Letzten Sonntag war Valentinstag. Ein Tag, um den mensch nicht drum rum kommt, da Medien und Werbung diesen Tag und die entsprechenden Geschenke immer wieder betonen.

Dabei gab es diesen Tag in Deutschland vor 100 Jahren gar nicht. Wie auch viele andere Tage nicht, die heute gefeiert werden und zum entsprechenden Konsum führen.

 

Valentinstag

 

„Die Tradition des Valentinstags wird heute zumeist auf die Überlieferung von Bischof Valentin von Rom bzw. Valentin von Terni zurückgeführt, die als Märtyrer starben …

Valentin von Rom soll als Priester Paare trotz des Verbots durch Kaiser Claudius II. nach kirchlichem Ritus getraut haben. Dabei soll er den Paaren auch Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, standen der Überlieferung nach unter einem guten Stern. Auf Befehl des Kaisers Claudius II. wurde er am 14. Februar 269 wegen seines christlichen Glaubens enthauptet.

Valentin von Terni wurde wegen seiner heilenden Fähigkeiten nach Rom gerufen, um den verkrüppelten Sohn eines Rhetors zu heilen. Auf Grund seines Erfolges wurde er auf Anordnung des Präfekten verhaftet, eingekerkert, gegeißelt und schließlich am 63. Meilenstein der nach Rom führenden Via Flaminia enthauptet, nachdem er vor dem Kaiser das Opfer verweigert hatte.

Ob es sich bei Valentin von Rom und Valentin von Terni um ein und dieselbe Person handelte, ist nicht geklärt und konnte auch nicht anhand der Reliquien entschieden werden.

Der 14. Februar galt im Volksglauben auch als einer der sogenannten Lostage, denen zukunftsbestimmende Bedeutung im Guten wie im Schlechten zugeschrieben wurde. Zufälle – etwa der erste Bursche, den ein Mädchen am Morgen erblickt – wurden als Vorzeichen für spätere, glückliche Verbindungen gedeutet. Daher heißt der Valentinstag auch „Vielliebchentag“. Paare wurden auch durch beschriebene Zettelchen ausgelost. Weil man glaubte, dass sich an diesem Tage die wilden Vögel zu paaren beginnen, wurde Valentin in England und Frankreich zum Schutzpatron der Verliebten und Verlobten.

Es ist auch möglich, dass die Festlegung des Gedenktages auf den 14. Februar mit dem römischen Fest der Lupercalia zusammenhängt, das vom 13. bis zum 15. Februar gefeiert wurde. Eine religionsgeschichtliche Herleitung der Bräuche des Valentinstags aus der paganen Antike liegt nahe (Ekkart Sauser im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon): „Der Brauch, sich am Valentinstag Blumen zu schenken, geht sehr weit zurück: Im antiken Rom gedachte man am 14. Februar der Göttin Juno, der Schützerin von Ehe und Familie. Den Frauen wurden an diesem Tag Blumen geschenkt.““

https://de.wikipedia.org/wiki/Valentinstag

Vor allem in England hat sich eine besondere Tradition des Valentinstages herausgebildet – nicht aber in Deutschland:

„Englische Auswanderer nahmen den Valentinsbrauch mit in die Vereinigten Staaten, und er kam so durch US-Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg in den westlichen Teil Deutschlands; 1950 veranstaltete man in Nürnberg den ersten „Valentinsball“. Allgemein bekannt wurde der Valentinstag durch die vor dem 14. Februar verstärkt einsetzende Werbung der Floristen und der Süßwarenindustrie.

Auch in Deutschland sind Blumen nach wie vor die häufigsten Geschenke am Valentinstag. Allein zum Valentinstag 2013 transportierte die Lufthansa Cargo 1000 Tonnen Rosen nach Deutschland.“

Auch in anderen Teilen der Welt wurde der Valentinstag übernommen, auch wenn der anders begangen wird. Es gibt Länder, die wollen nicht, dass durch eingeschleppte Bräuche anderer Länder oder anderer Kulturkreise ihre eigene Kultur in Mitleidenschaft gezogen wird:

„In Saudi-Arabien steht der Valentinstag auf der Verbotsliste des islamischen Rechts. Der Kauf von Dingen, die sich als Valentinstaggeschenk eignen, ist einige Tage vorher verboten, so z. B. rote Rosen.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Valentinstag

 

Event

 

Die Welt ist heute eine andere als sie früher war. Vor allem gibt es einen Austausch zwischen den unterschiedlichsten Kulturen. In Film und Fernsehen sehen die Menschen Dinge, die sie vorher noch nicht gekannt haben und durch persönliche Erfahrungen auf Reisen oder zu Hause mit anderen Menschen werden bestimmte Dinge in das eigene Leben integriert.

Mensch überlege sich mal, was seine Eltern oder Großeltern alles gegessen haben. Und wird dabei feststellen, dass diese ganz andere Sachen gegessen haben, als es heute üblich ist.

Was die Menschen früher als eine Art „Kulturschock“ empfanden, ist heute gang und gäbe bzw. nichts Ungewöhnliches mehr, etwa das gegenseitige Umarmen oder öffentliche Küssen. Die frühere „Münchner Bussi-Gesellschaft“ ist heute Allgemeingut.

Durch die italienischen Gastarbeiter und deren Eis-Cafés wurde es in deutschen Städten erst üblich, bei warmem Wetter draußen zu sitzen und dabei etwas zu essen oder zu trinken. Vor allem in den Dörfern gab es vor den Italienern keine besondere „Eiskultur“.

Die Welt ist im gegenseitigen Austausch. Manchmal lassen sich neue Verhaltensweisen sogar an einem bestimmten Zeitraum fest machen. Seit wann ist das Saunieren in Deutschland populär? Seitdem die Finnen sich 1936 ins Olympische Dorf eine finnische Sauna haben stellen lassen, trat das Saunieren hier seinen Siegeszug an.

http://www.huffingtonpost.de/christoph-marx-/wie-die-nazis-die-sauna-i_b_6858410.html

Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurden alte Feiertage „umfunktioniert“, neue geschaffen oder regionale Besonderheiten ausgeweitet.

Das Weihnachtsfest, der Pfingstmontag, Christi Himmelfahrt („Vatertag“), der 1. Mai werden in breiten Kreisen anders begangen als es früher üblich war.

Andere Tage gab es früher kaum oder gar nicht und werden heute stark kommerzialisiert. Neben dem Valentinstag gehören etwa Halloween oder der Muttertag dazu.

Wenn es eine bestimmte Tradition gibt, wird die verstärkt durch Medien, Fremdenverkehr und Werbung hervor gehoben. Dazu gehört etwa das Oktoberfest, das mittlerweile in jedem Dorf gefeiert wird und sei es nur, dass eine Dorf-Gaststätte in einem bestimmten Zeitraum bayerische Spezialitäten anbietet.

Medien und Werbung sorgen auch dafür, dass bestimmte Sportarten wie American Football, US-Basketball oder Eishockey aus Nordamerika immer populärer werden und Fußball aus allen möglichen Ländern übertragen wird.

Auch solcher Unfug wie Wrestling oder Pokern (!) wird medial groß raus gestellt.

Den ansonsten gelangweilten und Vergnügungs-süchtigen Menschen werden immer mehr und immer größere Events angeboten bzw. alltägliche Ereignisse zu etwas Besonderem aufgeblasen. In Fußball-Stadien gehen spätestens seit der Fußball-Weltmeisterschaft von 2006 längst nicht mehr nur die an Fußball Interessierten, sondern immer mehr solche Leute, die das Spiel nicht im Geringsten interessiert – Hauptsache, es ist etwas los.

In früheren Zeiten hieß das noch „Brot und Spiele“. An-den-Pranger-stellen bzw. öffentliche Hinrichtungen unter dem Gejohle der Menge erfüllten ebenfalls diese Funktion.

 

Pflanzen-Schmuck

 

Es gibt Pflanzen und Blumen, mit denen die Menschen den öffentlichen Raum, gewerbliche Räume (etwa Hotels) oder ihr privates Zuhause schmücken und daran ihre Freude haben.

Das ist gut und schön. Allerdings macht der Wurm einen großen Unterschied zwischen solchen Pflanzen und Blumen, die dauerhaft ihren Zweck erfüllen und solchen, an denen nur für ein paar Tage Freude besteht, da sie bis dann verwelkt sind.

Und für diese kurzfristige Freude wird ein immenser Aufwand betrieben. Anbei ein Bericht über eine Blumen-Auktion:

„Jeden Tag werden im niederländischen Aalsmeer 21 Millionen Blumen und Pflanzen versteigert. Schon 15 Minuten nach dem Kauf sind sie auf dem Weg nach New York oder Tokio. Ein Bericht über das rasante und harte Geschäft im größten Blumen-Auktionshaus der Welt.

Die Halle ist so groß wie 200 Fussballfelder. Von der Besuchergalerie aus gleicht sie einem Ozean aus Blumen: Millionen Rosen, Freesien, Chrysanthemen, Lilien, Tulpen - Dieser gigantische Blumenstrauß wurde am Vortag angeliefert, von 2000 LKWs aus dem In- und Ausland. Dazu kamen noch die Ladungen vom nahen Flughafen Schipohl, wo die "Blumenbomber" mit Produkten aus Übersee landen: kenianische Nelken, südafrikanische Proteen, australische Seerosen, thailändische Orchideen. Nun warten sie alle einträchtig in diesem riesigen Betonbau der Auktionsgenossenschaft "Bloemenveiling Aalsmeer" (BVA) bei Amsterdam auf neue Besitzer …

Während die Blumen in alle Himmelsrichtungen entschwinden, geht die Arbeit in der BVA weiter: Putzteams durchkämmen die Halle und entsorgen täglich bis zu 37 Tonnen Müll: Grünabfall zum Kompostieren und zum Recycling geeignetes Verpackungsmaterial. Die ausschwärmenden "Verteiler" sammeln die Flotte der 120'000 verstreuten Stapelwagen ein, denn am Nachmittag ab 16 Uhr überfluten neue Blumen die Halle und machen sie wieder zu einem Blumenmeer - bis zum nächsten Morgen, wenn der Kreislauf erneut beginnt. Dann starren alle wieder auf die Uhren und pokern.“

http://www.oocities.org/icecuber21/interessant.htm

„Toepsch: Noch ganz kurz zu den Auktionen. Die meisten Blumen kommen nämlich zuerst einmal nach Aalsmeer in Holland. Dort gibt es diese große Blumenversteigerung, bei der allerdings nicht nach oben, sondern nach unten geboten wird. Es sind bei diesen Auktionen auch immer zwei Notärzte anwesend: Ist das so ein gefährlicher Job?

Peters: Das ist tatsächlich so etwas Ähnliches wie eine Uhr: Da wird beim Preis oben angesetzt und dann tickt der Preis so langsam nach unten. Die Einkäufer müssen daher versuchen, nicht zu früh und nicht zu spät auf ihren Knopf zu drücken. Das ist wie bei einer Versteigerung, wo man sich ja auch entscheiden muss, wann man kauft. Dieser Handel ist für die Einkäufer ein sehr, sehr großer Stress, denn dabei geht es um enorme Summen: In der Regel kaufen nämlich diese Einkäufer für mehrere Kunden gleichzeitig ein. Da kann ein Cent Unterschied pro Stiel schon sehr viel Geld ausmachen. Deswegen passiert es eben auch immer wieder, dass da …

Toepsch: Es ist also tatsächlich so, dass dort zwei Notärzte zur Verfügung stehen, denn ich habe das eigentlich für einen Scherz gehalten.

Peters: Es ist tatsächlich so, dass im Zusammenhang mit diesen Auktionen immer wieder von Herzinfarkten berichtet wird. Wie gesagt, solche Veranstaltungen mit einem derart hohen Stressniveau für die Beteiligten gibt es ja in vielen Bereichen. Überall dort, wo dabei auch noch große Summen eine Rolle spielen und die ganze Sache derart von Sekundenbruchteilen abhängen kann, löst das natürlich sehr, sehr viel Stress aus.

Toepsch: Was passiert denn mit den Blumen, die übrig bleiben? Waren Sie dort schon mal? Oder gibt es das gar nicht, dass welche übrig bleiben?

Peters: Natürlich versucht man alles loszuwerden, das ist ja klar. Aber es werden eben auch viele Blumen vernichtet.

Toepsch: Die werden vernichtet?

Peters: Ja. Diese Versteigerung hat sich eben irgendwann auf einen Minimalpreis geeinigt, was aber eher im Interesse der Branche ist, denn man sagt: "Wenn der Preis unter diesen Minimalpreis fällt, dann ist es für uns wirtschaftlich sinnvoller, die Blumen zu vernichten, weil dadurch ansonsten eine Preisspirale nach unten eintritt." Dieser Minimalpreis ist allerdings sehr, sehr niedrig angesetzt.“

http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/silke-peters-sendung-100.html

 

Der Schaden, den Schnittblumen anrichten

 

„Bei dieser Spurensuche zeigt sich deutlich, wer von dem globalen Geschäft mit Schnittrosen profitiert - und wer zu den Verlierern gehört. „Die deutschen Gärtner haben keine Chance“, erklärt John Kordes. „Die Energie ist bei uns viel zu teuer und niemand kann die Mengen produzieren, die heute auf dem Markt gefragt sind.“

Davon kann Werner Buhk ein Lied singen. Der Rosengärtner in Vierlanden vor den Toren Hamburgs besaß eine der größten Rosengärtnereien Deutschlands. An die hundert Leute arbeiteten bei Buhk. Aber gegen die Konkurrenz aus Kenia kam er nicht an: „Wir haben jetzt hier alles runtergefahren. Es macht keinen Sinn mehr“, zuckt Werner Buhk die Achseln. „Wir haben jetzt nur noch unseren Stand auf dem Großmarkt. Dort verkaufen wir importierte Ware aus Übersee, das rechnet sich, aber unsere Ware können wir vergessen.“ - Eine Familientradition geht zu Ende.“

http://www.swr.de/betrifft/rosen-schnittrosen-afrika-supermarkt-eu/-/id=98466/did=7821374/nid=98466/y1z8mg/index.html

„Zwei Drittel aller in Deutschland verkauften Rosen kommen aus Kenia: Ihre Reise beginnt in Naivasha, Afrikas Hauptstadt der Rosen. Vor dem Valentinstag in Europa arbeiten die Menschen dort im Schichtbetrieb. Und mit Tricks gegen die Natur.

Helen ist Arbeiterin auf einer Blumen-Farm in Kenia . Jeden Tag erntet sie Rosen – für die Menschen in Europa . Heute kann Helen ein bisschen durchatmen, nach langen Arbeitstagen und noch längeren Nächten auf der Plantage. Genau wie Tausende Pflücker und Packer in Afrika . Anfang Februar sei es besonders anstrengend, sagt Helen: Vor dem Valentinstag in Europa graben, schneiden und verpacken die Menschen die Blumen im Schichtbetrieb.

Denn Kenia ist das Land, wo die Rosen blühen. Das ganze Jahr, und besonders intensiv vor Valentins- und Muttertag. Die Reise der Rosen beginnt nordwestlich der Hauptstadt Nairobi . Naivasha ist die Hauptstadt der Rosen in Afrika. Die Stadt ist in den vergangenen Jahren schnell gewachsen – fast so schnell wie die Rosen: spezielle Züchtungen, die innerhalb von wenigen Wochen geerntet werden. Sie haben längere Stängel, oft duften sie weniger intensiv, denn die natürlichen Duftstoffe würden als entweichendes Ethylengas für ein schnelles Abfallen der Blüten sorgen.

Am Rande der Stadt liegen die Plantagen, wo rund 50.000 Menschen arbeiten. Immer mehr sind es in den vergangenen 20 Jahren geworden: Für Kenia ist der Blumenhandel neben Tee und Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig geworden.

Parallel liegen in der Sonne glitzernde Gewächshäuser, die größer sind als Fußballfelder. Mehr als 50.000 Blüten pro Hektar. Direkt grenzt der Naivasha-See an, dessen Wasserstand in dem Maße abgenommen, wie der Blumenhandel zugenommen hat. Wassermangel in der Stadt, durch Abwasser und Pflanzenschutzmittel vergiftete Böden sind die Folgen, die Menschen und Tiere in dieser Region in Zentral-Kenia spüren. Inzwischen setzten deshalb Unternehmen auf umweltschonende Anbaumethoden. Und auf Löhne, von denen die Angestellten – meist Frauen – leben können.

Helen, die Arbeiterin, ist vor Kurzem nach Naivasha gezogen, das Ernten der Blumen ist ihr Job. Zwischen Millionen von Stängeln in kilometerlangen Reihen geht sie gebeugt, zupft und pflückt und schneidet. Wenn die Blüten geschlossen sind, werden sie geschnitten …

280 Tonnen, teilt Lufthansa Cargo stolz mit, werden hier zum Valentinstag nach Norden geflogen …

Zwei Drittel aller verkauften Rosen in Deutschland kommen aus Kenia – der Rest aus Südamerika oder Äthiopien. 24 Millionen Stück, 850 Tonnen oder zehn Fracht-Flugzeuge voll Rosen insgesamt fliegt Lufthansa Cargo für diesen heutigen Valentinstag nach Europa.

Trotzdem: Die Klima-Bilanz sei gut, konstatierte vor wenigen Jahren schon eine Studie der englischen Cranfield Universität . Der CO 2 -Ausstoß bei einem Bündel kenianischer Rosen liege – trotz der mehr als 6000 Kilometer Flug zwischen Ostafrika und Europa – bei 6000 Kilogramm Kohlenstoffdioxid. Im Gegensatz zu 35.000 Kilogramm, die für die gleiche Menge in den Niederlanden entstünden. Weil im äquatorialen Afrika die Sonne das ganze Jahr scheint, die Gewächshäuser nicht beheizt und beleuchtet werden müssen, fallen nur 17 Prozent der Menge CO 2 an, die in Europa anfielen. Wirklich umweltfreundlich sind die Schnittblumen aber trotzdem nicht: Ihr Anbau verbraucht enorme Mengen Wasser und auch die weite Reise im Flugzeug und mit dem LKW verbraucht viel Energie

Nicht einmal zwei Tage sind vergangen, seit Arbeiterin Helen in Kenia die Blume geschnitten hat, sieben bis neun Tage werden für die Reise der Rosen und den Verkauf angesetzt. Weitere sieben Tage soll die Blume blühen. Oder länger.“

http://www.zeit.de/wissen/2010-02/valentinstag-rosen-afrika

„Das ist ein Problem, das wir hier bei uns ansonsten vor allem mit Bezug auf Textilien, auf Bekleidung diskutieren. Im Grunde genommen kann dieser Preis eigentlich gar nicht funktionieren, wenn man sich vorstellt, wie viele Menschen dabei in der Ernte arbeiten, wenn man weiß, dass 32 Prozent des Importpreises allein in den Transport fließen …

Das ist der Anteil, der für den Transport dieser Ware per Lkw und Flugzeug aufgebracht werden muss. Darüber hinaus braucht es natürlich auch teure Pflanzenschutzmittel, denn Pflanzenschutzmittel kosten nun einmal sehr viel. Man kann sich ausrechnen, dass da dann nicht mehr viel bleibt für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Aber es bleibt auch nicht viel an Gewinnspanne …

Kann man denn angeben, was ein realistischer Preis für eine Rose wäre? Diese eine langstielige Rose hier hätte also im Blumenladen 1,60 Euro gekostet. Wäre das ein realistischer Preis?

Peters: Ich werde das natürlich sehr oft gefragt. Aber ich finde es immer ganz schwierig, darauf eine klare Antwort zu geben. Was wir uns auf jeden Fall klar machen müssen, ist, dass bestimmte Kosten nicht verhandelbar sind. Wenn wir davon ausgehen, dass eine Arbeiterin oder ein Arbeiter in Vollzeitbeschäftigung auf so einer Blumenfarm in der Lage sein sollte, ein würdiges Leben zu führen – und damit ist nicht nur entsprechende Ernährung gemeint, sondern damit sind auch solche Sachen wie Wohnen, Bildung und Versicherung gemeint –, wenn wir also eine solche Lohnberechnung zugrunde legen, dann müssen zu diesem Faktor Arbeit noch diejenigen Kosten oben drauf gelegt werden, die für all die anderen Dinge entstehen, die es braucht, um Blumen produzieren zu können. Welche Pflanzenschutzmittel sind z. B. unerlässlich? Welche Transportkosten entstehen? Dazu kommt selbstverständlich noch eine gewisse Gewinnspanne für den Produzenten vor Ort und für die restlichen Beteiligten in der Wertschöpfungskette. Da sind wir dann mindestens bei 1,60 Euro pro Blume angelangt – wenn nicht bei mehr. Selbstverständlich müssen wir sehen, dass die Lebenshaltungskosten in diesen Ländern sehr viel geringer sind als bei uns.“

 

 

http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/silke-peters-sendung-100.html

„Geschenke gibts fast überall, aber nirgends werden so viele Blumen verschenkt wie in Deutschland. Keine andere Nation der Welt gibt mehr Geld für Schnittblumen aus als die Deutschen.

Zwölf Millionen Schnittblumen werden allein in der Europäischen Union pro Jahr gekauft – das ist rund die Hälfte der weltweiten Nachfrage, heißt es in einer Studie der Schweizer Stiftung myclimate. Ein Viertel davon geht nach Deutschland – das Blumenkonsumland Nummer Eins. Im Durchschnitt gibt jeder Deutsche 36 Euro pro Jahr für Blumen aus. 21 Prozent aller in der EU verkauften Blumen sind Importware. Die meisten Blumen kommen aus den Niederlanden, aus Kenia, Israel, Kolumbien und Ecuador.

Blumen aus Übersee – das klingt nach langen Flugstunden und einer dementsprechend schlechten Treibhausbilanz. Stimmt auch. Rosen in deutschen Läden stammen aus Ecuador, Kolumbien, Äthiopien oder Südafrika. Die Rose, einst Göttern geweiht, bleibt die meistverkaufteste Blume der Welt. Nach einer Studie der britischen Cranfield Universität belastet ein Zehnerstrauß kenianischer Rosen die Erdatmosphäre mit etwa fünf Kilogramm Kohlendioxid.

Am kenianischen Naivasha-See, von der UNO zum Weltkulturerbe erklärt, betreibt der indische Maschinenbauingenieur Sai Ramakrishna Karuturi die größte Blumenfarm der Welt. Auf einer Fläche so groß wie 320 Fußballfeldern schuften 4.500 Kenianer für einen Tageslohn von 2 Euro. 650 Millionen Rosen produziert der Inder, die Hälfte davon wird später für 2.99 € bei Aldi, Lidl, Blume 2000 oder Penny über die Ladentheke gehen. Karuturi erreicht traumhafte Renditen, 25 Millionen Euro hat er im letzten Jahr erzielt. Und Kenia ist mit dem Inder und den anderen Blumenfabrikanten ausgesprochen zufrieden: Mit jährlich 400 Millionen Euro sind Schnittblumen mittlerweile der zweitgrößte Exportartikel des Landes.

Pestizide, Insektizide, Dünger - blöderweise ist die Rosen-Agrarwirtschaft eine ausgesprochen chemieintensive. Im weltweiten Milliardengeschäft geht es natürlich längst nicht mehr um Schönheit, Romantik, Leidenschaft. Es geht um maximale Blütendichte je Hektar, maximale Haltbarkeit und maximale Normität: Blüten, die nicht nach Schema aussehen, sind unerwünscht.

Und es geht um ein großes Umweltproblem: "Dieser See wird giftig. Und dieser See läuft leer", warnt der britische Biologe David Harper im Stern. Seit 30 Jahren erforscht Harper den 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nairobi gelegenen See. Und er stellt fest: Die Konzentration der Schadstoffe im Naivasha-See ist rasant angestiegen, der Wasserspiegel dagegen stark gesunken. Harper warnt, dass der See längst zu sterben begonnen hat. Und fragt nach dem "Wofür": "Für einen Strauß, den man nach drei Tagen wegwirft? Für einen Valentinsgruß, ein 'Ich liebe dich Schatz' mit Rose? Das ist ein unmoralischer Akt".

Deutlich wird dies am eindrucksvollsten beim Wasserverbrauch. Statistisch gesehen stehen jedem Kenianer 7 Liter am Tag zur Verfügung. Eine Rose aber braucht vier bis fünf Liter täglich - um dann vier bis fünf Tage in der Vase zu stehen.

Allerdings: Die Studie der britischen Cranfield Universität ergab auch, dass Rosen aus niederländischen Gewächshäusern sechsmal klimaschädlicher sind als Rosen aus Kenia. Bei ihnen ist nicht der Transport das Problem, sondern die Unmengen von Energie, die für künstliches Licht, Heizung, Dünger und Pestizide aufgewendet werden, damit in den kühlen Niederlanden das ganze Jahr über Rosen blühen. Überschlägt man, wie viel Kohlendioxid die eine Milliarde Rosen verursachen, die pro Jahr nach Deutschland importiert werden, kommt man auf rund 2,2 Millionen Tonnen - soviel wie in ganz Eritrea in einem Jahr menschgemacht sind.

Deshalb sollte man im Winter keine Rose verschenken. Die Herren: Wie wär's mal mit Abwaschen? Oder Wäsche aufhängen? Ins Kino einladen? Möglicherweise etwas kochen? Vermutlich nachhaltiger für die Liebe als der Tulpenstrauß …

Aufgrund mangelhafter Schutzkleidung leiden viele Arbeiter und Arbeiterinnen auf Blumenfarmen unter gesundheitlichen Beschwerden durch Pestizidvergiftungen. Dazu gehören unter anderem Atembeschwerden, Hautveränderungen, Kopfschmerzen und Schlafstörungen.

"Der unzureichende Gesundheitsschutz der ugandischen Arbeiter und Arbeiterinnen zeugt von rücksichtsloser Ignoranz ihrer Arbeitgeber. Zusätzlich verhindern die niedrigen Löhne der Branche, dass die Arbeiter selbst die nötige Gesundheitsversorgung bezahlen können", sagt Gertrud Falk von der Menschenrechtsorganisation FIAN anlässlich der Veröffentlichung einer neuen Studie über die Arbeit auf Blumenfarmen in Uganda …

Wer also weder schlechte Arbeitsbedingungen unterstützen noch dem Klima schaden will, der sollte einfach selber welche anbauen, zu Hause auf dem Balkon oder bei Nachbars im Garten. Oder nur Blumen aus der Region und nur im Sommer kaufen. Die Herkunft des Valentinstags ist sowieso nicht eindeutig geklärt, Liebende könnten es auch wie die Brasilianer halten: Sie feiern den Valentinstag am 12. Juni.“

http://www.klimaretter.info/konsum/hintergrund/7928-zum-valentinstag-bitte-keine-Blumen

Am Einfachsten wäre es, überhaupt keine Schnittblumen zu verschenken (bzw. sich schenken zu lassen) – es gibt sehr schöne Blumen und Pflanzen, an denen mensch nicht nur für ein paar Tage seine Freude haben kann, sondern das ganze Jahr über.