Zur Zeit läuft in den Kinos der Film „Die Verlegerin“.

Es ist ein Film, bei dem der Wurm nicht weiss, ob er sich freuen oder ärgern soll. Die Freude überwiegt, da es bitter nötig war, die Aufgabe der Medien als Kontroll-Instanz zur Regierung aufzuzeigen.

Hier der Trailer zum Film:

 

 

Zunächst aber zu einem früheren Film:

 

Der gefährlichste Mann in Amerika – Daniel Ellsberg und die Pentagon-Papiere

 

Aus „Wikipedia“: „Der gefährlichste Mann in Amerika – Daniel Ellsberg und die Pentagon-Papiere ist ein US-amerikanischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2009 …

Nach einigen Jahren in der Denkfabrik RAND Corporation und einigen Jahren bei den United States Marine Corps beginnt Daniel Ellsberg am 1. August 1964 seinen neuen Job beim Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten Robert McNamara. Sein erster Auftrag ist die Bearbeitung eines Zwischenfalls im Golf von Tonkin nahe Nordvietnam, bei dem mehrere US-amerikanische Kriegsschiffe angeblich unter Beschuss gerieten. Obwohl es diesen Zwischenfall nicht gab, erklärte Präsident Lyndon B. Johnson Nordvietnam den Krieg. Ellsberg wird bald als fähigster Militärstratege im Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten angesehen und ist maßgeblich daran beteiligt, einige Vorfälle so stark zu dramatisieren, dass Johnson in Vietnam mit Operation Rolling Thunder eine flächendeckende Bombardierung befiehlt. Den Krieg, an dem er sich beteiligt, wird er erst einige Jahre später hautnah miterleben, als er mit seiner frisch angetrauten Frau Vietnam besucht und sie ihm Vorhaltungen macht. Also beschließt Ellsberg sich seiner Marine-Einheit im Kampf anzuschließen, um selbst herauszufinden, wie der Krieg läuft. Nachdem er selbst nur knapp einem Hinterhalt des Vietcongs entkommen kann, muss er in den nächsten Monaten feststellen, dass der desolate Kriegsverlauf verschwiegen und über angebliche Erfolge gelogen wird.

Im Juni 1967 lässt McNamara einen zusammenfassenden Bericht über das bisherige Kriegsgeschehen erstellen, um Johnson entscheiden zu lassen, wie der Krieg weiter zu führen sei. Man fürchtet sich dabei vor dessen Ärger über den bisherigen miserablen Verlauf, weswegen es umso überraschender erscheint, dass Johnson entschlossen einen erneuten Angriff befiehlt. Doch statt das Kriegsgeschehen zu eigenen Gunsten zu wenden, schwächt er die Truppenmoral und die amerikanische Öffentlichkeit bekommt zum ersten Mal mit, wie schlimm es wirklich um die eigenen Truppen in Vietnam steht. Ellsberg selbst beschließt aktiv zu werden und nutzt eine Gelegenheit, bei der er Neil Sheehan, einen Reporter der New York Times, trifft, um ihm ein geheimes CIA-Dokument über die tatsächliche feindliche Truppenstärke zu übergeben.

Im August 1969 beginnt Ellsberg zum ersten Mal den 47 Ordner und 7.000 Seiten umfassenden McNamara-Bericht zu lesen und sieht die Zusammenhänge, über die französische Kolonialmacht, dem Unterstützen des dem Westen wohlgesinnten, aber brutalen Diktators Nguyễn Văn Thiệu bis hin zu den Entwicklungen, die zum Krieg führten, weswegen Ellsberg erkennt, dass er nicht die falsche Seite bekämpft, sondern selbst auf der falschen Seite steht. Und so beginnt er am 1. Oktober 1969 diese als Top Secret eingestuften 7.000 Seiten zu kopieren, um sie anschließend zu verteilen. Zwar überlegt er lange, ob er sein ganzes Leben, seine Familie und eine Gefängnisstrafe riskieren soll, aber im Endeffekt fühlt er sich moralisch berufen und versucht die Berichte an die Senatoren und Kongressmitglieder zu verteilen. Doch keiner, nicht einmal die, die gegen den Krieg sind, wollen davon etwas wissen; alle weisen ihn ab. Also wendet er sich im März 1971 an Sheehan und die New York Times, die trotz großer Bedenken die Skandalnachricht drucken. Das Weiße Haus ist empört und kommentiert die Vorfälle lediglich damit, dass es sich um Geheimnisverrat handele und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Nachdem das Weiße Haus der New York Times, als erstem US-Medienunternehmen überhaupt, mit einer Einstweiligen Verfügung untersagt hat, weiter über diesen Skandal zu berichten, schickt es das FBI auf Ellsbergs Spuren. Aber Ellsberg schafft es sich lange genug zu verstecken, um die Dokumente nicht nur der Washington Post und 15 weiteren Zeitungen anzubieten, die darüber berichten, sondern auch Senator Mike Gravel, der gerade einen Filibuster im US-Senat unternimmt und später einfach diese 7.000 Seiten vorliest.

Ellsberg stellt sich daraufhin den Behörden und wird nach dem Espionage Act wegen „unerlaubten Besitzes“ und „Diebstahls“ von Pentagonmaterial, bei einer Androhung der Höchststrafe von 20 Jahren Gefängnis, angeklagt. Währenddessen diskutieren sowohl Politik als auch die Medienlandschaft darüber, ob Ellsberg ein Verräter oder ein Held sei, der für seine moralischen Prinzipien einstand. Henry Kissinger nannte ihn „den gefährlichsten Mann Amerikas, der gestoppt werden müsste“ und Richard Nixon meinte später bei seinem legendären Interview mit David Frost, dass Ellsberg „ein Verräter sei, der dem Feind half, was unentschuldbar sei“. Nixon versuchte auch zuvor die Anklage und die Medien zu täuschen, indem er eine Untersuchungskommission einsetzte, welche Ellsberg und einer möglichen Verschwörung nachgehen sollte. Allein durch diesen Zusammenhang ergänzte die Staatsanwaltschaft die Anklage um acht weitere Punkte, wodurch sich das Maximalstrafmaß auf 115 Jahre erhöhte. Kurz darauf scheitert Nixon an der Watergate-Affäre und der Freedom of Information Act wird auch auf Ellsbergs Handeln hin verabschiedet. Ellsberg selbst wird wegen Verfahrensfehlern freigesprochen.

Er selbst war enttäuscht, dass sich die Öffentlichkeit - bei all den Risiken, die er auch auf sich nahm - trotz der aufgedeckten Skandale wenig für das Vorgehen interessierte. Von seinen Wegbegleitern und Freunden wird Ellsberg anschließend als moralisch integre Person beschrieben.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_gef%C3%A4hrlichste_Mann_in_Amerika_%E2%80%93_Daniel_Ellsberg_und_die_Pentagon-Papiere

Hier ist die lohnenswerte Dokumentation zu sehen:

 

 

Die Verlegerin

 

Aus „Wikipedia“: „Katharine „Kay“ Graham hatte den Job nie gewollt, doch nach dem Tod ihres Mannes muss sie den Posten als Chefin der renommierten Washington Post und Vorstandsvorsitzenden des Verlages übernehmen. Dies ist in dem von Männern dominierten Vorstand keine leichte Aufgabe, und anfänglich bringt sie in den Sitzungen kein Wort heraus. Die Washington Post plant ihren Börsengang.

Eines Tages im Jahr 1971 landen geheime und brisante Informationen auf dem Schreibtisch von Ben Bradlee, dem Chefredakteur der Washington Post. Diese waren zuvor bereits der New York Times zugespielt worden. Es geht in den von einem Pentagon-Mitarbeiter kopierten Unterlagen um die Verschleierung von Informationen darüber, dass der Vietnam-Krieg aus anderen als den bislang bekannten Gründen begonnen wurde und nicht zu gewinnen sei. Dies hatten der amtierende Präsident und seine drei Vorgänger stets verschwiegen.

Die Verantwortlichen der Washington Post stehen nun vor der Entscheidung, ob sie den Inhalt dieser Papiere und damit den Skandal öffentlich machen und von der gezielten Desinformation berichten sollen oder nicht. Da es sich um Geheimdienstinformationen handelt, befürchten sie wegen Hochverrats im Gefängnis zu landen. Dennoch gibt Graham letztendlich ihre Zustimmung, auch wenn sie freundschaftliche Beziehungen zu Menschen pflegt, die in den Papieren belastet werden, denn Bradlee hatte ihr klar gemacht, dass es Pflicht der Presse sei, die Wahrheit zu drucken und sich eine freie Presse auch von der Regierung nicht erpressen lassen darf.

Die Veröffentlichung weiterer Inhalte der Pentagon-Papiere sorgt für Aufruhr im Weißen Haus. In der nun folgenden Gerichtsverhandlung, in der das Urteil zugunsten der beiden Zeitungen ausfällt, geht es nicht nur um das Recht der Presse, Fakten wahrheitsgemäß darzustellen, sondern auch um das Recht der Journalisten, ihre Quelle geheim zu halten.

Als Pentagon-Papiere, im Film The Papers genannt, bezeichnet man ein ehemals geheimes Dokument des US-Verteidigungsministeriums, dessen teilweise Veröffentlichung 1971 durch die New York Times gegen den Widerstand der Regierung aufgrund einer Entscheidung des höchsten US-Gerichtes erfolgte und die Desinformation der US-amerikanischen Öffentlichkeit in Bezug auf den Vietnamkrieg aufdeckte. Entgegen der Beteuerungen beteiligter Politiker erfuhren die Menschen, dass dieser Krieg im Rahmen der Bekämpfung des Kommunismus schon vor dem offiziellen Eingreifen der USA geplant war, die zwar nach Beendigung des Engagements Frankreichs in Indochina zunehmend Militärberater nach Südvietnam geschickt hatten, aber über die Jahre hinweg verneinten, dort selbst Krieg führen zu wollen. Im Jahr 1964 wurde mit der Vortäuschung eines Angriffs Nordvietnams im Golf von Tonkin, bekannt als „Tonkin-Zwischenfall“, bei der US-amerikanischen Bevölkerung bewusst die Bereitschaft zum Krieg erzeugt, umgehend Truppen ins Land verlegt und ein Krieg begonnen. Das Bekanntwerden dieser Informationen bzw. das Aufdecken dieser Hintergründe hatte wesentlich zur Beendigung des Krieges beigetragen.

Es war Daniel Ellsberg, ein hochrangiger Mitarbeiter im Verteidigungsministerium, der an den Vorarbeiten des Bombenkrieges beteiligt war, der das 7.000-seitige Dokument im Sommer 1971 unter Mithilfe seiner Kinder kopierte und nach Versuchen der US-Regierung unter Nixon, die Pressefreiheit einzuschränken, von der New York Times und der Washington Post in Teilen publizieren ließ. Die Pentagon-Papiere selbst waren im Auftrag des damaligen Verteidigungsministers Robert McNamara erstellt worden, und der offizielle Titel des Berichts lautet Report of the Office of the Secretary of Defense Vietnam Task Force. Nachdem darüber eine Gerichtsverhandlung beim Obersten Gerichtshof der USA begonnen hatte, versuchte Ellsberg die Veröffentlichung auf andere Weise herbeizuführen und versuchte diese durch ein Mitglied des Kongresses zu erreichen, wobei er den demokratischen Senator Mike Gravel dazu überreden konnte, in einer Sitzung seines Bauausschusses im Juni 1971 einen nicht unerheblichen Teil der Pentagon-Papiere vorzutragen. Ellsberg hatte vor der Veröffentlichung der Pentagon-Papiere Kontakt zur Friedensbewegung bekommen und engagierte sich später weiterhin politisch. Ein Gerichtsverfahren gegen ihn war später eingestellt worden.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verlegerin

Joanne Laurier: „Vor allem aber lenkt Die Verlegerin die Aufmerksamkeit des zeitgenössischen Publikums auf einen folgenschweren Vorfall. Das offizielle Beiheft zum Film stellt fest, dass die Pentagon-Papiere „niederschmetternde Schockwellen auslösten, die bis heute andauern. Die Dokumente (…) entblößten eine schmutzige Wahrheit: dass vier aufeinanderfolgende Regierungen, unter den Präsidenten Truman, Eisenhower, Kennedy und Johnson, gigantische und weitreichende Täuschungen über den todbringenden Krieg in Vietnam verbreiteten.“

Weiter heißt es dort: „Die Pentagon-Papiere enthüllten, dass jeder dieser Präsidenten die Öffentlichkeit wiederholt über amerikanische Operationen in Vietnam in die Irre geführt hatte, und dass selbst als die Regierung behauptete, Frieden anzustreben, Militär und CIA hinter den Kulissen heimlich den Krieg ausweiteten. Die Papiere lieferten eine undurchsichtige Geschichte voller Hinweise auf Mordaufträge, Verletzung der Genfer Konvention, manipulierte Wahlen und Lügen vor dem Kongress.“

Wie Singer in einem Interview sagte, enthält das Drehbuch für Die Verlegerin mehrere aktuelle Parallelen zur Amtsführung Donald Trumps. „Bezeichnenderweise wurde die Thematik des Ersten Zusatzartikels immer relevanter, als wir dabei waren, den Film zu produzieren“, bemerkte der Drehbuchautor. „Dies ist einer der Gründe, warum Steven [Spielberg] den Film jetzt machen wollte.“

Dieser Kommentar ist zweifellos aufrichtig gemeint. Dennoch weist er, wenngleich in negativer Weise, auf einige Schwachstellen des Films hin.“

https://www.wsws.org/de/articles/2018/01/27/post-j27.html

 

Sich selbst feiern

 

„Immer wieder wurde der Film von Kritikern nicht nur als ein packender Polit-Thriller beschrieben, der den richtigen Ton zwischen Heldenkino und mahnendem Zeigefinger findet, sondern auch als Plädoyer für Pressefreiheit. Auch David Kleingers von Spiegel Online schreibt, der Film zeige, wie unverzichtbar eine freie Presse sei, denn in dem mitreißenden Plädoyer für eine freie Presse als Garant der Demokratie transzendiere Die Verlegerin immer wieder den eigenen Handlungshintergrund der Vietnamkriegsära, um auf die unmittelbare Gegenwart Amerikas unter der Trump-Administration zu verweisen. Auch andere Kritiker bemerkten, wie aktuell das Thema des Films gegenwärtig sei, wo sich die Pressefreiheit überall auf dem Globus massiven Anfeindungen ausgesetzt sehe. Andreas Busche vom Tagesspiegel meint: „Der Fall hat natürlich brennende Aktualität in einer Zeit, in der im Weißen Haus ein Präsident sitzt, der die „Fake Medien“ zum Staatsfeind Nummer Eins erklärt. Die Enthüllungen der Pentagon-Papiere besitzen aber noch andere Facetten; die nicht minder faszinierende Geschichte des Whistleblowers Daniel Ellsberg etwa, der die Dokumente der „Times“ zuspielte, unterschlägt Spielberg weitgehend.“ Zehn Monate seien zwischen der Lektüre des Drehbuchs und dem Kinostart in den USA vergangen, so Spielberg, und plötzlich sei da wieder eine Regierung gewesen, die die Presse zum Feind erklärt habe. Patrick Heidmann bemerkt, dabei sei der Journalismus seit Jahrhunderten als fester Bestandteil im System der Gewaltenteilung der Demokratie etabliert, auf den man sich als Nachrichtenquelle verlasse.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verlegerin

Patrick Heidmann: „Ich las das Drehbuch zu diesem Film im Februar 2017, als gerade Trumps Wahlkampf und sein Amtsantritt hinter uns lagen, sagt Spielberg beim Interviewtermin in New York. Die Relevanz, die diese Geschichte aus dem Jahr 1971 im neuen politischen Klima der Vereinigten Staaten hatte, war nicht zu übersehen. Der Film erzählt, wie sich die Washington Post unter Herausgeberin Katharine Graham und Chefredakteur Ben Bradlee trotz massiver juristischer Drohungen seitens des Weißen Hauses zur Veröffentlichung der geheimen Pentagon-Papiere entschloss, die der New York Times zuvor untersagt worden war. Es war eine Sternstunde der Pressefreiheit.

Mir war klar, dass ich diesen Film sofort drehen muss, sagt Spielberg. Zehn Monate nur vergingen zwischen der Lektüre des Drehbuchs und dem Kinostart in Amerika. Plötzlich war da wieder eine Regierung, die die Presse zum Feind erklärte. Dabei ist der Journalismus seit Jahrhunderten als fester Bestandteil im System der Gewaltenteilung der Demokratie etabliert. Wir verlassen uns auf ihn als Nachrichtenquelle. Und als Bastion der Wahrheit.

Sieht Spielberg unter Trump die Pressefreiheit in Gefahr? Sie steht auf jeden Fall näher am Abgrund als je zuvor. Auch viel näher als in den Momenten unter Nixon, von denen mein Film handelt. Weil es plötzlich mehr Menschen denn je gibt, die nicht wie ich auf die Wahrheit vertrauen, sondern glauben, Fakten und Meinungen seien das gleiche …

In die Zukunft blicken die Filmstars, die für ihre Rollen in Die Verlegerin das gleiche Honorar bekamen, trotzdem optimistisch. Wir Amerikaner müssen nur im November bei den Wahlen zu Repräsentantenhaus und Senat geschlossen zu den Urnen gehen. Dann nimmt die Demokratie ihren Lauf - und wir haben die Chance, einen ersten Richtungswechsel vorzunehmen, sagt Hanks. Meryl Streep ergänzt: Ich bin nicht sicher, ob wir nicht eines Tages sogar Trump dankbar sein werden. Weil er uns zeigt, welche Folgen es haben kann, wenn die Exekutive ihre Macht missbraucht. Und uns daran erinnert, wie schützenswert unsere Verfassung ist.“

http://www.faz.net/aktuell/stil/steven-spielbergs-neuer-film-die-verlegerin-15446878.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

Nein, sie kapieren es einfach nicht. Der Journalismus der Gegenwart ist nicht mehr derselbe, wie er es zu Anfang der 1970er Jahre war. Er ist dermaßen runter gekommen, dass viele Menschen sich größtenteils über den politisch-medialen Komplex ärgern. Der Film „Die Verlegerin“, der gegen Donald Trump gerichtet ist, verkennt vollkommen die Realitäten: Donald Trump ist nicht die Ursache des Problems, sondern die Folge. Siehe auch http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/315-fake-news-award.html .

 

Niedergang des Journalismus

 

Die Macher des Films sehen das wohl anders – aber Joanne Laurier bringt es schmerzhaft auf den Punkt:

„Wie oben gezeigt, verklärt die Darstellung in Die Verlegerin Graham und Bradlee zu Helden der Demokratie, was den Filmmachern nicht gerade zur Ehre gereicht. Zudem hatte Spielbergs Eile, den Film Ende 2017 fertigzustellen und in die Kinos zu bringen, offensichtlich nicht wenig mit Trumps Präsidentschaft sowie seiner eigenen Unterstützung für die Demokratische Partei zu tun.

Es ist natürlich nicht das erste Mal, dass ein Hollywood-Film die Wahrheit über das Leben seiner Hauptfiguren verdunkelt. Dennoch beleuchten viele dieser biographischen und historischen Filme wichtige Fragen, und das ist auch hier der Fall. Der Film Die Verlegerin ist gehaltvoll und komplex, und er weist damit über die unmittelbaren Absichten der Filmmacher hinaus.

Spielbergs Film bringt mit einigem Tiefgang Haltung und Physiognomie einer bürgerlichen Schicht auf die Leinwand, die im Jahr 1971 noch demokratische Prinzipien besaß und bereit war, für diese auf die Barrikaden zu gehen. Schließlich hatte nur ein Jahr zuvor das Kent-State-Massaker stattgefunden, bei dem die Nationalgarde vier wehrlose Studenten während Massenprotesten in Ohio erschossen hatte. Was, wenn die New York Times und die Washington Post die Pentagon-Papiere nicht aufgegriffen hätten? Auf jeden Fall zeigten Graham und Bradlee im Gegensatz zu ihren heutigen Kollegen ein gewisses Maß an Mut und Prinzipienfestigkeit.

Die gesamte herrschende Elite hat seither einen dramatischen Schwenk nach rechts vollzogen. Graham selbst sagte 1988, an die CIA gerichtet: „Es gibt einige Dinge, die die breite Öffentlichkeit nicht wissen muss und nicht wissen sollte (…) Ich glaube, die Demokratie gedeiht dann, wenn die Regierung durch legitime Schritte ihre Geheimnisse wahrt, und wenn die Presse selbst entscheidet, ob sie druckt, was sie weiß.“

Im November 2010, auf dem Höhepunkt der von WikiLeaks veröffentlichten Enthüllungen über US-Operationen im Irak, Afghanistan und weiteren Staaten, publizierte der ehemalige Chefredakteur der New York Times, Bill Keller, einen Artikel, in welchem er betonte, dass die Times, wenn es um die Enthüllung von Staatsgeheimnissen geht, „ausgiebige und lange Unterredungen mit der Regierung“ führe. Keller schrieb: „Wir sind fest davon überzeugt, dass Transparenz nichts absolut Gutes ist. Zur Pressefreiheit gehört auch die Freiheit, etwas nicht zu veröffentlichen, und dieser Freiheit bedienen wir uns recht regelmäßig.“ Heute würden die Pentagon-Papiere nicht mehr veröffentlicht.

Es ist unvorstellbar, dass der Supreme Court, der im Jahr 1971 entschieden hatte, dass die Times und die Post die Dokumente veröffentlichen durften, auch heute so entscheiden würde. Die Gerichte urteilen heute routinemäßig, dass die Regierung das Recht habe, Informationen zu unterdrücken und im Namen der „nationalen Sicherheit“ jedermann auszuspionieren.

In Die Verlegerin wird ein Abschnitt aus dem Urteil von Richter Hugo Black im Jahr 1971 zitiert. Er verdient es, ausführlich wiedergegeben zu werden:

„Im Ersten Zusatzartikel gaben die Gründungsväter der freien Presse jenen Schutz, den sie benötigt, um ihre wesentliche Rolle in unserer Demokratie ausfüllen zu können. Die Presse sollte den Regierten dienen, nicht den Regierenden. Die Macht der Regierung, die Presse zu zensieren, wurde beseitigt, damit die Presse für immer frei sei, die Regierung zu zensieren. Die Presse wurde geschützt, damit sie die Geheimnisse der Regierung dem Volk offenbare. Nur eine freie und ungebundene Presse kann wirkungsvoll Täuschungen durch die Regierung enthüllen (…) Meiner Meinung nach sollten die New York Times, die Washington Post und andere Zeitungen für ihre mutige Berichterstattung nicht etwa verurteilt, sondern gelobt werden, weil sie der Bestimmung, die die Gründerväter für sie so klarsichtig vorsahen, nachgekommen sind.“

Daniel Ellsbergs Schicksal unterschied sich fundamental von demjenigen von Julian Assange, Edward Snowden und Chelsea Manning. Ellsberg musste niemals ins Gefängnis, und er wurde sogar allgemein geehrt. Im Jahr 2011 schrieb der damals 80-jährige Ellsberg zum 40. Jahrestag der Veröffentlichung der Pentagon-Papiere folgenden Kommentar: „Was wir in diesem Monat benötigen, ist die Veröffentlichung der Pentagon-Papiere zum Irak und Afghanistan (und Pakistan, Jemen und Libyen).“

In einem Interview mit CNN, das zur selben Zeit geführt wurde, wies Ellsberg darauf hin, dass die Verbrechen, die die Nixon-Regierung 40 Jahre zuvor gegen ihn verübt hatte, jetzt unter dem Schutz der Gesetze und des Weißen Hauses von Obama standen.

Zu den Verbrechen „zählte der Einbruch in das Büro meines ehemaligen Psychoanalytikers (…) das Abhören von Telefonen ohne Gerichtsbeschluss, der Einsatz der CIA gegen amerikanische Staatsbürger innerhalb der Vereinigten Staaten, sowie die Beauftragung eines Schlägertrupps des Weißen Hauses, um mich [am 3. Mai 1971 auf den Stufen des Kapitols] vollständig außer Gefecht zu setzen‘.“ Ellsberg fuhr fort: „Unter George W. Bush und Barack Obama wurden der PATRIOT Act, der FISA Amendment Act und mehrere Durchführungsverordnungen [für den Schlägertrupp] des Präsidenten eingeführt“. Damit seien diese Verbrechen „allesamt legalisiert“ worden.

Ob nun Spielberg, Singer und ihre Kollegen sich des tiefgehenden Niedergangs der amerikanischen Demokratie bewusst sind oder nicht, dem nachdenklichen Zuschauer wird ihr Film Die Verlegerin jedenfalls ein wichtiges Gesamtbild vermitteln.“

https://www.wsws.org/de/articles/2018/01/27/post-j27.html

 

Krieg und Frieden in den Medien

 

Der Niedergang der deutschen Demokratie zeigt sich an einer hochkarätigen Veranstaltung im Januar in Kassel, von der die meisten Menschen kaum etwas mitbekommen haben dürften.

Marcus Klöckner: „Medien enthalten dem Publikum zentrale Informationen vor und stellen Zusammenhänge interessengeleitet einseitig verkürzt und damit falsch dar. Es gibt keine Öffentlichkeit mehr, dafür eine Vielzahl von Teilöffentlichkeiten. Das Publikum ist schwach organisiert. Den strukturellen Schieflagen im Mediensystem muss schleunigst entgegengewirkt werden. Das waren nur einige der Erkenntnisse, die die Teilnehmer der Konferenz „Krieg und Frieden in den Medien“ am vergangenen Wochenende diskutierten.

Organisiert hatte die Veranstaltung, die in der CROSS Jugendkulturkirche Kassel stattfand, die Juristenvereinigung IALANA in Kooperation u.a. mit dem Zentrum Oekumene der Ev. Kirche Hessen und Nassau sowie der Ev. Kirche von Kurhessen und Waldeck. Die Veranstaltung, an der gut 350 Personen teilnahmen, stand unter der Frage: „Kann man ein Leitbild ‚Friedensjournalismus‘ für eine der Wahrheit verpflichtete und deeskalierende Berichterstattung etablieren?“

Die Gräben zwischen Vertretern großer Medien und ihren Kritikern sind offenbar tief. Das ist eine ernüchternde Beobachtung, die man am Wochenende in Kassel hat machen können. Sie ergab sich allerdings nicht daraus, dass es bei der hochkarätig besetzten Konferenz, an der auch der „Anstalts-Kabarettist“ Max Uthoff und die ehemalige ARD-Russland-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz teilnahmen, etwa zu wilden Wortgefechten zwischen „etablierten“ Journalisten und Kritikern an ihrer Berichterstattung gekommen wäre. Dazu konnte es nämlich gar nicht kommen. Denn: Laut Aussage der Veranstalter fanden sich trotz Einladung keine Vertreter großer etablierter Medien zu der Konferenz ein. Einige von ihnen, die als Referenten oder Diskussionspartner angefragt waren, seien unter anderem aus Angst vor Sanktionen innerhalb ihrer Medien nicht bereit gewesen, an der Konferenz teilzunehmen. Das ist einerseits wirklich erstaunlich. Andererseits aber auch wieder nicht.

Gewiss: Mit einiger Naivität ließe sich die Frage aufwerfen, wie es sein kann, dass Medienvertreter, die sich mit Empörung über eine manchmal arg laute und teilweise beleidigende „Medienkritik“, wie sie etwa in den sozialen Medien zu finden ist, aufregen, trotzdem aber nicht bereit sind, sich an einen Tagungsort zu begeben, an dem es in jeder Hinsicht zivilisiert zugeht: Kluge und wohldurchdachte Referate, Podiumsteilnehmer, denen man schnell anmerkt, dass sie wissen, wovon sie sprechen; ein Publikum, das den Eindruck macht, sehr gut informiert zu sein und das sich mit Medien und deren Berichterstattung offenkundig intensiv auseinandergesetzt hat.

So gesehen lag in Kassel vor der CROSS Jugendkulturkirche, sieben Gehminuten vom Kulturbahnhof entfernt, der rote Teppich für jene Vertreter großer Medien aus, die meinen, dass die aktuelle Medienkritik im Kern unberechtigt sei und überwiegend mit falschen Annahmen und Behauptungen geführt werde. Die Bühne war bereitet. Doch, wie angesprochen, es gibt noch ein „Andererseits“.

Bei Lichte betrachtet dürfte das Interesse von so manchem Vertreter der Leitmedien an einer sachlichen Diskussion mit ihren Kritikern bei etwa null liegen. Zumindest liegt dieser Eindruck sehr nahe. Weder findet die Diskussion innerhalb der großen öffentlichen Diskursplätze der Polit-Talkshows statt, noch bisher, von wenigen Ausnahmen abgesehen, an einem anderen Ort. Der Grund liegt nahe und das hat die Veranstaltung in Kassel in aller Deutlichkeit gezeigt: Es geht bei der gegenwärtigen Medienkritik nicht um Lappalien. Es geht nicht darum, dass irgendein Journalist oder irgendein Medium hin und wieder irgendeinen Fehler macht. Die Medienkritik, die spätestens seit der Ukraine-Krise immer lauter geworden ist und auch auf der Kasseler Konferenz zu Wort kam, durchdringt die Oberflächen-Wahrnehmung von Journalismus und Mediensystem. Genauso die Medienkritik in Kassel: Sie bot weder Platz für ein allgemeines Journalisten-Bashing, noch ging es ihr um eine pauschale Verurteilung oder gar um eine Verteufelung von Medien. Zugleich scheuten Referenten und Tagungsteilnehmer aber auch nicht davor zurück, Missstände klar und präzise zu benennen, Ursachen in den Blick zu nehmen und, wie der aus Genf angereiste Korrespondent der taz, Andreas Zumach, provokante Vorschläge für Strukturveränderungen in den Medien zu präsentieren (Öffentlich-rechtliche Stiftungen für Zeitungen).

Da war etwa der Leipziger Journalismusforscher Uwe Krüger. Mit seiner 2013 publizierten Dissertation, die sich mit den Netzwerken von Alpha-Journalisten auseinandersetzt, hat Krüger für einigen Wirbel in der Medienwelt gesorgt. Teile seiner Arbeit hatte gar „Die Anstalt“ übernommen, um auf die Verflechtungen von Spitzenjournalisten mit Denkfabriken und Elitezirkeln im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik aufmerksam zu machen. Das Eingebundensein von Spitzenjournalisten in Elitezirkel, die etwa als Leitartikler die große Weltpolitik dem Leser interessengeleitet nahebringen, interessiert das Publikum, das wurde aus der Resonanz auf seine Arbeit deutlich.

Der Vortrag Krügers in Kassel war dem Thema gewidmet: „Woran man Propaganda erkennt.“ Krüger wollte, wie er zum Publikum sagte, „gleich mit der Tür ins Haus fallen“ und führte eingangs „die zehn Prinzipien der Kriegspropaganda [an], wie sie Lord Arthur Ponsonby, ein britischer Politiker, Schriftsteller und Friedensaktivist, während des Ersten Weltkriegs erkannte“:

1. Wir wollen den Krieg nicht.

2. Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung.

3. Der Führer des Gegners ist ein Teufel.

4. Wir kämpfen für eine gute Sache.

5. Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen.

6. Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich.

7. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.

8. Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.

9. Unsere Mission ist heilig.

10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

Ponsonbys Prinzipien zirkulieren seit geraumer Zeit im Internet – insbesondere auch im Zusammenhang mit den Spannungen, die es zwischen den Nato-Staaten und Russland gibt.

Krügers Absicht wird im weiteren Verlauf des Vortrags deutlich: Ihm geht es, ganz im Sinne der Frage, die die Veranstalter für die Tagung aufgeworfen haben, darum, dass Mediennutzer ihre Sinne schärfen.

Uwe Krüger verwies ferner auf das Propagandamodell des US-amerikanischen Sprachwissenschaftlers Noam Chomsky und des Ökonomen Edward Herman, die sich intensiv mit den Medien in ihrem Land auseinandergesetzt haben. „Ihre wichtigste These“, so Krüger, „lautet, dass die Medien nicht alle Opfer von staatlicher Repression und Gewalt gleichbehandeln, sondern zwischen wertvollen und wertlosen Opfern unterscheiden – je nachdem, ob die Gewalt von den USA, Kanada, anderen kapitalistischen Demokratien oder einem befreundeten Regime ausgeht oder aber von offiziellen Feindstaaten der USA.“

In den von Krüger präsentierten Zitaten Chomskys heißt es auch, dass sich bei Gräueltaten jener Länder, die mit den USA verbunden seien, in den Medien von den Journalisten ganz überwiegend eine länderspezifisch freundliche und damit einseitige Berichterstattung erwartet werde: „Wir erwarten unkritische Akzeptanz von bestimmten Prämissen, wenn es um uns und unsere Freunde geht – etwa, dass wir Frieden und Demokratie wollen, Terrorismus bekämpfen und die Wahrheit sagen – Prämissen, die bei Feindstaaten nicht angenommen werden.“

Nach den Erwartungen von Herman und Chomsky helfen also Medien dabei, die Schandtaten der eigenen Regierung und des Militärs zu verdecken, während sie bei Verbrechen der Feindstaaten die gesamte Klaviatur des kritischen Journalismus spielen.

„Spielen bei Kriegen auch PR-Agenturen eine Rolle, die also einen Krieg „promoten“, sprich: Propaganda für Regierungen betreiben?“ fragte der Politikwissenschaftler Jörg Becker. Provokant formulierte er den Titel seines Vortrages: „Wie die Public-Relations-Industrie mitregiert“ und legte somit zugleich nahe, dass PR-Agenturen einen großen Einfluss bei der Politikgestaltung haben können. Einige von ihnen seien zu „großmächtigen transnationalen Konzernen mutiert“; vier dieser „gigantischen PR-Verbundsysteme“ dominierten „die gesamte Welt der Werbung, der Public Relations, der Medien und des Consultings“ (die US-amerikanische Omnicom-Gruppe, die englische WWP-Gruppe, die französische Publicis-Gruppe und die US-amerikanische Interpublic-Gruppe). Mit einem Jahresumsatz von geschätzten 7 bis 20 Milliarden US-Dollar übersteige dieser gar den Staatshaushalt einzelner Länder.

Sieben von ihm recherchierte Beispielsfälle führt Becker an, in denen Staaten gezielt Werbeagenturen bei Kriegen um Unterstützung baten. Die so genannte „Brutkastenlüge“, die 1990 von der PR-Agentur Hill & Knowlton erfunden wurde, ist einer davon. Sie war dabei behilflich, ein emotionales und politisches Klima zu schaffen, das es den USA erlauben sollte, militärisch gegen den Irak vorzugehen und dafür vorab eine Mehrheit im UN-Sicherheitsrat zu gewinnen.

Becker resümiert, dass in Kriegen heute in weitem Maße „PR-Agenturen (und auch Medienanstalten) nicht nur Produzenten und Vermittler von Bildern und Texten“ seien, sondern auch „Kriegsakteure.“ Wie etwa ein etabliertes journalistisches Medium selbst zur Kriegspartei werden kann, illustrierte Becker an dem Beispiel des TV-Senders CNN. Dieser habe rechtzeitig vor „der Landung der US-Truppen an einem Strand in Somalia 1992 einen Vertrag mit dem Pentagon geschlossen“, so dass „die TV-Übertragung dieser Truppenlandung nur bei ihm und in der Prime Time stattfinden müsse, was dann vertragsgerecht auch geschah.“ Die Entwicklung in Sachen PR-Industrie vollziehe sich in einer Zeit, in der die bürgerliche Öffentlichkeit zunehmend zerfallen sei und nur noch Teilöffentlichkeiten vorhanden seien, so Becker.

Auch Albrecht Müller, Gründer und Herausgeber der NachDenkSeiten, widmete sich in seinem Vortrag dem Thema „Propaganda“. „Wie können wir uns gegen eine Manipulation unserer Einstellungen, Überzeugungen und Meinungen schützen?“, fragte er und wies auf häufig genutzte Methoden der Desinformation hin, die man erkennen, dokumentieren und kritisieren müsse: zum Beispiel Weglassen und Verschweigen wichtiger Tatsachen, unzulässige Simplifizierung und Verkürzung historischer Zusammenhänge und Entwicklungen, einseitige Instrumentalisierung des Leidens von Opfern mit dem Ziel einer trickreichen tendenziösen Beeinflussung der Gefühle der Leser und Zuschauer. „Manipulationen“, so Müller, sind vielfach „eher auf der Tagesordnung als ehrliche Aussagen.“ Es gehe darum, Manipulationen in den Medien zu erkennen und ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass hinter den Versuchen der Beeinflussung vielfach ausgeklügelte Kampagnen stünden.

Müller, der den Bundestags-Wahlkampf Willy Brandts von 1972 konzipierte und bis 1982 Chef der Planungsabteilung des Bundeskanzleramtes war, geht davon aus, dass zum Beispiel hinter der tendenziösen, weithin negativen Berichterstattung über Russland und Putin eine Kampagne stecke mit dem Ziel, das Land und den Präsidenten als Feindbild aufzubauen. Es werde das Zerrbild vermittelt: „Putin ist schuld am neu aufgebrochenen West-Ost-Konflikt. Putin ist unangenehm. Reitet mit nacktem Oberkörper. Putin ist der Böse“, sagt Müller im Stakkato.

Man müsse deshalb als kritischer Zeitgenosse in diesem Zusammenhang die „imperialen und geostrategischen und wirtschaftlichen Interessen des Westens sichtbar machen“. Dabei könne man erkennen, dass, wenn von einem Regime-Change die Rede sei, es längst nicht immer um Menschenrechte und Demokratie gehe. Einen kritischen Blick auf die Medien-Berichterstattung zu Russland warf auch Gabriele Krone-Schmalz, die ehemalige Russland-Korrespondentin der ARD. Sie wurde im Zuge der Ukraine-Krise dafür bekannt, dass sie die Berichterstattung deutscher Medien kritisierte und davor warnte, Russland als Feind darzustellen.

In Anlehnung an den Hamburger Völkerrechtler Professor Reinhard Merkel legte Krone-Schmalz präzise dar, dass – auch wenn es noch so häufig in den Medien anders zu lesen und zu hören sei – Russland die Krim nicht annektiert habe. Denn es sei keine gewaltsame Landnahme gewesen – anders als etwa das militärische Vorgehen des irakischen Diktators Saddam Hussein 1990 in Kuwait. Vielmehr habe eine Sezession, also eine Abspaltung eines Teils der Ukraine, mit Hilfe eines Referendums stattgefunden. Die Sezession habe zweifellos gegen die ukrainische Verfassung, nicht aber gegen das Völkerrecht verstoßen. Russland habe wegen dieser Verfassungswidrigkeit den Beitritt der Krim auch nicht ablehnen müssen. Denn die ukrainische Verfassung binde Russland nicht. Dennoch sei das Handeln Russlands, jedenfalls seine militärische Präsenz auf der Krim außerhalb seiner Pachtgebiete, völkerrechtswidrig gewesen. Daraus folge aber nicht, dass die von dieser Militärpräsenz erst möglich gemachte Abspaltung der Krim null und nichtig sei und somit deren nachfolgender Beitritt zu Russland doch nichts anderes als eine maskierte Annexion sei.

Krone-Schmalz betonte, dass man von den Mediennutzern nicht erwarten könne, auf diese Unterscheidung von alleine zu kommen, aber von Journalisten müssten diese Zusammenhänge dargestellt werden. Sie schlug vor, das Verhältnis zu Russland wieder zu verbessern und zum Beispiel vordringlich auf einen engen Jugendaustausch auf allen möglichen Ebenen zu setzen.

Die als Referenten eingeladenen ehemaligen Mitarbeiter des Norddeutschen Rundfunks (NDR) Volker Bräutigam und Friedrich Klinkhammer legten den Fokus ihrer Tagungsbeiträge auf ein bekanntes deutsches Medium: die ARD-Tagesschau. Unter dem Titel „Können wir uns wehren? – Was nützen Programmbeschwerden, Durchsetzung von Gegendarstellungen, gerichtliche einstweilige Anordnungen pp“ trugen beide mit trockenem Humor ihre Kritik an dem Medium vor. Seit der Ukraine-Krise haben Bräutigam und Klinkhammer nach eigenen Angaben über 400 Programmbeschwerden wegen unzureichender Berichterstattung in der Tagesschau eingereicht. Nicht einer habe der NDR-Rundfunkrat stattgegeben. Eigentlich, so Bräutigam, obläge es dem Rat, dass er einer seiner wichtigsten Aufgaben, die ihm der Rundfunkstaatsvertrag zuschreibe, nachkomme, sprich: „die Einhaltung der Programmrichtlinien zu überwachen.“ Im Programm müsse umfassend informiert werden, die Berichterstattung habe sachlich und wahrheitsgemäß zu sein, die Völkerverständigung müsse gefördert werden und sie müsse die Bürger zum selbständigen Urteilen befähigen.

Für beide Referenten steht nach ihren Erfahrungen fest: „De facto… bedient der Rat…nur die Partikular-Interessen von CDU und SPD, mit allen schändlichen Konsequenzen fürs Programm.“ Die Mitglieder des Rates tagten hinter verschlossenen Türen. „Ihre Sitzungen und deren Ergebnisse lassen sie vom Management desselben Hauses organisieren und realisieren, dessen Produktqualität und Programmpolitik sie eigentlich überwachen sollten.“

Sichtlich schockiert war das Publikum, als Bräutigam am Beispiel einer mangelhaften Recherche darlegte, was die Motivation der beiden gefördert hat, so unermüdlich Programmbeschwerden an den Sender zu schicken.

Bräutigam, der 21 Jahre beim NDR angestellt war, las die folgenden Zeilen vor:

„Nahe bei Aleppo griffen al-Qaida-Milizionäre einen palästinensischen Jungen auf. Er war zwölf Jahre alt. Die Männer ernannten ihn zum ‚Kindersoldaten Assads‘, fesselten ihn und warfen ihn auf einen Kleinlaster. Unter dem Gegröle der Kumpanei riss einer dem Kind den Kopf zurück und säbelte ihm den Hals durch. Das ging nicht glatt, es dauerte etwas. Den Kopf, nachdem der endlich abgeschnitten war, warf der Mann achtlos beiseite. Den Kopf eines zwölfjährigen Kindes.“

Nach dieser Schilderung fügte Bräutigam zum Publikum gewandt hinzu, um die Recherche-Defizite deutlich zu machen: „Sie werden es nicht glauben: Von solchen Leuten bezog Volker Schwenck, Chef des ARD-Büros in Kairo, regelmäßig das Material für seine ‚aktuellen‘ Berichte über die Kämpfe im 1000 Kilometer entfernten Aleppo.“ Und Bräutigam weiter: „Eigenrecherche in Aleppo, so hieß es verständnisheischend seitens der ARD, sei oft unmöglich, weil zu gefährlich. Das Fremdmaterial habe Schwenck jedoch immer äußerst sorgfältig geprüft. Ja freilich.“

„Uns wurde angst und bange“, das sagte der Polit-Satiriker Max Uthoff, der ebenfalls bei der Veranstaltung auftrat, im Hinblick auf die Berichterstattung zur Ukraine-Krise.

Der Anstalts-Kabarettist, der zusammen mit Claus von Wagner Monat für Monat ein Millionenpublikum an die Bildschirme lockt, sprach unter anderem mit den Moderatoren Daniela Dahn und Peter Becker darüber, wie er und von Wagner die Berichterstattung führender Leitmedien erlebt haben. Dies sei auch der Grund gewesen, dass sie in ihrer „Nummer“ das Verhalten der Leitmedien aus einem Schützengraben dargestellt hätten. Dies sei zu dem Zeitpunkt notwendig gewesen „und zwar in der Dramatik, auch in der Hektik, die sie vermittelt“, so Uthoff.

„Es sollte aussehen wie ein Kriegsfilm…, weil damals – das haben wir uns ja nicht ausgedacht, tatsächlich auch Der Spiegel, Die Zeit und andere unfassbar militaristisch zu Werke gegangen sind. Der Spiegel vor allem – die alte Landserpostille aus Hamburg – und auch Die Zeit, war da ganz vorne dabei…“ Fast müsse er der Springer-Presse Respekt zollen „vor der Phantasie und der Mühsal“, die Welt und Bild an den Tag legten, „um möglichst irgendwann dann doch mal einen Kriegsgrund gegen Putin zusammenzuzimmern.“

Uthoff zeigte aber auch Grund zur Freude auf, denn: Schon öfter sei es vorgekommen, dass Lehrer ihm und seinem Kabarett-Kollegen Claus von Wagner eröffnet hätten, sie zeigten komplette Folgen der Anstalt auch in ihren Klassenzimmern und diskutierten darüber mit ihren Schülern – „was uns freut wie Bolle, weil ich nicht glaube, dass wir subversiver wirken könnten als auf diese Art und Weise.“

Mit dem Begriff „subversiv“ lieferte Uthoff vielleicht auch ein gutes Stichwort, um zu erklären, warum die Kassler Medientagung der IALANA in der Berichterstattung augenscheinlich nicht vorgekommen ist. Eine Medienkritik, die, wie in der Veranstaltung gezeigt, mit Fachkenntnis in die Tiefe bohrt und auch nicht davor zurückscheut, herrschaftsnahe Wirklichkeitskonstruktionen in der Berichterstattung zu hinterfragen, verabscheut so mancher Alphajournalist. „Subversion“, hier verstanden als eine, im demokratischen Sinne, wahrlich kritische (und nicht pseudokritische) Hinterfragung von Politik und Gesellschaft: das scheint für so manches Medium nicht notwendig. Das zeigt die Berichterstattung zu oft. Dort herrscht der Tenor vor: „Uns“ geht es doch „gut“.“

https://www.nachdenkseiten.de/?p=42173

Hier ist die Homepage der Veranstaltung:

http://medientagung.ialana.de/

Ein paar Eindrücke von RT Deutsch:

„Die Crème der deutschen Medienkritik traf sich am Wochenende in Kassel, um Lösungsvorschläge zur Medienkrise zu diskutieren. Die Adressaten der Kritik - Vertreter der öffentlich-rechtlichen und Konzernmedien - ignorierten die dreitägige Veranstaltung.

Die Diagnose der Teilnehmer auf der Medienkonferenz war eindeutig: Die so genannten Mainstreammedien in ihrem jetzigen Zustand betreiben mehrheitlich Propaganda bis hin zur Kriegshetze. Oft geschieht dies auf subtile Wiese mithilfe schwer bemerkbarer Manipulationen. Die Redner des Forums - Künstler, Journalisten, Publizisten und Wissenschaftler - zeigten im mehrfach ausgebuchten Saal diese Techniken auf.

Aber was soll die Konsequenz daraus sein? An Vorschlägen, wie man Friedensjournalismus dagegensetzen kann, hat es nicht gefehlt. Diese reichten von Änderungen bei den Medienräten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bis zu einer Neuaufstellung von Alternativmedien, die mit den verfügbaren Mitteln mehr erreichen können als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Unsere Befragung unter den Gästen des Forums zeigte zudem: RT Deutsch ist ein wichtiges Medium für diese Teile der Öffentlichkeit.“

 

 

Und hier einige Vorträge der Veranstaltung:

 

Max Uthoff: Krieg und Frieden in den Medien

„Wie Kabarettisten auf Krieg und Frieden in den Medien schauen 

Medienkritik gibt es seit langem. Mit der Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt hat sie drastisch zugenommen. Vor allem in den Sozialen Medien finden sich immer interessantere und tiefergehende Analysen. Dazu kommt das Kabarett - Gutes Kabarett war schon immer politisch, aber Max Uthoff und Claus von Wagner haben ‚Friedenskabarett‘ erfunden; eine neue Form von Pädagogik.“

 

 

Daniela Dahn: Die Freiheit der Presse umfasst auch die Freiheit zur Kritik an der Presse 

„„Man kann gar nicht so viel Zeitung lesen, wie man sich empören möchte“, so Daniela Dahn (Schriftstellerin und Publizistin) in ihrem Impulsreferat auf der IALANA-Tagung „Krieg und Frieden in den Medien“ am 26. Januar 2018 in Kassel.

Viele Zuschauer sehen sich von der Tagesschau und anderen Leitmedien nicht hinreichend mit unabhängigen und zweifelsfrei recherchierten Informationen versorgt, um sich zum Weltgeschehen eine eigene, begründete Meinung bilden zu können. Das ist das eigentliche Dilemma. Es wird ein selektives Angebot von Symptomen serviert, das unerwünschte kausale Zusammenhänge weitgehend ausspart. Und das entgeht den Bürgern nicht, die den Mainstream-Medien nicht mehr trauen. Deshalb erfordert die Pressefreiheit zwingend auch die Freiheit zur Kritik an den Medien.“

 

 

Günther Rager: Wer führt Regie auf der medialen Bühne? Printjournalismus und innere Pressefreiheit

 

 

Maren Müller: Wer sitzt wofür im Rundfunkrat der öffentlich rechtlichen Sender

„Personalproporze, Kontrollgremien und Inhalte – Wer sitzt wofür im Rundfunkrat der öffentlich rechtlichen Sender – Auswirkungen?, Maren Müller (Ständige Publikumskonferenz öffentlich-rechtliche Medien e.V.)

Verbände und Parteien sollen die Bevölkerung in den Rundfunkräten repräsentieren. Aber diese Repräsentation gelingt immer weniger. Wo bleibt das Publikum, wenn es um die Bestimmung der Inhalte der öffentlich rechtlichen Sender geht? Eine demokratische Medienlandschaft braucht Mittel für mehr direkte Kontrolle seitens der Bevölkerung.“

 

 

Kurt Gritsch: Der Kosovo-Krieg - Eine gesteuerte Debatte

 

 

Ulrich Teusch: Innerer und äußerer Frieden als Aufgabe der Medien

 

 

Albrecht Müller: Wie schützen gegen Manipulation unserer Einstellungen, Überzeugungen und Meinungen? 

„Wer über publizistische Macht und unbegrenzte finanzielle Mittel verfügt, bestimmt weitgehend die relevanten politischen Entscheidungen und kann so seine Interessen durchsetzen. Albrecht Müller (Ministerialdirektor a.D., ehem. SPD-MdB, Herausgeber der NachDenkSeiten) erklärt in seinem Impulsreferat auf der IALANA Medientagung wie wichtige politische Entscheidungen in strategisch geplanten Kampagnen der Meinungsbeeinflussung vorbereitet und durchgeführt werden. Nur „wer nach kurzer oder längerer Übung erkannt hat, dass und wie wir Manipulationen und Kampagnen ausgesetzt sind, ist gefeit gegen diese Art von Fremdbestimmung“.“

 

 

Gabriele Krone-Schmalz: Die Konfrontationspolitik gegenüber Russland und die Medien

„In der deutschen Medienlandschaft ist das Wort „Russlandversteher“ zum Schimpfwort geworden. Ganz wie in den Zeiten des Kalten Krieges, wird die Bedrohung aus dem Osten propagiert und die Welt in „böses Russland“ und „guter Westen“ aufgeteilt.

Gabriele Krone-Schmalz (ehem. Moskau-Korrespondentin und Moderatorin der ARD) tritt seit Jahren für gute Beziehungen zu unserem Nachbarn Russland ein. In ihrem Vortrag auf der IALANA Medientagung referiert sie über die Konfrontationspolitik gegenüber Russland und die Rolle, die die Medien dabei spielen.“

 

 

Uwe Krüger: Woran man Propaganda erkennt

„Als die Kabarettsendung „Die Anstalt“ das Konzept der Vernetzung von Alpha-Journalisten mit Thinktanks und politischen Eliten für eine Sendung verwendete, geriet die Arbeit des Diplom-Journalisten und Medienwissenschaftlers Dr. Uwe Krüger (Universität Leipzig) ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Josef Joffe reagierte mit einer Unterlassungsklage, die schlussendlich vor dem BGH scheiterte.

Auch heute noch ist der Schwerpunkt Krügers Forschung die Unabhängigkeit der Medien. Auf der Medientagung der IALANA referierte er zu dem Thema „Woran man Propaganda erkennt“.“

 

 

Ekkehard Sieker: Alternative Fakten?

„Der Ausdruck „Alternative Fakten“ wurde 2017 zum Unwort des Jahres gewählt. „Alternative Fakten“ sei der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen, so die Begründung der Jury aus Darmstadt. Nach Ekkehard Sieker (Journalist, u.a. Die Anstalt und Monitor) müsste dann aber vielmehr von „Lügen“ und nicht von „alternativen Fakten“ geredet werden.

Ekkehard Sieker berichtet in seinem Referat auf der IALANA Medientagung von seiner täglichen Arbeit für die Kabarettsendung „Die Anstalt“ und den Umgang mit „alternativen Fakten“.“

 

 

Jörg Becker: Wie die Public-Relations-Industrie mitregiert

„Die PR-Industrie spielte ab den 30er Jahren in Deutschland für die Legitimation von politischer Herrschaft eine immer größere Rolle. Heute nehmen riesige und mächtige PR-Konzerne Einfluss auf politische Prozesse und konstruieren beauftragte „Wirklichkeiten“. Prof. Dr. Jörg Becker referiert auf der IALANA Medientagung über das Vorgehen der PR-Industrie und wie diese in Deutschland „mitregiert“.“

 

 

Jörg Beckers Vortrag zum Nachlesen in den „Nachdenkseiten“:

Was Public Relations ist, versuche ich strikt empirisch, politökonomisch und demokratietheoretisch zu beschreiben, zu systematisieren und zu analysieren. Erst danach bewerte ich Fakten und Theorieansätze.

1.Was ist die PR-Industrie?

Zunächst einmal einige historische Zusammenhänge. Eine ihrem eigenen Selbstverständnis nach zu definierende PR-Industrie gibt es in den USA seit den dreißiger Jahren und in Deutschland zeitgleich im deutschen Faschismus. In beiden Fällen geht es um politische und staatliche Öffentlichkeitsarbeit in Phasen einer stark staatsmonopolistischen Form politischer Herrschaft. Auf der einen Seite der new deal eines Franklin D. Roosevelt, auf der anderen Seite der deutsche Faschismus als Wegbereiter eines modernen Kapitalismus. In den USA waren Edward Bernays und Ivy Lee die beiden selbsternannten Väter einer PR-„Wissenschaft“, im deutschen Faschismus war es das frühe NSDAP-Mitglied Carl Hundhausen, der als kaufmännischer Direktor bei Krupp dieses Unternehmen nach 1945 erfolgreich vom Image des Kriegsverbrecher-Konzerns weißwusch.

Neben dem Begriff Public Relations kommt auch der Begriff der Propaganda in den dreißiger Jahren aus den USA. Schon bald negativ konnotiert, wurden dieser Begriff und der der psychologischen Kriegsführung in den fünfziger Jahren durch folgende Begriffe abgelöst und ersetzt: internationale Kommunikation, Entwicklungskommunikation und schließlich – bis auf den heutigen Tag – public diplomacy, also eine Mischung aus politischem Marketing, instrumentalisierter Völkerverständigung und Kulturdiplomatie zur Schärfung des eigenen Länderprofils, um ökonomische Standortvorteile in einem globalisierten und grenzenlos entfesselten Kapitalismus zu erzielen (das sog. nation branding).

Während Marx und Engels in der Mitte des 19. Jhs. im Kommunistischen Manifest festhielten, dass „an die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit ein allseitiger Verkehr tritt und eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander“, gründete in den USA Walter Thompson – nicht zufällig ebenfalls in der Mitte des 19. Jhs. – die weltweit erste Werbeagentur (die im übrigen noch heute existiert).

Einzelne PR-Agenturen sind inzwischen zu großmächtigen transnationalen Konzernen mutiert. Konkret beherrschen vier gigantische PR-Verbundsysteme die gesamte Welt der Werbung, der Public Relations, der Medien und des Consultings:

a. Die US-amerikanische Omnicom-Gruppe: Sie ist weltweit eindeutig die mächtigste im Geschäft. Mit einem Jahresumsatz von geschätzten 20 Milliarden Euro ist sie in New York ansässig. Zu ihr gehören Werbeagenturen wie Batten, Barton, Durstine & Osborn (BBDO), DDB Worldwide, TBWA Worldwide oder Ketchum Pleon sowie das PR-Agenturen-Netzwerk Porter Novelli International.

b. Die englische WWP-Gruppe: Sie ist der zweitwichtigste Akteur mit einem Jahresumsatz von 14 Milliarden Euro und 160.000 Mitarbeitern in 200 Büros und 108 Ländern. Zu ihr gehören die Agenturen Grey Global Group, Hill & Knowlton, Burson-Marsteller, Young & Rubicam und die schon erwähnte Agentur Walter Thompson.

c. Die französische Publicis-Gruppe: Sie steht weltweit an dritter Position. Zu ihr gehören zum Beispiel die Firmen Leo Burnett Worldwide, Saatchi & Saatchi und Publicis Pixelpark. Unter Leitung von Maurice Lévy in Paris hat diese Gruppe 77.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von fast 10 Milliarden Euro.

d. Die US-amerikanische Interpublic-Gruppe: Mit einem Umsatz von 7 Milliarden Euro und den Werbeagenturen McCann-Erickson, Weber Shandwick und FCB nimmt sie global die vierte Position ein.

Die Jahresumsätze dieser Agenturen übertreffen den Staatshaushalt sehr vieler Länder. So verfügt zum Beispiel das Land Senegal jährlich nur über Einnahmen in Höhe von 3 Milliarden Euro. Ein großer Teil der Macht dieser Agenturgruppen ist nicht nur ökonomischer, sondern auch politischer Natur. Denn die Chief Executive Officers (CEO) dieser Agenturen sind essentieller Bestandteil westlicher Elitenetzwerke – man sieht und trifft sich, etwa jährlich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Ein höchst mächtiger Elitenetzwerker war zum Beispiel Maurice Lévy, bis zum Juni 2017 CEO von Publicis. Er war gleichzeitig Präsident des französischen Arbeitgeberverbandes, 2011 Mitglied der Bilderberg-Konferenz und Berater sowohl der Deutschen Bank als auch des mächtigen Council on Foreign Relations.

Die Zahl der PR-Agenturen wird in Deutschland auf 2.200 geschätzt. Während die größte Agentur mehr als 400 Mitarbeiter hat, hat die zehntgrößte Agentur nur noch 60 Mitarbeiter. Mit anderen Worten: Die meisten Agenturen sind klein und mittelständisch. Der Gesamtumsatz der PR-Industrie liegt in Deutschland pro Jahr bei 5 Mrd. Euro und der der dazu gehörenden Werbebranche bei 20 Mrd. Euro. (Vergleichszahlen: Parfümhandel 1 Mrd. Euro, Tageszeitungen: 7,5 Mrd. Euro, Buchbranche: 10 Mrd. Euro, und IT-Industrie 100 Mrd. Euro).

2. Das Verhältnis von PR-Industrie zu Journalismus

Die betriebswirtschaftliche Rationalität deutscher Tageszeitungen hat sich auf einer Zeitachse von 1950 bis 1990ff. drastisch verändert. Setzten sich die Einnahmen einer Tageszeitung 1950 zu 20% aus Werbung und zu 80% aus den Verkaufserlösen am Lesermarkt zusammen, so drehte sich dieses Verhältnis ab 1990 um. Seit dieser Zeit setzen sich die Einnahmen einer Tageszeitung zu 80% aus Werbung und nur noch zu 20% aus den Verkäufen am Lesermarkt zusammen. Aus ökonomischer Sicht heißt dieser betriebswirtschaftliche Wechsel Dreierlei. 1. Der Inhalt einer Zeitung ist das kostenlose Zubrot, um eine Zielgruppe wie Zeitungsleser an die Werbung treibende Industrie verkaufen zu können. 2. Dieser neoliberale Wechsel von Journalismus zu Werbung verändert das Machtverhältnis zwischen PR-Industrie zu Journalismus eindeutig und ein für allemal zugunsten der PR-Industrie. 3. Marx´ lapidare Systemfeststellung aus der Mitte des 19. Jhs., dass „die erste Freiheit der Presse darin bestehe, kein Gewerbe zu sein“, konkretisiert sich jetzt auch betriebswirtschaftlich. Grundgesetzwidrig gibt es also keine freie Presse mehr.

Das Verhältnis von PR-Industrie zu Journalismus lässt sich empirisch nicht nur ökonomisch, sondern auch an den Inhalten der Zeitungen festmachen. Eine sogenannte Medienresonanzanalyse von Lothar Rolke, Professor für Betriebswirtschaft an der Universität Mainz, ergab schon 1992, dass in den Medien das statistisch normale Verhältnis von Selbstdarstellung zu Fremdbeobachtung circa 70:30 beträgt. Das bedeutet, dass Journalisten häufiger einfach Pressemitteilungen von Unternehmen und Institutionen übernehmen, als selbst zu recherchieren.

Rolkes Ergebnis deckt sich gut mit den empirischen Ergebnissen von Barbara Baerns (1985) in Deutschland und René Grossenbacher (1986). Danach kann als gesichert gelten, dass Public-Relations-Arbeit die Medienberichterstattung weitgehend determiniert. Nahezu Zweidrittel aller in den Medien verbreiteten Meldungen kommen von außen, sind nicht selbständig recherchiert, sondern stammen aus Pressestellen von privaten und öffentlichen Institutionen und PR-Agenturen, werden einer Zeitungsredaktion von einem sogenannten Medienservice „häppchengerecht“ als fertige Artikel angeboten.

Übernimmt ein Zeitungsverleger gegenwärtig Content von Public-Relations-Agenturen gerne kostenlos, da er auf diese Weise seine Personalausgaben für eine journalistische Redaktion senken kann, so könnte sich das Bezahlmodell zwischen PR und Journalismus bald umdrehen. Als „paid content“ müsste ein Zeitungsverleger der PR-Industrie für ihre Dienstleistungen dann Honorare zahlen, würde die Zeitungsbranche strukturell noch schwächer, als sie es in den letzten Dekaden sowieso geworden ist. Um weiter Kosten zu sparen, könnten zukünftige Zeitungsverlage ihre journalistischen Redaktionen völlig schließen und sie – quasi outgesourct – dem Betrieb einer PR-Firma überlassen.

Im Gegensatz zum Journalismus geht es Public Relations nicht um öffentliche Kommunikation, sondern um Unternehmens- oder Politikkommunikation. Von unbekannten und nicht-sichtbaren Akteuren werden Botschaften, Bilder und Texte für Teil-Öffentlichkeiten produziert, die oft genug Partial- als Gemeininteressen vorgaukeln. PR-Botschaften sind insofern bezahlte Kommunikationsmodelle, die die Öffentlichkeit privatisieren. Wer die Unternehmens- und Politikkommunikation Public Relations in das akademische Fach „Publizistik“, also die Wissenschaft von öffentlicher Kommunikation, integriert, attackiert die Tradition und das Selbstverständnis dieses Faches tödlich.

Die Dominanz der PR-Industrie gegenüber dem Journalismus zeigt sich empirisch inzwischen auch in der Arbeitswelt. In den USA sollen 200.000 PR-Arbeitsplätzen nur noch 100.000 hauptberufliche Journalisten gegenüberstehen. In Großbritannien liegt das Verhältnis 1:1 bei jeweils 90.000 Arbeitsplätzen. In Deutschland sind die Dominanzverhältnisse „noch“ nicht so eindeutig wie in den USA. Es soll „noch“ ein Verhältnis von Zweidrittel zu Eindrittel zugunsten von Journalisten geben, also circa 80.000 Journalisten zu circa 50.000 Mitarbeitern in der PR-Branche. Diese Arbeitsmarktzahlen spiegeln sich inzwischen auch bei den Studiengängen an den universitären Instituten für Kommunikationswissenschaft wider. Public-Relations-Studiengänge sind bei Studenten inzwischen gefragter als die des klassischen Journalismus.

Wer weiß, dass die Musikindustrie nach ihrem prozentualem Anteil am BIP und ihrer Zahl der Arbeitsplätze seit langem bedeutender als die Stahlindustrie ist, der wird sich nicht darüber wundern, dass der Anteil des Dienstleistungssektors mit knapp 70% am BIP bei weitem größer als der Produktionssektor ist. An diesem Dienstleistungssektor hat die Content-Industrie, also die Industrie, deren Produkte urheberrechtlich schutzfähig sind – und dazu gehört die PR-Industrie – einen stetig wachsenden Anteil. Er dürfte gegenwärtig bei 10% am BIP liegen.

3. Öffentlichkeit, Werbung und PR-Industrie

Werbung und PR-Industrie verhalten sich zueinander wie Konsumgüter und Politik. Werbung definiert sich primär ökonomisch. Seit Mitte des 19. Jhs. besteht die ökonomische Funktion von Werbung darin, neue Märkte für von Konsumenten unerwünschten Konsumgüterprodukten bei stetiger Überproduktion zu schaffen. Ohne Werbung würde der Kapitalismus stagnieren. Public Relations definiert sich dagegen primär politisch. In Formaldemokratien, in denen es in Wahlkämpfen nicht mehr um das beste Argument geht, sondern um den Machterhalt kleiner ökonomischer und politischer Eliten, übernimmt Public Relations die Aufgabe, Loyalitäten, positive Stimmungen und Zustimmungen, kurz: unkritische Affirmation, an die bestehenden gesellschaftlichen Zustände herzustellen. Dies umso mehr, je wahlmüder und entpolitisierter eine Bevölkerung ist. In solchen Krisensituationen wächst die ökonomische und gesellschaftliche Bedeutung der PR-Industrie. Sie wird „wissenschaftlicher“, systematischer, professioneller und teurer.

Eine positivistische Meinungs- und Marketing„wissenschaft“ hat den Unterschied zwischen Werbung und Politik, zwischen Konsumgütern und Demokratie, nie begreifen können und wollen. Für George Gallup, Vater der Meinungsforschung in den USA, war schon 1932 PR-Arbeit für Zahnpaste das Gleiche wie für Politik und für Elisabeth Noelle-Neumann war die Meinung zu einer politischen Wahl noch 2006 das Gleiche wie zu Seife.

In den gegenwärtig fragmentierten Öffentlichkeiten greift ein nationaler und demokratischer Öffentlichkeitsbegriff wie der von Habermas 1961 nicht mehr. Eine bürgerliche Öffentlichkeit ist nicht nur zerfallen. Angesichts von Individualisierung, Fragmentierung, Flexibilisierung, Digitalisierung, neoliberalem Marktradikalismus, Entgrenzung und Globalisierung haben untereinander nicht verbundene Teilöffentlichkeiten und divergente sozial-kulturelle Milieus können auch nicht länger als Folie herhalten, an der der Zerfall gespiegelt wird und die es wiederzugewinnen gälte. Dementsprechend ist auch eine Kultur von großen, nationalen PR-Kampagnen vorbei. Heterogenität ist die Signatur der gegenwärtigen und zukünftigen PR-Industrie.

4. Kriege und PR-Industrien

Wer meinen Ausführungen bis hierher zustimmend gefolgt ist, der wäre naiv, noch zu meinen, dass PR-Industrien bei der Vorbereitung und Durchführung von Kriegen keine Rolle spielen würden. Das Gegenteil ist seit wenigstens 50 Jahren der Fall. Meine primären, eigenen Forschungsarbeiten zu diesem Themenkomplex reichen bis 2008, doch selbstverständlich ist die Welt seit 2008 nicht stehengeblieben. Pecunia non olet – Betriebs- und Volkswirtschaft und auch die Ökonomie als Wissenschaft können definitorisch (zunächst einmal) keine Moralanstalten sein. Das können und sollen sie auch nicht leisten. Warum aber ist dieses Verhältnis von Kriegsführung zu PR-Industrie dennoch hoch problematisch?

1. Generell ist Kriegsführung völkerrechts- und grundgesetzwidrig. Wer Kriege durch PR-Kampagnen beschönigt und verherrlicht, handelt illegal. Im Deutschen Strafgesetzbuch regelt das der § 80a.

2. Ist Krieg ein Extremzustand von Politik, dann gilt für Demokratien gerade in einem solchen Zustand das Transparenzgebot noch mehr als sonst. PR-Agenturen, die privat- und vertragsrechtlich geschützt Kriegspropaganda betreiben, verletzen genau dieses Gebot und schaden damit der Demokratie.

3. Wenn Kriegspropaganda dem Rendite-Interesse privatwirtschaftlich agierender PR-Agenturen untergeordnet wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass deren Arbeit die Kriegsdauer verlängert und dass Kriegsführung noch teurer wird.

4. Als der Kriegsreporter Frederic S. Remington im kubanisch-amerikanischen Krieg 1897 seiner Zeitung in New York empört mitteilte, dass es auf Kuba gar keine Kriegshandlungen gäbe, antwortete ihm sein Zeitungsverleger: „Bleib trotzdem auf Kuba. Du schickst die Fotos, wir machen den Krieg.“ Diese bereits im Journalismus bekannte Diskrepanz zwischen Realität und Medienrealität wird noch größer, wenn nicht mehr Zeitungsverlage, sondern PR-Agenturen die Kriegsberichterstattung veranlassen und steuern. Das verengt das Blickfeld des Medienrezipienten, vergrößert die sowieso vorhandene Diskrepanz zwischen Realität und Medienrealität noch mehr und ist deswegen demokratieschädlich.

5. In Kriegen sind PR-Agenturen (und auch Medienanstalten) nicht nur Produzenten und Vermittler von Bildern und Texten, sie sind u. U. auch Kriegsakteure. Das galt z. B. für den TV-Sender CNN, als dieser bei der Landung der US-Truppen an einem Strand in Somalia 1992 einen Vertrag mit dem Pentagon geschlossen hatte, dass die TV-Übertragung dieser Truppenlandung nur bei ihm und in der Prime Time stattfinden müsse, was dann vertragsgerecht auch geschah. Das galt z. B. auch für die deutsche PR-Agentur Hunzinger in Frankfurt, die einem deutschen Unternehmer im April 1999 erfolgreich dazu verhalf, dass dessen Filialbetriebe bei Belgrad von der NATO nicht bombardiert wurden. Diese Vermischung von Kriegsberichterstattung und kriegerischer Aktion sind für eine parlamentarische Demokratie rechtlich fragwürdig.

6. Aus Angst vor einer Zunahme von ideologischen Einflüssen der NSDAP in den USA verfügte die US-amerikanische Regierung 1938 den Foreign Agents Registration Act (FARA). Dieses nach wie vor gültige Gesetz schreibt bindend vor, dass natürliche und juristische Personen, die in den USA politisch für ausländische Rechtspersonen tätig sind, diese Tätigkeit dokumentieren und offenlegen müssen. Das gilt auch für US-amerikanische PR-Agenturen. Eine Dokumentation über Art, Qualität und Finanzumfang ist beim Justizministerium in Washington zu hinterlegen. Auf dieser Grundlage haben Mira Beham und ich 2006 in unserem Buch „Operation Balkan“ die Kriegspropaganda von US-amerikanischen PR-Agenturen in ihren rund 150 Verträgen mit verschiedenen ex-jugoslawischen Regierungen untersucht. Ein solches Transparenzgesetz kann natürlich umgangen werden; dennoch wäre es auch für Deutschland wünschenswert.

7. 1948 verabschiedete die US-amerikanische Regierung den sogenannten Smith-Mundt Act. Dieses Gesetz regelt, dass die US-amerikanische Regierung zwar im Ausland Propaganda betreiben darf, aber nicht im Inland. Das Inlandsverbot gründet in der Idee, dass man die Gelder des eigenen Steuerzahlers nicht dazu benutzen dürfe, ihn selbst zum Zielobjekt von Propaganda zu machen. Eine sehr weise Entscheidung und Begründung, die man sich auch für Deutschland wünschen würde.

8. Die Düsseldorfer Werbeagentur von Dieter Castenow ist die Rahmenvertragsagentur des Verteidigungsministeriums. 2015 erhielt sie von diesem Ministerium für die Kampagne „Mach was wirklich zählt“ ein Budget von knapp 13 Mio. Euro, für die Reality-Video-Serie „Die Rekruten“ knapp 8 Mio. Euro und für den gegenwärtigen YouTube-Clip zum Bundeswehreinsatz in Mali 6,5 Mio. Euro. So weit, so nicht gut: Bei YouTube und in der Außenwerbung vor Schulen und bei McDonald’s angeboten, sind die Kernzielgruppe dieser Kampagnen 17- bis 35-Jährige. Da 17-Jährige definitorisch Kinder sind, musste sich die deutsche Regierung eine herbe menschenrechtliche Kritik einhandeln. Im Bericht des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes vom 31. Januar 2014 zum gemeinsamen dritten und vierten periodischen Staatenbericht Deutschlands zeigte sich der Ausschuss besorgt darüber, dass es in Deutschland „Werbekampagnen für die Streitkräfte [gäbe], die insbesondere auf Kinder abzielen.“ Auf gut Deutsch: Die Bundesregierung verletzt die UN-Kinderrechtskonvention. Es ist jeglicher Werbung eigen, dass man ihre Wirkung nicht monokausal und eindimensional messen kann. Es muss freilich zu denken geben, dass inzwischen knapp 2.000 17-Jährige, also Kindersoldaten, bei der Bundeswehr arbeiten. Ich halte diesen Zustand für rechtswidrig.

9. Wie einem unter dem Titel „Reputationsmanagement“ veröffentlichten Artikel in der Zeitschrift „German Foreign Policy“ vom 12. Januar 2018 zu entnehmen ist, veranstaltet die in Bonn ansässige Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT) in nur wenigen Tagen ein Symposium, bei dem es um die Verbesserung des öffentlichen Images deutscher Rüstungsfirmen geht. Mit von der Partie sind hier die Bundeswehrhochschule in München und das Zentrum Informationsarbeit der Bundeswehr. Neben PR- und Werbeagenturen ist es also das Verteidigungsministerium selbst, das viele Ressourcen (Geld und Personal) in psychologische Kriegsführung investiert.

Als Kritischer Wissenschaftler in Nachfolge der Frankfurter Schule habe ich ein normatives Wissenschaftsverständnis. Vor diesem Hintergrund stehe ich zu der gesellschaftlichen Verantwortung meines Berufes als Sozialwissenschaftler und halte normativ fest, dass Public Relations für Kriege moralisch verwerflich und zynisch ist und dass Werbung für völkerrechtswidrig staatlich verordnetes Massentöten verboten werden sollte.

https://www.nachdenkseiten.de/?p=42234

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm