Je mehr Freiheiten eingeschränkt werden, umso mehr wird die Unfreiheit von Bürokraten verwaltet.

Der Wurm findet das gar nicht gut.

 

Ein Dönerladen in der Provinz

 

Die Absurdität der bürokratischen Machtfülle zeigt sich daran, dass seit dieser Woche, nachdem der Corona-Unfug eigentlich vorbei ist, es folgende Bilder gibt, die es bis letzte Woche nicht gegeben hat:

 

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- Hinweisschild, dass vor dem Laden nicht gesprochen werden darf

 

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- eingezeichnete Linien auf dem Gehweg, um Abstand zu halten

 

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- Hygieneschild

 

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- Cellophan-Abschirmung an der Tür, Desinfektionsmittel (durch Prospekt verdeckt) auf dem Tisch an der Tür und Mundschutz für die Bediensteten

 

All das war bis letzte Woche nicht vorgeschrieben – aber jetzt, jetzt, wo alles vorbei ist, da ist es vorgeschrieben und wird kontrolliert.

Und die jeweiligen Bürokraten verfahren nach eigenem Gutdünken. Der in der Gemeinde Hambrücken tätige Bürokrat mag den Betreiber des Döner-Ladens wohl nicht. Das Wort „Schikane“ könnte treffend sein, denn in anderen Geschäften des Ortes wird kein Mundschutz getragen und es darf davor geredet werden.

 

Spiel mit der Bürokratie

 

Regeln sind dann gut, wenn sie einfach, gut nachvollziehbar und allgemein gültig sind.

In dem Moment, in dem es Ausnahmen oder Ermessens-Spielräume gibt, ist der Willkür Tür und Tor geöffnet.

 

Raphael Bonelli entlarvt das Corona-System in Österreich (das in Deutschland nicht viel anders laufen dürfte):

- die Regierung versetzt das Land in Schrecken, sagt, was verboten ist und was bestraft wird – ABER: es gibt keine Gesetze oder Verordnungen dafür. Im Grunde handelt es sich um persönliche Meinungen der Regierungs-Mitglieder

- das Volk ist verängstigt

- diejenigen, die gegen die persönlichen Meinungen der Regierungs-Mitglieder verstoßen, werden von der Polizei, von Ordnungs-Beamten oder sonstigen Bürokraten nach eigenem Gusto auf die eine oder andere Art und Weise schikaniert

- vor Gericht werden sie wg. nicht bestehender Gesetze oder Verordnungen verurteilt

- endlich bereitet ein Revisions-Gericht dem ganzen Unfug ein Ende und stellt die Regierung bloß

 

https://www.youtube.com/watch?v=0tIlSrBRMc4&t=14s

 

Sehr sarkastisch beschreibt Rapael Bonelli in einem anderen Video unter anderem, wie die Spezial-Einheit der Polizei die Wohnungen von „Coronavirus-Verschwörungstheoretikern“ stürmt und der Gesundheits-Minister verkündet, dass Küssen zwischen nicht zusammen lebenden Personen nicht erlaubt sei. Also ein Fall für die Polizei.

 

https://www.youtube.com/watch?v=880dHnEcyVE&t=21s

 

Keiner weiss also, was überhaupt noch erlaubt ist: nicht die Mutter im Pflegeheim besuchen, keine noch so kleine Festivitäten, nicht im öffentlichen Park spazieren, sich nicht auf eine öffentliche Bank setzen. Nicht küssen, keine gegenteilige Meinung vertreten.

Der bürokratischen Willkür ist Tür und Tor geöffnet.

 

Bürokratie im Staat

 

Den staatlichen Unfug mit der Bürokratie beschreibt Bernt Engelmann in seinem Buch „Die Beamten – Unser Staat im Staate“ aus dem Jahr 1992.

Unter anderem zitiert er dort Ralf Dahrendorf: „Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen ...“.

Deutlich wird der bürokratische Irrsinn, wenn mensch sich die deutsche Situation nach den letzten beiden Kriegen betrachtet. Denn unmittelbar danach wuchs, trotz stark verringerter Fläche, die Anzahl der Beamten an. Sie schaffen sich immer neue Aufgaben, regulieren alles bis ins Letzte hinein und werden dadurch noch mehr. Aber nicht genug, um all die vielen Tätigkeiten machen zu können. Was dazu führt, dass Beamte häufig gestresst und krank sind.

Eine Besonderheit der staatlichen Bürokraten ist es, zum Jahresende komme, was wolle, Geld auszugeben. Sparen für den Staat kommt dort gar nicht gut an: denn wenn noch Geld übrig bleibt, bekommt die jeweilige Stelle entsprechend weniger Budget für das nächste Jahr. Mit den ranghöheren Bürokraten ist da nicht zu reden.

Mit der Zeit ist ein bürokratischer Wasserkopf angewachsen, der lähmend wirkt – allerdings wurde dafür beim Unterbau gespart. An allen Ecken und Enden fehlt Personal, um die notwendige Arbeit machen zu können. Unter anderem Lehrer, Polizisten, Bauplaner, Finanz-Beamte, Juristen – der Wurm hatte mehrfach darüber berichtet.

Über staatliche Bürokratie lässt sich zur Genüge schimpfen, es gibt auch genügend (meist ungerechtfertigte) Beamten-Witze. Schlimmer ist jedoch die Bürokratie in der privaten Wirtschaft.

 

Bürokratie in der Wirtschaft

 

Vor 20, spätestens vor 30 Jahren war das Arbeitsleben noch halbwegs ungezwungen. Heutzutage gibt es Qualitäts-Management, vorgeschriebene Prozeduren, Zielfestlegungen, nach denen sich alle zu richten haben. Das mag teilweise notwendig sein, erstickt aber auch das Leben.

Zumindest bei sensiblen Produkten wie Lebensmitteln oder Kosmetika tragen die Mitarbeiter Haarschutz, Bartschutz, Überschuhe (also Folie), dürfen selbst keine Kosmetik benutzen und müssen den Ehering ablegen. - In früheren Zeiten hatten die Mechaniker noch mit der Zigarette im Mund an der Maschine herumgeschraubt.

Gewisse Regulierungen sind ja tatsächlich vonnöten – aber es kann auch übertrieben werden. Früher gab es unter anderem in jedem Dorf mehrere Schlachtereien – wg. übermäßiger Bürokratie, die von Groß-Unternehmen so gewollt ist, gibt es quasi nur noch Groß-Schlachtereien genauso wie durch die von oben gesetzten Standards sehr viele, eher kleine Unternehmen, schließen müssen. Der Wurm hatte das an anderer Stelle schon beschrieben: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/420-zettel-wirtschaft.html

Bürokraten setzen sich immer mehr innerhalb zumindest der größeren Unternehmen fest und regulieren immer mehr. Vielleicht wäre das gar nicht so schlimm, wenn die meisten Bürokraten nicht dermaßen weltfremd wären und ausschließlich an sich selbst und ihre eigene Kaste denken würden.

So werden Projekte festgelegt noch und nöcher. Gut und schön – aber ohne die Menschen an der Basis zu fragen, was sie davon halten geschweige diese in die Entscheidungen mit einzubinden. Es ist schlichtweg uninteressant, wie das „unten“ ankommt. Zum Einen ist das von „Oben“ Präsentierte oft unpraktikabel und hat mit der Realität überhaupt nichts zu tun. Zum Anderen haben die meisten unteren Chargen mehr als genügend zu tun, sind teilweise extrem unterbesetzt und „freuen“ sich, wenn ihnen zusätzlicher Unfug aufgebrummt wird.

Da Bürokraten oft keine Ahnung haben, was sich „unten“ abspielt, spielt sich ihr Leben in höheren Sphären ab. In der Bildungs-Politik ist das Ziel, möglichst viele Abiturienten und Studierende zu haben. Mit dem Ergebnis, dass das Niveau der höheren Bildungs-Abschlüsse immer mehr verwässert wird und es dafür an Leuten an der Basis fehlt. - Nein, das Land braucht gute Handwerker und eine gute Basis. Diejenigen, die es können und wollen, können sich ja immer noch höher qualifizieren.

Jene, die kunden-orientiert sind und ihre Arbeit gut machen, können durch den Umgang mit weltfremden Bürokraten so richtig zornig werden. Da kommen solche Aussagen wie: „laut Vorschrift (oder im Vergleich zu anderen Abteilungen) kostet dieser und jener Vorgang so und so viel Zeit – also hast Du noch so und so viel Zeit übrig“ oder – der Lieblings-Satz des Wurms -: „Mensch gibt den Auftrag in das System ein – ja, was gibt es denn da noch zu tun?“

Die Eingabe des Auftrags in das System ist nur ein sehr geringer Prozentsatz der eigentlichen Tätigkeit: Mensch hat im Vorfeld zu tun mit dem Kunden (teilweise mit mehreren Personen aus unterschiedlichen Abteilungen) (je nachdem, kann es durchaus ein paar Monate dauern, bis das Projekt steht und danach, bis es nachbearbeitet ist), mit dem Einkauf, mit der Produktion, mit der Arbeits-Vorbereitung, , mit der Weiterverarbeitung, mit dem Lager und teilweise der Spedition … und das ist noch gar nichts gegen das, was alles während dieser Zeit schief läuft.

Jeder Mensch, der mit der Produktion zu tun hat, jeder Mensch, der mit dem richtigen Leben zu tun hat, weiss, dass immer etwas schief gehen kann und auch tatsächlich schief geht. Nachdem alle Probleme gelöst sind und der Praktiker des Lebens sich als Held fühlen kann, der das Projekt oder die Firma gerettet hat, kommt so ein Theoretiker daher und erzählt Einem, dass mensch ja nicht so viel zu tun hat …

 

Drei Gedanken zum Schluss

 

Es gibt auch viele Bürokraten, die wissen, dass das Leben nicht nach der Theorie geht.

Der Einfluss der theoretischen Bürokraten im Staat und in der Wirtschaft, im Großen und im Kleinen, wird immer größer. Der Wurm findet das nicht gut.

Das Leben findet immer seinen Weg und lässt fassungslose Theoretiker hinter sich.

 

Dada

 

Aus einem früheren Beitrag des Wurms über Thaddäus Troll:

„Bei „Rotkäppchen, in amtlichem Sprachgut beinhaltet“, weiss wurm nicht, ob er lachen oder weinen soll:

„Im Kinderanfall unserer Stadtgemeinde ist eine hierorts wohnhafte, noch unbeschulte Minderjährige aktenkundig, welche durch ihre unübliche Kopfbekleidung gewohnheitsmäßig Rotkäppchen genannt zu werden pflegt. Der Mutter besagter R. wurde seitens ihrer Mutter ein Schreiben zustellig gemacht, in welchem dieselbe Mitteilung ihrer Krankheit und Pflegebedürftigkeit machte, worauf die Mutter der R. dieser die Auflage machte, der Großmutter eine Sendung von Nahrungs- und Genußmitteln zu Genesungszwecken zuzustellen. Vor ihrer Inmarschsetzung wurde die R. seitens ihrer Mutter über das Verbot betreffs Verlassens der Waldwege auf Kreisebene belehrt. Dieselbe machte sich infolge Nichtbeachtung dieser Vorschrift straffällig und begegnete beim Übertreten des amtlichen Blumenpflückverbotes einem polizeilich nicht gemeldeten Wolf ohne festen Wohnsitz. Dieser verlangte in gesetzwidriger Amtsanmaßung Einsichtnahme in das zu Transportzwecken von Konsumgütern dienende Korbbehältnis und traf in Tötungsabsicht die Feststellung, daß die R. zu ihrer verschwägerten und verwandten, im Baumbestand angemieteten Großmutter eilend war.“

In diesem Stil geht es weiter bis hin zu „Durch die unverhoffte Wiederbelebung bemächtigte sich beider Personen ein gesteigertes, amtlich nicht zulässiges Lebensgefühl, dem sie durch groben Unfug, öffentliches Ärgernis erregenden Lärm und Nichtbeachtung anderer Polizeiverordnungen Ausdruck verliehen, was ihre Haftpflichtigmachung zur Folge hatte.“

Nicht nur die Deutschen zeigen unfreiwillig Humor mit ihrer Amtssprache. Hier der legendäre Auftritt des damaligen Schweizer Finanzministers Hans-Rudolf Merz zum Thema „Zollbestimmungen beim Import von gewürztem Fleisch“:

 

http://www.youtube.com/watch?v=EGAEHoMMJgc

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm