„Mit einer bewegenden Trauerfeier hat Polen von der Regie-Legende Andrzej Wajda Abschied genommen. Neben Familie und Freunden erwiesen zahlreiche Film- und Kulturschaffende sowie Politiker dem Regisseur am Mittwoch in der Krakauer Dominikanerkirche die letzte Ehre.

Wajda war am 9. Oktober im Alter von 90 Jahren in Warschau gestorben. "Ein grosser polnischer Künstler ist von uns gegangen", sagte Jacek Bromski, Direktor der Vereinigung polnischer Filmemacher. Wajda hätte Polen der Welt durch seine Filme wie kein anderer nähergebracht, zitierte ihn die Nachrichtenagentur PAP.

Bei der Zeremonie, an der auch Präsident Andrzej Duda teilnahm, wurden Briefe des Ex-Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers Lech Walesa sowie von Roman Polanski ("Der Pianist") verlesen. Anschliessend wurde die Urne mit Wajdas Asche auf dem Salwator-Friedhof in Krakau beigesetzt.

Der Theater- und Filmregisseur war durch Filme wie "Das gelobte Land", "Danton" oder "Der Mann aus Marmor" weltbekannt geworden. 2000 erhielt Wajda den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk. Auch posthum könnte er mit der goldenen Statue ausgezeichnet werden. Sein jüngstes Werk "Powidoki" ("Nachbilder"), ein Biopic über den Künstler Wladyslaw Strzeminski, ist Polens Kandidat für den fremdsprachigen Oscar.“

http://www.basellandschaftlichezeitung.ch/kultur/film/polen-verabschiedet-meister-regisseur-andrzej-wajda-130654622

Andrzej Wajda wird gerne auf Polen reduziert, was der Wurm nicht gerne hört. Zum einen ist Polen ein bedeutendes Land in Europa und sogar in der Welt und zum anderen waren Andrzej Wajdas Film- und Theater-Inszenierungen (auch in Deutschland und Frankreich) durch Qualität und Thematik von großer Wichtigkeit.

 

Großes Kino aus Polen

 

Für alle, die Andrzej Wajda nur wenig bzw. gar nicht kennen, empfiehlt sich folgender Dokumentar-Film:

„Als Hommage an den großen polnischen Regisseur Andrzej Wajda, gestorben am 9. Oktober, zeigt ARTE Andrzej Wolskis Dokumentarfilm über den Menschen Wajda und sein Werk. Der Film ist nur wenige Monate vor dem Tod des Regisseurs entstanden.

Kurz vor Wajdas 90. Geburtstag am 6. März 2016 zeigte der Regisseur Andrzej Wolski seinem berühmten Landsmann Andrzej Wajda gemeinsam ausgewählte Szenen aus dessen Filmen und ließ ihn unmittelbar darauf reagieren. Die Sitzungen fanden in einem Schneideraum der von Wajda fünfzehn Jahre zuvor in Warschau gegründeten „Andrzej Wajda Master School of Film Directing“ statt. Aus diesem Material erstellte der Dokumentarfilmer eine Wajda-Masterclass. Die blauen Augen des knapp 90-jähren Filmemachers blinken während der Arbeit immer noch so lebendig und schalkhaft wie eh und je, seine Worte sind unverändert feinsinnig, humorvoll und wohlwollend. Besonders beredt wird er, wenn es um seine Lieblingsthemen geht. In seinen voller Engagement vorgetragenen Kommentaren zu den Filmausschnitten gibt Wajda neuartige Einblicke in seine cineastischen „Küchengeheimnisse“ und stellt die Szenen in ihren jeweiligen historisch-politischen Zusammenhang. So erschließen sich dem Seher die verschlungenen Wege der polnischen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg auf zugleich lehrreiche und faszinierende Weise.“

http://www.arte.tv/guide/de/071548-000-A/andrzej-wajda-gro%C3%9Fes-kino-aus-polen?country=DE

Andrzej Wajda geht hier auf folgende Filme ein:

 

Eine Generation

Der Kanal

Asche und Diamant

Die unschuldigen Zauberer

Das gelobte Land

Der Mann aus Marmor

Die Mädchen von Wilko

Der Mann aus Eisen

Danton

Pan Tadeusz

Das Massaker von Katyn

Walesa: Der Mann aus Hoffnung

 

 

Aus dem Jahr 1966 gibt es folgendes Kleinod zu sehen: „Die Zeit unter der Lupe“ mit Andrzej Wajda zu Besuch in Hamburg (die ersten 2 ½ Minuten):

https://www.filmothek.bundesarchiv.de/video/586731?set_lang=de

 

Wer sich näher für Andrzej Wajda als Person interessiert: „Andrzej Wajda - Ein Selbstportrait“

https://www.youtube.com/watch?v=YDc2yrhpceg

https://www.youtube.com/watch?v=Iumd3sYWO6s&spfreload=5

https://www.youtube.com/watch?v=Qix_7mTFpJI

https://www.youtube.com/watch?v=XCLBQHcYUI8

 

Nachrufe

 

Die Nachrufe in den großen Medien werden nach Wurmes Meinung Andrzej Wajdas Bedeutung nicht zur Gänze gerecht. Auffallend ist, dass jeder Kritiker andere Lieblingsfilme von Andrzej Wajda hat.

Zunächst eine ältere Filmkritik vom “Filmdienst“ zu „Der Mann aus Eisen“:

„Rekonstruktion der politischen Entwicklung Polens während der 70er Jahre im Spiegel der Lebensgeschichte einiger Personen, die schon in Wajdas Film "Der Mann aus Marmor" (1976) vorkamen. Ein angepaßter Reporter erlebt den politischen Umschwung des Jahres 1980 und recherchiert die Vorgeschichte in der Biografie eines Streikführers, der der Sohn eines Propagandahelden aus der stalinistischen Ära ist. Ein politisch engagierter Film, entstanden aus der Unmittelbarkeit der Situation; ein leidenschaftliches Plädoyer für Menschenrechte, Demokratie und das Vertrauen in die eigene Kraft. - Sehenswert.“

http://www.filmdienst.de/nc/kinokritiken/einzelansicht/der-mann-aus-eisen,9624.html

Florian Kellermann: „Schon 1977 kritisierte Andrzej Wajda mit "Der Mann aus Marmor" das verlogene politische System in Polen. Und auch auf die aktuelle Politik der rechtskonservativen Regierungspartei PiS war der Regisseur nicht gut zu sprechen. Mit 90 Jahren ist Andrzej Wajda jetzt gestorben.

Polen – das war sein Lebensthema: Unser Kinokritiker Jörg Taszman blickt zurück auf das Lebenswerk von Andrzej Wajda. Er empfiehlt vor allem seinen Film "Asche und Diamant".

Andrzej Wajda war bis zuletzt ein höchst politischer Mensch. In seinem letzten Interview sagte er über die Atmosphäre in Polen:

"Es gefällt mir nicht, dass eine Gruppe das Land so klar dominiert. Das ist doch keine Demokratie. Ich verstehe, dass unser Wahlsystem dazu geführt hat. Aber wir können nicht alle einer Gruppierung unterordnen, denn diese repräsentiert nicht die ganze Gesellschaft. Und wenn jemand anders denkt, dann heißt es: Ihr könnt doch ins Ausland gehen, wir wollen Euch hier nicht."

Dass er auf die rechtskonservative Regierungspartei PiS nicht gut zu sprechen ist, die im Parlament mit absoluter Mehrheit regiert, machte Wajda immer wieder deutlich. Nicht zuletzt durch seinen Film über Lech Walesa, den ehemaligen Anführer der unabhängigen Gewerkschaft "Solidarnosc". "Mann der Hoffnung" nannte Wajda ihn in seinem historischen Portrait, obwohl die PiS sich längst auf den Friedensnobelpreisträger eingeschossen hatte.

Das hinderte den polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda, der aus der PiS stammt, nicht daran, als einer der ersten einen kurzen Nachruf zu veröffentlichen. Als "herausragenden Regisseur" bezeichnete Duda den mit 90 Jahren Verstorbenen.

Ergriffen zeigte sich der Schauspieler Daniel Olbrychski, der in 13 Wajda-Filmen auftrat:

"Ich habe in meinem Leben keinen Regisseur getroffen, der es so verstanden hätte, mit den Schauspielern zu arbeiten. Er hat die Menschen geliebt, mit denen er gearbeitet hat. Gleichzeitig war er ihr schärfster Kritiker. Wenn er die Stirn auch nur ein bisschen in Falten gelegt hat, habe ich gewusst, dass ich in der nächsten Aufnahme besser machen muss."

Wajda erhielt im Jahr 2000 den Oscar und 2006 auf der Berlinale den Goldenen Ehrenbären, beides für sein Lebenswerk.

Schon in den 1950er-Jahren eckte er bei den kommunistischen Machthabern an. Wajda weigerte sich, die Konvention des sozialistischen Realismus zu übernehmen. So war der Held seines Dramas "Asche und Diamant", das unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg spielt, nicht der kommunistische Funktionär wie in der Buchvorlage. Vielmehr machte Wajda einen Kämpfer der polnischen Heimatarmee zur Hauptfigur. 20 Jahre später hatte der Regisseur auch internationalen Ruhm erlangt und schaffte es deshalb, einen offen regimekritischen Film zu drehen. "Der Mann aus Marmor", erschienen 1977, legt die Verlogenheit und die Zensur in der Volksrepublik Polen bloß. Wajda erinnerte sich später:

"Ich habe 13 Jahre warten müssen, bis ich den Film umsetzen konnte. So lange lag das Drehbuch bei mir in der Schublade. Jedes Jahr habe ich nachgefragt, aber die Politiker wollten ihn nicht. Erst, als sich der politische Wind ein wenig geändert hatte, konnte ich loslegen und habe den ´Mann aus Marmor` sogar beim polnischen Filmfestival zeigen können."

Wajda engagierte sich beim Streik auf der Danziger Leninwerft drei Jahre danach und bei der Entstehung der Gewerkschaft "Solidarnosc". Später kehrte er in seinem Schaffen immer wieder in die Zeit der Volksrepublik zurück, so bei seinem letzten, gerade erst vorgestellten Film "Powidoki", dem diesjährigen polnischen Kandidaten für den Oscar. Er handelt von einem Maler, der den Sozialistischen Realismus als Stil ablehnt.

Mit Andrzej Wajda verliert Polen eine seiner größten künstlerischen Persönlichkeiten.“

http://www.deutschlandradiokultur.de/regisseur-andrzej-wajda-ist-tot-ein-grosser-verlust-fuer.2165.de.html?dram:article_id=368051

Gerhard Gnauck: „Dieser Mann war Polens Kino und Polens Geschichte

Andrzej Wajda war Polens wichtigster Filmregisseur der Nachkriegszeit. Ein Chronist seines Landes, moralische Instanz, Gesellschaftskritiker mit der Kamera. Jetzt ist Wajda 90-jährig gestorben.

Welches Land hat einen Regisseur, von dem seine Landsleute sagen können: Er hat unsere Geschichte verfilmt? Polen mit seinem oft so unglücklichen Schicksal gehört in dieser Hinsicht zu den glücklichen Ländern. Es hat – das Präsens darf man stehen lassen – Andrzej Wajda. Der Oscar-Preisträger, 1926 in Suwalki im Nordosten des Landes geboren, war in der Zeit zwischen dem Zweiten Weltkrieg und heute zweifellos einer der bedeutendsten Regisseure Polens.

Statt der Frage, welche historischen Ereignisse er auf die Leinwand gebracht hat, wäre schneller zu beantworten, welche er ausgelassen hat. Mit einem Wort: Wajda hat in der polnischen Kultur eine führende Rolle gespielt und hatte Einfluss auch auf das politische Geschehen. Ein öffentlicher Intellektueller, der sich gern einmischte. Aber die Sprache, in der er die meisten erreicht hat, in Polen und darüber hinaus, war die Sprache der Leinwand. „Wer wären wir heute ohne Wajdas Filme, ohne diese Geschichten“, fragte einmal der Publizist Adam Michnik.

Andrzej Wajda hat in seinem Werk die Grundbegriffe der polnischen Tradition, Kultur und Geschichte durchgearbeitet. Wer Polen besser kennenlernen wollte, erfuhr schnell genug, dass er ohne Geschichtskenntnis nicht weit kommen würde. Wajda hat den ausländischen (nicht nur den westlichen, auch den russischen und japanischen) Zuschauern entscheidend geholfen, Polen zu verstehen. Von diesem pädagogischen Nebenverdienst einmal abgesehen, war er ein genialer Filmkünstler. Seine Werkstatt war tief in der universellen, der europäischen Kultur verwurzelt.

Schon einer seiner ersten Filme, „Asche und Diamant“ (1958), erinnert in vielem an eine griechische Tragödie. Er spielt in einer polnischen Provinzstadt, an einem einzigen Tag im Mai 1945: Der junge polnische Partisan Maciek erschießt einen Vertreter der neuen Machthaber, den aufrechten Kommunisten Szczuka, und wird wenig später – aufgrund eines Missverständnisses – selbst erschossen.

Ein Film über Liebe und Hass, Jugend und Reife, Ehre und Verrat, Freiheit und Tyrannei. Darum geht es auch in weiteren Werken aus Wajdas Anfangszeit, wie „Der Kanal“ oder „Die jungen Zauberer“. Frühe Erfolge des Regisseurs: Ein Genie legt gern schon in jungen Jahren Meisterwerke vor.

Ohne in historische Details zu versinken: Wajdas Filme zeigen Szenen, die früher oder später zu „klassischen“ Bildern geworden sind, ohne die man sich das europäische Kino nicht mehr vorstellen kann. Etwa jene in der vom Krieg zerstörten Kirche, wo die Christusfigur mit dem Kopf nach unten hängt („Asche und Diamant“). Diese und andere Szenen wurden natürlich, gerade aufgrund der damals herrschenden Zensur, als „nationale“ Parabeln gedeutet. Aber sie waren auch unabhängig davon Zuschauern im Ausland verständlich.

Das Werk Andrzej Wajdas ist deshalb auf verschiedenen Ebenen zu deuten. Einerseits scheint es sein Lebensziel gewesen zu sein, möglichst alles, was für seine Landsleute von Bedeutung war, auf die Leinwand zu bringen. Die Liste ist lang: Da wären der Zweite Weltkrieg, die deutschen Konzentrationslager („Landschaft nach der Schlacht“), der Holocaust („Korczak“, „Die Karwoche“), die NS-Kollaboration (in dem wenig bekannten Fernsehfilm „Das Urteil gegen Franciszek Klos“), schließlich „Katyn“ über das große sowjetische Massaker; zur deutschen Erstaufführung kam Angela Merkel, damals bereits Bundeskanzlerin.

Auch wenn gerade mal kein Krieg herrschte, war Polens Geschichte spannend und spannungsreich genug: Das Zusammenleben von Polen, Deutschen und Juden in der aufstrebenden Industriestadt Lodz („Das gelobte Land“) wurde Wajda ebenso zum Thema wie, marxistisch ausgedrückt, die „Widersprüche“ in der kommunistischen Diktatur.

Ihr schrittweiser Niedergang führte Wajdas Kamera, wie sich am Ende herausstellen sollte, zu einer regelrechten Trilogie: „Der Mann aus Marmor“ (1977) nahm die 50er-Jahre in den Blick, „Der Mann aus Eisen“ (1981) behandelte die Gründung der Solidarność-Bewegung ein Jahr zuvor, bis „Walesa. Der Mann aus Hoffnung“ 2013 die ganzen 80er-Jahre nachzeichnete, von der Haftzeit des Arbeiterführers über die Freilassung bis zum finale grande des Jahres 1989.

Daneben hat Wajda immer wieder auf Klassiker der polnischen Literatur zurückgegriffen. So entstanden „Die Hochzeit“ (nach Wyspianskis Drama von 1901), „Die Mädchen von Wilko“ (nach Iwaszkiewicz) oder, lange erwartet und ausgiebig gefeiert, „Herr Thaddäus“ nach dem polnischen Nationalepos von Adam Mickiewicz.

Polen wäre freilich nicht Polen, wenn die Texte – und später die Filme - nicht immer auch als Kommentare zur jeweiligen Gegenwart gelesen worden wären. So erkannte man in der „Hochzeit“ Anspielungen auf die nationalkommunistische und antisemitische Welle des Jahres 1968, die kurz zuvor durchs Land gegangen war.

Für viele Zuschauer ist Wajda auch derjenige, der eine Reihe von Schauspielern erst zu Kinostars werden ließ. Zbigniew Cybulski, Krystyna Janda, Kalina Jedrusik oder Daniel Olbrychski spielten bei Wajda ihre wohl besten Partien. Sie wurden zu den Lieblingshelden ganzer Generationen polnischer Zuschauer. Was wären sie ohne diese Filme, ohne diese Rollen? Kaum auszumalen. Und klängen uns Krzysztof Komeda oder Wojciech Kilar so deutlich im Ohr, wenn sie nicht die Musik für Wajdas Filme geschrieben hätten?

Kaum jemand wagte, Wajdas Guru-Rolle in der polnischen Filmindustrie direkt anzufechten; doch gelegentlich wurde er auch mit heftiger Kritik überzogen. Vielleicht, weil manche Filme quer zu den Klischees gedreht wurden. Weil der Regisseur sich, anders gesagt, nicht viel um die „Mainstream“-Meinung scherte. Und das, obwohl seine Filme oft genug zentrale Themen der polnischen Gesellschaft berührten, also niemanden gleichgültig ließen.

Wajda war oft mitten im gesellschaftlichen Geschehen. Vielleicht sah er so seine Rolle: nicht nur als Filmemacher, sondern als einer, der das gesellschaftliche Leben und Treiben bewertet und kritisiert, nicht mit dem Knüppel, gern mit dem Florett. Vielleicht musste er diese Rolle lernen, weil der größte Teil seines künstlerischen Lebens in die Zeit der Diktatur fiel?

So war zwar „Asche und Diamant“ der erste Film, der die polnische Heimatarmee, den Widerstand in der Weltkriegszeit, legitimiert; andererseits persifliert der Regisseur hier die einstigen adeligen und großbürgerlichen Schichten. Der Kommunist Szczuka erweckt dabei durchaus Sympathie und Mitleid. Doch nicht nur er, alle Figuren erleiden ein tragisches Schicksal.

In diesem Film erkannte man die Einstellung Wajdas zum Wiederaufbau und zum „neuen Polen“ und verstand seine Haltung als Distanzierung von der Vorkriegsgesellschaft, als Rehabilitierung der Generation, die ihre Jugend im Krieg verloren hatte, und zugleich als Signal der Bereitschaft, die Aufgaben der Gegenwart anzupacken.

Von diesem Moment an begleitete Wajda seine Landsleute und versuchte, immer neue Ereignisse der Geschichte auf die Leinwand zu übertragen. Die Geschichte hat seine Familie nicht geschont: Sein Vater war unter den Opfern von Katyn; er selbst hat den polnischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer als jugendlicher Kurier selbst miterlebt.

Für die spätere Zeit zeigte seine dicke Akte bei der polnischen Staatssicherheit, dass es durchaus möglich war, Karriere zu machen, ohne andere Menschen zu bespitzeln. Nach dem „Mann aus Marmor“ galt Wajda klar als Feind des Systems; erst recht, als er „verdächtigen Elementen“ wie Adam Michnik als Statisten ein Auskommen sicherte.

Von jetzt an wurden sein Filmwerk ebenso wie sein Privatleben gründlich durchleuchtet, wobei jeder Verdacht fein säuberlich notiert wurde („typischer Bisexueller“, „angeblich jüdischer Herkunft“). Aber damals fand er auch den ruhenden Pol im Leben, seine (vierte) Frau, die Schauspielerin und Szenografin Krystyna Zachwatowicz. Nach mehr als 40 Jahren hat der Tod sie jetzt geschieden.

„Asche und Diamant“: Die Worte stammen vom romantischen Dichter Cyprian Kamil Norwid. Der Regisseur würde es wohl den Zuschauern überlassen, welchen seiner Filme sie für den größten „Diamanten“ halten. Keine leichte Wahl.

Mehrere waren für Oscars nominiert, manche ernteten Goldene Palmen, Löwen, Ähren oder, auf der Berlinale, den Silbernen Bären („Die Karwoche“, 1996). Als vollauf berechtigte Zugabe kamen noch drei Preise für das Lebenswerk: der Goldene Ehrenbär der Berlinale, der Europäische Filmpreis und der Oscar.

„Powidoki“ (Nachbilder), sein von der Biografie des Avantgarde-Künstlers Wladyslaw Strzeminski (1893 bis 1952) inspirierter letzter Film, ist in diesem Jahr Polens Oscar-Kandidat für den besten fremdsprachigen Film. Jetzt ist Andrzej Wajda kurz nach seinem 90. Geburtstag in Warschau gestorben.“

https://www.welt.de/kultur/kino/article158655427/Dieser-Mann-war-Polens-Kino-und-Polens-Geschichte.html#Comments

Das waren die beiden besten Nachrufe, die der Wurm in den großen Staatsmedien finden konnte.

Gut und schön - aber kaum Aussagen zu seinen politischen Meinungen und dem Einfluss, den er damit ausübte.

Von ganz anderem Kaliber sind da schon die internationalen Sozialisten, bei denen mensch sich ein deutlich besseres Bild über Andrzej Wajda machen kann. Der Wurm teilt nicht immer deren Meinung, schätzt aber häufig ihre Analysen, die er gerne zitiert. Zum Verständnis des folgenden Textes ist wichtig zu wissen, dass es sich bei den internationalen Sozialisten um Trotzkisten handelt. Mit den Worten „Stalinismus“ bzw. „stalinistisch“ sind bei ihnen die sozialistischen Systeme russischer (also „stalinistischer“) Art gemeint. Der Stalinismus endet in dieser Denkart nicht in den 1950er Jahren, sondern erst mit dem Ende dieser sozialistischen Systeme.

Dorota Niemitz und Stefan Steinberg: „Am 9. Oktober starb in Warschau der neunzigjährige Film- und Theaterregisseur Andrzej Wajda an Lungenversagen. Er gehörte zu den prominentesten Persönlichkeiten im kulturellen Leben Nachkriegspolens.

Der 1926 in einer Kleinstadt im Nordosten Polens geborene Wajda begann seine Karriere als Filmschaffender in den 1950er Jahren. Er legte eine Reihe von Arbeiten vor, in denen er sich mit historischen Schlüsselereignissen des zwanzigsten Jahrhunderts wie dem Zweiten Weltkrieg, dem Holocaust oder der stalinistischen Nachkriegszeit auseinandersetzte. Seine Filme zählen zum Kanon des polnischen und europäischen Kinos und hatten großen Einfluss sowohl auf seine Zeitgenossen als auch auf nachfolgende Generationen.

In seinem Heimatland gilt Wajda als besonders geachteter und wichtiger „Dokumentarist” seiner Zeit. Er lehnte die Beschränkungen des stalinistischen „Sozialistischen Realismus“ ab und trat für die Wiederbelebung des Symbolismus im Geiste der romantischen Traditionen Polens des neunzehnten Jahrhunderts ein. Gemeinsam mit prominenten Persönlichkeiten wie Wojciech Has, Andrzej Munk und Kazimierz Kutz war er eine treibende Kraft jener Bewegung, die später als „Polnische Filmschule“ bekannt wurde.

Viele der frühen Wajda-Filme, darunter Eine Generation (1954), Der Kanal (1956) und Asche und Diamant (1958), sind ernsthafte und wertvolle Versuche, die Komplexität der zeitgenössischen Geschichte und Politik Polens darzustellen. Seine letzten Filme hingegen ähneln immer stärker einer staatlich verordneten Propaganda. Dieser betrübliche Niedergang eines sehr talentvollen Künstlers hängt mit Wajdas eigener politischer Sicht auf die umfassenderen historischen Entwicklungen im Nachkriegspolen zusammen.

Wajda gehörte einer Generation an, die zwischen den imperialistischen Weltkriegen geboren wurde. Wer den Zweiten Weltkrieg überlebt hatte, hatte sowohl die Erfahrung von Faschismus als auch von Stalinismus erlebt. Viele Künstler, darunter Wajda selbst, fühlten sich eine Zeitlang vom Sozialismus und Marxismus angezogen. Doch sie standen vor der Schwierigkeit, sowohl dem stalinistischen als auch nationalistischen Druck ihrer Zeit standzuhalten. Für kurze Zeit kam er mit dem antifaschistischen Widerstand der polnischen Heimatarmee (AK – Armia Krajowa) in Berührung, die für eine bürgerliche Republik kämpfte. Später erlebte der junge Wajda den Krieg im provinziellen Radom und danach in Krakau, wo er von der deutschen Besatzung relativ verschont blieb.

Sein Vater Jakób, ein Leutnant der polnischen Armee, galt seit September 1939 als vermisst. Später wurde erklärt, er sei unter mysteriösen Umständen von sowjetischen Einheiten erschossen worden. Das Trauma des Verschwindens seines Vaters machte Wajda lange zu schaffen. Erst sehr viel später in seiner Laufbahn versuchte er, das Erlebnis mit seinem Film Katyń (2007) aufzuarbeiten. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau, und 1950 an der berühmten Filmhochschule Łódź. Im Jahr 1948 trat er der herrschenden stalinistischen PPR (Polska Partia Robotnicza, Polnische Arbeiterpartei) bei.

Damals war Wajda der Ansicht, dass Künstler und Intellektuelle den in ihrem Land stattfindenden sozialen und politischen Wandel unterstützen müssten. Als er sich 1950 um die Zulassung zur Filmhochschule Łódź bewarb (zu deren Absolventen auch Roman Polański und Krzysztof Kieślowski zählen), schrieb er: „Neben Talent und Realitätssinn benötigt ein Filmregisseur eine marxistische Haltung gegenüber Leben und Kunst.“

In Übereinstimmung mit dieser Grundhaltung drehte Wajda seinen Debütfilm als Regisseur: Eine Generation (1954), ein Schwarzweißfilm über junge kommunistische Partisanen im von Nazideutschland okkupierten Warschau. Die Partisanen werden im Gegensatz zu den Kräften der probürgerlichen Heimatarmee positiv dargestellt. Der vom italienischen Neorealismus inspirierte Film, getragen von guten Leistungen der Schauspieler und des Regisseurs, zeigt junge, oftmals sehr jugendliche Männer und Frauen, die unter Kriegsbedingungen vor extreme Situationen und dramatische Entscheidungen gestellt werden.

Der zweite Teil von Wajdas Kriegstrilogie, und möglicherweise der beste, ist Der Kanal (1957). Hier lässt Wajda meisterhaft die letzten Tage im Leben verschiedener Kämpfer im Warschauer Aufstand lebendig werden, die versuchen, einen Weg durch das städtische Kanalsystem zu suchen. Der Kanal, dem die Silberne Palme beim Filmfestival von Cannes verliehen wurde, ist ein innovatives Meisterwerk des Antikriegskinos. Er verbindet Realismus mit Spannung und nutzt neuartige Ton- und Lichteffekte. In Polen selbst wurde er jedoch nicht wohlwollend aufgenommen. Der nutzlose Tod der Helden des Aufstands, inmitten von Schmutz und Exkrementen, entsprach nicht dem idealisierten Bild von Märtyrern der Nation.

Asche und Diamant (1958), der dritte Teil dieser Trilogie, war einer der umstrittensten und meistdiskutierten Streifen der polnischen Filmgeschichte. Wajdas Spielfilm, unter Mitwirkung des Darstellers Zbigniew Cybulski (häufig als „polnischer James Dean” bezeichnet), handelt von Nachkriegsunternehmungen antikommunistischer AK-Partisanen, denen befohlen wurde, prosowjetische Regierungsbeamte zu ermorden. Wajda zeichnet kunstfertig die Tragödie von Maciek (Cybulski). Dieser bekommt Zweifel an der Ausführung eines Mordes an einem Mann, einem kommunistischen Beamten, den er persönlich kennt. Die Mehrdeutigkeit der Filmhandlung brachte Wajda sowohl Kritik als auch Lob ein. Es wird deutlich, dass seine Sympathien bei Maciek liegen. Wajda porträtiert in diesem Film die Tragik der romantischen Kriegshelden seiner eigenen Generation, indem er ein „mythisches“ Bild von einem Tag im Leben eines tragischen Charakters zeichnet, der auf dem „Müllhaufen der Geschichte“ stirbt.

Wajdas Haltung gegenüber nationalen Symbolen und Helden wurde kontrovers gesehen. So griffen die nationalistischen Kreise den Spielfilm Lotna (1959) massiv an, weil er den Septemberfeldzug (Hitlers Überfall auf Polen) angeblich ahistorisch behandelte. Darin zeigte er einen Angriff der polnischen Kavallerie gegen deutsche Panzer. Manche kritisierten Wajda auch im Fall von Eine Generation heftig, weil er sich zu sehr an das stalinistische Regime angelehnt habe.

Als im Jahr 1965 Feuer und Asche in die Kinos kam, entbrannte aufs Neue eine heftige Debatte über die Behandlung polnischer Geschichte. Kritiker und nationale Kreise attackierten Wajda, weil er die Geschichte auf wenig schmeichelhafte Weise darstelle. Das sensible Thema des Films, der zur Zeit der Napoleonischen Kriege spielt, ist die Rolle polnischer Soldaten. Während sie aufseiten der Napoleonischen Armee für Polens eigene Unabhängigkeit kämpfen, unterdrücken sie die Unabhängigkeitsbewegungen anderer Länder.

Zbigniew Cybulski, ein von Wajda bevorzugter Schauspieler, kam im Alter von vierzig Jahren auf tragische Weise bei einem Unfall ums Leben. Im Jahr 1968 setzte Wajda ihm ein filmisches Denkmal in dem sehr persönlichen Film Alles zu verkaufen, in dem Beata Tyszkiewicz, Wajdas damalige Ehefrau, die Hauptrolle spielt.

Im Jahr 1975 schuf Wajda mit Das gelobte Land ein besonders bemerkenswertes Werk. Der Film, der auf einem Roman des Nobelpreisträgers Władysław Reymont basiert, gilt als einer der besten polnischen Filme überhaupt. Wajda schafft darin ein lebendiges Bild der Industriestadt Łódź in der rauen frühkapitalistischen Umwelt des neunzehnten Jahrhunderts. An Hand der Geschichte dreier Freunde, des Polen Karol Borowiecki, des Deutschen Maks Baum und des Juden Moryc Welt, die gemeinsam eine Textilfabrik gründen wollen, zeigt der Film die Rohheit und Brutalität, die mit rücksichtlosem Profitstreben einhergehen.

Mitte der 1970er Jahre trat eine Veränderung in Wajdas Haltung zum stalinistischen Establishment ein. Er begann, das bürokratische Regime zu kritisieren, da es den künstlerischen und politischen Ausdruck seiner Generation stranguliere. Er schuf seinen ersten „antistalinistischen“ Film, Der Mann aus Marmor (1976). Dieser Film erzählt die Geschichte eines „Helden der Arbeit“ aus den 1950er Jahren, des Maurers Mateusz Birkut, aus der Perspektive von Agnieszka. Die junge Dokumentarfilmerin beginnt, Nachforschungen anzustellen, und enthüllt die bittere Wahrheit, die sich hinter Birkuts berühmtem Rekord von 30.000 in einer Schicht gelegter Ziegelsteine verbirgt. Zum Vorschein kommt das tragische Schicksal eines jungen Arbeiters mit bäuerlichem Hintergrund. Der Mann, der den „Kommunismus“ unterstützte, wird von eben diesem System vernichtet.

Der Mann aus Marmor vermittelt die Stimmung wachsender Unzufriedenheit. Vorausschauend nimmt der Film auch die spätere Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung Solidarność vorweg. Er endet mit einer Szene, in welcher es Agnieszka schließlich gelingt, Maciek, Birkuts Sohn, vor den Toren der Leninwerft in Danzig zu treffen. An diesem Ort sollten nur vier Jahre später, im Jahr 1980, Arbeiter durch einen historischen Streik die stalinistische Bürokratie in eine umfassende Krise stürzen. Wajdas Mann aus Eisen (1981) setzt eben dort an, wo der vorhergehende Film endete, und dokumentiert die Geburt der Solidarność im Jahr 1981. (Der Solidarność-Führer Lech Wałęsa hat darin einen Cameoauftritt.)

Im Anschluss an die Verhängung des Kriegsrechts und nach der Zerschlagung der Streikbewegung im Dezember 1981 durch die polnische stalinistische Regierung unter General Wojciech Jaruzelski, drehte Wajda in Paris seinen Danton (1983). Dieser Film, zu dem Jean-Claude Carrière das Drehbuch schrieb, untersucht die Ereignisse im nach-revolutionären Frankreich des Jahres 1794. Gerard Depardieu spielt in einer bemerkenswerten Darbietung den Danton, eine hochpopuläre Persönlichkeit, die wegen Verrats an der Revolution vor Gericht gestellt und exekutiert wird. Der Film spielt deutlich sowohl auf die Russische Revolution und den Aufstieg des Stalinismus als auch auf die Situation im damaligen Polen an.

Bevor Wajda Depardieu engagierte, lud er ihn auf die Danziger Werft ein. Er sollte „das unmenschlich ermüdete Gesicht der Revolution sehen, das plötzlich in Schlaf verfiel und einen Traum träumte, der nicht verwirklicht werden kann“.

1990 kehrte der Regisseur mit Korczak zurück zum Thema des Holocaust. Der schwarzweiß gedrehte Film erzählt die Geschichte des bekannten polnisch-jüdischen Arztes, Autors und Pädagogen Janusz Korczak (Wojciech Pszoniak). Dieser Autor beliebter Kinderbücher wurde ebenfalls Opfer des Holocaust. Wajdas bewegender Film zeigt Korczaks Kampf zur Rettung der Kinder aus seinem Waisenhaus im Warschauer Ghetto und ihren gemeinsamen letzten Gang in die Gaskammern von Treblinka.

Nach dem Zusammenbruch des stalinistischen Regimes und der Wiedereinführung des Kapitalismus in Polen wandte Wajda sich der Politik zu und wurde 1989, während Wałęsas Präsidentschaft, für die Solidarność in den Senat gewählt, wo er bis 1991 verblieb. Von 1992 bis 1994 war Wajda Vorsitzender des polnischen Kulturrats, in welchem er eine aktive politische Rolle spielte und die Wiederbelebung des Nationalismus ermutigte. Er wurde Mitglied der prokapitalistischen Partei Unia Demokratyczna (1990–1994), in der er als lautstarker Befürworter der proeuropäischen Bürgerlichen Plattform (PO) wirkte. Zudem wurde er zum Mitbesitzer der einflussreichen Zeitung Gazeta Wyborcza, die für ihre Kriegstreiberei gegen Russland berüchtigt ist.

Bewusst widmete sich Wajda zu dieser Zeit dem Erbe der polnischen Nationalliteratur. Er führte Regie bei einer umfangreichen Version von Pan Tadeusz (1998), basierend auf einem 1834 veröffentlichten Epos von Adam Mickiewicz, sowie bei Die Rache (2002), mit einer hervorragenden Rolle für Roman Polański. Das ist eine 1833 geschriebene Komödie von Aleksander Fredro, die auch zur Pflichtlektüre für polnische Schüler gehört.

Im Jahr 2007, im Alter von 81 Jahren, stellte Wajda seinen Film Katyń fertig. Dieser handelt von dem Mord an schätzungsweise 22.000 polnischen Offizieren und Intellektuellen, begangen von sowjetischen Truppen Anfang 1940. Katyń ist eine Stadt nahe Smolensk in Russland, wo die meisten der Exekutionen stattfanden. Wajdas Vater wurde im Rahmen derselben Operation in einem NKWD-Gefängnis im ukrainischen Charkow exekutiert.

Jahrzehntelang war im stalinistischen Nachkriegspolen jegliche Diskussion über das Massaker, das in Katyń stattgefunden hatte, verboten. In der Sowjetunion selbst wurde die Schuld für den Massenmord den deutschen Truppen zugeschoben, die ihn nach dem Bruch des Hitler-Stalin-Paktes durch Hitler begangen hätten.

Wajdas Film ist der erste filmische Versuch, diese tragischen Ereignisse zu verarbeiten, aber er ist höchst mangelhaft. Der Regisseur präsentiert eine Folge von Szenen, die in dramatischer Form alle Themen des heutigen polnischen Nationalismus beinhalten: die Angst, Polen könnte von Deutschland im Westen und der Sowjetunion oder Russland im Osten überrannt werden, die Rolle der katholischen Kirche in Polen, die heroisch im Namen „der christlichsten aller Nationen“ eingreift, und die quasi-demokratischen Bedenken eines polnischen Eliteoffiziers der Kavallerie aus dem Jahr 1939. Dessen erster Gedanke soll laut Wajda gewesen sein, der Feind halte sich nicht an die Genfer Konvention. Wajda behauptete, sein Film sei nicht russlandfeindlich, doch alle sowjetischen Figuren, mit einer bemerkenswerten Ausnahme, sind Schurken und Barbaren.

Noch bedenklicher als Katyń ist der letzte Teil von Wajdas Solidarność-Trilogie, Wałęsa: Der Mann aus Hoffnung (2012). Der apologetische Film, der während wachsender Kritik an Solidarność und Wałęsa entstand, ist ein beschämendes Propagandawerk. Er behandelt die zwanzig Jahre, die auf die Restaurierung des Kapitalismus in Polen folgten. Zugleich verkörpert er den verzweifelten Versuch des Regisseurs, die Reputation Wałęsas als Nationalheld wiederherzustellen.

Das „Happy End” des Films zeigt Wałęsa, wie er den imperialistischen Mächten seinen Vasallentribut zollt. Gleichzeitig erhalten die Wiedereinführung des Kapitalismus in Polen und die Plünderung des Staatseigentums die irreführende Bezeichnung „Weg zur Freiheit“.

Wajda war nicht der einzige Desorientierte. Es fällt schwer, mehr als eine Handvoll osteuropäischer oder sowjetischer bzw. russischer Intellektueller aufzuzählen, die auf die Restauration des Kapitalismus in den Jahren 1989–1991 kritisch oder sogar mit Bedenken reagierten. Durch den Stalinismus vom authentischen linken Verständnis abgeschnitten, akzeptierten sie die Behauptung des Regimes und der westlichen Bourgeoisie, dass die Herrschaft der Stalinisten eine Form des „Sozialismus“ oder „Kommunismus“ sei. Die jahrzehntelangen Kampagnen im Umfeld der leeren und abstrakten Phrase von der „Demokratie“ ließen insbesondere die Künstler schließlich dem imperialistischen Sirenengesang verfallen.

Wajdas Kniefall vor der politischen Reaktion fand seinen deutlichsten Ausdruck in seiner Begrüßung des faschistischen Putschs in der Ukraine. In seinen Anmerkungen vor der Premiere von Wałęsa: Der Mann aus Hoffnung im ukrainischen Fernsehen im April 2014 machte Wajda den folgenden Kommentar: „Liebe Freunde, in allem was ihr durchmacht, wird euch vielleicht interessieren, wie wir, als wir die Solidarność unter Lech Wałęsas Führung schufen, die Freiheit errangen und eine freie Nation wurden. (…) Ich bin zutiefst überzeugt, dass ihr siegen werdet. Vom Grunde meines Herzens wünsche ich euch diesen Sieg. Lang lebe die freie Ukraine!“

Wajdas letzter Film, Nachbilder (2016), behandelt die letzten Lebensjahre des Avantgardekünstlers Władysław Strzemiński (Boguslaw Linda) im Nachkriegspolen. In den 1920er Jahren identifizierte Strzemiński sich mit der revolutionären Bewegung in Kunst und Politik. Dann lehnt er den „Sozialistischen Realismus“ ab und verfolgt seinen eigenen künstlerischen Weg. Die polnischen stalinistischen Behörden fürchten und unterdrücken ihn, werfen ihn aus der Künstlervereinigung und berauben ihn der Möglichkeit zum Lebenserwerb. Er stirbt 1952.

In einem seiner letzten Interviews deutete Wajda an, er möchte „vor der Einmischung der Regierung in Belange der Kunst warnen“. Wajda war besorgt über den brutalen Eingriff in das Kunstleben Polens, der 2015 unmittelbar nach der Regierungsübernahme durch die weit rechts stehende Partei der PiS (Partei für Recht und Gerechtigkeit) stattfand. Doch seine Warnung, insbesondere im Lichte seiner eigenen jüngsten Vergangenheit betrachtet, welche diesen reaktionären Kräften zur Macht verhalf, ist recht dürftig und kommt zu spät:

„Wir erleben jetzt Versuche der Behörden, in die Kunst einzugreifen. Sie sprechen darüber, was Nationalkunst sein und was sie nicht sein solle. Ich habe einen Film über vergangene Ereignisse gemacht, der die Botschaft enthält, dass Einmischung in die Kunst keine Aufgabe der Behörden ist. Es ist die Aufgabe von Künstlern, nicht der Regierung.“

Nach der Berlinale von 2008 schlossen wir unsere Besprechung von Wajdas Katyń mit dem Fazit: „Wajda geht es darum, eine nationale Tradition wiederzubeleben. Der Kritiker der New York Times schrieb: ‚Katyn möchte eindeutig dem Patriotismus im positivsten Sinn des Wortes Auftrieb geben.‘ Doch sowohl die globale Integration des Weltkapitalismus wie auch die Korruptheit der polnischen Bourgeoisie machen eine unabhängige nationale Entwicklung Polens unmöglich. Nichts könnte die reaktionäre Sackgasse des polnischen Nationalismus klarer zum Ausdruck bringen als die Tatsache, dass die polnische herrschende Elite bei ihren Bemühungen, dem Einfluss Deutschlands vom Westen und dem Einfluss Russlands von Osten entgegenzutreten, immer stärker um Unterstützung aus dem Weißen Haus buhlt.

In den Nachkriegsjahrzehnten haben viele von Andrzej Wajdas Filmen wirkliche Einsichten in das Funktionieren des stalinistischen und auch des nationalsozialistischen Totalitarismus vermittelt. Seine Filme drehten sich um die Möglichkeit und die Notwendigkeit von Opposition gegen repressive Regimes. Damit bot sein Werk einen wirklichen Ausgangspunkt für eine Wiederbelebung von Kultur und Film in Polen. Heute ist die Weiterentwicklung der Kultur in Polen und anderswo nur möglich, wenn man Wajdas Verherrlichung des Nationalismus und seine unkritische Befürwortung der Werte des freien Marktes entschieden bekämpft.““

https://www.wsws.org/de/articles/2016/10/20/wajd-o20.html

Wer die Kritik an der Beschreibung zu Lech Walesas nicht nachvollziehen kann (oder die damaligen Meldungen vergessen hat):

„Das Institut für Nationales Gedenken (IPN) hat geheime Akten veröffentlicht, die belegen, dass der frühere Solidarność-Führer, Nobelpreisträger und Präsident Polens ein stalinistischer Spitzel war …

Die Vorwürfe in Bezug auf Wałęsas Zusammenarbeit mit dem stalinistischen Geheimdienst sind nicht neu. Schon Ende der 1970er-Jahre behaupteten mehrere Solidarność-Mitglieder, darunter Anna Walentynowicz and Andrzej Gwiazda, Wałęsa sei ein Spitzel, der von der Regierung eingeschleust wurde, um die Arbeiterbewegung gegen das stalinistische Regime zu sabotieren …

Wałęsa hat sämtliche Vorwürfe bestritten und behauptet, die Dokumente seien gefälscht. Jahrelang versicherte er, der Deckname „Bolek“ beziehe sich auf das SB-Verfahren gegen ihn. Er gab zwar zu, er habe 1970 aus Angst vor Verfolgung „einige Papiere“ unterschrieben. Er behauptet jedoch, das sei eine unerhebliche Episode gewesen, die das Ziel hatte, das „System irrezuführen“. Diese Version der Ereignisse wurde in Andrzej Wajdas letztem Film Wałęsa. Der Mann aus Hoffnung (2013) wiedergegeben. Der Film versucht mit Hilfe historischer Fälschung Wałęsas Ansehen als Held der Arbeiterklasse vor der wachsenden Kritik an seinem Vermächtnis zu verteidigen ..

Zu den Zielen der Gruppe um Wałęsa gehörten die Verhinderung von Streikaktionen der regionalen Komitees, Kampagnen gegen beliebte Solidarność-Mitglieder, die gegen Wałęsa auftraten, wie Gwiazda, Jurczyk, Rulewski oder Walentynowicz, zu verhindern, dass „extreme“ Gruppierungen die Arbeiter beeinflussten und die Begrenzung der Gewerkschaftsaktivitäten auf unpolitische, reformistische Forderungen, genauso wie kleinliche regionale, organisatorische und persönliche Differenzen (einschließlich Verleumdungen) zu provozieren, um die Einheit von Solidarność zu zerstören …

Trotz der Geheimverhandlungen Wałęsas mit den Stalinisten, die zur Absage des Generalstreiks von März 1981 führten, war „Bolek“ in der Lage, die Wahlen mit 55,2 Prozent der Stimmen zu gewinnen. Dieser Sieg war nur möglich aufgrund der Unterstützung durch Lechs Agentenkollegen und durch Aktivisten wie Jacek Kuroń, einem der Gründer der Arbeiterverteidigungskomitees (KOR) und führendem Pablist innerhalb der Solidarność-Bewegung. Obwohl er sich über Wałęsas frühere Verbindungen zum SB bewusst war („Ich habe es schon immer gewusst“, schrieb Kuroń in Cool! or Squaring the Circle, 1992, p. 246), unterstützte er Wałęsas Kandidatur „im Gegenzug für einen hohen Posten innerhalb der Gewerkschaft“.“

https://www.wsws.org/de/articles/2016/05/05/wale-m05.html

 

Was tut sich in Osteuropa?

 

Die Polen, die sich als Mitteleuropäer fühlen, hören gar nicht gern, wenn mensch sie zu Osteuropa zählt. Sie mögen dem Wurm verzeihen, wenn der Wurm dies der Einfachheit halber dann doch tut.

Aus einem früheren Beitrag des Wurms:

„In der westlichen Welt ist Ion Creanga zum größten Teil unbekannt. Dieses Schicksal teilt er mit Mihai Eminescu. Beide haben überragende Werke geschrieben. Dass sie im westlichen Europa kaum bekannt sind, kann eigentlich nur auf Arroganz bzw. Ignoranz der westlichen Kulturträger gegenüber den Kulturschaffenden aus der „Provinz“ zurückgehen. Ein Zeichen dieser westlichen Arroganz und Ignoranz ist, dass bei den entsprechenden „Märchen“-Artikeln bei „Wikipedia“ Ion Creanga überhaupt nicht vorkommt und von osteuropäischen Märchen bzw. Märchen-Erzählern so gut wie nichts vorkommt:“ http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/130-subversiver-maerchen-erzaehler.html

Seit 1990 interessieren sich die Deutschen hauptsächlich für sich selbst, feiern sich, dass sie alles „richtig“ gemacht haben und sehen auf alle anderen nieder. Je nachdem ist noch von Interesse, was in den USA oder den großen westeuropäischen Ländern passiert, aber kaum, was in Osteuropa geschieht.

Dass in so ziemlich allen Ländern des ehemaligen Osteuropa etwa der religiöse Wahn Einzug gehalten hat, bekommen im Westen nur wenige mit. Der religiöse Wahn ist dort keineswegs Privatsache, sondern wirkt sich in Politik und Gesellschaft aus: Leugnung der Evolution, Verdammung von religiösen oder sexuellen Minderheiten (Antisemitismus ist zu großen Teilen wieder hoffähig geworden), rigide Änderungen des Abtreibungsrechts, Hervorbringung und Unterstützung von stramm konservativen Gruppierungen gehören dazu.

Die reichhaltige Kultur der osteuropäischen Länder wird kaum zur Kenntnis genommen. Kennt jemand den Polen Roman Polanski? Den kennen viele – aber auch nur deshalb, weil er die meisten seiner Filme in westlichen Ländern innerhalb der westlichen Vermarktungs-Maschinerie gemacht hat. Nichts gegen Roman Polanski – der Wurm hat eines seiner Werke als „Meisterwerk“ bezeichnet (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/46-venus-im-pelz.html ) – aber den bedeutenderen Andrzej Wajda kennen im Westen trotz aller großen Filme und Auszeichnungen nur relativ wenige.

Um Andrzej Wajda besser verstehen zu können, lohnt es sich, überhaupt die Polen zu verstehen. Und da der Wurm sich durch das eine oder andere Wurmloch in verschiedene Zeiten und Räume bewegen kann, bewegt er sich in die 1980er nach Polen und unterhält sich mit ihnen.

Und bekommt zu hören, dass er doch ein deutscher Patriot sein müsse. Warum? Weil doch jeder ein Patriot seines Landes sein müsse. Ein ostdeutscher Wurm wird misstrauisch beäugt, ein westdeutscher dagegen freudig begrüßt. Spätestens die Hilfsbereitschaft vieler Deutscher nach Verhängung des Kriegsrechts hat die meisten Polen positiv gestimmt. Generell ist die Meinung gegenüber Deutschland: mal kam Gutes, mal kam Schlechtes. Dagegen sei aus Russland immer nur Schlechtes gekommen.

Auf Kommunisten bzw. Sozialisten angesprochen, bekommt der Wurm von manchen zu hören, dass sie noch auf keine getroffen seien. Ausstieg aus dem Sozialismus? Gerne – aber Pole möge sich mal die Landkarte ansehen: eingezwängt zwischen der DDR im Westen und der Sowjetunion im Osten (und ein bisschen Tschechoslowakei im Süden) gibt es kein Entkommen.

Auffällig ist das Schwarz-Weiss-Denken, in dem es nur wenige Grautöne gibt. Sozialismus und Russland sind nur schlecht; der Papst, die Katholische Kirche und die USA sind nur gut.

 

Film und Kultur-Förderung in Osteuropa

 

Andrzej Wajda erzählt viel von der Zensur im Sozialismus, dass er manche Filme gar nicht bzw. erst zu einem späteren Zeitpunkt drehen konnte, dass er manche Szenen nicht drehen konnte bzw. wieder aus dem Film heraus schneiden musste.

Böser Sozialismus! Womit er zweifelsohne Recht hat. Es wurden staatlicherseits aber auch positive Botschaften übermittelt. Wer die Ausschnitte aus Andrzej Wajdas Filmen aus den 1950ern gesehen hat, wird selbstbewusste, rational denkende, sich nicht über Männer definierende junge Frauen gesehen haben. In westlichen Filmen dieser Zeit (und auch danach) wird er das nicht so oft gesehen haben.

Andrzej Wajda erzählt aber nichts von der Situation nach dem Ende des Sozialismus. Da hat nicht mehr der Staat die Filme finanziert.

Die Regisseurin Agnieszka Holland berichtet von dieser Zeit:

„Und mit der Wende 1990 ging dann alles in die Brüche. Die Zeit der Transformation war eine Trauerzeit für Filmemacher. Schlimmer noch: die einsetzende Kommerzialisierung der Kultur führte dazu, dass sich meine Kollegen völlig verloren fühlten. Sie fragten sich: Was soll ich erzählen? Wer ist dieses neue Publikum? Auf den Leinwänden war nur noch amerikanisches Kino zu sehen – und das ist ja auch nicht immer gut. Naja, und dann war das Geld weg.“

http://www.deutschlandradiokultur.de/das-polnische-kino-alle-filme-wirken-wider-das-vergessen.2168.de.html?dram:article_id=318111

Sicher, es gab und gibt Geldgeber, die Filme in Auftrag geben. Allerdings: jeder, der einen Film finanziert, verfolgt einen bestimmten Zweck damit. Und übt damit Zensur aus. Jeder. Böser Geldgeber!

Nach dem Ende des Sozialismus wurden kaum noch künstlerisch wertvolle Filme produziert. Entweder mussten die Filme eine bestimmte Ideologie transportieren (also eine nicht-sozialistische) oder „nur“ Geld verdienen. Und das heisst meistens ohne künstlerischen Anspruch – das, womit die großen Kinosäle in den westlichen Ländern bespielt werden: hauptsächlich Geballer und Gebumse. Die Geschichte eines Filmes ist größtenteils nebensächlich. Menschen, Tiere, Sensationen. Technik, Effekte, Emotionen.

Nachdem die Subventionen gestrichen wurden (nicht nur Filme, sondern auch Kinos gerade auf dem Land, die früher kulturellen und nicht-kommerziellen Zwecken dienten), und die Märkte mehr als bisher schon für westliche Massenprodukte geöffnet wurden, hieß das, dass kaum noch heimische Filme gedreht wurden und kaum noch ihr Publikum fanden.

Mittlerweile haben sich die Filmindustrien der osteuropäischen Länder etwas berappelt und bringen bemerkenswerte Filme heraus (auch und gerade der polnische Film), sind aber immer noch weit hinter ihrer einstigen Größe zurück. Und treffen kaum auf westliche Verleiher oder gar interessiertes westliches Publikum, das noch neugierig auf die Welt im Osten ist. Ja, interessiert am Fernen Osten – aber nicht an dem, was vor der eigenen Haustür passiert.

 

Fazit

 

Auch, wenn Andrzej Wajda mit seiner Zensur-Kritik am sozialistischen Staat noch so Recht haben mag – es gibt keinen einzigen Regisseur auf der Welt, der von seinen Geldgebern nicht zensiert worden wäre.

Andrzej Wajdas Zorn auf die Russen im Film „Das Massaker von Katyn“ ist begründbar durch seine eigene Geschichte, die polnische Geschichte und das Thema des Films. Historisch gesehen haben die Russen (bzw. Sowjets) da tatsächlich keine gute Rolle gespielt.

Andrzej Wajda ist natürlich ein polnischer Patriot. Zugute halten muss wurm ihm allerdings, dass er hier nicht schwarz-weiss denkt, sondern Denkanstöße gibt. Vor allem dann, wenn er die dunklen Seiten seiner Landsleute beleuchtet. Etwa in „Feuer und Asche“, „Karwoche“ oder „Das Urteil gegen Franciscek Klos“.

Alleine deshalb, dass ein Film von Andrzej Wajda war, hat doch manche bewogen, sich diesen Film anzusehen und sich mit der entsprechenden Thematik auseinanderzusetzen. Es ist kein Schade, sich mit dem großen Pädagogen Janusz Korczak (in „Korczak“) auseinanderzusetzen oder mit der in Deutschland gerne verdrängten Zwangsarbeit von über 7 Millionen Zwangsarbeitern in Deutschland während des 2. Weltkriegs, darunter viele Polen (in „Eine Liebe in Deutschland“).

Es ist kein Schade, sich mit polnischen und überhaupt osteuropäischen Themen auseinanderzusetzen.

 

 

Dada

 

Unsere kleine Polizei-Station

 

Wir befinden uns im Jahre 2016 unserer Zeitrechnung. Ganz Deutschland ist von Verbrechern besetzt … Ganz Deutschland? Nein! Eine von unbeugsamen Hütern des Gesetzes bewohnte Polizei-Station hört nicht auf, dem Verbrechen Widerstand zu leisten.

Und so ist halt noch vieles in Ordnung in der Region. Denn für Ruhe, Ordnung und Gerechtigkeit sorgt der Polizeiposten Rüppurr.

Kleine und große Spitzbuben, mehr oder weniger Leichtgläubige, Verrückte und Alkoholisierte, mehr oder weniger wilde Tiere treiben hier ihr Unwesen. Der Polizeioberkommissar und Chronist Karl Sauter hält diese Vorkommnisse fest im Buch „Tatort Rüppurr – Karl Sauters Notizen aus dem Polizei-Alltag“ aus dem Jahr 2005, jeweils monatlich im lokalen „Rieberger Bläddle“ und „Monatsspiegel“ und im Internet:

http://www.polizei.rueppurr.de/index.php?action=berichte

http://www.polizei.rueppurr.de/index.php?action=cms&id=1

Von Zeit zu Zeit möchte der Wurm eine dieser Geschichten zitieren. Diesmal geht es um einen Aufruf aus dem Jahr 2011:

 

Hallo Radfahrer!

 

Wenn ihr der Meinung seid, bei Dämmerung, Dunkelheit und Nebel, ohne Licht fahren zu müssen, dann macht mir doch eine kleine Freude und führt bitte euren persönlichen Organspendeausweis mit. Wer noch keinen hat, kein Problem, Vordrucke gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und natürlich auch beim Polizeiposten Rüppurr.

 

Das Leben geht weiter: Ob Freispruch oder Zuchthaus – und auf die Guillotin' hat unser Herr Polizeioberkommissar Karl Sauter eh niemanden geschickt.

Es ist eine liebe Zeit – trotz der Vorkommnisse, menschlich halt. Und darum kommt es immer wieder zu diesen Szenen – beim Polizeiposten Rüppurr.

 

 

 

 

Beim Donaudurchbruch (Rumänien) ist der von Dadaisten in Stein gehauene Decebalus, letzter König der Daker, zu sehen.