Sollen Bluttests auf Trisomien bei Schwangeren von den Kassen übernommen werden? In einer Aussprache im Bundestag befürworten das viele Redner - aber nicht alle. Für die Kritiker geht es um mehr als nur die Finanzierung.

Der Bundestag hat über den Umgang mit vorgeburtlichen genetischen Bluttests auf Trisomien diskutiert. In der Orientierungsdebatte ging es vor allem um die Frage, ob Krankenkassen diese Form der Frühdiagnose finanzieren sollten.

Der Test, der seit 2012 angeboten wird, erkennt am Blut der Mutter, ob das ungeborene Kind eine Trisomie, wie etwa das Down-Syndrom, hat. Bislang müssen ihn Eltern privat bezahlen. Andere Methoden wie die Fruchtwasseruntersuchung werden von der Kasse übernommen. Sie bergen aber ein hohes Risiko für eine Fehl- oder Frühgeburt.“

https://www.tagesschau.de/inland/bluttest-trisomie-bundestag-101.html

In kaum einem anderen Bereich ist die veröffentlichte Meinung dermaßen einseitig wie bei der gegenüber behinderten Menschen. Deshalb macht es Mühe, an verlässliche Fakten zu gelangen.

Im Wesentlichen geht es dem Wurm um die Frage, was für ein Leben Menschen mit Trisomie 21 zugemutet wird.

 

Was ist Trisomie 21?

 

Aus „Wikipedia“: „Das Down-Syndrom ist eine bei Menschen vorkommende angeborene Kombination verschiedener geistiger Behinderungen und körperlicher Fehlbildungen, die durch eine Genommutation (oder Chromosomenaberration oder Aneuploidie) verursacht ist, bei der das gesamte 21. Chromosom oder Teile davon dreifach vorhanden sind. Diese Chromosomen-Anomalie wird entsprechend Trisomie 21 genannt. Mit zunehmendem Alter der Mutter (vor allem ab dem 35. Lebensjahr) steigt das Risiko einer Trisomie 21 des Kindes.

Die Bezeichnung 'Down-Syndrom' verweist auf den britischen Arzt und Apotheker John Langdon-Down, der dieses Syndrom 1866 erstmals umfassend beschrieb. Die ursprüngliche Bezeichnung war Mongolismus (auch Mongoloismus) wegen der beim Down-Syndrom charakteristischen Gesichtszüge und der Augenform, die an Angehörige einer asiatischen ethnischen Gruppe erinnert. Menschen mit Down-Syndrom weisen in der Regel weitere typische körperliche Merkmale auf und sind meist in ihren kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt.

Erst 1959, 63 Jahre nach Langdon-Downs Tod, erkannten Marthe Gautier, Raymond Turpin und Jérôme Lejeune die genetische Ursache des Syndroms: Sie entdeckten, dass jede Zelle der betroffenen Menschen 47 statt der üblichen 46 Chromosomen besaß, also bei einem Chromosom eine Verdreifachung (Trisomie) statt einer Verdoppelung vorliegen musste. Sie konnten noch nicht feststellen, welches Chromosom verdreifacht war. Erst später wurde der Nachweis geführt, dass das 21. Chromosom betroffen ist (Trisomie 21).“

https://de.wikipedia.org/wiki/Down-Syndrom

 

Der Test

 

Ingrid Bertram: „Worüber wird diskutiert?

Im Bundestag kann es heute sehr emotional werden: Viele befürchten, dass mit den Tests mehr Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben werden als bisher. Da der Test zu einem relativ frühen Zeitpunkt in der Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit einer Trisomie bestimmen kann, könnte die Hemmschwelle für eine Abtreibung sinken, so die Kritik.

Auf der anderen Seite hat das entscheidende Gremium des Gesundheitswesens - der Gemeinsame Bundesausschuss - bereits Kosten und Nutzen des Tests geprüft. Die Zeichen stehen auf grünes Licht für die Kostenerstattung. Das wesentliche Argument: mehr soziale Gerechtigkeit für die Eltern, die sich bisher den Test nicht leisten konnten.

Auf Initiative des Gemeinsamen Bundesausschusses führen die Abgeordneten eine Orientierungsdebatte ganz ohne Fraktionszwang, an deren Ende nichts beschlossen wird. Und dabei wird es auch um die Frage gehen, welche Stellung Behinderte und Kranke in unserer Gesellschaft haben. Denn der Bluttest steht für den Anfang einer medizinischen Neuerung: In Kürze soll ein weiterer Test auf den Markt kommen, der nicht Chromosomen, sondern die Anlagen für "monogene Erkrankungen" - sprich seltene Erbkrankheiten - identifiziert, wie etwa vererbbare Herzfehler, Krebserkrankungen oder Seh- und Hörschwächen.

Was prüft der Test?

Der "nicht invasive Pränatal-Test" - kurz NIPT - kann mit hoher Wahrscheinlichkeit Klarheit darüber geben, ob das Kind im Leib der Mutter Trisomie 13,18 oder 21 hat. Eigentlich können Ärzte das mit einer Fruchtwasseruntersuchung und Ultraschall auch jetzt schon mit großer Wahrscheinlichkeit erkennen. Der Vorteil des Tests: Er kann schon ab der vollendeten neunten Schwangerschaftswoche gemacht werden - Ärzte empfehlen ab der zwölften Woche. Außerdem ist dafür nur eine Blutprobe der Mutter nötig, das Leben des Kindes wird nicht gefährdet.

Bei einer Fruchtwasseruntersuchung dagegen liegt das Risiko einer Fehlgeburt bei 0,5 Prozent bis 1 Prozent, da die Fruchtblase dabei punktiert wird. Beim Bluttest werden in der Blutprobe der Mutter frei zirkulierende Chromosomenteile des Kindes darauf untersucht, ob sie etwa mit dem Chromosom 21 übereinstimmen. Die Treffergenauigkeit, Trisomie 21 zu erkennen, liegt laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen bei mehr als 99 Prozent.

Was wird damit erkannt?

Neben dem Down-Syndrom können auch andere Chromosomendefekte wie Trisomie 13 und 18 identifiziert werden. Damit sind deutlich schwerwiegendere Behinderungen verbunden wie Hirnfehlbildungen oder komplexe Herzfehler. Die meisten betroffenen Kinder überleben die Schwangerschaft nicht; viele, die mit diesen Behinderungen auf die Welt kommen, sterben im ersten Lebensjahr.

Da anders als beim Down-Syndrom die Defekte bei Trisomie 13 und 18 sehr groß sind, werden diese Fehlbildungen aber auch im Ultraschall erkannt.

Wann zahlt die Krankenkasse?

Auch jetzt schon übernehmen in Einzelfällen private und gesetzliche Krankversicherungen die Kosten. Dabei werden die Laborkosten von etwa 200 bis 300 Euro und die Beratungskosten gezahlt. Tatsächlich planen der Gemeinsame Bundesausschuss und die Krankenkassen ab voraussichtlich kommenden Jahr, die Kosten zu übernehmen, allerdings nur bei bestehendem Risiko einer Trisomie. Wie groß das ist, soll der Arzt bestimmen.

Grundsätzlich steigt das Risiko mit dem Alter der Schwangeren. Das sollte aber nicht das alleinige Kriterium für den Bluttest sein, mahnt der Gemeinsame Bundesausschuss. In der Praxis werde es aber tatsächlich schwierig, etwa mit der Nackenfaltenmessung das Risiko genauer einzuschätzen, bemerkt der Gynäkologe Ulrich Gembruch von der Uniklinik Bonn. Denn das Ergebnis der Ultraschalluntersuchung sei deutlich unzuverlässiger als der Bluttest.

Gäbe es bei kostenfreien Tests mehr Schwangerschaftsabbrüche?

Diese Frage ist nur schwer zu beantworten - selbst mit Statistiken, wenn es sie gäbe. Tatsächlich kann man schon jetzt sagen, dass viele Frauen in Deutschland und im europäischen Ausland den Test nutzen: Allein der Anbieter Lifecodexx hat seit Markteinführung 2012 rund 150.000 Tests verkauft. In den Niederlanden und in Belgien ist der Test bereits kostenfrei - und nach Expertenmeinung lässt sich tatsächlich der überwiegende Teil der Schwangeren testen

Dass dadurch Frauen wesentlich häufiger abtreiben als zuvor, ist unwahrscheinlich, glaubt der Humangenetiker Christian Netzer von der Uniklinik Köln. Entscheidend sei vielmehr, dass vor dem Test und nach Vorliegen eines auffälligen Ergebnisses die Eltern vom Arzt kompetent aufgeklärt werden, was die Trisomie des Kindes tatsächlich für sie bedeutet.

Eine Veränderung lässt sich aber schon jetzt statistisch klar ablesen: Seit der Markteinführung des Bluttests hat sich die Zahl der invasiven Fruchtwasseruntersuchungen mehr als halbiert. Damit ist hier das Risiko für das ungeborene Kind gesunken.“

https://www.tagesschau.de/inland/bluttests-101~_origin-35887691-f5cb-4e78-8975-79bf5b042e02.html

 

Die Debatte

 

Kim Björn Becker: „Man kann diese Debatte ja wunderbar leicht überhöhen. Man kann zum Beispiel sagen, es geht dabei um einen Konflikt zwischen der Selbstbestimmung werdender Eltern und dem Recht von Familien, deren Kind das Down-Syndrom hat, sich nicht dafür rechtfertigen zu müssen. Oder man kann sagen, hier wird gerade verhandelt, wie weit die Gesellschaft bei der vorgeburtlichen Gendiagnostik gehen will, wie viel Selektion sie Familien zugesteht und wo sie die Grenze zieht. Das alles ist nicht falsch, doch im Kern der Sache ist die Frage recht präzise zu fassen: Sollen die gesetzlichen Krankenkassen für einen neuen Bluttest auf Trisomie 21 aufkommen, wie das Down-Syndrom auch genannt wird, oder sollen sie nicht?

Der Bundestag hat am Donnerstagmorgen eine sogenannte Orientierungsdebatte zu dem sensiblen Thema geführt, und natürlich ging es am Ende um alle diese Punkte. Zum Beginn der Debatte, bei der aufgrund der ethischen Brisanz die üblichen Fraktionslinien keine Rolle spielen sollten, sprach sich die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Schmidtke (CDU), für die Kostenübernahme des Bluttests aus.

Die Tests seien seit einigen Jahren zugelassen, sagte Schmidtke, kein Gesetz könne sie wieder vom Markt nehmen. Und sie verwies darauf, dass die Tests, die am Blut der Mutter untersuchen, ob das Kind eine Form der Trisomie hat, nicht dasselbe Risiko haben wie eine Fruchtwasseruntersuchung. Die ist seit 1975 Standard und wird bei einem Verdacht, dass das Kind die Genveränderung aufweist, von der Kasse bezahlt. Dabei sticht der Arzt mit einer Kanüle in den Bauch der Mutter, bei einem Prozent der Fälle kommt es deshalb zu einer Fehlgeburt.

Schmidtke sagte, es sei weder rational noch medizinisch oder ethisch zu erklären, für diesen Test andere Grenzen zu ziehen als die risikobehafteten Verfahren wie die Fruchtwasseruntersuchung. Ähnlich argumentierte Karl Lauterbach, der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion. Der bessere, weil weniger riskante Bluttest, dürfe Frauen, die ihn sich nicht leisten könnten, nicht vorenthalten werden, sagte Lauterbach. Derzeit sind drei Bluttests auf dem Markt, sie kosten je nach Testumfang bis zu mehrere hundert Euro. „Eine Untersuchung ohne Risiko für Fötus und Schwangere ist deutlich besser als eine Untersuchung mit Risiko“, sagte die Linken-Abgeordnete Cornelia Möhring.

Die Gegner einer Kostenerstattung durch die Kassen warnten, dass eine Ausweitung der Tests dazu führe, dass noch mehr Kinder mit Trisomie 21 abgetrieben werden; derzeit sind es laut einem Bericht des Bundestages bereits neun von zehn. Zu den Gegnern des Bluttests gehören unter anderem die behindertenpolitische Sprecherin der Grünen, Corinna Rüffer, und die frühere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Der Test diene der Selektion, sagte Rüffer.

Der Sorge halten Fachleute entgegen, dass eine befürchtete Ausweitung der Tests nicht geplant ist. Für die Zulassung des Bluttests als Kassenleistung ist der Gemeinsame Bundesausschuss zuständig, ein Gremium mit Vertretern von Krankenkassen, Ärzten und Patienten. Dort läuft gerade ein Stellungnahmeverfahren, der zuständige Fachausschuss hat aufgrund wissenschaftlicher Prüfungen empfohlen, den Bluttest zur Kassenleistung zu machen. Josef Hecken, der Vorsitzende des Gremiums, verwies auf die Beschlussempfehlung, der zufolge vorgesehen ist, dass der Bluttest unter denselben Voraussetzungen eingesetzt werden soll wie jetzt die riskante Fruchtwasseruntersuchung – nämlich nur dann, wenn der Arzt eine Risikoschwangerschaft feststellt und Gründe für die Vermutung hat, dass das Kind mit Down-Syndrom auf die Welt kommen könnte.

Einige Abgeordnete sprachen sich am Donnerstag dafür aus, die Beratung von Schwangeren zu verbessern. In der Diskussion ist eine verpflichtende Beratung von Eltern vor einer genetischen Untersuchung des Fötus‘. Kritiker wie der CDU-Gesundheitspolitiker Rudolf Henke wenden ein, dass Ärzte bei der Beratung häufig zuvorderst eigene Haftungsrisiken im Blick hätten und Eltern dahingehend beraten würden, das Kind im Zweifel nicht zu bekommen. Dazu könnte eine verpflichtende Beratung etwa bei einer Behinderteneinrichtung oder einer Kirche ein Gegengewicht darstellen.“

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kostenuebernahme-fuer-bluttests-auf-down-syndrom-16135783.html

 

Leben der Menschen mit Trisomie 21 und der Umgang der Gesellschaft damit

 

Geborenes menschliches Leben ist für den Wurm „heilig“. Jegliche Art von seelischen und körperlichen Schmerzen haben gegenüber Menschen (und anderen Lebewesen) zu unterbleiben.

Menschen, die Probleme welcher Art auch immer haben, ist nach Möglichkeit zu helfen.

Sollte ein etwas einfach strukturierter Mensch die Bemerkung fallen lassen, dass behinderte Menschen der Gesellschaft zu viel Geld kosten, kann mensch leicht mit zwei Argumenten kontern: zum einen, dass der Staat jährlich vollkommen unnötig auf viele Milliarden Steuer-Einnahmen verzichtet. Nämlich durch eigene Unfähigkeit und Steuerbetrug, siehe unter anderem http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/117-diebstahl-ungeheuren-ausmasses.html und http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/363-cum-und-ex.html .

Zum andern mit der konsequent weiter gedachten Frage: wenn „wir“ sie alle töten, bleiben uns die Kosten erspart. Und wenn wir ihre Überreste verwerten (etwa mit Organhandel oder als Tierfutter), machen wir noch ein Geschäft mit ihnen. Normalerweise ist dann sehr schnell Ruhe.

Ein wie auch immer behinderter Mensch soll das beste Leben führen, das mensch ihm ermöglichen kann.

Wie sieht es aber aus, wenn der behinderte Mensch noch gar nicht geboren ist? Sprich: durch einen Test festgestellt wurde, dass der Fötus im Mutterleib den Gendefekt Trisomie 21 hat?

Die Entscheidung darüber, ob das Kind abgetrieben oder auf die Welt gebracht werden soll, liegt bei den Eltern. Wenn sie sich für das Kind entscheiden, sollten sie sich aber sehr genau darüber im Klaren sein, was sie diesem antun.

 

Mediale Darstellung

 

In kaum einem anderen Gebiet wird dermaßen einseitig berichtet wie im Umgang mit Menschen mit Trisomie 21. Es werden fast ausschließlich glückliche Menschen präsentiert: glückliche Betroffene, glückliche Eltern, glückliche Geschwister, glückliche Betreuer.

Wenn allerdings ca. 90% der potentiellen Eltern mit einer Abtreibung reagieren und damit auf dieses große Glück verzichten, kann es mit diesem Glück so weit auch nicht her sein.

Ein klein wenig auf die Spur von ansonsten gern verschleierten Tatsachen kommt mensch durch einen eigentlich wohlmeinenden Artikel von Berit Uhlmann:

Um Eltern wenigstens einige Richtgrößen an die Hand zu geben, haben Mediziner aus den USA und den Niederlanden mehr als 2.600 Familien in beiden Ländern befragt. Es ist die größte Erhebung dieser Art, schreiben die Autoren um Brian Skotko von der Harvard Medical School in Boston. Die im Fachmagazin American Journal of Medical Genetics veröffentlichten Ergebnisse bestätigen, dass Kinder mit der Chromosomenstörung besonders viel Zeit für ihre Entwicklung brauchen.

So berichtete ein Drittel der US-Familien, dass ihr Nachwuchs auch im Alter von zwei bis drei Jahren noch nicht richtig laufen konnte. Manche der Kleinen lernten erst im Grundschulalter, mit der Gabel zu essen. Doch diese Schwierigkeiten wuchsen sich bei fast allen komplett aus.

Bis zum Ende des 30. Lebensjahres, als die Entwicklung abgeschlossen war, konnten zudem fast 80 Prozent der jungen Menschen verständlich sprechen und sich selbständig um ihre Körperhygiene kümmern. 70 Prozent waren in der Lage, einer Arbeit nachzugehen. Knapp jeder Zweite konnte einigermaßen gut lesen, schreiben und Mahlzeiten zubereiten. Die größten Schwierigkeiten hatten die jungen Menschen, wenn sie Verkehrsmittel benutzen wollten - sowie bei der Partnersuche. Maximal 30 Prozent kamen in diesen Bereichen allein zurecht. Doch immerhin ein Drittel der amerikanischen Befragten schaffte es, mehr oder weniger unabhängig von den Eltern zu leben. Die niederländischen Familien beschrieben Ähnliches.

Insgesamt schwankte die Ausprägung der Fähigkeiten stark. So berichteten einige Eltern, dass Sohn oder Tochter manche Alltagsfertigkeiten gar nicht lernten. Gründe dafür könnten eine unzureichende Förderung, aber auch körperliche Probleme oder Unterschiede in der Intelligenz sein, schreiben die Mediziner.

Uneingeschränkt verlässlich sind ihre Daten indes nicht. Die Angaben der Eltern wurden nicht objektiv überprüft. Es ist also durchaus möglich, dass sie die Fähigkeiten ihrer Kinder etwas zu optimistisch einschätzen. So ist nicht klar, wie und in welchem Umfang die jungen Menschen arbeiten. Doch auch andere US-Studien ergaben, dass die Mehrheit der Menschen mit Down-Syndrom einen Job hatte, wenngleich viele in Teilzeit. Am häufigsten arbeiteten sie in der Gastronomie, der Landschaftspflege, in Büros oder als Hausmeister. Dass die Eltern nicht zufällig und repräsentativ ausgewählt wurden, erschwert die Verallgemeinerung zusätzlich.

Dennoch erlaubt die Arbeit einen Blick darauf, wie Eltern ihre Situation und die ihrer Kinder einschätzen. In diesem Zusammenhang ist auch interessant, was einige der beteiligten Forscher schon vor Jahren herausfanden. Sie hatten Menschen mit Down-Syndrom gefragt: Sind Sie glücklich? Mögen Sie sich selbst? Gefällt Ihnen Ihr eigenes Aussehen? Lieben Sie Ihre Familie? Auf alle Fragen antworteten mindestens 96 Prozent mit "Ja".“

https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/entwicklung-kinder-down-syndrom-1.4275457

Anders ausgedrückt: „Bis zum Ende des 30. Lebensjahres“ können mehr als 20% nicht „verständlich sprechen“ und sich nicht „selbständig um ihre Körperhygiene kümmern“. Es wäre schon merkwürdig, wenn diejenigen auf die Frage „Sind sie glücklich?“ mit „mindestens 96 Prozent“ mit „Ja“ antworten würden.

Es wird nicht näher auf die Arbeiten der Behinderten eingegangen. 30 Prozent waren also nicht in der Lage, einer Arbeit nachzugehen. Der Wurm geht davon aus, dass es bei den restlichen 70 Prozent nur relativ Wenige gibt, die bei ihrer Arbeit mehr verdienen als die Kosten, die für die Subventionierung dieser Arbeit ausgegeben wird.

Die Meisten dürften in Behindertenwerkstätten arbeiten. Durch ihre hohe Emotionalität dürfen sie von den „Aufpassern“ nur sehr sanft behandelt werden. Das fällt nicht Jedem leicht, wenn Einem gerade der Kragen zu platzen droht – wird allerdings dadurch kompensiert, dass sie oft und gerne von den Behinderten in für sie glücklichen Momenten umarmt werden.

 

Krankheiten

 

Aus „Wikipedia“: „Zu den innerorganischen Besonderheiten, die bei vielen Babys mit Down-Syndrom auftreten, zählen:

- Herzfehler bei 40 bis 60 Prozent der Neugeborenen; am häufigsten kommt der Atriumseptumdefekt (ASD) und der Atrio-ventrikuläre Septumdefekt (AV-Kanal) vor; in der Regel operativ korrigierbar

- Darmverschlüsse oder -verengungen bei rund zwölf Prozent der Neugeborenen; operativ korrigierbar

- Hirschsprung-Erkrankung/Morbus Hirschsprung bei rund zwölf Prozent der Neugeborenen; operativ korrigierbar …

Sensomotorik

Trisomie 21 führt beim Menschen zumeist zu einer geistigen Behinderung, deren Ausprägungsgrad individuell verschieden, aber besonders bei kompetenter Umwelt (Forderung und Förderung) häufig dem Spektrum einer leichten geistigen Behinderung zuzuordnen ist. Es können jedoch auch schwerwiegende Beeinträchtigungen im sensorischen und/oder körperlichen Bereich hinzukommen.

Sensorik

Vielfach können Beeinträchtigungen in der sensorischen Peripherie festgestellt werden: Etwa 57 von 100 Menschen mit Down-Syndrom sind schwerhörig. Häufig handelt es sich um Mittelohrschwerhörigkeit oder eine sensorineurale Schwerhörigkeit; oft verursacht durch enge Gehörgänge oder Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr (Paukenergüsse). Die Störungen können durch Hörgeräte oder Paukenröhrchen behoben werden. Bei 7 von 10 liegen Sehstörungen vor (beispielsweise Schielen, Kurz-/Weitsichtigkeit, Keratokonus (bis zu 15 %) oder Linsentrübungen). Veränderungen in der Hirnrinde lassen außerdem darauf schließen, dass die Körperselbstwahrnehmung und die Bewegungswahrnehmung gestört sind, was häufig eine Ergotherapie notwendig macht.

Körperliche Auffälligkeiten

Oftmals zeigen Menschen mit Trisomie 21 auch körperliche Auffälligkeiten: Atemwegserkrankungen sind z. B. aufgrund zumeist engerer Atemwege und eines schwächeren Immunsystems häufiger, ebenso Zöliakie und Funktionsstörungen der Schilddrüse (überwiegend Unterfunktion). Ca. 40 bis 60 Prozent kommen mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt, wobei der Atriumseptumdefekt (ASD) und der Atrio-ventrikuläre Septumdefekt (AVSD) am häufigsten vorkommen. Weiterhin kommen Leukämien im Kindesalter bei Menschen mit Trisomie 21 häufiger vor … Früher starben aufgrund fehlender medizinischer Behandlungsmöglichkeiten viele Menschen mit Down-Syndrom an den Folgen dieser Entwicklungsstörungen. Heutzutage jedoch sind sie in der überwiegenden Zahl der Fälle erfolgreich zu behandeln.

Bis zum 40. Lebensjahr entwickeln fast alle Menschen mit Trisomie 21 diagnostische Zeichen der Alzheimer-Krankheit. Klinisch auffällig wird die Demenz im Durchschnitt mit 55 Jahren, wobei hier auch aufgrund diagnostischer Schwierigkeiten eine große Schwankungsbreite besteht. Das für die Entwicklung der Krankheit verantwortlich gemachte Amyloid-Precursor-Protein ist auf Chromosom 21 codiert, was vermutlich durch die verstärkte Expression zu dem frühen und sehr häufigen Auftreten von Alzheimer-ähnlichen Krankheitszeichen führt.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung von Europäern mit Down-Syndrom ist von durchschnittlich neun Jahren (1929) auf 60 Jahre (2004) gestiegen, insbesondere da Organfehlbildungen heutzutage in der Regel sehr gut behandelt werden können. Mittlerweile erreicht jeder zehnte Mensch mit Down-Syndrom das 70. Lebensjahr. Der älteste bekannte Mensch mit Down-Syndrom verstarb 2012 im Alter von 83 Jahren …

Durch das Down-Syndrom können Funktionsbeeinträchtigungen der Sprechorgane verursacht sein, zum Beispiel durch eine eher schlaffe und weniger bewegliche Zunge. Durch die offene Mundhaltung aufgrund einer allgemeinen Muskelhypotonie (Abnahme des Muskeltonus), durch eine deutlich erschwerte Nasenatmung und durch eine deutlich verminderte Atem-Vitalkapazität kommt es häufiger zu Infektionen und Erkältungskrankheiten. Außerdem können Fehlbildungen an Zähnen, Kiefer, Gaumen, Gaumensegel und Zunge die sprechmotorischen Grundlagen erheblich beeinflussen …

Die Wahrscheinlichkeit für einen Menschen mit Trisomie 21, eine Form der Epilepsie zu entwickeln, liegt bei etwa fünf bis zehn Prozent.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Down-Syndrom

 

Im Alter

 

Auszüge aus der Diplomarbeit „Menschen mit Down-Syndrom: Verhaltensänderungen im Alter“ von Karin Böhm aus dem Jahr 2007 (der besseren Lesbarkeit halber hat der Wurm die im Original angeführten Quellen nicht mit aufgeführt).

 

Altern

 

Es lassen sich allgemein zwei Arten des Alterns beobachten:

(a) Der „normale“ Alterungsprozess, der mit einer allmählichen Veränderung der kognitiven und sozialen Fähigkeiten einhergeht. Dieser setzt jedoch bei Menschen mit Down- Syndrom früher als bei der Allgemeinbevölkerung als auch bei Menschen mit einer anderen geistigen Behinderung ein: „Er macht sich tatsächlich bereits ab dem 45. Lebensjahr bemerkbar“. Menschen mit Down-Syndrom besitzen generell eine geschwächte physische und psychische Gesundheit, dies hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Alterungsprozess.

(b) Das pathologische Altern, das bei Menschen mit Down-Syndrom insbesondere durch das frühzeitige Auftreten einer DAT gekennzeichnet ist.“ (DAT = Alzheimer)

 

Freundschaften und Bekanntschaften

 

Menschen mit geistiger Behinderung haben kaum Freunde und Bekannte ohne geistige Behinderung. Der häufigste Kontakt findet mit Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern statt. Beziehungen zu Personen ohne geistige Behinderung außerhalb der Wohneinrichtung werden somit als etwas Besonderes betrachtet.“

 

Kompetenzformen“

 

Aufgrund verringerter affektiver und emotionaler Kontrolle sind die Belastungs- und Trauerreaktionen bei Menschen mit geistiger Behinderung intensiver. Aus diesem Grund muss nach dem Auftreten von Verlusten eher mit tief greifenden psychischen Reaktionen gerechnet werden.

Die körperliche Ermüdung und seelische Erschöpfung nehmen bei Menschen mit geistiger Behinderung im Alter besonders stark zu, der Antrieb ist verringert.

Bei einzelnen Formen geistiger Behinderung - vor allem beim Down-Syndrom - ist die Gefahr des Auftretens einer Demenz im Alter erkennbar erhöht."

 

Schmerzen

 

Schmerzen können einen negativen Einfluss auf die psychische Gesundheit haben und „Verhaltensauffälligkeiten oder depressive Stimmungen hervorrufen“. Viele verschiedene Erkrankungen sind mit Schmerzen verbunden. Bei Menschen mit Down-Syndrom sind dies z.B. Zahnprobleme, Ohrenentzündungen, Verstopfung oder atlanto-axiale Subluxation (unvollständige Ausrenkung des Atlantoaxialgelenks).

Viele Menschen mit Down-Syndrom beklagen sich trotz (sehr) schmerzhaften, gesundheitlichen Problemen kaum oder gar nicht. Auf der einen Seite wird dahinter eine erhöhte Schmerztoleranz vermutet, auf der anderen Seite wird aber auch angenommen, dass Angehörige oder Betreuer Beschwerden von Menschen mit Down-Syndrom nicht wahrnehmen bzw. richtig interpretieren. Als weitere mögliche Gründe wird zum einen mangelnde Kommunikationsfähigkeit, zum anderen aber auch eine nicht gut entwickelte Selbstwahrnehmung und -mitteilung gesehen, die es den Menschen mit Down-Syndrom erschwert, anderen mitzuteilen, dass es schmerzt. Auch die Erinnerung an eine frühere, unangenehme Untersuchung, die die Erwähnung von Schmerzen nach sich gezogen hat, kann ein Grund sein, nicht über Schmerzen zu sprechen.“

Was Menschen mit Trisomie 21 in ihrem Leben alles mitgemacht haben müssen, lässt sich in diesem einen Satz ermessen: „Auch die Erinnerung an eine frühere, unangenehme Untersuchung, die die Erwähnung von Schmerzen nach sich gezogen hat, kann ein Grund sein, nicht über Schmerzen zu sprechen.“

 

Wahrnehmungsstörungen

 

Das Deutsche Down-Syndrom InfoCenter sieht in der allmählichen Abnahme des Hör- und/oder Sehvermögens eine Ursache für den Abbau der Fähigkeiten bei fortgeschrittenem Alter von Menschen mit Down-Syndrom. Viele Hör- und/oder Sehprobleme bei Menschen mit Down-Syndrom bleiben unerkannt und werden nicht oder zu spät diagnostiziert. Dies liegt entweder daran, dass Menschen mit Down-Syndrom z.B. aufgrund eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit, Angehörigen oder Betreuern eine Abnahme ihres Hör- und/oder Sehvermögens gar nicht mitteilen können. Oder daran, dass selbst schwere Hör- und/oder Sehstörungen von den Betroffenen gar nicht als Veränderung wahrgenommen werden, sondern akzeptiert und somit nicht Angehörigen oder Betreuern mitgeteilt werden. Auch Angehörige und Betreuer selbst erkennen eine Abnahme des Hör- und/oder Sehvermögens oft nicht oder die daraus resultierenden Verhaltensänderungen wie z.B. Inaktivität, Abnahme des Sprechens, Inflexibilität, Ablehnung des Laufens werden falsch interpretiert.

Wahrnehmungsstörungen führen zu Verunsicherung und Verwirrung der Betroffenen sowie gleichzeitig zu einem Verlust des Interesses an der Umgebung. Dies wiederum führt häufig zur Isolation oder es kommt zu aggressiven Verhaltensweisen. Insbesondere Hör- und/oder Sehprobleme haben „einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden einer Person und auf ihr Zurechtkommen im Alltag“. Durch das Nachlassen der Hör- und/ oder Sehkraft können Aufgaben nicht mehr wie früher erledigt werden und es kommt zum Rückzug aus dem Geschehen. Dies wird dann oft (vorschnell) auch als Abbau der Fähigkeiten interpretiert. Durch entsprechende Hilfsmittel (z.B. Hörgeräte, Brillen) kann dies jedoch (bereits im Vorfeld) verhindert werden.

Bei älter werdenden und alten Menschen mit Down-Syndrom treten Hörprobleme im Vergleich zu jüngeren Menschen mit Down-Syndrom und zu Gleichaltrigen mit anderen Formen geistiger Behinderung häufiger auf. Dabei ist die Altersschwerhörigkeit bei Menschen mit Down-Syndrom relativ häufig und kann bereits ab einem Alter von 20 Jahren festgestellt werden. Von den über 60-Jährigen und älteren Menschen mit Down-Syndrom können 22 % schlecht hören und 22 % sind taub. Schwerhörigkeit kann zu Kommunikationsproblemen führen, d.h. die schwerhörige Person reagiert z.B. nicht auf Ansprache oder nur verzögert, so dass der Eindruck entstehen kann, dass der Inhalt des Gesagten nicht verstanden wird. Das Deutsche Down-Syndrom InfoCenter empfiehlt daher, dass die Altersschwerhörigkeit „bei differenzialdiagnostischen Überlegungen zu kognitiven Defizienzerscheinungen im Erwachsenenalter berücksichtigt werden [sollte]“.“

Hier werden also die ansonsten meist verschwiegenen „aggressiven Verhaltensweisen“ bei den sonst so Glücklichen erwähnt.

Die Prävalenzrate der Sehprobleme ist bei Menschen mit Down-Syndrom stark erhöht: Während in der Normalbevölkerung der 65- bis 74-Jährigen die Prävalenz bei 6,5 % liegt, liegt sie in dieser Altersgruppe bei Menschen mit geistiger Behinderung (ohne Down-Syndrom) bei 17,4 % und bei Menschen mit Down-Syndrom bei 70 %. In der Regel nimmt die Sehkraft allmählich ab, es kann aber auch zu plötzlichen massiven Sehstörungen kommen z.B. bei Frauen, ausgelöst durch die Wechseljahre.

Neben der „normalen“ Fehlsichtigkeit (Weit- oder Kurzsichtigkeit) tritt bei Menschen mit Down-Syndrom vor allem der Keratokonus (kegelförmige Vorwölbung der Hornhautmitte) auf. Dies führt häufig zu einer irregulären, meist kurzsichtigen Stabsichtigkeit. Bei sehr vielen Menschen mit Down-Syndrom kann mit zunehmendem Alter auch eine erworbene Linsentrübung (Katarakt oder Grauer Star) nachgewiesen werden. Auch ein Glaukom (Grüner Star) kann Ursache von Sehproblemen bei Menschen mit Down-Syndrom sein. Im späteren Stadium kommt es hierbei zu Gesichtsfeldausfällen (Skotome) und zum Nachlassen der Orientierungsfähigkeit. Ebenso treten Probleme der Tiefenwahrnehmung bei Menschen mit Down-Syndrom vermehrt auf. Betroffene empfinden es als schwierig von einem Bodenbelag zum anderen zu wechseln oder über unebene Flächen zu gehen; sie entwickeln manchmal auch Angst vor der Benutzung von (Roll-)Treppen. Die Folgen können Verweigerung und Rückzug sein.“

 

Schilddrüsenfunktionsstörungen

 

Bei der Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) bildet die Schilddrüse zu wenig oder gar kein Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Diese Schilddrüsenhormone beeinflussen nahezu alle Stoffwechselvorgänge des Menschen. Bei einem Mangel an diesen Hormonen laufen alle Stoffwechselvorgänge verlangsamt ab.

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit einer Schilddrüsenunterfunktion. Sie kann sich allmählich entwickeln und wird häufig nicht (sofort) erkannt. Bei 20 % bis 30 % der Menschen mit Down-Syndrom tritt eine Hypothyreose auf, in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen liegt die Prävalenz bei Menschen mit Down-Syndrom bei 45,5 %. „Einige klinische Zeichen sind:

- trockene Haut, sprödes Haar

- nachlassende geistige und körperliche Fähigkeiten

- zunehmende Kälteintoleranz

- unerklärbare Gewichtszunahme

- Obstipation.“.

Da diese Zeichen auch als spezifisch für das Down-Syndrom gelten, werden sie manchmal nicht mit anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht und als Teil der Behinderung angenommen. Bei Nichtbehandlung kann eine Hypothyreose zu Halluzinationen und Koma führen. Hypothyreose kann darüber hinaus Depressionen verursachen sowie „demenzartige Symptome hervorrufen“. Laut dem Deutschen Down-Syndrom InfoCenter gibt es viele Berichte über Menschen mit Down-Syndrom, bei denen nach einer Behandlung viele Symptome der Hypothyreose wieder verschwunden sind und die so ihre Fähigkeiten wieder zurück gewonnen haben.

Bei der Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) produziert die Schilddrüse zu viel Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Typische Symptome sind u.a. Gewichtsverlust und Hyperaktivität. Die Hyperthyreose tritt deutlich seltener als die Hypothyreose auf. Sie kann eine Ursache für Verhaltensänderungen sein, kommt aber beim Down-Syndrom relativ selten vor.“

 

Autoimmunerkrankungen

 

Laut dem Deutschen Down-Syndrom InfoCenter ist bei Menschen mit Down-Syndrom auch mit einem vermehrten Auftreten von Autoimmunerkrankungen zu rechnen. Insbesondere werden die Zöliakie, die perniziöse Anämie und Diabetes mellitus genannt, da diese Erkrankungen „für das Wohlbefinden und die Entwicklung des ganzen Menschen ernsthafte Folgen haben können, deren Symptome gleichzeitig häufig mit dem ,klassischen’ Bild des Down- Syndroms übereinstimmen und deshalb oft unerkannt bleiben“.

Zöliakie kommt bei Menschen mit Down-Syndrom im Vergleich zur Normalbevölkerung relativ häufig vor. Unter Zöliakie wird die Unverträglichkeit von glutenhaltigem Getreide verstanden, die zu einer Zerstörung der Dünndarmschleimhaut führt. Laut dem Deutschen Down-Syndrom InfoCenter wird in letzter Zeit über Zusammenhänge zwischen ernsthaften Verhaltensstörungen (insbesondere Depressionen) und Zöliakie berichtet.

Die perniziöse Anämie entsteht durch einen lang andauernden Vitamin-B12-Mangel. Bei Menschen mit Down-Syndrom besteht die Möglichkeit eines Vitamin-B12-Mangels z.B. durch eine Zöliakie. Neben den typischen Symptomen wie u.a. Mattigkeit, Schwindelgefühl, Leistungsminderung und Herzbeschwerden, kann es vor allem auch zu psychischen Symptomen wie Verwirrtheit, Verhaltensveränderungen und Wahnideen kommen.

Bei Menschen mit Down-Syndrom kommt auch Diabetes mellitus häufiger vor. Diabetes wird oft nicht sofort diagnostiziert und kann aufgrund des Unwohlseins des Betroffenen zu Veränderungen im Verhalten oder zu einer depressiven Stimmung führen. Eine zusätzliche Inkontinenz aufgrund des häufigen Harndrangs wird oft fälschlicherweise als ein Verhaltensproblem interpretiert. Selbst nach der Diagnose und der Behandlung des Diabetes mellitus kann ein zu hoher oder vor allem ein zu niedriger Blutzuckerspiegel ernsthafte Verhaltensprobleme verursachen.“

 

Gynäkologische Themen

 

Als prämenstruelles Syndrom (PMS) wird eine Anzahl von Symptomen, die bei Frauen häufig in der Woche vor Beginn der Periode einsetzen, bezeichnet. Diese Symptome können sowohl körperliche Schmerzen (z.B. Kopf- und Rückenschmerzen), als auch Stimmungsschwankun­gen, Reizbarkeit oder depressive Verstimmungen sein.

Wenn Veränderungen im Verhalten in der Woche vor der Periode bei einer Frau mit Down- Syndrom auftreten oder die Frau selbst über Beschwerden klagt, kann es sich also entweder um „normale“ Periodenschmerzen, ein PMS oder um beides gemeinsam handeln. Laut dem Deutschen Down-Syndrom InfoCenter leiden Frauen mit Down-Syndrom häufiger unter PMS und Periodenschmerzen als andere Frauen. Frauen mit Down-Syndrom zeigen allerdings oft sehr unterschiedliche Symptome wie z.B. Verhaltensauffälligkeiten, die nicht in einen direkten Zusammenhang mit einer PMS gebracht werden. Die Folge kann eine Fehldiagnose sein, die entweder eine medikamentöse Behandlung (z.B. mit Antidepressiva) der scheinbaren Verhaltensauffälligkeit nach sich zieht oder es wird nichts unternommen in der Annahme, dass diese Verhaltensweisen typisch für das Down-Syndrom sind.

In den Wechseljahren lässt die Hormonproduktion in den Eierstöcken allmählich nach, bis diese ihre Funktion ganz einstellen. Die Dauer der Wechseljahre liegt durchschnittlich bei etwa zehn Jahren. Die Wechseljahre beinhalten folgende drei Stadien: die Prämenopause, die Menopause und die Postmenopause.

Frauen mit Down-Syndrom kommen relativ früh im Alter von ca. 40 Jahren in die Wechseljahre. Die sinkenden Mengen des in den Eierstöcken produzierten Hormons Östrogen wirken sich auf alle Frauen in gleichen Maßen aus, sind jedoch in ihrer Ausprägung individuell. Häufige Beschwerden sind Hitzewallungen, Müdigkeit, Schmerzen, Schweißausbrüche, Gewichtszunahme und Esslust, Depressionen und schwankende Gemütsstimmungen. Frauen mit Down-Syndrom können diese körperlichen Veränderungen während der Wechseljahre (meist) nicht verstehen oder richtig einordnen, z.B. Schweißausbrüche von normalem Schwitzen bei Anstrengung unterscheiden. Dies verunsichert nicht nur, sondern kann eventuell zu Verhaltensauffälligkeiten führen, die falsch interpretiert werden. Es kann also vorkommen, „dass emotionale Symptome als herausforderndes Verhalten erlebt und nicht adäquat behandelt werden“.“

 

Spätepilepsie

 

Zusätzlich zu einer Demenz des Alzheimer-Typs (DAT) entwickeln Menschen mit Down- Syndrom sehr häufig Epilepsien. Laut dem Deutschen Down-Syndrom InfoCenter tritt diese so genannte Spätepilepsie bei Menschen mit Down-Syndrom und einer DAT bei bis zu 75 % auf, während nur etwa 10 % der Menschen ohne Down-Syndrom und einer DAT erkranken. Insgesamt nimmt die Inzidenz für Epilepsien bei zunehmendem Alter bei Menschen mit Down-Syndrom im Gegensatz zu Menschen mit geistiger Behinderung ohne Down-Syndrom zu. Epileptische Anfälle bedeuten für Betroffene (zusätzlichen) psychischen Stress, wobei vor allem die Unvorhersehbarkeit der Anfälle Angst auslöst, die „zur emotionalen Lähmung und Inaktivität führen kann“.“

 

Orthopädische Probleme

 

Die Ursache fast aller Erkrankungen der Knochen und Gelenke bei Menschen mit Down- Syndrom liegt in einem abweichenden Kollagen. Kollagen ist das wichtigste Protein, das Bänder, Sehnen, Knorpel, Knochen und Haustrukturen bildet. Die Auswirkungen dieses abweichenden Kollagens bei Menschen mit Down-Syndrom zeigen sich in der Bänderschlaffheit und einem geringen Muskeltonus, was zu orthopädischen Problemen bei Menschen mit Down-Syndrom beiträgt. Hinzu kommt noch der altersbedingte Verschleiß der Gelenke, der bei Menschen mit Down-Syndrom früher auftritt.

Atlanto-axiale Instabilität ist die Instabilität der oberen Halswirbel, welche mit zunehmendem Alter ein größeres Risiko darstellt. Diese Instabilität „kann Unbehagen verursachen und eventuell zu neurologischen Veränderungen führen, u.a. zu einer Muskelschwäche in Armen und Beinen, zur Harn- und/oder Stuhlinkontinenz oder zu Gehstörungen“.

Osteoporose ist eine Stoffwechselerkrankung der Knochen, die durch Östrogenmangel verursacht wird und insbesondere bei Frauen in den Wechseljahren auftritt. Bei Frauen mit Down- Syndrom, die relativ früh in die Wechseljahre kommen, muss mit einem frühzeitigen Auftreten von Osteoporose gerechnet werden. Etwa 60 % der 50-Jährigen und älteren Menschen mit geistiger Behinderung haben eine Osteoporose, wobei Menschen mit Down-Syndrom am meisten betroffen sind. Im Gegensatz zur Normalbevölkerung scheint Osteoporose auch vermehrt bei Männern mit Down-Syndrom aufzutreten.“

 

Atemstörungen (Apnoe)

 

Menschen mit Down-Syndrom haben eine höhere Prävalenzrate bei zunehmendem Alter für ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom. Bei dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom handelt es sich um im Schlaf auftretende Atempausen, die durch Verengung der oberen Atemwege ausgelöst werden. Symptome sind „erschwerte morgendliche Weckbarkeit, Kopfschmerzen, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten sowie verminderte geistige Leistungsfähigkeit“.“

 

Übergewicht und Adipositas

 

Viele Menschen mit Down-Syndrom neigen zu Übergewicht. Übergewicht und Adipositas sind ein großer Risikofaktor sowohl für viele chronische Krankheiten (vor allem Probleme im Herz-Kreislaufsystem und Diabetes mellitus) als auch für orthopädische Probleme (z.B. Überlastung der Gelenke). Folgeerscheinung von Übergewicht und Adipositas können „eine verminderte soziale Akzeptanz und mangelndes Selbstbewusstsein, bis hin zu Depressionen [sein]“.“

 

https://www.grin.com/document/88050

 

„Knapp jeder Zweite konnte einigermaßen gut lesen" - und kann somit lesen, was auf ihn noch alles zukommen wird. Von „Bis zum Ende des 30. Lebensjahres, als die Entwicklung abgeschlossen war" bis „Bis zum 40. Lebensjahr entwickeln fast alle Menschen mit Trisomie 21 diagnostische Zeichen der Alzheimer-Krankheit" ist auch keine lange Dauer. Der betroffene Mensch muss da aber schon ein sehr sonniges Gemüt haben, um in seiner Lage nicht depressiv oder aggressiv zu werden.

 

Behinderung aus religiöser Sicht

 

Christentum

 

Aus einem früheren Beitrag des Wurms:

Wenn Jesus mit seinen Jüngern Menschen heilt, ist das durchaus löblich. Weniger löblich ist, wodurch er Krankheiten (physische und psychische) herzukommen glaubt: durch Dämonen, Sünde bzw. Unglaube und Gottes „Offenbarung“.

Ein kranker Mensch ist also entweder von einem „Dämon“ besessen oder er ist ein (mehr oder weniger großer) Sünder. Oder er hat das Pech und Gott „offenbart“ sich an ihm. Heilung kommt dem entsprechend nicht aus medizinischer Behandlung, sondern aus Glaube. Anders ausgedrückt: Wer krank wird oder krank bleibt, glaubt zu wenig: eigene Schuld bzw. „Strafe Gottes“.

Hier die Stellen dazu, die Jeremias Juchtenkäfer von der Arbeitsgruppe REA (Religiöses, Esoterisches, Abstruses) zusammengetragen hat:

Und als Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ Matthäus 9; 2

Und siehe, eine Frau, die zwölf Jahre blutflüssig war, trat von hinten herzu und rührte den Saum seines Kleides an. Denn sie sagte bei sich selbst: Wenn ich nur sein Kleid anrühre, so bin ich gerettet! Jesus aber wandte sich um, sah sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen! Und das Weib war gerettet von jener Stunde an.“ Matthäus 9; 20-22

Als er nun ins Haus kam, traten die Blinden zu ihm. Und Jesus fragte sie: Glaubt ihr, daß ich solches tun kann? Sie sprachen zu ihm: Ja, Herr! Da rührte er ihre Augen an und sprach: Euch geschehe nach eurem Glauben! … Als sie aber hinausgingen, siehe, da brachte man einen Menschen zu ihm, der stumm und besessen war. Und nachdem der Dämon ausgetrieben war, redete der Stumme.“ Matthäus 9; 28-33

http://bibel-online.net/buch/schlachter_1951/matthaeus/9/#1

Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Frau, dein Glaube ist groß; dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter war geheilt von jener Stunde an.“ Matthäus 15; 28

http://bibel-online.net/buch/schlachter_1951/matthaeus/15/#1

Darnach findet ihn Jesus im Tempel und spricht zu ihm: Siehe zu, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, damit dir nicht etwas Ärgeres widerfahre.“ Johannes 5; 14

http://bibel-online.net/buch/schlachter_1951/johannes/5/#1

Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren ist? Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern; sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbar würden!“ Johannes 9; 2-3

http://bibel-online.net/buch/schlachter_1951/johannes/9/#1

Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht nur tun, was mit dem Feigenbaum geschah, sondern auch, wenn ihr zu diesem Berge sagt: Hebe dich und wirf dich ins Meer! so wird es geschehen. Und alles, was ihr gläubig erbittet im Gebet, werdet ihr empfangen.“ Matthäus 21; 21-22

http://bibel-online.net/buch/schlachter_1951/matthaeus/21/#1

Die Dämonen stehen bei Matthäus in 8; 28-31 + 10; 1 + 12; 43-45 + 17; 18 und ein Engel mit einer Art „Heilbad“ gibt’s bei Johannes 5; 4.

Auch Nicht-Christen meinen durch die christliche Propaganda zu wissen, dass Jesus ein humanistischer Traum sei. Tatsächlich ist Jesus aus humanistischer Sicht ein katastrophaler Alptraum. Nicht nur wg. der Gleichung „Krankheit = Sünde“. Mensch muss sich nur mal vorstellen, was die armen Menschen im christlichen Mittelalter alles mitmachen mussten. Vor allem dann, wenn sie krank waren. Auch in der Masse: Epidemien galten als Strafe Gottes. Es wurde nicht geheilt, sondern gebetet.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/52-glauben-und-wissen.html

 

Islam

 

Allah hat keine Krankheit herabkommen lassen, ohne daß Er für sie zugleich ein Heilmittel herabkommen ließ", heißt es in einem Hadith (Überlieferungen über den Propheten Mohammed). Die muslimischen Gelehrten waren zuversichtlich, daß tatsächlich jede Krankheit heilbar war, wenn sie – so Gott will – nur die richtigen Heilmittel dafür fänden.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/52-glauben-und-wissen.html

 

Buddhismus

 

Da die heutzutagigen Menschen gerne ihre eigene Religion zusammenbasteln und der Buddhismus dabei groß in Mode ist, geht der Wurm gerne kurz auf den Buddhismus ein.

Der Mensch wird nach dem Tode immer wieder neu geboren. Je nachdem, wie er sich im Leben verhalten hat, wird er mit der nächsten Wiedergeburt belohnt oder bestraft. Als behinderter Mensch wiedergeboren zu werden, wird demnach als gerechte Strafe angesehen. Entsprechendes Ansehen genießen behinderte Menschen im Buddhismus: ein sehr schlechtes.

Das höchste Ziel des Buddhisten ist es, aus den Wiedergeburten ins „Nichts“ auszutreten und die Schrecklichkeiten des Lebens zu verlassen.

 

Verurteilt zum Leben

 

Mensch sehe sich in seiner Umgebung um und frage sich, wie viele Menschen er kennt, die unglücklich sind, depressiv sind, aggressiv sind, dauernd rumjammern, sich wünschen, nie geboren worden zu sein. Wie viel mehr Menschen gäbe es von der Sorte, wenn sie die Torturen mitmachen müssten, wie es Menschen mit Trisomie 21 tun?

Mensch frage sich, wie er sich fühlen würde, wenn er Trisomie 21 hätte. Mit Sicherheit mehrere Operationen mit all den Ungewissheiten, mit Sicherheit sehr viel mehr körperliche und geistige Probleme das ganze Leben hindurch als „Normalos“, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine Möglichkeit, ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben zu führen, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine Freunde außerhalb des Umfelds von Familie, Betreuern oder anderen Behinderten, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sehr große Probleme ab ca. 40 Jahren, wenn es oft körperlich und geistig immer schlechter wird und die Eltern nicht mehr können oder gestorben sind.

Eltern, die vor der Wahl stehen, ein Kind mit Trisomie 21 zur Welt zu bringen oder abzutreiben, sollten nicht nur an sich selbst denken, sondern auch daran, ob sie dem zu gebärenden Kind einen Gefallen tun würden.

Es ist nicht auszuschließen, dass alles gut geht und alle Beteiligten glücklich werden. Nichtsdestotrotz sollten sich die potentiellen Eltern fragen: Schenken wir dem Kind das Leben oder verurteilen wir es zum Leben?

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm