„Kritisches Denken und fundiertes Urteilen setzt voraus, dass es verlässliche Kriterien gibt, die es erlauben, die Wertigkeit von Informationen einzuordnen. Die gründliche Erforschung unserer Welt und die anschließende Einordnung der Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, ist die Aufgabe von Wissenschaft. Wenn jedoch wissenschaftlich fundierte Tatsachen geleugnet, relativiert oder lediglich „alternativen Fakten“ als gleichwertig gegenübergestellt werden, um daraus politisches Kapital zu schlagen, wird jedem konstruktiven Dialog die Basis entzogen. Da aber der konstruktive Dialog eine elementare Grundlage unserer Demokratie ist, betrifft eine solche Entwicklung nicht nur Wissenschaftler/innen, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes.

Am 22. April 2017 werden deshalb weltweit Menschen auf die Straße gehen, um dafür zu demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind.

Alle, denen die deutliche Unterscheidung von gesichertem Wissen und persönlicher Meinung nicht gleichgültig ist, sind eingeladen, sich an dieser weltweiten Demonstration für den Wert von Forschung und Wissenschaft zu beteiligen – nicht nur Wissenschaftler/innen!“

http://marchforscience.de/

Letzten Samstag fand der „Marsch für die Wissenschaft“ statt. Hört sich theoretisch ganz gut an, ist in der Praxis aber nicht viel anderes als ein Aufstand mietbarer Zwerge.

 

Ziele und Ergebnis des Marsches

 

Aus „Wikipedia“: „Der March for Science („Marsch für die Wissenschaft“) oder Science March war eine internationale Großdemonstration für den Wert von Forschung und Wissenschaft und gegen „alternative Fakten“ und die Etablierung einer „postfaktischen Ära“. Sie fand unter dem Motto Science, not Silence („Wissenschaft, nicht Schweigen“) am 22. April 2017 (Tag der Erde) in mehr als 600 Städten weltweit statt, mit der Hauptveranstaltung in Washington, D.C. Ziel war es, auf die zunehmende Einschränkung der Wissenschaft weltweit hinzuweisen, wie beispielsweise in den USA, der Türkei oder Ungarn, und auf die Bedeutung der Wissenschaft für die Gesellschaft aufmerksam zu machen.

Auslöser der Bewegung waren wissenschaftsfeindliche Äußerungen und Maßnahmen der Regierung Donald Trumps. Trump hatte unter anderem die globale Erwärmung als Schwindel bezeichnet, versprochen, eine Vielzahl von Umweltschutzmaßnahmen abzuschaffen, und starke Kürzungen für Forschungseinrichtungen wie die US-Gesundheitsbehörde oder die Umweltschutzbehörde EPA angekündigt.

Die Idee zum March for Science entstand in Reaktion auf eine Meldung bei Reddit Ende Januar 2017, dass das Weiße Haus unter Donald Trump alle Informationen zum Klimawandel von seiner Website gelöscht habe. Dies führte zu einer Diskussion, bei der ein Benutzer kommentierte: „There needs to be a Scientists’ March on Washington.“ (deutsch etwa: „Es sollte eine Demonstration von Wissenschaftlern in Washington geben“). Innerhalb weniger Stunden entstand daraus eine Webseite, eine Facebook-Seite sowie ein Twitter-Profil, innerhalb weniger Tage entstanden Initiativen in anderen Städten in den USA und weltweit …

Der March for Science wird international von zahlreichen wissenschaftlichen Organisationen und bekannten Einzelpersonen unterstützt. Dazu gehören in Deutschland unter anderem die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Hochschulverband, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Hochschulrektorenkonferenz, der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, zahlreiche Universitäten, Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, sowie einige Nobelpreisträger (unter anderem Gerhard Ertl, Wolfgang Ketterle, Klaus von Klitzing, Erwin Neher, Horst Ludwig Störmer). Auch die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften unterstützte den March for Science.

Peter Strohschneider, der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), sprach im Vorfeld des Marsches Ende Februar unterstützend von einem „Angriff auf die Modernität der Gesellschaft“, die von der amerikanischen Forschungspolitik unter Präsident Trump ausginge.“

https://de.wikipedia.org/wiki/March_for_Science

„Weltweit fand der Marsch in mehr als 600 Städten statt: Am „Muttermarsch“ in den USA in Washington, D.C. fanden sich bereits zu Beginn des Marsches ca. 40.000 Personen zusammen, in Chicago beispielsweise ebenfalls ca. 40.000 Menschen und in Los Angeles rund 12.000. In Australien demonstrierten über 10.000 Menschen, davon 3.000 in Sydney, in London etwa 12.000, in Paris hatte die Demonstration rund 5.000 Teilnehmer. In Wien (Österreich) gingen zwischen 1.600 und 3.000 Menschen auf die Straße.“

https://de.wikipedia.org/wiki/March_for_Science

„Der “March for Science” in Deutschland: Insgesamt demonstrierten etwa 37.000 Teilnehmer in 22 Städten – rund 11.000 Teilnehmer kamen zur größten Kundgebung in Berlin, genau 67 zur kleinsten auf der Nordseeinsel Helgoland.

In folgenden Städten fanden Kundgebungen statt (Teilnehmerzahl in Klammern): Berlin (11.000), Bonn (1.500), Dresden (2.000), Espelkamp (50) Frankfurt/M.(2.500), Freiburg (2.500), Göttingen (2.500), Greifswald (400), Hamburg (1.500), Heidelberg (1.500), Jena (1.000), Kassel (200), Koblenz (50), Kiel (250), Leipzig (1.200), München (4.500), Münster (1.500), Rostock (250), Stuttgart (400), Trier (150), Tübingen (2.700) sowie auf Helgoland (67) …

Der March for Science ist eine unabhängige Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, auf die Gefahren durch populistische Tendenzen hinzuweisen und für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung auf der ganzen Welt zu demonstrieren. Nahezu alle wichtigen Wissenschaftsinstitutionen wie die Max-Planck-Gesellschaft, der DAAD oder die Helmholtz-Gemeinschaft hatten im Vorfeld ihre Unterstützung erklärt (die vollständige Liste finden Sie hier: http://marchforscience.de/unterstuetzer/ ). Die Vorstände vieler dieser Institutionen waren als Redner bei den unterschiedlichen Kundgebungen zu hören.

In Berlin erklärte der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Otmar Wiestler: “Die Freiheit der Wissenschaft ist derzeit in vielen Ländern in Gefahr. Insbesondere die Entwicklungen in der Türkei und in Ungarn beunruhigen mich.” Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Martin Stratmann, sagte in München: “Wissenschaftsfreiheit ist ein Grundrecht – wie Presse- und Meinungsfreiheit. Es geht uns etwas an, was am Bosporus oder in USA geschieht.”

Die Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Margret Wintermantel, verwies in Bonn auf die gegenseitige Verpflichtung von Wissenschaft und Gesellschaft: “Wissenschaft braucht gute Bedingungen und Freiheit, um die hohen Erwartungen erfüllen zu können, die zu Recht an sie gestellt werden.”

Auch zahlreiche Vertreter der Politik, wie der Berliner regierende Bürgermeister Michael Müller oder die niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić, die in Göttingen sprach, waren als Redner vertreten.

In Bonn erklärte NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze: „Wir können nur als Demokratie bestehen, wenn wir freie Forschung wertschätzen.“ Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg, Theresia Bauer, sagte auf der Kundgebung in Heidelberg: “Wissenschaftliche Erkenntnisse und Fakten sind essentiell für rationale Debatten und Entscheidungsfindung. Die liberale Demokratie ist auf selbstbewusste und weltoffene Wissenschaft angewiesen, deren Freiräume und Unabhängigkeit wir schützen müssen.” Auch ihre sächsische Amtskollegin Eva-Maria Stange erklärte in Dresden: “Wissenschaft braucht Pluralismus und pluralistische Demokratie braucht Wissenschaft.”“

http://marchforscience.de/presse-info/

 

Kritik an der Zielsetzung

 

Schwammig formuliert

 

Dass sich in den USA Wissenschaftler darüber aufregen, dass ihnen die öffentlichen Gelder gestrichen werden, mag ja in Ordnung sein – aber welches sind die „Entwicklungen“ in der Türkei und in Ungarn, die zur Beunruhigung beitragen? Ist es in der Türkei das Vordringen der Religiösen oder der Rausschmiss von solchen, die die falsche politische Einstellung haben? Oder beides zusammen oder mehr? Ist es in Ungarn die Schließung privater Universitäten, die von George Soros finanziert werden? Für das Verhalten der ungarischen Regierung gäbe es aber sehr gute Gründe. Oder geht es um etwas anderes?

Matthias Heitmann: „Bei genauerer Betrachtung kommen Zweifel auf, ob es sich bei den „Marches for Science“ wirklich um fortschrittliche Initiativen zur Rettung des rationalen Denkens handelt. Die bewusst wachsweiche und unpräzise Formulierung der Zielsetzungen wirkt eher wie ein Versuch, einen möglichst unkontroversen und somit breiten Nenner für eine globale „Bewegung“ zu beschreiben. Dies verwundert, denn gerade Themen mit direktem (Natur-) Wissenschaftsbezug gehören heute zu den am häufigsten kontrovers diskutierten. Wie sinnvoll sind da gemeinsame Nenner ohne jede inhaltliche Bedeutung? Doch offenbar gibt es weder bei Initiatoren noch bei Teilnehmern einen gesteigerten Bedarf an inhaltlicher Vorab-Klärung, welche Art von Wissenschaft und welche Art von Experten hier eigentlich „verteidigt“ werden sollen.

Beim gedanklichen Weitermarschieren tauchen weitere Fragen am Horizont auf: Geht es den Initiatoren um die Verteidigung und Wertschätzung der abstrakten wissenschaftlichen Methode? Geht es um Rolle und Stellung von „Experten“ allgemein, oder betreffen die Überlegungen nur diejenigen, denen man zustimmt? Was ist eigentlich mit Wissenschaftlern, die Minderheitenpositionen vertreten oder mittlerweile widerlegt wurden? Geht es auch um die Verteidigung moderner Biowissenschaften, um Gen- und Nanotechnik? Wenn Biotechnologen und Impfgegner, Schulmediziner und Homöopathen sowie Atomphysiker und Anthropologen gemeinsam marschieren sollen – wohin um Himmels Willen soll diese Reise gehen, und warum?"

https://www.zeitgeisterjagd.de/marsch-fuer-die-wissenschaft-wahrheitssuche-auf-dem-holzweg/#.WTBhwNO1uRs

 

Alternative Fakten

 

Alleine die Erwähnung des Begriffes „alternative Fakten“ (den vor einem Jahr kaum ein Mensch kannte) macht deutlich, dass sich die Wissenschaft um „höherer Ziele“ willen vor den Karren geplanter Zensur-Maßnahmen spannen lässt.

Matthias Heitmann: „Irritierend ist auch das Nebeneinander von betont unpolitischen und eindeutig politischen Beweggründen, die auf den Märschen zum Ausdruck kamen. Häufig hieß es, diese seien keine „politischen“ Proteste, gleichzeitig machten aber die Initiatoren selbst deutlich, es gehe auch darum, „auf die Gefahren durch populistische Tendenzen hinzuweisen“. Es ist genau die angeblich klare Trennung zwischen Wissenschaftlichkeit und Ehrlichkeit auf der einen und Politik und persönlicher Meinung auf der anderen Seite, die zum Ausgangspunkt stark moralisierender Argumentationen führt – nicht zuletzt auch durch die Nutzung einer eindeutig politischen Form der Meinungsäußerung, nämlich der des Demonstrationszuges. Es ist ganz offensichtlich, dass hier die Dimensionen verschwimmen und vermischt werden.

Denn es ist genau diese Vermischung, die die emotional aufgeladene Debatte über „fake news“, über „alternative Fakten“ und über das Verhältnis von Wissenschaft zur Politik kennzeichnet. Das Fatale daran: Meinungsverschiedenheiten werden nicht mehr als politische Konflikte ausgetragen, sondern zu einem Kampf zwischen Wahrheit und Lüge stilisiert. Während die eine Seite Wissenschaft, Neutralität, Richtigkeit und „common sense“ für sich reklamiert und das Verfolgen persönlicher und enger politischer Interessen strikt von sich weist, werden der anderen Seite niedere, persönliche, mithin „politische“ Motive unterstellt. Im Gegenzug werfen die so Angegriffenen ihrerseits der Gegenseite vor, sie missbrauche Wissenschaft, um eigene politische Interessen zu verhüllen.

Diese Polarisierung läuft aus mehreren Gründen der wissenschaftlichen Methode zuwider: Zum einen verbietet wissenschaftliches Denken jede Annahme einer unfehlbaren Wahrheit, weshalb der permanente Zweifel und der offene Widerspruch nicht nur toleriert, sondern als Korrektiv zwingend benötigt wird. Kritik und Disput sind elementare Stützen der wissenschaftlichen Methode, deren Ziel nicht die Festlegung „absoluter Wahrheiten“, sondern eine immer genauere Annäherung an wissenschaftliche Erklär- und Nachweisbarkeiten, mithin das wortwörtliche „Aufklären“ ist. Auf Basis dieser Methode können also weder Wahrheiten auf ewig festgeschrieben noch „Unwahrheiten“ aus dem Diskussionsbereich ausgeschlossen werden. Daher basiert auch jeder Versuch, wissenschaftlich komplexe Debatten für beendet und bestimmte Sichtweisen und Einschätzungen für endgültig erwiesen zu erklären, nicht auf Wissenschaft, sondern auf Meinung. Wer dennoch in diese Richtung tendiert, verwechselt Wissenschaft mit Dogmatismus.

Zum anderen führt die Polarisierung zwischen dem „Wahren“ und dem „Falschen“ einen Ton in die öffentliche Debatte ein, der nicht nur der wissenschaftlichen Ergebnisoffenheit widerspricht, sondern zugleich auch freiheits- und fortschrittsfeindlich ist. So werden bestimmte Faktenlagen zu unfehlbaren, quasi-religiösen Dogmen deklariert und als Munition antiaufklärerischen Denkens missbraucht. Dies hat zur Folge, dass die Freiheit nicht nur des Denkens, sondern auch des Redens, Schreibens, Lesens und Hörens nicht mehr als Wegbereiterin des Fortschritts, sondern als Komplizin der Häresie betrachtet und entsprechend bekämpft wird. In der heutigen Debatte wird häufig angeführt, die Meinungsfreiheit müsse beschränkt werden, um die Wahrheit zu „schützen“. Tatsächlich aber befördert selbst die wohlmeinendste Zensur nicht wahrhaftiges und robustes, sondern allein konformistisches und ängstliches Denken.

Schon im 19. Jahrhundert argumentierte der britische Philosoph, Ökonom und einflussreiche liberale Denker John Stuart Mill, dass alle Versuche, das Recht auf freie Rede zu beschränken, Ausdruck der angenommenen Unfehlbarkeit staatlicher Autorität seien und damit als unmittelbare Angriffe auf die Wahrheit abgewehrt werden müssten. Von dieser Definition einer konstruktiven, den Zielen den Aufklärung folgenden Denk- und Debattenkultur sind wir heute nicht nur weit entfernt, sondern wir entfernen uns auch immer weiter davon. Unsere Auseinandersetzungskultur ist höchst emotional und hysterisch, alarmistisch und ängstlich. Sie tendiert dazu, „Wahrheiten“ dadurch zu verabsolutieren, dass sie sie der Notwendigkeit enthebt, sich gegen Kritik zu behaupten. So werden immer mehr Themenbereiche „tabuisiert“ und jeder Kritik entzogen. Wenn man sich an diese Diskussionsbeschränkungen nicht hält, gilt man schnell als „Leugner“, als „notorischer Querulant“, als „Verharmloser“ oder eben als „Lügner“ und „Faker“.

Je weiter Tabuisierung und Polarisierung getrieben werden, desto weniger wird unterschieden zwischen den verschiedenen Positionen, die außerhalb des Konsenses stehen. Deren Differenzierung erscheint auch nicht wichtig, denn was zählt, ist die Ausgrenzung vom Mainstream. Und so verschwimmen offensichtliche Lügen und abweichende Interpretationen von Fakten zu einem ungenießbaren Brei, den man, um ihm keine größere Beachtung mehr schenken zu müssen, kurzerhand mit dem wenig wissenschaftlichen Begriff „populistisch“ tituliert. Es ist bezeichnend, dass die „Märsche für die Wissenschaft“ den Widerstand gegen „populistische Tendenzen“ als eins ihrer zentralen Ziele beschreiben. Dies macht sie zu eindeutig politischen Aktivitäten. Dagegen ist nichts einzuwenden. Man sollte sich nur darüber im Klaren sein: Wer seine eigene Einstellung als wissenschaftlich-neutral und somit als über der Sphäre der politischen Auseinandersetzung stehend verteidigt, tritt nicht nur die politische Kultur mit Füßen, sondern auch die Wissenschaft.

Und mehr noch: Wer glaubt, aus einem Haufen Fakten Wahrheiten destillieren zu können, hat beides nicht verstanden. Wie das halb gefüllte Wasserglas zeigt, kann es auf Basis von Fakten ganz unterschiedliche Wahrheiten geben. Wahrheiten sind Interpretationen von Fakten, kombiniert mit eigenen Blickwinkeln, Überzeugungen und Visionen – sie sind somit etwas viel Größeres, als uns die heutigen „Fakten-Checker“ glauben machen wollen. Unterschiedliche Standpunkte und Überzeugungen einfach darauf zu reduzieren, dass einer von beiden auf einer Lüge basieren muss, ist daher nicht nur kindisch, sondern letztlich auch undemokratisch. Politische Auseinandersetzungen brauchen mehr als den notorischen „Fakten-Check“. Wer sich damit begnügt, beim politischen Gegner nach Lügen zu suchen, bringt selbst nicht den Mut und die gedankliche Stärke auf, die eigene Meinung als solche zu verteidigen.“

https://www.zeitgeisterjagd.de/marsch-fuer-die-wissenschaft-wahrheitssuche-auf-dem-holzweg/#.WTBhwNO1uRs

 

Wofür bzw. wogegen nicht marschiert wurde

 

Es muss jedem Menschen und jeder Gruppe von Menschen zugestanden werden, sich weiter zu entwickeln und aus Fehlern zu lernen. Der Verdacht liegt aber sehr nahe, dass der „Marsch für die Wissenschaft“ eine Veranstaltung mit politischem Charakter ist, wenn mensch sieht, wofür bzw. wogegen bislang nicht marschiert wurde.

In erster Linie nicht gegen den zunehmenden Einfluss religiöser oder esoterischer Spinner, die sich selbst gerne als „wissenschaftlich“ ausgeben und eigene „Universitäten“ oder „Institute“ gründen. Als Beispiele seien dafür die Kritiker der Gentechnik aus Prinzip genannt (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/20-ding-dong-monsanto-ist-tot.html ), Impfgegner (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/56-unausrottbar.html ) sowie die Anhänger des „Intelligent Design“ oder sonstiger Evolutions-Leugner.

Gegen die Wissenschafts-Feindlichkeit und entsprechend der Regierung des Evangelikalen George W. Bush ist dem Wurm kein Marsch bekannt.

Wenn schon nicht gegen offizielle religiöse Spinner vorgegangen wird, dann erst recht nicht gegen die „wissenschaftlichen“ Einrichtungen der Amtskirchen. Franz Buggle in seinem Buch „Denn sie wissen nicht, was sie glauben – Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann“ aus dem Jahre 1992 (das aber immer noch seine Gültigkeit hat):

„Dieses Buch stellt einen Tabu- und Kommentbruch dar: Es ist nicht nur ein achristliches, sondern in weiten Teilen ein bibel- und christentumskritisches Buch.

Ein deutscher Universitätsprofessor schreibt kein bibel- und christentumskritisches Buch, so will es nach wie vor eine zwar informelle, selten bis nie ausgesprochene, aber sehr wirksame Verhaltensregel, so will es der ungeschriebene Komment, dessen Verletzung nicht ungestraft bleibt. Ein bißchen Kritik an der Kirche, an ihren Veräußerlichungen, Verkrustungen, Vermenschlichungen? Gewiß doch, gerne; aber bitte nicht über eine gewisse Grenze hinaus, jenseits derer es für die Kirche als etablierte, in dieser Gesellschaft noch mächtige Institution wirklich gefährlich wird. Ein bißchen metaphysisches Gruselgefühl auf evangelischen oder katholischen Akademietagungen, aber bitte nur soweit, um letztlich und schließlich doch wieder an den warmen Ofen kirchlicher Gläubigkeit zurückfliehen zu können …

Diesem heute allen gegenteiligen Unkenrufen zum Trotz in starkem Ausmaß zu findenden Orientierungsbedürfnis steht ein weitgehendes Versagen der Institutionen gegenüber, von denen eine entsprechende Orientierungsleistung eigentlich zu erwarten wäre, eben, auch und besonders der Institution, der ich selbst angehöre, der Universitäten und Hochschulen. Obwohl, das vorliegende Buch soll das im Detail belegen, hier vieles klar zutage liegt, schweigen die deutschen Universitäten, verstecken sich deutsche Professoren mit ganz wenigen Ausnahmen, soweit es um eine Stellungnahme, um eine orientierende Antwort auf zahlreiche drängende Fragen zur biblisch-christlichen Religiosität geht, wie sie viele verunsicherte Menschen umtreiben. Und in diesem Punkte ist der Diagnose Küngs zweifellos zuzustimmen: ‚Nur wenige Wissenschaftler gibt es heute, die wie Freud öffentlich Rechenschaft über ihren Unglauben geben. Aber auch nicht allzuviele gibt es, die öffentlich von ihrem Glauben Zeugnis ablegen. - Religion, Glaube, Gott - ein Bereich, der für viele seltsam ausgeblendet erscheint, tabuisiert, in der Schwebe gelassen, man legt sich nicht fest‘.

Aber es bleibt nicht bei diesem Schweigen, diesem Sich-Verstecken: Die eigentlich zur orientierenden Aufklärung berufenen Mitglieder der deutschen Universitäten und Hochschulen schweigen nicht nur zu Inhalten der biblisch-fundierten kirchlichen Verkündigung, die zu modernem Wissensstand und auch von ihnen allgemein akzeptierten ethischen Standards in Widerspruch stehen. Darüber hinaus unterstützen sie in großer Zahl und in vielfältiger Weise aktiv die immer noch über großen Einfluß und Macht verfügenden Kirchen und arbeiten ihnen zu, obwohl diese implizit oder auch explizit die genannten inhumanen Inhalte verbreiten (z. B. durch Druck und Verbreitung der Bibel; vgl. dazu Kapitel II).

Man behandelt Theologische Fakultäten besonders respektvoll, läßt ihnen weiterhin ihren zumindest formal ersten Rang, obwohl man bis heute vergeblich auf ein stimmiges Argument wartet, warum eine dogmatisch festgelegte Theologie - im Gegensatz zu einer offen-kritischen Religionswissenschaft - an einer modernen, nachmittelalterlichen Universität redlicherweise einen Ort haben soll. Nicht genug: Man läßt Theologen Festvorträge bei Universitätsjubiläen (z.B. Tübingen) halten und identifiziert sich damit immer wieder öffentlich und feierlich mit ihrer universitären Existenz und Lehrtätigkeit. Man verhält sich permanent so, als gäbe es all die gewichtigen Argumente aus Ratio (hier keineswegs einer „verengten“ !) und Humanität gegen eine konsequent biblisch-christliche Religiosität nicht: Diese stellt eben faktisch immer noch die herrschende gesellschaftlich weithin tonangebende religiöse Instanz dar. Ist das dem deutschen Durchschnittsuniversitätsangehörigen Argument genug zu schweigen?

Die geistigen Verrenkungen, die deutsche Intellektuelle und Hochschullehrer bei der Rechtfertigung biblisch-christlicher Religiosität manchmal vollbringen, erinnern immer wieder an den nicht gerade seltenen Typ des deutschen Intellektuellen, wie ihn Hannah Arendt einmal in einem Interview kennzeichnete, dem nämlich dann, wenn es um die Rechtfertigung einer herrschenden Ideologie ging (damals war es der Nationalsozialismus), ‚immer etwas einfiel‘.

Als Angehöriger der Universitätsszene und Hochschullehrer möchte ich mit diesem Buch etwas zur Überwindung der von Küng mit Recht diagnostizierten und beklagten Enthaltsamkeit und Unredlichkeit in religiösen Dingen beitragen, nicht zuletzt auch weil ich glaube, daß diese Situation ihren Teil, wenn auch vielleicht partiell eher indirekt und vermittelt, zu der heute virulenten Glaubwürdigkeitskrise zwischen älterer und mittlerer auf der einen und jüngeren Generation auf der anderen Seite beiträgt.

Das weitgehende Versagen der eigentlich zu Aufklärung und Orientierung Berufenen erscheint um so schwerwiegender, je deutlicher sich weltweit Anzeichen eines wiedererstehenden religiösen Fundamentalismus uind Fanatismus, die Rückkehr zu einer möglichst wortgetreuen Auffassung und Befolgung der jeweiligen heiligen Schriften beobachten lassen. Dies gilt verstärkt für den Bereich des Islam, aber auch für den Bereich des Christentums und des Hinduismus.“

Gerne verweist der Wurm auf einen von Franz Buggle gehaltenen Vortrag:

https://www.youtube.com/watch?v=YMV6IrU5Qls

https://www.youtube.com/watch?v=X4AfU9wV7IE&t=22s

Der Wurm braucht nicht extra zu erwähnen, dass Franz Buggle vom politisch-medialen Komplex erst gar nicht genannt bzw. medial hingerichtet wurde (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/54-schuss-nach-hinten.html ). Und dass ihm die offizielle Wissenschaft in keiner Weise beigestanden ist.

 

Wissenschaft und Gesellschaft

 

„Am 22. April 2017 werden deshalb weltweit Menschen auf die Straße gehen, um dafür zu demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind.“

http://marchforscience.de/

„Wenn Entscheidungsträger nicht mehr auf Grundlage der Datenlage, sondern auf der Basis diffuser Gefühle entscheiden, ist das nicht im Interesse der Gesellschaft. Es bedroht letztlich unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung insgesamt, die auf Debatte und dem Streben nach Konsens beruht. Das ist jedoch nicht möglich, wenn fundierte Erkenntnisse und “alternative Fakten” gleichwertig nebeneinander stehen.“

http://marchforscience.de/faq/

Der Wurm sieht „wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses“ aber sehr wohl als verhandelbar. Nicht alles, was möglich ist, muss gut für die Menschheit sein.

Sonntagssprüche nach dem Motto “Wissenschaft braucht Pluralismus und pluralistische Demokratie braucht Wissenschaft” oder ähnliches wie die Hochhebung der „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ hören sich gut an.

Haben mit dem Thema aber nichts zu tun. Denn die Wissenschaft war immer dabei und hat in Zeiten des Nationalsozialismus oder Stalinismus recht gut in Diktaturen leben können. Etwa dadurch, indem ihr unbegrenzt „Menschenmaterial“ aus Konzentrationslagern für „Experimente“ zur Verfügung stand und militärische Forschung vorangetrieben wurde.

Peter Heller: „Wie kalt und unmenschlich eine durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse determinierte Politik sein könnte, vermittelt das Beispiel der im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts äußerst populären Eugenik-Bewegung. Zahlreiche prominente Protagonisten aus der Wissenschaft, der Kultur, der Wirtschaft und der Politik, denen wir heute mit Respekt und Anerkennung gedenken, befürworteten damals Zwangssterilisationen zur genetischen Optimierung der Gesellschaft. In vielen Ländern, ob in Großbritannien und dessen Kolonien, ob in den USA, ob in der Schweiz, ob hier bei uns in Deutschland – und das nicht nur in der Zeit des Nationalsozialismus, sondern schon im Kaiserreich und auch noch in der Bundesrepublik – wurden solche in großem Umfang durchgeführt. Heute erkennen wir dies als Verstoß gegen die Menschenrechte, aber damals erschien die Eugenik vielen Zeitgenossen als vernünftige, zwingend aus den Naturwissenschaften, namentlich aus der Evolutionstheorie abzuleitende Idee. Da kann man sich eine Klimadiktatur durchaus ausmalen, in der der Wert eines Menschen durch sein Kohlendioxid-Budget bestimmt wird, das die Klimaforschung vorgibt.“

https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/lichtblicke-kolumnen/ein-marsch-fuer-die-wissenschaft-oder-ein-marsch-fuer-lyssenko/

Die angeblichen grausligen gesundheitlichen Folgen der Onanie mögen heute vielleicht noch amüsieren, nicht aber, was im Namen der Wissenschaft noch vor Kurzem mit Homosexuellen angestellt wurde:

„Da homosexuelle Handlungen zu dieser Zeit – wie in den meisten anderen (westlichen) Ländern – auch in England strafbar waren, wurde Turing wegen „grober Unzucht und sexueller Perversion“ angeklagt. Turing sah keinen Anlass, sich wegen dieser Vorwürfe zu rechtfertigen.

Nach seiner Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe wurde er vor die Wahl gestellt, die Haftstrafe anzutreten oder, da zu seiner Zeit Homosexualität von weiten Teilen der Psychiatrie als Krankheit angesehen wurde, sich behandeln zu lassen. Er entschied sich für die psychiatrische Behandlung, zu der auch eine medikamentöse Behandlung mit dem Hormon Östrogen gehörte. Östrogen wurde eine triebhemmende Wirkung zugeschrieben. Diese dauerte ein Jahr und führte zu Nebenwirkungen wie der Vergrößerung der Brustdrüse. Auch wenn er seine körperlichen Veränderungen mit Humor kommentierte, muss die Verweiblichung seiner Konturen den sportlichen Läufer und Tennisspieler schwer getroffen haben. Turing erkrankte an einer Depression.

1954 starb Turing, wahrscheinlich durch Suizid, an einer Cyanidvergiftung, dem Anschein nach von einem vergifteten Apfel herrührend, den man halb aufgegessen neben ihm auffand.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Alan_Turing

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/50-kann-denn-liebe-suende-sein.html

 

Umstrittene Ergebnisse

 

Wenn einfache Sachen messbar bzw. nachweisbar sind, ist das gut und schön. Ansonsten sollte der Mehrheits-Meinung der Wissenschaft nicht alles abgenommen werden, was sie verkündet. Der Wurm hat einige Beispiele parat:

 

Klimaforschung: Fälschungen

 

„Phil Jones ist kein Waffenexperte, sondern ist weltweit führend an der Erforschung des Weltklimas und der globalen Erwärmung beteiligt – einem Thema, dem, so scheint es, dieser Tage allerdings eine mindestens ebenso starke gesellschaftliche Sprengkraft innewohnt: Hat der IPCC, der Weltklimarat der UN, in seinen Warnungen vor dem Hitzekollaps womöglich ebenfalls haltlos übertrieben und damit fingierte Gründe zwar nicht für einen Krieg, aber für dramatische Friktionen der Weltwirtschaft geliefert? In der Schärfe formuliert wäre dies wohl seinerseits übertrieben, aber angesichts der Konsequenzen dessen, was die Forscher da ermittelten, und ihrer globalen Tragweite, ist der Vergleich nicht absurd. Jones selbst war es, der den Kelly-Moment ansprach.

Er zählt zu den Experten, die die Temperaturen messen, auf denen die Klimamodelle für die Zukunft aufbauen. Seit Dezember steht er im Verdacht, Daten „getuned“ oder wenigstens unsauber verarbeitet und verschlampt zu haben. In mehreren Interviews gestand er dies jetzt auch ein, seit Dezember ist er beurlaubt.

Seit Donnerstag ist Jones nicht mehr das einzige Opfer des Trubels um den Weltklimarat, die globale Klimapolitik und den gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen: Yvo de Boer, Chef des UN-Klimasekretariats und Organisator der Kopenhagen-Konferenz, ist zurückgetreten. Ab Juli kann er seine Expertise aus dem Inneren der UN dann einbringen in seinen neuen Job als Unternehmensberater für Klimaschutz. Dies wiederum wird den Druck auf den IPCC-Vorsitzenden Rajendra Pachauri erhöhen, der seit Wochen von fast allen maßgeblichen Klimaforschern innerhalb und außerhalb des Klimarates gedrängt wird, sein Amt zur Verfügung zu stellen, weil er für unhaltbare Schreckensszenarien im IPCC-Bericht verantwortlich gemacht wird: angeblich dramatisch ansteigende Naturkatastrophen, Abschmelzen der Himalaja-Gletscher in 25 Jahren, Untergang der Niederlande, Austrocknung des Amazonaswaldes und weiter Teile Afrikas und anderem mehr.

Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften, die dem Weltklimarat im Jahr 2007 den Friedensnobelpreis verliehen hatte, kritisiert inzwischen öffentlich seinen Laureaten IPCC. Dass der Weltklimarat auch unwissenschaftliche Berichte als Grundlage benutze, „ist alles andere als gut“, sagt ihr Chef, Gunnar Öquist zu den Vorgängen Anfang der Woche.“

https://www.welt.de/wissenschaft/article6470745/Die-verlorene-Unschuld-der-Klimaforschung.html

Jedes aufgebauschte Welt-Drama verheisst große Forschungsgelder für die Wissenschaft. Bevor Gelder gegeben und politische Entscheidungen getroffen werden, sollten erst umfangreiche Prüfungen stattfinden. Erfahrungsgemäß ist den Wissenschaftlern nicht alles zu 100% zu glauben.

 

Politische Wissenschaften: abhängig von der jeweiligen Ideologie

 

Wer Erfolg hat und ins jeweilige „Konzept“ passt, ist gut angesehen. Ob Massen-Mörder oder nicht. So ist nicht zu erwarten, dass die Politischen Wissenschaften jemals negativ über Barack Obama berichten werden (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/261-leichen-pflastern-seinen-weg.html ).

Es gibt Punkte, an denen zu erkennen ist, wann die wissenschaftliche (und mediale) Meinung von einer sehr guten zu einer sehr schlechten Meinung kippt. Etwa bei Saddam Hussein (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/190-die-luege-aller-luegen.html ) oder Nicolae Ceausescu (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/129-sir-ceausescu.html ).

 

Geschichtswissenschaft: Diener der aktuellen Politik

 

Wenn die jeweilige Regierung in eine bestimmte Richtung gehen möchte, erhält sie Unterstützung aus der Geschichtswissenschaft. Wenn Deutschland zu alter Größe aufsteigen möchte, liefert die Geschichtswissenschaft die entsprechenden Ergebnisse: Gutes wird besser gemacht, Schlechtes wird negiert oder relativiert und sollte es ein aktuelles oder zukünftiges Feindbild geben, wird auch dieses aus der Vergangenheit kultiviert (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/110-go-east.html ).

Und sollen die Sozialausgaben zurückgefahren werden, wird Passendes dazu konstruiert: „Frank A. Meyer Die Geschichtswissenschaft liefert stets, was gewisse gesellschaftliche Aktualitäten gerade brauchen. Zum ultraliberalen Zeitgeist paßt vorzüglich die Diffamierung des Sozialstaates als Erbe von Faschismus und Nationalsozialismus. Was Götz Aly, den ich bisher sehr schätzte, pünktlich abliefert, was auch Wolfgang Schivelbusch in seinem Buch „Entfernte Verwandtschaft“ entwickelt, wirkt auf mich wie ein Gefälligkeitsgutachten für ultraliberale Ideologen, wobei ich den beiden Autoren nicht unterstelle, sie hätten in dieser Absicht geschrieben. Aber auch die Wissenschaft ist nicht frei von Zeitstimmungen.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/255-glanz-und-elend-des-buergertums.html

 

Meinungsforschung: Unterdrückung ungewollter Ergebnisse

 

Aus einem früheren Beitrag des Wurms: „Neben dieser allseits üblichen Zahleninterpretation gibt es auch Fälle, in denen ein Institut absichtlich der Öffentlichkeit andere Zahlen präsentiert als es eine Umfrage ermittelte. So gestand Renate Köcher, Partnerin von Elisabeth Noelle-Neumann, nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg 1996 ein, bei einer kurz vor der Wahl veröffentlichten Umfrage ihres Instituts den Anteil der Republikaner bewusst unterhalb der 5-Prozent-Hürde angesiedelt zu haben, obwohl die erhobenen Daten die Partei deutlich darüber sahen – die Wähler sollten so vom Kreuz für diese Partei abgehalten werden. Und das war kein Einzelfall: Auch vier Jahre zuvor ging Allensbach nach gleichem Muster vor.“ – Tatsächlich erhielten die Republikaner 9,1% der abgegebenen Stimmen.“

http://www.wissen.de/wahlen-die-stimmen-der-meinungsforscher

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/54-schuss-nach-hinten.html

 

Migrationsforschung: ideologischer Mumpitz

 

Necla Kelek aus dem Jahr 2006: „Werner Schiffauers Studie Die Migranten aus Subay, in der er anhand von acht Schicksalen über die Türken in Deutschland Schlüsse zieht, war ein Meilenstein der Migrationsforschung. Schiffauer hat damit die qualitative Migrationsforschung auf einen neuen Stand gebracht. Seine grundlegende These allerdings, dass der Weg in die Moderne unaufhaltsam mit einer Ablösung der Einwanderer von ihrer Herkunftskultur und ihrer Neuorientierung an den Werten der westlichen Gesellschaft verbunden sei, ist inzwischen von der Realität widerlegt worden.

Die politisch Aufgeschlossenen sind nur allzu gern Schiffauers These gefolgt, die Integration der Türken und Muslime erledige sich gleichsam »von selbst«. Nicht die Integration schien das »Problem« zu sein, sondern die Befürchtung, die Migranten könnten in diesem Anpassungsprozess an die Moderne ihre Identität verlieren …

Kurios an dem Vorwurf, ich könne keine empirischen Daten vorlegen, ist ferner, dass gerade meine Kritiker aus der gut ausgestatteten Welt der öffentlich finanzierten Migrationsforschung kommen. Auch die Ergebnisse, die der Sozialforscher Wilhelm Heitmeyer in einer empirischen Studie über Gewaltbereitschaft muslimischer Jugendlicher (Verlockender Fundamentalismus, 1997) vorgelegt hat, passten ihnen nicht ins multikulturelle Konzept. Anstatt inhaltliche Ergebnisse auf den Tisch zu legen, kaprizieren sie sich auf persönliche und wissenschaftliche Diskreditierungen – alles nur, weil ihnen die Richtung nicht passt. Dabei hätten die Institutsleiter, C3- und C4-Professoren, in den vergangenen Jahrzehnten Zeit, Mittel und Assistenten gehabt, die Fragen von Zwangsheirat, arrangierten Ehen, Ehrenmorden und Segregation sowohl quantitativ wie qualitativ zu untersuchen.

Die 60 Migrationsforscher hätten die Fragen stellen können, die ich gestellt habe. Sie hätten auch andere Fragen stellen können. Sie haben es nicht getan, weil solche Fragen nicht in ihr ideologisches Konzept des Multikulturalismus passen und weil sie die Menschenrechtsverletzungen nicht sehen wollten und wollen. Damit haben sie aber auch das Tabu akzeptiert und das Leid anderer zugelassen …

Die 60 Migrationsforscher werfen mir eine unseriöse Vorgehensweise vor, sind sich aber selbst nicht zu schade für den Versuch, mich und andere zu diskreditieren – und damit die ersten Ansätze einer anderen Integrationspolitik in Deutschland. Und mit Seyran Ates und Ayaan Hirsi Ali denunzieren sie Autorinnen, die ihr Leben riskieren, um die Gewalt gegen Frauen zu beenden.

Vielleicht haben die Unterzeichner auch nur Angst um ihre Forschungsmittel. Sie kommen nicht mehr unwidersprochen damit durch, vom unaufhaltsamen Weg der Migranten in die Moderne zu sprechen. Sie merken, dass vielleicht endlich die ersten Ansätze einer realistischen Integrationspolitik betrieben werden, die die real existierenden Probleme nicht mehr wegidealisiert, sondern anzugehen versucht. Zu einer solchen Politik aber hat ihre Forschung nichts beizutragen.“

http://www.zeit.de/2006/07/Kelek

 

Wirtschaftswissenschaften

 

Gerade die Wirtschaftswissenschaften sind ganz nahe an den Unternehmen dran, die sie großzügig unterstützen und dessen Lied sie singen: Der verheerende Neo-Liberalismus trat von den Universitäten aus seinen Siegeszug an.

Albrecht Müller: „2.Die Initiatoren des Marsches für die Wissenschaft tun so, als gäbe es „alternative Fakten“ und vorherrschende Lügen vor allem außerhalb der normalen Medien und der normalen Wissenschaft.

Das stimmt nicht: Die Lüge zum Beispiel über die gravierenden Folgen des demographischen Wandels für die Altersvorsorge ist maßgeblich von sogenannten Wissenschaftlern, von Bevölkerungswissenschaftlern, verbreitet worden. Und von den ihnen hörigen Medien. Und diese Lügen hatten praktische, für Millionen Menschen gefährliche Folgen. Die gesetzliche Altersvorsorge wurde systematisch geschwächt, um der privaten Vorsorge ein neues Geschäftsfeld zu eröffnen – mit bitteren Folgen für alle Menschen, die auf die gesetzliche Altersvorsorge angewiesen sind. Die Wissenschaft hat hier eindeutig im Interesse der Finanzwirtschaft, der Versicherungswirtschaft und der Banken gearbeitet.

Es waren Institute gegründet worden, die sich mit dem demographischen Wandel befassten und es wurden in Kombination mit den Medien viele Serien der Agitation veranstaltet – immer mit dem Segen der Wissenschaft. Wer so zerstörerisch gewirkt hat, der sollte sein Haupt mit Scham verhüllen.

3.Die Wissenschaft war auf diesem Feld und ist es auf vielen anderen Feldern auch direkt mit privaten geschäftlichen Interessen von großen Unternehmen und ganzen Branchen verbunden. Es gab gemeinsame Institute von Professoren aus Universitäten mit der Wirtschaft, konkret zum Beispiel das MEA in Mannheim. Die Professoren Börsch-Supan und Raffelhüschen, Rürup und Sinn waren direkt mit privaten Interessen verbunden.

4.Die Wissenschaft – im konkreten Fall einige der zuvor genannten – ließ sich in Kommissionen einspannen, die die Auflösung der Sozialstaatlichkeit und die Einführung der Agenda 2010 betrieben haben. Ich erinnere an die Rürup-Kommission.“

http://www.nachdenkseiten.de/?p=37873#more-37873

 

Gutachten: gewünschte Ergebnisse

 

Aus einem früheren Beitrag des Wurms: „Der Gutachter Thomas Holzmann wurde zu Schadensersatz in Höhe von insgesamt 197.000 € plus Zinsen an drei der vier hessischen Steuerfahnder verurteilt, die wg. falscher Gutachten zwischen 2007 und 2009 zwangspensioniert wurden.

Einer der Betroffenen gab im Jahr 2013 ein Interview. Hier Auszüge daraus:

„Ich darf mich erst mal vorstellen: Mein Name ist Schmenger. Ich war in Hessen Steuerfahnder, wurde selbst psychiatrisiert, nachdem wir in Hessen auf die Mißstände hingewiesen hatten, daß wir in der Steuerfahndung Frankfurt die Bankenfälle nach dem Gesetz, nach dem Legalitätsprinzip, gar nicht abarbeiten können. Es wurden Geheimakten geführt über meine Person, es wurde ein disziplinarisches Ermittlungsverfahren konstruiert, es wurde ein Falschgutachter engagiert. Das ist eine Odyssee, die geht mittlerweile seit über zwölf Jahren, und ich habe im Rahmen dieser zwölf Jahre auch schon Teilerfolge erzielt, z.B. daß der Falschgutachter in der Steuerfahnderaffäre Hessen entlarvt wurde …

Der Falschgutachter von mir begutachtet bis zum heutigen Tage für die Justiz in Hessen, obwohl dieser Gutachter verurteilt wurde durch das zuständige Berufsgericht wegen vorsätzlicher Falschbegutachtung und das ist Dr. Holzmann aus Frankfurt - das kann auch jeder wissen und jeder nachlesen.“

http://www.nuernbergwiki.de/index.php/Rudolf_Schmenger_(N%C3%BCrnberger_Rede)

… In einem anderen Fall war der „Querulant“ nicht im Staatsdienst und wurde deshalb nicht zwangspensioniert, sondern musste gleich hinter Gitter:

„Ich darf mich kurz vorstellen: Gustl Mollath, mein Name.

Mein Anliegen: Fairness für mich, Fairness für andere, für uns alle: ein entgleistes Justiz- und Regierungssystem wieder in die richtige Spur zu bringen.

Nachdem mein Kontakt zur Außenwelt auf perfide Weise derzeit so gut wie unterbunden ist, benötige ich dazu Ihr Interesse.

(M)eine unglaubliche Geschichte oder: wie es einer Bank mit Regierungsbeteiligung fast gelungen wäre, Schwarzgeldverschiebungen zu vertuschen, und wie einer ihrer Kritiker ohne Lobby über den Missbrauch forensischer Psychiatrie und fachlicher Gutachten fast mundtot gemacht worden wäre.““

http://www.gustl-for-help.de/index.html

https://www.youtube.com/watch?v=-CDsmSeC9i8

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/117-diebstahl-ungeheuren-ausmasses.html

 

Lebensmittel: Propaganda und Irrtümer

 

In keinem Bereich sind die Moden so ausschlaggebend wie in dem der Lebensmittel. Studien von Lebensmittel- oder Pharmafirmen werden für teures Geld in Auftrag gegeben. Und das immer mit dem gewünschten Ergebnis.

Alle Nas‘ lang wird eine neue Studie veröffentlicht, die eine neues Sau durch’s Dorf treibt oder bisherigen Erkenntnissen widerspricht. Was natürlich zur Verunsicherung der Verbraucher führt.

Einzelne Lebensmittel werden in den Himmel gehoben, über andere wird ungerechtfertigterweise das Verdammungs-Urteil gefällt. Der Wurm hat hierfür drei Beispiele:

„Leider beruht der Mythos vom extrem eisenreichen Spinat auf einem Irrtum, der sich bis heute hartnäckig hält. Bei der in alten Nährwerttabellen angegebenen Eisenmenge von 35 mg in 100 g frischem Spinat handelt es sich um einen Druckfehler. Der Wert stammt vermutlich aus einer Analyse von getrocknetem Spinat. Da frischer Spinat zu fast 92 Prozent aus Wasser besteht, enthält er natürlich wesentlich weniger Eisen, nämlich etwa 4,1 mg in 100 g.“

https://ernaehrungsstudio.nestle.de/start/ernaehrungwissen/wusstensieschon/istspinatwirklichbesonderseisenreich.htm

„Seit Jahrzehnten kommt ein Ei kaum noch ohne schlechtes Gewissen auf den Tisch. Grund dafür war der amerikanische Ernährungsspezialist Ancel Keys, der in den 1950er-Jahren den dramatischen Anstieg der Herzinfarkte bekämpfen wollte und dafür einen hohen Cholesterinspiegel im Blut verantwortlich gemacht hatte. Keys war der Meinung, dass gesättigte Fette und das Cholesterin der Nahrung den Cholesterinspiegel im Blut steigen lassen und zu Arteriosklerose führen. Auf der Suche nach dem Schuldigen kam man sehr schnell auf das Frühstücksei. Denn ein Ei-Dotter enthält rund 230 Milligramm Cholesterin.

Für die Pharmaindustrie tat sich ein lukrativer Markt auf: Cholesterinsenker waren gefragt. In den 1990er-Jahren erlebten schließlich hochwirksame Statine den Durchbruch. Außerdem wurden die empfohlenen Grenzwerte immer weiter herabgesetzt: In den USA von 310 Milligramm pro Deziliter auf 200; ganz ähnlich in Deutschland von 280 auf 200. Nach diesen Werten hätte die Hälfte aller Menschen in Deutschland ein Cholesterinproblem. Das freut die Pharmaindustrie: Etwa jedes zweite weltweit verschriebene Statin kommt vom amerikanischen Pharmakonzern Pfizer. Lipitor oder – wie es in Deutschland heißt – Sortis überschreitet 1997 als erstes Medikament die Umsatzgrenze von 10 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Als 2011 Pfizers Patentrechte abliefen, brachen auch die Umsätze ein: Billigere Ersatzpräparate kamen auf den Markt. Interessanterweise strichen die USA kurz darauf die Grenzwerte für Cholesterin aus ihren Leitlinien.

Inzwischen haben zahlreiche Studien gezeigt: Cholesterin aus der Nahrung hat kaum Einfluss auf die Blutwerte. Wird mehr Cholesterin über Eier oder fettes Essen aufgenommen, drosselt der Körper die Produktion und reguliert so seinen Cholesterin-Spiegel selbst.“

http://www1.wdr.de/fernsehen/quarks/medizin-cholesterien-100.html

„Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte der japanische Forscher Kikunae Ikeda Glutamat. Er isolierte es aus der Lieblingssuppe seiner Frau und ließ es 1909 als Geschmacksverstärker patentieren. In nur 50 Jahren wurde Glutamat weltweit zum meist verwendeten Zusatzstoff in Nahrungsmitteln – nicht nur in asiatischen Speisen.

1968 bekam der amerikanische Arzt Robert Ho Man Kwok nach einem chinesischen Essen diffuse Symptome: Sein Mund wurde trocken und kribbelte. Vom Nacken aus breitete sich ein Taubheitsgefühl auf die Arme aus, sein Herz raste. Er schrieb einen Brief an die Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine", in dem er seine Beschwerden schilderte. Seit der Veröffentlichung am 4. April 1968 war der Begriff des China-Restaurant-Syndroms geboren – und verselbstständigte sich. Bereits im Mai 1968 formulierte ein New Yorker Arzt nach einem kleinen Selbsttest die Vermutung: "Glutamat ist die Ursache des China-Restaurant-Syndroms und kann Kopfschmerzen verursachen!"

Viele Studien versuchten, die schädliche Wirkung von Glutamat zu belegen. Doch fast immer wussten die Probanden, dass sie an einem Test zu Glutamat teilnahmen. Daher ließ sich mit diesen Studien nicht nachweisen, ob Glutamat wirklich der Auslöser der Beschwerden ist. 1993 machten australische Wissenschaftler eine sogenannte Doppel-Blindstudie: Die Forscher erzählten ihren Probanden, dass sie an einem Test für Erfrischungsgetränke teilnahmen. Tatsächlich bekamen die über 70 Freiwilligen aber entweder ein Getränk mit Glutamat oder ein Placebo-Getränk ohne Glutamat. Das ernüchternde Ergebnis: Über 85 Prozent der Probanden hatten keinerlei Beschwerden – unabhängig davon, ob sie das Placebo oder tatsächlich Glutamat zu sich genommen hatten.

Es gab jedoch auch Menschen, die nach dem Trinken Beschwerden hatten. Allerdings machte es bei diesen Personen keinen Unterschied, ob sie vorher Glutamat bekamen oder aber das Placebo. Das Ergebnis der Wissenschaftler: Es gibt keinerlei Zusammenhang zwischen Glutamat und körperlichen Beschwerden. Doch der Argwohn gegen Glutamat ist bis heute in den Köpfen der Verbraucher.“

http://www1.wdr.de/fernsehen/quarks/sendungen/unvertraeglich-glutamat100.html

 

Verhältnis zum Staat

 

Mensch stelle sich mal folgende Situation bei den Kindergärten vor: Die Kommunen ziehen sich mehr und mehr aus der Finanzierung zurück und fordern die Kindergärten auf, an Gelder aus der Wirtschaft zu gelangen.

Das Ergebnis sähe so aus, dass im „Nutella“-Raum des „kinder Überraschungs-Gartens“ „Ronald McDonald“ beim Kinder-Geburtstag „Haribo“-Tüten verteilen würde. Bei der Eröffnungs-Feier für die „Neuen“ gibt es einen Hauptsponsoren, der einen Stand mit Süßigkeiten hat und alle Kinder bekommen einen kleinen Rucksack mit allen möglichen Leckereien, einem Sparschwein der lokalen Sparkasse und Kinderbüchern eines Kinderbuch-Verlages.

Wie gut die Erzieherinnen in ihrer pädagogischen Arbeit gegenüber den Kindern sind, ist schon beinahe nebensächlich: das größte Ansehen genießen jene Erzieherinnen und jene Kindergärten, die am meisten Geld herbei schaffen können.

Was würde mensch davon halten?

Sehr viel anders ist die Situation an den Universitäten nicht. Da, wo die Verantwortung des Staates bzw. Bundeslandes ist, ist die Situation erschreckend. Vor allem bei der Infrastruktur. Der Zustand der Gebäude ist oft marode. Nicht zuletzt deshalb gehen die Universitäten auf Bettel-Tour bei der Wirtschaft, damit Hörsäle oder ganze Gebäude saniert werden können.

Im Rahmen seiner Gastprofessur sagte Heiner Geißler 2011 in Karlsruhe, dass die Universitäten nicht klein beigeben sollen – der Staat hätte „Geld wie Scheisse“ und solle deshalb die Universitäten ordentlich ausstatten.

Alle Parteien betonen bei jeder passenden Gelegenheit, dass Deutschland ein Bildungsland sei und deshalb in Bildung investiert werden müsse. In der Praxis sieht das aber ganz anders aus. Mensch betrachte sich allein den baulichen Zustand von Schulen und Universitäten in seiner Umgebung oder lasse sich darüber berichten – wären alle diese Einrichtungen Firmen-Gebäude, wären diese seit Langem mit Milliarden-Investitionen saniert worden.

 

Verhältnis zur Wirtschaft

 

Fast so wie Prostitution

 

Aus „Wikipedia“: Adolf Würth (* 7. Februar 1909 in Ilsfeld; † 14. Dezember 1954) war ein deutscher Unternehmer und Gründer der Würth-Gruppe mit Sitz im hohenlohischen Künzelsau …

Adolf Würth starb am 14. Dezember 1954 im Alter von 45 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Nach seinem Tod übernahm seine Witwe Alma Würth, gemeinsam mit dem noch minderjährigen Sohn Reinhold, das Unternehmen. Unter der Führung von Reinhold Würth entwickelte sich die spätere Adolf Würth GmbH & Co. KG vom Zwei-Mann-Betrieb zum internationalen Marktführer.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_W%C3%BCrth_(Unternehmer)

Adolf Würth war also ein verdienstvoller Unternehmer. Wo würde mensch jetzt das „Adolf-Würth-Gebäude“ verorten?

https://de.foursquare.com/v/adolfw%C3%BCrthgeb%C3%A4ude-1130-kitpr%C3%A4sidium/5419b875498eba78abcf3db8

In Karlsruhe. Dort ist es Sitz des Präsidiums des KIT Karlsruher Institut für Technologie. Wer dieses nicht kennt: dort sind über 25.000 Studierende, über 9.000 „Beschäftigte“ und es hat ein Budget von über 800 Millionen Euro pro Jahr.

Mittlerweile geht es an deutschen Universitäten zu wie auf dem Fußball-Platz: die Namen von Gebäuden oder Hörsälen, die einst nach angesehenen Wissenschaftlern benannt waren, werden an den Meistbietenden verkauft:

„Wie soll Ihr Hörsaal heißen?

Benennen Sie einen Hörsaal / Seminarraum oder sogar ein ganzes Gebäude nach dem Namen Ihres Unternehmens!

Als Namensgeber eines Hörsaals oder Seminarraums können Sie das Interesse der Studierenden bereits während der Vorlesung wecken. Gerne suchen wir gemeinsam mit Ihnen einen Hörsaal oder Seminarraum aus und veröffentlichen Ihr Engagement über unsere Kommunikationskanäle. Profitieren Sie von den vielen weiteren Vorteilen, die sich Ihrem Unternehmen durch ein Hörsaalsponsoring bieten:

- Imagegewinn: Profitieren Sie von einem positiven Imagetransfer als Unternehmen mit gesellschaftlichem Engagement sowie durch Veranstaltungen im „eigenen Hörsaal“.

- Recruiting: Platzieren Sie sich als Arbeitgeber und Partner des KIT und erreichen Sie unsere rund 25.000 Studierenden. Nutzen Sie den Raum für Fachvorträge, Workshops oder Präsentationen.

- Öffentlichkeitsarbeit: Wir kommunizieren den Namen Ihres Unternehmens über unsere Kommunikationskanäle. Präsentieren Sie sich bei Studierenden, Mitarbeitern und Gästen des KIT durch Ihr Logo direkt vor dem Hörsaal.

Fördern Sie Forschung & Lehre am KIT und unterstützen Sie die Renovierung und Sanierung von Gebäuden, Teilbereichen oder Hörsälen.

Individuelle Projekte und Angebote stellen wir Ihnen gerne vor!“

https://www.rsm.kit.edu/hoersaal-branding.php

 

„Lern- und Anwendungszentrum Mechatronik …

Einbringungsmöglichkeiten für Unternehmen

- Stuhlpatenschaften (ab 1.000 Euro)

- Namenspatenschaften für einzelne Seminarräume, Hörsäle oder den gesamten Gebäudekomplex – sprechen Sie uns an!“

https://www.rsm.kit.edu/3974.php

 

„Jeder Studierende erhält zu Studienbeginn einen Studierendenausweis: die KIT-Card. Sie dient als Bezahlkarte in der Mensa, als Bibliotheksausweis, als Zugangskarte zu Gebäuden und Laboren sowie als Stammkarte für das Semesterticket des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV).

Werden Sie zum täglichen Begleiter der KIT-Studierenden!

Als Unternehmen haben Sie die Möglichkeit, die gesamte Rückseite des scheckkartengroßen Ausweises mit Ihrer Werbung zu bedrucken und somit in direkten Kontakt zu der Zielgruppe der Studierenden zu treten.“

https://www.rsm.kit.edu/1550.php

 

„Der neue KIT-Rucksack ist da!

Das beliebte KIT-Begrüßungsgeschenk für Erstsemester erschien 2016 in neuem Gewand!

Werden Sie Sponsor des neuen Rucksackmodells und lassen Sie Ihr Logo auf dem Rucksack platzieren, welcher Campus und Stadtbild in Karlsruhe prägt.

Gefüllt wird der Rucksack mit den wichtigsten Informationen zum KIT sowie Geschenken und Beilagen von Unternehmen.

Erreichen Sie mit Ihrer Werbung Studierende, Alumni und Mitarbeiter am KIT!

Erreichte Zielgruppen

- ca. 4.000 Erstsemester-Studierende des KIT (auch Austauschstudenten)

- ca. 300 Auszubildende des KIT

- Studierende höherer Semester, Alumni, Mitarbeiter und Wissenschaftler am KIT

Mit Ihrer Präsenz auf dem KIT-Rucksack erreichen Sie zudem die Bevölkerung in Karlsruhe und darüber hinaus – denn auch bei überregionalen Wissenschaftlern und ausländischen Studierenden ist der Rucksack beliebt.“

https://www.rsm.kit.edu/1548.php

 

Am KIT gibt es zahlreiche Firmen-Angebote und Sponsoring-Möglichkeiten. Hier mal ein Beispiel davon:

„Begrüßen Sie mit uns die Erstsemester des KIT am 13. Oktober 2017 als Sponsor!

Etwa 5.000 Erstsemesterstudierende beginnen im Wintersemester 2017/2018 ihr Studium am Karlsruher Institut für Technologie und werden feierlich begrüßt.

An der Veranstaltung nehmen neben den neuen Erstsemesterstudierenden auch ihre Angehörigen teil. Das Präsidium überreicht im Zuge der Erstsemesterbegrüßung zudem traditionsgemäß Auszeichnungen für besonders engagierte Studierende.

Sie haben die Möglichkeit sich bei dieser Veranstaltung als Sponsoring-Partner des KIT zu präsentieren und Ihren Bekanntheitsgrad zu steigern.

Tragen Sie zu einem gelungenen Abend bei! Präsentieren Sie Ihr Unternehmen werbewirksam bei der attraktiven Zielgruppe der Studierenden und generieren Sie neue Kontakte.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich bis zum 1. August 2017 bei Frau Dorothea Flößer.

Unsere Sponsorenpakete für Sie:

 

Premiumsponsor

  • Unternehmensstand vor Ort im Foyer
  • Platzierung eines Roll-Up beim Getränkeausschank
  • Nennung in der Moderation
  • Logopräsenz ◦auf der Website zur Veranstaltung

◦auf der Eröffnungsfolie

◦auf den Getränke- und Verzehr-Gutscheinen

◦im Video zur Veranstaltung

◦auf der Anmeldeseite und Anmeldebestätigung zur Veranstaltung

 

Hauptsponsor

  • Unternehmensstand vor Ort im Foyer
  • Logopräsenz ◦auf der Website zur Veranstaltung

◦auf der Eröffnungsfolie

◦auf der Anmeldeseite und Anmeldebestätigung zur Veranstaltung

 

Sponsor

  • Logopräsenz ◦auf der Website zur Veranstaltung

◦auf der Eröffnungsfolie

◦auf der Anmeldeseite und Anmeldebestätigung zur Veranstaltung

https://www.rsm.kit.edu/1539.php

https://www.rsm.kit.edu/angebote-fuer-unternehmen.php

 

Im Aufsichtsrat des KIT befinden sich hochrangige Persönlichkeiten. Unter anderem diese:

- Dr. Andreas Kreimeyer, Ehemaliges Mitglied des Vorstands der BASF SE

- Susanne Kunschert, Geschäftsführende Gesellschafterin der Pilz GmbH & Co. KG, Ostfildern

- Stefan Quandt, Vorsitzender des Verwaltungsrats der AQTON SE

- Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG

https://www.kit.edu/kit/aufsichtsrat.php

 

Dass eine enge Kooperation mit der Wirtschaft und damit ein sehr hoher Bezug zur Praxis besteht, ist erst mal etwas Gutes. Dass jene Firmen, die aus der universitären Tätigkeit einen großen Nutzen ziehen, dafür bezahlen, ist auch gut. Dass viele Dinge erst durch das Engagement und Geld der Wirtschaft realisiert werden, ist auch gut.

Aber ideal ist es nicht. Und ein gesundes Mittelmaß ist mittlerweile überschritten.

Vor 10 Jahren gab es beim KIT übrigens noch keinen Aufsichtsrat, keine Umbenennung von Hörsälen, kein Sponsoring.

Die Zustände beim KIT sind nichts Besonderes, sondern kennzeichnen die Entwicklung und den Zustand der deutschen Universitäts-Landschaft.

 

Drittmittel und deren Auswirkungen

 

Selbstverständlich genießen jene Professoren und jene Universitäten das höchste Ansehen, die das meiste Geld anschaffen. Das sind nicht zwangsläufig die besten Professoren und die besten Universitäten. Mit eine Folge dessen sind, dass die in Deutschland dominierenden Universitäten die Technischen Unis sind.

Ralf Pauli 2015: „Zu den Drittmitteln zählen alle Formen von Zuwendungen von Unternehmern, privaten Stiftern und öffentlichen Einrichtungen an Hochschulen: Dazu gehören Forschungsaufträge, Sponsoring, Sachspenden und Stiftungsprofessuren. Je nach Bundesland sind diese Indikatoren unterschiedlich gewichtet. Gleich ist aber überall das Prinzip: Lockt die Universität viele Studenten und Promovierende, beruft sie viele Frauen und Gastwissenschaftler aus dem Ausland auf freie Lehrstühle und ergattert sie viele Forschungsprojekte, weist sie dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit nach. Das heißt für die Hochschule: mehr Geld.

Auf dieses leistungsorientierte Finanzierungsmodell einigten sich Länder und Hochschulen vor knapp zwanzig Jahren. Vorher hatten die Hochschulen Jahr für Jahr dieselbe Summe überwiesen bekommen. Aber die Mittel waren mit strikten Vorgaben verbunden, wofür das Geld auszugeben sei. Die Ministerien wiederum vermissten Instrumentarien, um die Hochschulen effizienter machen zu können. Auf der Kultusministerkonferenz 1996 fand sich der Kompromiss. Die Hochschulen durften künftig selbst entscheiden, wofür sie die Mittel verwenden, allerdings sollten sie lernen, wirtschaftlich zu planen.

Wenn Hochschulen heute bestimmte Lehrstühle nicht neu besetzen, dann mitunter auch deshalb, weil sie mit einem anderen Fach ihre Leistungsbilanz steigern und somit mehr öffentliches Geld bekommen können. Dass sich das leistungsorientierte Finanzierungsmodell auf „bilanzschwache“ Fächer auswirkt, beobachtet die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) seit einigen Jahren …

Da die Hochschulausgaben jährlich steigen, die Grundfinanzierung durch die öffentliche Hand aber stagniert, erhöht sich der Anteil an Drittmitteln an den Hochschulbudgets. 2012 nahmen die Hochschulen 6,7 Milliarden Euro zusätzlich ein. Die wirtschaftsnahen Fächer profitieren auch bei den Drittmitteln mehr als andere Fachbereiche. Die Hälfte aller Drittmittel von Unternehmen fließt in die Ingenieurswissenschaften, jährlich sind das rund 800 Millionen Euro.

Welche Kooperationen an den Universitäten bestehen, ist oft undurchsichtig. Viele namhafte Unternehmen in Deutschland bezuschussen nicht nur Lehrstühle, sondern statten Forschungszentren mit Geräten aus, versorgen Professoren mit Forschungsaufträgen, entsenden Mitarbeiter als Dozenten oder sponsern einzelne Projekte oder Veranstaltungen.“

http://www.taz.de/Stiftungsprofessuren-in-Deutschland/!5020227/

Ralf Pauli 2015: „Lenkt die Industrie die universitäre Forschung? In seinem neuen Buch „Gekaufte Wissenschaft“ kritisiert Christian Kreiß die Abhängigkeit staatlicher Hochschulen von privaten Geldern und zeigt ihre Folgen auf: Gutachten, die Gesundheitsrisiken verschweigen, Professoren, die bei kritischen Veröffentlichungen um ihre Stelle bangen, Hochschulen, die den Geldgebern vertraglich Einflussnahme zusichern.

Seine Anschuldigungen belegt Kreiß mit haarsträubenden Beispielen aus Tabak-, Agrar- oder Pharmaindustrie. Internationale Großkonzerne wie Monsanto, BASF oder GVK Bio fälschten skrupellos Studien, um ihre Produkte zu vermarkten. Der Leser soll verstehen: Die Einflussnahme von Wirtschaftsinteressen auf Lehre und Forschung ist kein Einzelfall, sondern ein systemimmanentes Problem.

Und dem liegt, folgt man Kreiß, ein doppelter Irrglaube zugrunde: erstens die Annahme, dass industriegesponserte Forschung per se gut für die Wissenschaft sei und oft gar als Beweis ihrer Exzellenz gewertet werde. 7,1 Milliarden Euro an Drittmitteln, rund ein Viertel des gesamten Hochschuletats, warben deutsche Hochschulen 2013 bei Unternehmen und öffentlichen Forschungsprogrammen ein. 2001 waren es noch gerade mal 3 Milliarden Euro. Der Trend zeige, wie sehr sich Hochschulen um private Gelder bemühten.

Der zweite Irrglaube: Die Industrie könne gar keinen Einfluss auf Lehre und Forschung nehmen, wenn man nur die Verträge entsprechend gestalte …

Dass es an Hochschulen Selbstzensur gibt, davon ist Kreiß überzeugt: Finanzielle Abhängigkeit führe zu Wirtschaftshörigkeit. Selbst wenn es keine expliziten Vorgaben gebe, finde eine Einflussnahme in den Köpfen der Wissenschaftler statt."

http://www.taz.de/Buch-ueber-private-Uni-Finanzierung/!5201627/

Ralf Pauli 2016: „Als 2011 herauskam, dass sich die Deutsche Bank ein erhebliches Mitspracherecht an zwei Berliner Unis erkauft hatte, wollte Gabriele Heinen-Kljajić wissen, in welchem Umfang Wirtschaftsunternehmen auch in ihrem Bundesland Professuren bezahlen – und welche Gegenleistung sich die Stifter per Vertrag zusichern.

Mit einer parlamentarischen Anfrage zwang sie die niedersächsische Regierung, Vertragsdetails der staatlichen Hochschulen abzufragen. Die Antwort gab ihrem Misstrauen recht: Mehrere Universitäten im Land räumten den Geldgebern Stimmrecht bei der Besetzung der Professur ein – ein klarer Verstoß gegen das deutsche Grundgesetz …

Fünf Jahre später ist Heinen-Kljajić Niedersachsens Ministerin für Wissenschaft und Kultur. Für die Hochschulen im Land sind Drittmittel in der Zwischenzeit noch wichtiger geworden. Zwischen 2010 und 2014 stiegen sie von 493 auf 591 Millionen Euro. Sie machen heute jeden dritten Euro aus, den niedersächsische Hochschulen einnehmen. Doch wer erwartet hatte, die Ministerin würde die Unis nun per Gesetz zur Offenlegung der Kooperationen zwingen, hat sich geirrt. Heinen-Kljajić setzt beim Thema Transparenz auf die Vernunft der Hochschulen – auf Freiwilligkeit. Mit erstaunlichen Resultaten.

Die Ministerin hat die Rektoren der 20 staatlichen Hochschulen dazu gebracht, sämtliche laufenden Drittmittelkooperationen – mehr als 7.500 Projekte – online zu stellen. Seit Anfang April können Interessierte nachlesen, wer an niedersächsischen Hochschulen in wessen Auftrag zu welchem Thema forscht – und wie viel er dafür zahlt. Öffentliche Geldgeber wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Bundesministerien oder die EU sind genauso darunter wie private Stiftungen oder Wirtschaftsunternehmen.

Die seitenlangen Listen offenbaren Einblicke, die Unis selten gewähren. Ein lokales Steuerforum fördert Nachwuchswissenschaftler an der Uni Osnabrück: 15.000 Euro für ein Jahr. BMW lässt an der TU Braunschweig die Rentabilität eines E-Shuttles erforschen: 787.411 Euro für zwei Jahre. Der Pharmakonzern Novartis beauftragt Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover mit einer Studie zum Einfluss bronchialerweiternder Therapie auf die Herzfunktion. 500.000 Euro für drei Jahre.

Solche Einblicke gibt es in Deutschland bislang nur, wenn der Gesetzgeber es anordnet – wie in Bremen und Rheinland-Pfalz. Im vergangenen Jahr haben die Landesregierungen der beiden Bundesländer eine Transparenzpflicht beschlossen – mit großem Widerstand der Uni-Rektoren. Die Hochschulen versuchten zu verhindern, dass sie künftig von sich aus Drittmittelkooperationen veröffentlichen müssen …

Die Hochschulen veröffentlichen ihre Drittmittelkooperationen. Die Namen der Unternehmen und des konkreten Forschungsauftrags können sie jedoch verschlüsseln, sofern sie den Industriepartnern Vertraulichkeit zugesagt haben. Dadurch bleiben die Schutzinteressen der Unternehmen gewahrt. Gleichzeitig sollen die Hochschulen in den neuen Ethikkommissionen intern abwägen, ob sie etwa Rüstungsforschung betreiben wollen – oder in welchem Ausmaß sie ihre Drittmitteldaten anonymisieren.

Manche Hochschulen haben von diesem Recht exzessiven Gebrauch gemacht. Die Leibniz Universität Hannover etwa verschweigt fast alle Auftraggeber aus der Wirtschaft. Bei 267 Kooperationen nennt sie statt des Unternehmers einen Code, der auf den Wirtschaftszweig schließen lässt. Bei Forschungsaufträgen aus der Industrie werde in der Regel Vertraulichkeit über den Auftraggeber vereinbart, erklärt die Hochschule die hohe Zahl. Kritiker dieser Regelung fürchten, dass alle Hochschulen im Land ihren Partnern künftig Vertraulichkeit anbieten.“

http://www.taz.de/Transparenz-bei-Drittmitteln/!5299554/

Ralf Pauli 2016: „Viel deutlicher kann man nicht zurückrudern: Noch vor einem Jahr hat die Universität Mainz der taz versichert, ihr wichtigster Wirtschaftspartner nehme keinen Einfluss auf Forschung und Lehre. Am Montag nun musste Präsident Georg Krausch gleich eine ganze Reihe von „Fehlern“ in zwei Verträgen mit der Boehringer Ingelheim Stiftung einräumen.

Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Nicht nur geht es um die größte private Spende an eine Hochschule in der Geschichte der Bundesrepublik – insgesamt 150 Millionen Euro. Sondern auch um einen der wenigen Fälle, in denen Details aus den entsprechenden Verträgen bekannt geworden sind.

Die zeigen – ähnlich der 2011 geleakten Kooperationsverträge zweier Berliner Universitäten mit der Deutschen Bank –, wie gravierend die lange geleugnete Einflussnahme ist. In dem Vertrag über die erste Schenkung über 100 Millionen Euro, mit der die Uni Mainz das Institut für Molekulare Biologie (IMB) aufbaute, sichert sich die Boehringer Ingelheim Stiftung ein Vetorecht bei Personalentscheidungen. Wer dort forschen oder leiten darf, bestimmt im schlimmsten Fall nicht die Hochschule, sondern der Geldgeber. Jede Personalentscheidung – vom Lehrstuhl bis zur Geschäftsführung – bedarf der Zustimmung der Stiftung.“

http://www.taz.de/Einfluss-von-Stiftern-an-der-Uni-Mainz/!5315762/

 

Stiftungs-Professuren

 

Ralf Pauli 2015: „Welche Lehrstühle anstelle ausgelaufener Professuren neu eingerichtet werden, bestimmen zunehmend private Geldgeber mit. Rund 1.000 Stiftungsprofessuren gibt es derzeit an deutschen Hochschulen, schätzt der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Bei 45.000 Professuren an deutschen Hochschulen machen sie zwar nur 2,2 Prozent aus. Doch die Zahl der Stiftungsprofessuren hat sich in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt, während die Zahl der Professoren im selben Zeitraum nur um 1,1 Prozent gestiegen ist. Jedes Jahr kommen etliche neue Stiftungsprofessuren hinzu, die den Anteil erhöhen.

Private Stifter stecken fast siebenmal so viel Geld in die Wirtschafts-, Ingenieurs- und Naturwissenschaften wie in Geistes- und Sozialwissenschaften. Das zeigt eine Hochschulbefragung durch den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Betrachtet man alle Fächer, finden sich vier von fünf privat finanzierten Professuren in den wirtschaftsnahen Bereichen Mathematik, Natur- und Ingenieurswissenschaften und Medizin. So verstärkt die private Hochschulfinanzierung die Ungleichverteilung der Hochschulbudgets. Denn Mathematik, Natur- und Ingenieurswissenschaften erhalten, gemessen an der Anzahl der Professoren, ohnehin mehr als doppelt so viel Geld pro Lehrstuhl wie beispielsweise Sprach- oder Kulturwissenschaften.

Die Anzahl der Professuren je Fachbereich spricht eine ähnliche Sprache: Jeder fünfte Professor in Deutschland ist Ingenieurswissenschaftler. Ein weiteres Fünftel entfällt auf Mathematiker und Naturwissenschaftler. Die beiden Fachbereiche besetzen also zwei von fünf Professuren. Und sie erhalten die beiden höchsten Einzeletats aus der öffentlichen Finanzierung, zusammen 9 Milliarden Euro.

Aus diesen Zahlen folgt, dass Stiftungsprofessuren Fachrichtungen überproportional fördern, die bereits stärker finanziell ausgestattet sind und mehr Professoren beschäftigen als andere Bereiche. Stiftungsprofessuren verstärken diesen Trend aber noch in anderer Hinsicht: Wenn die vertraglich vereinbarte Förderung ausläuft, muss das für die Finanzierung zuständige Bundesland für jede neue Professur eine andere Professur auslaufen lassen oder die Hochschule eine bestehende Professur umwidmen.

Stiftungsprofessuren sind Trojanische Pferde. Hat man das Geschenk angenommen, wird man es so schnell nicht mehr los. Zwei von drei Stiftungsprofessuren werden in das Budget der Hochschulen übernommen. In Baden-Württemberg dürfen die Hochschulen die Anschubfinanzierung sogar nur dann annehmen, wenn sie sich nach der Förderung zur Übernahme der Kosten verpflichten. Die öffentliche Hand bezahlt also in den meisten Fällen früher oder später für eine Professur, die ein Unternehmen gemäß seiner eigenen Interessen gestiftet hat. Kein Wunder, dass die wenigsten Stifter eine Professur unbefristet fördern. Meist wird die Förderung nach fünf Jahren beendet.“

http://www.taz.de/Stiftungsprofessuren-in-Deutschland/!5020227/

 

Hochschulwatch

 

„1,4 Milliarden Euro fließen aus der gewerblichen Wirtschaft jedes Jahr an deutsche Hochschulen - das entspricht einem Fünftel aller Drittmittel. Versuchen Unternehmen damit, Einfluss auf die Wissenschaft zu nehmen? Ist die Freiheit von Forschung und Lehre in Gefahr?

Wir geben einen Überblick über Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft an allen deutschen Hochschulen.

Mehr als 10.000 Datensätze über Stiftungsprofessuren, Forschungskooperationen und Sponsoring finden Sie – fein sortiert – auf diesen Seiten.

1990 akquirierten deutsche Hochschulen 1,5 Milliarden Euro Drittmittel. 2001 waren es dann 3 Milliarden, weitere 10 Jahre später 6,2 Milliarden Euro. 2012 waren es 6,7 Milliarden Euro. Der Anteil der Drittmittel an den Gesamtmitteln der Hochschulen steigt seit Jahrzehnten kontinuierlich. Der Anteil der Finanzierung aus der gewerblichen Wirtschaft liegt recht stabil bei etwa 5 Prozent der Gesamtmittel.

Etwa 20 Prozent dieser Drittmittel stammten 2012 aus der gewerblichen Wirtschaft. Das entspricht mehr als 1,3 Milliarden Euro. Ein Viertel aller Mitarbeiter an deutschen Hochschulen sind über Drittmittel finanziert. Besonders stark betroffen sind Wissenschaftliche Mitarbeiter. (Quelle 1, 2)

44 Prozent der Drittmittel aus der Wirtschaft gingen 2011 in Forschungsaufträge, etwa ein Viertel in Forschungskooperationen und neun Prozent in Stiftungsprofessuren. (Quelle)

Problematisch können Drittmittel auf drei Ebenen sein: Zum einen durch direkte Beeinflussung der Drittmittelgeber, etwa durch Eingriffe in die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen. Zum anderen ist auch indirekte Beeinflussung möglich, etwa wenn die finanzielle Abhängigkeit vom Drittmittelgeber die Forschung verändert ("Schere im Kopf"). Schließlich kann sich die gesamte Ausrichtung der Forschung nach den Interessen der Drittmittelgeber ausrichten, da andere Mittel oft nicht verfügbar sind.

Wir fordern Offenlegungspflichten von Verträgen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, verpflichtende Sponsoringberichte für Hochschulen sowie die Einbindnung von Hochschulen in die Informationsfreiheitsgesezte. Eine direkte finanzielle Abhängigkeit von Wissenschaftlern zu Drittmittelgebern muss ausgeschlossen sein. Wissenschaftler müssen ein uneingeschränktes Recht auf Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse in einem angemessenen Zeitraum haben.“

https://www.hochschulwatch.de/

https://www.hochschulwatch.de/themen/forschungskooperationen.html

 

Militärische Forschung

 

Erwähnt werden soll noch, dass es an deutschen Hochschulen militärische Forschung gibt.

Aus „Wikipedia“: „Das Verteidigungsministerium erteilte seit 2010 mehr als 700 öffentliche Forschungsaufträge mit einem Volumen von über 390 Millionen Euro. Verglichen mit dem Zeitraum 2000 bis 2010, für den zuletzt vertrauliche Zahlen vorlagen, hat sich damit das jährliche Auftragsvolumen für Rüstungsforschung mehr als verdoppelt. In den Jahren 2010–2014 gingen 120 Aufträge im Wert von mehr als 28 Millionen Euro an insgesamt 41 deutsche Hochschulen. Darunter befinden sich auch die Hochschulen Tübingen, Konstanz, Frankfurt am Main, Rostock und Göttingen - Hochschulen, die sich mit einer Zivilklausel dazu bereit erklärt hatten, auf militärische Forschung zu verzichten. Spitzenreiter war die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, die seit 2010 mehr als 5,8 Millionen Euro aus dem Verteidigungsetat erhielt, gefolgt von der Kieler Christian-Albrechts-Universität (mehr als 3 Millionen Euro) und der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg (mehr als 2,2 Millionen Euro). Die Forschungsaufträge gelten unter anderem Drohnen-Schwärmen, die Feinde verfolgen sollen; aber auch an intelligenter Munition, Handfeuerwaffen, Funktechnologien, Robotern sowie an nichttödlichen Schuss- und Wurfgeräten. Weitere Projekte beschäftigten sich mit Satellitentechnik sowie mit dem Erkennen chemischer Kampfstoffe.

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen erhielten 588 Aufträge im Wert von über 360 Millionen Euro. Hier profitierte insbesondere die Fraunhofer-Gesellschaft.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Verteidigungsforschung

 

Verhältnis zum Steuerzahler

 

Aus einem früheren Beitrag des Wurms: „Und dem Wurm kommt der Gedanke, dass diese Intellektuellen oftmals in einer Parallelgesellschaft leben, vom richtigen Leben wenig mitkriegen und auch gar kein Interesse daran haben.

Wer von denen nicht selbst unter einfachen Leuten aufgewachsen ist und heute noch (bzw. wieder) solche Leute in seiner Nachbarschaft hat, wird mit Nicht-Akademikern in seinem Privatleben kaum Kontakt haben.

Und wird versuchen, sich vom einfachen Volk abzugrenzen. Anbei ein treffender Auszug aus dem Wikipedia-Artikel zum „Elfenbeinturm“:

„Heute überwiegt der negative Beigeschmack des Begriffs. Dieser bezieht sich auf einen akademischen Habitus von Forschern oder Wissenschaftlern beliebiger Disziplinen, der darin besteht, dass die innerhalb der Disziplinen herrschende extreme Spezialisierung in Bezug auf die nicht-akademische Außenwelt nicht als kommunikatives Problem erkannt werden will.

Mit einfacheren Worten: In vielen Fachgebieten haben Wissenschaftler eine sehr stark spezialisierte Fachsprache entwickelt, die von Nichteingeweihten kaum oder gar nicht verstanden wird; und trotzdem wird diese Fachsprache dann in der Kommunikation mit der Allgemeinheit verwendet, obwohl - oder gerade weil - man weiß, dass man als Wissenschaftler auf diesem Wege unverstanden bleibt.

Vielmehr wird diese Tatsache, dass auch ein überdurchschnittlich gebildeter Bürger das betreffende Fachgebiet nicht verstehen kann, als unvermeidliche – manchmal auch begrüßenswerte – Tatsache (siehe auch Fatalismus) hingenommen. Die Suche nach kommunikativen Lösungen, um Verständigungsprobleme zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu überwinden, wird entweder abgelehnt oder entsprechende Vorschläge mit dem Argument "populärwissenschaftliche Darstellung" als minderwertig abgekanzelt.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Elfenbeinturm

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/39-leben-im-elfenbeinturm.html

Oft wird nicht einmal in Erwägung gezogen, mit dem Publikum zu reden. Und oft gibt es Kontakt zu diesem überhaupt nur, weil dieser von der Politik gefordert wird.

Ein Beispiel für den Kontakt mit Normal-Sterblichen sind bei aller Kritik Science-Slams (wissenschaftliche Kurzvortrags-Turniere), die es erst seit den letzten 10 Jahren gibt: https://de.wikipedia.org/wiki/Science-Slam

Über Wissenschaftler, die populär-wissenschaftlich schreiben oder filmen, wird gerne die Nase gerümpft. Wobei „populär-wissenschaftlich“ nicht unseriös heisst, sondern eine komplexe Thematik in einer Sprache verfasst, die auch ein interessierter Laie verstehen kann. Hervorragende Vertreter von populär-wissenschaftlicher Literatur waren bzw. sind etwa Hoimar von Ditfurth und Richard Dawkins.

Es gibt Print-Medien und Fernseh-Sendungen, die sich mit wissenschaftlichen Themen beschäftigen, aber oft geht das dann show-mäßig ab und es wird das gebracht, was gut ankommt.

Außer bei den populären Umwelt-Themen weiss kaum ein Außenstehender, worüber gerade an den Universitäten geforscht wird. Es gibt kein „Jahrbuch der Wissenschaft“, in dem etwa die großen Ideen des Jahres präsentiert werden und gezeigt wird, wie es mit diesen weiter gegangen ist.

 

Verhältnis zu sich selbst

 

Professoren

 

Die Verpflichtungen eines Hochschul-Professors erschöpfen sich meist darin, 8 Stunden in der Woche während des Semesters Vorlesungen zu halten.

Auch, wenn das nicht alles ist (unter anderem kommt noch die Vorbereitungs-Zeit dazu), bleibt noch einiges an Zeit übrig. Ca. zwei Drittel der Professoren (zumindest der natur-wissenschaftlichen Fächer) haben eine eigene private Firma oder sind bei privaten Unternehmen beschäftigt.

Mit der Folge, dass lukrative Forschungs-Aufträge aus der Industrie gerne für das eigene Unternehmen genommen werden und die weniger lukrativen an die Unis gehen. Was in der Industrie zu einer Misch-Kalkulation geführt hat: den Herrn Professor gut bezahlen und die Brosamen gehen an die Unis.

Gute Leute, auch Doktoranden werden gerne direkt von der Uni für’s eigene Unternehmen rekrutiert.

Letztendlich haben die Professoren eine Vorbild- und Machtfunktion. Und eine Machtposition, die kaum Risiken beinhaltet.

Und sie wählen die neue Elite der Gesellschaft aus: an den Professoren kommt keiner vorbei.

 

Der h-Index

 

Aus „Wikipedia“: „Der h-Index ist eine Kennzahl für das weltweite Ansehen eines Wissenschaftlers in Fachkreisen. Die Kennzahl basiert auf bibliometrischen Analysen, d. h. auf Zitationen der Publikationen des Wissenschaftlers. Ein hoher h-Index ergibt sich, wenn eine erhebliche Anzahl von Publikationen des Wissenschaftlers häufig in anderen Veröffentlichungen zitiert ist …

Die Bedeutung, die der h-Index und vergleichbare bibliometrische Maße für die Karriere von Wissenschaftlern haben, führt zu Optimierungsstrategien, die sich negativ auf die wissenschaftliche Kultur auswirken. So kann es etwa zielführend sein, eine Veröffentlichung in mehrere Teile zu zerlegen und einzeln zu publizieren, natürlich mit Selbstzitaten. Eine weitere mögliche Strategie besteht darin, Gruppen („Denkschulen“) von 10 bis 15 Wissenschaftlern zu bilden, die eine eigene Zeitschrift oder ein ähnliches Publikationsorgan gründen und sich darin gegenseitig häufig zitieren.“

https://de.wikipedia.org/wiki/H-Index

Das ist bei weitem noch nicht alles. Entsprechend gibt es eine Unmenge von Fachzeitschriften, für die sich kein Mensch interessiert und teilweise muss wissenschaftler dafür zahlen, um überhaupt erscheinen zu dürfen bzw. als gut beschrieben zu werden.

 

Jeder mit jedem

 

Unter sich sind die Wissenschaftler alle voneinander abhängig. So ziemlich jeder ist Gutachter, wobei er nicht wissen soll, wessen Arbeit er begutachtet – es natürlich aber doch weiss. Und so gibt es andauernde gegenseitige Lobhudeleien.

Zu einem großen Teil erfolgt Geldverteilung für Projekte willkürlich. So verfügt etwa der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft persönlich über ein Budget von zig Millionen Euro, über die er frei verfügen kann.

Teilweise werden Pseudo-Wettbewerbe organisiert, wobei am Ende nicht begründet werden muss, wer warum welche Gelder bekommt.

Selbstverständlich schanzen sich die Kumpels die Gelder gegenseitig zu. So ähnlich wie bei der Mafia.

 

Eigene Community, die um sich selbst kreist

 

Wissenschaftler kennt sich: deshalb sind sie auch dauernd auf Konferenzen, auch international. Wobei die Themen der Konferenzen meist nebensächlich sind – es geht darum, Präsenz zu zeigen, um „Networking“.

An den Universitäten gibt es entsprechend Angebote über „Networking“ oder „Networking auf Konferenzen“. Es gibt jedoch keine Angebote, wie die Wissenschaftler als spätere Führungskräfte mit Normal-Sterblichen umgehen sollen. Mit den entsprechenden Folgen.

Wer mit dieser Thematik noch nicht in Berührung gekommen ist, wird sich vielleicht wundern. Dem Wurm jedoch sind schon mehrere Doktoren begegnet, die mehr oder weniger frisch von der Uni kommend, plötzlich eine ganze Abteilung leiten mussten. Und von der Praxis der Arbeit ihrer Mitarbeiter keinerlei Ahnung hatten. Aber meinten, die Theorie 1:1 umsetzen zu müssen. Wider jegliche Vernunft. Der Wurm ist ein sehr friedliches Geschöpf – aber diese Diplomierte und Doktoren würde er Jahre später immer noch gerne am Kragen packen und kräftig durchschütteln.

Von Akademikern ist nicht zwangsläufig eine hohe Allgemein-Bildung und interdisziplinäres Denken zu erwarten. Da sie sich nur in ihrer eigenen Community bewegen, beschäftigen sie sich oft nur mit deren Themen. Im Volksmund heisst das „Fachidiot“. Und es ist nicht außergewöhnlich, dass etwa ein Astro-Physiker sich esoterischem Quark hingibt.

 

Wissenschaftler und der Marsch für die Wissenschaft

 

Es gibt nun wahrlich genug Probleme im wissenschaftlichen Bereich. Gegen „alternative Fakten“ aus dem eigenen Bereich, staatliche Vernachlässigung, Entern des wissenschaftlichen Betriebes seitens der Wirtschaft wurde jedoch nicht marschiert.

Insgesamt werden ca. 1% der am Wissenschafts-Betrieb Beteiligten am „Marsch für die Wissenschaft“ teilgenommen haben. In Karlsruhe (zur Erinnerung: über 25.000 Studierende, über 9.000 Beschäftigte alleine am KIT) wurde überhaupt nicht marschiert. An den meisten Instituten war der Marsch noch nicht mal Diskussions-Thema.

Bertolt Brecht in „Leben des Galilei“ über Wissenschaftler: „Wie es nun steht, ist das Höchste, was man erhoffen kann, ein Geschlecht erfinderischer Zwerge, die für alles gemietet werden können.“

 

Heiner Geißler: „Absolute Transparenz“

 

Zum Schluss Klaus Rümmele 2011 im Gespräch mit Heiner Geißler:

"Herr Geißler, nehmen Politik und Wissenschaft die Sorgen der Menschen bei Fortschritt und Technologie nicht ernst genug?

Zweifellos. Politik und Wissenschaft, aber auch die Ökonomie, haben sich von den Interessen der Menschen und den Grundwerten des menschlichen Lebens entfernt. Die Erdölplattform im Golf von Mexiko oder das Atomkraftwerk in Fukushima sind gute Beispiele: Der Bau dieser Anlagen gründete auf einer hohen physikalischen und technischen Intelligenz, die Folgen für den Menschen haben die Verantwortlichen aber nicht richtig eingeschätzt oder aus finanziellen Gründen außer Acht gelassen.

Immer mehr Bürgerinnen und Bürger protestieren massiv dagegen. Was bewegt sie?

Sie erkennen, dass sie angelogen wurden. Die Aussage „Kernenergie ist sicher“ ist nicht wahr. Jetzt stellt sich heraus, dass Fukushima überall ist. Auch Karlsruhe kann in die Luft gehen, wenn ein vollgetankter Jumbo in den Meiler bei Philippsburg fliegt. Die Menschen wurden im Glauben gelassen, dass deutsche Kraftwerke die sichersten sind. Aber das stimmt nicht. In Politik und Wissenschaft hat es an Technikfolgenabschätzung gefehlt – auch beim Atommüll. Die Experten wussten, dass er die biologischen Systeme Millionen Jahre belastet, so lange sich die Strahlung eben auswirkt. Wären auch moralische und metaphysische Intelligenz gefragt gewesen, hätte man mit der Kernenergie nicht beginnen dürfen, bevor die Endlagerung sicher gestellt ist. Es mangelt der Wissenschaft häufig auch an kreativer, an prospektiver Intelligenz: Warum hat niemand ein Unglück wie das in Japan vorhergesagt?

Sie plädieren in der Politik für eine neue Form der Bürgermitbestimmung, die direkte Bürgerbeteiligung. Wie kann sie für die Forschung aussehen?

Die Wissenschaft muss die Öffentlichkeit einbeziehen, wenn es um die Folgen technologischer Entwicklungen geht, wenn physikalische, technische oder chemische Erfindungen in die Wirklichkeit umgesetzt werden sollen. Es braucht die öffentliche Diskussion darüber, ob Kernkraftwerke, Stromtrassen oder Erdölplattformen verantwortbar sind.

Aber sind viele wissenschaftliche Themen dafür nicht zu komplex?

Man muss diese Komplexität auflösen. Die Schlichtung bei Stuttgart 21 hat es vorgemacht: In sieben Sitzungen haben wir einen Faktencheck gemacht vom Fahrplan bis zu den Folgen für die Tierwelt, Entscheidungen in Frage gestellt und mit Pro und Contra beantwortet. Von den Verantwortlichen verlangt das sprachliche Intelligenz: Sie müssen ihre Vorhaben und Entwicklungen den Menschen verständlich machen.

Kann es eine risikofreie Gesellschaft geben?

Unsere Gesellschaft ist nicht risikofrei. Aber wir müssen die Risiken minimieren, nicht maximieren. Und darüber müssen Politik und Wissenschaft mit den Menschen reden, sie beteiligen. Für mehr Instrumente der unmittelbaren Demokratie, Bürgerbegehren oder Volksabstimmungen, brauchen wir ein neues Informationsszenario. Absolute Transparenz ist unabdingbar: Stuttgart 21 ist dafür ein Prototyp. Ende April tagte die Ethikkommission für sichere Energieversorgung, die Bundeskanzlerin Merkel eingesetzt hat, öffentlich – das finde ich richtig. Wenn es um die Umsetzung von technologischen Entwicklungen oder großen Infrastrukturvorhaben geht, darf das nicht hinter verschlossenen Türen verhandelt werden. Da braucht es Öffentlichkeit durch Fernsehen und Internet, um das live mitzuerleben – dann können die Bürgerinnen und Bürger auch abstimmen.

Sie kritisieren, dass in der Politik der Blick oft zu eindimensional ist. Braucht es aus Ihrer Sicht auch in der Wissenschaft mehr humanistisch-umfassend gebildete Akteure?

Bei jeder technischen Erfindung muss die Auswirkung auf den Menschen abgeschätzt werden. Das ist eine philosophische Frage. Wir müssen uns zurückbesinnen auf die Einheit der Wissenschaft und auch zu einem Bildungssystem finden, das eine ganzheitliche Betrachtung ermöglicht. Wir dürfen Schülerinnen und Studenten nicht zu sehr spezialisieren, sondern müssen sie ausreichend darin schulen, eine gebündelte Intelligenz in ihre Arbeit einzubringen. Neben der Fach- brauchen sie auch soziale, kreative, kritische und moralische Intelligenz, um verschiedene Aspekte zusammen lesen und denken zu können. Das ist das Gegenteil von Spezialisierung. Den Natur- und den Technikwissenschaften, aber auch den Wirtschaftswissenschaften fehlt oft die philosophische Information und ganzheitliche Betrachtungsweise. Jede Disziplin denkt, sie sei autark. Wenn sie aber im Interesse des Menschen sein sollen, sind die Fächer Teil eines Ganzen und alle voneinander abhängig. Wenn wir das wieder beherzigen, dann nimmt uns auch nicht mehr jede technische Erfindung ein Stück Selbstständigkeit. Ich bin Bergsteiger – und erlebe immer wieder, wie Menschen sich auf ihr Handy verlassen und Gefahren nicht mehr richtig einschätzen. So begeben sie sich in Situationen, die sie persönlich nicht beherrschen. Beim Ausfall der Geräte führt das zum Chaos. Das ist eine partielle Entmündigung."

http://www.pkm.kit.edu/downloads/lookKIT_02_2011.pdf

 

 

Dada

 

Unsere kleine Polizei-Station

 

Wir befinden uns im Jahre 2017 unserer Zeitrechnung. Ganz Deutschland ist von Verbrechern besetzt … Ganz Deutschland? Nein! Eine von unbeugsamen Hütern des Gesetzes bewohnte Polizei-Station hört nicht auf, dem Verbrechen Widerstand zu leisten.

Und so ist halt noch vieles in Ordnung in der Region. Denn für Ruhe, Ordnung und Gerechtigkeit sorgt der Polizeiposten Rüppurr.

Kleine und große Spitzbuben, mehr oder weniger Leichtgläubige, Verrückte und Alkoholisierte, mehr oder weniger wilde Tiere treiben hier ihr Unwesen. Der Polizeioberkommissar und Chronist Karl Sauter hält diese Vorkommnisse fest im Buch „Tatort Rüppurr – Karl Sauters Notizen aus dem Polizei-Alltag“ aus dem Jahr 2005, jeweils monatlich im lokalen „Rieberger Bläddle“ und „Monatsspiegel“ und im Internet:

http://www.polizei.rueppurr.de/index.php?action=berichte

http://www.polizei.rueppurr.de/index.php?action=cms&id=1

Von Zeit zu Zeit möchte der Wurm eine dieser Geschichten zitieren. Diesmal geht es um folgenden Fall:

 

Der Kuchenverschenktrick

 

Auf eine ganz hinterhältige Art und Weise wurde Anfang Juni eine ältere Dame aus der Nikolaus-Lenau-Straße um ihren Schmuck gebracht. Zunächst meldete sich telefonisch ein Mann bei ihr und gab sich als Nachbar aus dem Haus gegenüber aus. Er sagte, dass seine Tochter Geburtstag feiere und es laut werden könnte. Er lud die Frau auch zur Feier ein, was sie allerdings ablehnte.

Knapp zwei Stunden später klingelte es an der Haustür und es meldete sich ein Mann, welcher sich als der Nachbar mit der Geburtstagsfeier ausgab. Er wolle Kuchen vorbeibringen, so der Grund seiner Anwesenheit, woraufhin er ins Haus und die Wohnung gelassen wurde. Er war etwa 40 Jahre alt, von kräftiger Statur und etwa 175 cm groß. In den Händen hielt er einen kleinen eingepackten Kuchen. Zielstrebig betrat er die Wohnung, wollte noch einen Blick aus dem Wohnzimmerfenster werfen und setzte sich dann in die Küche, wo er die über 80 Jahre alte Wohnungsinhaberin in ein Gespräch verwickelte.

Nach etwa zehn Minuten erhielt er einen Anruf, welchen er kurz entgegennahm und daraufhin die Wohnung verließ. Die Wohnungsinhaberin war zunächst sorglos und verzehrte später einen Teil des Kuchens, der nicht schlecht gewesen sein soll aber halt nicht selbst gebacken, mit Bekannten.

Letztendlich ließ ihr dieser sonderbare Besuch aber doch keine Ruhe und sie überprüfte ihre Sachen. Dabei musste sie leider feststellen, dass ihr Schmuckkoffer aus dem Gästezimmer fehlte. Offenbar hatte der angebliche Nachbar, er sprach deutsch ohne erkennbaren Akzent, war gepflegt und er hatte beinahe eine Glatze, unbemerkt vor dem Gespräch in der Küche die Wohnungstür geöffnet und einen Komplizen eingelassen. Dieser durchsuchte offensichtlich die Schränke nach Wertgegenständen, entwendete den Schmuck, verließ die Wohnung und meldete sich anschließend telefonisch, woraufhin auch der „freundliche Nachbar“ ging.

Einem Mitbewohner des Hauses ist in diesem Zusammenhang aufgefallen, dass kurz zuvor eine fremde Person schnellen Schrittes durch das Treppenhaus zum Ausgang ging, wobei es sich bei ihm um den eigentlichen Dieb gehandelt haben dürfte. Er wurde wie folgt beschrieben: Ca. 180 cm groß, braunes Haar, welches seitlich etwas kürzer geschnitten war, ca. 20 bis 30 Jahre alt und ebenfalls von kräftiger Statur.

 

Das Leben geht weiter: Ob Freispruch oder Zuchthaus – und auf die Guillotin' hat unser Herr Polizeioberkommissar Karl Sauter eh niemanden geschickt.

Es ist eine liebe Zeit – trotz der Vorkommnisse, menschlich halt. Und darum kommt es immer wieder zu diesen Szenen – beim Polizeiposten Rüppurr.

 

 

 

 

Dadaistische Damen grüßen vom Balkon in Odessa – der Wurm grüßt zurück!

 

 

 

Aus dem Reisebericht „Multikulti in Odessa“: „Am angenehmsten ist die Gegend um die Derbasivska-Straße mit zahlreichen Straßencafés und einer üppigen Passage. "Derbasivska" ist eine Verballhornung des Namens des Eroberers und ersten Statthalters der Stadt: de Ribas.“

http://www.edwin-grub-media.de/reiseberichte/europa/ukraine/odessa.html