„Es ist noch nicht allzu lange her, da forderte Donald Trump ein generelles Einreiseverbot für Muslime in die USA. Nun könnte der republikanische Präsidentschaftskandidat bald selbst mit einem Einreiseverbot belegt werden: Am Dienstag hat das britische Parlament entschieden, am 18. Januar über eine Online-Petition zu debattieren, die von mehr als einer halben Million Menschen unterzeichnet wurde.

Eingereicht wurde die Petition Anfang Dezember 2015 durch eine Frau namens Suzanne Kelly. Im Text der Petition, die nur aus wenigen Sätzen besteht, führt sie an, dass das Königreich auch schon anderen Personen wegen "Hassrede" die Einreise verweigert habe. Wenn das Land auch weiterhin Menschen auf der Basis von "unakzeptablem Verhalten" die Einreise verweigern wolle, schreibt Kelly, müssten die Kriterien gleichermaßen für "Reiche und Arme, Mächtige und Machtlose" gelten. Dem britischen Telegraph zufolge war Kelly schon einmal in eine Auseinandersetzung mit dem Milliardär verwickelt: Sie soll eine Kampagne gegen einen Golfplatz angeführt haben, den Trump im schottischen Aberdeenshire bauen lassen wollte.

Jede Petition, die von mehr als 100 000 Briten unterzeichnet wird, muss automatisch vom Parlament geprüft werden. In diesem Fall hat es außerdem eine Gegenpetition gegeben, die bisher knapp 40 000 Stimmen erhalten hat. Aufgrund des großen Zuspruchs, den beide Petitionen erhalten hätten, habe das zuständige Komitee beschlossen, die Anträge zu debattieren, sagte Komitee-Mitglied Steve Double der Online-Nachrichtenseite BuzzFeed. "Es ist eine interessante Frage: Wie gehen wir, als offene Demokratie, mit Menschen um, die Dinge sagen, mit denen wir nicht übereinstimmen? Meine persönliche Meinung ist, dass wir Menschen wie Donald Trump nicht bannen sollten, sondern dass wir den Mut haben sollten, für das einzustehen, an das wir glauben, eine offene Debatte zu führen und solche Ansichten auf diesem Wege zu besiegen."

In ihrer Antwort auf die Petition betont die Regierung, die Einreise ins Vereinigte Königreich sei ein Privileg und Innenministerin Theresa May werde es denjenigen entziehen, "die unserer Gesellschaft schaden wollen und unsere Grundwerte nicht teilen". Dieses Recht werde aber "nicht leichthin" ausgeübt, sondern auf Grundlage von Beweisen. Die Regierung erkenne die heftigen Reaktionen auf Trumps Aussagen an. Schon im Dezember hatte Premierminister Cameron diese als "spalterisch, dumm und schlicht falsch" verurteilt. Gleichzeitig sprach er sich aber gegen ein Einreiseverbot des Geschäftsmannes aus.

Der britischen BBC zufolge kann das Innenministerium Personen die Einreise verweigern, wenn diese sich "extremistisch" oder "unakzeptabel" verhalten. Innenministerin Theresa May gab an, allein im vergangenen Jahr "Hunderten" Menschen auf Grundlage dieser Richtlinie die Einreise verweigert zu haben - darunter nicht nur Islamistenprediger, sondern auch Mitglieder des Ku Klux Clans und der christlich-fundamentalistischen Westboro Baptist Church, sowie zwei anti-muslimische Blogger.“

http://www.sueddeutsche.de/politik/petition-im-britischen-unterhaus-britisches-parlament-diskutiert-einreiseverbot-fuer-donald-trump-1.2806481

 

Die Parlaments-Debatte um Donald Trump

 

„Drei Stunden lang hat das britische Parlament darüber debattiert, ob Großbritannien dem republikanischen US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump die Einreise verweigern sollte. Mehr als eine halbe Million Menschen fordern genau dies, indem sie eine entsprechende Petition unterzeichnet haben. Gestartet hatte die eine Frau aus Schottland nach Trumps kritischen Äußerungen über Muslime.

Eine skurrile Ausgangslage: Das Parlament des einen Landes debattiert darüber, ob es den Präsidentschaftsaspiranten eines anderen Landes - genauer: des engsten Verbündeten - bei einem Einreiseversuch etwa am Flughafen London-Heathrow zurückschicken sollte. Und es kommt wohl nicht allzu oft vor, dass ein Bewerber für das höchste Staatsamt der USA im britischen Unterhaus wahlweise als "Hassprediger" oder "Trottel“, "Rassist“ oder "Witzbold“ bezeichnet wird.

Wenn es aber nach dem Willen der oppositionellen Labour-Abgeordneten Tulip Siddiq geht, dann ist dieser Donald Trump nicht länger willkommen in Großbritannien: "Mit seinen Reden stachelt er dazu an, dass Verbrechen aus Hass begangen werden. Seine Worte sind nicht komisch, seine Worte sind nicht witzig. Sie sind giftig.“

Ihr sprang die - ebenfalls muslimische Abgeordnete - Tasmina Ahmed-Sheikh bei, die für die schottische Nationalpartei SNP im Unterhaus sitzt. Dass Trump Ende vergangenen Jahres nach den Terroranschlägen in Paris und Kalifornien ein Einreiseverbot für Muslime in die USA forderte, dafür hat sie kein Verständnis - und fühlt sich sogar persönlich angegriffen: "Dieser Mann will US-Präsident werden und wir sollen ihn erziehen? Seine Bemerkungen verdammen eine ganze Religion, einen Glauben, den ich praktiziere. Er redet über mich, über meine Familie, meine Kinder.“

Die meisten Politiker aus Regierung und Opposition warnten jedoch: Ein Einreiseverbot würde nur Trumps sowieso schon ausgeprägtes Ego stärken, er könne sich damit zum Märtyrer stilisieren - und es sei besser, ihn zu einer Debatte einzuladen, als ihn zu verbannen.

Unisono verteufelten Abgeordnete aller Parteien jene Ansichten, die der Milliardär verbreitet, etwa über Frauen und Mexikaner. Doch der konservative Abgeordnete Edward Leigh will nicht so weit gehen, Trump deswegen nicht mehr ins Land zu lassen: "Wir haben in diesem Land die Mächtigen aus Saudi-Arabien und aus China willkommen geheißen, sogar den rumänischen Diktator Ceaucescu - die größere Verbrechen begangen haben als Mr. Trump sich ausdenken kann. Wenn wir die Meinungsfreiheit nur denen gewähren, mit denen wir übereinstimmen, ist das dann noch Meinungsfreiheit?“

Trump selbst hatte durch einen Sprecher sinngemäß erklären lassen: Wenn die Briten ihn nicht mehr wollten, dann werde er halt nicht mehr in Schottland investieren, der Heimat seiner Mutter. Davon lässt sich der Tory-Abgeordnete Thomas Tugendthat zwar nicht schrecken, aber er ist ebenfalls gegen ein Einreiseverbot: "Es ist an den Amerikanern, ihn zu beurteilen; es ist an ihnen, ihn zur Verantwortung zu ziehen. Ich halte es für falsch, sich in die Wahlen anderer Länder einzumischen und möchte dies so wenig wie möglich tun.“

So ging es hin und her, und das über drei Stunden. Eine Abstimmung über die Petition gab es am Ende nicht: Denn das britische Parlament kann über ein Einreiseverbot gar nicht entscheiden. Das ist Sache der Innenministerin; Theresa May hat bereits durchblicken lassen, dass sie Mr. Trump zwar nicht mit offenen Armen, aber doch im Land empfangen würde.“

https://www.tagesschau.de/ausland/briten-donald-trump-101.html

https://www.tagesschau.de/ausland/schottin-gegen-trump-101.html

Im britischen Parlaments-Fernsehen wurde die sehenswerte Debatte übertragen und aufgezeichnet:

https://petition.parliament.uk/petitions/114003

http://parliamentlive.tv/Event/Index/83208344-218d-4c43-9300-ca78c374b875

Ermutigt durch den britischen Erfolg der Petition, wurde kurz darauf eine deutsche Petition mit folgendem Inhalt gestartet:

„Mit dieser Petition fordern wir das sofortige Einreiseverbot von Donald Trump in die Bundesrepublik Deutschland.

Ein öffentliches Video legt den Verdacht nahe, dass Herr Trump mit gefährlichem, möglicherweise hoch ansteckendem Gedankengut infiziert ist, welches die innere Sicherheit unseres Landes gefährden könnte.

Das Verbot sollte solange gelten, bis unsere Volksvertreter eindeutig geklärt haben, was zur Hölle mit dem Mann los ist. Wir haben keine andere Wahl!

Hintergrund unserer Forderung

Hr. Trump, der bereits zuvor mit seinen rassistischen Äußerungen für Furore gesorgt hatte, stellt jetzt aufgrund des jüngsten Terroranschlags in den USA alle Muslime unter Generalverdacht. Er fordert nicht weniger als ein Einreiseverbot für alle Muslime in die USA, selbst für muslimische US-Bürger, die das Land vorübergehend verlassen. Dieser Form des Extremismus müssen wir uns, nicht zuletzt aufgrund unserer historischen Erfahrung, mit allen Mitteln entgegen stellen.

Mit unserer Forderung wollen wir ein Zeichen setzen und greifen dabei bewusst die rhetorische Argumentationskette auf, derer sich Herr Trump selbst bedient.

Nein Herr Trump, wir leugnen nicht, dass es Extremismus und Fundamentalismus in unserem Land gibt und dass hiervon eine Gefahr für unsere Sicherheit ausgeht. Aus diesem Grund ist entschiedenes Handeln notwendig, nicht pauschal gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen oder Glaubensgemeinschaften, sondern gezielt gegen einzelne Extremisten und Hassprediger. Zu diesen gehören auch Sie!“

https://www.change.org/p/einreiseverbot-von-donald-trump-in-die-bundesrepublik-deutschland

 

Meinungsfreiheit und Duckmäusertum

 

Petitionen

Wenn in Großbritannien eine Petition von 10.000 Menschen gezeichnet wird, wird die britische Regierung dazu eine Stellungnahme abgeben. Ab 100.000 Zeichnungen wird das britische Parlament darüber debattieren.

https://petition.parliament.uk/

Das ist gut und schön. Jeder britische Bürger kann eine Petition starten und hat die Möglichkeit, für sein Anliegen zu werben, von seinen Mitbürgern, der Regierung und dem Parlament ernst genommen zu werden.

Petitionen können auch in Deutschland gestartet werden. Sie können zwar mal mediales Interesse erregen (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/54-schuss-nach-hinten.html), gehen Parlament und Regierung im Normalfall jedoch am Arsch vorbei. Der so „geschätzte“ Bürger ist oft der Meinung, dass er ohnehin nichts ändern könne und dass er allein keinerlei Einfluss auf die Politik hätte. Mit den entsprechenden Folgen.

Unter anderem ist das an der unterschiedlichen Beteiligung zu sehen: während in Großbritannien bis Anfang Januar über 578.000 Menschen die Petition unterstützten, waren es in Deutschland 35.000. Also ca. 6% bei einer deutlich höheren Einwohnerzahl (in Großbritannien 64 Millionen, in Deutschland 80 Millionen).

Die deutschen Parlamentarier hätten schon die Hosen voll, wenn sie über Donald Trump reden müssten und ganz sicher würden im Bundestag dann nicht die Worte "Hassprediger", "Trottel“, "Rassist“ oder "Witzbold“ fallen.

Speakers‘ Corner

„Karl Marx wusste genau, wann die große Revolution in England begann: gestern. Das schrieb er am 28. Juni 1855, begeistert vom Aufstand der Arbeiterklasse. Die hatte am Vortag im Hyde Park vehement gegen ein geplantes Gesetz protestiert, das ihnen den Sonntag nehmen wollte: An ihrem einzigen freien Tag sollten der Handel und alle möglichen Vergnügungsmöglichkeiten verboten werden. Dagegen schrien sie nun an.

Marx kam häufiger in den Hyde Park: um Reden zu halten und anderen zuzuhören. Engels und Lenin waren ähnlich beeindruckt, Angela Merkel ebenfalls. Als die deutsche Kanzlerin im letzten Jahr vor dem britischen Parlament sprach, erzählte sie den Kollegen, dass sie bei ihrem ersten Londonbesuch nach dem Mauerfall gleich in den Hyde Park gelaufen war. Speakers’ Corner, das war für sie weit mehr als eine Touristenattraktion oder eine Schulbuchlektion – es war der Inbegriff der Freiheit. In der Nordostecke des königlichen Parks darf seit knapp 150 Jahren jeder in aller Öffentlichkeit sagen, was er will. Die Meinungsfreiheit ist hier staatlich verbrieftes Recht.

Die von Marx beschworene Revolution hatte zwar nicht zum Kommunismus geführt, aber zu mehr Demokratie. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch die Reform League, eine Organisation, die die Öffnung des Wahlrechts forderte – an die Urne durfte nur ein Bruchteil der männlichen Bevölkerung gehen. Als eine Protestveranstaltung der League verboten und der Park abgesperrt wurde, Tausende von Polizisten in Stellung gingen, rissen die Demonstranten die Absperrungen nieder und stürmten den Hyde Park. Als im Jahr darauf wieder eine Versammlung verboten wurde, nichtsdestotrotz 150 000 Menschen anmarschierten, hielt die Polizei sich zurück, der Innenminister dankte ab, und das Parlament verabschiedete 1872 den Royal Parks und Regulation Act. Danach ist der außerparlamentarischen Opposition an dieser Großstadtecke verbal so ziemlich alles erlaubt – außer Kritik am Königshaus und Obszönitäten.“

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/speakers-corner-die-frei-sprech-anlage/12016506.html

Omertà

Sich einzumischen, Reden zu halten, sich etwas zu trauen, ist in Großbritannien nichts Außergewöhnliches.

Jedoch in Deutschland. Mensch beobachte hier seine Kollegen in der Mittagspause: überwiegend wird dort über Fachliches oder pure Belanglosigkeiten geredet. Wurm könnte den Eindruck haben, dass in Deutschland ein Schweigegelübde herrscht: es wird nicht über Religion, nicht über Sexualität und kaum über Politik geredet. Und schon gar nicht über das jeweilige Gehalt. Während in anderen Ländern offen darüber geredet wird und die Menschen stolz darauf sind, wenn sie gut verdienen, ist das in Deutschland nicht so. Im Gegenteil: gerne wird gejammert, wie schlecht es einem ginge und wie wenig mensch sich leisten könne – meistens handelt es sich dabei ausgerechnet um solche Menschen, die ordentlich Geld auf der Bank haben und sich sehr viel leisten können. Aber sie stellen sich gerne als arme Menschen dar und jammern sehr, sehr gerne.

Dagegen haben Menschen, die gerne etwa über Politik oder kontroverse Themen reden, in diesem Lande ein Problem. Schon alleine deshalb, weil sie das inoffizielle Schweigegelübde brechen, werden sie schief angesehen.

Aus einem früheren Wurm: „Meistens sind sie oberflächlich, vermeiden für sie unangenehme Themen und wenn mensch ihnen eine ihrer Frage entsprechend ernsthafte Antwort gibt, kommt gleich „so genau wollte ich das jetzt auch nicht wissen“. Nicht wenige haben kein Problem, auf sozial Schwächeren herumzuhacken und sie fertigzumachen, aber konkret eine Frage zu stellen (und wenn es um noch so banale Dinge geht), das überfordert oft schon ihren Mut. Siehe auch http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/23-big-brother-is-watching-you.html

"Ein typisches Beispiel dafür, ja nichts zu sagen und ja nicht anzuecken, bietet das beliebte Volkslied „Die Gedanken sind frei“ …

Das gilt bei denen allen Ernstes als „Revolutions-Lied“!

Ein Deutscher sollte einem Franzosen lieber nicht erzählen, welche Zeilen in Deutschland als so richtig revolutionär gelten:

Ich denke, was ich will,

und was mich beglücket,

doch alles in der Still,

und wie es sich schicket.“

Ein viel besseres Beispiel für die schafsmäßige Ergebenheit der Deutschen lässt sich kaum finden …

Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum Lachen. Der Kabarettist Alfons macht das Revolutionäre im Deutschen deutlich:

„Ihr solltet vielleicht ein bisschen mehr protestieren. Sehen Sie, wie das in Frankreich geht, zum Beispiel in Frankreich die Bauern, wenn die richtig genervt sind, dann die kippen ihr Gemüse vor das Finanzamt. Aber das kann man in Deutschland nicht wirklich machen, dann würde man sofort Ärger kriegen, nein, das ist keine Ausladezone und so, aber machen Sie was wie Molotow-Cocktail auf das Finanzamt, auf die Behörden. Na, Molotow-Cocktail ist schwierig in Deutschland, weil da muss man schnell hin rennen und das Ding wieder holen, na, wegen dem Flaschenpfand.

In Deutschland, wenn man demonstrieren will, es gibt Vorschriften. Also wirklich, in Deutschland viele Dinge sind vorgeschrieben. Ich habe die Vorschriften gelesen, das ist lustig: Zum Beispiel, wenn man eine Demonstration machen will und man will Transparente hoch halten, ist es vorgeschrieben, wie lange die Stöcke der Transparente sein sollen.

In Deutschland, wenn du eine Demonstration machen willst, das musst du fristgerecht vorher anmelden. Ja, für euch ist das normal, aber in Frankreich wäre das eine Riesen-Pointe. Fristgerecht anmelden – wie macht ihr das? Ihr geht zum Ordnungsamt und ihr sagt „guten Tag, an dem Tag soundso ab 14.00 Uhr möchte ich sehr wütend sein und sehr aufgebracht“? Und dann sagen sie „ja, das wär‘ kein Problem, dafür haben wir ein Formular, bitte schön“.“

Ab Minute 42: https://www.youtube.com/watch?v=wvAYTOSFhRU

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/149-teile-und-herrsche.html

Kritik an der Regierung

An der Politik Großbritanniens gab und gibt es viel zu kritisieren. Erst recht ist das so mit den angelsächsisch geprägten USA. Aber: in beiden Ländern gibt es eine lange und große Tradition, das Geschehen zu beobachten und zu kritisieren und seitens der Regierungen, unangenehme Dokumente freizugeben. Bzw. gibt es die entsprechenden Gesetze, die die Regierung dazu zwingen.

Im Gegensatz zu Deutschland: beobachtet und kritisiert wird da nur von Außenseitern bzw. von solchen, die bald Außenseiter sein werden. Und kaum denkbar ist, dass die Regierung unangenehme Dokumente freigibt. Es käme auch kaum einer auf die Idee, dies zu fordern.

Hierzu ein paar Beispiele, mit denen sich der Wurm in der Vergangenheit bereits beschäftigt hatte:

Hans-Jürgen Krysmanski : „„Das Gute ist aber, dass solche Nebenregierungen, die zunächst nicht sichtbar sind, von vielen wachen Leuten bemerkt und beobachtet werden. Die Amerikaner sind, anders als wir, immer fähig gewesen, ‚die da oben‘ genau zu beobachten. Das haben wir in den Sechzigern und noch in den Siebzigern gesehen. Und diese Tradition dessen, was man in Amerika Power Structure Research nennt, die lebt auch heute noch. Da gibt es viele Institute, auch in Washington, die diese Entwicklung kritisch begleiten. Von daher liegen die Dinge anders als, sagen wir einmal, in einem faschistischen oder autoritären Staat. Wir finden immer noch Gegengewichte, Gegenkräfte gegen solche Entwicklungen.“

„Mills nannte Macht und Herrschaft beim Namen, da wurden die Strukturen, aber auch die Figuren dargestellt. Das war sehr eindrucksvoll und hat mich in meinem wissenschaftlichen Leben seither begleitet. Es hat mich immer geärgert, dass die deutsche Mainstream-Soziologie Mills links liegenließ … Bei allen dreien, insbesondere bei Gehlen, hat man gemerkt, dass sie sehr genau wissen, wie Herrschaft und Macht wirklich ausgeübt werden, ob in Deutschland oder in den USA. Sie wussten: Hinter diesem demokratischen Parteienstaat stehen noch ganz andere Mächte, die schweigen – das war der Begriff von Gehlen: ‚Die schweigen.‘ Es gibt das berühmte Zitat von Carl Schmitt: ‚Eliten sind diejenigen, deren Soziologie keiner zu schreiben wagt.‘ Das ist exakt das, was ich als Soziologe erlebt habe. Es gibt in der Bundesrepublik zwischen Mainstream-Soziologie und herrschender Klasse einen Nichtangriffspakt. Das ist absurd, aber so ist es. – Das bedeutet, die Soziologie war eine Mittelschichtenveranstaltung. Man beobachtete die Unterschichten, man guckte, ob es da Unruhe gibt, ob da Konflikte entstehen. Man bot Rezepte an, beobachtete die eigene soziale Gruppe, die Mittelschichten, aber man schaute nicht nach oben. Denn von dort kamen die Aufträge, wenn auch nicht das Geld. Nachdem aber die sozialwissenschaftlichen Einrichtungen in viele Parzellen zerfallen sind, erhält heute jeder Forscher immer weniger Geld vom Staat und ist immer mehr auf sogenannte Drittmittel, also privates Geld, angewiesen. Insofern ist es schlimmer als damals.““

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/183-extremer-reichtum-unterwandert-die-demokratie.html

„Jürgen Todenhöfer: „Liebe Freunde, laut US-Geheimdienst DIA wusste die Regierung Obama spätestens seit August 2012, dass Al Qaida (AQI, ISI, IS) und andere Extremisten den Aufstand in Syrien anführten. Dadurch sei „die Chance der Schaffung eines ‚Salafisten-Hoheits-Gebiets‘ in Ost-Syrien“ entstanden. Das sei genau das, was der Westen und seine Verbündeten am Golf ‚wollten‘, um das syrische Regime vom schiitischen Irak und Iran abzuschneiden. „Der ISI könne dadurch zusammen mit anderen Terror-Organisationen im Irak und Syrien einen ‚islamischen Staat‘ ausrufen.“

Wumm!! Der detaillierte und schonungslose Geheim-Bericht der Defence Intelligence Agency (DIA) wurde vor einer Woche auf Anordnung eines US-Gerichts veröffentlicht. Er war seinerzeit auch dem Nationalen Sicherheitsrat vorgelegt worden. Dessen Vorsitzender heißt Barack Obama. Er wird regelmäßig über die Erkenntnisse der Geheimdienste informiert.

Der Inhalt des Geheimdokuments verschlägt einem die Sprache. Ein Friedens-Nobelpreisträger als Terror-Pate! Der Westen an der Seite des internationalen Terrorismus! Als wissentlicher Förderer des internationalen Terrorismus! Des ISI! Das ist die bittere Realität.

Das Dokument ist eine Sensation und ein politischer Skandal. Ein terroristisches Watergate. Obama und der Westen wussten früh, wer in Syrien wirklich kämpft und welche weltweite terroristische Gefahr aus ihrer Politik erwuchs. Während sie der Welt das übliche Märchen erzählten, sie kämpften für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, unterstützten sie gezielt terroristische Organisationen.

Ein salafistischer Terrorstaat in Ost-Syrien war ihnen nicht nur egal. Sie ‚wollten‘ ihn. Sie nahmen zusätzlich bewusst in Kauf, dass der ISI einen islamistischen Terrorstaat gründen konnte, der Teile des Irak umfasste. Der DIA-Bericht ist in diesem Punkt unmissverständlich.““

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/195-wer-wind-saet-wird-sturm-ernten-terror-in-paris.html

Die freigegebene Zusammenfassung des Berichtes des Geheimdienstausschusses des Senats über die Verhörmethoden der CIA, der am Dienstag veröffentlicht wurde, enthüllt ein brutales Folter- und Misshandlungsprogramm und beweist, dass die US-Regierung noch umfangreichere Verbrechen begangen hat, als bisher bekannt ist.

Der 500-seitige Bericht über CIA-Folter unter der Bush-Regierung wurde am Dienstagmorgen veröffentlicht, begleitet von Äußerungen der Vorsitzenden des Ausschusses im Senat, Dianne Feinstein. Er ist die Zusammenfassung eines umfangreicheren, noch als vertraulich eingestuften 6.700-seitigen Dokuments, das die Mitarbeiter des Senats aus sechs Millionen Seiten Dokumenten zusammengestellt haben.

Der Bericht des Geheimdienstausschusses war zwar bereits 2012 fertig, allerdings versuchte die CIA mit Unterstützung der Obama-Regierung seine Veröffentlichung zu behindern.

Der Bericht zeichnet das Bild eines Geheimdienstes, der außerhalb aller rechtlichen Beschränkungen operiert.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/128-reich-der-finsternis.html

„Ein weiteres Beispiel war die Operation Northwoods des US-Militärs von 1962, bei der durch selbst inszenierte Terroranschläge vorgeblich kubanischer Terroristen gegen die USA ein Vorwand für die Invasion Kubas geschaffen werden sollte. Sie wurde jedoch wegen des Widerstands von Präsident John F. Kennedy nicht realisiert. Der Plan kam auf Antrag eines Journalisten auf Basis des Freedom of Information Act 1997 an die Öffentlichkeit. Der Journalist und Geheimdienstexperte James Bamford kommentierte dazu:

„Geheimen und lange unter Verschluss gehaltenen Dokumenten zufolge […] machte und verabschiedete der Vereinigte Generalstab Pläne, die vielleicht die schlimmsten waren, die je von einer US-amerikanischen Regierungsinstanz produziert worden sind. Im Namen des Antikommunismus schlugen die Militärs einen geheimen und blutigen Terrorkrieg gegen ihr eigenes Land vor, um die amerikanische Öffentlichkeit für den irrwitzigen Krieg zu gewinnen, den sie gegen Kuba führen wollten““

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/106-falsche-flagge.html

„MKULTRA (auch MK ULTRA, Aussprache M-K-Ultra) war ein umfangreiches geheimes Forschungsprogramm der CIA über Möglichkeiten der Bewusstseinskontrolle. Es lief von 1953 bis in die 1970er Jahre im Kontext des Kalten Kriegs. Ziel des Projekts war, ein perfektes Wahrheitsserum für die Verwendung im Verhör von Sowjetspionen zu entwickeln sowie die Möglichkeiten der Gedankenkontrolle zu erforschen. In Teilen überschnitten sich die Arbeiten auch mit den Forschungen anderer US-Programme zu biologischen Waffen.

Das Programm umfasste unter anderem tausende von Menschenversuchen, bei denen ahnungslose Testpersonen, oft willkürlich unter Krankenhauspatienten und Gefängnisinsassen ausgewählt, ohne ihr Wissen unter hochpotente halluzinogene Drogen wie LSD und Mescalin gesetzt wurden. Zahlreiche Versuchspersonen trugen bei den Experimenten schwerste körperliche und psychische Schäden davon, teilweise bis hin zum Tod. Ein großer Teil der Experimente des Projekts verstieß gegen US-amerikanische Gesetze. Im Nachhinein betrachtet die CIA die meisten Experimente als wertlos, da sie häufig von Mitarbeitern ohne jede wissenschaftliche Qualifikation durchgeführt wurden.

Mitte der 1970er Jahre beschäftigten sich mehrere Untersuchungskommissionen des US-Kongresses mit der Aufarbeitung des Programms. Dies geschah im Rahmen eines breiter angelegten Versuchs, illegales Handeln mehrerer US-Geheimdienste und des FBI im In- und Ausland parlamentarisch zu untersuchen, besonders bekannt wurde ein als Church Committee bezeichneter Untersuchungsausschuss. Die Aufklärung wurde durch die illegale systematische Vernichtung fast aller CIA-internen Akten zu MKULTRA auf Weisung von CIA-Direktor Richard Helms im Jahr 1973 stark erschwert. Die Untersuchung beruhte daher auf den wenigen verbliebenen Akten und auf den Aussagen von CIA-Mitarbeitern vor den Ausschüssen.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/169-ultra.html

Bei aller berechtigten Kritik am Verhalten der US-Regierung: mensch frage sich, ob all diese Punkte, wären sie in Deutschland passiert, an die Öffentlichkeit gelangt wären.

 

Geistes-Wissenschaften und Populär-Kultur

 

Wertschätzung der Geisteswissenschaften

Die Wahrscheinlichkeit, als Geistes-Wissenschaftler in Deutschland missachtet oder verachtet zu werden, ist groß. Deren Stellenwert mag mal höher gewesen sein, aber mittlerweile stehen sie sehr weit unter den Natur-Wissenschaftlern.

In anderen Ländern ist das anders, unter anderem in Großbritannien. Natur-Wissenschaftler haben dort die Funktion, „bessere Handwerker“ zu sein und dazu, das Leben angenehmer zu gestalten. Richtig geachtet werden dort die Geistes-Wissenschaftler, die für das Große und Ganze zuständig sind.

Wer in Deutschland sagt, er sei Linguist oder Semiotiker, wird nur von wenigen ernst genommen. Dabei sind das die Berufe von zwei der bedeutendsten Intellektuellen der Welt: Noam Chomsky und Umberto Eco. Außerhalb Deutschlands genießen sie und ihre Berufe eine höhere Wertschätzung.

U und E

In kaum einem anderen Land gibt es einen dermaßen großen Unterschied zwischen Kultur, die ernsthaft ist (E) und solcher, die zur Unterhaltung dient (U). Das ist nicht nur bei Musik so.

Mit der Folge, dass „U“ nicht ernst genommen wird und „E“ nicht für die breite Masse ist. Das ist vor allem in den angelsächsischen Ländern anders: dort gibt es diese Unterscheidung nicht. Die von deutscher Seite aus von manchen Pseudo-Intellektuellen geringschätzig betrachtete Populär-Kultur steht auf weitaus höherem Niveau als die deutsche.

Während die Theater-Stücke von William Shakespeare in Großbritannien Sache des gesamten Volkes sind (und schon immer waren), ist das in Deutschland eher eine Sache der „gebildeten“ Schichten. Ähnlich sieht es mit der Literatur aus: die Briten kennen ihre Literatur. Auch durch die populären Verfilmungen. Von den Deutschen lässt sich das nicht sagen.

Klassische Musik ist hierzulande eine überaus ernsthafte Sache. Anders ist das in Großbritannien.

„Proms“ und „Last Night of the Proms

Aus „Wikipedia“: „Die englische Kurzbezeichnung Proms steht für promenade series. Die Proms haben ihre Wurzeln dabei tatsächlich in den traditionellen, seit dem 18. Jahrhundert beliebten, ebenfalls in London entstandenen Promenadenkonzerten. Sie entwickelten sich jedoch schnell zu einem einzigartigen Musikfestival, das mit den Promenadenkonzerten allenfalls Gemeinsamkeiten in der Ausrichtung auf ein breites Publikum und einzelne Veranstaltungen mit populären Musikstücken aufweist. Auch der namentliche Bezug blieb erhalten. Bei Konzerten in der Royal Albert Hall gibt es neben den Sitzplätzen auch sehr preiswerte Stehplätze (2013: fünf Pfund pro Konzert). Die Besucher, die sich für diese Plätze direkt vor der Bühne (in der Arena) oder auf der Galerie entscheiden, werden Promenaders (engl. ‚Spaziergänger‘) oder kurz Prommers genannt. Viele von ihnen besuchen die Konzerte schon seit Jahrzehnten, manche seit mehr als 40 Jahren. Einige verpassen während einer Saison kein einziges Konzert.

Die Proms haben traditionell keine Kleiderordnung. Die Konzertbesucher kommen oft direkt von der Arbeit (oder an freien Tagen aus den benachbarten Kensington Gardens) und sind dementsprechend angezogen: Vom Business-Anzug bis hin zu legerer Freizeitkleidung ist alles zu sehen. Selbst kurze Hosen, T-Shirts und Trainingsanzüge gehören vor allem unter den Stehplatzzuschauern in der Arena zum normalen Bild. In der Pause finden auf dem Boden der Arena sogar kleine Picknicks statt. Aufmerksamkeit erregt bei den Proms eher schon feine Abendgarderobe: Sie wird meist von Touristen getragen, die mit den Ritualen der Proms nicht vertraut sind …

Das erste Proms-Konzert fand am 10. August 1895 in der Queen’s Hall am Londoner Langham Place statt. Es wurde von Robert Newman initiiert. Die Konzertreihe entstand aus der Idee heraus, auch Menschen anzusprechen, die sich normalerweise nicht für klassische Konzerte interessieren. Sie sollten mit günstigen Kartenpreisen und einer zwangloseren Atmosphäre (Essen, Trinken und Rauchen wurden ausdrücklich erlaubt) von einem Konzertbesuch überzeugt werden …

Die legendäre „Last Night of the Proms“, das Abschlusskonzert, das außerhalb von Großbritannien viel bekannter ist als die eigentliche Konzertsaison, findet in einer sehr gelösten Atmosphäre statt. Neben populärer Klassik wird in der zweiten Hälfte des Konzertes eine Reihe von patriotischen Werken aufgeführt. Dazu zählen unter anderem Hubert Parrys Vertonung von William Blakes Gedicht And did those feet in ancient time (Die Hymne trägt zwar den Titel Jerusalem, das Gedicht selbst hat bei Blake jedoch keinen Titel. Es ist Teil seiner Dichtung Milton. Blakes Dichtung Jerusalem hat nichts mit dem Gedicht zu tun.), Edward Elgars Pomp and Circumstance March Nr. 1 (Land of Hope and Glory) und Rule, Britannia!. Bei den genannten Stücken ist es Tradition, dass das Publikum mitsingt und teilweise Union-Jack-Fähnchen schwingt und ebensolche Hüte trägt. Die „Last Nights of the Proms“ verbinden damit karnevalistische Fröhlichkeit mit der Feierlichkeit eines klassischen Konzerts.

Das Konzert endet damit, dass die Nationalhymne gesungen wird, Zugaben erfolgen nicht; wobei oftmals vom Publikum allein Auld Lang Syne angestimmt wird. Oft stimmt der Chor dabei auch mit ein.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Proms

Der NDR überträgt diese Veranstaltung jedes Jahr live für das deutsche Fernsehen. Wer davon noch nichts gehört oder gesehen hat - hier besteht die Gelegenheit dazu:

 

 

Dass so etwas in Deutschland kaum möglich wäre, braucht der Wurm nicht extra zu betonen.

Britischer Film

Ulrich von Thüna über den britischen Film: „Man stelle sich vor, dass ein deutscher Film über Wallenstein, Kaiser Maximilian oder über Friedrich den Großen in der Bundesrepublik gedreht und ein weltweiter Kassenerfolg würde. Die Vorstellung ist so absurd, dass man sie nicht weiter zu verfolgen braucht. In England gehen die Uhren anders. Dort wurde 1998 von Shekhar Kapur mit Elizabeth ein Film über Elisabeth I. gedreht, der nicht nur sehr bemerkenswert war, sondern ein großer internationaler Erfolg wurde.

Das historische Genre gibt es im Film der Bundesrepublik praktisch nicht und das gilt auch für die früheren Jahre der Bundesrepublik, einmal abgesehen von Filmen über den Zweiten Weltkrieg und damit verbunden über das Dritte Reich. Die Herausgeberinnen des vorliegenden Sammelbandes, eine jenseits des Kanals sehr beliebte Publikationsform, weisen zu Recht darauf hin, dass der britische historische Film fast synonym ist mit britischem Film schlechthin – was im übrigen glücklicherweise eine zulässige Übertreibung ist. Denn die Thatcher- und Post-Thatcher-Jahre waren geprägt von einem sozialkritischen Film, der auf gesellschaftliche Missstände hinwies und international sehr beachtet wurde, wenn auch mehr von der Kritik als vom zahlenden Publikum …

Auch dieses Genre, eine ironische, aber nicht bittere Bearbeitung britischer Geschichte gibt es hierzulande nicht und wir bringen es allenfalls zu Parodien deutscher Monumente wie Karl May: siehe Der Schuh des Manitu (2001) …

Aber der genannte Elizabeth-Film (1998) oder Shakespeare in Love (1999) von John Madden zeigen das Fortleben des Genres. Es ist die Schokoladenseite zu den Bildern aus dem Arbeitermilieu wie Brassed off (1996) oder The Full Monty (Ganz oder gar nicht) (1997), die Sozialkritik mit einer gewissen Versöhnung zeigen oder den nüchternen und härteren Filmen von Ken Loach. Da erlebt man die Verwerfungen der Thatcher-Jahre.“

http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=16&ved=0ahUKEwinoIjd8ejKAhXCKw8KHfMlBXg4ChAWCDswBQ&url=http%3A%2F%2Farchiv.ub.uni-marburg.de%2Fep%2F0002%2Farticle%2Fdownload%2F2220%2F2135&usg=AFQjCNGiHc3vimiKW41pAESqSSc1S9GmTg

Natürlich gibt es Ausnahmen – aber wo sind in Deutschland die guten, ernsthaften Filme, die auch ein Massenpublikum anziehen? Etwa „zu den Bildern aus dem Arbeitermilieu, die Sozialkritik mit einer gewissen Versöhnung zeigen“?

Historisches Erbe

Aus einem früheren Wurm: „Der „National Trust“ ist, wie die Finanzierung und der freie Eintritt in staatlichen Museen, Ausdruck für den in Großbritannien herrschenden Gemeinsinn und für die Bewahrung von geschichtlicher Identität.

Wenn bei einer Einwohnerzahl von ca. 64 Millionen Menschen ca. 4 Millionen Mitglieder (inclusive Schottland) und über 60.000 Freiwillige mit ihrer Arbeit den „National Trust“ unterstützen, ist das beeindruckend.

Wer schon mal auf einer Studienreise in Großbritannien war, wird vielen dieser Freiwilligen in den Liegenschaften des „National Trust“ begegnen, und wenn es nur im „shop“ des Gemäuers ist. Und wird Gelegenheit haben, mit denen ein paar Wörtchen zu wechseln und feststellen, mit welcher Begeisterung und Stolz viele ihrer Arbeit nachgehen.

Und ist beschämt, wenn er die Frage hört, ob es in Deutschland auch so etwas wie den „National Trust“ gibt und ob die Menschen auch so begeistert davon wären.

Na ja, erst seit 1985 gibt es die „Deutsche Stiftung Denkmalschutz“. Die Gründer sind dafür zwar zu loben – aber im Wesentlichen handelt es sich um eine Kopfgeburt ohne den ganz großen Rückhalt in der Bevölkerung. Es gibt zwar über 200.000 Förderer und ein paar, die unentgeltlich dafür arbeiten, wird es auch geben, aber das sind gerade mal 5% der Mitglieder in Großbritannien bei einer deutlich höheren Einwohnerzahl. Und in 25 Jahren geben sie so viel aus wie in Großbritannien in einem Jahr …

In Großbritannien ist das anders. Dort wird der „National Trust“ mit seinen Anliegen schon wg. der Anzahl der Mitglieder sehr ernst genommen. Und verfolgte von Anfang an die Politik, dass nur das sicher vor staatlichem Zugriff ist, was Eigentum des „National Trust“ ist.

Dass in Deutschland wg. hoher Erbschaftssteuern oder aus Idealismus dem Staat bzw. einer nationalen Stiftung Herrenhäuser übereignet wurden, hat der Wurm auch noch nicht oft gehört.

In Deutschland sieht es in der Praxis unterschiedlich aus. Tatsächlich gibt es auf lokaler oder regionaler Ebene viele Idealisten, die sich um ihr historisches Erbe kümmern. Mit großem Erfolg. Meistens sieht es aber so aus, dass vor Ort ein paar idealistische Hansel was machen, aber vom Rest der Bevölkerung alleine gelassen werden.

Mit den entsprechenden Folgen: wer nicht weiss, wo er her kommt, kann nicht wissen, wo er gerade steht und wo er hin gehen wird. In Großbritannien wissen sie das.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/132-national-gallery.html

 

Kunst und Künstler

 

Hier mal ein paar Vertreter der Populär-Kultur, die auch in Deutschland bekannt sind:

Joanne K. Rowling und „Harry Potter“

„Nach ihrem Schulabschluss 1983 studierte sie Französisch und Klassische Altertumswissenschaft an der University of Exeter.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Joanne_K._Rowling

Aus einem früheren Beitrag des Wurms: „Der Vorwurf, ein Autor von Kinder- oder Jugendbüchern zu sein, ist unqualifiziert. Und wenn dieser Vorwurf „in Deutschland … immer noch ein richtiges Totschlagargument“ ist, spricht das nicht für die Deutschen bzw. deren Literatur-Betrieb.

Gut gemachte Kinder- oder Jugendbücher können alles beinhalten, was denkbar ist und ihre jungen Leser besser als im Erwachsenenalter beeinflussen.

„Harry Potter“ von Joanne K. Rowling etwa beschreibt sehr deutlich das Heraufziehen einer Diktatur und welche Personen sich aus welchen Gründen dieser anschließen. Da kommt kein Sachbuch ran.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/206-kipling.html

Trotzdem es um ernsthafte Dinge geht, haben die Bücher ihren Erfolg zu einem großen Teil ihrem Sprachwitz und niveauvollem Blödsinn zu verdanken (beides kommt in den Filmen nicht so richtig raus). Der „Inoffizielle Harry-Potter Fanclub“ gibt dankenswerterweise eine Vorstellung davon. Einfach durch die verschiedenen Unterpunkte gehen.

Große Kinder werden sich an der Phantasie und dem Wortwitz erfreuen, auch beim „Lexikon“. Der Wurm hat mal völlig willkürlich aus den Buchstaben „A“ und „B“ einige Begriffe ausgesucht:

- Abteilung für die Umkehr verunglückter Magie

- Adalbert Schwahfel

- Alte und vergessene Hexereien und Zaubereien (Buch)

- Aufheiterungszauber

- Barnabas der Bekloppte

- Beißende Türklinken

- Beißender Kessel

- Benimmregeln für Werwölfe

- Besenregulations-Kontrollamt

- Bibliotheksflüche

- Bindehautentzündungsfluch

- Bissige Bumerangs

- Büro für Lächerliche Patente

Auf der Webseite gibt es die Erklärungen für die jeweiligen Begriffe.

http://www.hp-fc.de/

In der deutschen Sprache gibt es durchaus gute und liebenswerte Kinder- und Jugendbücher – aber nirgendwo steht ein Denkmal von „Lachlan, dem Lulatsch“ und nirgendwo wird beiläufig „Wendelin die Ulkige“ erwähnt, eine Hexe, die sich im Mittelalter 47 mal verbrennen ließ.

Spitting Image

„Spitting Image war eine satirische britische Fernsehshow, die in den Jahren 1984 bis 1996 vom Sender ITV ausgestrahlt und von der Firma Spitting Image Productions produziert wurde. Es handelte sich bei Spitting Image um Latex-Puppen, die als Karikaturen von bekannten Persönlichkeiten ausgeführt waren, die dabei parodiert wurden …

Zu den Charakteren zählten in erster Linie britische und US-amerikanische Politiker, allen voran die britische Premierministerin Margaret Thatcher, die als aggressives, autoritäres Mannweib dargestellt wurde. An ihrer Seite stand Ronald Reagan, der die Rolle eines (buchstäblich) hirnlosen, von Atomwaffen besessenen US-Präsidenten übernahm …

Ein immer wiederkehrendes Thema waren auch die britischen Royals: Die Queen wurde als leicht verrückte Dame dargestellt, die ihre Kleidung aus Mülleimern sammelt, während Prinz Philip als Witzbold in Marineuniform und mit Gewehr portraitiert wurde. Prinz Charles erschien zurückhaltend und distanziert und bildete so den Kontrast zu Lady Diana, die als publicitysüchtig charakterisiert wurde. Auch die senile Queen Mum, ständig mit einer Flasche Gin in der Hand, Prinz Andrew als ewiger Playboy, Prinz Edward als gereizter Teenager und die übrigen Windsors bekamen ihr Fett weg.

Neben den Politikern gehören zu den bekanntesten Figuren Papst Johannes Paul II. als Rocker, Jesus als Hippie, der Spock-Darsteller Leonard Nimoy, Rupert Murdoch und Mark Thatcher.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Spitting_Image

https://www.youtube.com/results?search_query=spitting+Image

Rowan Atkinson: Mr. Bean

„Atkinson, der ursprünglich Elektroingenieur werden wollte und in Oxford bis zum Master of Science studierte, begann seine Karriere 1979 bei der BBC als Ensemblemitglied der Comedy-Show Not the Nine O’Clock News, bei der auch Mel Smith, Pamela Stephenson und Griff Rhys Jones mitspielten.

Ab 1982 konnte man Atkinson in den vier Staffeln der Serie Blackadder sehen, in der er die Titelrolle des Edmund Blackadder (wörtlich: Kreuzotter) spielte. Die von Richard Curtis und Ben Elton geschriebene Serie spielt in vier verschiedenen Epochen, karikiert zahlreiche historische Persönlichkeiten der englischen Geschichte und nimmt die nationalen, kulturellen und politischen Eigenheiten und Eitelkeiten des englischen Volkes aufs Korn. Durch den kaum übersetzbaren Wortwitz und die satirischen Anspielungen auf die aktuelle britische Politik blieb der Erfolg aber weitgehend auf den englischsprachigen Raum beschränkt.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Rowan_Atkinson

https://www.youtube.com/results?search_query=rowan+Atkinson

Die Serie „Blackadder“ „karikiert zahlreiche historische Persönlichkeiten der englischen Geschichte“.

Jetzt stelle sich jeder mal vor, es gäbe eine deutsche Serie, die „zahlreiche historische Persönlichkeiten der deutschen Geschichte“ karikiert.

Mit Verlaub: das hört sich aber sehr absurd an. In erster Linie würde das daran scheitern, dass die Deutschen immer alles ernst sehen müssen und kaum in der Lage sind, sich über sich selbst lustig zu machen. In zweiter Linie würde das daran scheitern, dass dieses geschichtslose Volk kaum Interesse an seiner eigenen Geschichte hat und historische Gestalten (wenn überhaupt) nur dem Namen nach kennt. Ein Sketch über Barbarossa und Heinrich dem Löwen? Den würden außer ein paar Intellektuellen nur solche verstehen, die regional etwas mit den beiden zu tun haben (also solche, die etwa aus Braunschweig oder München stammen).

Monty Python

„Monty Python war eine britische Komikergruppe. Sie wurde 1969 gegründet und hatte ihre Blütezeit in den 1970er Jahren, in denen die Fernsehserie Monty Python’s Flying Circus und mehrere Kinofilme, unter anderem Das Leben des Brian, entstanden. 1983 löste sich die Gruppe vorerst auf. Der letzte gemeinsame Auftritt aller sechs Mitglieder fand 1989 zur Produktion der Jubiläumszusammenstellung Parrot Sketch Not Included – 20 Years of Monty Python statt. Nach dem Tod von Graham Chapman traten die verbliebenen fünf Mitglieder 2014 wieder gemeinsam auf (wenngleich ohne viel neues Material). Mit der letzten Show am 20. Juli 2014 löste sich die Gruppe auf. Ihr humoristischer Einfluss gilt bis heute als wegweisend und wurde von zahlreichen Komikern adaptiert und weiterentwickelt …

Selbst vor ernstesten Sachen schrecken die Mpnty Pythons nicht zurück: Ausschnitte aus einer der lustigsten Trauerfeiern, die jemals abgehalten wurden zum Tod von Graham:

 

 

 

Cleese, Chapman und Idle studierten an der Universität Cambridge, Palin und Jones an der Universität Oxford, wo sie im Schreiben und Darstellen komischer Sketche erste Erfahrungen sammelten … Das sechste Mitglied, der US-Amerikaner Terry Gilliam, kam vom Occidental College, Los Angeles, dazu.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Monty_Python

https://www.youtube.com/results?search_query=monty+python

Fry & Laurie

„A Bit of Fry & Laurie ist eine britische Comedy-Show des Komikerduos Stephen Fry und Hugh Laurie. Sie wurde ursprünglich in vier Staffeln zwischen 1989 und 1995 vom britischen Fernsehsender BBC ausgestrahlt.

Die insgesamt 26 Folgen bestehen jeweils aus sechs bis elf Sketchen. Sie stellen oft absurde Situationen dar und basieren auf Wortspielen …

Besonders häufig werden die Polizei, das Militär, Geheimdienste, die katholische und die anglikanische Kirche und Politiker – insbesondere der Conservative Party – parodiert. Die Regierungen von Margaret Thatcher und John Major und konservative Politik im Allgemeinen wurden immer wieder Ziel von Frys und Lauries Satiren. Sie widmen sich auch medienbezogenen Themen wie dem Sendeprogramm der BBC, Sponsoring und Schleichwerbung sowie Zensur und dem Verbot, bestimmte Wörter im Fernsehen zu verwenden. Viele Sketche thematisieren die englische Sprache und Literatur.“

https://de.wikipedia.org/wiki/A_Bit_of_Fry_%26_Laurie

Hier der schöne Sketch „Bank Loan“:

 

 

Zum Nachlesen oder Mitspielen gibt es hier alle Sketche von „Fry & Laurie“:

http://abitoffryandlaurie.co.uk/sketches/bank_loan

http://abitoffryandlaurie.co.uk/

„Stephen John Fry ist ein britischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Schauspieler, Regisseur, Journalist, Dichter, Comedian und Fernsehmoderator …

Zugleich bereitete er sich auf das Cambridge Entrance Exam vor, das er so gut bestand, dass er ein Stipendium für den Besuch des Queens’ College in Cambridge erhielt. Dort machte er seinen Abschluss in Englisch.

Während seiner Zeit in Cambridge kam er zu den Cambridge Footlights, bei denen er unter anderem Hugh Laurie und Emma Thompson kennenlernte.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Fry

“James Hugh Calum Laurie ist ein britischer Schauspieler, Komiker, Schriftsteller sowie Pianist, Gitarrist und Sänger …

Nach seinem Schulabschluss am Eton College nahm Laurie an der Universität Cambridge ein Studium am Selwyn College auf (Abschluss in Anthropologie). Während des Studiums stieß er zu den Cambridge Footlights, einer Theatergruppe der Universität, die schon für viele britische Schauspieler und Entertainer den Ausgangspunkt einer erfolgreichen Karriere darstellte.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Hugh_Laurie

Dr. House

Hugh Laurie ist auch Hauptdarsteller der US-Serie “Dr. House”:

„Die Serie bricht mit dem Grundsatz, demzufolge Hauptfiguren einer Serie Sympathieträger sein müssen. Gregory House ist ein Misanthrop, sarkastisch, barsch und tablettenabhängig. Ein früherer Muskelinfarkt bereitet ihm dauerhaft Schmerzen im Bein, weshalb er hinkt und am Stock geht. Der sonnige Serienheld sieht anders aus. Und dann ist er auch noch schonungslos ehrlich und direkt. Kein Wunder, daß ihn kaum jemand ausstehen kann. Doch während man Dr. House nicht unbedingt begegnen möchte, sieht man ihm gern zu. Das mag mit Schadenfreude oder Voyeurismus zu tun haben, doch hierfür muß sich niemand schämen, denn es ist ja nur Fiktion. Ein echter Arzt wäre längst nicht mehr im Dienst, denn House probiert gern mal am lebenden Objekt herum, bis er die richtige Therapie gefunden hat. Dazu überschreitet er natürlich Kompetenzen, Richtlinien und notfalls Gesetze …

Der Serienerfinder David Shore war in den ersten Produktionswochen überrascht, daß der amerikanische Sender Fox ihn zu keinem Zeitpunkt zurückpfiff, daß keine Aufforderung kam, die Figur versöhnlicher zu machen. Zumal die Einschaltquoten zunächst eher durchschnittlich waren. Doch die Zuschauer freundeten sich mit dem mürrischen Arzt an, und inzwischen sehen in Amerika, wo in diesem Monat bereits die zweite Staffel endet, bis zu 25 Millionen Menschen zu. Zugleich lief die Serie immer mehr zu Hochform auf, das Ensemble wurde eingespielter und die Autoren mutiger.“

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/fernsehen-halten-sie-mir-bloss-die-patienten-vom-leib-1328218.html

 

 

Im deutschen Film sind Ärzte mehr oder weniger „Halbgötter in weiss“ – unvorstellbar, dass hier der Mut da wäre, einen erfolgreichen Arzt als Misanthropen darzustellen. Dann doch lieber eine Wiederholung der „Schwarzwaldklinik“. Alles heile Welt! Keine Experimente!

Hohes Niveau

Manche der hier vorgestellten Künstler stammen aus einfachen Verhältnissen, aber so ziemlich alle haben (sehr unterschiedliche Fächer) studiert; teilweise an Elite-Universitäten. Mit den Folgen, dass der Wortwitz unerreicht ist und Blödsinn auf hohem bis sehr hohem Niveau getrieben wird.

Und die Künstler sich trauen, eine eigene Meinung zu haben und öffentlich zu dieser zu stehen. So sind die meisten der genannten Künstler ausdrücklich bekennende Atheisten.

Wie viele dieser Sorte gibt es in Deutschland?

Und wäre es in Deutschland denkbar, dass jemand nach erfolgreichem Hochschul-Abschluss Komiker wird? Was würde das eigene Umfeld dazu sagen?

Auch sind die Briten von Kindheit an daran gewöhnt, auf hohem Niveau unterhalten zu werden.

 

Vergleich mit Deutschland

 

Bei allem Respekt vor den hier auftretenden Künstlern – das Niveau hält sich dann doch in Grenzen.

Was etwa Geisteswissenschaften, Literatur und Film angeht, war dieses Land mal wirklich gut und weltweit mit an führender Stelle. Bis zu dem Zeitpunkt, als die jüdische Intelligenz vertrieben bzw. ausgerottet wurde.

Danach war erst mal recht wenig und der deutsche Humor sehr rückständig. Solche Leute wie Peter Frankenfeld, Rudi Carrell oder Alfred Biolek studierten die Kleinkunst-Szenen in Großbritannien und den USA und brachten das Gesehene nach Deutschland.

Erfolgreiche deutsche Unterhaltung war und ist zu einem großen Teil imitierte angelsächsische Unterhaltung. Dazu gehört etwa die „heute-show“; die frühere „Harald-Schmidt-Show“ war zu nahezu 100% bis hin zur Kulisse von US-Vorbildern abgekupfert.

Zwar gibt es auch hier erfolgreiche Kabarettisten mit Studien-Abschluss (etwa Max Uthoff) (und mensch kann auch gut sein ohne diesen Abschluss) – allerdings ist die Frage auch, welches Niveau das deutsche Publikum hat bzw. haben möchte.

Mensch stelle sich nur mal vor, dass der gleiche Stoff für „Das Leben des Brian“ von deutschen Komikern verfilmt worden wäre. Etwa von Didi, Otto, Atze, Michael "Bully" Herbig oder Mario Barth. Lieber nicht daran denken.

Die Vorstellung, zusammen mit einem halbwegs gebildeten Briten oder US-Amerikaner die erfolgreichsten deutschen Komödien wie „Der Schuh des Manitu“ oder „Fack ju Göhte“ (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/188-fack-ju.html ) zu sehen, wäre peinlich bis blamabel. Der Wurm würde sich lieber gleich im Erdboden verkriechen.

Eklatant sind die Unterschiede in einer weiteren Populärkultur, nämlich der Musik.

Zu sehen etwa bei den gerade Verstorbenen: während Deutschland um Achim Mentzel trauert, trauert die Welt um David Bowie. Wobei der Wurm nichts gegen Achim Mentzel hat – er möge in Frieden ruhen. Aber der Vergleich passt: hier wohlmeinende Provinzialität, dort unkonventionelle Weltläufigkeit.

In Deutschland gibt es ja manchmal schon gute Musiker. Aber meistens kommen sie an die angelsächsischen Originale nicht heran oder werden gegen ihre eigenen Interessen in die „heile Welt“ abgeschoben.

Der Wurm hat dafür zwei groteske Beispiele gefunden. Beim ersten singt Karel Gott „Rot und schwarz“ (die deutsche Version von „Paint it Black“ der Rolling Stones):

 

 

Das zweite Beispiel ist nun völlig absurd: Cindy und Bert (!) singen „Der Hund von Baskerville“ (die deutsche Version von „Paranoid“ von Black Sabbath):

 

 

Hier die beiden Originale:

https://www.youtube.com/watch?v=u6d8eKvegLI

https://www.youtube.com/watch?v=hkXHsK4AQPs

Auf der einen Seite Mick Jagger und Black Sabbath; auf der anderen Seite Karel Gott und Cindy und Bert – das sagt alles.

 

Ein bisschen Hoffnung

 

Nun möchte wurm meinen, es sei ganz schlecht um die Deutschen bestellt. Aber auch hier gab und gibt es Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen, die sich nicht ganz „normal“ verhalten und eher aus dem Rahmen fallen. Der Wurm hat solche Menschen in einem ganzen Beitrag oder eher nebenbei gewürdigt. Es sind doch nicht so wenige, wie zu befürchten gewesen wäre.

Auch, wenn die meisten auf die eine oder andere Art und Weise massive Probleme mit ihrer Umwelt hatten: die Unnormalen, Außergewöhnlichen sind jene, die die Fähigkeit haben, etwas außerhalb der Spur zu denken und zu handeln – das sind diejenigen, die eine Gesellschaft voran bringen. Hier sind einige davon:

- Berthold Beitz: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/29-gerechter-unter-den-voelkern.html

- Klaus Staeck + John Heartfield: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/32-staeck-brief.html

- Peer Steinbrück: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/36-steinbrueck-und-der-typus-typ.html

- Marcel Reich-Ranicki: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/37-tod-eines-kritikers.html

- Edgar Reitz: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/38-fragen-eines-lesenden-kinogaengers.html

- Georg Büchner: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/39-leben-im-elfenbeinturm.html

- Leopold von Sacher-Masoch: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/46-venus-im-pelz.html

- Götz Werner: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/55-goetz-zitate.html

- Thaddäus Troll: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/86-mit-intelligenz-gestraft.html

- Peter Lorre: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/89-der-verlorene.html

- Karlheinz Deschner: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/92-aufklaerung-ist-aergernis.html

- „Die Anstalt“: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/95-kriegshetzer.html

- Karlheinz Böhm: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/99-mensch-fuer-menschen.html

- Bertha von Suttner: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/101-die-waffen-nieder.html

- Rosa Luxemburg: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/109-platz-an-der-sonne.html

- Werner Tübke + Friedrich Engels + Thomas Müntzer: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/113-fruehbuergerliche-revolution-in-deutschland.html

- Gustl Mollath + die 4 hessischen Steuerfahnder: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/117-diebstahl-ungeheuren-ausmasses.html

- Peter Lenk: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/121-imperia.html

- Fritz Bauer: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/122-triumph-und-tragik-des-fritz-bauer.html

- Alfred Herrhausen + Gerhard Wisnewski: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/124-herrhausens-ende.html

- Günter Grass: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/153-was-gesagt-werden-muss.html

- Arnold Schwarzenegger: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/178-die-mensch-maschine.html

- Thomas Fischer: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/181-ein-abgrund-von-landesverrat.html

- Akif Pirincci: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/192-die-vernichtung-des-akif-pirincci.html

Auch, wenn es wurm manchmal zum Verzweifeln ist wg. der manipulativen Medien und der schafsmäßigen Ergebenheit des deutschen Publikums: es gibt Licht am Ende des Tunnels. Die Leser der „Propagandaschau“ haben unter den Journalisten die „Aufklärer des Jahres 2015“ gewählt. Hier sind die ersten 10 Plätze:

1. Ken Jebsen

2. Gabriele Krone-Schmalz

3. Jürgen Todenhöfer

4. Tilo Jung

5. Albrecht Müller

6. Udo Ulfkotte

7. Dirk Müller

8. Christoph Hörstel

9. Jürgen Elsässer

10. Gerhard Wisnewski

https://propagandaschau.wordpress.com/2015/12/29/die-wahlergebnisse-aufklaererdesjahres-2015-und-maulhure-des-jahres-2015/

Es gibt also doch noch Menschen, die nicht alles mitmachen, was von oben vorgegeben wird. Und die ihr Publikum haben. Ein bisschen Hoffnung, ein bisschen Licht am Ende des Tunnels.