In früheren Zeiten wurden die Menschen von intelligenten Menschen auf intelligente Weise verarscht. Heutzutage werden sie von dummen Leuten für dumm verkauft.

Ein sehr deutliches Beispiel bietet die Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Integration von Muslimen.

Dirk Müller: „… Das sieht man auch an der einflussreichen und vor allem Einfluss nehmenden Bertelsmann-Stiftung, dort sieht man das ebenfalls so.

Die erkennt und das finden sie heute auf allen Titelseiten ganz oben, weil das passt momentan in das Weltbild, das möchte man gerne der Bevölkerung eintrichtern, dass die Muslime in Deutschland toll und noch immer toller integriert sind. Und das wird immer besser, und die Menschen nehmen das nur völlig falsch wahr, die verstehen das nur nicht, so die Analysen. Die „Welt“ titelt: „96% der Muslime fühlen sich Deutschland verbunden“.

Ja ne, ist klar. Ihr dürft uns ja gerne verarschen, aber gebt Euch doch wenigstens ein bisschen mehr Mühe dabei, das ist doch so wahnsinnig herabsetzend, finde ich. Offenkundig nehmen die Menschen das nur falsch wahr und die Umfragen zeigen auch – es wurden übrigens bei dieser Umfrage nur jene Zuwanderer befragt, die schon mehr als 7 Jahre hier sind, vor 2010 hergekommen sind; die danach über das Asylzuwanderungs-Gesetz gekommen sind, die wurden da auch nicht befragt, nun, das ist so ‘ne Randnotiz dabei – aber ohnehin fordert man dabei gleich innerhalb dieser Studie eine bessere Vereinbarkeit von Job und Moscheen-Gängen, damit die Integration besser gelingt, also das ist schon ganz interessant, was hier passiert.

Übrigens wird dabei auch gleich festgestellt, bzw. in weiteren Umfragen, dass die Deutschen total tolerant sind und haben gar kein Problem mit der Zuwanderung und mit der Multikulturalität. Nur wenige Ewig-Gestrige, die verstehen das nicht richtig. Interessant ist, dass, wenn man dann mal bei der „Zeit“ beispielsweise schaut, unter diesem Artikel sind die Kommentare, da sehen Sie „gelöscht“ – „gelöscht“ – „gelöscht“ – „bitte kommentieren Sie sachlich“ – „gelöscht“ – „gelöscht“ – „gelöscht“.

Komisch, das passt doch irgendwie gar nicht zu dieser Toleranz, die da angeblich geübt ist. Offenkundig sind es nur wenige, die momentan mit der jetzigen Situation Probleme haben, aber ich weiss nicht, wie es Ihnen geht: in meinem Umfeld sind nur diese Wenigen, die die Situation momentan problematisch einschätzen – scheinbar kenne ich nur Spinner. Sie auch? Geht’s Ihnen da ähnlich? Kennen Sie auch nur Spinner? Merkwürdig eigentlich – oder?“

 

 

Muslime in Europa - Integriert, aber nicht akzeptiert?

 

Hier ist die Studie: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_LW_Religionsmonitor-2017_Muslime-in-Europa.pdf

 

Wolfgang Schimank über die Bertelsmann-Stiftung: „Kürzlich veröffentlichte die Bertelsmann Stiftung eine von ihr durchgeführte Studie mit dem Titel „Muslime in Europa; Integriert, aber nicht akzeptiert?“. Sofort jubelten fast alle Mainstream-Medien und die Vertreter der etablierten Parteien. Denn die Grundaussagen waren in ihrem Sinne, und damit war das lästige Thema bezüglich der Muslime / des Islams, der Flüchtlinge, des schleichenden Verlustes der Identität des deutschen Staatsvolkes und des Abbaus des Nationalstaates kurz vor den Bundestagswahlen vom Tisch. Liest man dieses Werk, was viele Bürger wohl nicht machen, so enthält es Forderungen, die aufgrund der Einseitigkeit gesellschaftlicher Sprengstoff sind…

Die Kernaussagen dieser „Studie“, auf Deutschland bezogen, sind:

Die Muslime sind gut integriert und kaum arbeitslos. Sie fühlen sich mit Deutschland „verbunden“.

Schon ohne ins Detail zu gehen, kommen mir bei der Seriosität dieser „Studie“ Zweifel auf: Die Bertelsmann Stiftung, die 1977 von Reinhard Mohn gegründet worden ist, steht wegen ihrer sehr aktiven Einflussnahme auf die Politik unter Kritik. Der Autor Thomas Schuler veröffentlichte 2010 ein Buch mit dem Titel „Bertelsmannrepublik Deutschland – eine Stiftung macht Politik“. Es ist auch ein offenes Geheimnis, dass Liz Mohn, einstige Geliebte und spätere Ehefrau von Reinhard Mohn, zusammen mit Friede Springer, mit Angela Merkel befreundet sind. Diese werden auch als das „Triumfeminat“ bezeichnet. Mit ihrer Hilfe hat Angela Merkel bei der Flüchtlingspolitik gegen das Volk und, wie Robin Alexander in seinem Buch „Die Getriebenen“ aufzeigt, am Parlament vorbei regiert. Angela Merkel war keineswegs nur die Getriebene …

Bei der Überschrift der „Studie“ „Muslime in Europa; Integriert, aber nicht akzeptiert?“ wird bereits das Ergebnis der Untersuchung, dass Muslime integriert seien, vorweggenommen. Beim Schreiben eines politischen Sachbuches ist es nichts Verwerfliches, wenn eine Intention dahinter steht. Bei einer wissenschaftlich deklarierten Studie hingegen erwartet man eine neutrale Herangehensweise. Die Arbeit sollte ergebnisoffen sein. Aber gleich in der Einleitung auf Seite 9 wird klargestellt: Die vorliegende Studie möge einen Beitrag dazu leisten, dass das Zusammenleben in multireligiösen Gesellschaften in Europa gelingt. Heißt das nun, dass alle Mittel erlaubt sind, um die Situation schön zu reden? Oder sollen die hehren Ziele, die diese Stiftung vorgibt zu haben, dazu führen, dass es niemand wagt, kritische Betrachtungen anzustellen? Was ist der wirkliche Beweggrund, der die Bertelsmann-Stiftung antreibt, sich für eine „bunte Gesellschaft“ / „offene Gesellschaft“ und faktisch für die Zerstörung des Nationalstaates einzusetzen? Hierzu finde ich unter dem Fazit der „Studie“ auf Seite 52 eine Begründung. Die hehren Ziele werden mit „einer wachsenden Bedeutung transnationaler politischer Arenen“ begründet. Meint die Bertelsmann Stiftung damit neue Formen des Regierens, die Aushebelung demokratischer Strukturen im Interesse der Konzerne? Sind also die „bunte Gesellschaft“ / „offene Gesellschaft“ und die Zerstörung des Nationalstaates die Voraussetzung für die Installierung einer „Global Governance“, von der Merkel und Schäuble immer wieder reden? …

Die von der Bertelsmann Stiftung erarbeitete Studie mag zwar in Teilen wissenschaftlich fundiert sein. Letztendlich ist sie aber eine Gefälligkeitsstudie und hilft keinem wirklich weiter, die Realität zu erfassen, um dann entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.“

http://vera-lengsfeld.de/2017/09/01/ist-die-studie-der-bertelsmann-stiftung-eine-gefaelligkeitsstudie/

 

Vollkommen daneben

 

In früheren Beiträgen hatte der Wurm darauf verwiesen, dass die meisten Medien-Macher in einer Parallel-Welt leben, die mit der Realität oft nur wenig zu tun hat (http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/98-geistige-abschottung-fuehrt-zu-verbloedung.html ) und dass sich früher renommierte Stiftungen oder wissenschaftliche Institute dazu hergeben, die politisch gewünschten Resultate zu „liefern“ (http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/184-querfront.html oder http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/276-mietbare-zwerge.html ).

Insofern nichts Neues.

Immerhin gibt es noch einige wenige Journalisten, die diesen Schwachsinn auch als Schwachsinn bezeichnen. Vor allem aus dem Ausland hat mensch einen klareren Blick.

Benedict Neff: „Bertelsmann redet die Integration von Muslimen in Deutschland schön

Die Muslime sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, wären da nur nicht ihre deutschen Nachbarn – über eine Studie mit «Phantasiezahlen» und eine erschlaffte Integrationsdebatte.

Die deutsche Bertelsmann-Stiftung hat Ende August eine Studie herausgegeben über die Integration der Muslime in Europa. Sie liest sich über 72 Seiten wie eine einzige Erfolgsmeldung, und das gilt auch für Deutschland. 96 Prozent der Muslime fühlen sich dem Land verbunden, 78 Prozent haben in ihrer Freizeit Kontakt zu Menschen mit einer anderen Religion, die Arbeitslosigkeit bei Muslimen ist sogar niedriger als bei Nichtmuslimen. Spätestens in der zweiten Generation seien die Muslime mehrheitlich in der Mitte der deutschen Gesellschaft angekommen. Alles wäre gut, wären da nur nicht die Deutschen.

Denn auch diese wurden von der Bertelsmann-Stiftung befragt, und jeder Fünfte sagte, er möchte keinen Muslim als Nachbarn. Ausserdem seien «hochreligiöse Muslime», als die sich 40 Prozent der Befragten bezeichnen, im Jobmarkt benachteiligt. Die Studienmacher glauben, diese Religiosität und die enge Beziehung vieler Muslime zu ihren Herkunftsländern lösten bei den Einheimischen «Unbehagen» aus.

Die Studie «Muslime in Europa. Integriert, aber nicht akzeptiert?» geisterte erfolgreich durch die Medien. «Die Zeit» titelte: «Integriert, aber nicht gern gesehen». Die «FAZ»: «Die Integration klappt, die Akzeptanz fehlt». Zahlen, zumal von einer angesehenen Stiftung, haben erst einmal eine gewaltige Überzeugungskraft. Bei genauerer Betrachtung fällt aber auf, dass die Studie einseitig gemacht und das Bild auf die Integration der Muslime geschönt ist.

Das fängt bei den Beschäftigungszahlen an. Nur fünf Prozent der Muslime in Deutschland sollen arbeitslos sein, dagegen sieben Prozent der Nichtmuslime. Die Bertelsmann-Stiftung setzte auf die Selbstauskunft der Studienteilnehmer. Ruud Koopmans, Professor für Soziologie und Migrationsforschung an der Berliner Humboldt-Universität, kam 2016 in einer Studie zu einem anderen Befund: Muslime sind in ganz Europa weniger in den Arbeitsmarkt integriert als die sogenannte Mehrheitsgesellschaft. Die Bundesagentur für Arbeit hat im selben Jahr bekanntgegeben, dass 43 Prozent aller Arbeitslosen einen Migrationshintergrund haben. Wie geht das zusammen?

Koopmans sagt auf Anfrage: «Die Bertelsmann-Stiftung publiziert Zahlen, denen jede andere Statistik widerspricht. Es sind Phantasiezahlen, die nicht repräsentativ sind.» Alle anderen Studien würden zeigen, dass Muslime in Deutschland häufiger arbeitslos sind als Nichtmuslime. «Die Studienmacher hätten sich selbstkritisch fragen müssen, ob sie diese Zahlen so überhaupt veröffentlichen sollen», meint Koopmans. Was die Benachteiligung der Muslime am Arbeitsmarkt anbelangt, kommt er ebenfalls zu einem anderen Schluss: Diskriminierung spiele eine weitaus geringere Rolle als mangelnde Sprachkenntnisse und traditionelle Wertvorstellungen. Letztere führen dazu, dass muslimische Frauen viel seltener erwerbstätig sind.

Auch die Fragen der Bertelsmann-Stiftung zur Religion tragen wenig zur Klärung bei, wie gut Muslime in Deutschland integriert sind. «Wie häufig meditieren Sie?», wurde etwa gefragt, oder «Wie oft haben Sie das Gefühl, mit allem eins zu sein?». Es klingt eher nach einem Einstiegsfragebogen für ein esoterisches Seminar. Koopmans sagt: «Daran, wie oft ein Muslim in die Moschee geht oder betet, lässt sich Fundamentalismus nicht erkennen. Um das herauszufinden, hätte man Fragen zum Glaubensbekenntnis stellen müssen.»

Das macht die Studie nicht, und sie schafft es damit eben auch nicht, das Unbehagen mancher Deutscher gegenüber Muslimen genauer zu ergründen. In dieser Einseitigkeit der Studie entsteht das Bild von grummelnden deutschen Nachbarn und durchwegs integrationswilligen Muslimen. Das konsequente Fazit müsste lauten, nicht Einwanderer in Integrationskurse zu schicken, sondern Deutsche.

Von den rund 4,7 Millionen Muslimen in Deutschland kommen 59 Prozent aus der Türkei. Die Universität Münster hat im vergangenen Jahr eine Studie zur Integration von türkischstämmigen Menschen in Deutschland gemacht. Sie wirft auf die Integration ein etwas anderes Licht. So stehen 47 Prozent der Befragten hinter der Aussage: «Die Befolgung der Gebote meiner Religion ist für mich wichtiger als die Gesetze des Staates, in dem ich lebe.» 32 Prozent denken: «Muslime sollten die Rückkehr zu einer Gesellschaftsordnung wie zu Zeiten des Propheten Mohammeds anstreben.» 23 Prozent sind der Ansicht, Muslime sollten es vermeiden, dem anderen Geschlecht die Hand zu schütteln. 21 Prozent bezeichnen ihre Haltung zu Juden als «sehr negativ» oder «eher negativ».

Dem Phänomen des Fundamentalismus, das sich in solchen Aussagen einfangen lässt, ist die Bertelsmann-Stiftung ausgewichen. Ihre Schlagzeile hätte sonst kaum funktioniert.

Nun kann man sich sagen, diese Haltungen sind Privatsache und gehen den Staat nichts an. Aber man wird schnell feststellen, dass sie im öffentlichen Umgang eine Rolle spielen: auf Ämtern, in der Schule, auf der Strasse. Diese Haltungen haben sich längst aus der nüchternen Statistik gelöst und schlagen sich in Handlungen nieder: Jüdische Schüler werden gemobbt, muslimische Buben wollen der Lehrerin nicht die Hand geben, Mädchen dürfen nicht in den Schwimmunterricht. Wer Deutsch spricht und einen Schulkameraden hat, der nicht Muslim ist, ist allein deshalb unter Umständen doch nicht so gut integriert, wie einem die Bertelsmann-Stiftung weismachen will.

Was bleibt von dieser Studie? Es handelt sich um einen Versuch, das Image der Muslime und ihrer Integration aufzupolieren. Er scheitert, weil die Mehrheitsgesellschaft und die Muslime mit verschiedenen Ellen gemessen werden und weil gewisse Zahlen unrealistisch sind.

Natürlich geht es bei solchen Integrationsstudien auch immer um einen Kampf der Konzepte und Ideologien. Die Bertelsmann-Studie vertritt eine bestimmte Vorstellung von Integration. Es heisst: «Wir verstehen unter Integration nicht die Assimilation an eine wie auch immer geartete Leitkultur.» Integration messe sich daran, «inwieweit Teilhabe-Chancen verwirklicht werden und Pluralität – auf Basis der Verfassung – lebbar wird». Es handelt sich in der Tendenz um ein Multikulti-Modell. Dass mit einem solchen Modell schneller Erfolgszahlen zu vermelden sind, ist klar. Denn eine Anpassung ist nur eingeschränkt gefordert. Da genügt es vielleicht wirklich, zu fragen: «Wie verbunden fühlen Sie sich mit Deutschland?» Und 96 Prozent dürfen nicken.

Deutscherseits sind nicht nur die 19 Prozent ein Problem, die nicht neben Muslimen leben wollen, sondern auch Institutionen wie die Bertelsmann-Stiftung, die Integrationsleistungen schönschreiben. Von der rund eine Million Flüchtlinge, die in den vergangenen zwei Jahren nach Deutschland gekommen sind, sind viele muslimisch. Nächstes Jahr steht der Familiennachzug von Asylsuchenden, die vorläufig aufgenommen sind, zur Disposition. Angesichts dieser Situation wäre mehr Realitätssinn gefragt.

Das würde aber erfordern, sich einzugestehen, dass muslimische Einwanderer, zumal sehr religiöse, besondere Probleme bei der Integration im Westen haben. Eine weitgehende Anpassung, bei Wahrung der eigenen Identität, würde ihnen und Deutschland vieles leichtermachen. Privat kann jeder leben, wie er will, wenn er sich an die Gesetze hält. In der öffentlichen Sphäre sollten aber die Regeln und Gepflogenheiten der Mehrheitskultur massgebend sein.

Die Asylpolitik ist in Deutschland notgedrungen ein Thema geblieben, weil die Zuwanderung aus Afrika anhält. Bei der Integration hat sich hingegen eine öffentliche Müdigkeit eingestellt. Im Bundestagswahlkampf ist sie kaum ein Thema. Zuletzt haben Medien und Politik die Leitkultur-Debatte, die Innenminister Thomas de Maizière im April angestossen hatte, souverän abgewimmelt.

Politiker wie Jens Spahn von der CDU, der die Integration von Muslimen zu den wichtigsten Zukunftsfragen Deutschlands erklärt, gelten als leicht manische Paranoiker: Sie können nicht mehr loslassen, sind in der Flüchtlingskrise hängengeblieben. In so eine Stimmung kam die Bertelsmann-Studie und vermittelte den Eindruck: Alles ist gut, abgesehen von ein paar rassistischen Deutschen, aber die hatten wir ja immer schon. Die meisten Medien nahmen die Nachricht dankbar auf. Die schöne Welt von Bertelsmann ist teilweise eben auch die schöne Welt von Deutschland.

https://www.nzz.ch/international/muslime-in-deutschland-die-schoene-welt-von-bertelsmann-ld.1313961

Michael Hanfeld: „Die Bertelsmann-Stiftung weiß, wie man Schlagzeilen macht. Zur richtigen Zeit bringt sie das richtige Papier zu einem politisch virulenten Thema heraus, mit dem richtigen Ergebnis. Die jüngste Hervorbringung zum Thema Einwanderung treibt es auf die Spitze. Ihr Ergebnis lautet: Muslime seien in Europa, besonders in Deutschland, bestens integriert, sie seien hierzulande sogar weniger oft arbeitslos als Nichtmuslime, es hapere hingegen an der gesellschaftlichen Anerkennung. Die Kurzformel findet sich im Titel der Arbeit: „Muslime. Integriert, aber nicht akzeptiert?“ Auch FAZ.NET hat darüber berichtet.

Das Fragezeichen ist als Aufforderung an die Mehrheitsgesellschaft und die Politik zu verstehen: Ihr müsst mehr für die Integration tun! Längeres gemeinsames Lernen sei geboten (ein Lieblingsthema der Bertelsmann-Stiftung), in der Arbeitswelt müsse die Diskriminierung hochreligiöser Muslime abgebaut, muslimische Religionsgemeinschaften müssten den christlichen Kirchen und dem Judentum gleichgestellt werden, ein positives Beispiel könne sich Deutschland an Frankreich und Großbritannien nehmen.

Was bei dieser Studie im Argen liegt, ist schnell zu erkennen, so man nicht nur die Kurzzusammenfassung liest. Befragt wurden zwar zehntausend Muslime in Europa, davon mehr als tausend in Deutschland, Einwanderer und Flüchtlinge, die nach 2010 ins Land gekommen sind, blieben jedoch außen vor. Damit ist die Aussagekraft für die Lage hier und heute, nach dem Zuzug von mehr als einer Million mehrheitlich muslimischer Flüchtlinge in den vergangenen beiden Jahren, ziemlich reduziert. Gegen null tendiert sie, weil sie sich allein auf die Selbstauskünfte der Befragten verlässt und Fragen formuliert, die entscheidende Konfliktfelder umgehen.

Zum Thema Religiosität etwa lautet die Erkundigung, wie oft jemand „meditiere“, das Gefühl habe, „mit allem eins zu sein“ oder „dass Gott in Ihr Leben eingreift“. Nicht gefragt wurde, ob der Koran oder das Grundgesetz als Rahmen für das gesellschaftliche Zusammenleben gelten und wie es – zum Beispiel – um das Verhältnis von Mann und Frau bestellt ist. Antisemitismus ist sicherheitshalber auch kein Thema.

Stattdessen wird sanft formuliert, ob man sich Deutschland „verbunden“ fühle. Darauf antworten 96 Prozent der Befragten mit „ja“. All das, was man „kulturelle Integration“ nennen könnte, interessiert die Bertelsmänner nicht nur nicht, sie lehnen dies als „Assimilation an eine wie auch immer geartete Leitkultur“ von vornherein ab. Dass tradierte Wertvorstellungen ein Integrationshindernis darstellen können, kommt in der Vorstellungswelt Marke Gütersloh nicht vor.

Mit Blick auf die angenommene Arbeitslosigkeit von Muslimen von nur fünf Prozent gegenüber sieben Prozent bei Nichtmuslimen spricht der Soziologe Ruud Koopmans von der Humboldt-Universität in der „Neuen Zürcher Zeitung“ von „Phantasiezahlen, die nicht repräsentativ sind“. Nicht nur in diesem Punkt braucht es viel Phantasie, will man das Bertelsmann-Papier für die Beschreibung dessen halten, was ist. Es ist eine Wir-schaffen-das-Studie. Mit der macht man Schlagzeilen.“

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/bertelsmann-studie-zu-muslimen-hat-ihre-tuecken-15192242.html

Ferdinand Knauß: „Die Muslimen-Studie von Bertelsmann ist haltlos

Laut Bertelsmann-Stiftung sind Muslime integriert, kaum arbeitslos und Deutschland „verbunden“. Problematisch sei allein die fehlende Akzeptanz in der Aufnahmegesellschaft. Warum das Unsinn ist.

Kompliment nach Gütersloh. Wie man mit Studien in die Medien kommt, wissen die Damen und Herren von der Bertelsmann-Stiftung. Die meisten größeren Nachrichtenportale haben die Pressemitteilung zur jüngsten Studie „Muslime in Europa – integriert aber nicht akzeptiert?“ mehr oder weniger unverändert samt Überschrift übernommen. Die zeugt von hoher PR-Professionalität: Sie vermittelt eine klare Botschaft, indem sie das zentrale Ergebnis schon mit einer impliziten Forderung verbindet. Da kommt kaum ein Journalist in Versuchung, sich die Studie genauer anzusehen und der Sache einen eigenen „Dreh“ zu verleihen. Entsprechend durchschlagend der Erfolg.

So professionell die Darbietung, so wacklig ist allerdings die Grundlage. Nur acht Fragen zum religiösen Glauben - allerdings nicht zu politischen Aspekten der Religion - und sieben zu anderen Themen wurden vor 2010 zugewanderten muslimischen Probanden in fünf europäischen Ländern gestellt. Die Studienergebnisse beziehen sich also fast ausschließlich auf Selbstzeugnisse. Und gerade die Fragen, auf denen das Fazit: „integriert“ vor allem beruht, sind so gestellt, dass von vornherein kaum ein anderes Ergebnis denkbar wäre. Wer wird schon dem Interviewer auf die Frage „Wie verbunden fühlen Sie sich mit Deutschland?“ offen ins Gesicht sagen: „Eher nicht!“ Kein Wunder, dass das nur vier Prozent der Muslime in Deutschland tun.

Für die Autoren Dirk Halm und Martina Sauer sind diese Antworten, die in allen fünf Ländern erwartungsgemäß ähnlich ausfallen, Grund genug zu folgern: „Die Identifikation mit dem Aufnahmeland ist unter den Muslimen stark ausgeprägt.“ Um das glaubhaft zu verifizieren hätte man aber noch die entscheidende Frage stellen müssen: „Fühlen Sie sich als Deutscher/Brite/Franzose/Schweizer/Österreicher?“ Das Ergebnis aber hätte vielleicht die schöne These zerstört.

Auch die für das Fazit der Autoren zentrale Behauptung, dass sich die Erwerbsbeteiligung von Muslimen dem Durschnitt der Gesamtbevölkerung annähere, beruht vor allem auf der Selbstauskunft der Studienteilnehmer. Demnach gaben nur fünf Prozent der in Deutschland befragten Muslime an, arbeitslos zu sein. Unter den befragten Nichtmuslimen waren es sieben Prozent. Nun muss man nicht einmal unbedingt mit den im Vergleich zu Bertelsmann-Studien sehr viel gründlicheren Untersuchungen des Berliner Migrationsforscher Ruud Koopmans vertraut sein, um zu merken, dass da ganz offensichtlich etwas nicht stimmt. Jeder, der einmal eine Vertretung der Arbeitsagentur von Innen gesehen hat, weiß um den leider besonders hohen Migranten- und Muslimenanteil unter Arbeitslosen. Im Westen der Republik hat laut statistischem Bundesamt jeder zweite Arbeitslose ausländische Wurzeln. Unter diesen wiederum sind Muslime vermutlich überproportional vertreten.

Die Bertelsmann-Autoren erklären in einer Fußnote den in ihrer Studie „sehr günstigen Arbeitslosenanteil der Muslime gegenüber den Nichtmuslimen“ mit dem „Konfidenzintervall der Stichprobe“, also: Zufall. Möglicherweise haben da einige Arbeitslose schlicht und einfach aus Scham oder welchem Grund auch immer nicht wahrheitsgemäß geantwortet.

Im Grunde wird spätestens hier offenkundig, wie dünn das Süppchen ist, das man da in Gütersloh gekocht hat: Die Studie ist letztlich im Wesentlichen ein Zeugnis, dass sie die zu Benotenden sich selbst ausstellen. Und die Fragen, die ihnen gestellt werden, sind im Grunde nur Variationen der Frage: „Wie gut bist Du integriert?“ Die Antworten auf solche Fragen sind wohl kaum „nachprüfbare Fakten“, wie es die Autoren behaupten.

Diskursbeiträge wie diese Bertelsmann-Studie tragen dazu bei, dass „Integration“ immer mehr zu einem Wieselwort verkommt, einem Begriff, dem die Bedeutung ausgesaugt wird. Noch vor einigen Jahren verstand man unter Integration einen Prozess der kulturellen Angleichung von Einwanderern in der Aufnahmegesellschaft. Heute genügt es offenbar, einen Job und „Freizeitkontakte“ mit Menschen anderer Religion zu haben, um als integriert zu gelten. Unter Einwanderern selbst ist „integriert“ einfach ein Synonym dafür geworden, kein Versager, kein Loser zu sein. Vermutlich würde selbst eine in Duisburg-Marxloh durchgeführte Umfrage nur wenige eingewanderte Probanden finden, die sich als „nicht integriert“ offenbaren. 

Nach den bescheidenen Ansprüchen von Bertelsmann waren demnach wohl auch die Attentäter von Barcelona integriert. Schließlich, so berichtet eine Spanien-Korrespondentin unter der Überschrift „integriert und radikalisiert“: „Sie haben Fußball gespielt und Hausaufgaben gemacht, sie hatten Freunde und lebten im Schoß ihrer Familien. Sie beherrschten die Landessprache, kannten die Sitten, wie so viele junge Leute in Spanien hatten sie manchmal einen Job und manchmal nicht. Und vermutlich hätte niemand etwas dagegen gehabt, wenn sie irgendwann einen einträglichen Beruf und einen gewissen sozialen Aufstieg errungen hätten.“

Einer von ihnen besuchte auch regelmäßig die vom Sozialamt seiner spanischen Heimatstadt organisierte unentgeltliche Hausaufgabenbetreuung. Die beiden Attentäter-Brüder Mohamed und Omar Hychami hat ein Lehrer als fleißige Schüler in Erinnerung. Mohamed hatte später einen Job in einer Metallverarbeitung. Die Zeitung „El País“ berichtet, dass sein Chef ihn für so unabkömmlich hielt, ihn bat, seinen Urlaub zu verschieben, um einen Auftrag zu erledigen.

So entschieden wie die Bertelsmann-Autoren den muslimischen Migranten das Urteil über ihre Integration überlassen, so eindeutig weisen sie die Aufgaben für eine noch besser gelingende Integration der Aufnahmegesellschaft, beziehungsweise dem Staat zu. Es seien drei „Hebel“ wichtig: „Teilhabegerechtigkeit auf allen Ebenen ausbauen“, „kulturelle und religiöse Vielfalt anerkennen“, „das interreligiöse und interkulturelle Zusammenleben gestalten“. Konkret wünscht sich die verantwortliche Projektleiterin Yasemin El-Menouar zum Beispiel: „Pflichtgebete und Moscheegänge sollten auch mit Vollzeitjobs vereinbar sein“.

An die zu integrierenden Muslime selbst stellt die Bertelsmann-Stiftung übrigens überhaupt keine Forderungen. Nicht einmal die Treue zum Grundgesetz wird eingefordert, geschweige denn die Anpassung an eine Leitkultur, deren Existenz die Autoren rundweg in Frage stellen. Fazit: Diese Studie kann und sollte man getrost vergessen. Zur Erhellung der Einwanderungswirklichkeit und Lösung von Integrationsproblemen trägt sie wenig bei."

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/knauss-kontert-die-muslimen-studie-von-bertelsmann-ist-haltlos/20240504.html

 

Ruud Koopmans zur Integration

 

Ruud Koopmans wurde schon mehrfach erwähnt. Hier ein Interview mit Ferdinand Knauß aus dem Jahre 2016:

„Die Religion spielt für den Misserfolg eingewanderter Muslime auf dem Arbeitsmarkt eine entscheidende Rolle, hat Ruud Koopmans festgestellt - auch wenn das viele Menschen nicht wahr haben wollen.

WirtschaftsWoche Online: „Der Zusammenhang von Religion und Integration wird generell überschätzt“, verkündete kürzlich der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Es lägen „keine belastbaren wissenschaftlichen Belege dafür vor, dass individuelle Religiosität bzw. Religion grundsätzlich die Teilhabe an Bildung und am Arbeitsmarkt erschwert“. Stimmt das?

Ruud Koopmans: Das stimmt überhaupt nicht. Im Gegenteil, dieser Zusammenhang wird generell unterschätzt. In allen europäischen Ländern liegen muslimische Immigranten bei fast allen Merkmalen der Integration hinter allen anderen Einwanderergruppen. Das gilt für den Arbeitsmarkt, aber auch für Bildungsergebnisse, für interethnische Kontakte, also solche mit der heimischen Bevölkerung, und die Identifikation mit dem Wohnland.

Die Religion, konkret der Islam, verringert also auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Ich habe in einer Studie nachgewiesen, dass kulturelle Distanz auf dem Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle spielt. Das erklärt einen erheblichen Teil der Nachteile von Muslimen. Ich stelle dabei drei entscheidende Faktoren heraus, um die kulturelle Distanz festzumachen: Sprachkenntnisse, interethnische Kontakte - vor allem Heiraten als intensivste Form - und Wertvorstellungen über die Rolle der Frau. Die haben alle etwas mit der Religion zu tun. Das gilt natürlich besonders für die Vorstellungen über die Rolle der Frau, die direkt aus der islamischen Religion abzuleiten sind. Interethnische Heiraten sind umso schwieriger, je größer die kulturelle Distanz zwischen Gruppen ist - besonders, wenn es kulturelle Tabus gibt. Solche Tabus machen es zum Beispiel einem Muslim und vor allem muslimischen Frauen so gut wie unmöglich, einen Nichtmuslim zu heiraten.

Wird dieses Tabu nicht gebrochen?

Selten. Statistiken verschiedener europäischer Länder zeigen, dass weniger als zehn Prozent der Heiraten von Muslimen interethnisch sind. Zum Vergleich: Die aus Surinam oder den Antillen stammenden, schwarzen Einwanderer in den Niederlanden heiraten zu 40 bis 50 Prozent Angehörige anderer Ethnien, also in der Regel weiße Niederländer. Die Unterschiede der Rasse spielen offenbar eine viel geringere Rolle als kulturelle Distanz.

Im Gegensatz zu vielen anderen sagen Sie, dass kulturelle Assimilation die beruflichen Aussichten von Einwanderern befördert. Was ist überhaupt der Unterschied zwischen Assimilation und Integration?

Assimilation ist der ältere Begriff. Er kommt aus der klassischen amerikanischen Einwanderungsdiskussion. Er bedeutete früher letztlich nichts anderes als das, was man heute unter Integration versteht: nämlich die Angleichung der Alteingesessenen und Einwanderer. In Amerika unterschied man zwischen struktureller Assimilation, also dem Arbeitsmarkt vor allem, und kultureller Assimilation, also Sprache, interethnische Kontakte und Identifikation mit dem Einwanderungsland. Diese kulturelle Assimilation ist seit den 1960er Jahren sehr in Misskredit geraten und ersetzt worden durch die Idee des Multikulturalismus.

Bis zu einem bestimmten Punkt war das auch gut so, denke ich. Man kann zwar sagen: Wir haben nicht das politische Ziel, die Leute an die deutsche Kultur anzugleichen. Aber man sollte dennoch nicht die Augen davor verschließen, dass kulturelle Assimilation einen positiven Effekt hat auf die strukturelle Assimilation oder Integration, wie man heute sagt. Das Problem ist: Viele, leider auch in der Wissenschaft, gehen aus normativen Gründen davon aus, dass Kultur und Religion einfach keine Rolle spielen dürfen. Aber Kultur ist nun einmal relevant für die Integration. Und dass man diese Integration will, darüber sind sich alle einig. Wir wollen ja nicht, dass die Einwanderer schlechtere Arbeitsplätze und Wohnungen haben als die Einheimischen.

Stimmt es, dass Integration in Deutschland besser gelingt als beispielsweise in Frankreich?

Was stimmt, ist, dass die ethnische Segregation in Deutschland innerhalb der Städte nicht sehr stark ist. Das heißt, Einwanderer leben hierzulande nicht nur in abgeschlossenen Wohngebieten.

Das soll ja auch eines der Ziele des geplanten Integrationsgesetzes sein, die Konzentration der Einwanderer zu verhindern.

Dass Einwanderer die Nähe der eigenen Leute suchen, ist klar. Aber meine Studien zeigen, dass die Integration eben nicht gut funktioniert, wenn alle Syrer da hingehen, wo schon die anderen Syrer alle sind. Sie werden dann nicht Deutsch lernen und auch nicht so bald die hiesigen Wertvorstellungen übernehmen. Die Zuweisung von Wohnorten für anerkannte Flüchtlinge, die keinen Job haben, ist daher unter verschiedenen Gesichtspunkten eine gute Idee. Auch weil man so vermeidet, dass die Lasten sich in bestimmten großen Städten ballen. In manchen ländlichen Gegenden gibt es dagegen den benötigten Wohnraum und die Schulplätze.

Kann man mit staatlichen Maßnahmen überhaupt die Integration von Einwanderern beeinflussen?

Ich gehe davon aus, dass Einwanderer rationale Akteure sind wie jeder andere Mensch und auf Anreize reagieren. Mit richtigen Anreizen kann man Verhalten durchaus steuern. Ein Ansatz des Gesetzes, den ich selbst in politischen Beratungsrunden empfohlen habe, ist, die Aussicht auf ein dauerhaftes Bleiberecht an den Integrationserfolg zu knüpfen. Wenn in drei Jahren hoffentlich Frieden herrscht in Syrien und anderen Kriegsländern, wäre es dumm alle Flüchtlinge zurückzuschicken, die sich in den Arbeitsmarkt gut eingegliedert haben, denn die können wir ja gut gebrauchen. Aber eben nur diese. Man sollte also denen, die einen Integrationskurs bestanden, gut Deutsch gelernt und einen Job mit einem bestimmten Mindestgehalt gefunden haben, freistellen, hier zu bleiben. Andererseits müssten aber auch die anderen, die sich nicht gut integriert haben, wieder zurückkehren.

Das wird schwierig durchzusetzen sein.

Das ist nur politisch schwer, nicht in der Praxis. Man muss das eben wirklich wollen.

In einer Ihrer großen Studien haben Sie 2013 festgestellt, dass unter europäischen Muslimen mehr als 40 Prozent zum Fundamentalismus neigen. Besteht überhaupt irgendeine Hoffnung, dass sich diese Menschen jemals in die westlichen Gesellschaften integrieren?

Zunächst: In Deutschland ist die Situation ein bisschen besser als in anderen europäischen Ländern. Hier sind nur 30 Prozent der Muslime fundamentalistisch. Dennoch sind das natürlich erschreckend viele. Deren strenge Religiosität bedeutet: Ablehnung anderer Bevölkerungsgruppen, Antisemitismus, Feindschaft gegen Schwule, und die Idee, dass der Westen den Islam vernichten will. Außerdem: schwache Sprachkenntnisse und eine extrem konservative Auffassung über die Rolle der Frau. Daher ist in dieser Gruppe das Problem der Arbeitslosigkeit noch deutlich größer als bei anderen Muslimen.

Hängt die religiöse Radikalisierung mit der Erfahrung von Diskriminierung zusammen?

Das ist eine oft in den Raum gestellte Behauptung. Sie ist aber falsch. Wir haben in unserer großen Studie die Muslime gefragt, wie stark sie sich diskriminiert fühlen, und nach Zusammenhängen zur Entwicklung eines fundamentalistischen Weltbildes gesucht. Aber die gibt es nicht. Hass gegen Nicht-Muslime ist kein besonderes Phänomen muslimischer Einwanderung, sondern ist in den Herkunftsländern noch schlimmer. Die Radikalisierung wird nicht erst hier in Europa produziert, sondern kommt aus der muslimischen Welt.“

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/migrationsforscher-ruud-koopmans-kulturelle-distanz-ist-ein-integrationshindernis/13507626.html

Wer ein Problem lösen will, muss es erst einmal erkennen und klar beim Namen nennen.

So schön es auch sein mag, dass es noch einige vernünftige Menschen gibt, ist es immer noch sehr erschreckend, welcher Stuss von angeblichen Qualitäts-Medien geglaubt und verbreitet wird.

Und diejenigen, die sich gegen offenkundigen Blödsinn wehren, als „Verschwörungs-Theoretiker“ gebrandmarkt werden.

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm

 

Dada

 

Die Hauptstadt der deutschen Dadaisten befindet sich in Köln. Dort wurde wie in jedem Jahr ein dadaistischer Fußball-Gottesdienst gefeiert.

„Gottesdienste: Fan-Andacht im Kölner Dom vor erstem Heimspiel des 1. FC Köln (25.08.2017)

Vor dem ersten Heimspiel des 1. FC Köln gegen den Hamburger SV hat das Domkapitel alle Fans zu einer ökumenischen Andacht in den Kölner Dom geladen. Die Hoffnung auf einen fairen sportlichen Wettbewerb stand dabei im Vordergrund. Darum wolle man Gott bitten, so der Kölner Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine. In seiner Ansprache bezeichnete er die FC-Fans als die treuesten in der Fußball-Bundesliga.“

https://www.domradio.de/video/fan-andacht-im-koelner-dom-vor-erstem-heimspiel-des-1-fc-koeln

https://www.domradio.de/themen/erzbistum-koeln/2017-08-22/fan-andacht-im-koelner-dom-vor-erstem-heimspiel-des-1-fc-koeln

Aus der Predigt von Robert Kleine, im Video ab der 9. Minute:

„Das Spannende vor dem Spiel ist die Mannschafts-Aufstellung. Und da wird dann immer geschaut und gestaunt, wer da vom Trainer aufgestellt wurde, und wir haben eine Mannschafts-Aufstellung gerade auch aus der Bibel gehört. Aus dem Lukas-Evangelium. Da gibt es eine Mannschaft, nicht in Deutschland, sondern damals in Judäa, die Namen sind uns bekannt, sie sind dann irgendwie auch Stars geworden. Petrus, Andreas, Johannes, Jakobus, Philippus, Bartholomäus und all die anderen. Jesus, der Trainer, hat seine Elf zusammengestellt.

Das heisst, eigentlich waren es zwölf, aber Judas hat sich wegen eines groben Foulspiels, musste er die rote Karte sehen und wurde vom Platz gestellt. Jesus hat seine Mannschaft zusammengestellt und sie „Apostel“ genannt. Sie sollten nicht in einer Liga spielen, nicht bei einer WM oder EM teilnehmen, sondern sie sollten seine Gemeinschaft, die Gemeinschaft Jesu, die wir dann die Kirche nennen, zu einem Global Player machen. Zu einer weltweiten Größe, dass die Frohe Botschaft, die sie verkündeten, in alle Welt getragen würde.

Und schauen wir uns mal Kapitän Petrus und seine Mannschaft genauer an. Petrus und Andreas, das waren Fischer, die wohl nie eine Schule besucht haben, und vielleicht nicht einmal lesen und schreiben konnten. Jakobus und Johannes werden genannt „Donnersöhne“, das waren also Burschen mit ziemlich viel Temperament, die haben vielleicht auch schon mal ein Beinchen gestellt. Philippus und Bartholomäus, von denen weiss man nicht viel, Thomas und Matthäus (nicht Lothar), Thomas und Matthäus, der eine Zweifler, der andere Zolleintreiber. Und dann Simon, der ist ein junger Revoluzzer, der die Römer aus dem Land schmeissen wollte, also auch ein „junger Wilder“. Das waren alles zunächst am Anfang keine Stars. Sie stechen nicht heraus durch irgendwelche besonderen Begabungen, sie sind keine unerreichbaren Idole, sondern Menschen wie du und ich. Die wählt Jesus als seine Mannschaft aus, um seine Frohe Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen über die ganze Welt zu verbreiten.

Und heute, 2000 Jahre später können wir sagen, die Rechnung ist aufgegangen, das Christentum ist eine der großen Religions-Gemeinschaften. Dieser Erfolg ist möglich geworden, weil diese Mannschaft zusammenstand. Und weil das Apostel waren, Menschen wie du und ich, es waren Junge und Alte, Frauen und Männer, Handwerker, Studierte, Arme und Reiche, die hat Jesus um sich geschart und wenn ich hier in die Fangemeinde hineinschaue, dann ist doch genau die Begeisterung wie in der Mannschaft Jesu auch hier im Dom vertreten.

Begeisterung ist die Grundvoraussetzung, dass etwas gelingen kann, dass etwas weitergetragen wird und alle Fußballvereine wären nichts, wenn sie keine Fans hätten. Wir erleben es als Strafe, wenn man schon mal vor leeren Rängen spielen muss, das heisst, da fehlt das Rückgrat der Mannschaft. Da können die besten Spieler auf dem Feld stehen – die Mannschaft trägt, sie mobilisiert und sie motiviert. Gemeinschaft schenkt Begeisterung. Und das wollen wir ja dann auch immer wieder, auch in der Kirche weitertragen, und deshalb laden wir ja auch sehr gerne zu diesem Gottesdienst heute ein.

Mannschaft – was klar wird, wenn in der Mannschaft einer fehlt. Tragischerweise, wenn einer verletzt wird, oder wenn einer auf Grund der gelben oder der roten Karte nicht mitspielen darf. Dann ist da ein Platz nicht besetzt und so ist das auch bei uns in den Zusammenhängen, in denen wir leben, in unseren Familien, Freundeskreisen, in den Fanclubs oder bei den Dauerkarten-Besitzern, wenn links der nicht da ist, da fehlt einer. Und das Schöne ist, wenn das nicht egal ist, wenn da einer vermisst wird, wenn wir nachfragen, wenn wir uns sorgen, wenn wir fürsorgen. Ich denke, das zeichnet Fußball-Fans aus.

Ein Zweites, diese Fans, diese Elf, der sogar die Mannschaft Jesu, sie hat viel Frohes erlebt, viel Freude. Als Jesus in Jerusalem einzog, haben die Menschen „Hosanna“ gerufen, das war sozusagen ein Fan-Gesang für Jesus. Aber kurz danach das „Kreuzige ihn“, da lief es nicht so gut. Viele sind dann weggelaufen. - Es geht darum, auch treu zu sein. Und ich wage einmal zu sagen, dass doch die FC-Fans die treuesten Fans mit sind in unserer Bundesliga. In allem Auf und Ab, das es bisher gab und das Ab, das es sicherlich nicht mehr geben wird, waren sie dabei. Das meint Fan-Sein.

Und wenn gleich in einigen Stunden die Spieler auf das Feld laufen, der Stadion-Sprecher den Vornamen ruft und dann alle miteinstimmen, weil man die Mannschaft kennt, weil man einsteht für die Mannschaft hier und in allen anderen Stadien, wo an diesem Wochenende gespielt wird, dass man die Spieler anfeuert, begrüßt, da müssten wir es uns vorstellen, wie das damals gewesen wäre, wenn die Mannschaft Jesu irgendwo eingezogen wäre in Nazareth, Jerusalem oder Karphanaum, dann hätten die Fans, die es ja auch damals gab, noch nicht so viele wie heute in der Gemeinschaft der Kirche, dann hätte der Stadion-Sprecher von Marathon oder aber von Olympia gerufen „Simon Petrus“ und dann hätten alle gewusst: jetzt geht’s los.

Ich wünsche Euch und Ihnen allen, dass wir die Begeisterung spüren für die Elf auf dem Rasen. In allen Vereinen die Fans, dass sie motivieren. Ich wünsche, dass die Fans treu bleiben. Ich wünsche, dass die Fans auch gegeneinander und gegenseitig respektieren. Ich wünsche, dass man spürt, es ist, obwohl es auch oft um große Summen geht und natürlich auch um Wirtschaftlichkeit, aber es ist auch immer noch ein Spiel, dass man diese Freude, diese Natürlichkeit des Sports auch bewahrt als Fans.

Und so haben wir beim 1. FC Köln nicht nur die Elf, die heute spielen, nicht nur die, die auch zur Mannschaft gehören, nicht nur das ganze Team dahinter, nicht nur die Verantwortlichen im Vorstand, sondern wir haben so viele in der Mannschaft, die als Fans dahinter stehen. Und ich denke, das zeichnet den Fußball wirklich als einen Breitensport in unserem Land aus.

Es ist eine tolle Mann- und Frauschaft, die Woche für Woche die Treue hält ihren Vereinen, auch dafür gilt es zu danken. Genauso für Gott, dass wir die Mannschaft Jesu Christi kennen, in seiner Kirche auch immer ihm begegnen dürfen. Amen.“

 

Ab der 33. Minute spielt der dadaistische Organist „Mer losse d’r Dom in Kölle“ von den „Bläck Fööss“ und ab der 37. Minute die Hymne des 1. FC Köln unter aktiver Beteiligung der Fußball-Fans.

Hier die Hymne allein:

 

 

Die Kölner Fußball-Dadaisten sind aber nicht nur im Dom aktiv, sondern auch im Stadion. Hier mit dem Orchester des WDR: