Gerhard Piper im Jahr 2003: „Am 26. April 1937 bombardierten deutsche Soldaten der "Legion Condor" die spanische Stadt Guernica. Es war der erste Auslandseinsatz der neuen NS-Reichsluftwaffe und der erste vernichtende Luftangriff auf ein ziviles Flächenziel in der Militärgeschichte. Wieviele Flugzeuge an diesem Angriff beteiligt und wieviele Opfer zu beklagen waren, konnte bis heute nicht geklärt werden. Bis Mitte der siebziger Jahre wurde - sowohl in Spanien als auch in Deutschland - dieser Luftangriff verdrängt und vertuscht. Zu einer Versöhnung mit dem früheren Feind war die Bundesregierung bis heute nicht bereit. In diesem Jahr eröffnete das Friedensmuseum in Guernica ein Dokumentationszentrum, das alle Veröffentlichungen zu der Bombardierung sammelt und dabei insbesondere auf Hilfe aus Deutschland angewiesen ist. Noch immer ist der Name "Guernica" ein Symbol für militärische Zerstörung und militaristisches Verbrechen. Dies zeigte sich zuletzt am 5. Februar 2003 im UN-Sicherheitsrat in New York. Bevor US-Außenminister Colin Powell seine Falschmeldungen über das irakische ABC-Potential weltweit verkündete, ließ er die dort befindliche Kopie des Anti-Kriegsgemäldes "Guernica" von Pablo Picasso zuhängen.“

http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Kriegsgeschichte/piper.html

Pablo Picassos Bild „Guernica“:

https://de.wikipedia.org/wiki/Guernica_(Bild)

https://www.google.de/search?q=guernica&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwjOnPid-L3UAhXOL1AKHSETBFcQ_AUICigB&biw=1280&bih=717

 

5 Gründe, warum Guernica hätte bombardiert werden können

 

Gerhard Piper:

„1. Von deutscher Seite wird in der Regel behauptet, das Hauptziel des Angriffs sei die rund 10 Meter lange Brücke über den Fluß Oca am Stadtrand gewesen, die den Stadtkern mit dem Ortsteil Rentería verbindet, um so den Nachschub für die gegnerischen Fronttruppen zu unterbinden. Allerdings ist die Brücke beim Angriff gar nicht getroffen worden. Stattdessen wurde in Guernica fast alles - eben außer der Brücke - zerstört. Da die republikanischen Truppen überall auf dem Rückzug waren, hätte eine Zerstörung der Brücke nur die Absetzbewegungen unterbunden und so die Kämpfe entlang des Frontverlaufs eher verschärft. Da Guernica rund zwölf Kilometer vom Atlantik entfernt ist, war nicht zu erwarten, daß aus den Fischerdörfern an der Küste (Mudaca, Bermeo) nennenswerte Verstärkungen der republikanischen Seite hätten aufgebracht werden können.

2. Das Ziel des Angriffs konnte auch die Waffenfabrik Unceta südlich der Brücke gewesen sein. Aber deren Gebäude wurden nicht beschädigt. Da Guernica wenige Tage nach dem Luftangriff von den faschistischen Bodentruppen - die über die Rentería-Brücke kamen - eingenommen wurde, wäre eine Zerstörung der Fabrik militärisch kontraproduktiv gewesen. So aber konnten die Nationalisten die Fabrik besetzen und die Waffenproduktion für die eigene Seite fortsetzen, zumal der Waffenfabrikant Rufino Unceta ein Franco-Anhänger war.

3. Die dritte These lautet, Ziele des Angriffs seien das Parlamentsgebäude und der Eichenbaum gewesen. Aber auch sie wurden beim Angriff nicht getroffen. Eine Zerstörung der baskischen Nationalsymbole hätte den militärischen Widerstand im Baskenland anfachen können, das damals zu einem Großteil schon von den faschistischen Truppen besetzt war.

4. Möglicherweise war der Luftangriff eine Vergeltungsaktion für die Lynchjustiz der zivilen Bevölkerung an abgeschossenen Piloten der Legion Condor. Allerdings war in Guernica und seiner näheren Umgebung nie ein deutscher Flieger abgeschossen worden.

5. Von britischer Seite wurde die Ansicht vertreten, mit dem Angriff sei ein Konzept zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung erprobt worden. Die wäre die praktische Umsetzung der Strategie des "Totalen Krieges", die 1935 von ex-General Erich Ludendorff entworfen worden war.

Für die letzte Vermutung spricht der umfassende Munitionseinsatz und die Dauer des Angriffs sowie das Verhalten der Piloten, die im Tiefflug Frauen und Kinder gezielt erschossen. Außerdem erfolgte am 30. April 1937 ein ähnlicher Angriff gegen die Gemeinde Gálcadano: "Gegen 4 Uhr 30 nachmittags überflogen 24 Bombardierungsflugzeuge, begleitet von sechs Jagdflugzeugen, die zwölf Kilometer von Bilbao entfernte Ortschaft Gálcadano und warfen auf sie rund dreihundert Bomben ab, darunter einige Brandbomben. Die Jagdflugzeuge stießen bis auf vierzig Meter Höhe herunter und beschossen die auf die Felder fliehende Zivilbevölkerung mit Maschinengewehren. 25 Häuser und mehrere in der Umgebung gelegene Fichtenhaine wurden durch Feuer zerstört. In Gálcadano und Umgebung wurden zahlreiche Brandbomben mit der Aufschrift "Berlin-Rheinsdorf 1936. Heil Hitler!" gefunden."“

http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Kriegsgeschichte/piper.html

 

Spanischer Bürgerkrieg

 

Die Gnade der späten Geburt zu haben ist kein Freibrief dafür, nichts von der Weltgeschichte zu wissen. Dennoch wissen heutzutage nur die wenigsten Deutschen, dass es in den 1930er Jahren den Spanischen Bürgerkrieg gegeben hat, an dem Deutschland entscheidend beteiligt war.

Deshalb deutsche Flieger in Spanien, deshalb Bombardierungen spanischer Zivil-Bevölkerung.

Es gibt zahlreiche Literatur über den Spanischen Bürgerkrieg. Einen hervorragenden Überblick bietet Siegfried Kogelfranz mit seinem Buch „Sterben für die Freiheit – Die Tragödie des Spanischen Bürgerkriegs“, das er zusammen mit Eckart Plate geschrieben hat.

Stark gekürzt in einer Serie, die im „Spiegel“ veröffentlicht wurde:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13518363.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13519091.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13519745.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13518319.html

Aus dem Buch stammt folgende Passage, die gleich zeigt, worum es geht: „Was sich dort seit vielen Monaten abspielt, gehört zum Schändlichsten und Skandalösesten, das die Geschichte aufzuweisen hat“, schrieb Thomas Mann in einem Artikel über den spanischen Krieg. „Ein niedergehaltenes, im überlebtesten, rückständigsten Stil ausgebeutetes Volk trachtet nach einem helleren, menschenwürdigeren Dasein ... Gegen das um seine Freiheit, sein Menschenrecht verzweifelt kämpfende Volk werden die Truppen seiner eigenen Kolonialgebiete in den Kampf geführt. Von den Bombenflugzeugen des Auslands werden seine Städte demoliert, seine Frauen und Kinder niedergemetzelt - und das alles heißt ‚national‘, all diese himmelschreiende Schurkerei heißt Gott und Ordnung ...“

Sofern nicht anders angegeben, stammen die angegebenen Zitate von Siegfried Kogelfranz.

 

Guernica

 

Vorbereitungen für Guernica

 

„Doch Durango war nur das Vorspiel für eine noch schlimmere Untat, die den deutschen Namen nachhaltig befleckte und letztlich direkt zum totalen Luftterror im bald ausbrechenden Weltkrieg führte.

Die Legion Condor war damals mit etwa 6.000 Mann die schlagkräftigste Truppe der Franco-Armee. Als Eliteeinheit blieb sie unter sich, pflegte kaum Kontakt zu Spaniern oder Italienern …

Hitler sorgte sich auch um die Seelen seiner Krieger. Der Sonderstab W in Berlin schickte jeweils zu Weihnachten Geistliche zur Legion. Pfarrer Karl Keding besuchte die Bomber 1937 und pries seine uniformierten Schäflein mit heiligem Stolz:

"An Pflicht und Treue im Einsatz für Fahneneid, Vaterland und Führer dachten sie und wurden froh, im weltgeschichtlichen Kampf auf der rechten Seite zu stehen, nicht als „Rebellen'' und Landsknechte, sondern als Streiter in vorderster Front des heiligen Krieges gegen die, die von Gott und Gottesliebe, von Christus-Krippe und Kreuz nichts wissen wollen."

Gewöhnlich wurden die Legionäre alle sechs bis neun Monate ausgetauscht - "danach kauften sich alle meine Kameraden erst mal ein Auto", so Ex-Condor-Mann Jeuris.

Der Sechs-Monate-Turnus erlaubte es Hermann Göring, möglichst viele seiner Piloten durch die Feuerprobe zu schleusen. Länger blieben allenfalls Ausbilder, die etwa 60.000 Spanier schulten. Doch nicht nur Menschen und Material sollten unter Kriegsbedingungen getestet werden. Spanien bot auch die Möglichkeit, Bombenwirkungen auszuprobieren - sogar noch mehr: Schon Ende 1936 erstellte die Versuchsgruppe des Technischen Amtes bei der Legion Condor - so was gab‘s tatsächlich - ein als "Einsatzunterlage" gedachtes "Gutachten über Bombenwirkung möglichst in einer Stadt wie Sevilla".

Die Zeit, solche Theorie endlich in Praxis umzusetzen, kam mit dem Baskenfeldzug. Condor-Stabschef von Richthofen hatte sich ausbedungen, seine "schweren Kampfkräfte" "ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung" einsetzen zu können.“

 

Der Tathergang

 

„Zwischen grünen Hügeln an einem Fluß etwa 30 Kilometer nordöstlich von Bilbao gelegen, beherbergte Guernica die Tausendjährige Eiche, an der die Basken bei feierlichen Anlässen ihre traditionellen Versammlungen abhielten. Dort schworen seit Jahrhunderten die spanischen Könige, baskische Traditionen zu achten. Und erst vor sechs Monaten war der erste Präsident der unabhängigen Baskenrepublik Euzkadi, Aguirre, an dem heiligen Ort niedergekniet, um dem Baskenstaat die Treue zu geloben.

Guernica war ein Marktflecken von 6.000 Einwohnern. An jenem schicksalhaften 26. April 1937 aber waren zusätzlich noch Tausende von Flüchtlingen in der Stadt, die sich vor der heranrückenden Franco-Armee in Sicherheit bringen wollten. Außerdem war es ein Montag, der Markttag, an dem die Bauern der Umgebung zum Einkaufen in die Stadt kamen, schließlich war die Front noch etwa 20 bis 30 Kilometer entfernt.

Nachmittags, gegen 16.30 Uhr, zu ungewöhnlicher Zeit, begannen plötzlich die Kirchenglocken zu läuten. Das bedeutete Unheil - seit dem Bombenhagel auf Durango, der die Menschen aus heiterem Himmel überrascht hatte, warnten Kirchenglocken vor feindlichen Flugzeugen. Sirenen gab es im Baskenland nur in den großen Fabriken. Zehn Minuten später erschien ein einzelnes großes Flugzeug, ein Heinkel-111-Bomber, geflogen vom „Condor“-Flieger der ersten Stunde, Major Rudolf von Moreau. Er warf drei schwere Sprengbomben und dreht wieder ab. Dann kamen vier der großen silberglänzenden Vögel und warfen ihre Bombenlast auf das Städtchen. Es folgten mehrere Wellen von älteren He 51 und Ju 52, begleitet von Jagdflugzeugen, darunter die neuen, schnellen Mc 109. Die Todesmaschinen erschienen Welle auf Welle, zweidreiviertel Stunden lang, insgesamt waren es 43 Flugzeuge. Sie klinkten Sprengbomben zwischen 50 und 250 Kilogramm aus, danach winzige silbrigglänzende zylindrische Stäbe - die neuen Ein-Kilo-Brandbomben der Luftwaffe, die gebündelt geworfen, zwischen den zerstörten Häusern auseinanderplatzten und ganze Straßenzüge sofort in Brand steckten. Die Jäger schossen im Tiefflug mit MGs auf alles, was sich bewegte. Die Bomberwellen griffen von Nordosten her an, mit dem Wind, der das Flammenmeer quer durch die ganze Stadt trieb.

Die Opfer des Vernichtungsangriffs auf Guernica erlebten ein von Menschen erzeugtes Inferno, wie es so noch nie eines gegeben hatte. „Es war ein glasklarer Aprilabend nach einem verregneten Morgen“ erinnert sich Dionisio Ajanguiz, ein Priester, der morgens in die Stadt gekommen war. „Die Maschinen flogen so niedrig, daß man mit bloßem Auge die Piloten erkennen konnte.“

Die Menschen auf den Straßen und Feldern rannten in panischer Angst auseinander, stießen blindlings zusammen, ihr einziges Bestreben war, dieser Hölle zu entkommen. In den Kellern, zu denen Schrifttafeln mit der Aufschrift Refugio verwiesen, schrien Kinder, Putz fiel von den Wänden, Rauchschwaden nahmen den Menschen den Atem. In einem der Keller hatte ein Bauer mit seiner Kuh Schutz gesucht. Das aufgeregte Tier brüllte vor Angst und trampelte zwischen den Leuten herum. Die Menschen wollten ins Freie fliehen, sie fürchteten, in den Kellern zu ersticken oder zu verbrennen, aber Polizisten und Milizionäre ließen sie nicht hinaus.

Ein junger Abgeordneter der baskischen Nationalistenpartei PNV, Juan Manuel Epalza, sah die brennende Stadt von einem Hügel aus. Er dachte an das von Nero angezündete Rom. lgnacia Ozamiz, die mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern in einem Keller Schutz gefunden hatte, suchte nun ihr Haus. Es brannte lichterloh. Der Mann stürzte hinein, um Geld und Wertsachen zu retten, sie rief ihm nach, er solle auch die Nähmaschine mitnehmen. Da stürzte unter ihm die brennende Treppe zusammen. Er warf die Nähmaschine aus einem Fenster und sprang selber hinterher. Die Maschine war zerbrochen, einen Kopfteil bewahrte Frau Ozamiz bis an ihr Lebensende auf. Ihre verkrüppelte Schwiegermutter war zusammen mit drei anderen alten Frauen in ihrem Haus verbrannt.

Die Menschen waren wie versteinert. Sie begriffen nicht, was geschehen war. Pfarrer Alberto de Onaindia hatte seine Mutter und Schwester aus einem frontnahen Dorf zu sich geholt. Er erlebte den Angriff vom Westrand der Stadt aus und mußte selbst vor Messerschmitt-Jägern flüchten. „Die Flugzeuge kamen ganz tief an. Sobald sie über uns hingeflogen waren, verließen wir unser Versteck und rannten in den Wald. Aber die Flieger sahen uns und setzten zur Verfolgung an. Wir hörten, wie die Kugeln durch die Blätter brachen, und dazu den Ton von splitterndem Holz. Die Maschinen machten die verrücktesten Kapriolen, um sich nicht in den Baumspitzen zu verfangen. Frauen, Kinder und alte Männer stürzten getroffen nieder wie Fliegen, überall sahen wir große Pfützen von Blut.“

Stundenlang beobachtete der Padre die Agonie seiner Stadt: „Von dem Lärm der Explosionen und dem Krachen der einstürzenden Häuser macht man sich keinen Begriff. Die Bomben fielen scheinbar überall, eine Stunde lang. Später sahen wir die Krater. Sie waren acht Meter tief und hatten einen Durchmesser von 16 Metern. Dann kam eine neue Welle, die in sehr großer Höhe flog. Sie warf Brandbomben auf die gemarterte Stadt. Das zweite Bombardement dauerte nur 35 Minuten, aber es reichte, um den gesamten Ort in einen gewaltigen Feuerofen zu verwandeln. Als das Bombardement vorbei war, kamen Leute aus den Schutzräumen. Keiner weinte. Verwunderung stand auf allen Gesichtern. Keiner von uns konnte begreifen, was er da sah. Als es dunkel wurde, erreichten die Flammen von Guernica den Himmel, und die Wolken nahmen die Farbe von Blut an.“

Ungeklärt ist bis heute die genaue Zahl der Opfer des ersten Terrorangriffs auf eine ganze Stadt, der dann zum Vorbild späterer Luftkriegsgreuel von Coventry, Rotterdam und Warschau bis Hamburg, Köln und Dresden wurde und schließlich in Hiroshima einen aberwitzigen Höhepunkt erreichte. Die Überlebenden fanden keine Zeit mehr, alle Toten aus den Trümmern zu bergen. Drei Tage später fiel die Stadt in Francos Hände, und der hatte kein Interesse, die Zahl der Opfer festzustellen. Die baskische Regierung nannte nach dem Zeugnis des überlebenden Bürgermeisters der Stadt die Zahl von 1.654 Toten und 889 Verwundeten.

Als der baskische Sergeant Aristarco Yoldi um zwei Uhr morgens Guernica in Richtung Front passierte, brannte die Stadt immer noch lichterloh. Die Soldaten mußten ihre Lastwagenzurücklassen und schlugen sich zu Fuß durch das Flammenmeer: „Männer und Frauen versuchten, ihre-Toten zu bergen. Der Konvent war zerstört, doch die Nonnen halfen dabei, die Verwundeten zu betreuen.“ Zwei Nonnen und 25 Waisenkinder waren in den Trümmern umgekommen. Von der Kirche stand nur noch die vordere Fassade. Yoldi fiel die unheimliche Stille auf: „Außer dem Zischen und Brausen der Flammen hörte man keinen Laut. Niemand redete, und selbst die Ochsen, die ziellos durch die Straßen trotteten, waren still. Jeder war wie betäubt.“

Der britische Journalist G. L. Steer, der für den „London Mercury“ aus Spanien berichtete, hielt sich in Bilbao auf, um über den privaten britischen Blockadebrecher ‚Seven Seas Spray‘ zu berichten, der es geschafft hatte, 3.000 Tonnen Lebensmittel nach Bilbao zu bringen, bejubelt von den hungerndern Basken. Tagsüber hatte Steer verschiedene Flugzeugangriffe beobachtet und mußte selbst vor Tieffliegern in Bombenkratern Deckung suchen, war aber zur Ansicht gelangt, das Ganze sei wohl mehr Lärm als echte Gefahr.

Abends dinierte Steer mit dem Kapitän der ‚Seven Seas Spray‘ und dessen Tochter, als er angerufen wurde. Sein Informant erzählte ihm, Guernica brenne. Er hielt dies für „eine typische spanische Übertreibung“, eine ganze Stadt könne schließlich nicht brennen, fuhr aber dennoch los - vielleicht gäbe es ja eine Story.

Kaum hatte er Bilbao verlassen, wurde der Himmel vor ihm hell; zuerst rosa, dann in einem dunklen Rot. Von einem Hügel aus sah er die brennende Stadt, „glühende Feueraugen aus jeder Fensterhöhle, näher dann wie ein Niagarafall aus Feuer“. Er sah Gruppen von Milizionären, die nicht wußten, was sie tun sollten. Es gab kein Wasser zum Löschen, da die Bomber die Leitungen zerstört hatten. Im Freien lagen Hunderte von Frauen mit ihren Kindern in den Armen: „Sie erzählten in einer für Spanier ungewöhnlich einsilbigen Art von dem, was geschehen war, machten seltsame Geräusche, mit denen sie explodierende Bomben, knatternde Maschinengewehre, zusammenbrechende Mauern und die Feuerwalze beschreiben wollten.“ Steer fand Hülsen der kleinen - von IG-Farben erst kurz zuvor entwickelten - Brandbomben. „Ihr eingekerbter Stempel verwies darauf, daß sie 1936 von einer deutschen Fabrik hergestellt worden waren.“

Der junge Soldat Pedro Maria Urrutikoetxea sah auf dem Rückzug von der Elgeta-Front am nächsten Morgen das zerstörte Guernica: „Im Licht der aufgehenden Sonne bot die Stadt den Anblick einer Alptraumlandschaft, die nicht zu einer wirklichen zivilisierten Welt gehören konnte. Wir sahen zerstörte Häuser, rauchende Ruinen und Gruppen von Leuten, die nach Überlebenden suchten. Hier und dort lagen verkohlte Kadaver von Tieren, um die sich niemand kümmerte.“

Der britische Konsul kam aus Bilbao und berichtete seiner Regierung über die Zerstörung der Stadt. Die Vernichtung des den Basken heiligen Ortes durch Hitlers Bomben löste eine weltweite Welle der Empörung aus. Erst jetzt schienen viele Menschen in den westlichen Demokratien zu begreifen, was da in Spanien unter dem Mäntelchen einer offiziell deklarierten Nichteinmischung wirklich vor sich ging. Vor allem die angloamerikanische Presse ergriff fortan überwiegend Partei für die Republik.“

 

Dummdreiste Propaganda

 

„Guernica erlebte den ersten kaltblütig geplanten, totalen Vernichtungsangriff aus der Luft in der Kriegsgeschichte. All die Lügen und Legenden, die danach von den über das weltweite Entsetzen irritierten spanischen Faschisten und deutschen NS-Propagandisten in die Welt gesetzt wurden, sind dummdreiste Propaganda, die freilich noch immer durch die Kommentare rechter Journalisten geistert und bis heute in Werken konservativer Historiker nachzulesen ist. Dies, obwohl das Verbrechen an Guernica hundertfach und zweifelsfrei dokumentiert ist, nicht nur von vielen Augenzeugen, auch die ‚Condor‘-Flieger waren durchaus stolz auf ihren ‚Erfolg‘ - bis sie Redeverbot erhielten.

Francos Pressechef Botin verbreitete als erster das Märchen, Guernica sei gar nicht bombardiert worden. Die Roten hätten die Stadt bei ihrem Rückzug selbst angezündet: „Guernica ist durch Feuer und Benzin zerstört worden. Angezündet und in Trümmer verwandelt haben es die roten Horden im verbrecherischen Dienst von Aguirre, dem Präsidenten der Baskischen Republik. Aguirre hat in teuflischer Absicht die Zerstörung von Guernica vorbereitet, um sie dann dem Gegner in die Schuhe zu schieben und unter den schon besiegten und demoralisierten Basken, einen Entrüstungssturm hervorzurufen.“

Die ‚Deutsche Wochenschau‘ zeigte die zerstörte Stadt mit folgendem Kommentar: „Das sind die Ruinen der altspanischen Stadt Guernica, wenige Stunden, nachdem die bolschewistischen Mordbrenner von den nationalen Truppen vertrieben worden waren. Die jüdische Lügenpresse behauptet, deutsche Flugzeuge hätten die Stadt bombardiert.“

Unter den faschistischen Waffenbrüdern war jedoch längst ein heftiger Streit über das Terrorbombardement ausgebrochen. General Mola, der Guernica bald nach der Einnahme am 29. April besuchte, äußerte sich erbittert über die Barbarei der Deutschen, von deren Absicht er nichts gewußt hätte.

Auch Franco selbst war wütend über die Schreckenstat der Nazis, die seiner Sache in der Welt mehr schadete als jede Brutalität seiner eigenen Anhänger. Laut seinem britischen Biographen George Hills brüllte er den Verbindungsoffizier der ‚Legion Condor‘ in seinem Hauptquartier, Oberst von Funk, „blaß vor Wut“ an, er führe „nicht Krieg gegen mein eigenes Volk“. Sein Luftwaffenchef Kindelán erhielt Befehl, solche Eigenmächtigkeiten der Deutschen künftig zu verhindern; „notfalls mit Gewalt“. Zumindest der Stabschef Molas, Oberst Juan Vigón, hat jedoch definitiv schon vorher von dem geplanten Angriff gewußt. Oberst von Richthofen hatte den Einsatz mit ihm abgesprochen. Beide fanden es nützlich, daß die Deutschen die Straße bei Guernica unterbrechen und eine Brücke am Stadtrand zerstören wollten.

Doch gerade diese Brücke blieb erhalten. Mit versehentlichen Abwürfen, bedingt durch das Wetter oder widrigen Wind, der zum Verfehlen des Zieles geführt hätte, versuchten später - und bis heute - Angehörige der ‚Legion Condor‘ und deren Bewunderer, die Vernichtung von Guernica zu erklären, wenn sie diese nicht von vornherein den ‚Roten‘ in die Schuhe schieben oder das peinliche Thema nicht ganz mieden. Bomberpilot Hoyos, dem sonst alles in Spanien Erlebte für die Nachwelt berichtenswert erschien, findet in seinen Erinnerungen kein Wort zu Guernica, obwohl er in jenen Tagen zahlreiche Einsätze im Norden flog. Statt dessen erzählt er von leidenschaftlichen Zigeunermädchen, die er als „lustige Vögel“ und „schwarze Teufel“ kennenlernte, freut er sich, dem „größten Völkerfeind die Munitionsdepots kaputtzuschmeißen“, und bescheinigt Franco, daß der „den größten Befreiungskampf der Welt“ führe. Flieger-As Adolf Galland, bis heute Vorbild für viele Offiziere der bundesdeutschen Luftwaffe, bewältigte in seinen erst nach dem Zweiten Weltkrieg geschriebenen Memoiren Guernica mit dem Satz: „Als sich der Qualm der Einschläge, in die ein paar Staffeln ihre Bomben geworfen hatten, verzog, stellte man fest, daß die Brücke unversehrt geblieben war, die angrenzende Ortschaft jedoch allerlei abbekommen hatte.“

Und: „Man sprach nicht gern von Guernica, das ein bedauerlicher Irrtum war ... aber immer noch geistert Guernica durch den Hintergrund deutschfeindlicher Ressentiments.“ In der Zeitschrift 'Wehrforschung' schrieb Alfred Maurice de Zayas noch 1974, die ‚Legion Condor‘ habe „möglicherweise auch in der Stadt etwas Schaden angerichtet“, es sei aber „sehr wahrscheinlich“, daß „die Roten, vielleicht nicht die Basken selbst, sondern Angehörige der Internationalen Brigaden, die Zerstörung Guernicas vollendet haben“: Mit dieser dreisten Lüge sollten nicht nur die Nazis freigesprochen, sondern zugleich auch die Internationalen Brigaden als Mordbrenner verunglimpft werden, obwohl nachweisbar und wahrscheinlich zum Glück für die Faschisten zu keiner Zeit eine internationale Einheit im Baskenland kämpfte. Auch für den rechten Kolumnisten von Studnitz, von Franco hochdekorierter Ex-Diplomat, blieb Guernica noch Jahrzehnte nach dem Krieg lediglich ein „eiserner Bestandteil antideutscher Propaganda“. Und für die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' war Guernica noch 26 Jahre danach nur eine „kommunistische Zwecklüge“; die durch das „scheußliche, zum politischen Haß aufreizende Bild von Pablo Picasso weiteste Verbreitung gefunden hat“.

Die Zeitung des deutschen Bildungsbürgers meinte damit ‚Guernica‘, jenes die Welt aufrüttelnde Kolossalgemälde, das Picasso unter dem Eindruck des Verbrechens von Guernica damals für die Pariser Weltausstellung malte, eines der bekanntesten Werke der Kunstgeschichte, das erst nach Francos Tod seinen Platz in Spanien fand: in einem Annex des Prado-Museums in Madrid.

Alle jene, die nicht wahrhaben wollen, daß die Zerstörung Guernicas von der ‚Legion Condor‘ bewußt geplant und ausgeführt wurde, obwohl Hunderte von Zeugen, darunter Priester, Diplomaten und der Rotkreuz-Abgesandte Dr. Marcel Junod mit eigenen Augen gesehen haben, was damals in Guernica geschah, sollten zumindest die Aussagen der Täter zur Kenntnis nehmen.“

 

Voller Erfolg

 

„„Natürlich haben wir Guernica bombardiert; bueno, warum denn nicht“, sagte ein Offizier aus Francos Stab gleich nach dem Angriff einem Vertreter der Londoner ‚Sunday Times‘. 'Condor‘-Stabschef Wolfram Freiherr von Richthofen rühmte sich des Angriffs und seines Erfolges mit, wie immer, markanten Worten. Er hatte sich schon vor den Angriffen auf Durango und Guernica ausbedungen, seine „schweren Kampfkräfte“ je nach eigener Lagebeurteilung „ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung“ einsetzen zu können. Und nach dem Angriff schrieb er in sein Tagebuch, das seit dessen Veröffentlichung jedermann zugänglich ist: „Guernica, Stadt von 5.000 Einwohnern, buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. Angriff erfolgte mit 250-kg- und Brandbomben, letztere etwa 1/3 ... Die 250er warfen eine Anzahl Häuser um und zerstörten die Wasserleitung. Die Brandbomben hatten nun Zeit, sich zu entfalten und zu wirken. Ein voller technischer Erfolg unserer 250er und EC. B. 1 ... Bombenlöcher auf Straßen noch zu sehen, einfach toll.“

Auch Oberst Jaenecke aus General Sperrles Stab fand, „an und für sich war Guernica ein voller Erfolg der Luftwaffe. Die einzige Rückzugstraße der ganzen roten Küste war durch den Brand und 2 m hohen Schutt völlig versperrt.“ Hermann Göring, Oberbefehlshaber aller deutschen Flieger und damit auch Chef der ‚Legion Condor‘, gab im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß freimütig zu, daß Spanien der Luftwaffe als Manöverschlachtfeld diente, wo alles „im scharfen Schuß erprobt“ wurde. Und erprobt wurden auf dem spanischen Manöverfeld nicht nur zwölf Typen von Kampfflugzeugen - von denen dann jene in Massenproduktion gingen, die sich unter den kriegsmäßigen Bedingungen besonders bewährt hatten. In einem ‚Erfahrungsbericht über den Einsatz der Kampfflieger‘, der die Unterschriften von Sperrle und Richthofen trägt, wird auch dargelegt, daß die ‚Condor‘-Mannschaften „sehr wertvolle Erfahrungen über die effektive und moralische Wirkung der Bombenwaffe“ sammeln konnten. Fortdauernde Luftangriffe gegen einzelne Städte hätten „die Bevölkerung tief beeindruckt und verängstigt“.

Wörtlich heißt es in diesem umfangreichen Bericht: „Vor allem an der Nordfront war man durch den Bewegungskrieg in der Lage, recht oft unmittelbar nach dem erfolgten Bombenangriff die Wirkung am Ziel festzustellen. Die zur Verfügung stehenden Bombenarten waren:

500 kg Sprengbombe

250 kg Sprengbombe

50 kg Sprengbombe

10 kg Splitterbombe

1 kg Brandbombe

4 kg Brandbombe

4 kg Brandbombe

TC 10 Kettenbombe (erst später verwendet).“

 

Unter den fünf Zielgruppen werden unter Punkt drei ausdrücklich auch „Regierung und Bevölkerung (Städte)“ genannt. Dabei erhält die 250 kg Bombe die beste Note: „Die 250 kg Bombe erzeugt völligen Einsturz eines Hauses einschließlich der Seitenwände und Beschädigung der Nachbarhäuser.“ Und: „Die 250-kg-Bombe ruft große moralische Wirkung hervor und gibt keine Schutzmöglichkeiten ohne besonders gebaute Luftschutzräume.“

Mit der Brandbombe waren die Tester nicht so zufrieden: „Durch die besondere Bauweise der spanischen Wohnhäuser (flaches Dach, kein Dachstuhl, Steinbauweise aus Holzmangel, leere Wohnräume, ohne viel Einrichtung, z. B. wenig Teppiche, Gardinen etc.) konnte selten ein Brand von der 1 kg Bombe hervorgerufen werden.“ In einem „europäischen Krieg“ freilich, da waren die Brandstifter von Berufs wegen zuversichtlich, „können Städte mit Holzfachwerken durch die Brandbombe angesteckt werden.“

Doch die ‘Condor‘-Experten fanden, wie sie stolz dokumentierten, damals sehr wohl ein Mittel, mangelhaft möblierte spanische Häuser zum Brennen zu bringen: „In Rügen“ – „Winterübung Rügen“ war der Deckname des ‚Condor‘-Einsatzes in Spanien – „konnten nur Brände im gemischten Wurf: Sprengbomben - Brandbomben erzeugt werden.“

Genau diese Taktik wandte die Luftwaffe am 26. April 1937 zwei Stunden und 45 Minuten lang systematisch in Guernica an und erzeugte damit den beabsichtigten Feuersturm; eine Methode, die, sechs Jahre später, dann freilich schon weiter vervollkommnet, die deutsche Millionenstadt Hamburg zerstörte und in einer Nacht Zehntausende Zivilisten das Leben kostete.

Damals, im April 1937, waren es zunächst die Briten, die den Fall Guernica, der durch ihre eigenen Diplomaten bezeugt worden war, auf die Tagesordnung einer Sitzung des Nichteinmischungsausschusses in London bringen wollten. Außenminister Anthony Eden verbrämte die Kritik an dem Terrorangriff mit einem „Humanisierungsappell“ an beide Seiten im Spanischen Bürgerkrieg und forderte Garantien, daß sich solche Bombenteppiche auf offene Städte nicht wiederholten.

Die Reichsregierung wandte sich vehement gegen jede Erwähnung Guernicas. Hitlers Außenminister von Ribbentrop verwahrte sich „entschieden“ gegen eine internationale Untersuchung der Zerstörung Guernicas. Dies sei „unannehmbar“. Berlin forderte von Franco dringend einen regierungsamtlichen Persilschein der besage, daß die Deutschen mit der Zerstörung der Baskenstadt nichts zu tun hätten. Doch der Caudillo zierte sich trotz mehrfacher Nachfrage von Botschafter Faupel.

Die deutsche Militärführung drang darauf, eine Untersuchung in Guernica unter allen Umständen zu verhindern, da „in dem Häuserschutt zahlreiche Bombensplitter, evtl. auch Blindgänger, Schwarzbleche von Brandbomben usw. sich befinden“, und sie, die Reichsregierung, dürfe auf gar keinen Fall zulassen, daß Bombenangriffe in Spanien generell verboten würden. Dann wäre „jede Aussicht auf eine siegreiche Beendigung des Kriegs hoffnungslos“.

Bei den Fliegern der ‚Legion Condor‘, denen man striktes Schweigen über den Fall befohlen hatte, war die Freude am fröhlichen Bombenwerfen zunächst einmal dahin. Selbst Richthofen gab in einem privaten Brief einige Wochen später zu: „Ich habe mich bei Guernica wohl etwas rüpelhaft benommen.“ Das schadete seiner Karriere freilich nicht. Er wurde später Befehlshaber der ganzen ‚Legion Condor‘. Zunächst aber setzte er sich aus der Schußlinie erst einmal ab und ging in den Gredosbergen zur Jagd auf Steinböcke. Die Condor-Söldner bombten und schossen weiter, waren aber künftig bei Angriffen auf rein zivile Ziele vorsichtiger. Bombenterror auf offene Städte besorgten fürderhin die Italiener, wobei sie es freilich nie zu teutonischer Perfektion brachten.

Der britischen Regierung wurde die weltweite Empörung, die Guernicas Zerstörung auslöste, bald peinlich. Sie ließ den deutschen Botschafter vertraulich wissen, London wolle auf jeden Fall vermeiden, daß in Berlin deshalb eine ernsthafte Verstimmung entstünde.“

 

Legion Condor

 

Vorgeschichte und Vorteile des Spanien-Einsatzes

 

Gerhard Piper: „So hatten die Nazis erst ein Jahr zuvor, am 1. März 1935, eigenmächtig die Reichsluftwaffe gegründet, obwohl die alliierten Siegermächte nach dem Ersten Weltkrieg Deutschland den Besitz einer eigenen Luftwaffe verboten hatten. Schon vor der NS-Machtergreifung war die Zivilluftfahrt in Deutschland so organisiert gewesen, daß jederzeit der Aufbau einer Luftwaffe möglich war. Als Kern der neuen Luftstreitkräfte diente die "zivile" Lufthansa, deren Direktor, Erhard Milch, als Generaloberst zum Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium aufstieg. Standard-Passagierflugzeug der Lufthansa war die Ju 52/3m "Tante Ju", die von vornherein als militärischer Behelfsbomber konzipiert worden war. Der Einsatz in Spanien sollte den Aufbau der neuen Reichsluftwaffe beschleunigen und die dabei zu gewinnenden Erfahrungen in die weiteren Planungen einfließen. Er wurde unter größter Geheimhaltung vom militärischen Geheimdienst, dem Amt Abwehr/Ausland unter Admiral Wilhelm Canaris, vorbereitet. Obwohl sich Deutschland offiziell dem internationalen Waffenembargo gegen Spanien ab dem 29. August 1936 angeschlossen hatte, erklärte Reichsluftmarschall a. D. Hermann Göring im Nürnberger Prozeß: "Ich sandte mit Genehmigung des Führers einen großen Teil meiner Transportflotte und sandte eine Reihe von Erprobungskommandos meiner Jäger, Bomber und Flakgeschütze hinunter und hatte auf diese Weise Gelegenheit, im scharfen Schuß zu erproben, ob das Material zweckentsprechend entwickelt wurde" …

Mit den modernen Flugzeugen wurden zugleich neue Einsatztaktiken entwickelt. Die von dem damaligen Oberleutnant Werner Mölders ersonnene Jagdformation des "Schwarms", der aus zwei Rotten mit jeweils zwei Flugzeugen besteht, wurde im 2. Weltkrieg von allen Luftkriegsmächten übernommen und ist noch heute die übliche Kampfformation für Jagdflieger. Die deutschen Militärs hatten eine Erprobung der Streubrandbomben B 1 E schon gegen Ende des Ersten Weltkrieges vorgehabt, um erstmals in einer feindlichen Stadt einen Feuersturm zu entfachen, aber dies war durch Kaiser Wilhelm II 1918 ausdrücklich untersagt worden.

Am 14. August 1936 flog die Legion Condor ihren ersten Luftangriff gegen Málaga. Es folgten Attacken auf Alicante, Cartagena, Madrid und Toledo.“

http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Kriegsgeschichte/piper.html

Der Einsatz war nicht umsonst: „Ein Unternehmen namens Rowak (Rohstoff- und Waren-Einkaufsgesellschaft), eine vom Reichsfinanzministerium mit drei Millionen Mark Kredit ausgestattete NSDAP-Gründung, sollte im Austausch für das Kriegsmaterial spanische Rohstoffe, vor allem Erze, nach Deutschland verschiffen.“

 

Es geht los

 

„Am 17. Juli hatte sich Spaniens Afrikaarmee fast vollzählig gegen die Regierung in Madrid erhoben, sie konnte aber nicht in die im Mutterland ausgebrochenen Kämpfe eingreifen.

Die Matrosen der spanischen Kriegsmarine hatten fast alle Offiziere erschossen und waren der Republik treugeblieben. Die Kriegsschiffe patrouillierten unter dem Kommando von Matrosenräten in der Meerenge zwischen Nordafrika und Spanien. Transportflugzeuge aber besaßen die Putschisten nicht.

General Franco und seine Mitverschwörer in Spanien versuchten verzweifelt, Flugzeuge für den Truppentransport von Marokko nach Südspanien aufzutreiben. Als Verbündete boten sich das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien an.

Doch das Auswärtige Amt in Berlin reagierte auf Hilfsdepeschen aus diversen Konsulaten auf spanischem Boden nicht. Es sah offenbar keinen Sinn darin, das Reich in innerspanische Händel zu verwickeln, zumal der deutsche Botschaftsrat Schwendemann aus Madrid kabelte, es sei "schwer, an einen Sieg der Rebellen zu glauben" …

Kurz nach 22 Uhr stand der unbekannte Parteigenosse Bernhardt in der Wagner-Villa "Haus Wahnfried" vor seinem Führer. Er übergab Hitler den Brief Francos und übersetzte ihn.

Hitler fragte, wer denn dieser Franco eigentlich sei und über welche Mittel er verfüge. Bernhardt schilderte Francos Militär-Karriere und sprach von den zwölf Millionen Peseten in Tetuan. Darauf Hitler entsetzt: "Aber mit so wenig Geld kann man doch keinen Krieg anfangen!" Dennoch entschied er sofort, Franco zu helfen: "Deutschland kann auf diese Weise seine Dankbarkeit für die Neutralität Spaniens im Weltkrieg und dessen stets vornehme Haltung gegenüber Deutschland zum Ausdruck bringen."

Dann, es war unterdessen Mitternacht geworden, ließ er den Luftwaffenchef Hermann Göring und den Kriegsminister Blomberg rufen, die beide ebenfalls in Bayreuth waren. Er informierte sie über seinen Beschluß, Franco zu helfen, und verlangte, da höchste Eile geboten war, sofort in die Details zu gehen. Das Unternehmen erhielt nach dem Schluß der "Walküre", dem die Größen des Reiches eben applaudiert hatten, den Kodenamen "Unternehmen Feuerzauber". Es ging nun um schnellste Lieferung der Flugzeuge. Hitler begeisterte sich an der Idee, daß erstmals in der Kriegsgeschichte eine ganze Armee auf dem Luftweg zum Schlachtfeld transportiert werden sollte. Er ernannte Göring zum Alleinverantwortlichen für das Unternehmen.

Um 1.30 Uhr morgens am 26. Juli war das Gespräch beendet. Bernhardt hatte das Versprechen Hitlers, daß nicht nur die erbetenen 10, sondern gleich 20 Transportflugzeuge nach Marokko geschickt wurden, und daß alle künftige Hilfe allein an Franco gehen solle - und das auf Kredit …

Die erste Luftbrücke der Geschichte flog binnen weniger Wochen 13.528 Soldaten und 270 Tonnen Kriegsmaterial über die Meerenge nach Spanien. Hitler wird später darüber sagen, Franco sollte der Ju 52 ein Denkmal setzen. "Ohne die deutsche und italienische Intervention hätte Franco nicht siegen können" urteilte auch Bürgerkriegs-Beobachter Willy Brandt. Ohne diesen Beistand hätte Franco seinen Krieg gar nicht erst beginnen können.“

„Ab November 1936 war dann alles nicht mehr ganz so geheim. Da gebar das Unternehmen Feuerzauber die "Legion Condor", eine "Elite im besten Sinn des Wortes", wie ihr Angehöriger (und späterer Goebbels-Pressereferent) Wilfred von Oven noch 1978 in seinem Buch "Hitler und der Spanische Bürgerkrieg" rühmte.

Die Flieger mußten ihre Uniformen ausziehen, bekamen ein Handgeld von 200 Mark, während des Einsatzes in Spanien doppelten Sold und wurden um einen Rang angehoben. "Welchen jungen, unternehmungslustigen Soldaten hätte das Abenteuer nicht gereizt", so von Oven.

Wahr, wenn auch nicht alle wiederkamen, die - wie auf ihren Grabsteinen stand - "por Dios y Espana" (für Gott und Spanien) gefallen waren. Bert Brecht reimte damals für sie:

 

Mein Bruder war ein Flieger

Eines Tages bekam er eine Kart

Er hat seine Kiste eingepackt

Und südwärts ging die Fahrt.

 

Mein Bruder ist ein Eroberer

Unserm Volke fehlt's an Raum

Und Grund und Boden zu kriegen, ist

Bei uns alter Traum.

 

Der Raum, den mein Bruder eroberte

Liegt im Guadarramamassiv

Er ist lang einen Meter achtzig

Und einen Meter fünfzig tief.

 

Vorerst brachten die deutschen Flieger Francos Söldner über die Meerenge - eine "fast unerschöpfliche Reserve von bestem Menschenmaterial", wie Pilot Hoyos es sah.

Bereits am 13. August aber klinkten die Luftwaffenoffiziere Hoyos und Moreau die ersten Bomben im Bürgerkrieg aus: Vor Malaga griffen sie den spanischen Panzerkreuzer "Jaime I." an, der immer wieder versuchte, die Truppentransporte aus Afrika zu stören. Hoyos: „Zack... zack... zack, und die drei Riesenbomben gleiten wuchtig aus den Schächten … Fein säuberlich, wie drei Geschwister, eins hinter dem anderen, fallen die drei Eier in die Tiefe. Ganz deutlich sehe ich noch Mausi und Fiffi auf den dicken Leibern der Bomben aufblinken. (...) Zwei Stichflammen blitzen aus dem Ungetüm auf, Qualm, Flammen, Dampf, Wasserfontänen, durch die Luft wirbelnde Brocken vermischen sich zu einem gigantischen Schauspiel. (...) Die erste Waffentat der deutschen Luftwaffe war geschehen. Der Erfolg war bald im roten Funkverkehr abzuhören. "Sehr große Verluste, einige hundert Tote, kampfunfähig nach Cartagena abgeschleppt". Die rote Flotte verschwand aus der Straße von Gibraltar, und die Transporte konnten ungestört fortgesetzt werden."“

 

Madrid

 

„Schon beim Vormarsch der Moros (marokkanische Soldaten auf Seiten der Putschisten) auf Madrid griffen deutsche Flieger auch in die Erdkämpfe ein. Immer mehr deutsches Militär marschierte ab in ein "Land wo die Zitronen blühen", wie ein Condor-Kämpfer unter Bruch der strengen Geheimhaltung nach Hause schrieb. Die Legionäre gingen fortan im Hafen Stettin an Bord, da man dort die Operation wegen der ständigen Truppentransporte nach Ostpreußen besser geheimhalten konnte.

Bis zum Jahresende erreichte die Legion in Spanien fast Divisionsstärke - ein Luftwaffenkorps von 4.500 Mann vier Flak-Batterien mit dem schweren 8,8-Geschütz, Panzerausbilder ("Imker"), Marineeinheiten ("Gruppe Nordsee"), Nachrichtenverbände. An Material kam alles, was man für den Krieg so brauchte. Flugbenzin und Schmiermittel, Kurzwellensender und Sanitätsmaterial, Handgranaten und Fackeln für die Siegesfeier. Erster von mehreren Befehlshabern der Legion Condor wurde Generalleutnant Hugo Sperrle (Deckname: Sander), der in Spanien allein Franco verantwortlich war.“

„Franco mußte Ende November den Angriff auf die Hauptstadt abbrechen, weil seine Truppen bis auf Reste verheizt waren …

Doch da zeigte sich, daß Francos faschistischen Freunde ihren Schützling trotz aller Mißerfolge nicht im Stich ließen. Deutsche und italienische Flugzeuge begannen ein erbarmungsloses Bombardement der Hauptstadt. Die österreichische Sozialistin Ilse Barea berichtete: „Die letzten 48 Stunden sind das Fürchterlichste, das diese unglückliche Stadt erlebt hat. Madrid brennt. Auf den Straßen ist es hell, auf den Straßen ist es warm, doch es ist nicht Tag, es ist nicht Sommer, es ist eine Nacht im November. Ich durchstreife die Stadt, ein gewaltiger Feuerschein von allen Seiten erhellt meinen Weg, wohin ich mich auch wende. Madrid brennt, deutsche Flieger haben es angezündet. Öffentliche Gebäude, Hotels, Lazarette, Institute brennen. Es brennen unentwegt Wohnhäuser. Die Bombenangriffe wiederholen sich alle drei, vier Stunden. Und nach jedem Angriff noch mehr lodernde Trümmer, noch mehr blutüberströmte Menschen. Auf den Straßen – Weinen, Schluchzen, Wimmern halbirrer Menschen. An der Wende des Jahres 1937 zerstörte der faschistische Militarismus vor den Augen der Welt eine große europäische Hauptstadt."

"Christus hat gesagt, "vergebt ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun"', schrieb der Korrespondent des "Paris-Soir". "Nach der Niedermetzelung der Schuldlosen von Madrid müssen wir, glaube ich, sagen ,vergebt ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun."'

Francos fünfte Kolonne in der Stadt, Faschisten und ihre Helfer, suchten das Chaos noch zu vergrößern, indem sie Überfälle während der Bombenangriffe verübten.

"Durch das zerstörte Madrid, in dessen breiten Straßen riesige Bombenkrater gähnten, irrten 300.000 Menschen, die Obdach suchten", schrieben die französischen Historiker Broue und Temine. Versprengte der fünften Kolonne fanden Unterschlupf in verlassenen Botschaftsgebäuden - einige hundert etwa in der finnischen Vertretung. Ein Gebäude im Zentrum war plötzlich eine Gesandtschaft von Siam, die es nie gegeben hatte. Hinter dem Schild verbargen sich Feinde der Republik.

Doch zeigte sich in Madrid, was später auch die Bombenteppiche auf Rotterdam, Coventry und schließlich auf die deutschen Städte bewiesen: Terror-Angriffe erzeugten mehr Haß als Furcht. Der Durchhaltewille der Bevölkerung, die für die Verteidigung der Stadt auch 600 Mitglieder eines Madrider Frauenbataillons geopfert hatte, wurde gestärkt. Sie lernte, mit den Bomben zu leben.“

Hier John Heartfields Fotomontage „Madrid 1936“ mit den zwei faschistischen Geiern:

https://www.google.de/search?q=john+heartfield+no+pasaran&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwiWvrXxhcDUAhXC2BoKHSl1AjoQ_AUICigB&biw=1280&bih=717#imgrc=JmJTRiv9UsYNHM:&spf=1497536419052

 

Waffenhilfe

 

„Schwerwiegender für das Schicksal Spaniens als der Bombenterror gegen Madrid waren währenddessen Geschehnisse weitab von der Hauptstadt: In den südlichen Häfen Cadiz und Algeciras gingen tagtäglich lange Kolonnen fremder Soldaten mit modernsten Waffen an Land.

Berlin und Rom hatten am 18. November den Caudillo Francisco Franco und seine Junta offiziell als Regierung Spaniens anerkannt. Hitler schickte den General und früheren Freikorps-Kommandeur Wilhelm Faupel, der lange in Lateinamerika gelebt hatte und fließend Spanisch sprach, als Sonderbotschafter und militärischen Ratgeber zum Generalisimo. Er rüstete die Legion Condor zur schlagkräftigsten Luftwaffe auf, die es in der Kriegsgeschichte bis dahin gegeben hatte. Mussolini sandte die ersten 17.000 von später insgesamt über 60.000 regulären italienischen Soldaten.

Die beiden faschistischen Mächte hatten nicht nur ihr Prestige investiert. Sie hatten Kriegsmaterial für Hunderte Millionen Mark auf Pump geliefert und wollten Franco siegen sehen …

Der Berner Historiker Dr. Peter Gosztony hat einmal genauest aufgelistet, was die Russen der Republik für das Gold geliefert haben: 806 Flugzeuge, 362 Tanks, 120 Spähwaffen, 1.555 Kanonen. 340 Granatwerfer, 500.000 Handfeuerwaffen, 15.113 Maschinengewehre, 110.000 Bomben, 3,4 Millionen Granaten, 862 Millionen Patronen.

Eine Menge Zeug für einen Bürgerkrieg - und doch nur ein Bruchteil dessen, was Deutsche und Italiener Franco schickten. Den 2.000 Russen, die für die Republik kämpften, standen mehr als dreimal soviel Deutsche und dreißigmal soviel Italiener entgegen.“

 

Kriegsentscheidend

 

„Auf der anderen Seite berichten Offiziere der Legion Condor, die "durch ihren konzentrierten Einsatz die nationale Front rettete" (Chronist von Oven), von der Jagd auf die "frechen Feinde": "Wo man hinsieht, Ziele über Ziele. Kopflos laufen sie in Reihe hintereinander über die offenen Felder, wildgewordene Pferde zwischendurch, dann wieder Autos in wilder Fahrt und viele Tanks, immerzu schießend. Von oben sehen wir, daß die feindlichen Gräben gestopft voll sind mit Deckungsuchenden. Wir streichen sie mit unseren Maschinengewehren ab und wissen, daß kaum eine Kugel danebengehen kann. Wie furchtbar die Wirkung eines solchen Tiefangriffes sein kann, zeigte das Ergebnis, als man in einzelnen Gräben, die wir beschossen, über hundert Tote fand."

Nach Wochen verlustreicher Kämpfe erstarrte die Front wieder da, wo sie vorher verlaufen war. Condor-Flieger hatten so viele republikanische Flugzeuge abgeschossen, daß sie fortan unbestrittene Luftüberlegenheit besaßen …

100.000 Tote, Verwundete, Gefangene waren das Resultat der Schlacht um Teruel - katastrophal vor allem für die Republik. Denn sie hatte auf dem Schlachtfeld ihre besten Einheiten und das Gros ihres Materials verloren. Teruel brach ihre Kampfkraft.

Francos schneidigster Soldat, Yagüe, der eben zum General befördert worden war, und Oberst Thoma von der Legion Condor nutzten die Gelegenheit und stießen blitzartig weiter vor.

Die Stukas der Legion, Thomas'' Panzer und 8,8-Flak schossen jeden Widerstand sturmreif, die Infanterie stieß auf Lastwagen nach. In Tagesmärschen von 30, 40 Kilometern drangen die Nationalen gegen das Mittelmeer vor. Am 15. April 1938, einem Karfreitag, erreichte die 4. Navarra-Division das Meer nahe dem Städtchen Vinaroz.

"Die Soldaten", so von Oven, "gebärdeten sich wie närrisch. Sie tanzten am Strand, warfen ihre Gewehre in die Luft, stürzten in voller Uniform ins Meer. Sie hatten einen blitzartigen Sieg errungen." Und, so von Oven: "Dieser größte, ja entscheidende Erfolg des spanischen Bürgerkrieges war unter maßgeblicher Beteiligung deutscher Waffen, deutscher Soldaten und deutscher Generalstäbler zustande gekommen" …

Die Republik bäumte sich noch einmal auf. Der sieggewohnte Franco stand jäh "am Rand einer Niederlage" (von Oven). Mussolini schmähte den Caudillo: "Die Roten sind Kämpfer, Franco nicht!"

Wieder rettete ihn die Legion - von der insgesamt 350 Mann in Spanien fielen. General Volkmann, ihr neuer Befehlshaber, warf alles in die Schlacht, was er hatte - Bomber, Jäger, schwere und leichte Flak, sogar eine Lehr-Batterie. Der deutsche Jagdflieger Werner Mölders schoß am Ebrobogen mit seiner Me 109 und einer neuen Taktik - er flog den Feind aus der gleißenden Sonne heraus an - fünf "Rata"-Flugzeuge der Republikaner ab …

In höchster Not schickte Franco wieder seinen bewährten Helfer Bernhardt nach Deutschland: er brauche dringend 120 Batterien Artillerie - über ein halbes Tausend Geschütze -, 50.000 Gewehre, 2.000 MGs. Göring tobte über diese "wahnwitzige Forderung". Als Bernhardt aber fragte: "Können wir ihn verlieren lassen?", sagte er neue Lieferungen zu. Franco erhielt mehr Material als je zuvor.

Damit warf er die republikanische Armee über den Ebro zurück. Die war nach der Schlacht am Ebro, oft als spanisches Verdun bezeichnet, erledigt, es gab keine Reserven mehr …

Mit 300.000 Mann eroberten die Faschisten im Dezember und Januar Katalonien, dessen Verteidiger gerade noch 17.000 Gewehre besaßen. Wieder waren die Deutschen in vorderster Front. Aus einem Siegesbericht der Legion Condor: "Unsere Flak steht wie immer als erste vorn. Ihre Granaten wühlen sich in die Reihe der Fliehenden oder krepieren nur meterhoch über ihren Köpfen mit entsetzlicher Wirkung." Barcelona fiel fast kampflos. Francos Rache an den Katalanen war furchtbar. In der ersten Woche nach der Besetzung wurden 10.000 Menschen erschossen, nachher noch 25.000.“

 

Zuschlechterletzt

 

„In den letzten Januar- und ersten Februartagen 1939 staute sich eine Lawine des Elends auf den engen Bergstraßen vor der Pyrenäengrenze. Fast eine halbe Million Flüchtlinge drängte sich zwischen Figueras und La Junquera. Sie hatten nichts zu essen und froren im Schneetreiben des Pyrenäenwinters, zu Haufen entlang den Straßen und Wegen zusammengekauert. In La Junquera starben in einer Nacht Dutzende Kinder. Verzweifelte Menschen stürzten sich in reißende Bäche. Männer schossen sich die letzte Kugel in den Kopf.

Über 200.000 republikanische Soldaten hatten sich unter die zivilen Flüchtlinge gemischt. Einige Einheiten versuchten vergeblich, Ordnung in das Chaos zu bringen. Wie immer und überall in solchen Situationen gab es auch jetzt Menschen, die davon noch zu profitieren suchten: Marodeure, die mit gezogener Waffe Lebensmittel erbeuteten oder Fahrzeuge requirierten. Immer wieder tauchten ‚Condor‘-Flugzeuge am Himmel auf, bombten und schossen in die Elends-Karawane hinein, bis Franco es verbot. Er wollte die flüchtende Katalonien-Armee nicht zu einem letzten verzweifelten Widerstand provozieren und die Franzosen nicht verärgern.“

 

Fazit

 

Gerhard Piper: „Insgesamt waren 15.000 bis 16.000 Soldaten an der "Operation Feuerzauber" beteiligt, von denen 226 ums Leben kamen. Ein Teil der Flugzeuge blieb in Spanien zur Ausrüstung der dortigen Luftstreitkräfte zurück. Bei ihrem Einsatz hatte die Legion Condor 386 Feindflugzeuge zerstört und rund 21.000 Tonnen Bomben abgeworfen. 232 Maschinen gingen verloren, darunter 156 Exemplare durch Unfälle. General von Reichenau erklärte dazu: "Zwei Jahre Kriegserfahrungen sind nützlicher gewesen als zehn Jahre Ausbildung in Friedenszeiten." Im Jahre 1939 gab die Legion Condor einen umfassenden Erlebnisbericht heraus, der pünktlich zum Beginn des Zweiten Weltkrieges ein Bestseller wurde.“

http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Kriegsgeschichte/piper.html

„Über 600.000 Tote hatte der Spanische Bruderkrieg gefordert: knapp 300.000 starben auf dem Schlachtfeld, 130.000 fielen, so eine sehr vorsichtige Schätzung, dem beiderseitigen Terror während des Krieges zum Opfer, fast 200.000 Spanier büßten bei Francos Rachefeldzug nach dem Krieg ihr Leben ein - erschossen, in Lagern verrottet, an Hunger gestorben. Etwa 600.000 Spanier waren nach dem Krieg ins Ausland geflüchtet, von denen an die 100.000 nach einigen Monaten zurückkehrten - oft genug wartete Gefangenschaft oder Tod auf sie. Glücklich waren jene, die irgendwo in Übersee Zuflucht fanden, in Mexiko etwa, das spanische Republikaner mit offenen Armen aufnahm.“

 

Schreckliche Zukunft Europas

 

„"Wenn sich so etwas in einem größeren Maßstab wiederhole, so würde das eine schreckliche Zukunft für Europa bedeuten," berichtete das NSDAP-Kampfblatt "Völkischer Beobachter" sinngemäß über die Ausführungen des britischen Außenministers Anthony Eden zu Guernica im Londoner Parlament am 6. Mai 1937. Den britischen Militärs wurde schlagartig klar, wie verwundbar ihre eigenen Städte waren. In Deutschland erließ der Reichsluftfahrtminister Hermann Göring am 7. Mai 1937 drei Verordnungen zur Durchführung des neuen Luftschutzgesetzes, insbesondere zum Bau von Luftschutzbunkern.“

http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Kriegsgeschichte/piper.html

Aus einem früheren Beitrag des Wurms:

„Thomas Mann in einer Radioansprache nach der Bombardierung Lübecks:

„Deutsche Hörer!

Zum ersten Mal jährt sich der Tag der Zerstörung von Coventry durch Görings Flieger, – einer der schauderhaftesten Leistungen, mit denen Hitler-Deutschland die Welt belehrte, was der totale Krieg ist und wie man sich in ihm aufführt. In Spanien fing’s an, wo die Maschinisten des Todes diese nationalistisch erzogene Rasse mit den leeren, entmenschten Gesichtern, sich vorübten für den Krieg.

Welch ein Sport, wo es gar keine Gegenwehr gibt, im Tiefflug in flüchtende Zivilistenmassen hineinzupfeffern, – frisch und fröhlich! Das Gedenken an die Massakers in Polen ist auch unsterblich, – genau das, was man ein Ruhmesblatt nennt. Und Rotterdam, wo in zwanzig Minuten dreißigtausend Menschen den Tod fanden dank einer Bravour, die von moralischem Irresein zu unterscheiden nicht leichtfällt. Der Edle von Ribbentrop verhüllte sein Angesicht und schluchzte: „Das haben wir nicht gewollt!“ Es waren gute Zeiten, wo es nur zu schluchzen gab über das, was man andern zufügte. Die Zeit kommt und ist schon da, wo Deutschland zu schluchzen hat auch über das, was es erleidet, und dieses Rührungsmotiv wird überhandnehmen in dem Maß, wie eine Welt, die von solcher Art Dienst an der Menschheit nichts hatte wissen wollen und nicht darauf vorbereitet war, in ihre Verteidigungsaufgabe hineinwächst und den Lehrling abgibt, der den Meister überflügelt. Hat Deutschland geglaubt, es werde für die Untaten, die sein Vorsprung in der Barbarei ihm gestattete, niemals zu zahlen haben? Es hat kaum zu zahlen begonnen – über dem Kanal und in Rußland. Auch was die Royal Air Force in Köln, Düsseldorf, Essen, Hamburg und andern Städten bis heute zuwege gebracht hat, ist nur ein Anfang. Hitler prahlt, sein Reich sei bereit zu einem zehn-, ja zwanzigjährigen Kriege. Ich nehme an, daß ihr Deutsche euch euer Teil dabei denkt – zum Beispiel, daß in Deutschland nach einem Bruchteil dieser Zeit kein Stein mehr auf dem andern wäre.

Beim jüngsten britischen Raid über Hitlerland hat das alte Lübeck zu leiden gehabt. Das geht mich an, es ist meine Vaterstadt. Die Angriffe galten dem Hafen, den kriegsindustriellen Anlagen, aber es hat Brände gegeben in der Stadt, und lieb ist es mir nicht, zu denken, daß die Marienkirche, das herrliche Renaissance-Rathaus oder das Haus der Schiffer-Gesellschaft sollten Schaden gelitten haben. Aber ich denke an Coventry – und habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, daß alles bezahlt werden muß. Es wird mehr Lübecker geben, mehr Hamburger, Kölner und Düsseldorfer, die dagegen auch nichts einzuwenden haben und, wenn sie das Dröhnen der RAF über ihren Köpfen hören, ihr guten Erfolg wünschen …“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/265-dresden.html

Der Wurm ist nicht einverstanden mit den Worten von Thomas Mann – die Opfer in Deutschland hatten zum geringsten Teil mit den deutschen Tätern in Guernica, Coventry, Rotterdam, Polen oder sonstwo zu tun.

Nichtsdestotrotz: „In Spanien fing’s an“. Und dort wurde ausprobiert, was machbar ist. Krieg ist schrecklich genug. Ihn in die Städte und Dörfer zu tragen, deren Bombardierung keinerlei militärischen Nutzen bringt, macht ihn (und diejenigen, die dafür verantwortlich sind) um einiges schlimmer.

 

Guernica danach

 

Gerhard Piper: „Nach dem Spanieneinsatz entwickelten sich die politischen Beziehungen anders als erwartet. Im Jahr 1940 bezeichnete Adolf Hitler seinen spanischen Gesinnungsgenossen Francisco Franco treffend als "klerikales Schwein". Bei den Nürnberger Prozessen kam auch der Luftangriff auf Guernica zur Verhandlung. Zwar wurde Reichsluftmarschall Hermann Göring wegen seiner zahllosen Verbrechen hingerichtet; hingegen wurde der zum Generalfeldmarschall aufgestiegene Hugo Sperrle freigesprochen und im Juni 1949 in einem Entnazifizierungsverfahren der Alliierten als "nicht belastet" eingestuft. In Spanien hatten Deutsche auf beiden Seiten gekämpft. In diesem Sinne war der spanische Bürgerkrieg auch ein Bürgerkrieg unter Deutschen gewesen. In der Bundesrepublik, dem Land der Täter, war der Überfall auf Guernica jahrzehntelang nicht Teil einer kollektiven Schuld, sondern des kollektiven Vergessens. Dies fiel durch die Verdrängungskumpanei der Regierungen in Bonn und Madrid um so leichter. Zur gesellschaftlichen Problematik der deutschen Vergangenheitsbewältigung erklärte der Historiker Michael Kasper: "Die überraschende Solidarität der bundesrepublikanischen Gesellschaft mit den Schuldigen an Völkermord und Krieg und die Dynamik ihrer sozialen Reintegration können als ein Beweis für die enorme Identifikationskraft des Nationalsozialismus angesehen werden. (..) Die Politik der Rehabilitierung der einstigen Nationalsozialisten war die Folge eines kollektiven Wunsches der Mehrheit der Deutschen und trug wesentlich dazu bei, daß der profunde Unrechtscharakter des NS-Regimes in Vergessenheit geriet. Letztendlich handelte es sich nicht um die Resozialisierung einer bestimmten Zahl von Verbrechern, sondern um die moralische Rehabilitierung von Millionen."

Erst ab Mitte der siebziger Jahre erschienen in der BRD die ersten Bücher, die die historischen Fakten des Luftangriffs auf Guernica darstellten. Seitdem versucht eine Phalanx aus Neonazis, CDU/CSU-Politikern, Bundeswehroffizieren und Burschenschaftlern die Ereignisse von Guernica herunterzuspielen: Noch 1985 beteuerte Oberst Walter Holinka, Geschwaderkommandeur auf dem Fliegerhorst Wunstorf: "Das in Wunstorf stationierte Kampfgeschwader Boelcke war nicht maßgeblich an der Legion Condor beteiligt." Auch Generalmajor Jürgen Schreiber wehrte sich 1992 gegen das "Guernica-Geschwätz". Der 26. April sei kein Markttag gewesen, daher hätten sich nicht soviele Personen in der Stadt aufgehalten und demgemäß wäre die Zahl der Todesopfer nicht so groß. Und Generalleutnant Franz Uhle-Wettler verbreitete, daß der Angriff "nachweislich nur eindeutig militärischen Zielen" galt. Für Oberst Erwin Jaenecke war die Bombardierung von Guernica zunächst einfach "ein voller Erfolg der Luftwaffe". Nachdem Kritik an dem Luftangriff aufgekommen war, korrigierte er seine Meinung nur ein bißchen: Weder die deutschen Faschisten noch die spanischen Antifaschisten waren für die Zerstörung von Guernica verantwortlich, sondern die Italiener. Sie hätten ihre Bomben nicht auf die Brücke, sondern irrtümlich auf die Innenstadt abgeworfen.

Der CSU-Politiker Erich Riedl, Mitglied des Bundestages und des Aufsichtsrates von Messerschmitt-Bölkow-Blom, machte in einer Parlamentsdebatte am 28. September 1995 "ungünstige Windverhältnisse", "Sichtbehinderung" und "unzureichende Zieltechnik" für die Zerstörung von Guernica verantwortlich. Diese Politik des Ableugnens war so vorherrschend, daß ausgerechnet diejenigen, die die historischen Fakten darlegten, sich dem Vorwurf ausgesetzt sahen, sie würden die geschichtlichen Tatsachen verfälschen. Dabei übersah man in Deutschland geflissentlich, daß in Guernica mehrere tausend Augenzeugen des Luftangriffs genau wußten, wer verantwortlich war. Wer eine Kleinstadt von 6.000 Einwohnern mit mindestens drei Dutzend Spreng- und mehreren Splitterbomben, fast 3.000 Brandbomben und Tausenden Granaten aus den Bordkanonen und MGs der Flugzeuge beschossen hatte, konnte anschließend nicht glaubhaft versichern, man wäre überrascht, daß es Zerstörungen gab.“

http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Kriegsgeschichte/piper.html

„Wie schwer Deutsche - freilich nicht nur sie - sich damit tun, Menschen gerecht zu werden, die in Spanien ihr Leben für die Freiheit einsetzten, mag eine Episode nach einem halben Jahrhundert zeigen: Zwei Berliner Verleger schlugen im Sommer 1988 dem Bundespräsidialamt einen Bürger für das Bundesverdienstkreuz vor - Gustav Hurtig, 74 Jahre alt. Als 22jähriger war der junge deutsche Sozialdemokrat Hurtig, der den Nazis den Wehrdienst verweigert hatte, zu Fuß und per Fahrrad der Gestapo entkommen und nach Spanien getrampt. Dort griff er freiwillig gegen den Faschismus zum Gewehr. Als Melder machte er die Ebro-Schlacht mit. Nach der Niederlage landete er in einem französischen Internierungslager. Von dort trat er den Leidensweg so vieler Kampfgefährten durch Hitlers Konzentrationslager an. In den letzten Kriegstagen gelang es ihm, aus dem KZ Sachsenhausen zu fliehen, wo er aber bald wieder einsaß. Als von Kommunisten denunzierter Sozialdemokrat war Gustav Hurtig nun Gefangener der sowjetischen Besatzungsmacht, die Sachsenhausen als Lager weiterführte. So wurde der Demokrat Hurtig von der braunen wie der roten Diktatur am gleichen Ort gequält. Durch Schläge büßte er einen Teil seiner Hörfähigkeit ein.

„Praktisch jede wesentliche Macht Europas wollte diesem Mann einmal ans Leben. Trotzdem hat er seine Ideale eines demokratischen Staates nie aufgegeben“, schrieben die Initiatoren. „Den Vorschlag, ihn für das Bundesverdienstkreuz zu nominieren, geht über das Einzelschicksal hinaus. Wir hielten dies für eine überfällige Ehrung all der deutschen Idealisten, die in den Internationalen Brigaden gegen den Faschismus gekämpft haben und nach dem Krieg als Rotspanienkämpfer denunziert und in die Ecke gedrängt wurden, während Angehörige der Legion Condor sogar Pensionsansprüche aus ihrem Einsatz in Spanien geltend machen konnten.“

Die beiden Verleger warten immer noch auf eine Antwort aus Bonn. Die Gesellschaft tut sich, so scheint es, immer am schwersten mit ihren Idealisten.“

 

Zuschlechterletzt der „Bombenfliegermarsch der Legion Condor“.

Das hochgeladene „YouTube“-Video wird eingeleitet mit „Zum Gedenken an die ‚Legion Condor‘ für die Freiheit Spaniens!“ in Fraktur-Schrift.

Den militaristischen Doofköpfen, denen das Lied und dessen Inhalt gefällt (über 36.000 Aufrufe, 141 „Likes“ gegenüber 10 „Dislikes“ incl. dem des Wurms), sei geschrieben, dass der militärische Putsch und die faschistische Machtübernahme Spanien neben den vielen Toten und Entwurzelten das Gegenteil von Freiheit gebracht hat. Für die Anti-Kommunisten: in der legal gewählten demokratischen Republik hatten die Kommunisten anfangs überhaupt keinen Einfluss. Der kam erst deutlich später, nachdem der faschistische Terror schon eine Weile wütete.

Wer mitsingen möchte – hier ist der Text:

„Wir flogen jenseits der Grenzen

mit Bomben gegen den Feind,

hoch über der spanischen Erde

mit den Fliegern Italiens vereint.

 

Refrain:

Wir sind deutsche Legionäre

die Bombenflieger der Legion

im Kampf um Freiheit, Recht und Ehre

Soldaten der Nation.

 |: Vorwärts Legionäre,

    Vorwärts im Kampfe

    steh‘n wir nicht allein

    nur die Freiheit soll

    Ziel unseres Kampfes sein. :|

Vorwärts Legionäre.

 

Die Roten wurden geschlagen

im Angriff bei Tag und bei Nacht,

die Fahne zum Siege getragen

dem Volke der Frieden gebracht.

Refrain:

 

Wir kämpften an allen Fronten,

wir schlugen die feindlichen Reih'n

und kämpfen für Spaniens Freiheit,

und um Sieger für Deutschland zu sein.

Refrain:“

 

  

Nach all dem Terror, den der erste deutsche Auslands-Einsatz verursacht hat bzw. mit zur Unfreiheit Spaniens für viele Jahrzehnte geführt hat, wird dieser Einsatz heute also immer noch bejubelt.

 

Mit Begeisterung würden viele dazu aufbrechen, etwa dem Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien, wem auch immer, die „Freiheit“ zu bringen.

 

Und sie würden nicht davor zurückschrecken, Massaker an der Zivil-Bevölkerung wie in Guernica zu begehen.

 

Gibt es noch Menschen in diesem Land, die das, was zu kommen droht, verhindern wollen oder verhindern können?

 

 

Dada

 

Unsere kleine Polizei-Station

 

Wir befinden uns im Jahre 2017 unserer Zeitrechnung. Ganz Deutschland ist von Verbrechern besetzt … Ganz Deutschland? Nein! Eine von unbeugsamen Hütern des Gesetzes bewohnte Polizei-Station hört nicht auf, dem Verbrechen Widerstand zu leisten.

Und so ist halt noch vieles in Ordnung in der Region. Denn für Ruhe, Ordnung und Gerechtigkeit sorgt der Polizeiposten Rüppurr.

Kleine und große Spitzbuben, mehr oder weniger Leichtgläubige, Verrückte und Alkoholisierte, mehr oder weniger wilde Tiere treiben hier ihr Unwesen. Der Polizeioberkommissar und Chronist Karl Sauter hält diese Vorkommnisse fest im Buch „Tatort Rüppurr – Karl Sauters Notizen aus dem Polizei-Alltag“ aus dem Jahr 2005, jeweils monatlich im lokalen „Rieberger Bläddle“ und „Monatsspiegel“ und im Internet:

http://www.polizei.rueppurr.de/index.php?action=berichte

http://www.polizei.rueppurr.de/index.php?action=cms&id=1

Von Zeit zu Zeit möchte der Wurm eine dieser Geschichten zitieren. Diesmal geht es um folgenden Fall:

 

Hoch hinaus

 

Fronleichnamsprozessionen in Rüppurr und auch in anderen Stadtteilen werden von der Polizei seit Jahren in verkehrsrechtlicher Hinsicht begleitet und man kann sagen, sie verliefen aus polizeilicher Sicht immer störungsfrei - ein ruhiger Einsatz sozusagen, ohne besondere Vorkommnisse.

Nun aber trug sich in der Südstadt doch ein besonderer Vorfall zu, denn dort stellten die Kollegen des Streifendienstes, welche die dortige Prozession begleiteten, einen etwa 30 Jahre alten Mann auf dem Dach der Liebfrauenkirche fest, der mit ausgebreiteten Armen alles übertönend das Vaterunser betete.

Bevor der Betende jedoch vollends abhob, wurde er von den Beamten gebeten, über das an der Kirche angebrachte Gerüst, welches ihm bereits zum Besteigen des Daches diente, wieder den irdischen Gefilden zuzustreben. Dieser Aufforderung kam der Gläubige unverzüglich nach, die Beamten und sicherlich auch der liebe Gott konnten damit zufrieden sein und somit nahm auch diese Geschichte ein glückliches Ende.

 

Das Leben geht weiter: Ob Freispruch oder Zuchthaus – und auf die Guillotin' hat unser Herr Polizeioberkommissar Karl Sauter eh niemanden geschickt.

Es ist eine liebe Zeit – trotz der Vorkommnisse, menschlich halt. Und darum kommt es immer wieder zu diesen Szenen – beim Polizeiposten Rüppurr.

 

 

 

 Dadaisten verkleiden gerne sich selbst und Tiere als besonders Religiöse. Hier zwei Pilger in Santiago de Compostela.