Berthold Beitz ist tot, eine der führenden Gestalten der Wirtschaft seit den 1950er Jahren bis zur letzten Woche.

Offensichtlich besaß er hervorragende Manager-Qualitäten, aber deswegen äußert sich der Wurm nicht über ihn. Was ihn aus der Menge der Wirtschaftstreibenden und überhaupt der Menschen heraushebt, ist sein Charakter. So überragend war der jetzt auch wieder nicht, aber im Vergleich zu seinen Mitmenschen war Berthold Beitz für den Wurm ein Riese unter Zwergen.

Er war viele Jahre einer von zwei deutschen Vertretern im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und auch dessen Vize-Präsident, war Berater deutscher Regierungen vor allem in der Ostpolitik, war großzügiger Förderer von Kultur, Forschung und Lehre. Kurzum: Trotzdem er sich selbst als „Einzelgänger“ bezeichnete, fühlte er sich dem Gemeinwohl verpflichtet. Sowohl persönlich als auch finanziell. Der heutzutage vorherrschende Typus „Ich-AG“ dürfte ihm zutiefst zuwider gewesen sein.

Was ihn aber richtig heraushebt, ist sein Verhalten während des 2. Weltkrieges, als er als Wirtschaftstreibender mehrere hundert Juden vor dem sicheren Tode rettete. Beitz machte nie ein großes Aufheben darum, erhielt aber dennoch den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem.

Es gibt den Dokumentar-Film „Vernichtung durch Arbeit“ von Lea Rosh, in dem sich Berthold Beitz zu den Wirtschaftsführern der damaligen Zeit äußert: In der Nazi-Zeit war es sehr wohl möglich, human zu agieren und der Wirtschafts-Mensch hätte nicht nur helfen können, sondern auch müssen. Vielleicht gibt’s den Film mal auf YouTube oder er wird im Fernsehen wiederholt. Da die Hauptziel-Halligalli-Gruppe sich solche Filme nicht ansieht, gibt’s den alle paar Jahre mal in einem dritten Programm so um 23.15 Uhr.

Politisch hatte Beitz mit den Nazis nichts am Hut, war aber loyal dem Staat gegenüber. Beitz war kein Widerstandskämpfer und er war kein Idealist, sondern immer Realist. Er tat das Selbstverständliche: seinen in Not geratenen Mitmenschen zu helfen. Und dieses „Selbstverständliche“ machten nur sehr, sehr wenige außer ihm.

Wer die unterlassene Hilfeleistung der anderen auf die Zeitumstände schieben möchte – wir im Erdreich haben sehr große Zweifel, ob die derzeitigen Vertreter der Generation Windbeutel da wesentlich besser abschneiden würden.

Hier noch ein paar Links zu Berthold Beitz:

http://www.derwesten.de/politik/industrieller-berthold-beitz-war-der-andere-oskar-schindler-id8260569.html
http://www.yadvashem.org/yv/de/righteous/stories/beitz.asp
http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/16674
http://de.wikipedia.org/wiki/Berthold_Beitz