Paukenschlag des Bundesverfassungsgerichts: Zwei Geschlechter sowie die seit 2013 gesetzlich ermöglichte leere Angabe als Alternative im Personenstandsregister sind ungenügend.

Stephan Schleim: „Mit einem Streich wurden nicht nur vorangegangene Urteile des Amtsgerichts Hannover (13.10.2014, Az. 85 III 105/ 14), des Oberlandesgerichts Celle (21.1.2015, Az. 17 W 28/ 14) und des Bundesgerichtshofs (22.6.2016, Az. XII ZB 52/15) aufgehoben, sondern auch die entsprechenden gesetzlichen Regelungen für verfassungswidrig erklärt. Gerichte und Verwaltungsbehörden (vor allem Standesämter) dürfen diese Paragraphen nicht mehr anwenden, wenn sich eine Person dauerhaft weder dem männlichen noch weiblichen Geschlecht zuordnen will; alle Verfahren werden bis zu einer Neuregelung angehalten, für die der Gesetzgeber bis zum 31.12.2018 Zeit bekommen hat.

In dem Fall geht es um eine Person mit Turner-Syndrom, die bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugeordnet bekam, sich damit jedoch nicht identifiziert. Bei diesem Syndrom hat jemand statt einem XX- oder XY-Chromosomenpaar nur ein funktionierendes X-Chromosom. Damit werden eine Reihe innerer wie äußerer Merkmale in Zusammenhang gebracht, Lebenserwartung und Intelligenz sind aber nicht eingeschränkt.

Seit einer Gesetzesänderung von 2013 gab es die Möglichkeit, den Geschlechtseintrag im Geburtenregister leer zu lassen, wenn sich kein Geschlecht zuordnen ließ …

Die klagende Person beantragte unter Vorlage einer Chromosomenanalyse beim Standesamt aber die Geschlechtsangabe “inter/divers” oder “divers”. Mit Verweis auf die Gesetzeslage lehnten die Standesbeamten dies jedoch ab – und bekamen auf dem Rechtsweg von den drei Gerichten Recht.“

https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/abschied-vom-binaeren-geschlechtsmodell/

 

Einsame Gerichts-Entscheidung

 

Abgekartetes Spiel

 

Prinzipielle Urteile des Bundesverfassungsgerichts laufen häufig nach folgendem Muster ab:

- unbedarfte Einzelperson wird als „Kläger“ vorgeschoben

- die tatsächlichen Interessen-Gruppen tricksen auf die eine oder andere Art und Weise, damit das Gericht in diesem Fall mit den „richtigen“ Richtern besetzt ist und entsprechend beeinflusst wird

- mehr oder weniger „überraschend“ kommt das entsprechende Urteil zustande

- die Staats-Medien berichten nicht über diese Hintergründe

 

Das dürfte in diesem Fall auch nicht anders gewesen sein

 

Hadmut Danisch regt sich furchtbar über Art, Weise und Begründung des Urteils auf http://www.danisch.de/blog/2017/11/08/verfassungsgericht-strohdoof/

Vor allem hat er sich Gedanken über die Hintergründe des Verfahrens gemacht:

„Die Aktivist*innen der Kampagnengruppe und ihre Unterstützer*innen werden diesen Prozess gemeinsam mit Vanja weiter begleiten. Die relativ kurze Frist dürfte an sich kein Problem darstellen. Moritz Schmidt: “Mit dem Gutachten des Deutschen Instituts für Menschenrechte liegt bereits seit Anfang dieses Jahres eine sehr gute Grundlage für einen Gesetzesentwurf vor, die nun darauf wartet vom aktuellen Gesetzgeber aufgegriffen zu werden.”

Dieses Gutachten ist aber kein Gutachten, sondern eine Studie. Und unterliegt damit gänzlich anderen Anforderungen. Die nun wieder gepusht – vermutlich auch bezahlt – vom Bundesfamilienministerium unter dem Namen Schwesig, jenem Bundesfamilienministerium, für das die Verfassungsrichterin Susanne Baer während ihrer Tarnprofessur in Wirklichkeit jahrelang tätig war und von dem sie mit Millionen bezahlt wurde. Nach meinem Wissensstand hat sie denen auch ihre Pseudoprofessur zu verdanken, eine normale Professur ist es nämlich nicht.

Und da ergibt sich so ein geschlossener Kreislauf, eine Hand wäscht die andere, man finanziert sich eine Professorin zusammen, schwindelt sie durch den Wahlausschuss des Bundestags, und dort macht die dann wieder die Gerichtsentscheidungen im Dienste ihres ehemaligen Dienstherren, man will ja auch weiter und nach der Richterzeit wieder Millionen haben, und am allerbesten ist das sowieso, wenn man als Richter in eigener Sache entscheidet, denn genau in diesem Gender Mainstreaming-Mist hat Baer ja jahrelang das Familienministerium beraten und – soweit ich weiß, das habe ich auch irgendwo in den Akten – deren Gender Mainstreaming-Webseiten betrieben.

Von wegen Gewaltenteilung: Als Professorin ist sie in der Exekutive, berät die Legislative und entscheidet in selbiger Person als Iudikative darüber. Und die Schwesig scheint das alles eingefädelt zu haben, deshalb erwähnen die in der Entscheidung wohl auch, dass die Koalition den Koalitionsvertrag nicht umgesetzt hat, deshalb also auf dem Sonderweg nachgeholfen werden muss, man hat ja seine Leute im Bundesverfassungsgericht.

Jetzt müsste man nur noch detailliert herausfinden, wer diese Studie wie finanziert hat, und welche Quer-, Personal- und Finanzverbindungen es zwischen dieser „Dritte Option”, dem Familienministerium und Verfassungsrichterin wie Baer gibt. Da sind wir dann richtig fett in einem Justizskandal – über den die Presse niemals berichten wird …

Das stinkt gewaltig danach, dass das Ding von vorne bis hinten inszeniert ist und da Richter, Staat, Kläger alle miteinander kungeln und den Streit nur vorgetäuscht haben, um da nach Gutdünken politisch durchzusetzen, was sie gerade wollen.“

http://www.danisch.de/blog/2017/11/09/das-bundesverfassungsgericht-und-die-dritte-option/

Ausführlicher wird Hadmut Danisch an dieser Stelle: http://www.danisch.de/blog/2017/11/09/spuren-einer-wellness-verfassungsgerichtsentscheidung/#more-20431

Ob und wer da jetzt auch immer auf welche Art und Weise nachgeholfen hat: Das Urteil ist gefallen, wie es ist.

 

Stellungnahmen

 

Stephan Schleim: „Zum Verfahren haben zahlreiche Organisationen Stellung genommen, unter anderem:

- Die Landesregierung Thüringens unterstützte die Verfassungsbeschwerde.

- Der Deutsche Ethikrat verwies auf einen Bericht aus dem Jahr 2012, in dem die alternative Geschlechtsangabe “anderes” empfohlen wurde.

- Die Bundesärztekammer verwies auf eine Stellungnahme aus dem Jahr 2015, nicht strikt an der binären Geschlechtsangabe männlich/weiblich festzuhalten.

- Das Deutsche Institut für Menschenrechte forderte eine Alternative für die binäre Geschlechtlichkeit und verwies auf ein eigenes Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Demnach würde ein Viertel bis ein Drittel der inter- und transgeschlechtlichen Personen eine nicht-binäre Identität angeben.

- Der Bundesverband der Deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten sprach sich dafür aus, die bestehende Regelung beizubehalten. Er warnte vor dem Verlust der Eindeutigkeit des Personenstands, da eine große Vielfalt von Geschlechtsidentitäten existiere.

- Die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung wünschte eine Alternative zu den Möglichkeiten männlich/weiblich und kritisierte die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Wissenschaft vorherrschende Meinung, Personen mit uneindeutigem Geschlecht könne man heilen, indem man sie als Frau oder Mann anpasse.

- Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen unterstützte die alternativen Geschlechtsangaben “inter/divers” oder “divers”, “wenn dies auf einem autonomen, überdauernden und intensiven Wunsch der betroffenen Person beruhe.”

- Auch die Deutsche Gesellschaft für Psychologie befürwortete die Anerkennung der vorgeschlagenen Alternative. “Die Annahme, dass das Geschlecht eines Menschen ausschließlich männlich oder weiblich sein könne, sei weder psychologisch noch biologisch und sexualwissenschaftlich haltbar. Geschlecht sei ein mehrdimensionales Konstrukt, dessen Entwicklung durch das komplexe Zusammenspiel verschiedener körperlicher, psychosozialer und psychosexueller Einflussfaktoren bedingt sei.”

- Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken berichtete, dass die katholischen Verbände gegen die gewünschte Änderung seien, da sie “den Wertvorstellungen der Katholikinnen und Katholiken mehrheitlich widerspreche”. Der teilweise vertretenen Ansicht, es handle sich bei Abweichungen vom binären Modell um einen körperlichen Defekt oder medizinisch behandlungsbedürftige Normabweichungen, schloss sich das Zentralkomitee allerdings nicht an.

- Dem gegenüber warnte das Studienzentrum der Evangelischen Kirche Deutschlands für Genderfragen in Kirche und Theologie vor einem “erheblichen Eingriff in ihr Selbstbild und die Lebbarkeit gemäß diesem Selbstbild”, wenn sich Menschen nicht dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuordnen könnten oder wollten und ihnen keine Alternative offenstehe.

So gut wie alle Stellungnahmen unterstützten also die Verfassungsbeschwerde, der jetzt stattgegeben wurde.“

https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/abschied-vom-binaeren-geschlechtsmodell/

 

Aufgabe des Gesetzgebers

 

Stephan Schleim: „Jetzt ist erst einmal der Gesetzgeber gefragt. Diesem steht laut der Entscheidung eine Alternative zum Einführen einer dritten Bezeichnung offen: Er könnte schlicht die Geschlechtsangabe generell aus dem Personenstandsregister entfernen. Man kann sich auch fragen, warum der Staat überhaupt das Geschlecht eines Menschen erfassen muss? Würden jedenfalls Frauen nicht als weiblich und Männer nicht als männlich im Register geführt, dann wäre es laut Argumentation des Gerichts auch keine Benachteiligung, wenn von Intersexuellen keine Geschlechtsidentität erfasst würde.

Bleibt es beim bestehenden System, dann könnte das im Verfahrenen vorgeschlagene “inter/divers” oder “divers” als Alternative gewählt werden, vielleicht aber auch “intersexuell” oder “anderes”, wie vom Ethikrat empfohlen. Damit wäre nicht unbedingt ein neues Geschlecht geschaffen, sondern nur anerkannt, dass das binäre Modell nicht alle Fälle abdeckt.

Jemand, der sich beispielsweise mit einer Identität wie “queer” eintragen lassen wollte – Facebook bietet angeblich 50 Geschlechter an –, müsste dann erst wieder auf dem Rechtsweg eine Verfassungswidrigkeit feststellen lassen. Dafür gilt es nicht nur hohe Hürden zu überwinden, sondern auch viel Geduld mitzubringen: Im vorliegenden Fall dauerte es über drei Jahre.“

https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/abschied-vom-binaeren-geschlechtsmodell/

 

Jeder ist zwischen drin

 

Mag es körperlich (meistens) noch eindeutig sein, ist die eindeutige Trennung weiblich/männlich ansonsten nicht gegeben: psychisch und hormonell hat jeder Mensch sowohl weibliche als auch männliche Anteile. „Ganz“ Frau oder Mann ist demzufolge keiner.

Sehr viel größer als der Anteil der Diversen sind diejenigen, die psychisch mehr oder weniger asexuell sind, sich aus allem Geschlechter-Gedöns raushalten und sich in erster Linie als „Mensch“ verstehen. Eine große Gruppe darunter sind nach den Hormon-Umstellungen Frauen ab ca. 60 Jahren.

Es stellt sich überhaupt die Frage, welch ein Zwang auf den einzelnen Menschen liegt, als besonders „weiblich“ oder „männlich“ zu erscheinen bzw. sich vom anderen Geschlecht abzugrenzen (bei Kleidung für Kleinkinder und Spielsachen oder Spiel-Interessen angefangen). Was ist „typisch“ weiblich oder männlich – und was ist anerzogen?

Ausführlich mit der Gender-Thematik hat sich der Wurm bereits an anderer Stelle beschäftigt http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/185-gender.html und möchte an dieser Stelle nur folgenden Punkt zitieren:

„Kulturelle Einflüsse

Sind Frauen und Männer schon immer „so“ gewesen? Oder wurden sie durch eine entsprechende Erziehung geprägt? Der Wurm hat drei Beispiele, die zum Nachdenken anregen:

 

Häusliche Arbeit

 

Es gibt viele Männer, die behaupten, keine häusliche Arbeit machen zu können. Eben deshalb, weil sie Männer seien. Dazu gehören solche Sachen wie Waschmaschine bedienen, Bügeln, Nähen. Nun – einmal erklärt und ein paar Mal machen lassen – und es geht.

Wer schon im Orient auf einem Souk bzw. Basar war, hat eventuell eine Ecke der Schneider gesehen. Und dort mehrere Nähmaschinen, die ausschließlich von Männern bedient wurden. Genauso sind in dieser Ecke der Welt oftmals Bügeln und Einkaufen Männersache.

Wer etwa an der Nähmaschine sitzt, ist also nicht durch geschlechtliche Fähigkeiten dazu bestimmt, sondern durch gesellschaftliche Traditionen.

 

Die Farbe Rosa

 

Wer heutzutage ein Kind von weitem und von hinten sieht, das etwas rosa-farbenes an hat oder zumindest rosa Farbanteile, kann zu 100% davon ausgehen, dass es sich um ein Mädchen handelt.

Die scheinen ganz verrückt nach dieser Farbe zu sein – was sie ohne kulturellen Einfluss jedoch nicht wären. Mensch frage mal ältere Frauen: keine einzige dürfte in ihrer Kindheit auf rosa „gestanden“ haben.

Siehe auch http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/18-rosa-stinkt.html

 

Ballett

 

Kann es etwas „Unmännlicheres“ als Ballett geben? Mensch wird lange suchen müssen, bis er etwas findet (wenn überhaupt).

Dabei hat Ballett eine männliche Tradition. Aus der Dokumentation über den „Sonnenkönig“ „Ludwig XIV. - König der Künste“ (ab Minute 13):

„Tanzen ist gesellschaftlich in Mode. Es gehört dazu, selbst in der Armee. Es ist bekannt, dass die französischen Truppen immer von Tanzmeistern begleitet werden. Und das noch bis 1870. Es dient ja auch der Körper-Ertüchtigung, wenn die Soldaten tanzen. Für den Kampf, das Fechten und Reiten. Ganz so wie in heutigen Turnhallen wird die aufrechte Haltung trainiert. Der Körper lernt, das eigene Gewicht zu erfahren, eine Beziehung zwischen Armen und Oberkörper aufzubauen. Den Blick zu schulen. Nicht zuletzt beugt das Tanzen Rückenschmerzen nach stundenlangem Ritt vor.

Schon bei den ersten Profi-Tänzern sind die Männer-Soli körperlich anspruchsvoll, um die männliche Ausdauer zur Schau zu stellen. ‚Ich bin glaubwürdig, wenn ich mich in der Luft zwei Mal drehe und einen vierfach gekreuzten Entrechat mache. Respekt, bitte!‘ Daher ist das Ballett ursprünglich auch eine Männerdomäne. Erst später wird es von Frauen praktiziert. In der damaligen Zeit jedenfalls ist es für Männer in einem Armee-Corps gedacht. Das Eigengewicht, die Beziehung zum Körper, der Kontakt zum Boden sind elementar.“

https://www.youtube.com/watch?v=vhucYYI5Cu4

Wenn Soldaten bis ins 19. Jahrhundert Ballett getanzt haben – dann stellt sich tatsächlich überhaupt die Frage, was angeboren, was anerzogen, was gesellschaftliche Konvention ist.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/185-gender.html

 

Unterscheiden heisst diskriminieren

 

Durch die offizielle Anerkennung der Diversen besteht die Chance, dass vieles auf den Prüfstand gestellt wird.

Wozu gibt es überhaupt eine behördliche Einteilung in Geschlechter? Der einzige rechtliche Unterschied, den der Wurm sieht, besteht in der Wehrpflicht für Männer (die in Deutschland momentan nur ausgesetzt ist). Und dieser Unterschied wäre sehr leicht zu beheben: Wehrpflicht für alle oder für keinen. Es gibt Länder auf dieser Welt, in denen das eine oder andere der Fall ist.

Ansonsten macht die Einteilung in Geschlechter kaum Sinn: jeder darf mit jedem zusammen leben, jeder darf jeden heiraten. Eine eindeutige Erkennbarkeit eines Menschen geht über den Fingerabdruck: der ist individuell und völlig geschlechts-unabhängig.

Wer Menschen in Gruppen einteilt, schafft automatisch Zwist zwischen diesen. Und von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, gibt es nichts, was ein Mensch eines Geschlechtes nicht genauso gut wie des anderen können könnte.

Die älteren Leser werden sich noch daran erinnern können, dass es Zeiten gab, in denen Frauen nicht als Handwerker, Polizisten oder Soldaten arbeiten und nicht Fußball spielen durften (siehe auch http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/28-oh-it-can-speak.html ). Und es besteht kein Zweifel, dass sie ihre jeweiligen Tätigkeiten sehr gut machen können.

Auf der anderen Seite wäre es auch heute noch eine Seltenheit, dass ein Mann als „Sekretär“ oder als Erzieher im Kindergarten arbeitet. Warum eigentlich?

Warum muss das Geschlecht im Namen erkennbar sein? Oft sind männliche Namen kräftig und weibliche Namen schwach. Welches Gefühl hat der Leser, wenn ihm gesagt wird, draußen vor der Tür steht Rupert Regenwurm? Im Gegensatz zu Lieselotte Regenwurm?

In angelsächsichen Ländern etwa gibt es eine Beliebigkeit der Vornamen, bei denen das Geschlecht nicht auf Anhieb erkennbar ist. Welche Prominenten welchen Geschlechts verbergen sich etwa hinter den Vornamen „Paris“ oder „Dakota“?

 

Problematische Realität

 

So einfach, wie es die Menschen gerne hätten, ist die Situation leider nicht.

Alle Menschen auf ein einziges Geschlecht zu reduzieren, wo es bisher nicht der Fall war, hält der Wurm für eine sinnvolle Sache.

Aber nicht in allem. Eine Trennung in Geschlechter ist vor allem im Sport sinnvoll. Da, wo gleiche Bedingungen herrschen, ist gleich zu sehen, dass es keinen Sinn macht, sich etwa als Frau im 100-Meter-Lauf mit Männern messen zu wollen.

Konsequenterweise wäre zu überlegen, ob es im Sport „Mann“schaften für Diverse geben sollte. Da es in Deutschland maximal 160.000 von diesen gibt und es von diesen auch noch „Unterarten“ gibt, ist eher zu erwarten, dass da nicht auch noch jemand auf die Idee kommt, so etwas einführen zu wollen.

Problematisch ist es, wenn es um Massen-Behandlung geht. Auch, wenn es für Einzelne problematisch sein mag, macht es durchaus Sinn, eine Geschlechter-Trennung vorzunehmen bei Umkleideräumen im Sportunterricht oder sonstigen sportlichen Veranstaltungen, bei Unterbringungen von Klassenfahrten oder Ferienlagern, oder bei öffentlichen Toiletten.

Die Menschen sind leider nicht so, wie sie die Bewohner des Erdreichs gerne hätten und so gäbe es bei obigen Beispielen in der Praxis durchaus Probleme.

Der Hinweis, dass eine Toilette für alle Geschlechter reiche, da es bei Reisebussen, Zügen oder Flugzeugen ja auch ginge, sticht nicht, da es dort nur jeweils einen Raum mit einer Toilette gibt. Ein Raum mit mehreren Toiletten wäre ein großer Spaß für Sittenstrolche, von denen es gar nicht so wenige gibt.

So lange es allerdings eine Kabine gibt, die mensch abschließen kann, ist es völlig überzogen, öffentliche Toiletten für Diverse zu fordern.

Zu befürchten ist zudem, dass es zusätzlich zur Frauen-Förderung (die in vielen Fällen Sinn macht) eine Diversen-Förderung geben soll – und die wird mit großer Wahrscheinlichkeit kommen.

Bei jeder Neu-Anmeldung bei Behörden und privaten Anbietern wird mensch nach seinem Geschlecht gefragt, obwohl das völlig irrelevant ist. Der einzige Sinn ergibt sich aus der folgenden Ansprache („sehr geehrte …“).

Da wird sich für jeden etwas ändern. Entweder kann mensch noch „divers“ ankreuzen, die Frage nach dem Geschlecht fällt ganz weg – oder die Anrede ändert sich.

Der Wurm geht davon aus, dass sich in naher Zukunft die deutsche Sprache deutlich ändern wird und verweist dazu auf einen früheren Beitrag:

„… In der deutschen Sprache sind die meisten Plurale nicht eindeutig. Sie können entweder „alle Männer“ oder „alle Männer und alle Frauen“ bedeuten. Der Plural für „alle Frauen“ wiederum ist eindeutig.

Dass es Frauen gibt, die nicht glücklich sind, dass sie im Plural den Männern zugeschlagen werden, ist nachvollziehbar.

Unabhängig davon ist es ein Problem der deutschen Sprache, die in diesem Fall nicht eindeutig ist. Rupert Regenwurm würde sich aber gerne Eindeutigkeit wünschen, so dass gleich erkennbar ist, was gemeint ist:

- nur Männer

- Männer und Frauen zusammen

- nur Frauen

Zur Eindeutigkeit gehört auch, dass klar ersichtlich sein soll, wer sich für einen Beruf oder Posten bewerben kann und wer nicht. Wenn es so etwas wie einen "Ombudsmann" gibt, können sich (wie es der Name ja schon sagt) nur Männer auf diesen Posten bewerben. Wenn sich theoretisch auch Frauen auf diesen Posten bewerben können, soll das bitte klar im Namen ersichtlich sein.

Das mag den konservativen Traditionalisten nicht passen („das war schon immer so“), aber Sprache sollte klar und eindeutig sein.

Aus einem früheren Wurm:

„Die Schweiz bewusst nicht. Denn dort ist den verantwortlichen Politikern schon länger klar, wie wichtig eine korrekte Wortwahl ist. So ist dort zum Beispiel bei Doktorarbeiten oder offiziellen Geschäftsberichten nicht zulässig, am Anfang den kurzen Hinweis, „der Einfachheit halber“ die männliche Schreibform zu verwenden – es muss jedes Mal ausdrücklich klar sein, ob Männer, Frauen oder beide gemeint sind. Das mag anfangs zwar lästig sein, aber: das was eingeübt wird, ist irgend wann einmal selbstverständlich.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/103-heimat-grosser-soehne.html

„Und so, wie ein Mensch mit seiner Sprache umgeht, so wird er auch mit seinen Mitmenschen umgehen …

Sprache verdeutlicht, was der Sprachgemeinschaft wichtig ist …

Wichtig in der deutschen Sprache sind etwa die Berufsbezeichnungen, die größtenteils die männliche Endung haben. Wenn eine Frau den gleichen Beruf ergreift, wird einfach ein „-in“ dran gehängt. So wird aus dem „Lehrer“ eine „Lehrerin“. Das hört sich an wie „2. Wahl“. In anderen Sprachen, etwa der englischen, gibt es häufig geschlechtsneutrale Wörter für Berufe oder Gruppen von Menschen (z.B. für „Schüler“).

Unterschiedliche Werte bzw. Entwicklungen in der jeweiligen Gesellschaft führen zu Änderungen in der Sprache. Die Endung „-In“ („LehrerIn“ statt „Lehrer“) bzw. „Lehrer/in“ oder „Lehrer (m/w)“ bei Stellenausschreibungen tragen dem Rechnung. Dazu gehört auch die Abschaffung der früher üblichen Begriffe „Mohrenkopf“ und „Negerkuss“ …

Ein chinesisches Sprichwort lautet:

„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.

Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.

Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.

Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.

Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.“

Die Handlungen müssen aber nicht unbedingt mit den Gedanken anfangen: gedankenlos hingeworfene Worte können selbst sehr leicht zu eigenen Gedanken werden. Ganz gut dafür geeignet sind Witze. Da können schon mal ganze Menschengruppen zu Opfern werden, auch wenn es „so“ nicht gemeint sein sollte.

Wie werden Menschen auf andere Menschen reagieren, die sie das erste Mal sehen und bei denen es sich um Ostfriesen oder blonde Frauen handelt? Je nach Land, Region oder Zeit sucht sich eine Mehrheit eine Minderheit aus, über die sie Witze machen kann. „Ist ja nur ein Witz! Das wird doch keiner ernst nehmen!““

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/43-romantische-kristall-nacht.html

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/185-gender.html

 

Nicht gehörte Kritik

 

Da gibt es eine weit reichende Entscheidung, die auf die eine oder andere Weise alle Menschen betreffen wird – und es gibt keine Diskussion darüber.

Und wieder fragt sich der Wurm: wo sind die Konservativen? Es werden sich viele Menschen über dieses Urteil aufregen. Bei den offiziellen konservativen Parteien werden sie kein Gehör finden – die sind nämlich abgetaucht und äußern sich gar nicht dazu. Sie machen sich noch nicht mal die Mühe, einen „Bad Guy-Dummy“ auftreten zu lassen, um ihre bisherigen konservativen Stammwähler bei der Stange zu halten. Das ist nicht gut für die „konservativen“ Parteien. Wahrscheinlich auch nicht für die Demokratie.

Ein weiterer Kritikpunkt ist derjenige, dass gerade von linker Seite aus Menschen in immer kleinere Identitäten festgelegt werden, sich möglicherweise gegeneinander aufhetzen lassen, und so das eigentlich Wichtige verloren geht. Und das heisst: Es gibt nur eine Gruppe von Menschen (eben „Menschen“) und für diese Menschen ist in erster Linie entscheidend, wie es ihnen in materieller Hinsicht geht. Egal, welcher Gruppe er auch immer angehören mag – ein reicher Mensch verhält sich so, wie es alle anderen Reichen auch tun und ein armer Mensch verhält sich so, wie es alle anderen Armen auch tun. Egal, welches Geschlecht, welches Alter, welche Hautfarbe, welche Staats-Angehörigkeit, welche Religion, welche sexuelle Orientierung oder sonstiges dieser Mensch hat.

Für alle Nicht-Reichen ist deshalb in erster Linie wichtig, dass ihre materielle Basis besser und nicht schlechter wird. Anstatt sich auf hinterrangige Probleme zu konzentrieren, sollten sich vor allem politische Parteien zuerst um die wichtigen Anliegen der meisten Menschen kümmern. Siehe unter anderem http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/254-weisser-muell.html .

Nichtsdestotrotz besteht kein Verbot, sich für gesellschaftliche Verbesserungen einzusetzen.

Es besteht die Gefahr, dass durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts allerhand Blödsinn zutage kommen wird – aber auch die Chance, dass alte Zöpfe abgeschnitten werden. Die Zukunft wird zeigen, wo es lang geht.

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm