Vor 200 Jahren wurde Friedrich Wilhelm Heinrich Raiffeisen geboren, der zu den Gründern der genossenschaftlichen Bewegung in Deutschland gehört.

Mittlerweile gibt es weltweit über 800 Millionen Genossenschafts-Mitglieder; davon über 20 Millionen in Deutschland.

Die Gemeinwohl-Ökonomie greift den genossenschaftlichen Gedanken auf und entwickelt ihn zu einem ganzheitlichen Konzept, dem der Wurm wünscht, dass es großen Erfolg hat.

 

Friedrich Wilhelm Heinrich Raiffeisen und das Genossenschafts-Wesen

 

Marvin Brendel hat eine sehr schöne Webseite zur Geschichte der Genossenschaften, aus der der Wurm gerne zitieren möchte: http://genossenschaftsgeschichte.info/

 

Biografie: Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888)

 

„Denkt man an ländliche Genossenschaften, so kommt einem fast zwangsläufig auch der Name Friedrich Wilhelm Raiffeisen in den Sinn. Neben Hermann Schulze-Delitzsch gilt er als der große Gründervater des deutschen Genossenschaftswesens. Doch wer war der Mann, dessen Name bis heute in der Bezeichnung zahlreicher Bank- und anderer Genossenschaften weiter lebt?

Friedrich Wilhelm Heinrich Raiffeisen wurde am 30. März 1818 am Nordrand des Westerwaldes im damals preußischen Hamm an der Sieg geboren. Er war das drittjüngste von insgesamt neun Kindern des aus Schwaben stammenden Landwirts Gottfried Friedrich Raiffeisen und seiner Frau Amalia [Amalie] Christiane Susanna Maria, geb. Lantzendörffer.

Raiffeisens Kindheit war von finanziellen Nöten geprägt. Werte wie Fleiß und Sparsamkeit, aber auch die von der Mutter vermittelte Gottesfurcht, wurden schnell Teil seiner Persönlichkeit. Nach dem Besuch der örtlichen Volksschule wurde er für weitere drei Jahre vom örtlichen Pfarrer Georg Wilhelm Heinrich Seippel in neueren Sprachen, Geschichte und Mathematik unterrichtet. Gleichzeitig sorgte Seippel dabei beim jungen Raiffeisen sicherlich für eine noch stärkere Verankerung des göttlichen Glaubens und der Nächstenliebe.

 

Militärzeit und Verwaltungsdienst

 

1835 meldete sich Raiffeisen als 17-Jähriger freiwillig zum Militär. Nach dreijährigem Dienst bei der 7. Artillerie-Brigade in Köln kommandierte man ihn nunmehr als Unteroffizier zur Inspektionsschule nach Koblenz ab. Dort absolvierte er im Frühjahr 1840 die Prüfung zum Oberfeuerwerker. Danach wurde er an die staatliche Eisengießerei in Sayn bei Koblenz versetzt, wo er für die Abnahme der dort produzierten Eisenmunition verantwortlich war. Hier wurde er offenbar erstmals mit einer Augenerkrankung konfrontiert. Bis 1843 war das Leiden – das später fast zu seiner völligen Erblindung führen sollte – derart fortgeschritten, dass er den Militärdienst quittieren musste.

Stattdessen eröffnete sich für Raiffeisen bei der Regierung in Koblenz die Möglichkeit zu einer Weiterbildung als Verwaltungsbeamter. Infolge seiner dabei gezeigten guten Leistungen wurde er bereits im Herbst 1843 zum kommissarischen Kreissekretär für Mayen/Eifel ernannt. Im Februar 1845 wurde Raiffeisen dann im Alter von 27 Jahren zum Bürgermeister in Weyerbusch/Westerwald berufen. Auch hier bewährte er sich – unter anderem setzte er sich für den Bau von Schulen und einer für die Region wichtigen Straße (“Raiffeisenstraße”) ein – und empfahl sich so bei seinen Vorgesetzten auch für die Übernahme größerer Bürgermeistereien. Im Frühjahr 1849 wurde er daher erst als Bürgermeister in den mehr als 30 Orte umfassenden Amtsbezirk Flammersfeld versetzt, bevor er dann im Herbst 1852 als Bürgermeister von Heddesdorf eingesetzt wurde.

 

Genossenschaftliches Engagement

 

Erste Erfahrungen mit gemeinschaftlichen Zusammenschlüssen sammelte Raiffeisen bereits in Weyerbusch. Nach der schweren Missernte von 1846 bildete er dort zusammen mit wohlhabenden Bürgern im Notwinter 1846/47 eine Armenkommission (“Weyerbuscher Brotverein”). Anfänglich diente sie der Verteilung von Lebensmitteln aus staatlichen Magazinen. Doch bald weitete sie ihr Tätigkeitsfeld auf andere Aufgaben aus. So organisierten die Mitglieder unter anderem den gemeinschaftlichen Bezug von Saatgut sowie die Errichtung eines Gemeindebackofens.

Die positiven Ergebnisse ermunterten Raiffeisen, bei seinen Versetzungen nach Flammersfeld und Heddesdorf dort rasch ebenfalls entsprechende Vereine zu gründen. Wie in Weyerbusch, so setzte er aber auch beim Ende 1849 gegründeten “Flammersfelder Hilfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirte” bzw. dem 1854 ins Leben gerufenen “Heddesdorfer Wohltätigkeitsverein” auf mildtätige Zuwendungen wohlhabender Einwohner. Wie vor ihm aber auch schon der Gründervater der gewerblichen Genossenschaften, Hermann Schulze-Delitzsch, so musste auch Raiffeisen zu Beginn der 1860er Jahre erkennen, dass Wohltätigkeit und die von ihm immer wieder betonte christliche Nächstenliebe keine nachhaltige Grundlage für seine Vereine boten. Und wie Schulze-Delitzsch betonte nun auch Raiffeisen zunehmend den Gedanken der Selbsthilfe.

Privat musste Raiffeisen in dieser Zeit einige Schicksalsschläge verkraften. Seine erste Frau – die aus Remagen stammende Apothekertochter Emilie Storck, welche er am 23. September 1845 geheiratet hatte – verschied 1863 (nach einigen Quellen auch 1864) an den Folgen eines Herzschlags. Von ihren insgesamt sieben gemeinsamen Kindern starben drei noch im Kindesalter. Auch Raiffeisen ging es gesundheitlich immer wieder sehr schlecht. Während einer Typhusepidemie in seinem Amtsbezirk hatte er sich bei seinen Krankenbesuchen mit einem Nervenfieber infiziert. Seither litt er unter wiederkehrenden nervösen Störungen, die wahrscheinlich auch sein Augenleiden verschlimmerten und mehrfach zu einer zeitweisen Arbeitsunfähigkeit führten. Infolge dessen wurde Raiffeisen im Herbst 1865 im Alter von 47 Jahren pensioniert. Wegen seiner wenigen Dienstjahre fiel seine Pension mit 444 Talern im Jahr eher bescheiden aus. Zur Aufbesserung seiner finanziellen Verhältnisse gründete Raiffeisen daher erst eine – wenig erfolgreiche – Zigarrenfabrik und betätigte sich dann mit etwas mehr Erfolg im Weinhandel.

Daneben fand Raiffeisen nun auch wieder vermehrt Zeit, sich seinen genossenschaftlichen Ideen zu widmen. Ein wesentlicher Schritt zur weiteren Verbreitung seines Konzepts war das 1866 von ihm veröffentlichte Buch “Die Darlehnskassen-Vereine als Mittel zur Abhilfe der Noth der ländlichen Bevölkerung sowie auch der städtischen Handwerker und Arbeiter”. Darin schilderte er seine Erfahrungen beim Aufbau von Selbsthilfeorganisationen und gab Hinweise für die praktische Umsetzung. Der Ratgeber fand rege Verbreitung. Noch zu seinen Lebzeiten erschien er in insgesamt fünf jeweils erweiterten Auflagen, wobei Raiffeisen neben den Darlehnskassen-Vereinen auch auf andere Genossenschaftsarten wie Konsum-, Verkaufs-, Winzer-, Molkerei- und Viehversicherungsgenossenschaften einging.

Zu weiteren wichtigen genossenschaftlichen Ideen Raiffeisens zählte die Gründung von Zentralkassen, die insbesondere den überregionalen Geldausgleich zwischen den einzelnen Darlehnskassen übernehmen sollten, sowie der Zusammenschluss zahlreicher Einzelgenossenschaften durch die Bildung von übergeordneten Verbänden. Als Spitzenverband seiner ländlichen Genossenschaften gründete Raiffeisen dabei am 26. Juni 1877 unter Beteiligung von 24 Darlehnskassen-Vereinen in Neuwied den “Anwaltschaftsverband ländlicher Genossenschaften”.

 

Raiffeisens letzte Jahre

 

Auch nach seiner Pensionierung als Bürgermeister machte Raiffeisen immer wieder sein kränklicher Gesundheitszustand zu schaffen. Nicht nur das nervöse Nervenleiden trat immer wieder auf. Auch sein Augenleiden verschlimmerte sich zunehmend und führte zu seiner fast völligen Erblindung. Bei der täglichen Arbeit für die Verbreitung seiner Genossenschaftsidee war er daher bald sehr stark auf die Hilfe seiner ältesten Tochter Amalie (1846-1897) angewiesen. Scherzhaft von ihm auch als “Geheimsekretärin” betitelt, musste sie ihm Briefe und andere Schriftstücke vorlesen und seine Korrespondenz führen. Später forderte er sogar von ihr, wegen der Bedeutung ihrer Arbeit für sein Genossenschaftswerk auf eine geplante Ehe zu verzichten – ein Wunsch, dem Amelie am Ende auch nachkam.

Raiffeisen selbst hatte sich zwar 1868 mit der Witwe Maria Panserot (geborene Fuchs) ein zweites Mal verheiratet. Doch die angeblich recht spirituell eingestellte Frau – mit der er auch keine weiteren Kinder hatte – war ihm bei seiner Arbeit offenbar keine Hilfe.

1886 war Raiffeisens Gesundheitszustand schließlich derart angegriffen, dass er mit Wirkung vom 1. Mai 1886 von allen seinen Ämtern zurücktrat – wenn auch nur für kurze Zeit. Denn sein Nachfolger, Dr. Franz Behr, wurde schon im August des gleichen Jahres von einem Nervenleiden ergriffen, weshalb Raiffeisen wieder seine früheren Ämter übernahm. Nur wenige Monate später, im November 1886, zog er sich eine Lungenentzündung zu, die ihn früheren Quellen zufolge “an den Rand des Grabes brachte”. Zwar konnte er sich davon noch mal erholen, doch viel Zeit war ihm nun nicht mehr vergönnt. Ein gutes Jahr später verstarb Friedrich Wilhelm Raiffeisen am Mittag des 11. März 1888 in Heddesdorf bei Neuwied. Drei Tage später wurde er auf dem dortigen Friedhof in einem Familiengrab beerdigt.“

http://genossenschaftsgeschichte.info/biografie-friedrich-wilhelm-raiffeisen-629

 

Vormoderne Genossenschaften

 

„Der Begriff Genossenschaft wurzelt im altdeutschen Wort “noz” (=Vieh). Wer Anteil am Vieh bzw. einer Viehweide hatte, wurde als “Ginoz” bezeichnet. Die gemeinsame Viehhaltung war Angelegenheit der “ginozcaf”. Aus dem “Ginoz” wurde im Mittelhochdeutschen der “Genoz” und in der Neuzeit der “Genosse”. Der Begriff bezeichnet Gefährten mit gemeinsamen Erfahrungen oder Zielen, z.B. Kampf-, Eid- oder Bundesgenossen.

Allgemein heißt es, dass Genossenschaften in Deutschland mittlerweile auf eine mehr als 150-jährige Geschichte verweisen können. Diese Aussage bezieht sich auf die sogenannten “Modernen Genossenschaften”, deren historische Grundsteine ab Mitte des 19. Jahrhunderts von Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen gelegt wurden. Doch die beiden Genossenschaftspioniere haben das Konzept nicht erfunden – sondern “nur” eine sehr viel ältere Idee weiterentwickelt.

Was einer allein nicht schafft, das erreichen viele zusammen – dieses Kooperationsprinzip kannte man schon im Altertum, etwa bei Handwerkern im Alten Ägypten, Vereinen zur Begräbnissicherung im antiken Griechenland, Berufsverbänden (Collegien) im Alten Rom oder in der babylonischen Landwirtschaft. Auf deutschem Boden reichen die Anfänge der genossenschaftlichen Zusammenschlüsse zurück bis zur gemeinsamen Viehhaltung und Weidebewirtschaftung germanischer Sippenverbände. Von ihnen lässt sich die Entwicklung des Kooperationsprinzips über Haubergs-, Gehöfer- und Markgenossenschaften sowie die ab dem 8. bzw. 11. Jahrhundert entstehenden Gilden und Zünfte der Kaufleute und Handwerker bis in das Mittelalter weiter verfolgen.

Einige dieser vorindustriellen Zusammenschlüsse wiesen bereits die Charakteristika moderner Genossenschaften auf und bestehen in Einzelfällen sogar noch bis heute. Dazu zählen unter anderem die Theelacht zu Norden als eine über 1.000 Jahre alte bäuerliche Vereinigung zur Verwaltung der friesischen Marschen, die im Mittelalter entstandene Siegerländer Haubergswirtschaft zur gemeinschaftlichen und nachhaltigen Wald-, Feld- und Weidenutzung oder die im späten Mittelalter für den Holzhandel gegründete Murgschifferschaft im Nordschwarzwald.

Mit den “modernen” Genossenschaften verbindet die “vorkapitalistischen” Zusammenschlüsse das Ziel, durch Kooperation die (wirtschaftliche) Position der Mitglieder zu sichern. Allerdings waren viele dieser Vereinigungen noch als Zwangsorganisationen organisiert und fußten nicht auf dem Prinzip der Gleichberechtigung. Zudem erfassten sie ihre Mitglieder oft über alle ihre Lebensbereiche hinweg – von der Arbeit über die soziale Absicherung bis zum gesellschaftlichen Dasein. Dagegen sind Genossenschaften heute vorwiegend nur auf einen gemeinsamen, meist wirtschaftlich orientierten Zweck ausgerichtet.“

http://genossenschaftsgeschichte.info/vormoderne-genossenschaften-20

 

Die Wurzeln der modernen Genossenschaftsidee

 

„Im 19. Jahrhundert führten Bauernbefreiung, Industrialisierung und zunehmende Land-Stadt-Migration zu einer Verschärfung des Existenzkampfes auf dem Land und zu einem Niedergang traditioneller Strukturen im Handwerk. Um den sozialen Missständen in der Stadt und auf dem Land zu begegnen, schlossen sich Arbeiter und Landwirte unter anderem zu verschiedenen Genossenschaften zusammen.

Der Übergang von den vormodernen zu den modernen Genossenschaften geschah eher fließend mit Beginn des 19. Jahrhunderts. Es war eine Epoche großer Umwälzungen in Wirtschaft und Gesellschaft: Die Industrielle Revolution brach an, gekennzeichnet durch revolutionäre Veränderungen bei den Produktionstechniken (Dampfmaschine, mechanischer Webstuhl), der betrieblichen Organisation (Fabriken, Aktiengesellschaften) sowie dem Verkehrs- und Kommunikationswesen (Eisenbahn, Kanalbau, Verbrennungsmotor, Telegraphie, Telefon).

 

Massenproduktion und Überangebot an Handwerkern

 

Zu den Leidtragenden dieser Entwicklung zählten unter anderem die kleinen Handwerker und Gewerbetreibenden in den Städten. Denn statt bisher durch die kleinen Handwerksbetriebe vor Ort wurde die Versorgung der Bevölkerung zunehmend durch industriell gefertigte Waren aus teilweise weit entfernten Fabriken übernommen. Zudem litten sie unter den Folgen des starken Bevölkerungswachstums und einer zunehmenden Land-Stadt-Migration.

Da die Industrie vielerorts als Arbeitgeber anfänglich noch kaum ins Gewicht fiel, drängten immer mehr Arbeitssuchende in Berufe, die leicht und ohne großen Kapitalbedarf auszuüben waren und die infolge der Gewerbefreiheit und der Aufhebung des Zunftzwanges keinen Zugangsbeschränkungen mehr unterlagen. Schnell entstand beispielsweise bei Schuhmachern, Tischlern, Schneidern oder Webern ein Überangebot, das auf die Preise drückte und – zusammen mit der zunehmenden maschinellen Massenproduktion – zum Niedergang traditioneller handwerklicher Strukturen beitrug.

 

Armut auf dem Land

 

Ebenfalls stark betroffen von den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwälzungen waren weite Teile der ländlichen Bevölkerung. Hier hatten die Stein-Hardenbergschen Agrarreformen zwar zur Bauernbefreiung geführt. Doch als Ausgleich für den Wegfall ihrer Dienstbarkeit gegenüber den Gutsherren hatten viele der bis dahin gutsuntertänigen Bauern vor allem in den Gebieten östlich der Elbe ein Drittel bis teilweise sogar eine Hälfte ihres Landes abtreten müssen. Im Westen Deutschlands waren die Naturalabgaben vielfach durch langfristig tilgbare Geldrenten abgelöst worden. Statt weiter mit der direkten Abgabe von Feldfrüchten, Vieh oder Holz ihre Verpflichtungen zu erfüllen, mussten die Bauern ihre Erzeugnisse zuerst selbst in Geld verwandeln.

Viele von ihnen konnten sich daher kaum ihrer neu gewonnenen Freiheitsrechte erfreuen. Stattdessen gerieten sie in finanzielle Bedrängnis, wobei sie – anstatt von ihren früheren Grundherren, die immerhin gewisse Schutzpflichten gegenüber den Untertanen hatten – nun von wenig skrupellosen Geldverleihern abhängig wurden. Zusätzlich verschärft wurde ihre Situation oftmals durch den Verlust von Vieh sowie Missernten infolge schlechter Witterungsbedingungen.

Hinzu kamen die Auswirkungen der Industrialisierung: Gegenüber der maschinellen Massenproduktion verlor die insbesondere im Textilsektor verbreitete Heimarbeit schnell ihre Konkurrenzfähigkeit. Damit brach für viele Bauern eine Nebenerwerbsmöglichkeit weg, auf die gerade die Besitzer von Klein- und Kleinstbauernstellen als Ergänzung zur saisonalen Landarbeit angewiesen waren.

 

Die “Soziale Frage”

 

Insgesamt bedeutete diese Entwicklung für breite Bevölkerungsteile sowohl auf dem Land als auch in den Städten gravierende Einschnitte bei den Lebens- und Arbeitsbedingungen. Dabei sahen sich vor allem die unteren Bevölkerungsschichten von einer zunehmenden Verelendung betroffen. Hierzu zählten unter anderem:

- eine mangelhafte Wohnsituation in den anwachsenden Städten (triste, überbelegte Mietskasernen mit primitiven hygienischen Verhältnissen),

- prekäre Arbeitsbedingungen (Arbeitszeiten von zwölf und mehr Stunden, geringes Lohnniveau, fehlender Arbeitsschutz),

- Frauen- und Kinderarbeit und deren Folgen (fehlende Schulbildung, körperliche und seelische Schäden, Prostitution) sowie

- Trunksucht (infolge von Elendsalkoholismus bzw. auch von gefördertem Alkoholkonsum in den Fabriken zur Motivationssteigerung).

Als Gesamtheit für diese sozialen Missstände, die den Übergang von der Agrar- zur sich verstädternden Industriegesellschaft kennzeichneten, wurde der Begriff der “sozialen Frage” geprägt. Zu ihrer Lösung trugen eine Reihe neuer Bewegungen bei, zu denen neben der Gründung von Parteien oder dem Zusammenschluss der Arbeiter zu Gewerkschaften auch die Bildung von verschiedenen Genossenschaften gehörte.

 

Selbsthilfe als Ausweg

 

Die meisten Formen dieser modernen Selbsthilfeorganisationen entstanden dabei in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem in England und Frankreich, beeinflusst unter anderem durch Claude de Saint-Simon (1760-1825), Robert Owen (1771-1858), Charles Fourier (1772-1837) oder William King (1786-1865). Die dortigen Ideen zu Konsum-, Bau-, Einkaufs- oder Absatzgenossenschaften wurden auch in Deutschland verfolgt, übernommen und weiterentwickelt.

Als geistige Geburtsväter erwiesen sich dabei neben Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) und Hermann Schulze-Delitzsch (1808-1883) – welche beide heute als Gründerväter des deutschen Genossenschaftswesens gelten – unter anderem auch Heinrich Ahrens (1808-1874), Victor Aimé Huber (1800-1869), Eduard Pfeiffer (1835-1921), Otto Friedrich von Gierke (1841-1921) oder Max Sering (1857-1939).“

http://genossenschaftsgeschichte.info/wurzeln-der-modernen-genossenschaftsidee-58

 

Was sind Genossenschaften?

 

„Eine Genossenschaft ist ein freiwilliger Zusammenschluss von mindestens drei Mitgliedern (Genossen). Das wesentliche Ziel dabei ist die Förderung der gemeinsamen Interessen und des (in der Regel wirtschaftlichen) Nutzens der Mitglieder. Das können zum Beispiel Kostenvorteile durch günstige Beschaffungs- und Absatzkonditionen oder die gemeinsame Nutzung kostenintensiver Anlagen sein. Darüber hinaus bleiben die Mitglieder jedoch selbstständig.

Kennzeichnend für Genossenschaften ist das Vertrauen in die eigene Kraft, ausgedrückt durch die Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. In der Praxis bedeutet das, dass die Mitglieder ihrer Genossenschaft Kapital zur Verfügung stellen und dafür an allen wichtigen Entscheidungen zu Ausrichtung und Geschäftszweck der Genossenschaft beteiligt sind. Hierbei gilt im Gegensatz zu GmbHs oder Aktiengesellschaften in der Regel das demokratische Prinzip: Ein Mitglied, eine Stimme – unabhängig von der Zahl der jeweiligen Mitgliedsanteile.

Das zentrale Willensbildungsorgan einer Genossenschaft ist die Generalversammlung (bei größeren Genossenschaften mit mehr als 1.500 Mitgliedern auch Vertreterversammlung). Hier beschließen die Mitglieder nicht nur über die Satzung und die Verwendung erzielter Gewinne, sondern wählen aus ihren Reihen auch einen Aufsichtsrat. Dieser bestellt wiederum einen Vorstand, der die Geschäfte der Genossenschaft im Alltag führt und diese auch öffentlich nach außen vertritt. Vorstand und Aufsichtsrat sind den Mitgliedern wiederum zur Rechenschaft verpflichtet.

Genossenschaften müssen im Genossenschaftsregister eingetragen und einem Genossenschaftsverband mit gesetzlichem Prüfungsrecht angeschlossen sein.

 

Genossenschaften – mitnichten ein Relikt der Vergangenheit

 

Heute ist die genossenschaftliche Idee – ungeachtet aller Veränderungen der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – nach wie vor aktuell. Die rund 7.600 genossenschaftlich organisierten Unternehmen in Deutschland werden von 20,7 Millionen Mitgliedern getragen. Damit gibt es in der Bundesrepublik insgesamt sechs mal so viele Genossenschaftsmitglieder wie Aktionäre. Rein statistisch betrachtet profitiert jeder vierte Bundesbürger mittlerweile von der Zugehörigkeit zu einer der verschiedenen Genossenschaftssparten. Die wirtschaftlich stärkste Gruppe sind dabei die Kreditgenossenschaften. Ihre 16 Millionen Mitglieder bilden das Fundament einer Bankengruppe mit 30 Millionen Kunden und einer Bilanzsumme von über 1.000 Milliarden Euro.

Seit der jüngsten Novellierung des Genossenschaftsgesetzes 2006 ist zudem wieder ein kontinuierlicher Anstieg bei genossenschaftlichen Neugründungen erkennbar: Bereits 2007 wurden 159 neue Genossenschaften verzeichnet – fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor. 2011 waren es dann schon 370 Neugründungen. Tendenz weiter steigend.

Wie aktuell das Modell der Genossenschaften aber nicht nur in Deutschland ist, zeigt sich auch daran, dass die Vereinten Nationen das Jahr 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen haben. In der Begründung lobten die UN-Verantwortlichen unter anderem die Auswirkungen der genossenschaftlichen Bewegung auf die nachhaltige wirtschaftliche Stabilität ganzer (vor allem ländlicher) Regionen und die positiven Effekte für andere Wirtschaftssektoren.

 

Vielfältige Genossenschaftswelt

 

Genossenschaften sind also kein “Relikt der Vergangenheit”. Wie schon während der Industrialisierung sehen sich mittelständische Handwerker und Gewerbetreibende heute wieder einem starken Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Durch die Kooperation mit Gleichgesinnten können sie von Größenvorteilen beim Einkauf oder im Absatz profitieren. Und ähnlich wie sich die früheren Fabrikarbeiter gegen teure Händler mit schlechter Warenqualität zu Konsumgenossenschaften zusammenschlossen, vereinen sich heute Verbraucher beispielsweise für den preiswerten Bezug von Gas, Strom oder Wärme bzw. für Bau und Betrieb gemeinschaftlicher Solar- oder Biogasanlagen.

Daneben gibt es zudem viele Unternehmen, die von Verbrauchern gar nicht als Genossenschaften wahrgenommen werden. Dazu zählen etwa die Einzelhandelsgenossenschaften von Edeka und REWE, die zentrale Vergabestelle der deutschen Internet-Domains (DENIC), die DATEV als Genossenschaft für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte sowie “die tageszeitung” (taz).“

http://genossenschaftsgeschichte.info/was-sind-genossenschaften

 

Unesco: Genossenschaftsidee ist Kulturerbe der Menschheit

 

„Die Genossenschaftsidee gehört jetzt offiziell zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Das hat der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe der Unesco im Rahmen seiner Jahrestagung in Addis-Abeba beschlossen. Es handelt sich um den ersten Vorschlag aus Deutschland zur Aufnahme in die “Repräsentative Liste”. Bereits 2015 hatte die deutsche Unesco-Vertretung ihre erste internationale Nominierung unter dem Titel “Idee und Praxis der Organisation von gemeinsamen Interessen in Genossenschaften” eingereicht.

Die Unesco begründete ihre Wahl damit, dass die Genossenschaft eine allen offen stehende Form der gesellschaftlichen Selbstorganisation sei, ein Modell der kooperativen Selbsthilfe und Selbstverantwortung. Das Konzept fördere die soziale, kulturelle und ökonomische Partizipation, indem Mitglieder durch den Erwerb von Genossenschaftsanteilen auch zu Miteigentümern würden. Dabei sichere die Praxis “ein Mitglied, eine Stimme”, unabhängig von der Gesamtzahl der erworbenen Anteile eines Mitgliedes, für alle die Möglichkeit der Mitbestimmung und aktiven Mitgestaltung. Weltweit gebe es etwa 800 Millionen Genossenschaftsmitglieder in mehr als 100 Ländern, 21 Millionen davon allein in Deutschland. Die hohe Anzahl von Genossenschaftsmitgliedern in Deutschland und die rechtliche Absicherung ihrer Grundsätze durch ein Genossenschaftsgesetz seien im internationalen Vergleich Besonderheiten, so die Deutsche Unesco-Kommission weiter.

 

Schulze-Delitzsch und Raiffeisen als Vordenker

 

Die Aufnahme ist auch eine Würdigung des Erbes von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch. Auch wenn beide das Genossenschaftskonzept nicht erfunden haben, so schufen sie doch Mitte des 19. Jahrhunderts entscheidende Grundlagen für die Genossenschaftsidee und gründeten die ersten genossenschaftlichen Organisationen moderner Prägung in Deutschland. “Wir sind hocherfreut darüber und dankbar, dass auf diese Weise die Väter der Genossenschaften in Deutschland, Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, eine Würdigung erhalten – für die Grundlegung einer Idee, die heute mehr denn je von großer Relevanz ist”, bekräftigt dann auch Josef Zolk, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft.“

http://genossenschaftsgeschichte.info/unesco-genossenschaftsidee-ist-kulturerbe-der-menschheit-1922

 

Gemeinwohl-Ökonomie

 

 

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine Weiterführung des Genossenschafts-Gedankens.

Anstatt genossenschaftlich nebenher zu agieren, hat die Gemeinwohl-Ökonomie eingesehen, dass es mit den derzeitigen wirtschaftlichen Exzessen so nicht weiter gehen kann. Das aktuelle kapitalistische System soll nicht abgeschafft, aber stark umgestaltet werden.

Die wesentlichsten Informationen gibt es auf folgenden Webseiten:

https://www.ecogood.org/de/

http://www.christian-felber.at/

 

 

Theoretische Basis

 

„Wo stehen wir heute?

 

Unternehmen streben nach Gewinnmaximierung und verdrängen sich so lange gegenseitig vom Markt, bis nur mehr wenige große Konzerne übrig sind. Diese haben dann alle Macht gegenüber KonsumentInnen und Staaten und diktieren das globale Geschehen. Umwelt- und Sozialstandards kommen dabei unter die Räder des Profitstrebens.

 

Wohin wollen wir?

 

Mit „Mehr Wachstum“ könnte der Profit gerechter aufgeteilt werden. Nur ist „mehr Wachstum“ auf einem endlichen Planeten nicht möglich. Kapitalismus und Kommunismus sind gescheitert. Jetzt sind neue Ideen gefragt – wie z.B. die Gemeinwohl-Ökonomie.

 

Was ist überhaupt der Zweck des Wirtschaftens?

 

Die Gemeinwohl-Ökonomie orientiert sich am eigentlichen Zweck des Wirtschaftens – der Erfüllung unserer menschlichen Bedürfnisse. Dabei geht es vor allem um gelingende Beziehungen: Sie sind die Voraussetzung, um glücklich zu sein – sie sind Voraussetzung für das Gemeinwohl.

Das Geld ist hingegen nur ein Mittel des Wirtschaftens: Die Wirtschaftsleistung, in Geld gemessen, sagt nichts darüber aus, ob das Gemeinwohl steigt oder sinkt. Um zu messen, ob der Zweck erfüllt wird, sind andere Messgrößen gefragt.

 

Wie lässt sich die Erfüllung des Zwecks bewerten?

 

Unternehmen können ihren Beitrag zum Gemeinwohl anhand des Gelingens ihrer Beziehungen zu LieferantInnen, GeldgeberInnen, MitarbeiterInnen, KundInnen und dem gesellschaftlichen Umfeld bewerten – in Hinblick auf Werte wie Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung. Sie sollen – analog zur Finanz-Bilanz – eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen, in der die Größe des Gemeinwohl-Beitrags in Punkten bewertet wird.

 

Wie kann sich das auswirken?

 

Anhand der Gemeinwohl-Bilanz können KonsumentInnen erkennen, wie viel einzelne Unternehmen zum Gemeinwohl beitragen – und können beim Einkauf darauf achten. Zudem können Unternehmen, die viel fürs Gemeinwohl tun, durch geringere Steuern, einen leichteren Zugang zu Förderungen oder Krediten oder durch Bevorzugung im öffentlichen Einkauf weitere Marktvorteile erhalten. Dadurch werden ihre Produkte nicht nur attraktiver, sondern auch günstiger.

 

Wie sieht die Wirtschaft dann aus?

 

Plötzlich sind nachhaltige, faire, demokratische und kooperative Unternehmen im Vorteil. Regionale Wirtschaftskreisläufe kommen in Schwung. Es entstehen menschenwürdige Arbeitsplätze und hochwertige Produkte und Dienstleistungen, während Umweltschäden und soziale Probleme zurückgehen.

 

Funktioniert das global?

 

Im Rahmen von Fairhandelsabkommen erkennen Länder ihre Gemeinwohl-Bilanzen gegenseitig an. Gemeinwohl-schädigende Produkte und Dienstleistungen werden mit Zöllen versehen oder überhaupt an der Einfuhr gehindert.

 

Wie soll das umgesetzt werden?

 

Über 300 Unternehmen in Europa und ganz Amerika haben bereits Gemeinwohl-Bilanzen erstellt – und es werden immer mehr. Überall gründen sich regionale Gruppen, die vor Ort Bewusstsein schaffen und auf die Politik einwirken. Erste Gemeinwohl-Gemeinden und -regionen enstehen, und durch die Vernetzung mit anderen Initiativen wächst eine immer stärkere internationale Bewegung heran.“

https://www.ecogood.org/de/vision/theoretische-basis/

 

Gemeinwohl als universaler Leitwert

 

„Der Begriff des Gemeinwohls war lange Zeit in Vergessenheit geraten, seit einiger Zeit rückt er wieder mehr in das öffentliche Bewusstsein. Im Abendland genießt er eine lange Tradition seit den alten Griechen. In praktisch allen Kulturen gibt es äquivalente Konzepte, wie das „buen vivir“ in Lateinamerika, „Ubuntu“ in Afrika, „Dharma“ im Buddhismus oder „happiness“ im Bhutan. Die Universalität des Gemeinwohl-Wertes zeigt sich auch darin, dass er in zahlreichen Verfassungen moderner Demokratien fest verankert ist.

 

„Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl.“

(Bayrische Verfassung, Art. 151)

 

„Kapitalbildung ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Entfaltung der Volkswirtschaft.“

(Bayrische Verfassung, Art. 157)

 

„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen.“

(Deutsches Grundgesetz, Art. 14)

 

„Das Gesetz bestimmt die Wirtschaftspläne, damit die öffentliche und private Wirtschaftstätigkeit nach dem Allgemeinwohl ausgerichtet werden können.“

(Verfassung Italiens, Art. 41)

 

„Der gesamte Reichtum des Landes in seinen verschiedenen Formen und unbeschadet seiner Trägerschaft ist dem allgemeinen Interesse untergeordnet.“

(Verfassung Spaniens, Art. 128)“

https://www.ecogood.org/de/vision/darum-gemeinwohl/

 

Anfänge der Gemeinwohl-Bewegung

 

„2010 - Von der Theorie in die Praxis

Auf Basis des Buches „Neue Werte für die Wirtschaft“ von Christian Felber bildet sich in Attac Österreich 2008 eine UnternehmerInnen-Gruppe, die fast zwei Jahre lang die Grobskizze im Schlusskapitel „Eine Alternative zu Kapitalismus und Kommunismus“ weiterentwickelt und dazu die Gemeinwohl-Matrix erfindet. Als Ergebnis erscheint im August 2010 die Erstausgabe der „Gemeinwohl-Ökonomie“, am 6. Oktober 2010 geht die Vorbereitungsgruppe an die Öffentlichkeit. Spontan erklären sich zwei Dutzend Unternehmen bereit, 2011 die Gemeinwohl-Bilanz erstmals freiwillig zu erstellen. Im Buch treten rund 70 Unternehmen öffentlich als Unterstützer der Gemeinwohl-Ökonomie in Erscheinung.

2011 - Gründung des Vereins

Die ersten Regionalgruppen, sogenannte Energiefelder, etablieren sich. Rund 45 Unternehmen machen in diesem Jahr eine Gemeinwohl-Bilanz. Die Basis für die Gemeinwohl-Bewegung ist geschafffen: Privatpersonen, Unternehmen und weitere Organisationen beteiligen sich an der Umsetzun der Vision. Gestützt wird die Bewegung vom Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie, der im Juli gegründet wird.“

https://www.ecogood.org/de/vision/entwicklung_erfolge/

 

Stimmen zum Buch „Gemeinwohl-Ökonomie“

 

„„Die Gemeinwohl-Ökonomie von Christian Felber ist die kluge, nützliche Antwort auf das ökonomische Chaos und das große soziale Leid, welches die Oligarchen des globalisierten Finanzkapitals über die Welt gebracht haben. Ein großartiges, wichtiges Buch!“

Jean Ziegler

 

„Christian Felber zeigt den Weg zu einer Ökonomie, in der Geld und Märkte wieder den Menschen dienen anstatt umgekehrt."

Jakob von Uexkull

 

"Engagiert Euch für konkrete Alternativen! Engagiert Euch für die Gemeinwohl-Ökonomie!"

Stéphane Hessel“

http://www.christian-felber.at/buecher/gemeinwohl-neu.php

 

20-Punkte-Zusammenfassung

 

Die aufgeführten 20 Punkte stammen aus dem Jahr 2011. Mittlerweile aktualisiert, bilden sie aber immer noch einen guten Überblick.

„Hier sind die – ständiger Diskussion unterworfenen – Eckpunkte:

1. Die Gemeinwohl-Ökonomie beruht auf denselben Grundwerten, die unsere Beziehungen gelingen lassen: Vertrauensbildung, Wertschätzung, Kooperation, Solidarität und Teilen. Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind gelingende Beziehungen das, was Menschen am glücklichsten macht und am stärksten motiviert.

2. Der rechtliche Anreizrahmen für die Wirtschaft wird umgepolt von Gewinnstreben und Konkurrenz auf Gemeinwohlstreben und Kooperation. Unternehmen werden für gegenseitige Hilfe und Zusammenarbeit belohnt. Kon(tra)kurrenz ist möglich, bringt aber Nachteile.

3. Wirtschaftlicher Erfolg wird nicht länger mit (monetären) Tauschwertindikatoren gemessen, sondern mit (nichtmonetären) Nutzwertindikatoren. Auf der Makroebene (Volkswirtschaft) wird das BIP als Erfolgsindikator vom Gemeinwohl-Produkt abgelöst, auf der Mikroebene (Unternehmen) die Finanzbilanz von der Gemeinwohl-Bilanz. Diese wird zur Hauptbilanz aller Unternehmen. Je sozialer, ökologischer, demokratischer und solidarischer Unternehmen agieren und sich organisieren, desto bessere Bilanzergebnisse erreichen sie. Je besser die Gemeinwohl-Bilanz-Ergebnisse der Unternehmen in einer Volkswirtschaft sind, desto größer ist das Gemeinwohl-Produkt.

4. Die Unternehmen mit guten Gemeinwohl-Bilanzen erhalten rechtliche Vorteile: niedrigere Steuern, geringere Zölle, günstigere Kredite, Vorrang beim öffentlichen Einkauf und bei Forschungsprogrammen et cetera. Der Markteintritt wird dadurch für verantwortungsvolle AkteurInnen erleichtert; und ethische, ökologische und regionale Produkte und Dienstleistungen werden billiger als unethische, unökologische und globale.

5. Die Finanzbilanz wird zur Mittelsbilanz. Finanzgewinn wird vom Zweck zum Mittel und dient dazu, den neuen Unternehmenszweck (Beitrag zum allgemeinen Wohl) zu erreichen. Bilanzielle Überschüsse dürfen verwendet werden für: Investitionen (mit sozialem und ökologischem Mehrwert), Rückzahlung von Krediten, Rücklagen in einem begrenzten Ausmaß; begrenzte Ausschüttungen an die MitarbeiterInnen sowie für zinsfreie Kredite an Mitunternehmen. Nicht verwendet werden dürfen Überschüsse für: Investitionen auf den Finanzmärkten (diese soll es gar nicht mehr geben), feindliche Aufkäufe anderer Unternehmen, Ausschüttung an Personen, die nicht im Unternehmen mitarbeiten, sowie Parteispenden. Im Gegenzug entfällt die Steuer auf Unternehmensgewinne.

6. Da Gewinn nur noch Mittel, aber kein Ziel mehr ist, können Unternehmen ihre optimale Größe anstreben. Sie müssen nicht mehr Angst haben, gefressen zu werden und nicht mehr wachsen, um größer, stärker oder profitabler zu sein als andere. Alle Unternehmen sind vom allgemeinen Wachstums- und wechselseitigen Fresszwang erlöst.

7. Durch die Möglichkeit, entspannt und angstfrei die optimale Größe einzunehmen, wird es viele kleine Unternehmen in allen Branchen geben. Da sie nicht mehr wachsen wollen, fällt ihnen die Kooperation und Solidarität mit anderen Unternehmen leichter. Sie können ihnen mit Wissen, Know-how, Aufträgen, Arbeitskräften oder zinsfreien Krediten helfen. Dafür werden sie mit einem guten Gemeinwohl-Bilanz-Ergebnis belohnt – nicht auf Kosten anderer Unternehmen, sondern zu deren Nutzen. Die Unternehmen bilden zunehmend eine solidarische Lerngemeinschaft, die Wirtschaft wird zu einer Win-win-Anordnung.

8. Die Einkommens- und Vermögensungleichheiten werden in demokratischer Diskussion und Entscheidung begrenzt: die Maximal-Einkommen auf zum Beispiel das Zehnfache des gesetzlichen Mindestlohns; Privatvermögen auf zum Beispiel zehn Millionen Euro; das Schenkungs- und Erbrecht auf zum Beispiel 500.000 Euro pro Person; bei Familienunternehmen auf zum Beispiel zehn Millionen Euro pro Kind. Das darüber hinaus gehende Erbvermögen wird über einen Generationenfonds als „Demokratische Mitgift“ an alle Nachkommen der Folgegeneration verteilt: gleiches „Startkapital“ bedeutet höhere Chancengleichheit. Die genauen Grenzen sollen von einem Wirtschaftskonvent demokratisch ermittelt werden.

9. Bei Großunternehmen gehen ab einer bestimmten Größe (zum Beispiel 250 Beschäftigte) Stimmrechte und Eigentum teil- und schrittweise an die Beschäftigten und die Allgemeinheit über. Die Öffentlichkeit könnte durch direkt gewählte „regionale Wirtschaftsparlamente“ vertreten werden. Die Regierung soll keinen Zugriff/kein Stimmrecht in öffentlichen Unternehmen haben.

10. Das gilt auch für die Demokratischen Allmenden, die dritte Eigentumskategorie neben einer Mehrheit (kleiner) Privatunternehmen und gemischt-besessenen Großunternehmen. Demokratische Allmenden (auch „Commons“) sind Gemeinwirtschaftsbetriebe im Bildungs-, Gesundheits-, Sozial-, Mobilitäts-, Energie- und Kommunikationsbereich: die „Daseinsvorsorge“.

11. Eine wichtige Demokratische Allmende ist die Demokratische Bank. Sie dient wie alle Unternehmen dem Gemeinwohl und wird wie alle Demokratischen Allmenden vom demokratischen Souverän kontrolliert und nicht von der Regierung. Ihre Kernleistungen sind garantierte Sparvermögen, kostenlose Girokonten, kostengünstige Kredite und ökosoziale Risikokredite. Der Staat finanziert sich primär über zinsfreie Zentralbankkredite. Die Zentralbank erhält das Geldschöpfungsmonopol und wickelt den grenzüberschreitenden Kapitalverkehr ab, um Steuerflucht zu unterbinden. Die Finanzmärkte in der heutigen Form wird es nicht mehr geben.

12. Nach dem Vorschlag von John Maynard Keynes wird eine globale Währungskooperation errichtet mit einer globalen Verrechnungseinheit („Globo“, „Terra“) für den internationalen Wirtschaftsaustausch. Auf lokaler Ebene können Regiogelder die Nationalwährung ergänzen. Um sich vor unfairem Handel zu schützen, initiiert die EU eine Fair-Handelszone („Gemeinwohl-Zone“), in der gleiche Standards gelten oder die Zollhöhe sich an der Gemeinwohl-Bilanz des Hersteller-Unternehmens orientiert. Langfristziel ist eine globale Gemeinwohl-Zone als UN-Abkommen.

13. Der Natur wird ein Eigenwert zuerkannt, weshalb sie nicht zu Privateigentum werden kann. Wer ein Stück Land für den Zweck des Wohnens, der Produktion oder der Land- und Forstwirtschaft benötigt, kann eine begrenzte Fläche kostenlos nutzen. Die Überlassung ist an ökologische Auflagen und an die konkrete Nutzung geknüpft. Damit sind Landgrabbing, Großgrundbesitz und Immobilienspekulation zu Ende. Im Gegenzug entfällt die Grundvermögenssteuer.

14. Wirtschaftswachstum ist kein Ziel mehr, hingegen die Reduktion des ökologischen Fußabdrucks von Personen, Unternehmen und Staaten auf ein global nachhaltiges Niveau. Der Kategorische Imperativ wird um die ökologische Dimension erweitert. Unsere Freiheit, einen beliebigen Lebensstil zu wählen, endet dort, wo sie die Freiheit anderer Menschen beschneidet, denselben Lebensstil zu wählen oder auch nur ein menschenwürdiges Leben zu führen. Privatpersonen und Unternehmen werden angereizt, ihren ökologischen Fußabdruck zu messen und auf ein global gerechtes und nachhaltiges Niveau zu reduzieren.

15. Die Erwerbsarbeitszeit wird schrittweise auf das mehrheitlich gewünschte Maß von dreißig bis 33 Wochenstunden reduziert. Dadurch wird Zeit frei für drei andere zentrale Arbeitsbereiche: Beziehungs- und Betreuungsarbeit (Kinder, Kranke, SeniorInnen), Eigenarbeit (Persönlichkeitsentwicklung, Kunst, Garten, Muße) sowie politische und Gemeinwesenarbeit. Infolge dieser ausgewogeneren Zeiteinteilung würde der Lebensstil konsumärmer, suffizienter und ökologisch nachhaltiger.

16. Jedes zehnte Berufsjahr ist ein Freijahr und wird durch ein bedingungsloses Grundeinkommen finanziert. Menschen können im Freijahr tun, was sie wollen. Diese Maßnahme entlastet den Arbeitsmarkt um zehn Prozent – die aktuelle Arbeitslosigkeit in der EU.

17. Die repräsentative Demokratie wird ergänzt durch direkte und partizipative Demokratie. Der Souverän soll seine Vertretung korrigieren, selbst Gesetze beschließen, die Verfassung ändern und Grundversorgungsbereiche – Bahn, Post, Banken – kontrollieren können. In einer echten Demokratie sind die Interessen des Souveräns und seiner Vertretung ident – Voraussetzung dafür sind umfassende Mitgestaltungs- und Kontrollrechte des Souveräns.

18. Alle zwanzig Eckpunkte der Gemeinwohl-Ökonomie sollen in einem breiten Basisprozess durch intensive Diskussion ausreifen, bevor sie von einem direkt gewählten Wirtschaftskonvent in Gesetze gegossen werden. Über das Ergebnis stimmt der demokratische Souverän ab. Was angenommen wird, geht in die Verfassung ein und kann – jederzeit – nur wieder vom Souverän selbst geändert werden. Zur Vertiefung der Demokratie können weitere Konvente einberufen werden: Bildungs-, Medien-, Daseinsvorsorge-, Demokratiekonvent …

19. Um die Werte der Gemeinwohl-Ökonomie von Kind an vertraut zu machen und zu praktizieren, muss auch das Bildungswesen gemeinwohlorientiert aufgebaut werden. Das verlangt eine andere Form von Schule sowie andere Inhalte, z. B. Gefühlskunde, Wertekunde, Kommunikationskunde, Demokratiekunde, Naturerfahrenskunde und Körpersensibilisierung.

20. Da in der Gemeinwohl-Ökonomie unternehmerischer Erfolg eine ganz andere Bedeutung haben wird als heute, werden auch andere Führungsqualitäten gefragt sein: Nicht mehr die rücksichtslosesten, egoistischsten und „zahlenrationalsten“ Manager werden gesucht, sondern Menschen, die sozial verantwortlich und -kompetent handeln, mitfühlend und empathisch sind, Mitbestimmung als Chance und Gewinn sehen und nachhaltig langfristig denken. Sie werden die neuen Vorbilder sein.

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist weder das beste aller Wirtschaftsmodelle noch das Ende der Geschichte, nur ein nächster möglicher Schritt in die Zukunft. Sie ist ein partizipativer und entwicklungsoffener Prozess und sucht Synergien mit ähnlichen Ansätzen. Durch das gemeinsame Engagement zahlreicher mutiger und entschlossener Menschen kann etwas grundlegend Neues geschaffen werden. Die Umsetzung erfordert intrinsische Motivation und Eigenverantwortung, rechtliche Anreize, einen ordnungspolitischen Rahmen sowie Bewusstseinsbildung. Alle Menschen, Unternehmen, Organisationen und Gemeinden können sich am Umbau der Wirtschaftsordnung in Richtung Gemeinwohl-Ökonomie beteiligen.“

http://karlsruhe.gwoe.net/files/2012/12/GWOE_20-Punkte-Zusammenfassung.pdf

 

Häufig gestellte Fragen

 

Aus dem Buch „Gemeinwohl-Ökonomie“ von Christian Felber:

 

„Welchen Anreiz hat ein Unternehmen, schon heute die Gemeinwohl-Bilanz zu erstellen?

 

Die über 200 Pionier-Unternehmen, welche die Bilanz bis Ende 2014 erstellt haben, geben folgende Motive für ihr Engagement an: 1. Sinn. 2. Sie erleben die Matrix als vollwertiges Organisationsentwicklungsinstrument, das einen 360-Grad-Blick auf sämtliche, nicht nur die ethischen unternehmerischen Aktivitäten ermöglicht. 3. Die Pionier-Unternehmen bilden eine Kooperationsplattform, über die sie sich gegenseitig helfen und miteinander lernen. 4. Sie ziehen ethische MitarbeiterInnen an: Bei einer Pionier-Bank verdoppelte sich die Zahl der Blind-Bewerbungen schlagartig bei Bekanntgabe der Gemeinwohl-Bilanz. 5. Sie ziehen ethisch orientierte KundInnen an. 6. Schon jetzt beginnen erste Förderungen durch öffentliche Stellen bis hin zu Landesregierungen und voraussichtlich bald ersten Nationalstaaten. In Österreich fördern vier Landesregierungen (Wien, Steiermark, Salzburg und Vorarlberg) die Erstellung der Gemeinwohl-Bilanz; in Weiz, Graz und Mannheim laden die Stadtverwaltungen die kommunalen Betriebe ein, die Gemeinwohl-Bilanz zu erstellen; und in Chile ist eine Förderung auf Staatsebene in Vorbereitung. 7. Am Tag der „ethischen Schubumkehr“ auf den Märkten infolge der Umpolung des Anreizrahmens werden die gegenwärtigen Wettbewerbsnachteile aufgrund ethischen Verhaltens zu Vorteilen - wer frühzeitig mit an Bord ist, erzielt dann den „first mover advantage“.

 

Welcher ist der Mehrwert der Gemeinwohl-Bilanz gegenüber anderen CSR-Standards?

 

Wie im Buch beschrieben, versteht sich die Gemeinwohl-Bilanz als erstes CSR-Instrument der zweiten Generation, das sich von der ersten Generation durch Wirksamkeit unterscheidet. Weil sie 1. rechtsverbindlich, 2. messbar, 3. vergleichbar ist und 4. zu unterschiedlicher rechtlicher Behandlung führt. Die schönsten Nachhaltigkeitsberichte und besten Ethik-Performances nützen wenig und manchmal gar nichts, wenn jene, die sich unethisch verhalten, billiger anbieten können und preislich im Vorteil bleiben. Die Gemeinwohl-Bilanz ist eingebettet in ein alternatives wirtschaftspolitisches Modell, sie ist ein ganzheitlich-systemischer Ansatz. 5. ist die Gemeinwohl-Bilanz überschaubar gehalten und dadurch für alle verständlich, 6. verbindlich öffentlich und wird 7. extern auditiert - von einer AuditorIn, die sich das Bilanzunternehmen nicht selbst aussuchen kann. Ein Zweitaudit stellt das Ergebnis auf eine solidere Grundlage.

 

Wer überprüft das Gemeinwohl-Verhalten der Unternehmen?

 

Die staatlichen Kontrollen würden gegenüber heute nicht zunehmen. Die Mindeststandards gibt es heute schon in vielen Bereichen: AmtsärztInnen, ArbeitsinspektorInnen, WirtschaftsprüferInnen, Steuerbeamte und Umweltbehörden prüfen die Einhaltung der Gesetze durch die Unternehmen. Daran würde sich nichts ändern, mit dem Unterschied, dass der Stress der Unternehmen, diese Kontrollen über sich ergehen lassen zu müssen, abnehmen würde, weil diese Kontrollen nicht länger im Widerspruch zu ihrem Hauptziel - dem Gewinnstreben - stehen, sondern nunmehr mit dem Hauptziel übereinstimmen: Dienst am Gemeinwohl.

Die Gemeinwohl-Bilanz ist ein anreizpolitisches Instrument, sie wird nicht vom Staat kontrolliert, sondern von privaten AuditorInnen. Die Unternehmen werden aus eigenem Antrieb danach trachten, die gesetzlichen Standards zu überbieten, weil sie damit Vorteile erzielen und überleben können. Die Behörden müssen gar nicht „kommen“, um zu kontrollieren, sondern es sind die erfolgreichen Unternehmen, die zur Gemeinwohl-AuditorIn gehen, um sich ihre Mehr-Leistung bestätigen zu lassen. Damit erwerben sie a) Gemeinwohl-Punkte und Anspruch auf rechtliche Förderungen; b) gewinnen Sie das Vertrauen der Konsumentinnen; und c) werden andere Unternehmen mit ihnen kooperieren und bei ihnen zukaufen, weil es Vorteile bringt: Endlich sind die Systemweichen richtig gestellt!

Vielleicht hilft der Vergleich mit der Finanzbilanz: Diese muss von allen größeren Unternehmen nicht nur nach bestimmten gesetzlichen Vorgaben (Handelsgesetzbuch, IFRS) erstellt sondern auch extern geprüft werden - durch die WirtschaftsprüferIn. Davor gibt es interne Kontrollmechanismen: Controlling, Revision und Compliance. Insgesamt ist die Finanzbürokratie immens: Preisauszeichnung, Rechnungslegung, Buchhaltung, Bilanzierung, Steuererklärung, Wirtschaftsprüfung ... Tagein, tagaus sind zahllose Menschen mit der Geldbürokratie beschäftigt und wälzen Zahlen über Zahlen, ohne Garantie, dass diese Arbeit sinnvoll ist. Die Gemeinwohl-Bilanz dient gezielt der Verbesserung von Beziehungen und ist deshalb grundsätzlich sinnvoll. Sie wird idealerweise von allen Beschäftigten unternehmensintern erstellt und extern geprüft („auditiert“). Das war's. Der Staat macht nichts, außer die Erstellung der Gemeinwohl-Bilanz genauso verbindlich vorzuschreiben wie die der Finanzbilanz. Und er würde später den freien Beruf der Gemeinwohl-AuditorIn genauso regeln wie den der WirtschaftsprüferIn.

 

Ist die Gemeinwohl-Pflicht nicht Überregulierung und Zwang?

 

Jedes Gesetz und jede Wirtschaftsform ist Regulierung und Zwang. Die Gesetze der Gemeinwohl-Ökonomie regulieren und zwingen nicht mehr als andere Wirtschaftsformen und insbesondere nicht mehr als die derzeit herrschenden Kapitalismusgesetze. Der Punkt ist, dass uns das gegenwärtige System mitsamt seinen Zwängen dermaßen in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass wir sie gar nicht mehr bewusst wahrnehmen. Wir werden den Freiheitsgewinn erst bemerken, wenn diese strukturellen Fesseln gelöst werden. Heute werden wir zur blendenden Selbstdarstellung, zum Besser-sein-als-Andere, zum Einander-Übervorteilen genötigt; wer keine exzellenten Qualifikationen vorzuweisen hat beziehungsweise den Lebenslauf nicht mit Halberfundenem „aufwertet“, hat auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance; wer keinen höheren Finanzgewinn als die Konkurrenz erzielt, muss um sein Unternehmen zittern; wer nichts anzubieten hat auf den globalen Märkten, hat schlechte Karten. Dieser Systemzwang ist inhuman, viele zerbrechen daran. Auch in der Gemeinwohl-Ökonomie gäbe es einen sanften Systemzwang, doch wenn wir statt zu Egoismus und Konkurrenz zu Mitmenschlichkeit und Solidarität motiviert werden, dann ist die Annahme nicht vermessen, dass sich die große Mehrheit der Menschen unter diesem neuen Leitstern deutlich wohler fühlen wird als in der gegenwärtigen oktroyierten Ego-Konkurrenz.

 

Was passiert mit Unternehmen, die nicht mitmachen?

 

Sie gehen in Konkurs. Wenn Unternehmen an Kinderarbeit, Umweltverschmutzung, Gewinnverlagerung in Steueroasen und miserablen Arbeitsbedingungen und extremen Lohnunterschieden festhalten, verschlechtert sich ihr Gemeinwohl-Bilanz-Ergebnis so sehr, dass sie in die höchsten Steuer-, Zoll- und Zinsklassen „aufsteigen“ und ihre Produkte und Dienstleistungen nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Unter diesem Blickwinkel ist die Gemeinwohl-Ökonomie eine echte Marktwirtschaft.

 

Gibt es denn eine (weltweite) Moral?

 

Das ist im Grunde gar nicht notwendig, da die Gemeinwohl-Ökonomie in jedem Land von unten demokratisch wachsen oder gar nicht in die Welt kommen soll. Und dennoch: Ja, die hier vertretenen Beziehungswerte sind, da sie menschliche Grundbedürfnisse zum Ausdruck bringen und schützen, weltweit konvergent. Es gibt so etwas wie ein (ungeschriebenes) „Weltethos“. Alle Geistesschulen und Religionen der Welt empfehlen: Helft einander, kooperiert, seid großzügig und teilt! Tu nichts, was du nicht wünschst, dass man dir tut! Diese „goldene Regel“ der Ethik ist universal. Mir ist keine Geistesschule oder Weltreligion bekannt, die uns zur Konkurrenz oder zum Egoismus erziehen wollte. Umso erstaunlicher ist es, dass das westliche Wirtschaftssystem auf Werten aufbaut, die von keiner Religion oder Ethik unterstützt werden. Der wissenschaftlich nicht fundierte Sozialdarwinismus ist die heimliche Weltwirtschaftsreligion!

 

Hat nicht jeder Mensch andere Werte?

 

Im manchen Fragen: ja, aber das ist kein Widerspruch zu kollektiven Werten, die in rechtlichen Normen festgeschrieben werden. Jedes Gesetz ist eine kollektive Wertentscheidung, denn die letzten Gründe, warum etwas erlaubt/verboten oder gefördert/benachteiligt wird, sind immer ethische! Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote dienen der Sicherheit und letztlich dem Schutz des Lebens von Menschen. Der Schutz von Privateigentum und die tausend darauf gründenden Verbote, Grenzen und Beschränkungen werden letztlich mit der individuellen Freiheit begründet. Wir haben alle Bereiche des Lebens mit Regeln durchzogen. Gesetze leiten und lenken uns. Und in jedem einzelnen Gesetz drückt sich eine kollektive Wertentscheidung aus, die allen Mitgliedern eines demokratischen Gemeinwesens - den „Normunterworfenen“ - diesen Willen aufzwingt. Die meisten Gesetze sind uns vertraut und selbstverständlich, deshalb ist uns oft gar nicht bewusst, dass sie gemeinsame Wertentscheidungen ausdrücken und uns bestrafen und unserer Freiheit berauben, wenn wir sie brechen. Die Kunst der Demokratie besteht darin, die Freiheit in Summe zu maximieren und die Freiheitsbegrenzung für alle so gering wie möglich zu halten. Ich habe argumentiert, dass ich durch die Gemeinwohl-Ökonomie in Summe mehr Freiheit für alle Menschen erwarte, weil a) alle Menschen am wirtschaftlichen Wohlstand teil- und genug für ein gutes Leben haben, b) ihre Gaben und Fähigkeiten einbringen können, c) Arbeit wieder mehr Freude bereitet und Sinn stiftet, d) zwischenmenschliche Beziehungen auch in der Wirtschaft gelingen dürfen, und e) der Selbstwert aller gewahrt bleibt, weil das strukturelle Gegeneinander abflaut und niemand im Verhältnis zu anderen zu mächtig werden kann.

Die Mehrheit der Menschen wünscht sich Regeln, die auf konsensfähigen Grundwerten beruhen: Solidarität, Gerechtigkeit, Demokratie, (gleiche) Freiheit (für alle). Umso absurder ist es, dass wir zugunsten der nichtkonsensfähigen Werte - Konkurrenz, Gier, Geiz, Egoismus - Gesetze und Zwänge errichtet haben. In der „freien“ Marktwirtschaft müssen wir tendenziell egoistisch handeln und gegeneinander agieren, sonst sind wir in der Regel wirtschaftlich nicht erfolgreich und zu Misserfolg bis hin zu Armut und Ausgrenzung verdammt. Der Zwang, nichtmehrheitsfähige Werte leben zu müssen, den manche im Falle der Umsetzung der Gemeinwohl-Ökonomie befürchten, der knechtet uns gegenwärtig - in der kapitalistischen Marktwirtschaft.

 

Ist nicht jeder Mensch einzigartig und deshalb Kapitalismus doch die gerechteste Wirtschaftsform?

 

Hier liegt ein Missverständnis vor. Die Gemeinwohl-Ökonomie sieht private Unternehmen und individuelle Unternehmensinitiative vor, weil das eine Ausdrucksform von Freiheit ist. Allerdings werden sie in eine andere Zielsystematik eingebettet, damit ihr Streben die Freiheit aller vermehrt und nicht bedroht.

Die „Einzigartigkeit“ von Menschen im Kapitalismus ist eine sehr fragwürdige, weil sie sich innerhalb einer fremdbestimmten (heteronomen) Wertstruktur entfaltet: Wer sich besonders hervortut in einem Rennen um Geld, Macht und Erfolg, ist heute „einzigartig“, aber nicht besonders glücklich, weil diese Werte eben vorgegeben sind („extrinsische Werte“) und nicht selbstgewählt („intrinsische Werte“); deshalb fühlen sich nicht einmal die Erfolgreichen im jetzigen System wirklich frei. Auch die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine bestimmte Wertstruktur, in der sich Menschen aber erwiesenermaßen wohler fühlen als im Zielsystem Egoismus und Konkurrenz, und in der zudem durch die relative Entwertung von Geld, Macht und Kontrakurrenz-Erfolg andere Formen der „intrinsischen“ Selbstverwirklichung aufgewertet werden: Menschen können ihrem Leben selbst Sinn geben, ihre individuellen Werte leben und sich in autonom gestalteten Lebensentwürfen entfalten. Diese Einzigartigkeit wird dem vielseitigen Entwicklungspotenzial von Menschen gerechter als die homogene „Individualität“ der Kapitalismus-Gewinner.

 

Ist die Konkurrenz nicht in der Menschennatur angelegt?

 

Als mögliche Verhaltensoption: ja, als notwendiges Verhalten: nein. Konkurrenz ist eine Möglichkeit, die uns unsere Gene erlauben, aber sie zwingen uns nicht dazu. So wie das gegenseitige Umbringen eine Möglichkeit ist, aber keine Notwendigkeit. Es gibt keinen genetischen Mordzwang. Unsere Gene „verdammen“ uns lediglich zur Zielorientierung. Aber wie wir unsere Ziele erreichen, darüber lassen sie uns frei entscheiden. Entscheidend ist, was wir lernen. Dass sich heute viele Menschen tatsächlich gierig, eigennützig und konkurrenzorientiert verhalten, beweist nur, dass wir im Westen diese Werte von klein auf lernen. Es gab und gibt andere Kulturen, in denen die Kooperation die gängigere Verhaltensform ist - was jedoch ebenso wenig über die Menschennatur aussagt als vielmehr über die unterschiedlichen Werte und Normen dieser Kulturen.

Daraus folgt: So, wie wir in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten Konkurrenz und Eigennutz kollektiv kulturell „gelernt“ haben, können wir in der Zukunft systematisch Empathie, Kooperation, Solidarität und Großzügigkeit lernen, wenn es uns a) als ethisch vorbildlich oder vielleicht sogar selbstverständlich in den Elternhäusern und Schulen vorgelebt und vermittelt wird, und wir b) endlich auch in der Wirtschaft für diese Verhaltensformen belohnt werden. Darum geht es: Wenn wir uns schon die - durchaus sinnvolle - Mühe machen, unser kollektives Verhalten mit Gesetzen zu steuern, dann sollten wir genau darauf achten, dass uns die Gesetze in die richtige Richtung - menschlicher Tugenden - lenken und nicht unsere Schwächen und Laster belohnen.

 

Ist nicht Sport der Beweis, dass Wettbewerb Spaß macht?

 

Das sieht auf den ersten Blick so aus. Doch wenn man genauer hinschaut, differenziert sich das Bild: Sport macht umso mehr Spaß, je mehr er als Spiel organisiert wird, und umso weniger, je mehr er zum Wettbewerb wird. Im Spiel geht es um die Prozessorientierung, die Spielenden können ganz im Spiel(en) aufgehen und sich vergessen, sie kommen in den Genuss des „Flow“-Erlebnisses. Im Wettbewerb zählt hingegen die Zielorientierung, und aus Entspannung wird Druck und Stress. Je mehr es um das Gewinnen und nicht um das Spielen geht, desto stärker kommt statt Spaß Angst auf. Das dürfte auch der Grund sein, warum in den USA achtzig bis neunzig Prozent der Fünfzehnjährigen die Sportvereine verlassen. Kein Wunder: Wenn der Sieger „takes it all“ und die Verlierer als „Loser“ geschmäht werden, macht es für die meisten keinen Spaß, sich diesem Stress und der Geringschätzung auszusetzen. Ich selbst bin vom Leistungssport zum Tanz gewechselt, weil die Wettkämpfe zu sehr von Ehrgeiz und negativen Gefühlen begleitet waren: Es ging zu sehr um das Ziel und gar nicht mehr um den Sport, den ich - als Tätigkeit - liebe. Im Tanz funktioniert Wettbewerb gar nicht: Versuchen Sie einmal, gegen Ihre PartnerIn zu tanzen. Noch weniger in der Liebe: Würde es Sinn ergeben, gegeneinander zu schlafen? Wer als Erster beim Orgasmus ist, hat gewonnen, und kann die Zeit für anderes nützen. (Zeit-)Effizienz kann äußerst destruktiv sein!

 

Wäre es anstelle der „Anreize“ nicht besser, die Gemeinwohl-Ökonomie würde auf intrinsischer Motivation beruhen?

 

Zweifelsohne. Doch das kann nur ein längerfristiges Ziel sein. Denn erstens sind heute noch zu wenige Menschen vornehmlich intrinsisch motiviert; sie haben gelernt, externen Zielen und Anreizen zu folgen. Und der damit zusammenhängende, wichtigere zweite Grund: Würden wir es heute den Unternehmen freistellen, wie sie sich verhalten, würden sich zwar einige für Gemeinwohlorientierung entscheiden, andere aber nicht, weil viele von uns asoziale Werte wie Egoismus und Konkurrenzverhalten verinnerlicht haben und diese leben würden. Und diese anderen würden sich durchsetzen, weil in der gegenwärtigen Systemdynamik das Unternehmen mit dem höchsten Finanzgewinn den Wettbewerb gewinnt! Das heißt, es müsste der gegenwärtig gültige rechtliche Ordnungsrahmen für die Wirtschaft mit abgeschafft werden!

Ist dafür die Zeit schon reif? „Wenn auf der Erde die Liebe herrschte, wären alle Gesetze entbehrlich“, sagte schon Aristoteles. Das bleibt die unverändert gültige Vision! Doch solange wir als Menschheit noch nicht so weit sind, braucht es verbindliche Regeln. Die Gemeinwohl-Ökonomie setzt auf drei Wege: Bewusstseinsbildung, marktkonforme Anreize und verbindliche Gesetze. Alle Wege gemeinsam führen zum Ziel.

 

Die MitarbeiterInnen wollen doch gar keine Verantwortung übernehmen!

 

Sollten das nicht die MitarbeiterInen selber entscheiden? Vielleicht wollen tatsächlich nicht alle, aber ein Teil von ihnen? Es ist ein Unterschied, ob sie keine Verantwortung übernehmen dürfen oder ob man ihnen die Entscheidung selbst überlässt. Der Umstand, dass derzeit ein Teil der Menschen keine Verantwortung übernehmen möchte, ist kein Beweis der Menschennatur, sondern eine historische Momentaufnahme und Symptom einer „dualen Kultur“: Die einen tragen Verantwortung, übernehmen Risiko und schaffen Arbeitsplätze; die anderen „nehmen“ diese Arbeitsplätze, tragen keine Verantwortung und kein Risiko. Auch wenn das in vielen Fällen gar nicht mehr zutrifft - Spitzenmanager, die vielleicht seit zwei Jahren im Unternehmen sind, tragen kaum Risiko und Verantwortung; ArbeitnehmerInnen, die das Unternehmen mit aufgebaut haben, tragen hingegen das Risiko, nicht nur ihren Lebensunterhalt zu verlieren, was allein schon individuell viel schwerer wiegen kann als der Verlust des eingesetzten Kapitals einer AktionärIn, sondern auch noch einen zentralen Wirk- und Lebensort, der seit zwanzig oder dreißig Jahren ihre Identität geprägt hat. In der Gemeinwohl-Ökonomie wirken die Weichen in die Richtung, dass alle Beschäftigten eines Unternehmens a) die Verantwortung teilen, b) die Entscheidungen demokratisch treffen, c) das Risiko gemeinsam tragen und d) die Früchte der gemeinsamen Anstrengung gerecht aufteilen. Dazu werden kleine Unternehmen mit weniger als zum Beispiel 250 Beschäftigten nicht gezwungen, aber belohnt, wenn sie es tun. Nach empirischen Forschungen erbringen Gruppen, welche die Früchte des Erfolgs unter allen Beteiligten gleich aufteilen, die höchsten Leistungen, weil die gleiche Wertschätzung aller die Menschen am stärksten motiviert. Es ist daher zu erwarten, dass die Wirtschaft effizienter und produktiver wird als heute! In letzter Konsequenz führen diese Weichenstellungen dazu, dass die Rollen von „ArbeitgeberInnen“ und „ArbeitnehmerInnen“ verschwimmen und sich auflösen. Der dem Kapitalismus innewohnende Interessengegensatz zwischen Kapital und Arbeit wäre überwunden, der innergesellschaftliche Graben zwischen „Kapital“ und „Arbeit“ geschlossen.

 

Existieren nicht schon heute Kooperation und Konkurrenz nebeneinander? Kommt es nicht auf ein ausgewogenes Verhältnis an?

 

Wie bereits erwähnt, beruht die gesamte Evolution auf dem Prinzip der Kooperation, und die kapitalistische Wirtschaftsform beruht ebenfalls auf kooperativen Strukturen: Familie, Eltern, Freunde und Frauen. Frauen verrichten siebzig Prozent der globalen Arbeit, ohne die Manager und Milliardäre nicht großgezogen, geliebt, gepflegt, animiert, inspiriert und wertgeschätzt würden. Das sind fundamentale Kooperationen, die durch darüber errichtete ökonomische Konkurrenzstrukturen belastet werden, von denen behauptet wird, dass sie der Menschennatur entsprächen und nicht abgeschafft werden dürften.

In der Marktwirtschaft selbst wird sehr viel Kooperation, Teambildung und Mannschaftsgeist praktiziert, doch dienen diese Strategien dem höheren Ziel der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens, der Kartellbildung und des Machterhalts - gegen Dritte. Die Kooperation ist ein Mittel zum höheren Zweck der Kontrakurrenz und Kontraoperation - genau das falsche Verhältnis.

 

Sind rechtliche Vorteile für die Gemeinwohlorientiertesten und die Aufhebung des Wettbewerbs nicht ein Widerspruch?

 

Auf den ersten Blick: ja. Doch die Gemeinwohl-Ökonomie schürt nicht die gewohnte Win-lose-Kontrakurrenz: Die Erfolgreichsten sind ja nicht zuletzt deshalb erfolgreich, weil sie den anderen Unternehmen helfen - durch den Verzicht auf aggressive Werbung, die Weitergabe von Wissen, das Überlassen von Arbeitskräften und Aufträgen oder durch direkte finanzielle Hilfe. Eine gute Gemeinwohl-Bilanz geht nicht zulasten der Mitunternehmen, sondern zu deren Nutzen. Es gibt somit keine „Sieger“ und „Verlierer“ in dieser strukturellen Kooperation: Es handelt sich um eine Win-win-Anordnung, diese ist das Ziel.

Gäbe es keine positiven Anreize für gemeinwohlförderliches Verhalten, was würde dann die Unternehmen dazu bringen, sich in die gesellschaftlich gewünschte Richtung zu entwickeln? Es bliebe nur die intrinsische Motivation, auf die allein sich zu verlassen die Zeit noch nicht reif ist. Oder aber die gesetzlichen Mindeststandards müssten extrem hoch und für alle verbindlich sein: massive ordnungspolitische Intervention. Das würde das verständliche Bedürfnis eines langsamen und gemeinsamen Umlernens und „Verwandelns“ übergehen.

 

Würde die Belohnung von Kooperation nicht zu Monopolen zulasten der KonsumentInnen führen?

 

Eine naheliegende Befürchtung innerhalb der gegenwärtigen kapitalistischen Systemlogik, in der die Unternehmen den Wettbewerb am liebsten ganz ausschalten würden, um die KundInnen so richtig melken zu können: Kartelle und Absprachen sind ein Mittel zur Erhöhung des Profits. Doch in der Gemeinwohl-Ökonomie geht es nicht primär um Profit, und seinen gemeinwohlschädigenden Verwendungen werden Grenzen gesetzt, ebenso der Ungleichheit. Deshalb ergibt die Bildung eines Kartells als strategisches Mittel keinen Sinn! Kooperation ist nunmehr nur noch zur Verbesserung der Gemeinwohl-Bilanz sinnvoll - und davon haben alle etwas!

 

Wie steht die Gemeinwohl-Ökonomie zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE)?

 

Diese Frage ist eine der am häufigsten gestellten, deshalb folgt hier eine sehr genaue Antwort. Zunächst das Wesentlichste: Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein entwicklungsoffener und demokratischer Prozess, in den alle Ideen und Vorschläge gleichberechtigt eingespeist werden können, um die übergeordneten Ziele und Werte, wie zum Beispiel soziale Sicherheit, Menschenwürde und Freiheit, zu verwirklichen. Wenn der abstimmende Souverän das BGE für die geeignetste Maßnahme hält, um die Ziele der Wirtschaftspolitik zu erreichen, wird es kommen. Inhaltlich gibt es in der Bewegung bisher eine Reihe von Überlegungen zum Vorschlag des BGE:

1. Innerhalb des gegenwärtigen Wirtschaftssystems ist ein unbefristetes bedingungsloses Grundeinkommen zu befürworten, weil viele Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, deren Würde nur durch ein BGE gewahrt werden kann.

2. In der Gemeinwohl-Ökonomie dreht sich die Systemdynamik um: vom Vorrang des Nehmens auf den Vorrang des Gebens. Das bewirkt, dass in der „Mitte“, auf dem Markt, nicht Konkurrenz und Knappheit entstehen, sondern Kooperation und Fülle: Es wird für alle genug da sein.

a. Alle, die beitragen wollen durch sinnvolle Arbeit, werden diese Gelegenheit erhalten. Wer nichts oder nicht gleich viel beitragen kann, erhält ein Solidaritätseinkommen.

b. Für den Fall, dass Arbeitslosigkeit auftreten sollte, wird sie dadurch minimiert, dass Unternehmen dafür belohnt werden, mehr Menschen anzustellen. Alle Unternehmen werden an der Lösung volkswirtschaftlicher Probleme beteiligt.

3. In der Gemeinwohl-Ökonomie wird die Regelarbeitszeit auf das Maß gesenkt, das sich die Mehrheit der Menschen wünscht: ungefähr zwanzig bis 33 Wochenstunden. Dadurch bleibt mehr Zeit für die anderen drei großen Arbeitsbereiche, die uns Menschen rund machen: Beziehungsarbeit, Eigenarbeit und Gemeinwesenarbeit.

a. Allein durch den Rückgang der durchschnittlichen Arbeitszeit je Erwerbstätige würde in Österreich die Arbeitslosigkeit um zwei Drittel sinken - von rund 300.000 auf 100.000 Arbeitsuchende.

4. Darüber hinaus gibt es das Freijahr: Jedes zehnte Berufsjahr können sich Menschen freinehmen und anderen Lebensschwerpunkten nachgehen: ein befristetes bedingungsloses Grundeinkommen. Im Unterschied zum BGE entfallen beim Freijahr die beiden Hauptkritikpunkte am BGE (unabhängig von deren inhaltlicher Richtigkeit): die Unfinanzierbarkeit und das Neidargument.

a. Wenn jedes zehnte Jahr erwerbsarbeitsfrei ist, wird der Arbeitsmarkt um zehn Prozent entlastet - die gegenwärtige registrierte Arbeitslosigkeit in der EU. Die Arbeitslosengelder könnten für die Finanzierung des Freijahres umgeschichtet werden, die Mehrkosten wären gering.

b. In der Diskussion pro und contra BGE gehen viele Menschen davon aus, dass eine große Mehrheit von Netto-Zahlenden eine Minderheit von Netto-Empfangenden erhalten würde. Unabhängig davon, ob diese Befürchtung berechtigt ist: Sie erübrigt sich beim Freijahr, weil es allen unterschiedslos zugutekommt. Das Freijahr umschifft die beiden großen Widerstände gegen das BGE. Mit den im Freijahr gesammelten Erfahrungen lassen sich vielleicht neue Erkenntnisse - und Mehrheiten - gewinnen.

 

Ist das noch eine Marktwirtschaft?

 

Wenn man die Gemeinwohl-Ökonomie in eine der vier gängigen Kategorien von Wirtschaftssystemen - 1. Subsistenzwirtschaft, 2. Geschenkökonomie, 3. Marktwirtschaft und 4. Planwirtschaft - einordnen möchte, handelt es sich wohl am ehesten um eine Form der Marktwirtschaft, allerdings keine kapitalistische wie die jetzige, sondern eine „kooperative Marktwirtschaft“: Zwar gibt es private Unternehmen und „freie“ Märkte, auf denen sich Preise bilden, und Geld existiert, um den Tausch zu vermitteln: Marktwirtschaft. Doch „Markt“ ist nirgendwo naturgesetzlich definiert: Er ist ein Ort der Begegnung zwischen Menschen, auf dem sie wirtschaftliche Beziehungen pflegen. Wie sie sich begegnen und nach welchen ethischen und rechtlichen Regeln sie diese Beziehungen gestalten, ist genauso frei wie der menschliche Geist und somit der demokratischen Kreativität und Selbstbestimmung überlassen. Die Gemeinwohl-Ökonomie stellt einige der Fundamente des gegenwärtigen Verständnisses von Marktwirtschaft auf den Kopf. Oder besser: vom Kopf auf die Füße. Ziel ist nicht Eigennutz-Maximierung, sondern Gemeinwohl-Maximierung, der Vorrang des Gegeneinanders weicht dem Vorrang des Miteinanders.

Zweitens ist die Gemeinwohl-Ökonomie durchsetzt von öffentlichen und Gemeinschaftsgütern (Allmenden oder „Commons“) wie Energieversorgungsunternehmen, Schulen, Bahn, Post oder Banken, aber auch Saatgut-, Software oder Reparaturunternehmen. Diese folgen nicht der Marktlogik, sie sind öffentliche Güter, werden aber nicht vom Staat geführt, sondern direkt von der Bevölkerung. Deshalb nenne ich sie „demokratische Allmenden“.

Drittens wird Subsistenz gefördert - durch die langfristige Reduktion der Regelarbeitszeit in Richtung zwanzig bis 33 Wochenstunden, durch die relative Aufwertung anderer Lebensschwerpunkte und Arbeitsbereiche, wie zum Beispiel Gärtnern oder Handwerk, und durch ein „Freijahr“ je zehn Erwerbsjahre. Die Gemeinwohl-Ökonomie ist deswegen keine Subsistenzökonomie, aber Subsistenzelemente ergänzen das Marktgeschehen.

Ebenso wird das allgemeine Schenken gefördert. Zum einen durch Wertebildung: Großzügigkeit und Teilen werden gesellschaftliche Leitwerte; wenn mehr Menschen selbst produzieren und essenzielle Güter herstellen, werden sie sich damit auch gegenseitig beschenken. Zum anderen durch marktkonforme Anreize für Unternehmen: Wenn diese sich großzügig verhalten und der Gemeinschaft oder Mitunternehmen Ressourcen aller Art - von Technologie über Arbeitskraft bis Geld - schenken, werden sie dafür belohnt.

Und selbst planerische Elemente fließen in die Gemeinwohl-Ökonomie ein: Unternehmen können gemeinsam Angebots- und Nachfrageschwankungen solidarisch bewältigen; der Markt wird etwas abgepuffert durch die gemeinsam abgestimmte Zusammenführung von Angebot und Nachfrage. Diese Form der Marktsteuerung ist allerdings dezentral und partizipativ und wird von privaten Unternehmen selbst vorgenommen (und nicht vom Staat). Wer sich daran beteiligt, wird belohnt. (Es gibt keinen Zwang, aber Anreize.) Das verringert die charakteristische Krisenanfälligkeit der kapitalistischen Marktwirtschaft.

Eine „echte“ Planwirtschaft, die ohne Geld und Produktpreise auskommt, weil sie streng dem Prinzip der Bedürfnisorientierung folgt, könnte ebenfalls dezentral, partizipativ und demokratisch organisiert werden, umso leichter im Internet-Zeitalter. Doch zu dieser Premiere ist es noch nicht gekommen. Zu sehr wird „Planwirtschaft“ noch mit zentraler Steuerung kurzgeschlossen und mit Diktatur. Doch jede MarxistIn ist zu Recht gekränkt, wenn das, was in der ehemaligen UdSSR praktiziert wurde, mit den Idealen von Karl Marx verwechselt wird: Demokratie, Mitbestimmung und Menschenwürde. Wer Interesse hat, feiner ausgearbeitete Modelle dezentraler und demokratischer Planwirtschaften kennenzulernen, sei beispielhaft auf die „Parecon“ von Michael Albert oder die „Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft“ von Albert Fresin verwiesen.

Kurz, das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie speist sich aus mehreren Modellen und allen bekannten ökonomischen Systemtypen. Es sind ja weder alle nur schlecht, und keines ist nur gut. Also die Vorzüge kombinieren und kreativ weiterentwickeln.

 

Ist eine Gemeinwohl-Ökonomie global wettbewerbsfähig?

 

Gemessen an ihren (nichtmonetären) Erfolgsindikatoren: ja, gemessen an den gegenwärtigen (monetären) Erfolgsindikatoren: nein. Freihandel wäre eine Bedrohung einer „einzelnen“ Gemeinwohl-Ökonomie. Doch offene Grenzen für Waren und Dienstleistungen – „Freihandel“ - sind kein Selbstzweck. Im Gegenteil: Freihandel bedroht, auch jetzt schon, unsere liberalen Verfassungswerte und die darauf aufbauenden demokratischen Errungenschaften: Menschenrechte, Arbeitsrecht, soziale Sicherheit, Gesundheitsvorsorge, Umweltschutz, Steuergerechtigkeit. Denn wenn die in einem Land erzeugten Produkte, die bestimmte arbeitsrechtliche, soziale, ökologische und Steuerstandards erfüllen, in freie Konkurrenz mit Produkten treten, die unter Verletzung aller dieser Standards erzeugt wurden, untergraben wir damit unsere Verfassungswerte und unsere demokratischen Errungenschaften. Freihandel ist Gesetzes- und Verfassungsbruch, wenn die miteinander Handelnden nicht die gleichen Voraussetzungen mitbringen und sich nicht auf einen gemeinsamen Rahmen für den Markt einigen. Genau das schlägt die Gemeinwohl-Ökonomie vor: freier Handel zwischen Gleichen - Ländern mit gleichen Standards - und Schutz vor Dumping aus Ländern mit geringeren Standards. Zum Schutz der demokratischen Errungenschaften und Verfassungswerte.

Konkret könnten Unternehmen mit guten Gemeinwohl-Bilanzen zum Beispiel Produkte aus fairem Handel zollfrei handeln; hingegen steigt der Zoll, je schlechter die Gemeinwohl-Bilanz wird.

Die EU ist der größte und mächtigste Wirtschaftsraum der Welt. Sie könnte problemlos auf solche - alternativen - globalen Regeln für den Handel drängen. Es war ja auch die EU, die, in vereinten Anstrengungen mit den USA, den gegenwärtigen menschenrechtswidrigen, entwicklungsfeindlichen und nicht nachhaltigen Freihandel durchgesetzt hat. Sie könnte genauso gut andere Regeln einfordern.

Und selbst wenn nicht alle Länder mitgehen, könnte die EU mit einer Staatengruppe von Gemeinwohl-Willigen beginnen: mit einer Gemeinwohl-Zone. Diese wäre eine Fair-Trade-Zone, die sich auf gemeinsame soziale, ökologische und steuerrechtliche Regeln einigt - von den beiden UN-Menschenrechtspakten über diverse Umwelt- und Klimaschutzabkommen bis hin zu Maßnahmen zur Förderung kultureller Vielfalt und Vermeidung von Steuerflucht. Und sich vor Ländern, in denen diese Regulierungen nicht gelten, schützt. Das ist ein völlig legitimer Schutz: Es ist Verfassungsschutz!

 

Wird es in der Gemeinwohl-Ökonomie Wachstum geben?

 

Wie schon erwähnt, ist Wirtschaftswachstum in der Gemeinwohl-Ökonomie kein Ziel an sich; und da der Erfolg eines Unternehmens nicht mehr im Finanzgewinn gemessen wird, ist das Wachstum monetärer Werte auch kein nötiges/sinnvolles Mittel zur Erreichung dieses Ziels mehr. Geld ist nur noch ein Mittel zur Steigerung des Gemeinwohls, und wenn weniger davon nötig ist, um mehr Gemeinwohl zu erreichen, ist das nicht das geringste Problem. Folglich wird es - hoffentlich - ein dauerhaftes Wachstum an Gemeinwohl - Gesundheit, Bildung, Mitbestimmung, Umwelt- und Beziehungsqualität, Sicherheit, Stabilität, Friede - geben, aber nicht notwendigerweise eines an Geld, und mit Sicherheit keines an Naturverbrauch und materiellen Ressourcen, weil ihr effizienter Gebrauch und ihre Bewahrung Teil des neuen Ziels geworden sind. Das Gemeinwohl-Bilanz-Ergebnis ist umso besser:

- je weniger sinnlose Produkte ein Unternehmen erzeugt;

- je geringer der Ressourceneinsatz ist, der in der gesamten Wertschöpfungskette benötigt wird;

- je geringer die Umweltbelastung durch die Abfallprodukte ist;

- je vollständiger die verwendeten Ressourcen im Kreislauf geführt werden.

So entsteht eine Lenkungswirkung in Richtung Ressourceneffizienz, Recycling, Re-Use, Nullemission und Nullabfall: „cradle to cradle“. Diese Schraube wird so lange fester gezogen - die Mindeststandards, Gemeinwohl-Punkte und rechtlichen Anreize erhöht -, bis der volkswirtschaftliche Ressourcenverbrauch/Schadstoffausstoß absolut zurückgeht und sich auf global nachhaltigem Niveau einpendelt oder darunter sinkt.

Allerdings ersetzt die Gemeinwohl-Bilanz nicht alle anderen umweltpolitischen Instrumente, sondern verstärkt diese. Nötig sind zusätzlich:

- ein globales politisches Ressourcenmanagement, das die Extraktion von Rohstoffen begrenzt und ihre Verteilung nach Gerechtigkeits- und Nachhaltigkeitskriterien organisiert;

- eine radikale Ökologisierung des Steuersystems;

- falls nötig und die anderen Maßnahmen nicht ausreichen, die Messung des individuellen ökologischen Fußabdrucks mit der Zuteilung eines globalen Pro-Kopf-Ressourcenbudgets. Das ist ein streng liberaler Zugang: gleiche (ökologische Verbrauchs-) Rechte für alle. Hier empfiehlt sich die Ausweitung des kategorischen Imperativs um die ökologische Dimension: Wir sollten einen Lebensstil wählen, der von allen Menschen auf der Erde gewählt werden könnte, ohne dass dadurch die Lebenschancen anderer Menschen oder zukünftiger Generationen beschnitten werden. Wolfgang Pekny und Niko Paech leisten hierzu im deutschen Sprachraum wichtige Pionierarbeit.

Alle wissenschaftlichen Forschungen zu dieser Frage ergeben, dass ein Weniger an Ressourcenverbrauch und materiellem Konsum keine Verminderung an Lebensqualität und -komfort bedeuten muss, sondern eher im Gegenteil: Wenn die Flüsse, Seen, Wälder und Felder wieder Erholungswert bieten; wenn die Wohnungen und Häuser infolge guter Dämmung, natürlicher Materialien und intelligenter Bauweise kein Öl und Gas benötigen (und die reichen Länder keine Ressourcenkriege führen); wenn die Möbel nach Naturholz duften und Augen wie bloßen Füßen schmeicheln; wenn die Lebensmittel nähren und mit Energie erfüllen; wenn alle wichtigen Tagesziele zu Fuß oder mit komfortablem öffentlichen Verkehr erreichbar sind; wenn das Arbeitsklima stressfrei, entspannt und wertschätzend ist; wenn die Armut und das Betteln von den Straßen und öffentlichen Plätzen verschwindet, weil alle im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben mit gleichen Chancen und Rechten integriert sind; und wenn alle wissen, dass ihr Lebensstil Menschen in anderen Ländern der Erde und zukünftigen Generationen keine Existenz- und Entwicklungschancen raubt, dann lebt es sich schlicht und ergreifend besser!"

 

Kritische Diskussion

 

Natürlich stößt die Gemeinwohl-Ökonomie auf massive Kritik. Für die einen bricht der Kommunismus aus, für die anderen handelt es sich um den letzten Versuch, den Kapitalismus zu retten. Auf der Webseite der Gemeinwohl-Ökonomie wird der Kritik an ihr sogar Raum gegeben:

„Wie bei jeder Initiative des Wandels ruft die Gemeinwohl-Ökonomie nicht nur Begeisterung und Beteiligung hervor, sondern auch Ängste und Widerstand.

Diesen Reaktionen geben wir auf dieser Seite Platz. Der transparente Umgang mit Kritik hilft uns, verschiedene Blickwinkel einzunehmen und unsere Inhalte weiterzuentwickeln.“

https://www.ecogood.org/de/vision/kritische-diskussion/

 

Zukunft

 

Der Wurm wünscht der Gemeinwohl-Ökonomie viel Erfolg! Er wäre bitter nötig.

In Österreich ist die „Bank für Gemeinwohl“ im Entstehen. Wer sich für deren Konzept und Entwicklung interessiert, wird hier fündig werden: https://www.gemeinwohl-genossenschaft.at/

Hier noch ein Gespräch von Ken Jebsen mit Günter Grzega. Günter Grzega war Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank München und fühlt sich der Genossenschafts-Idee und der Gemeinwohl-Ökonomie verpflichtet:

 

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm