rolle ein. Er verliebt sich in Warwara und ist unglücklich, als diese sich entschließt, Bykow wirklich zu heiraten, um ihren ärmlichen Verhältnissen zu entkommen. Seine zarten Versuche, sie von diesem Vorhaben abzubringen, sind jedoch nicht erfolgreich; sie wird Petersburg verlassen. Dewuschkin erhält von ihr sogar Aufträge, die die Vorbereitung der Hochzeit betreffen, was ihn schwer trifft. Der Roman endet mit einem Brief Dewuschkins, der nicht mehr beantwortet wird.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Arme_Leute

 

Zum Lesen: https://www.projekt-gutenberg.org/dostojew/armeleut/armeleut.html

 

Fjodor Dostojewski neigt manchmal zu Übertreibungen. Dass in „Der Idiot“ einer der negativen Hauptdarsteller schwarze Zähne hat, dürfte zu den Höhepunkten gehören. Folgende Szene aus den „Armen Leuten“ ist aber auch nicht schlecht (die gute Warwara verdient ihr weniges Geld durch Handarbeits-Aufträge – es wäre ihr ein Leichtes gewesen, dem jämmerlich ausstaffierten Makar zumindest die Knöpfe bei einem seiner Besuche anzunähen):

 

„Liebste Warwara Alexejewna!

Ich schreibe Ihnen ganz außer mir. Ein seltsames Ereignis hat mich in die größte Aufregung versetzt. Der Kopf ist mir ganz schwindlig. Ich habe ein Gefühl, als drehe sich alles um mich herum. Ach, meine Beste, was ich Ihnen jetzt erzählen werde! Daß so etwas kommen würde, haben wir doch nicht geahnt. Oder vielmehr, ich glaube doch, daß ich es geahnt habe; ich habe das alles geahnt. Mein Herz hat das alles vorausgefühlt. Ich habe erst neulich etwas Ähnliches geträumt.

Was sich zugetragen hat, ist folgendes. Ich werde es Ihnen ohne Stil erzählen, so wie Gott es mir in die Seele legt. Ich ging heute zum Dienst. Ich kam hin, setzte mich auf meinen Platz und fing an zu schreiben. Sie müssen aber wissen, liebes Kind, daß ich auch gestern geschrieben habe. Na, also gestern trat Timofej Iwanowitsch zu mir heran und gab mir persönlich einen Auftrag: »Hier ist ein wichtiges, eiliges Aktenstück«, sagte er. »Schreiben Sie es ab, Makar Alexejewitsch, recht sauber, recht schnell und recht sorgfältig; es geht heute zur Unterschrift.« Ich muß Ihnen bemerken, mein Engelchen, daß ich gestern den ganzen Tag über nicht wußte, wo mir der Kopf stand, und nichts ansehen mochte; es hatte mich eine solche Traurigkeit, ein solcher Gram überkommen! Im Herzen fühlte ich eine solche Kälte, und in meiner Seele war es dunkel; ich mußte immerzu an Sie denken, mein armes Sternchen. Na also, ich machte mich an die Abschrift. Ich schrieb sauber und schön; nur (ich weiß nicht, wie ich es Ihnen genauer erklären soll, ob mich der Böse selbst konfus machte, oder ob es durch einen geheimen Schicksalsbeschluß so vorherbestimmt war, oder ob es einfach so geschehen mußte), nur ließ ich eine ganze Zeile aus, so daß Gott weiß was für ein Sinn herauskam oder einfach Unsinn. Mit dem Aktenstück entstand gestern eine Verzögerung, und es wurde Seiner Exzellenz erst heute zur Unterschrift vorgelegt. Ich erscheine heute, als ob nichts geschehen wäre, zur gewöhnlichen Stunde und setze mich neben Jemeljan Iwanowitsch. Ich muß Ihnen bemerken, meine Beste, daß ich seit einiger Zeit angefangen habe, mich noch viel mehr zu genieren und zu schämen als früher. In der letzten Zeit habe ich überhaupt niemanden mehr angesehen. Sowie unter jemandem der Stuhl knarrt, bin ich mehr tot als lebendig. Ganz ebenso war es auch heute: Ich bückte mich über meine Arbeit, verhielt mich ganz still und saß wie ein Igel da, so daß Jefim Akimowitsch, ein solcher Spötter, wie es vor ihm keinen auf der Welt gegeben hat, laut, so daß alle es hörten, sagte: »Na, Makar Alexejewitsch, warum sitzen Sie denn wie ein betrübter Lohgerber da?« Und dabei schnitt er eine solche Grimasse, daß alle, die um ihn und mich herumsaßen, sich nur so schüttelten vor Lachen, und selbstverständlich auf meine Kosten. Und nun ging's los, nun ging's los! Ich hielt mir die Ohren zu, kniff die Augen zusammen und saß still da, ohne mich zu rühren. Ich pflege das so zu machen; dann hören sie am schnellsten auf. Auf einmal höre ich Lärm, Laufen, unruhige Bewegung; ich höre – täuschen mich auch nicht meine Ohren? man ruft mich, man verlangt nach mir; es wird gerufen: »Dewuschkin!« Das Herz in der Brust fing mir an zu zittern, und ich weiß selbst nicht, warum ich so erschrak; ich weiß nur, daß ich so erschrak, wie es mir in meinem Leben noch nie passiert war. Ich war an meinem Stuhl wie festgewachsen und tat, als wäre nichts geschehen, als wäre ich es gar nicht. Aber da wiederholte sich das Rufen näher und näher. Jetzt wurde schon dicht hinter meinem Ohre gerufen: »Dewuschkin! Dewuschkin! Wo ist Dewuschkin?« Ich blicke auf; da steht Jewstafi Iwanowitsch vor mir und sagt: »Makar Alexejewitsch, zu Seiner Exzellenz, schnell! Sie haben mit dem Aktenstück ein schönes Unheil angerichtet!« Weiter sagte er nichts; aber das war auch schon genug gesagt, nicht wahr, liebes Kind, das war genug gesagt? Ich war wie tot, wurde eiskalt, verlor das Gefühl; ich ging – na, ich begab mich hin mehr tot als lebendig. Man führte mich durch ein Zimmer, durch ein zweites Zimmer, durch ein drittes Zimmer, in das Arbeitszimmer – da stand ich nun! Zuverlässige Rechenschaft über das, was ich in diesem Augenblicke dachte, kann ich Ihnen nicht geben. Ich sah, daß Seine Exzellenz dastanden und um Dieselben herum all die andern. Ich glaube, ich habe keine Verbeugung gemacht; ich hatte das vergessen. Ich war in einer solchen Angst, daß mir die Lippen und die Beine zitterten. Und dazu hatte ich auch allen Grund, liebes Kind. Erstens schämte ich mich; ich warf so ganz zufällig einen Blick nach rechts in einen Spiegel, und das, was ich da erblickte, konnte mich sehr wohl um den Verstand bringen. Und zweitens hatte ich mich immer so benommen, als ob ich überhaupt nicht auf der Welt wäre, so daß Seine Exzellenz kaum von meiner Existenz wissen mochten. Vielleicht hatten Dieselben so beiläufig einmal gehört, daß in ihrem Ressort ein gewisser Dewuschkin vorhanden sei; aber in nähere Beziehung waren Dieselben zu mir nicht getreten.

Seine Exzellenz begannen zornig: »Was haben Sie da gemacht, mein Herr? Warum haben Sie nicht aufgepaßt? Das ist ein wichtiges Aktenstück, das Eile verlangt, und Sie verderben es. Was sagen Sie dazu?« Hier wandten sich Seine Exzellenz zu Jewstafi Iwanowitsch. Ich hörte nur einzelne Worte, die an mein Ohr schlugen: »Nachlässigkeit! Unachtsamkeit! Sie bringen uns in Unannehmlichkeiten!« Ich wollte den Mund öffnen, um etwas zu sagen. Ich wollte um Verzeihung bitten; aber ich konnte es nicht; ich wollte davonlaufen; aber ich wagte es nicht; und nun, nun, liebes Kind, begab sich etwas Derartiges, daß ich auch jetzt noch vor Beschämung kaum die Feder halten kann. Einer meiner Rockknöpfe (hol ihn der Teufel!), ein Knopf, der nur an einem Faden hing, riß auf einmal ab, fiel herunter (ich hatte offenbar unversehens daran gestreift), machte klappernd ein paar Sprünge, kam ins Rollen und rollte geradeswegs (so ein verfluchtes Ding!) zu den Füßen Seiner Exzellenz hin, und das alles inmitten des allgemeinen Schweigens! Das war meine ganze Rechtfertigung, meine ganze Entschuldigung, meine ganze Antwort, alles, was ich Seiner Exzellenz hatte erwidern wollen! Die Folgen waren schrecklich. Seine Exzellenz wandten sofort ihre Aufmerksamkeit meiner Gestalt und meinem Anzuge zu. Ich dachte an das, was ich im Spiegel gesehen hatte, und stürzte auf den Knopf zu, um ihn zu haschen! Das war ein dummer Einfall von mir! Ich bückte mich und wollte den Knopf greifen; aber er rollte weiter und drehte sich und ließ sich nicht fassen; kurz, auch im Punkte der Geschicklichkeit blamierte ich mich. Da hatte ich das Gefühl, daß auch meine letzten Kräfte mich verließen und jetzt alles, alles verloren war! Mein ganzes Renommee war verloren, der ganze Mensch zugrunde gegangen! Und in beiden Ohren hörte ich merkwürdigerweise die Stimmen Teresas und Faldonis und Glockenläuten. Endlich erwischte ich den Knopf, erhob mich, machte Front und hätte nun wenigstens ruhig dastehen sollen, mit den Händen an der Hosennaht! Aber nein. Ich begann, den Knopf an die zerrissenen Fäden heranzuhalten, als ob er dadurch haften bleiben würde, und lächelte noch dazu; ja, ich lächelte noch. Seine Exzellenz hatten sich zuerst abgewandt; dann blickten Dieselben wieder nach mir hin, und ich hörte, wie Seine Exzellenz zu Jewstafi Iwanowitsch sagten: »Was stellt das vor? Sehen Sie nur, in welchem Zustande er sich befindet! Wie sieht er aus? Was hat er nur?« Ach, meine Beste, was war da viel zu fragen: »Wie sieht er aus, und was hat er nur?« Ich hatte mich blamiert! Ich hörte, wie Jewstafi Iwanowitsch sagte: »Nicht zu tadeln gewesen, in keiner Hinsicht zu tadeln gewesen, musterhafte Führung, ausreichendes, etatsmäßiges Gehalt . . .« »Na, greifen Sie ihm ein bißchen unter die Arme«, sagten Seine Exzellenz; »geben Sie ihm einen Vorschuß . . .« »Vorschuß hat er schon genommen«, wurde erwidert; »er hat schon für längere Zeit Vorschuß erhalten. Seine Verhältnisse sind offenbar recht schlecht; aber er hat sich gut geführt und hat sich keinen Tadel zugezogen, niemals.« Mir war glühend heiß, mein Engelchen; ich brannte wie im höllischen Feuer! Ich war nahe daran, zu sterben! »Na«, sagten Seine Exzellenz laut, »dann müssen wir es so schnell wie möglich noch einmal abschreiben lassen; Dewuschkin, kommen Sie einmal hierher; schreiben Sie es noch einmal ohne Fehler ab; aber hören Sie . . .« hier wandten sich Seine Exzellenz an die übrigen, erteilten ihnen verschiedene Aufträge, und alle verließen das Zimmer. Sowie sie hinausgegangen waren, zogen Seine Exzellenz eilig ihre Brieftasche heraus und entnahmen ihr einen Hundertrubelschein. »Da!« sagten Seine Exzellenz; »soweit es in meinen Kräften steht; halten Sie es, wofür Sie wollen; nehmen Sie . . .« und damit schoben Dieselben mir die Banknote in die Hand. Ich fuhr zusammen, mein Engelchen; meine ganze Seele war in ihrer tiefsten Tiefe erschüttert; ich weiß nicht, wie mir wurde; ich wollte die Hand Seiner Exzellenz ergreifen, um sie zu küssen. Aber Seine Exzellenz wurden ganz rot, mein Täubchen, und (ich weiche hier auch nicht um ein Haarbreit von der Wahrheit ab, meine Beste) Dieselben ergriffen meine unwürdige Hand und schüttelten sie, gerade wie wenn ich ihresgleichen, ein ebensolcher General wäre. »Gehen Sie«, sagten Seine Exzellenz; »soweit es in meinen Kräften steht . . . Machen Sie keine Fehler; wir wollen uns in den Schaden teilen.«“

https://www.projekt-gutenberg.org/dostojew/armeleut/chap005.html

 

Fjodor Dostojewski zeichnet ein realistisches Bild der „armen Leute“. Dazu gehört dankenswerterweise, dass er diese nicht durchgängig als „gut“ beschreibt. Wenn es einem Menschen materiell schlechter geht, wird er von seinesgleichen auch schlechter behandelt; hat er auf einmal viel Geld, wird er aber sehr freundlich behandelt.

Da der „Held“ der Geschichte „ausreichendes, etatsmäßiges Gehalt“ bezieht und „schon für längere Zeit Vorschuß erhalten“ hat, scheint das Problem nicht das Einkommen zu sein, sondern unnötige Ausgaben (unter anderem Alkohol für sich und leichtsinnige Geschenke an die „Geliebte“).

Fjodor Dostojewski beschreibt die soziale Situation sehr gut – aber er war nie ein Sozial-Revolutionär („Arme Leute“ erschien vor seiner Schein-Hinrichtung): auch in anderen Romanen wie in „Herr Prochartschin“ sind nicht die Verhältnisse an der Situation schuld, sondern die Betroffenen selbst. Folgerichtig sind diese sehr autoritäts-gläubig und in keinster Weise kämpferisch. Um ihrem materiellen Elend zu entfliehen, bringt es Warwara sogar fertig, ihren ehemaligen Vergewaltiger zu heiraten. Symbolisch für den Roman und symbolisch für Fjodor Dostojewski.

 

„Der Spieler“

 

Hanjo Kesting: „Den Roman "Der Spieler", das kleine Meisterwerk, das gleich nach "Verbrechen und Strafe" geschrieben wurde, schrieb Dostojewski 1867 gleichsam auf Messers Schneide, in größter materieller Not und persönlicher Bedrängnis. Denn nachdem Dostojewski alle Rechte an seinen Büchern, den früheren wie den künftigen, verpfändet hatte, blieben ihm nur knapp vier Wochen für die Niederschrift des Buches. Und er behandelte ein Thema, das sein Leben zehn Jahre lang wie eine Obsession beherrscht hat, nämlich die Spielsucht.

Der Roman spielt in einem fiktiven deutschen Ort mit Namen Roulettenburg, der Ich-Erzähler - er heißt Alexej Iwanowitsch - ist Hauslehrer einer russischen Generalsfamilie, die sich in einem vornehmen Hotel einquartiert hat. Obwohl man kein Geld hat, lebt man auf großem Fuß, in täglicher Erwartung einer üppigen Erbschaft. Unentwegt werden Telegramme nach Moskau gesandt mit der Frage nach dem Gesundheitszustand einer reichen Erbtante - dahinter spürt man nackte Verzweiflung. Alexej Iwanowitsch, der Hauslehrer, liebt Polina, die Tochter des Generals, ohne zu wissen, ob sie seine Gefühle erwidert. Und er soll ihr am Spieltisch das dringend benötigte Geld verschaffen.

Bevor Alexej Iwanowitsch den ersten Einsatz wagt, wird die Atmosphäre des Spielsaals und das Milieu der Spieler aufs Genaueste beschrieben. Über mehrere Seiten hinweg entwickelt Dostojewski eine Typologie der Glücksspieler, an ihrer Spitze die Spieler aus Leidenschaft, die dem Glücksspiel verfallen sind. Alexej Iwanowitsch versucht sich zum ersten Mal im Glücksspiel, und dass er es nach dem ersten Gewinn vorzeitig beenden kann, zeigt, dass er noch nicht ganz von der Faszination des Spiels erfasst ist. Wie so viele männlichen Helden Dostojewskis erniedrigt er sich vor der geliebten Frau und verwandelt die Demütigung zuletzt in Aggression. Sein Verhältnis zu Polina enthält viel Zündstoff aus den verborgenen Zonen der menschlichen Seele, der jederzeit zur Entladung kommen kann.

Dann erscheint unerwartet die reiche Erbtante auf der Bildfläche, keineswegs dem Tode nah, sondern quicklebendig, und verspielt fast ihr ganzes beträchtliches Vermögen. So nimmt die Katastrophe ihren Lauf, besonders für jene, die auf die Erbschaft ihre Hoffnung gesetzt hatten. Alexej Iwanowitsch sucht noch einmal den Spielsalon auf, um sich und Polina zu retten, und noch einmal erlebt man ihn als Spieler in seinem Rausch und Selbstbetrug. Der Gewinn verleiht ihm ein so unwiderstehliches Machtgefühl, dass er sich als Herr seines Schicksals sieht. Polina, derentwegen er den Spielsaal aufgesucht hat, ist in diesem Augenblick längst vergessen. Als er ihr den Gewinn überbringt, weigert sie sich, das Geld anzunehmen und schleudert es ihm ins Gesicht. Und so hat Alexej um des Glücksspiels willen auch sein Liebesglück verspielt. Danach zieht er von Kasino zu Kasino, rettungslos der Spielsucht verfallen.

Man hat in Dostojewskis Büchern zuweilen künstlerische Mängel gefunden, aber das gilt nicht für den Roman "Der Spieler", der trotz seiner raschen, fast improvisierten Entstehung sorgfältig komponiert ist und mit der Episode der Erbtante einen tragikomischen Höhepunkt erreicht. Oft ist bemerkt worden, dass Dostojewski ein verkappter Dramatiker ist, der die Charaktere im Gespräch entfaltet, und zwar mit einer unerhörten intellektuellen Intensität und einem psychologischen Realismus, mit dem er tief in die Abgründe der Menschen hineinleuchtet. Mit Recht hat man von Ideenromanen gesprochen. Der kleine Roman "Der Spieler" ist in diesem Reigen der großen Ideenromane ein beinahe heiteres Intermezzo.“

https://www.ndr.de/kultur/buch/Fjodor-Dostojewski-und-die-Abgruende-der-Menschen,weltliteratur162.html

 

Zum Lesen: https://www.projekt-gutenberg.org/dostojew/spieler/chap01.html

 

Aus „Wikipedia“: „Der hoch verschuldete russische General wartet in Roulettenburg im Kreis seiner Familie, einiger Bekannter und Gläubiger auf die Nachricht, dass die reiche Erbtante das Zeitliche segnet und er sie beerben kann. Dies ist seine einzige Chance, die Schulden bei dem arroganten Franzosen de (auch: des) Grieux, dem Kavalier von Polina, der Stieftochter des Generals, zu begleichen. Gleichzeitig würde dieser Geldschub eine Hochzeit zwischen dem General und der ebenfalls nicht unbemittelten Mademoiselle Blanche begünstigen, in die der deutlich ältere General hoffnungslos verliebt ist. Der Hauslehrer des Generals, der Ich-Erzähler Aleksej Iwanowitsch, beobachtet die Intrigen des Franzosen, der sich mit Blanche insgeheim verbündet hat, und buhlt mit ihm um die Gunst von Polina, in die er unsterblich verliebt ist. Sie jedoch nutzt ihn aus, verspottet ihn und straft ihn mit Verachtung.

Plötzlich erscheint statt des erhofften Telegramms vom Tod der Erbtante die resolute Matriarchin selbst auf der Bildfläche. Interessiert am Roulette lässt sie alle Beteiligten ihre Gefühle und Gedanken der Sachlage gegenüber unverhohlen wissen: Der General wird kein Geld von ihr erhalten. Im Gegenteil – weist sie doch ihre ganze Umgebung, besonders ihre Familie, durch ihren unbedingten Herrschaftsanspruch in die Schranken.

Ein paar Tage später ist die Katastrophe komplett: Die Tante hat ein großes Vermögen beim Roulette verspielt und fährt wieder nach Moskau zurück. De Grieux verlässt Polina, Mademoiselle Blanche interessiert sich nicht mehr für den General, der inzwischen, nachdem er Tag für Tag das Verschwinden seines Erbes mit ansehen musste, kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht.

Nun bekennt Polina Aleksej ihre Liebe, der daraufhin sofort zum Casino geht, um das Geld für die Schulden bei de Grieux zu beschaffen. Nachdem ihm dies auch tatsächlich gelungen ist, erkennen Polina und er jedoch, dass sich seine Liebe für sie in Spielsucht verwandelt hat, da ihn der überraschende Gewinn von 100.000 Florins bei Roulette und Trente et quarante vollends dem Spieltrieb und der Gewinnsucht anheimfallen lässt. Polina flüchtet zu Mr Astley, einem kühlen, zurückhaltenden Engländer, der sich ihrer annimmt. Auch zu ihm hat Aleksej eine freundschaftliche Beziehung, die jedoch nicht ins Vertrauliche geht und somit durch Polinas Verbitterung Schaden davonträgt.

Letztendlich zieht Aleksej mit Mademoiselle Blanche nach Paris. Sie behandelt ihn wie ein Schoßtier; eine Behandlung, die auch dem General zuteilwird, nachdem er nachgereist und in Paris eingetroffen ist. Nachdem die Französin die 100.000 Florins mit Prunk und Luxus durchgebracht hat, unter anderem auch durch eine Hochzeit (nur um des Titels willen) mit dem in der Zwischenzeit in den Stumpfsinn abgerutschten General, verlässt Aleksej verarmt Paris und schlägt sich als Lakai in Homburg und Baden-Baden durch. Sobald er Geld verdient hat, trägt er es zum Roulette. Selbst die Nachricht von Mr Astley, dass Polina ihn wirklich liebt, kann ihn nicht von seiner Spielsucht losreißen, die ihn mittlerweile vollkommen erfüllt.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Spieler

 

Glücklicherweise war das Glücksspiel in Russland verboten und so konnte Fjodor Dostojewski sein Geld nur dann verspielen, wenn er im Ausland war. In der Tat ist es nicht auszuhalten mit dem Kerl: er versetzt alles bis hin zu den Eheringen und den Kleidern seiner Frau, will Geld für die Zugfahrt nach Hause, um dieses wieder zu verspielen. Er kann mit Geld nicht umgehen. Wenn er mal welches hat, verschenkt oder verfeiert er es gleich wieder; erst als seine Frau Anna nach und nach die Finanzen in die Hand nimmt und beide wieder in Russland sind, läuft alles in geordneten Bahnen.

Beim „Spieler“ wird von der Kritik gerne vernachlässigt, dass es eigentlich um Russen fernab von Russland und Westeuropäer geht.

Andreas Guski in „Dostojewskij – Eine Biographie: „Einem genuin russischen Typus wie der warmherzigen Moskauer Babuschka, die mit hoher Bugwelle durchs Leben rauscht, stehen schlitzohrige Franzosen wie Mlle. Blanche und de Grillet, dümmliche Deutsche wie der Baron Wurmerhelm und assimilierte Auslandsrussen wie der General gegenüber.“

Nicht zu vergessen ein unterkühlter, rational denkender Engländer.

 

Über Russen und andere

 

„Als der Franzose von meinem Spielverlust hörte, bemerkte er, zu mir gewendet, in scharfem und geradezu boshaftem Ton, ich hätte verständiger sein sollen. Ich weiß nicht, weshalb er noch hinzufügte, es spielten zwar viele Russen, nach seiner Meinung verständen die Russen aber gar nicht zu spielen.

»Aber nach meiner Meinung«, sagte ich, »ist das Roulett geradezu für die Russen erfunden.«

Und als der Franzose über meine Antwort geringschätzig lächelte, bemerkte ich ihm, die Wahrheit sei entschieden auf meiner Seite; denn wenn ich von der Neigung der Russen zum Spiel spräche, so sei das weit mehr ein Tadel als ein Lob, und deshalb könne man es mir glauben.

»Worauf gründen Sie denn Ihre Meinung?« fragte der Franzose.

»Meine Begründung ist folgende. In den Katechismus der Tugenden und Vorzüge, der im zivilisierten westlichen Europa gilt, hat infolge der historischen Entwicklung auch die Fähigkeit, Kapitalien zu erwerben, Aufnahme gefunden, ja sie bildet darin beinahe das wichtigste Hauptstück. Aber der Russe ist nicht nur unfähig, Kapitalien zu erwerben, sondern er vergeudet sie auch, wenn er sie besitzt, in ganz sinnloser und unverständiger Weise. Dennoch«, fuhr ich fort, »brauchen auch wir Russen Geld, und infolgedessen greifen wir mit freudiger Gier nach solchen Mitteln wie das Roulett, wo man in der Zeit von zwei Stunden, ohne sich anzustrengen, reich werden kann. Das hat für uns einen großen Reiz; und da wir nun unbedachtsam und ohne rechte Bemühung spielen, so ruinieren wir uns durch das Spiel völlig.«

»Daran ist etwas Wahres«, bemerkte der Franzose selbstzufrieden.

»Nein, das ist nicht wahr, und Sie sollten sich schämen, so über Ihr Vaterland zu reden«, sagte der General in strengem, nachdrücklichem Ton.

»Aber ich bitte Sie«, antwortete ich ihm, »es ist ja noch nicht ausgemacht, was garstiger ist: das russische wüste Wesen oder die deutsche Art, durch ehrliche Arbeit Geld zusammenzubringen.«

»Was für ein sinnloser Gedanke!« rief der General.

»Ein echt russischer Gedanke!« rief der Franzose.

Ich lachte; ich hatte die größte Lust, sie beide ein bißchen zu reizen.

»Ich meinerseits«, sagte ich, »möchte lieber mein ganzes Leben lang mit den Kirgisen als Nomade umherziehen und mein Zelt mit mir führen, als das deutsche Idol anbeten.«

»Was für ein Idol?« fragte der General, der schon anfing, ernstlich böse zu werden.

»Die deutsche Art, Reichtümer zusammenzuscharren. Ich bin noch nicht lange hier; aber was ich bemerkt und beobachtet habe, erregt mein tatarisches Blut. Bei Gott, solche Tugenden wünsche ich mir nicht! Ich bin hier gestern zehn Werst weit umhergegangen: es ist ganz ebenso wie in den moralischen deutschen Bilderbüchern. Überall, in jedem Hause, gibt es hier einen Hausvater, der furchtbar tugendhaft und außerordentlich redlich ist, schon so redlich, daß man sich fürchten muß, ihm näherzutreten. Ich kann solche redlichen Leute nicht ausstehen, denen näherzutreten man sich fürchten muß. Jeder derartige Hausvater hat eine Familie, und abends lesen alle einander laut belehrende Bücher vor. Über dem Häuschen rauschen Ulmen und Kastanien. Sonnenuntergang, auf dem Dach ein Storch, alles höchst rührend und poetisch . . . Werden Sie nur nicht böse, General; lassen Sie mich nur von solchen rührsamen Dingen reden! Ich erinnere mich aus meiner eigenen Kindheit, wie mein seliger Vater ebenfalls unter den Lindenbäumen im Vorgärtchen abends mir und meiner Mutter solche Büchelchen vorlas; ich habe daher über dergleichen selbst ein richtiges Urteil. Nun also, so lebt hier jede solche Familie beim Hausvater in vollständiger Knechtschaft und Untertänigkeit. Alle arbeiten wie die Ochsen, und alle scharren Geld zusammen wie die Juden. Gesetzt, ein Vater hat schon eine bestimmte Menge Gulden zusammengebracht und beabsichtigt, dem ältesten Sohn sein Geschäft oder sein Stückchen Land zu übergeben; dann erhält aus diesem Grunde die Tochter keine Mitgift und muß eine alte Jungfer werden, und den jüngeren Sohn verkaufen sie als Knecht oder als Soldaten und schlagen den Erlös zum Familienkapital. Wirklich, so geht das hier zu; ich habe mich erkundigt. All das geschieht nur aus Redlichkeit, aus übertriebener Redlichkeit, dergestalt, daß auch der jüngere, verkaufte Sohn glaubt, man habe ihn nur aus Redlichkeit verkauft; und das ist doch ein idealer Zustand, wenn das Opfer selbst sich darüber freut, daß es zum Schlachten geführt wird. Und nun weiter. Auch der ältere Sohn hat es nicht leicht: da hat er so eine Amalia, mit der er herzenseins ist; aber heiraten kann er sie nicht, weil noch nicht genug Gulden zusammengescharrt sind. Nun warten sie gleichfalls treu und sittsam und gehen mit einem Lächeln zur Schlachtbank. Amalias Wangen fallen schon ein, und sie trocknet zusammen. Endlich, nach etwa zwanzig Jahren, hat das Vermögen die gewünschte Höhe erreicht; die richtige Anzahl von Gulden ist auf redliche, tugendhafte Weise erworben. Der Vater segnet seinen vierzigjährigen ältesten Sohn und die fünfunddreißigjährige Amalia mit der eingetrockneten Brust und der roten Nase. Dabei weint er, hält eine moralische Ansprache und stirbt. Der Älteste verwandelt sich nun selbst in einen tugendhaften Vater, und es beginnt wieder dieselbe Geschichte von vorn. Nach etwa fünfzig oder siebzig Jahren besitzt der Enkel des ersten Vaters wirklich schon ein ansehnliches Kapital und übergibt es seinem Sohn, dieser dem seinigen, der wieder dem seinigen, und nach fünf oder sechs Generationen ist das Resultat so ein Baron Rothschild oder Hoppe & Co. oder etwas Ähnliches. Nun, ist das nicht ein erhebendes Schauspiel: hundert- oder zweihundertjährige sich vererbende Arbeit, Geduld, Klugheit, Redlichkeit, Charakterfestigkeit, Ausdauer, Sparsamkeit, der Storch auf dem Dach! Was wollen Sie noch weiter? Etwas Höheres als dies gibt es ja nicht, und in dieser Überzeugung sitzen die Deutschen selbst über die ganze Welt zu Gericht, und wer da schuldig befunden wird, das heißt ihnen irgendwie unähnlich ist, über den fällen sie sofort ein Verdammungsurteil. Also, wovon wir sprachen: ich ziehe es vor, auf russische Manier ein ausschweifendes Leben zu führen oder meine Vermögensverhältnisse beim Roulett aufzubessern; ich will nicht nach fünf Generationen Hoppe & Co. sein. Geld brauche ich für mich selbst; ich bin mir Selbstzweck und nicht nur ein zur Kapitalbeschaffung notwendiger Apparat. Ich weiß, daß ich viel törichtes Zeug zusammengeredet habe; aber wenn auch, das ist nun einmal meine Überzeugung.«“

https://www.projekt-gutenberg.org/dostojew/spieler/chap04.html

„Mitunter sind die Russen im Ausland gar zu feige und haben eine schreckliche Angst davor, was die Leute von ihnen sagen könnten, und wofür man sie ansehen werde, und ob auch dies und das anständig sei. Mit einem Wort, sie benehmen sich, als ob sie ein Korsett trügen, namentlich diejenigen, die den Anspruch erheben, etwas vorzustellen. Am liebsten befolgen sie sklavisch irgendein vorgeschriebenes, ein für allemal festgesetztes Schema: in den Hotels, auf den Spaziergängen, in den Gesellschaften, auf der Reise …“

https://www.projekt-gutenberg.org/dostojew/spieler/chap06.html

„… Er will zum Zwecke wissenschaftlicher Untersuchungen nach dem Nordpol fahren und hat mich eingeladen mitzukommen, hahaha! Er sagt, daß wir Russen ohne die Westeuropäer nichts verständen und nichts leisten könnten …“

https://www.projekt-gutenberg.org/dostojew/spieler/chap15.html

„»Du bist ein verständiger, guter Mensch«, sagte sie in der letzten Zeit manchmal zu mir, »und … und … es ist nur schade, daß du so dumm bist! Du wirst nie ordentlich Geld verdienen. Un vrai Russe, un calmouk!«“

https://www.projekt-gutenberg.org/dostojew/spieler/chap16.html

„»Sonderbar; von meinen russischen Landsleuten war ich niemandem bekannt, und die Russen lassen sich hier auch wohl kaum darauf ein, einen Landsmann aus dem Schuldgefängnis loszukaufen; das kommt wohl bei uns in Rußland vor; da erweist wohl ein Rechtgläubiger einem Glaubensgenossen eine solche Liebe. Darum hatte ich mir gedacht, es hätte es irgend so ein Kauz von Engländer aus Lust am Sonderbaren getan.«

Mister Astley hörte mich einigermaßen verwundert an. Er hatte wohl gedacht, mich in trüber, niedergedrückter Stimmung zu finden.

»Nun, ich freue mich sehr zu sehen, daß Sie sich Ihre ganze seelische Festigkeit, ja Heiterkeit bewahrt haben«, sagte er mit ziemlich unzufriedener Miene.

»Das heißt, innerlich knirschen Sie vor Ärger darüber, daß ich nicht geknickt und niedergeschlagen bin«, sagte ich lachend.

Er verstand nicht gleich; aber als er es dann verstanden hatte, lächelte er.

»Ihre Bemerkung gefällt mir. Ich erkenne in diesen Worten meinen früheren verständigen, idealgesinnten und dabei zugleich zynischen Freund wieder; nur die Russen bringen es fertig, solche Gegensätze in sich gleichzeitig zu vereinigen. In der Tat, der Mensch sieht gern auch seinen besten Freund im Zustand der Erniedrigung vor sich; die Freundschaft basiert größtenteils auf der Erniedrigung des einen und der Überlegenheit des andern; das ist eine alte, allen klugen Leuten bekannte Wahrheit …

Sie haben sich selbst zugrunde gerichtet. Sie besaßen einige Fähigkeiten und einen lebhaften Charakter und waren kein schlechter Mensch; Sie hätten sogar Ihrem Vaterland nützlich sein können, das an tüchtigen Männern wahrlich keinen Überfluß hat; aber – Sie werden hierbleiben, und Ihr Leben ist abgeschlossen. Ich mache Ihnen keine Vorwürfe. Meiner Ansicht nach sind alle Russen von dieser Art, oder sie neigen wenigstens dazu. Ist es nicht das Roulett, so ist es etwas anderes, dem Ähnliches. Ausnahmen sind nur sehr selten. Sie sind nicht der erste, der kein Verständnis dafür hat, was Arbeit bedeutet. (Ich rede nicht von den unteren Volksschichten in Ihrem Lande.) Das Roulett ist ein spezifisch russisches Spiel. Bisher waren Sie noch ehrenhaft und entschlossen sich lieber dazu, Bedienter zu werden, als zu stehlen . . . Aber es ist mir ein furchtbarer Gedanke, was noch in Zukunft alles geschehen kann.“

https://www.projekt-gutenberg.org/dostojew/spieler/chap17.html

 

„Aufzeichnungen aus dem Untergrund“

 

Aus „Wikipedia“: „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch, auch Aufzeichnungen aus dem Untergrund) ist ein kurzer Roman von Fjodor Dostojewski, der erstmals 1864 in der Zeitschrift Epocha erschien. Er zählt zu Dostojewskis bekanntesten Werken und gilt bei vielen als erster existentialistischer Roman.

Der Roman zerfällt in zwei stilistisch sehr unterschiedliche Teile: der erste ist essayistisch, der zweite erzählerisch angelegt und wurde gelegentlich als Novelle betrachtet. Hauptfigur und Ich-Erzähler ist ein etwa 40-jähriger ehemaliger Beamter, dessen Name nicht erwähnt wird. Über seine Lebenssituation wird nur bekannt, dass er den Dienst quittierte, alleine in einer Kellerwohnung am Rand von St. Petersburg lebt und seinen Lebensunterhalt aus einer bescheidenen Erbschaft bestreitet. Der erste Teil von Aufzeichnungen aus dem Kellerloch ist eine Niederschrift seiner Gedanken sowohl zur Gesellschaft, als auch zu seiner eigenen Person. Er beschreibt sich selbst als bösartig, verkommen und hässlich, aber hochgebildet; Hauptziel seiner polemischen und scharfen Analysen ist der „moderne Mensch“ und die von ihm geschaffene Gesellschaft, die er bitter und zynisch kommentiert und gegen die er Aggressionen und Rachsucht aufbaut. Seinen eigenen Verfall sieht er als natürlich und notwendig an. Obwohl er betont, die Aufzeichnung nur für sich selber zu verfassen, wendet der Erzähler sich wiederholt an ein nicht näher bezeichnetes Publikum, dessen Fragen er vorwegzunehmen versucht.

Im zweiten Teil erzählt er verschiedene, jeweils schon lange zurückliegende Episoden aus seinem Leben, die sein Scheitern auf beruflicher Ebene sowie im zwischenmenschlichen Bereich und in seinem Liebesleben exemplifizieren. Eine Episode beschreibt etwa ein Treffen mit alten Schulfreunden, die sich im Gegensatz zu ihm alle in gehobenen und abgesicherten Positionen befinden und ihm mit Herablassung begegnen. Seine Aggressionen richten sich daraufhin gegen ihn selbst und er bemüht sich, sich selbst noch weiter zu erniedrigen. Gleichzeitig lässt er sich an noch tiefer stehenden Menschen aus: Bei der mittellosen Prostituierten Lisa inszeniert er sich als möglicher Retter, um sie gerade in dem Moment, als sie durch ihn Hoffnung zu schöpfen beginnt, mit vielen Selbstvorwürfen zurückzuweisen. Dostojewski selbst fügte den Aufzeichnungen einen kurzen Kommentar bei, der darauf hinweist, dass Figuren und Handlung zwar erfunden seien, bei den Zuständen der zeitgenössischen Gesellschaft jedoch nicht nur möglich, sondern sogar unausbleiblich seien …

Die Aufzeichnungen aus dem Kellerloch wurden zunächst vor allem als psychologische Studie wahrgenommen. Zu ihren ersten Bewunderern zählte Friedrich Nietzsche, der das Werk als einen „wahre[n] Glücksgriff für die Psychologie“ bezeichnete und damit nachhaltig eine ausgiebige Rezeption im deutschsprachigen Raum auslöste. Für Nietzsche waren die Aufzeichnungen (die er in französischer Übersetzung las) die erste Begegnung mit Dostojewski. Außerdem wurden die Aufzeichnungen als Angriff auf Tschernyschewskis Roman Was tun? (erschienen 1863) wahrgenommen, der sich in optimistischer Weise mit den Möglichkeiten einer Gesellschaft aus idealistischen, progressiven Menschen beschäftigt und in ganz Europa zu dieser Zeit bei Sozialisten und Revolutionären außerordentlich populär war. Historischer Hintergrund hierfür war eine Fortschrittsgläubigkeit, die aus einflussreichen zeitgenössischen Errungenschaften auf dem Gebiet von Technik und Naturwissenschaften (etwa der Evolutionstheorie) gründete und auf soziale Vorgänge übertragen wurde. Diese Denkweise ist ein zentraler Angriffspunkt der zynischen Analysen des namenlosen Erzählers der Aufzeichnungen, was diese in der damaligen Zeit zumindest inopportun machte.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Aufzeichnungen_aus_dem_Kellerloch

 

Zum Lesen: https://pdfcoffee.com/aufzeichnungen-aus-dem-kellerloch-fjodor-dostojewski-1864-pdf-free.html

 

Es ist schon etwas nervig, diese Geschichte lesen zu müssen. Sie fängt folgendermaßen an (und geht mehr oder weniger in diesem Stil weiter):

„Ich bin ein kranker Mensch ... Ich bin ein böser Mensch. Ein abstoßender Mensch bin ich. Ich glaube, meine Leber ist krank. Übrigens habe ich keinen blassen Dunst von meiner Krankheit und weiß gar nicht mit Sicherheit, was an mir krank ist. Für meine Gesundheit tue ich nichts und habe auch nie etwas dafür getan, obwohl ich vor der Medizin und den Ärzten alle Achtung habe. Zudem bin ich noch äußerst abergläubisch, so weit z.B., daß ich vor der Medizin alle Achtung habe. (Ich bin gebildet genug, um nicht abergläubisch zu sein, aber ich bin abergläubisch.) Nein, meine Herrschaften, wenn ich für meine Gesundheit nichts tue, so geschieht das nur aus Bosheit. Sie werden sicher nicht geneigt sein, das zu verstehen. Nun, meine Herrschaften, ich verstehe es aber. Ich kann Ihnen natürlich nicht klarmachen, wen ich mit meiner Bosheit ärgern will, ich weiß auch ganz genau, daß ich nicht einmal den Ärzten dadurch schaden kann, daß ich mich nicht von ihnen behandeln lasse; ich weiß am allerbesten, daß ich damit einzig und allein mir selbst schade und niemandem sonst.

Und dennoch, wenn ich nichts für meine Gesundheit tue, so geschieht es aus Bosheit, und ist die Leber krank, dann mag sie noch ärger krank werden! Ich lebe schon lange so – fast zwanzig Jahre. Jetzt bin ich vierzig. Früher habe ich gedient, jetzt aber diene ich nicht mehr. Ich war ein boshafter Beamter. Ich war grob und machte mir daraus ein Vergnügen.“

Nichtsdestotrotz sollte mensch sich mit Fjodor Dostojewskis Gedanken auseinandersetzen.

 

Die Geschichte endet nicht

 

Wer glaubt, dass er in einmaligen Zeiten lebt, täuscht sich. Bei allen Unterschieden gibt es im Vergleich zu Dostojewskis Zeiten vor allem in den westlichen Ländern sehr große Gemeinsamkeiten: enthemmter Wirtschafts-Liberalismus, Globalisierung, Werte-Verfall, Vergnügungs-Sucht. Zumindest bei denjenigen, die es sich leisten können. Was mensch auch immer davon halten mag – die Parallelen sind sehr interessant. Fjodor Dostojewskis Positionen muss mensch nicht teilen – aber seinen Tiefgang gegenüber der Oberflächlichkeit der geschilderten Gesellschaft sollte mensch anerkennen.

Andreas Guski: „Das Paris des Jahres 1862 aber ist kein magischer Ort mehr für ihn. Nicht nur weil es die Wiege derselben sozialistischen Ideen war, denen er inzwischen abgeschworen hat, sondern auch deshalb, weil es als Metropole des modernen Kapitalismus für eine Gesellschaftsform steht, die Dostojewskij genauso ablehnt wie den Sozialismus. Weit mehr noch als in den Romanen Balzacs erweist sich das Paris des Second Empire als „Quelle und Keim jener bourgeoisen Ordnung ... die jetzt die ganze Welt beherrscht“. Im Katechismus der siegreichen Bourgeoisie gilt als erste Regel, „dass Geld die höchste Tugend und Pflicht eines Menschen ist“. Was Dostojewskij wahrnimmt, ist das Paris des Georges-Eugéne Hausmann, der die französische Hauptstadt seit einem Jahrzehnt zu einer Bühne des Industriezeitalters und des Großbürgertums umformt. Es ist das Paris der Passagen, der großen Bahnhöfe und Boulevards, der Weltausstellungen und der Operette Jacques Offenbachs, dieser „ironischen Utopie einer dauerhaften Herrschaft des Kapitals“. Der ganze inszenierte Wohlstand, die Perfektion aller Einrichtungen des öffentlichen Raumes, der Komfort als höchstes Lebensprinzip - zumindest „für jene, die das Recht auf Komfort haben“ – bringen Dostojewskij zu dem spöttischen Resümee:

Was für eine Ordnung! Was für eine Vernünftigkeit! Was für wohlberechnete und auf Dauer gestellte Verhältnisse; wie abgesichert und vorliniiert alles ist; wie zufrieden alle sind; wie sehr sich alle davon zu überzeugen suchen, dass sie zufrieden und vollkommen glücklich sind ... und ... und an diesem Punkt sind sie stehengeblieben. Weiter voranschreiten kann man nicht.

Zum ersten Mal taucht hier das Bild vom Ende der Geschichte als einer in Dostojewskijs Kulturmodell zentralen Denkfigur auf. Damit ist kein positiver Abschluss der Geschichte gemeint wie in der Denktradition von Hegel bis Francis Fukuyama, sondern die Preisgabe der heilsgeschichtlichen Erwartungen des Christentums zugunsten einer auf Profit- und Lustmaximierung beschrankten Welt, die Dostojewskij mal als „irdisches Paradies“, mal als „Ameisenhaufen“, mal als „Turmbau zu Babel“ bezeichnet. Der einzige Entwicklungsschritt, der dieser Welt, in der sich alle Widersprüche in eine „Windstille der Ordnung“ aufzulösen scheinen, noch bevorsteht, ist ihre Verwandlung ins reine Idyll: „In der Tat, nur noch ein Weilchen, und Paris mit seinen anderthalb Millionen Einwohnern wird sich in ein in Windstille erstarrtes deutsches Universitätsstädtchen verwandeln, zum Beispiel in der Art Heidelbergs.“

Das von anderen Europareisenden des 19. Jahrhunderts in den höchsten Tönen gepriesene Heidelberg wäre demnach für eine Gesellschaft so etwas wie die Höchststrafe. Anders als der Rousseau-Schüler Lew Tolstoj verabscheut Dostojewskij die Idylle als steriles, lebensfernes, ja letztlich lebensfeindliches Gesellschaftsmodell. Die Idylle verdanke sich dem Rückzugsbedürfnis der Bourgeoisie aus der Stadt in grüne Oasen. Zugleich sei sie Resultat einer spezifisch bürgerlichen Besitzgier, die, mit Erich Fromm, nur das zu genießen erlaubt, was man hat, nicht aber das, was man ist:

Deshalb kauft der Bourgeois, wenn er sich vom Geschäftsleben zurückzieht, mit Vorliebe irgendwo ein Stück Land, baut sich ein eigenes Haus, legt einen eigenen Garten an, umgeben von seinem eigenen Zaun, mit eigenen Hühnern und eigener Kuh. Und auch wenn das alles nur in mikroskopischem Maßstab existiert, gleichviel - der Bourgeois schwelgt in kindlichstem, rührendstem Entzücken. „Mon arbre, mon mur“, versichert er unablässig sich selbst und jedem, den er zu sich einlädt, und wiederholt dies bis ans Ende seiner Tage. Denn auf eigenem Grund se rouler dans l‘herbe ist für ihn am allersüßesten.

Zur gallophoben Tradition der russischen Literatur des 18. Jahrhunderts gehört der Gemeinplatz, dass Paris ein Pfuhl der Sünde sei, zu dem man zwecks Ausbildung seines Verstandes als russisches Ferkel pilgere, um als voll ausgebildetes Schwein wieder nach Russland zurückzukehren. Dostojewskij kehrt diesen Topos um, indem er Paris zum Inbegriff der Ordnung, des Anstands und einer demonstrativen, wenn auch bigotten Tugend macht.

Die Schattenseite der bürgerlichen Ordnung offenbart sich ihm wenig später in London als eine Metropole der grandiosen Widersprüche. Auf der einen Seite Glanz und Glamour der City, die großen Bankhäuser und Handelskontore - auf der anderen Seite das Elend von Whitechapel und Haymarket, die freudlosen Vergnügungen der Masse, Verbrechen, rohe Gewalt, Alkoholismus, Prostitution und bitteres Elend. Mit wenigen Strichen gelingen Dostojewskij Bilder der englischen Hauptstadt, die an Eindrücklichkeit den London-Bildern eines Friedrich Engels oder Charles Dickens nicht nachstehen und als „machtigste zivilisationskritische Vision des 19. Jahrhunderts“ bezeichnet wurden:

Schon äußerlich was für ein Unterschied zu Paris! Diese Tag und Nacht ruhelose und wie ein Meer unermesslich große Stadt, dieses Pfeifen und Heulen der Maschinen, diese über die Häuser (und bald auch unter ihnen) hinwegjagenden Züge, dieser kühne Unternehmergeist, diese scheinbare Unordnung, die letztlich eine bürgerliche Ordnung auf höchster Stufe ist, diese vergiftete Themse, diese von Steinkohlebrand verpestete Luft, diese üppigen Squares und Parks, diese schrecklichen Ecken der Stadt wie Whitechapel mit seiner halbnackten, wilden und hungernden Bevölkerung, und die City mit ihren Millionen und dem Welthandel, der Kristallpalast, die Weltausstellung ... Ja, die Weltausstellung hat etwas Frappierendes. Man spürt die furchtbare Kraft, die diese zahllosen Menschen aus aller Herren Länder zu einer einzigen Herde zusammengetrieben hat; man erkennt darin einen titanischen Gedanken; man spürt, dass hier etwas schon an sein Ziel gekommen ist, ein Sieg errungen wurde, ein Triumph ... „Sollte dies tatsächlich das erreichte Ideal sein?“, denkt man sich. „Ist das nicht das Ende und tatsächlich die eine Herde?“ … Das erinnert an ein Bild aus der Bibel, etwas von Babylon, eine Prophezeiung aus der Apokalypse, die sich offensichtlich erfüllt hat. Und man spürt, dass es viel geistiger Gegenwehr und Verneinung bedarf, um standzuhalten und im Augenschein nicht zu erliegen, sich nicht vor der Tatsache zu beugen und Baal nicht zu vergöttern, also das Wirkliche nicht für das Ideal zu halten …

Dostojewski scharfer Blick erfasst, wie sehr gerade die Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts eine neue Epoche repräsentieren. Sie waren eine Selbstfeier des Industriezeitalters, auf der „ungebrochener Fortschrittsglaube die Aufbruchstimmung der Gründerzeit, die Hoffnungen auf die Segnungen der liberalen Wirtschaftsordnung - Freihandel und uneingeschränkter Wettbewerb - und grenzenloses Vertrauen in die Möglichkeiten von Technik und Industrie“ zueinander fanden.

Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, Prinzgemahl Königin Victorias und Spiritus Rector der Weltausstellung von 1851, hatte bei deren Eröffnung der Zuversicht Ausdruck verliehen, dass nunmehr „jenes große, von der Geschichte überall angedeutete Ziel“ in greifbare Nähe gerückt sei, „nämlich die Vereinigung des Menschengeschlechts“. Was Prinz Albert als nächstes Ziel der Geschichte begreift, ist für Dostojewskij die Schreckensvision vom gesichtslosen „universalen Allgemeinmenschen“. Der von der Weltausstellung auf den Horizont der Geschichte projizierten Kosmopolis fehlt der Boden, es fehlt das Volk. Nationalität ist nur noch ein bestimmtes Steuersystem, die Seele eine Tabula rasa, ein Stück Wachs, aus dem man im Handumdrehen einen richtigen Menschen formen kann, den universalen Allgemeinmenschen, einen Homunkulus, man braucht dazu nur die Früchte der europäischen Zivilisation anzuwenden und zwei, drei Bücher zu lesen.“

Die teils satirischen, teils apokalyptischen Bilder von Paris und London sollen den Landsleuten in der historischen Schwellensituation Russlands zu Beginn der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts eine Warnung vor Fehlentwicklungen sein, wie Westeuropa sie unter der Herrschaft der Bourgeoisie und des Kapitals unumkehrbar eingeschlagen hat. Als deren fatalste gilt Dostojewskij das Prinzip „Nach mir die Sintflut!“ (Après moi le déluge), das dem Brüderlichkeitspostulat der Französischen Revolution Hohn spricht und von dem auch Karl Marx wenig später erklären wird, „dies sei der Wahlspruch jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation“. Schon ganz in der Tradition des slawophilen Denkens, stellt er dem Individualismus des Westens auf russischer Seite ein „instinktives“, natürliches Bedürfnis nach Gemeinschaft, Eintracht und Brüderlichkeit gegenüber. Die hier nur skizzenhaft umrissene Kritik am Kapitalismus und bürgerlicher Gesellschaft, Fortschrittsglauben und moderner Konsumgesellschaft wird Dostojewskij im folgenden Werk immer weiter entfalten, vertiefen, variieren, zum Teil auch modifizieren. Insofern markieren nach der mit dem „Totenhaus“ abgeschlossenen „sibirischen Periode“ schon die in der Forschung als Reiseliteratur oft unterschätzen „Winteraufzeichnungen“ eine neue Phase in Dostojewskijs Schaffen.“

 

„Während in Europa, so der als „Paradoxist“ bezeichnete Autor, der Lebensraum der breiten Massen durch Städte und Fabriken geprägt sei und Kinder dort keinen angemessenen Platz mehr hätten, verfüge das ländlich geprägte Russland über hinreichend natürlichen Raum, um seinen Nachwuchs ein kindgerechtes Leben zu ermöglichen. Wie im „Spieler“ die Arkadische Gartenwelt der Babuschka der dekadenten Welt von „Roulettenburg“, so wird hier die russische Natur den denaturierten Räumen des Westens gegenübergestellt. Diesen fehle, worüber jene im Übermaß verfüge. Auch der westeuropäische Arbeiter brauche, um seelisch zu gesunden, „einen eigenen oder besser noch einen genossenschaftlichen Garten“ und die Gewissheit,

dass in diesem Garten seine Frau lebt, ein herrliches Weib, und keine Strassendirne, (seine Frau,) die ihn liebt und auf ihn wartet, und zusammen mit der Frau seine Kinder, die dort Pferdchen spielen und (im Gegensatz zu den „gavroches“ der Pariser Slums) alle ihre Väter kennen. Que Diable, jeder ordentliche und gesunde Knabe kommt mit einem Pferdchen zur Welt, und das sollte jeder ordentliche Vater wissen, wenn er glücklich sein will.

Mit der Anspielung auf die zerrütteten Familienverhältnisse der europäischen Unterklassen (Prostitution, vaterlose Kinder, „gavroches“) blendet Dostojewskij das Motiv der „zufälligen Familie“ ein. Sie ist die Umkehrversion seines eigenen Familienglücks und soll den Lesern die Folgen der in Europa längst vollzogenen Entfremdung vom „Mutterboden“ (potschwa) vor Augen führen. Diese Entfremdung kommt einem Urfrevel gleich, denn „die Erde, der Mutterboden hat etwas Sakramentales“.“

 

„Mit Wladimir Solowjow, einer zentralen Figur der russischen Philosophie jener Zeit, ist Dostojewskij seit 1873 bekannt. Schon als zwanzigjähriger Philosophiestudent der Universität Moskau hatte Solowjow dem von Dostojewskij redigierten Journal „Der Staatsbürger“ eine „Analyse der negativen Prinzipien der westlichen Entwicklung“ zum Druck angeboten. Ein Jahr später wurde daraus Solowjows berühmte Magisterarbeit „Die Krise der westlichen Philosophie (Gegen die Positivisten)“. Dostojewskij ist fasziniert von Solowjow, der sich, philosophisch weit besser geschlagen und mit ganz anderen Diskurstechniken am selben Problemkomplex abarbeitet wie er, nämlich der Verdrängung geistiger Werte durch materielle, der Vernachlässigung der Seele zugunsten leiblicher Genüsse, dem Verlust religiöser Bindungen und den Gegensatz zwischen östlicher und westlicher Spiritualität.“

 

Ende dieser Geschichte

 

Hanjo Kesting: „Als man das Werk Dostojewskis nach seinem Tod 1881 in ganz Europa zu lesen begann, löste es jenes Erdbeben des Geistes aus, das noch ein halbes Jahrhundert nachwirkte. "Von den großen Grenzüberschreitern der Literatur", schrieb etwa Stefan Zweig, "ist Dostojewski in unseren Tagen der größte gewesen…" Das galt vor allem für seine fünf großen späten Romane, in denen seine Erzählkunst in jene Kellerräume der Seele und Labyrinthe des Menschlichen vordringt, die er wie kein anderer Romanautor vorher und nachher erschlossen hat.“

https://www.ndr.de/kultur/buch/Fjodor-Dostojewski-und-die-Abgruende-der-Menschen,weltliteratur162.html

 

Fjodor Dostojewskis Werk ist zu groß und zu bedeutend, um es kurz und oberflächlich zu betrachten. Der Wurm nimmt sich die Zeit, um zu einem späteren Zeitpunkt zusammen mit Fjodor Dostojewski „in jene Kellerräume der Seele und Labyrinthe des Menschlichen vorzudringen, die er wie kein anderer Romanautor vorher und nachher erschlossen hat“.

 

„Spieler seines Lebens - F.M. Dostojewski: Immer wieder forderte er sein Schicksal am Spieltisch heraus. Ausgehend von der Entstehungsgeschichte des biografisch bedeutenden Romans "Der Spieler" wirft die Dokumentation Schlaglichter auf das bahnbrechende Werk und das bewegte Leben F.M. Dostojewskis, der im November 2021 seinen 200. Geburtstag feiert.

Alles oder nichts! Die Kugel rollt. Die Nerven liegen blank. Denn das gesamte Schicksal wird sich in dieser einzigen, alles verheißenden Sekunde entscheiden. Glück oder Vernichtung! Wie seine Hauptfigur im Roman „Der Spieler“ fordert auch der russische Schriftsteller Dostojewski sein Schicksal immer wieder heraus. Beim Roulette wie auch im Leben. Bei der Niederschrift des Romans „Der Spieler" setzt er seine Existenz aufs Spiel. Liefert er nicht fristgerecht, wird er die Rechte an seinem gesamten Werk verlieren. Am Ende bleiben Dostojewski gerade einmal 26 Tage, um den Roman zu schreiben. Schafft er es nicht, ist er ein Schriftsteller ohne Werk.

Anlässlich des 200. Geburtstages des russischen Dichters erzählt ARTE die bewegende Entstehungsgeschichte dieses stark autobiografisch gefärbten Romans als einen existenziellen Wettlauf gegen die Zeit. Der Film montiert Spielfilmszenen und dokumentarische Aufnahmen von Originalschauplätzen in Russland und Deutschland mit den Aussagen namhafter Experten und zeigt die Stationen eines so kompromisslosen wie dramatischen Lebensweges, dessen zentraler Wendepunkt direkt mit der Niederschrift des Spieler-Romans verbunden ist: Als Dostojewski glaubt, seine gesamte Zukunft verspielt zu haben, tritt der Mensch in sein Leben, der bis zu seinem Ende der wichtigste für ihn sein wird – die 20 Jahre jüngere Anna Snitkina. Als Stenotypistin hilft sie Dostojewski beim Schreiben des Romans, als Ehefrau spielt sie das Spiel seines Lebens mit. Anna begleitet Dostojewski an die Spieltische nach Deutschland, um am Ende völlig neue Spielregeln zu setzen.“

https://www.arte.tv/de/videos/098788-000-A/spieler-seines-lebens-f-m-dostojewski/

 

https://www.youtube.com/watch?v=BlfpO0WBDVI

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm

 

 

Das Böse verlachen

- Satire, Realsatire, ernst Gemeintes -

 

6. November – Wochenkommentar von Ferdinand Wegscheider

„Schuld sind die Ungeimpften!“ - Im neuen Wochenkommentar geht es heute um die steigende Zahl an Impfdurchbrüchen, die aber nicht besorgniserregend ist, denn schuld sind ohnehin die Ungeimpften. Und deshalb werden die jetzt endgültig ausgesperrt.

https://www.servustv.com/aktuelles/v/aa-28uc91j4d2111/

 

Angelas Tagebuch | Die Geheimnisse der Ex-Kanzlerin | Strippenzieher

https://de.rt.com/programme/strippenzieher/126695-angelas-tagebuch-geheimnisse-ex-kanzlerin/

 

Black Facing vs White Facing ..wer ist jetzt der Rassist ??

https://www.youtube.com/watch?v=TQH0wEUA3nA

 

Max am Alex 2021 11 02 V02

https://www.youtube.com/watch?v=7cJrJXnK3ro

 

ES IST NUR... IT'S JUST A...

https://www.bitchute.com/video/FbueD7UdSZSU/

 

COVID1984 ALARM - RISIKO/NUTZEN-ANALYSE/COVID1984 ALERT - RISK/BENEFIT ANALYSIS - COUNTERSPIN MEDIA

https://www.bitchute.com/video/Wi16jqzBr4MC/

 

LATEST (?) LET'S GO BRANDON MUSIC VIDEO

https://www.bitchute.com/video/8PtskNDrt1g2/

 

Steimles Aktuelle Kamera / Ausgabe 46 / Günther Zieschong (Danksagung)

https://www.youtube.com/watch?v=SFamvPEkp9Y

 

Rima-Spalter - Berset gegen Rima. Ein satirisches Interview.

https://www.youtube.com/watch?v=r72caYA200A

 

HallMack Wer trägt die Schuld?

https://www.frei3.de/post/10394f85-8b30-4222-8860-eac51ab58772

 

HallMack Geimpfte auf Sylt, Gourmet-Reise mit Folgen

https://www.frei3.de/post/d6552e4e-b6a2-469f-97d7-1360fa0717ba

 

HallMack Kardinal Marx ist krank

https://www.frei3.de/post/99d6a44a-98a1-43e2-b8db-64487b0fc185

 

HallMack Positiver Süle, Kimmich in Quarantäne

https://www.frei3.de/post/23154519-da45-4c70-9551-fbf31f4897c2