Die Welt trauert um Nelson Mandela, Südafrikas ehemaligen Präsidenten. Obwohl auch er die heute drängendsten Probleme des Landes nicht lösen konnte (sehr unterschiedliche Verteilung des Eigentums, sehr hohe Kriminalität, sehr hohe AIDS-Rate, immer stärker werdende Korruption, praktisch eine Ein-Parteien-Diktatur), ist es sein Verdienst, dass Südafrika nach dem Ende der Apartheid nicht in blutige Unruhen bzw. einen Bürgerkrieg stürzte.

Der 1918 geborene Nelson war schon in seiner frühen Studentenzeit politisch im gewaltlosen Widerstand gegen das weisse Apartheid-Regime aktiv, bis er angesichts der Brutalität des Staatsapparates zur Überzeugung kam, dass nur gewaltiger Widerstand Nutzen bringen kann: „Den Angriff eines Raubtieres kann man nicht mit bloßen Händen abwehren.“

1962 wurde er verhaftet und 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt. 1990 wurde er aus der Haft entlassen. Schon vorher und danach verhandelte er mit der weissen Regierung über den Übergang zu einer formellen Gleichberechtigung aller Menschen des Landes. Die Verhandlungen waren von Erfolg gekrönt und Nelson Mandela wurde von 1994 bis 1999 erster schwarzer Präsident des Landes. Bereits 1993 erhielt er den Friedensnobelpreis.

http://de.wikipedia.org/wiki/Nelson_Mandela

Zu seiner Freilassung hatte ein Mammut-Konzert in London zu seinem 70. Geburtstag im Jahre 1988 beigetragen, das in 67 Ländern übertragen wurde und das über 600 Millionen Menschen sahen.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/nelson-mandela-pop-und-protest-a-937628.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Nelson_Mandela_70th_Birthday_Tribute_Concert

Auch, wenn der größte Teil der Zuschauer sich nur wenig für Politik und sehr viel für Musik interessierte – es gab doch ein gewisses Interesse. Bei der derzeitigen Halligalli-Truppe, die fast ausschließlich an ihrem eigenen Wohlergehen interessiert ist, wäre eine solche Veranstaltung so gut wie undenkbar.

Hier der Höhepunkt der Veranstaltung: Jerry Dammers & Friends mit „Free Nelson Mandela“ und einem „Gruß“ an die südafrikanische Regierung: „The whole World Is Watching“ (“die ganze Welt schaut zu!“):
https://www.youtube.com/watch?v=vzzy7KZAxtU

Auch 25 Jahre später lohnt es, sich einige Nummern noch mal anzusehen. So von den Eurythmics:
https://www.youtube.com/watch?v=SA4-T1dPIxU

Simple Minds + Peter Gabriel:
https://www.youtube.com/watch?v=A3MvArJ_Eg4

Eddy Grant:
https://www.youtube.com/watch?v=oH2zXEu7nTc

Miriam Makeba:
https://www.youtube.com/watch?v=0-z6k27VG8w

Stevie Wonder:
https://www.youtube.com/watch?v=U7WW5huXlZs

UB40:
https://www.youtube.com/watch?v=E66wPCoE_4o

Dire Straits + Eric Clapton
https://www.youtube.com/watch?v=VjZduiDfYT0

Tracy Chapman
https://www.youtube.com/watch?v=wGmHpn-prd0

… und weil’s so schön ist, Neil Young bei einem Konzert nach Nelson Mandelas Freilassung 1990:
https://www.youtube.com/watch?v=N7bkd8o7O5w

Bis zu seiner Freilassung und sogar noch danach hatte Nelson Mandela bei den Schwarzen in den westlichen Regierungen gar kein gutes Ansehen. Namentlich nennen die deutschen Medien Franz-Josef-Strauß (der das Apartheid-System schlichtweg leugnete), Margaret Thatcher und Ronald Reagan, die die damalige südafrikanische Regierung nach Kräften unterstützten und für die Nelson Mandela ein „Terrorist“ war.

http://www.sueddeutsche.de/politik/nelson-mandela-und-der-westen-angst-vor-dem-schwarzen-terroristen-1.1837367

Diesem Artikel entnehmen wir, dass Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela in den USA bis 2008 auf der „Terrorism Watch List“ stand. Etwas ausführlichere Informationen gibt es hier:

http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/12/nelson-mandela-war-bis-2008-auf-der-us.html

Es liegt also einzig im Auge des Betrachters, ob jemand als bösartiger Terrorist oder als gefeierter Freiheitskämpfer gilt.

Es steht zwar im Wikipedia-Artikel drin, wird aber ansonsten gerne verschwiegen: Mandela war nach seiner Freilassung auch ein Kämpfer gegen die Rassentrennung weltweit. Insbesondere in Israel/Palästina:

http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/12/mandelas-traum-nur-zur-halfte-in.html

Nun muss mensch dem Staat Israel zugute halten, dass es bei Aufhebung der Rassenschranken diesen Staat nicht mehr lange geben würde. Dass sich diese Politik in bestimmten Teilen aber gegen die eigene jüdische Bevölkerung richtet, die aus Afrika (hauptsächlich Äthiopien) stammt, ist dann doch etwas zu viel des Schlechten:

http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/12/israel-schwarzes-blut-ist-nicht.html

Zum System der Apartheid in Südafrika gibt es einen längeren Artikel bei Wikipedia. Hierzu nur wenige Auszüge:

„Einige Länder unterstützten das Apartheidregime in bestimmten Teilbereichen. Beispielsweise setzten die USA 21 Mal im Sicherheitsrat ihr Veto ein, um Resolutionen gegen Südafrika zu verhindern, die zumeist eine totale Wirtschaftsblockade gegen das Land zum Inhalt hatten, das waren 13 Prozent der Gesamtanzahl ihrer Vetos.“

„Einer der führenden deutschen Politiker, der durch seine Nähe zur südafrikanischen Regierung in der Zeit der Apartheid auffiel, war Franz-Josef Strauß. Er befürwortete die Apartheid und soll bei einem Besuch in Südafrika gesagt haben: „Die Politik der Apartheid beruht auf einem positiven religiösen Verantwortungsbewußtsein für die Entwicklung der nichtweißen Bevölkerungsschichten. Es ist deshalb falsch, von der Unterdrückung der Nicht-Weißen durch eine weiße Herrenrasse zu sprechen.“

„Aufgrund dieser in ihrer Summe bedeutsamen Faktoren, also des Widerstandes der Schwarzen, des internationalen Druckes, der ökonomischen Krise, des Wechsels der Regierungsführung von Botha zu de Klerk sowie der Standhaftigkeit Mandelas bei den Verhandlungen mit de Klerk, brach die weiße Autorität in den frühen 1990er Jahren Schritt für Schritt zusammen. Bei einem Referendum im März 1992 sprachen sich 68,7 Prozent der Weißen für die Abschaffung der Rassentrennung aus.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Apartheid

Es gibt einiges gegen das System der Apartheid zu sagen. Was wurm ihm aber lassen muss: es gibt klare Regeln, jeder weiss, dass es diese Regeln gibt und wie sie funktionieren.

Während die Bewohner des Erdreiches sich meistens alleine auf oder unter der Erde tummeln, sind Menschen Gruppenwesen. Dagegen ist noch nichts zu sagen. Innerhalb der eigenen Gruppe herrscht meistens eine große Solidarität. Wer jedoch außerhalb dieser Gruppe ist, wird mehr oder weniger gnadenlos bekämpft.

Abhängig von der Homogenität der Kerngruppe, kann es auch in angeblich „zivilisierten“ Ländern äußerst problematisch sein, zur falschen sozialen Schicht, zur falschen Religion, zur falschen Partei, zum falschen Geschlecht zu gehören oder auf sonstige Art und Weise „unterschiedlich“ zu sein.

Etwa bei der sexuellen Präferenz. Wer andere sexuelle Interessen hat als die Mehrheit, wird ein Problem haben. Wer gar keine hat, wird dieses Problem auch haben. Bei einem Menschen, der älter als 30 Jahre alt ist, wird es gar nicht gut ankommen, wenn in seinem Lebenslauf das Wort „ledig“ steht. Wenn er großes Glück hat, wird er dazu befragt und kann sich wenigstens dazu äußern.

Wer ein eigenes Unternehmen hat und Aufträge bekommen will, kann machen, was er will – wer nicht zur Kerngruppe gehört bzw. nicht so tut, als ob er dazu gehören würde, hat Pech gehabt.

Das Problem mit diesen Gruppen ist jedoch nicht nur, dass ein Außenstehender kaum Chancen hat, da rein zu kommen – sie schaffen sich neu und breiten sich aus.

Wer etwa eine wirtschaftlich entscheidende Position hat, wird danach trachten, sich mit Leuten zu umgeben, die er schon von früher her gekannt hat oder die er auf Grund der Zugehörigkeit zu „seiner“ Gruppe für zuverlässig hält.

Ein harmloses Beispiel: ein Versicherungs-Unternehmen weitab von Nordrhein-Westfalen verpflichtet einen Vorstand, der in Köln Versicherungswirtschaft studiert hat (an der Universität in Köln gibt es ein dafür bekanntes Institut). Sehr wahrscheinlich wird dieser Mensch weitere „Kölner“ um sich scharen, so dass es früher oder später praktisch nur noch diese in den entscheidenden Positionen geben wird.

Noch harmloser geht es „weiter unten“ zu. Wenn mensch etwa bemerkt, dass der überwiegende Teil der Museumswärter in einer Stadt von einem einzigen Land kommen, das nicht Deutschland ist.

In diesen beiden Fällen ist es weder für die Museen noch für das Versicherungs-Unternehmen von Nachteil. Aber für diejenigen, die sich nichts Böses ahnend für die entsprechenden Stellen bewerben und nur deshalb nicht genommen werden, weil sie nicht zur „richtigen“ Gruppe gehören.

Leistung und Qualifikation helfen in den wenigsten Fällen weiter. Apartheid ist überall. Auch da, wo es sie offiziell gar nicht gibt.

Die spinnen, die Menschen!