Zur Zeit läuft in den Kinos der Film „Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“, ein Film über Nationalismus und Antisemitismus in Rumänien und den heutigen Umgang damit.

 

Der Film

 

Anbei zitiert der Wurm zwei Kritiken, die von ihren Schwerpunkten her zwar unterschiedlich sind, sich aber gut ergänzen.

Friederike Horstmann: „"Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen", geht zurück auf einen 1941 geäußerten Satz Ion Antonescus, der während des Zweiten Weltkriegs "Staatsführer" Rumäniens war. Die unter ihm in Kraft getretene antisemitische Gesetzgebung veranlasste ethnische Säuberungen, Todesmärsche und Deportationen. Insgesamt wurden dabei bis zu 300.000 rumänische Juden getötet. Allein nach der Einnahme von Odessa im Oktober 1941 fielen in nur wenigen Tagen zwischen 25.000 und 35.000 Juden einem Massaker zum Opfer. Radu Judes Film setzt sich mit der oft marginalisierten, beschwiegenen oder gar geleugneten Beteiligung Rumäniens am Holocaust auseinander.

"Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen" beginnt mit historischen Filmaufnahmen der Befreiung Odessas. Rot flimmern die Zahlen des Timecodes am unteren Bildrand. In meist statischen Einstellungen werden Ansammlungen von Menschen in Schwarzweiß gezeigt. Auf der Tonspur erklingt triumphal-beschwingte Musik und ein kommentierendes Voice-Over: "Nach 24 Jahren des roten Terrors sind die Menschen endlich wieder frei. Sie freuen sich sichtlich. Die tapferen Soldaten des Kreuzes hissen über Odessa die rumänische Flagge, für die sie gekämpft und gesiegt haben." Die Zeit der Handlung und die heroisch-nationale Stimmung sind gesetzt. Das Endband des Filmstreifens schließt mit einem Blankfilm, auf dem der Titel von Radu Judes Film eingeblendet wird.

Danach ein Sprung in die Gegenwart, ins Militärmuseum von Bukarest. Die Kamera driftet über Tonangel und Mikrophon - eine Filmklappe wird in Großaufnahme eingeblendet. Vor einer mit Gewehren bestückten Vitrine betritt die Schauspielerin Ioana Jacob das Bild und schlüpft in ihre filmische Rolle: Mit direktem Blick in die Kamera markiert Jacob Differenzen zu der von ihr im Film dargestellten Theaterregisseurin Mariana Marin und benennt weitere Schauspielernamen. Was zunächst wie ein selbstreflexiver Schabernack wirkt, ist eine gezielte Destabilisierung, die Kamera wird auffällig und erzeugt keine Realismuseffekte. Stattdessen wird auf den Produktionsprozess des Films verwiesen.

Mit ihrem radikalen Theaterprojekt über die rumänische Beteiligung am Holocaust stößt Mariana Marin auf vielerlei Widerstände: Einige der Komparsen beleidigen sie sexistisch, beschuldigen sie anti-rumänischer Umtriebe und äußern rassistisches Ressentiment, dass sie als Darsteller von Juden nicht mit "Zigeunern" gemischt werden wollen. Der Kulturbeauftragte Movila droht, das von der Stadt finanzierte Projekt zu kippen, falls die Regisseurin nicht auf die Darstellung der rumänischen Beteiligung am Massaker von Odessa verzichte. Hinsichtlich der Fraternisierung von Wehrmacht und rumänischer Armee äußert er allerdings keinerlei Bedenken. Zwischen Panzerexponaten des Militärmuseums streiten sich Marin und Movila über Herstellung und Darstellung von Geschichte. In ihrem mit mannigfaltigen Referenzen und Zitaten überfrachteten Schlagabtausch geht es auch um Gedächtnispolitik und geschichtsrelativistische Vergleich mit anderen Genoziden. Movila konstatiert einen "Darwinismus der Massaker", nur das schlimmste würde sich im Gedächtnis festsetzen.

Zu den abschweifenden Diskussionen trägt der Film unterschiedliche Zeitdokumente zusammen: Tonbandprotokolle von Gewehrschüssen, antisemitische Plakate, dokumentarisches Material von Kriegsverbrecherprozessen, Fotografien, Reportagen, Bücher. Einerseits gelingt es hierdurch, den Blick auf die Geschichte aus unterschiedlichsten Perspektiven zu öffnen. Andererseits steht im Mittelpunkt immer wieder genau das, wodurch leicht hindurchgesehen wird: das Medium, der Signifikant, der Träger. Die unhintergehbare Materialität von Dokumenten rückt in den Fokus. Archivbilder werden geradezu archäologisch über den Bildschirm eines Schneidetisches und als materielle Objekte vermittelt. Nach und nach erschließt der Film mediale Schichten und Spuren.

Als Diskursgeograf integriert Regisseur Jude lange, laut vorgelesene Passagen der schonungslosen Kriegsbeschreibungen des russischen Poeten Isaac Babel, zitiert aus Goebbels Tagebuch, zeigt die den Massenmord an Juden dokumentierende Erschießungsszene aus Libau und Ausschnitte aus Sergiu Nicolaescus umstrittenen Film "Oglinda" (1994) - eine verklärende Hommage an den rumänischen Militärdiktator, die Antonescu als unschuldiges Opfer widriger Umstände und nationalen Märtyrer stilisiert. Harsch kommentiert Marin die selektive Erinnerungspolitik. Nach dem Ende des Ceaușescu-Regimes 1989 entstand eine steigende Verehrung Antonescus: Seine Anhänger strebten sogar dessen juristische Rehabilitierung an.

Bei der finalen Theateraufführung soll das Massaker von Odessa in Form eines Reenactments ins kollektive Bewusstsein (zurück)geholt werden: Auf einem Platz mitten in Bukarest marschieren Wehrmacht, Rote Armee und rumänische Truppen, liefern sich ein Feuergefecht und vollziehen den Massenmord. Das Publikum begrüßt die Soldaten mit Applaus, intoniert mit der Eisernen Garde die Nationalhymne und bejubelt sogar die Rede Antonescus zur Vernichtung der Juden. Was als erinnerungspolitische Sensibilisierung beabsichtigt war, entgleitet zu identifikatorischer Unterhaltung. Als wäre es die Liveübertragung eines Fernsehberichtes filmt Jude das Geschehen absichtsvoll in schäbiger Bildqualität und mit disruptiven Zoombewegungen. Aufgrund dieses dokumentarischen Effekts ist man sich nicht sicher, ob das Publikum neben den Statisten nicht auch noch aus Passanten besteht.

"Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen" handelt von einem Unverfugten der Geschichte. Erzählt wird Geschichte von ihren Rändern her, über unzählige Fragmente. Dabei ist der Film mal schockierend, mal grotesk und mal komisch. Immer wieder gibt es Schnitte und Brüche, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen dokumentarischem Material und manierierten Nachstellungen, zwischen Schwarzweiß und Farbe. Über diese Schnitte und Brüche fügt sich ein kaleidoskophaftes Geschichtsbild zusammen.“

https://www.perlentaucher.de/im-kino/filmkritiken-zu-radu-judes-mir-ist-es-egal-wenn-wir-als-barbaren-in-die-geschichte-eingehen-und-mamoru-hosodas-anime-mirai.html

Hannah Pilarczyk: „Während eines heißen Sommers in Bukarest begibt sich die junge Regisseurin Mariana Marin (Ioana Iacob) in einen persönlichen Drei-Fronten-Krieg. Mit Laien will sie Schlüsselszenen aus der rumänischen Geschichte während des Zweiten Weltkriegs nachstellen und so an die tragende Rolle erinnern, die das Land bei der Vernichtung der europäischen Juden gespielt hat.

Dieses Unterfangen gerät genauso anstrengend, wie es klingt. Radu Judes Spielfilm darüber ist hingegen das genaue Gegenteil: Eine leichtfüßige Komödie, deren Humor zu keiner Zeit auf Kosten ihrer Figuren oder ihrer geschichtspolitischen Haltung geht.

Was man über die rumänische Geschichte wissen muss, vermittelt der Film schön beiläufig, im Gespräch unter Freunden oder in Marianas Anweisungen an ihre Komparsen. Als die deutschen Streitkräfte 1941 über Rumänien nach Russland vorstießen, nutzte die dortige Militärdiktatur unter Ion Antonescu dies aus, um parallel die Vertreibung rumänischer und ukrainischer Juden in den Osten und damit in die Vernichtung zu vollziehen.

Ein Bericht von 2004, den die Internationale Kommission zur Erforschung des Rumänischen Holocaust unter Leitung von Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel erstellte, beziffert die Zahl der getöteten Juden zwischen 280.000 und 380.000, unter Roma soll es bis zu 25.000 Toten gekommen sein. "Für sie [die Juden] gibt es in Rumänien nichts mehr zu tun", soll Antonescu zu Beginn des Genozids gesagt haben, "und mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen."

Regisseur Jude hat den letzten Teil dieses Zitats zum Titel seines Films gemacht. Mariana, sein Alter Ego in diesem Film, benennt ihre Inszenierung anders: "Geburt einer Nation" - nach "The Birth of A Nation" von D.H. Griffith. Wer in der Filmgeschichte einigermaßen bewandert ist, weiß um den rassistischen Gehalt von Griffith' Werk und erkennt in der Assoziation damit eine heftige Kritik an der rumänischen Geschichte. Ohne diese Kenntnis verliert das Zitat jedoch jede Art von Schlagkraft, es verpufft.

Die hochgebildete Mariana unterschätzt diesen Effekt immer wieder, sie kann nicht begreifen, dass ihre Bilderwelt nicht die Bilderwelt der anderen ist und Bilder in Konkurrenz zueinander treten können. Steven Spielberg habe es doch auch geschafft, einen Film über einen Deutschen zu machen, der Juden gerettet hat, sagt ihr einmal der Abgeordnete der Stadtregierung Movila (Alexandru Dabija), da könne sie doch auch von den Rumänen erzählen, die sich geweigert haben, an den Massenerschießungen teilzunehmen.

Movila, der immer häufiger zu den Freiluftproben von Marianas Stück kommt, ist die zweite Front, an der sie gegen Kritik an ihrer Arbeit kämpfen muss. Die erste sind die Laiendarsteller. Als Mariana eine alte Frau bittet, ihr vorzuspielen, wie sie um ihr Leben fleht, macht die ihre Sache außerordentlich gut. Mariana lobt sie, und die Frau antwortet glücklich: Das habe sie sich von Elena Ceausescu abgeschaut, der rumänischen Diktatorengattin, die vor laufender Kamera erschossen wurde.

Ein anderes Mal fragt ein älterer Komparse Mariana, ob bei der Deportation die Darsteller von Juden und Roma nicht getrennt werden könnten. Sein bester Freund sei zwar Zigeuner gewesen, aber eigentlich mische man sich nicht.

Es sind also nicht nur Bilder, sondern auch Soundbites aus aktuellen Auseinandersetzungen ums Gedenken an den Holocaust, die um Mariana herumschwirren. Ein längeres Gespräch mit Movila greift von "Ist es mit dem Gedenken nicht langsam mal gut?" bis "Andere haben auch Massaker begangen, warum machst du nichts über die?" fast alle Argumente auf, mit denen Neu- und Altrechte die etablierte Erinnerungspolitik zu unterminieren versuchen.

Dank einer agilen Kamera und einer überaus eleganten Regie, die ihre Figuren selbst zwischen ausgedienten Panzern gewissermaßen tanzen lässt, fügen sich diese Szenen jedoch in einen Erzählfluss ein, wie man ihn aus französischen Sittenkomödien kennt. Keine ganz falsche Assoziation, denn zum Plot gehört auch noch eine Liebesgeschichte. Mariana hat eine Affäre mit einem verheirateten Piloten, von dem sie vielleicht ein Kind bekommt.

Jude kriegt das parallel erzählt, ohne damit Marianas intellektuellen Anspruch zu unterlaufen - im Gegensatz zu ihren Mitarbeitern und Komparsen, die es sich schon mal erlauben, die Deutungsmacht der jungen Frau an ihrem eigenen Set in Frage zu stellen. So fließen in diesen ohnehin schon reichen Film auch noch Beobachtungen mit ein, mit welchen besonderen Zumutungen Regisseurinnen zu kämpfen haben - Marianas dritte Front.

So viel Gegenwart kannte man aus dem Kino von Radu Jude bislang nicht. Der 42-Jährige ist schon länger der Regisseur mit der größten Themen- und Stilbandbreite im neuen rumänischen Kino. Den Durchbruch schaffte er 2015 mit dem Schwarz-Weiß-Western "Aferim!", für den er auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet wurde. Darauf folgte 2017 das herausragende historische Künstlerporträt "Vernarbte Herzen" (Jury-Preis in Locarno).

Beide Filme waren trotz aller zeitgenössischen Sensibilität sehr genau in ihren zeithistorischen Kontexten verortet. In "Mir ist es egal..." gelingt Jude nun der Brückenschlag in die akute Gegenwart. Dass er diese in eine Meta-Erzählung von einer Inszenierung innerhalb eines Films verschachtelt, nimmt ihr nichts an ihrer Dringlichkeit.

Denn Jude inszeniert nicht, um zu zeigen, dass hinter jedem Bild eine Agenda steckt und es deshalb kein wahres (Ab-)Bild von Geschichte geben kann. Er zeigt vielmehr, dass jedes Bild ein informiertes Gespräch über sich braucht, um richtig verstanden werden zu können. In "Mir ist es egal..." bringt Jude Bilder und die richtigen Gespräche mit Meisterhand zusammen.“

https://www.spiegel.de/kultur/kino/mir-ist-es-egal-wenn-wir-als-barbaren-in-die-geschichte-eingehen-filmkritik-a-1270171.html

Der Name des Regisseurs, „Jude“, heisst im Rumänischen übrigens „Richter“.

 

In der Gegenwart

 

Reenactment

 

Aus „Wikipedia“: „Reenactment (englisch für Wiederaufführung, Nachstellung) nennt man die Neuinszenierung konkreter geschichtlicher Ereignisse in möglichst authentischer Weise. Über den Weg der historischen Wiedererlebbarkeit soll Geschichte verständlich und erlebbar gemacht werden. Das historische re-enactment ist der zentrale Teil der von dem britischen Philosophen und Historiker Robin George Collingwood aufgestellten Theorie der Historiographie. Die Nachstellung von historischen oder sagenhaften Ereignissen geht allerdings bis in die Antike zurück.

Nach der Theorie der Historiographie besteht beim Reenactment die Aufgabe darin, auf Grundlage der überlieferten Quellen ein ganz konkretes historisches Ereignis aus der Vergangenheit möglichst authentisch zu rekonstruieren. Dabei sollen erneut die Gedanken und Intentionen der ursprünglich handelnden Akteure durchgespielt werden, die sich in den vergangenen Ereignissen ausgedrückt haben. Der wissenschaftliche Ansatz ist dabei die zentrale Voraussetzung für die Definition des modernen Reenactment.

Im englischsprachigen Raum wurde das Reenactment oft auf die authentische Nachstellung von militärhistorischen Schlachten reduziert und so von der Öffentlichkeit verstanden. Tatsächlich umschließt das Wort Reenactment auch zivile historische Inszenierungen, die auf historisch belegte Einzelereignisse zurückzuführen sind.

Neben unzähligen Vereinen, die sich in der Freizeit mit der Nachstellung authentischer historischer Ereignisse beschäftigen, haben sich auch kommerzielle Reenactment-Gruppen gebildet, die zu verschiedenen Anlässen vor Publikum auftreten. Dabei wird in erster Linie jedoch nicht das klassische Collingwood'sche Reenactment betrieben, sondern zumeist Living History. In der öffentlichen Diskussion, aber auch bei vielen Gruppen, verschwimmen diese beiden verschiedenen Darstellungsweisen der Geschichtsinterpretation, was daran liegt, dass es oftmals zu Überlagerungen bei beiden Inszenierungen kommen kann.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Reenactment

Im Film geht es nicht um eine Film – oder Theater-Inszenierung, sondern um ein Reenactment, also eine Vorführung auf einem öffentlichen Platz.

Interessant sind die Reaktionen des Publikums beim Einmarsch der jeweiligen Armeen mit ihren jeweiligen Liedern: bei der deutschen Armee wird zur Melodie mitgeklatscht, die Sowjets werden ausgebuht, die Rumänen bejubelt.

Ein rumänischer Pope gibt die ideologische Rechtfertigung für das Kommende, indem er sich unter anderem auf die Bibel und den National-Dichter Mihai Eminescu beruft. - Aus dem Publikum gibt es keinen Widerspruch.

Verstörung und Verärgerung seitens des Publikums, dass die rumänische Führung Verbrechen begeht und nicht als so heldenhaft dargestellt wird wie gewünscht.

 

Sergiu Nicolaescu

 

Friederike Horstmann erwähnt „Ausschnitte aus Sergiu Nicolaescus umstrittenen Film "Oglinda" (1994) - eine verklärende Hommage an den rumänischen Militärdiktator, die Antonescu als unschuldiges Opfer widriger Umstände und nationalen Märtyrer stilisiert.“

Dazu muss mensch wissen, dass Sergiu Nicolaescu als Schauspieler und Film-Regisseur in Rumänien beinahe als Nationalheld gilt und die entsprechende Wirkung hat. Auch in Deutschland ist er bekannt durch unter anderem Regie-Arbeiten bei „Die Lederstrumpferzählungen“, „Der Seewolf“, „Lockruf des Goldes“ und den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg.

 

Eiserne Garde

 

Aus „Wikipedia“: „Die Eiserne Garde war eine faschistische und antisemitische Bewegung bzw. politische Partei im Königreich Rumänien und mit ihren 250.000 Mitgliedern zeitweise die drittgrößte faschistische Bewegung Europas nach dem PNF in Italien und der NSDAP in Deutschland.

Gegründet 1927 von Corneliu Zelea Codreanu als anfangs kleiner, fanatischer Zirkel, entwickelte sie sich von etwa 1933 bis 1938 zur Massenbewegung, bevor unter der autoritären Königsdiktatur Carols II. eine massive Repression einsetzte, der zahlreiche Führungsmitglieder zum Opfer fielen – unter anderem Codreanu selbst.

Von Anfang Juli 1940 bis Anfang September 1940 beteiligte sich die Eiserne Garde erstmals an einer rumänischen Regierung; am 3. September 1940 versuchte sie unter ihrem nunmehrigen Führer Horia Sima einen Putsch gegen Carol II., der in dieser Lage General Ion Antonescu am 4. September zum Ministerpräsidenten mit unbeschränkten Vollmachten ernannte. Mit der Unterstützung der Eisernen Garde zwang Antonescu Carol II. am 6. September zum Thronverzicht und errichtete eine faschistische „nationallegionäre“ Diktatur, die Rumänien fest an die Seite der Achsenmächte führte. Als die Eiserne Garde im Januar 1941 auch gegen Antonescu zu putschen versuchte, kam es zum Bruch mit dem „Staatsführer“, der die Bewegung nach der blutigen Niederschlagung des Aufstandes praktisch verbot.

Auf Geheiß Heinrich Himmlers und Joachim von Ribbentrops bildete Sima eine rumänische Exilregierung, die sich am 10. Dezember 1944 in Wien konstituierte, aber zum Kriegsende 1945 zerfiel.

Die Ideologie der Bewegung wird von manchen Historikern dem Klerikalfaschismus zugeordnet; sie war wesentlich von mystischen Elementen geprägt; ihre Anhänger fühlten sich meist der Rumänisch-Orthodoxen Kirche fest verbunden.

Die offizielle Bezeichnung der Eisernen Garde lautete von der Gründung 1927 an „Legion des Erzengels Michael“ (Legiunea Arhanghelul Mihail), vereinfacht auch „Legionärsbewegung“ (Mișcarea Legionară). Der Begriff „Eiserne Garde“ (Garda de Fier) wurde 1930 von der Führung der Legionärsbewegung eingeführt; er bezeichnete zunächst eine Gruppe, die einen (von der Regierung schließlich verbotenen) Marsch durch die Provinz Bessarabien unternehmen sollte. Dazu waren auch antisemitisch und antikommunistisch eingestellte Rumänen aufgerufen, die nicht der Legionärsbewegung angehörten. „Eiserne Garde“ bezeichnete somit eigentlich eine Art Dachorganisation …

Nach der Revolution 1989 traten viele Legionäre wieder öffentlich auf. Es bildeten sich einige miteinander rivalisierende Gruppen, die die Nachfolge der Legionärsbewegung für sich beanspruchten. Hierzu gehört die militante Organisation Noua Dreaptă, (Neue Rechte) mit Claudiu Mihuțiu als ehemaligem Generalsekretär an der Spitze. Sie wurde anlässlich des 100. Geburtstages von Codreanu am 13. September 1999 ins Leben gerufen. Mihuțiu unterhielt enge Beziehungen zur NPD. Die Mitglieder der Noua Dreaptă rekrutieren sich vorwiegend aus der Studentenschaft. Die „Zeugen eines nationalen Erwachens“ befolgen strenge Regeln wie beispielsweise die Pflicht des sonntäglichen Kirchgangs. Die militant homosexuellenfeindliche Truppe beschimpft Schwule als „Schande für das rumänische Volk“, fordert eine „Lösung des Zigeunerproblems“, agitiert anti-amerikanisch und betreibt Kampagnen gegen Abtreibung. Sie ist Mitglied der Europäischen Nationalen Front (ENF), die im Januar 2003 auf einer Versammlung der spanischen Falange gegründet wurde. Der ENF gehören verschiedene rechtsextreme Gruppierungen und Parteien aus West- und Osteuropa an, die versuchen wollen, auf europäischer Ebene die „nationalen“ europäischen Kräfte zu vereinigen und für „elementare Grundsätze“ einzutreten. Zu diesen Grundsätzen gehören die Schaffung eines „Europas der Vaterländer“ und die „Verhinderung des EU-Beitritts von Israel und der Türkei“. Als ideologisches Vorbild dient unter anderem Codreanu.

Größere politische Bedeutung erlangten die Noua Dreaptă und andere Gruppen nie, auch nicht jene, die versuchten, die Tradition der Arbeitslager wiederzubeleben oder Pilgerfahrten zu Gedenkorten unternahmen. Ehemals verbotene Schriften wurden wieder herausgegeben, zahlreiche Memoiren veröffentlicht. Längere Zeit blieb die Forschung über die Zeit der Legionärsbewegung in den Händen des Umfelds der extremistischen Großrumänienpartei. Eine ernsthafte Debatte über ihre Stellung in der Geschichte Rumäniens ist bisher nicht erfolgt.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Eiserne_Garde

 

Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik

 

Die Halbjahresschrift setzt sich zum Ziel, die historischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Entwicklungen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa auf objektive und authentische Weise aufzuarbeiten. Die Autoren der Halbjahresschrift lehnen Nationalismus, Revisionismus und politischen Extremismus jeglicher Couleur ab.“

http://www.halbjahresschrift.homepage.t-online.de/index.htm

Auf dem folgenden Link zu „Der Fall Antonescu“ ist das Treiben der rumänischen Rechten seit 1990 dokumentiert mitsamt der staatlichen Rehabilitierung der Antonescu-Diktatur:

http://www.halbjahresschrift.homepage.t-online.de/ion.htm

Was mensch den Kommunisten auch immer vorwerfen mag – gegen das rechte Pack sind sie immer vorgegangen.

 

Nationalismus und Antisemitismus im östlichen Europa

 

Wie im Film geschildert, wie die Situation in Rumänien – so ist auch die Situation in den meisten Ländern im östlichen Europa: gegenüber Deutschland freundlich, Hass gegen Russen, Hass gegen Kommunisten, Hass gegen Juden, Hass gegen Roma, Hass gegen Homosexuelle und alle anderen, die nicht in das Schema einer „christlichen Familie“ passen.

Dafür Rehabilitierung bis Verherrlichung jener rechter Diktaturen, die vor bzw. bis zum Ende des 2. Weltkriegs dort etabliert waren. Meist befeuert von den jeweiligen Landeskirchen.

Durch die jeweiligen EU-Beitritte und der entsprechenden Forderungen der EU wurde bislang das Schlimmste verhindert – was aber nicht ewig so bleiben muss. Die entsprechende Saat ist gelegt.

 

Reaktionen der deutschen Gutmenschen

 

In einem Wort: unglaubwürdig. Anstatt gegen tatsächliche rechte Umtriebe und tatsächlichen Antisemitismus vorzugehen, ist dieses Vorgehen weitgehend entwertet: Alleine wg. rechtmäßiger demokratischer Ansichten und Äußerungen wird ein rechter Popanz aufgebaut (siehe unter anderem http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/380-identitaere-bewegung.html ) und der Begriff „Antisemit“ ist zur Gänze entwertet. Selbst rechtschaffene Juden, die noch nicht des Antisemitismus beschuldigt wurden, müssen sich fragen, was sie falsch gemacht haben. Siehe unter anderem http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/318-zeit-gegen-die-verleumder-vorzugehen.html

Das, was sich in den östlichen Ländern Europas tut, stößt kaum auf Interesse. Außer da, wo es nutzt: tatsächliche Rechtsextreme und Antisemiten übelster Art in der Ukraine werden dagegen noch unterstützt, siehe unter anderem http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/143-gipfel-der-dreistigkeit.html

Die mittlerweile tiefe Gläubigkeit in den osteuropäischen Ländern, die der Nährboden ist, aus dem Nationalismus, Antisemitismus, Homophobie, Unterdrückung von Frauen, Leugnung des wissenschaftlichen Weltbildes (vor allem der Evolution) kommen, wird noch gutgeheißen. 

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm