„Männer, Frauen und Sprache - der nächste Versuch: Frank Plasberg wird in seiner Talkshow "Hart aber fair" am Montag im Ersten (21 Uhr) dieselben Gäste wie am 2. März begrüßen - und noch zwei weitere. Das teilte die ARD-Programmdirektion am Freitag mit. Der Titel der Sendung lautet: "Der Gender-Streit - Was darf zu Mann und Frau gesagt werden?"

Die Ausgabe "Nieder mit den Ampelmännchen" vom 2. März war von Frauenverbänden und Gleichstellungsbeauftragten heftig kritisiert worden. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hatte die Sendung danach zunächst aus der Mediathek genommen und nach Protesten dagegen bald darauf wieder eingestellt.“

http://www.spiegel.de/kultur/tv/hart-aber-fair-zum-gender-thema-neuer-plasberg-talk-in-alter-besetzung-a-1051537.html

Wer glaubt, es gäbe nichts Neues unter der Sonne, der täuscht sich. Erst wird in einer Talkshow Blödsinn daher geredet, dann nach Protesten aus der Mediathek genommen (was gar nicht gefordert wurde), dann nach Protesten wieder in die Mediathek rein genommen und als Höhepunkt mussten der selbe Moderator und die selben Gäste noch mal über das selbe Thema reden.

Sie hätten es auch bleiben lassen können.

http://www.spiegel.de/kultur/tv/hart-aber-fair-zu-gleichberechtigung-experiment-gescheitert-a-1051723.html

Nils Pickert fasst zusammen, um was es geht:

„Anfang diesen Jahres hatte Frank Plasberg eine Gästerunde zum (sagen wir einfach mal) Thema „Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn“ eingeladen und sich bis auf die Knochen blamiert.

Mit offener Unverholenheit sympathisierte der Moderator da mit unterkomplexen Vergleichen zur Gleichberechtigung, nickte gnädig unzusammenhängendes Halbwissen über die Genderforschung ab und verstieg sich mit Hilfe seiner Redaktion darauf, zentrale Fragen des gesellschaftlichen Miteinanders auf ein so dümmliches Niveau tieferzulegen, dass sich für den obligatorischen Faktencheck hinterher weit und breit keine Fakten finden ließen. Selten war Politik auf so viel Ahnungslosigkeit getroffen. Anne Wizorek und Anton Hofreiter bemühten sich zwar redlich, gegen die unzulässige Vermischung von Themenkomplexen (Genderforschung = Gender Mainstreaming = Ampelmännchen = Unisextoiletten = Hihi!) anzudebattieren, aber die Würfel waren längst gefallen. Die Sendung, in der die beiden mit einer schier endlosen Kette an thematischer Unbedarftheit konfrontiert wurden, hätte auch gut „Tschända? Wat solln der Käse?!“ heißen können. Sachverhalte wirkten eher störend und Meinungen wurden großflächig damit legitimiert, dass mehrfach behauptet wurde, es sei ja ein Akt des Widerstands, wenn nicht der Unmöglichkeit, sie überhaupt noch äußern zu können.

Dementsprechend fielen die Reaktionen auf die Sendung aus. Landauf, landab hagelte es Beschwerden über die zur Schau gestellte Unseriösität der Debatte. Nachdem der WDR im Sommer entschied, die Sendung aus der Mediathek zu nehmen, erhob die Gegenseite Zensurvorwürfe. So weit sei es schon gekommen, dass man das Knie der Pressefreiheit vor dem Ansturm der Genderlobbygruppen beuge. Also kam das Ganze zurück in die Mediathek. Wenig später folgte die Ankündigung eines „Ampelmännchen Reloaded“. Noch eine Sendung zum Thema also, wo man mit den gleichen Gästen inklusive des WDR Direktors Jörg Schönenborn und der stellv. Vorsitzenden des Landesfrauenrats Niedersachsen Sybille Mattfeldt-Kloth vielleicht nicht alles aber doch vieles besser machen wollte. Leider wurde daraus nichts.

Unter dem Titel „Was darf zu Mann und Frau noch gesagt werden?“ wurde auch dieses Mal der Genderbegriff zum medialen Freiwild erklärt. Sophia Thomalla ließ wissen, dass Frauen, die für Gleichberechtigung kämpfen, wohl noch nie ein Kompliment bekommen hätten. Birgit Kelle fiel schon wieder nicht auf, dass sie sich vor Ort für das Ausprechen der Meinung zuschauen und bezahlen lässt, keine Meinung haben zu dürfen. Außerdem fühlte sie sich erneut von Minderheiten verfolgt. Der Moderator schließlich überließ es Anne Wizorek kritisch nachzufragen (Wieso wurden keine Genderlehrenden eingeladen?), kanzelte sie als „albern“ ab und erkundigte sich bei Mattfeldt-Kloth, ob sie mit ihm flirte – immerhin habe er ja blaue Augen. Nicht nur die Presse fand das sehr vorhersehbar und ob des mangelnden Erkenntnisgewinns schlicht unnötig. Allerdings trat sie auch nach – und zwar in Gestalt von (auch wenig überraschend) Jan Fleischhauer, der den fiesen Genderisten nachzuweisen glaubte, dass sie genau wie die Kreationisten die Biologie, ja vielleicht sogar die ganze Naturwissenschaft abschaffen wollen. Mag diese These auch gerade im Trend liegen, sie stimmt trotzdem nicht. Die Gender Studies wollen die Biologie ebenso wenig abschaffen wie die Städtesoziologie die Architektur. Die Erkenntnis, dass unsere geschlechtliche Identität auch kulturell geprägt ist, ist nicht als Ersatz sondern als präzisierende Erweiterung zum biologischen Geschlecht gedacht. Aber so sehr auch die Belege zum Beweis der Unwissenschaftlichkeit von Gender Studies fehlen, lässt sie sich doch zumindest mit steter Beharrlichkeit behaupten – nicht nur in Sendungen wie „Hart aber fair“.

Fazit: Dass man von einer „Unterhaltungssendung“ (Mattfeldt-Kloth) wie „Hart aber fair“ keine tiefgreifenden Erkenntnisse zur Genderdebatte erwarten kann, ist das eine. Dass aber gerade in Zeiten, wo andere Themen medial viel bestimmender sind, die Unbedarftheit besonders schmerzt, mit der hier ein Feld zum wiederholten Mal der Lächerlichkeit preisgegeben wird, in dem man hart um zentrale Fragen des menschlichen Miteinanders ringt, ist das andere.“

https://pinkstinks.de/hart-aber-unfair/

 

Gender

 

Bei allem, was mit dem Begriff „Gender“ zu tun hat, kann mensch davon ausgehen, dass es zutiefst gehasst wird. Nicht nur von Männern, auch von vielen Frauen.

Warum eigentlich? Einige Schlussfolgerungen bzw. Forderungen wirken überzogen und kosten Geld. Vor allem wirken sie für viele ungewohnt, manchmal unpraktisch und teilweise bedrohen sie deren Macht-Position.

Der Wurm hat hier ein paar Definitionen zusammengestellt:

„Der Begriff Gender bezeichnet das durch Gesellschaft und Kultur geprägte soziale Geschlecht einer Person neben ihrem biologischen Geschlecht (engl. ‚sex‘).

Um auch im Deutschen eine sprachliche Unterscheidung zwischen biologischem („sex“) und sozialem („gender“) Geschlecht treffen zu können, wurde der Begriff Gender aus dem Englischen übernommen, da das deutsche Wort Geschlecht in beiden Bedeutungen verwendet wird. Gender dient als analytische Kategorie vor allem in den Sozial- und Geisteswissenschaften.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Gender

„Die Gender Studies (deutsch Geschlechterforschung) beschäftigen sich als Disziplin mit dem Verhältnis von Geschlecht zu Kultur, Gesellschaft sowie Wissenschaften. Dabei fragen sie sowohl, wie das Geschlecht menschliche Gemeinschaften prägt, als auch, wie es wiederum von ihnen geformt wird. Für das englische Wort gender im Sinne von soziokulturellem im Gegensatz zum biologischen Geschlecht (englisch sex) gibt es im deutschen Sprachgebrauch keine Entsprechung. Die Definitionen und impliziten Festschreibungen von Männlichkeit und Weiblichkeit im Alltag wie in den Wissenschaften sind selbst Gegenstand der inter- wie transdisziplinären Gender Studies. Der Fokus liegt dabei auf Fragen nach Hierarchie, Differenz, Rollen und Stereotypen von, zwischen und über Geschlechter. Die Gender Studies sind vor allem in den Kultur-, Sozial- und Geisteswissenschaften beheimatet, gelangen mitunter jedoch auch in interdisziplinären Forschungsbereichen – beispielsweise in Verbindung mit Medizin oder Biologie – zur Anwendung.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Studies

Gender-Mainstreaming, auch Gender Mainstreaming geschrieben, bedeutet, die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern bei allen Entscheidungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu berücksichtigen, um so die Gleichstellung der Geschlechter durchzusetzen. Der Begriff wurde erstmals 1985 auf der 3. UN-Weltfrauenkonferenz in Nairobi diskutiert und zehn Jahre später auf der 4. UN-Weltfrauenkonferenz in Peking weiterentwickelt. Seit dem Vertrag von Amsterdam von 1997/1999 ist Gender-Mainstreaming ein erklärtes Ziel der Europäischen Union.

Gender-Mainstreaming unterscheidet sich von expliziter Frauenpolitik dadurch, dass beide Geschlechter gleichermaßen einbezogen werden sollen …

„Mainstreaming“ (von engl. mainstream „Hauptströmung“) bezeichnet die Strategie, ein Thema in den „Hauptstrom” der Politik zu bringen. Konkret bedeutet Gender-Mainstreaming nach der Definition der Vereinten Nationen, bei jeder staatlichen Aktion grundsätzlich auch die geschlechtsspezifischen Folgen abzuschätzen und zu bewerten. Die Strategie zielt auf eine Gleichstellung der Geschlechter in allen gesellschaftlichen Bereichen; dem Fortbestehen von Geschlechterungleichheit soll auf diese Weise entgegengewirkt werden. Entsprechend wird Gender-Mainstreaming auch als Querschnittsaufgabe verstanden, die nicht nur einen bestimmten Bereich in einer Organisation anbelangt, etwa eine Gleichstellungsbeauftragte, sondern sich an alle Menschen dieser Organisation richtet …

So besteht die Aufgabe des Gender-Mainstreaming darin, den Blick weg von „den Frauen“ – also sogenannten „frauenspezifischen“ Problemen oder Politikfeldern – auf „die Geschlechter“ allgemein zu richten, damit eine geschlechtersensible Perspektive in alle sozio-politischen und wirtschaftlichen Bereiche integriert werden und somit eine Gleichstellung der Geschlechter von allen in allen Bereichen gefordert werden kann.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Gender-Mainstreaming

Daneben gibt es noch den „Feminismus“. Feminismus ist eine bestimmte Ideologie, die nicht immer gleichbedeutend ist mit der Gleichberechtigung der Geschlechter.

 

Kulturelle Einflüsse

 

Sind Frauen und Männer schon immer „so“ gewesen? Oder wurden sie durch eine entsprechende Erziehung geprägt? Der Wurm hat drei Beispiele, die zum Nachdenken anregen:

Häusliche Arbeit

Es gibt viele Männer, die behaupten, keine häusliche Arbeit machen zu können. Eben deshalb, weil sie Männer seien. Dazu gehören solche Sachen wie Waschmaschine bedienen, Bügeln, Nähen. Nun – einmal erklärt und ein paar Mal machen lassen – und es geht.

Wer schon im Orient auf einem Souk bzw. Basar war, hat eventuell eine Ecke der Schneider gesehen. Und dort mehrere Nähmaschinen, die ausschließlich von Männern bedient wurden. Genauso sind in dieser Ecke der Welt oftmals Bügeln und Einkaufen Männersache.

Wer etwa an der Nähmaschine sitzt, ist also nicht durch geschlechtliche Fähigkeiten dazu bestimmt, sondern durch gesellschaftliche Traditionen.

Die Farbe Rosa

Wer heutzutage ein Kind von weitem und von hinten sieht, das etwas rosa-farbenes an hat oder zumindest rosa Farbanteile, kann zu 100% davon ausgehen, dass es sich um ein Mädchen handelt.

Die scheinen ganz verrückt nach dieser Farbe zu sein – was sie ohne kulturellen Einfluss jedoch nicht wären. Mensch frage mal ältere Frauen: keine einzige dürfte in ihrer Kindheit auf rosa „gestanden“ haben.

Siehe auch http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/18-rosa-stinkt.html

Ballett

Kann es etwas „Unmännlicheres“ als Ballett geben? Mensch wird lange suchen müssen, bis er etwas findet (wenn überhaupt).

Dabei hat Ballett eine männliche Tradition. Aus der Dokumentation über den „Sonnenkönig“ „Ludwig XIV. - König der Künste“ (ab Minute 13):

„Tanzen ist gesellschaftlich in Mode. Es gehört dazu, selbst in der Armee. Es ist bekannt, dass die französischen Truppen immer von Tanzmeistern begleitet werden. Und das noch bis 1870. Es dient ja auch der Körper-Ertüchtigung, wenn die Soldaten tanzen. Für den Kampf, das Fechten und Reiten. Ganz so wie in heutigen Turnhallen wird die aufrechte Haltung trainiert. Der Körper lernt, das eigene Gewicht zu erfahren, eine Beziehung zwischen Armen und Oberkörper aufzubauen. Den Blick zu schulen. Nicht zuletzt beugt das Tanzen Rückenschmerzen nach stundenlangem Ritt vor.

Schon bei den ersten Profi-Tänzern sind die Männer-Soli körperlich anspruchsvoll, um die männliche Ausdauer zur Schau zu stellen. ‚Ich bin glaubwürdig, wenn ich mich in der Luft zwei Mal drehe und einen vierfach gekreuzten Entrechat mache. Respekt, bitte!‘ Daher ist das Ballett ursprünglich auch eine Männerdomäne. Erst später wird es von Frauen praktiziert. In der damaligen Zeit jedenfalls ist es für Männer in einem Armee-Corps gedacht. Das Eigengewicht, die Beziehung zum Körper, der Kontakt zum Boden sind elementar.“

 

 

Wenn Soldaten bis ins 19. Jahrhundert Ballett getanzt haben – dann stellt sich tatsächlich überhaupt die Frage, was angeboren, was anerzogen, was gesellschaftliche Konvention ist.

 

Sich selbst erfüllende Prophezeiungen

 

„Jane Elliott, ehemalige Lehrerin aus dem Mittelwesten der USA, führt seit über 20 Jahren einen engagierten Kampf gegen Vorurteile, Ignoranz und Rassismus in ihrer Gesellschaft. Was sie nach dem Tod von Martin Luther King jun. 1968 mit ihren Schülern begann, praktiziert sie heute mit Lehrern, Studenten, Feuerwehrleuten oder ganzen Bankbelegschaften. In Workshops teilt sie die Menschen nach einem willkürlichen körperlichen Merkmal ein: in BLAUÄUGIGE und BRAUNÄUGIGE. Letztere erklärt sie für besser und intelligenter und stattet sie mit Privilegien aus, die sie den Blauäugigen, die sie als schlecht, minderwertig und dümmer abqualifiziert, nicht gewährt.

Viele Weiße erspüren hier zum ersten Mal das Gefühl, zu denen zu gehö­ren, die nie gewinnen können, und so behandelt zu werden, wie die Gesellschaft Frauen, Farbige oder Menschen behandelt, die körperlich abweichend sind.

Innerhalb von 15 Minuten schafft Jane Elliott einen Mikrokosmos unse­rer Gesellschaft mit allen Phänomenen und Gefühlen, die auch in der Realität aufscheinen. Ähnlich wie bei dem berühmt-berüchtigten Milgram-Experiment können sich selbst Teilnehmer, die voll über die "Spielregeln" informiert sind, nicht ihrer Rolle entziehen. Aus dem Spiel wird grausame Realität, die einige Teilnehmer in unvorhergesehene Gefühlstiefen stürzt ...“

http://www.denkmalfilm.tv/index.php?page=blue_eyed&l=de

https://de.wikipedia.org/wiki/Blau%C3%A4ugig_(1996)

http://www.janeelliott.com/

Hier ist der Trailer vom Film, der online oder als DVD gekauft werden kann bzw. ab und zu im Fernsehen läuft:

 

 

Es gibt auch (nicht ganz so gute) Filme, die das Experiment in englischer und deutscher Sprache zeigen und den Nachteil haben, dass sie zu sehr auf das Thema Rassismus fixiert sind:

https://www.youtube.com/watch?v=Nqv9k3jbtYU

https://www.youtube.com/watch?v=8B3xt8XejMc

Hauptthema bei Jane Elliott ist immer eine tonangebende Schicht, die vorgibt, was „normal“ ist und der sich die anderen wohl oder übel fügen müssen.

Also auch Frauen den Männern. Das heisst jetzt nicht, dass alle oder auch nur die Mehrzahl der Frauen jetzt darüber unglücklich sind. Viele merken das nicht, halten es für „normal“, halten es für Tradition, haben sich damit arrangiert oder fahren besser damit, wenn sie die Männer manipulieren können.

Der tonangebenden Schicht ist es meistens nicht im Entferntesten bewusst, was sie den anderen antut, hält es für normal und gut für alle. Nach dem Workshop merken auch diese Menschen, in welcher Traumwelt sie bislang lebten.

Interessant ist auch, dass einer Gruppe von Menschen eingeredet werden kann, dass sie schlechter als die anderen sind. In dem Moment, in dem sie das glauben, werden sie unsicher, resignieren und ihre Leistungen werden tatsächlich schlechter.

Exakt das passiert mit Mädchen bzw. Frauen, wenn ihnen eingeredet wird, dass sie generell im Rechnen und in technischen Dingen nicht so gut sind. Viele glauben das oder nutzen das als Ausrede.

„Ich bin Frau, bin deshalb dumm und habe deshalb die Narrenfreiheit, mich damit nicht beschäftigen zu müssen“ ist genauso ein „tolles“ Argument wie „ich bin Sternzeichen XY, da ist mensch halt so und deswegen muss ich mich für mein schlechtes Verhalten nicht rechtfertigen“.

Dieses Verhalten geht bis hin zu Arbeits-Verweigerung, wenn etwa ein neues Computer-System eingeführt wird und sich Menschen nicht damit auseinandersetzen wollen mit dem Argument, dass sie Frauen sind. Es sind schon viele Frauen und Männer an den Rand der Verzweiflung getrieben worden, weil Frauen mit diesem Argument sich verweigerten, obwohl auch einfache Dinge sehr schön und „idiotensicher“ aufbereitet waren.

Dass es sich hierbei um eine Ausrede handelt, zeigen die ehemaligen sozialistischen Länder, in denen Frauen zumindest theoretisch gleichberechtigt und gleichrangig waren. Dort wurde den Mädchen nicht eingeredet, dass sie im Rechnen und in technischen Dingen schlechter als Jungs seien. Mit dem Ergebnis, dass sie zumindest nicht viel schlechter als diese waren. Auf jeden Fall sehr viel besser als die Mädchen in den kapitalistischen Ländern.

Selbstverständlich nutzen nicht nur Frauen diese Ausrede - „Ich bin Mann, bin deshalb dumm und habe deshalb die Narrenfreiheit, mich damit nicht beschäftigen zu müssen“ ist die gebräuchliche Ausrede, sich nicht mit Hausarbeit beschäftigen zu müssen.

 

Schreibweisen

 

Der Wurm möchte aus einem Faltblatt des KIT (Karlsruher Institut für Technologie, das früher Universität und Forschungszentrum hieß) zitieren:

„Der Arbeitskreis ‚Sicher auf dem Campus‘ ist eine Initiative von Beschäftigten und Studierenden am KIT. Gemeinsam mit allen Beteiligten möchte der Arbeitskreis die Zivilcourage am KIT stärken und aktive Unterstützung bei gewalttätigen Angriffen anbieten.

Das Hauptziel des Arbeitskreises ist die Sensibilisierung im Umgang mit Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. KIT-Angehörige und Interessierte sollen durch den Arbeitskreis lernen, sich selbstbewusst, sicher und couragiert zu verhalten.“

So weit, so gut. Die etwas gestelzte „Sensibilisierung im Umgang mit Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ hört sich merkwürdig an, hat aber nichts mit „Gender“ zu tun.

Im gleichen Faltblatt gibt es noch ein paar Tipps; unter anderem folgende („Kommilitonen“ sind Mitstudierende):

- „Ich habe Wege mit Freunden/Kommilitonen abgesprochen“

- „Ich rede mit Freunden/Kommilitonen über das Verhalten bei einem Angriff“

Es steht zwar nicht ausdrücklich drinnen, aber der Wurm geht davon aus, dass es sich wg. „Umgang mit Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ um Frauen als Hauptansprechgruppe geht.

Und diese Frauen sollen mit „Freunden/Kommilitonen“ reden. Also nur mit Männern? Oder sind im männlichen Plural die Frauen eingeschlossen? Zumindest in diesem Fall?

Der Wurm geht davon aus, dass Männer und Frauen gemeint sind. Es wäre aber nicht ausgeschlossen, dass Frauen Männer fragen sollen, weil die in Sicherheitsfragen kompetenter sein könnten.

In der deutschen Sprache sind die meisten Plurale nicht eindeutig. Sie können entweder „alle Männer“ oder „alle Männer und alle Frauen“ bedeuten. Der Plural für „alle Frauen“ wiederum ist eindeutig.

Dass es Frauen gibt, die nicht glücklich sind, dass sie im Plural den Männern zugeschlagen werden, ist nachvollziehbar.

Unabhängig davon ist es ein Problem der deutschen Sprache, die in diesem Fall nicht eindeutig ist. Rupert Regenwurm würde sich aber gerne Eindeutigkeit wünschen, so dass gleich erkennbar ist, was gemeint ist:

- nur Männer

- Männer und Frauen zusammen

- nur Frauen

Zur Eindeutigkeit gehört auch, dass klar ersichtlich sein soll, wer sich für einen Beruf oder Posten bewerben kann und wer nicht. Wenn es so etwas wie einen "Ombudsmann" gibt, können sich (wie es der Name ja schon sagt) nur Männer auf diesen Posten bewerben. Wenn sich theoretisch auch Frauen auf diesen Posten bewerben können, soll das bitte klar im Namen ersichtlich sein.

Das mag den konservativen Traditionalisten nicht passen („das war schon immer so“), aber Sprache sollte klar und eindeutig sein.

Aus einem früheren Wurm:

„Die Schweiz bewusst nicht. Denn dort ist den verantwortlichen Politikern schon länger klar, wie wichtig eine korrekte Wortwahl ist. So ist dort zum Beispiel bei Doktorarbeiten oder offiziellen Geschäftsberichten nicht zulässig, am Anfang den kurzen Hinweis, „der Einfachheit halber“ die männliche Schreibform zu verwenden – es muss jedes Mal ausdrücklich klar sein, ob Männer, Frauen oder beide gemeint sind. Das mag anfangs zwar lästig sein, aber: das was eingeübt wird, ist irgend wann einmal selbstverständlich.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/103-heimat-grosser-soehne.html

„Und so, wie ein Mensch mit seiner Sprache umgeht, so wird er auch mit seinen Mitmenschen umgehen …

Sprache verdeutlicht, was der Sprachgemeinschaft wichtig ist …

Wichtig in der deutschen Sprache sind etwa die Berufsbezeichnungen, die größtenteils die männliche Endung haben. Wenn eine Frau den gleichen Beruf ergreift, wird einfach ein „-in“ dran gehängt. So wird aus dem „Lehrer“ eine „Lehrerin“. Das hört sich an wie „2. Wahl“. In anderen Sprachen, etwa der englischen, gibt es häufig geschlechtsneutrale Wörter für Berufe oder Gruppen von Menschen (z.B. für „Schüler“).

Unterschiedliche Werte bzw. Entwicklungen in der jeweiligen Gesellschaft führen zu Änderungen in der Sprache. Die Endung „-In“ („LehrerIn“ statt „Lehrer“) bzw. „Lehrer/in“ oder „Lehrer (m/w)“ bei Stellenausschreibungen tragen dem Rechnung. Dazu gehört auch die Abschaffung der früher üblichen Begriffe „Mohrenkopf“ und „Negerkuss“ …

Ein chinesisches Sprichwort lautet:

„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.

Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.

Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.

Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.

Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.“

Die Handlungen müssen aber nicht unbedingt mit den Gedanken anfangen: gedankenlos hingeworfene Worte können selbst sehr leicht zu eigenen Gedanken werden. Ganz gut dafür geeignet sind Witze. Da können schon mal ganze Menschengruppen zu Opfern werden, auch wenn es „so“ nicht gemeint sein sollte.

Wie werden Menschen auf andere Menschen reagieren, die sie das erste Mal sehen und bei denen es sich um Ostfriesen oder blonde Frauen handelt? Je nach Land, Region oder Zeit sucht sich eine Mehrheit eine Minderheit aus, über die sie Witze machen kann. „Ist ja nur ein Witz! Das wird doch keiner ernst nehmen!““

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/43-romantische-kristall-nacht.html

 

Frauen im Alltag

 

Lächerliche Gestalten

Ebenfalls aus einem früheren Wurm:

„Der Wurm hat hier mal ein Beispiel von so einem „Witz“: nämlich das beliebte Partylied „10 nackte Friseusen“:

https://www.youtube.com/watch?v=XbnFs8cMrbo

Und hier der Text dazu:

„Ok, Folgendes:

Es gibt 100.000 Frauen,

denen ist alles zuzutrauen,

doch ich sag no,

nananano...

 

Es gibt 50.000 Weiber,

die haben einwandfreie Leiber,

doch ich sag no,

nananano...

 

Ich will 10 nackte Friseusen,

10 nackte Friseusen, ohoh,

10 nackte Friseusen,

mit richtig feuchten Haaren...

 

Es gibt 100.000 Mädel,

die sind alle schön und edel,

da werd ich weich...

wawawaweich

 

Es gibt 50.000 Damen,

die wollen alle meinen Namen,

doch ich bleib hart

hahahahart

 

Ich will 10 nackte Friseusen,

10 nackte Friseusen, ohoh,

10 nackte Friseusen,

mit richtig feuchten Haaren...

 

Es gibt 100.000 Schnitten,

die haben wunderschöne Augen,

dann bin ich weg...

wegwegwegweg

 

Es gibt 50.000 Hasen,

die wolln mir alle einen erzählen,

ich hör nicht hin...

hihihihin

 

Ich will 10 nackte Friseusen,

10 nackte Friseusen, ohoh,

10 nackte Friseusen,

mit richtig feuchten Haaren...

 

Ok, ich will hier nicht unnötig ein riesen Fass aufmachen, aber folgendes:

 

Ich hab sie alle gehabt,

ich hab sie alle gesehn,

doch es gibt nur ein paar,

die mich wirklich verstehn.

 

Ich hab sie niemals gezählt,

doch ich weiß was mir fehlt,

ja ich weiß was mir fehlt,

ja ich weiß was mir fehlt:

 

Ich will 10 nackte Friseusen,

10 nackte Friseusen, ohoh,

10 nackte Friseusen,

mit richtig feuchten Haaren...

 

Ich will 10 nackte Friseusen,

10 nackte Friseusen, ohoh,

10 nackte Friseusen,

mit richtig feuchten Haaren...“

http://www.magistrix.de/lyrics/Mickie%20Krause/10-Nackte-Friseusen-2109.html

Wer diesen lustigen Text als frauenfeindlich einstuft, wird Recht haben. Sollte eine Frau bei einer dieser lustigen Parties dabei nur den Kopf schütteln oder „na ja“ sagen, kann sie davon ausgehen, als „Spaßbremse“ bezeichnet zu werden – ist doch „nur“ ein Witz.

Auf der einen Seite kommt es in der Gesellschaft manchmal zu Übertreibungen und Haarspaltereien in der „Political Correctness“ – aber gegenüber Frauen darf alles gesagt werden. Mensch stelle sich nur mal vor, was passieren würde, wenn es um „10 nackte Franzosen“, „10 nackte Neger“, „10 nackte Juden“ oder „10 nackte Schwule“ ginge. Das ginge natürlich nicht – aber bei Frauen geht das.

Da werden munter Frauenwitze in der Öffentlichkeit erzählt, auch dann, wenn Frauen dabei sind, und auch vor Millionen-Publikum – alles völlig normal.

Wer glaubt, all dies hätte keine Folgen für das Zusammenleben, täuscht sich. Frauen gelten allgemein (ob bewusst oder unbewusst) als lächerliche Personen. Typisch weibliche Handlungsweisen gelten für einen Mann als beschämend: wer seinen Mit-Männern erzählt, dass er Wäsche gewaschen, gebügelt, sich die Haare gefärbt, die Fingernägel gepflegt hat, wird mit großer Wahrscheinlichkeit ausgelacht.

Wenn eine Frau sagt, dass sie friert oder Schmerzen hat, gilt das als normal. Ein Mann „sagt“ so etwas nicht, er „gibt es zu“ (wenn er es nicht verschweigt – was wohl am Häufigsten vorkommt). Und wird belächelt. Und ihm wird dann gesagt, dass er sich nicht wie ein „Mädchen“ benehmen soll. Wir Bewohner des Erdreiches haben allerdings die Erfahrung gemacht, dass Männer sehr viel wehleidiger sind als Frauen (was jeder Arzt bestätigen kann).

Wie tief es in den Köpfen der Menschen (incl. vieler Frauen) verankert ist, dass Frauen lächerliche Geschöpfe sind, wird in einem Werbespot gezeigt. Hier der Eingangstext dazu:

„Always-Werbespot: Was mit diesen Mädchen in der Pubertät passiert, ist katastrophal

Wie rennt ein Mädchen? Wie kämpft ein Mädchen? Wie wirft ein Mädchen einen Ball? Ja, wie eigentlich? In einem neuen Werbespot prüft der Binden-Hersteller "Always" genau das. Und findet heraus: Das Bild, das wir von Mädchen haben, ist katastrophal.

Vor der Kamera sollen Erwachsene, Männer UND Frauen, vorführen, wie ein Mädchen rennt. Oder wie es kämpft. Natürlich sehen sie dabei total albern aus. Sie fuchteln mit den Händen, trippeln auf der Stelle. Eine traurige Vorstellung.

Dann stellen die Menschen hinter der Kamera kleinen Mädchen dieselben Fragen: Wie rennt ein Mädchen? Wie kämpft ein Mädchen? Wie wirft ein Mädchen? Sehen Sie, was dann passiert: - an dieser Stelle bitte das Video starten -

Irgendwo in der Pubertät verlieren Mädchen ihren Mut und ihr Selbstvertrauen. Sie lernen, dass Frauen schwach sind. Unsportlich und tussihaft. Liebe Eltern, Lehrer, große und kleine Brüder: Tut etwas dagegen!“

http://www.huffingtonpost.de/2014/07/01/always-werbespot-maedchen_n_5547822.html?utm_hp_ref=mostpopular

Und hier mal ein kleiner, schneller und aufschlussreicher Test der ETH Zürich:

https://implicit.harvard.edu/implicit/user/sriram/eth/sep2013/index.jsp

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/103-heimat-grosser-soehne.html

Allzeit bereit

„Erwachsene Frauen werden von Männern gerne als „Mädchen“ oder „Mädels“ bezeichnet. Wenn sie abends unter sich sind, ist das dann ein „Mädelsabend“. „Männerabend“ oder „Herrenabend“ hört sich da sehr viel besser an.

Durch Darstellung in Zeitschriften und Werbung mit nackten oder halbnackten Frauen bzw. „harmlose“ Texte wie „Wir lieben junges Gemüse“, werden Frauen als allseits willig hingestellt und ihnen öffentlich klar gemacht, wie sie auszusehen haben. Natürlich kommt kaum eine Frau vom Gesicht oder der Figur her an die Top-Models heran. Ist auch gar nicht möglich, da es zumindest bei den Gesichtern kaum einen Quadrat-Zentimeter gibt, der nicht hinterher foto-technisch bearbeitet worden wäre. Nichtsdestotrotz werden dadurch ein Ideal und eine Erwartungshaltung aufgebaut, die nicht gut sind.

Aber es gibt ja noch die Männer, die vor Frauen „Respekt“ haben und ihnen etwa in den Mantel helfen. Da der Wurm schon beobachtet hat, dass Frauen das ganz gut alleine können, ist das kein Vorteil. Im Gegenteil: “Hilfe“ in diesem Fall und sonstiges Verhalten, was in diese Richtung geht, wird generöserweise vom Starken dem Schwachen gewährt und ist ein Ausdruck dessen, wer tatsächlich der „Stärkere“ ist. So macht es Sinn (und wird auch gemacht), einem Kind oder einem Behinderten in den Mantel zu helfen. Es kommt jedoch nicht vor, dass ein Mann etwa seinem Vorgesetzten in den Mantel hilft.

Einer, der so großen „Respekt“ vor Frauen hat, ist sehr leicht zu entzaubern. Mensch braucht ihn nur zu fragen „Möchtest du eine Frau sein?“ Zumindest von dieser Sorte Mann hat der Wurm noch keinen erlebt, der „ja“ gesagt hätte.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/103-heimat-grosser-soehne.html

Frauen lassen sich teilweise exzessiv „Mode“ aufschwatzen, sonst sind sie nicht mehr „in“. Mit dem einen Ergebnis, dass Sachen weg geschmissen werden, da nicht mehr der Mode entsprechend und mit dem anderen Ergebnis, dass die Qualität bei Frauen-Sachen oft deutlich schlechter ist als die für Männer. Seriöse Frauen, die nicht ausschließlich nach der Mode gehen und ihre Sachen länger tragen wollen, haben Pech gehabt – der Verschleiss wird relativ schnell einsetzen.

Nicht für voll genommen: Film

„In vielen anderen Filmen haben Frauen - so sie denn auftauchen - immer noch erschreckend wenig zu sagen. Wie wenig zeigt ein 1985 von der US-amerikanischen Cartoonistin Alison Bechdel entwickelter Test. Der Bechdel-Test stellt drei simple Fragen, die klarstellen sollen, ob Frauen im Film ernst genommen werden und nicht als Projektionsfläche für abgedroschene Klischees dienen …

Die Anforderungen, die der Bechdel-Test an einen Film stellt, sind lächerlich gering:

1. Kommt in dem Film mehr als eine Frau vor und haben sie einen Namen?

Es scheint selbstverständlich zu sein, aber viele Filme erfüllen nicht mal diese Kategorie. Ein Auftritt als namenlose Verkäuferin oder Nachbarin zählt nämlich nicht.

2. Sprechen die Frauen miteinander?

Hier wird es schon etwas komplizierter. In Harry Potter beispielsweise kommen zwar viele starke Frauencharaktere vor, aber sie sprechen selten miteinander. Nur sechs der acht Verfilmungen von Joanne K. Rowlings Romanreihe bestehen den Test. Oder James Bond. Er hat zwar immer ein paar Frauen an seiner Seite und in den vergangenen Jahren waren sie auch mal mehr als eine Bettgefährtin - zum Beispiel Gegenspielerin. Nichtsdestotrotz: Dialoge führten sie nicht miteinander. So verkommen sie zur Nebensächlichkeit, die nichts Substanzielles zu sagen hat.

3. Reden die Frauen miteinander über etwas anderes als Männer?

Zu viele Filme demonstrieren, dass Frauen anscheinend kein anderes Gesprächsthema als Männer kennen. In diese Kategorie gehört beispielsweise "Fluch der Karibik". Penélope Cruz und Keira Knightley reden bloß über "Jack" und "Will". Durchgefallen. Ein Gegenbeispiel ist die Serie "Orange is the New Black", in der fast ausschließlich Frauen mitspielen, die andere Gesprächsthemen haben als Männer …

Nicht nur diese drei Analysen machen deutlich, dass der Bechdel-Test auf etwas hinweist, das viel zu gerne übersehen wird: Film ist Unterhaltung. Aber eben auch etwas, das gesellschaftliches Rollenverständnis prägt und beeinflusst.“

http://www.sueddeutsche.de/kultur/bechdel-test-in-schwedischen-kinos-frauen-die-mit-frauen-sprechen-1.1813032

https://de.wikipedia.org/wiki/Bechdel-Test

Nicht für voll genommen: Medizin

„Ein stechender Schmerz in der linken Brust, der in Oberarme, Schultern und Hals ausstrahlt – das sind die klassischen Symptome eines Herzinfarkts, zumindest bei männlichen Patienten. Dass sich ein Infarkt bei Frauen häufiger mit Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüchen, Müdigkeit sowie Rücken-, Nacken-, Bauch- und sogar Kieferschmerzen auswirkt, das wissen viele Ärzte und Patienten nicht. Ohne deutlichen Schmerz an den „richtigen Stellen“ müssen Frauen im Krankenhaus rund 20 Minuten länger auf eine Behandlung und bis zu einer Stunde länger auf einen Rettungshubschrauber warten als männliche Patienten. Doch damit nicht genug: „Symptome werden verharmlost oder auch psychosomatisch interpretiert, während bei Männern eine apparative Abklärung der Beschwerden eher zügiger geschieht“, sagt Mediziner Thomas Ruprecht. „Es sterben in den ersten 30 Tagen nach einem akuten Infarkt mehr weibliche als männliche Patienten“, so der Arzt bei der Techniker Krankenkasse.

Männer mit Osteoporose klagen zum Beispiel, dass sie vernachlässigt werden, weil brüchige Knochen als Frauenerkrankung angesehen werden“, so Vera Regitz-Zagrosek. Die Direktorin des Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin, dem einzigen seiner Art in Deutschland, gilt als Pionierin der Gender-Medizin. „Zudem fehlt bisher eine wirklich gute Idee für hormonorientierte Behandlungen bei Männern mit Osteoporose“, erklärt die Professorin. „Möglicherweise werden auch Depressionen bei Männern schwerer erkannt und schlechter behandelt. Sie gelten immer noch als unmännlich.“

Statistisch gesehen sind Männer, was die Gesundheit betrifft, ohnehin das schwächere Geschlecht: Da sie nur ein X-Chromosom und damit keinen Ersatz für beschädigte Gene haben, kommen sie häufiger mit Erbkrankheiten zur Welt. Männer sind öfter von Herz-Kreislauf-Leiden, Krebs, Aids und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten betroffen. Sie rauchen und trinken exzessiver und machen 84 Prozent der Insassen deutscher Suchtkliniken aus. 90 Prozent aller Gewalttäter sowie drei Viertel aller Selbstmörder sind männlich. Und mit 78 Jahren liegt die Lebenserwartung von Männern fünf Jahre unter der von Frauen.

Wenn schon nicht die Biologie, so haben die vermeintlichen Herren der Schöpfung wenigstens die Wissenschaft auf ihrer Seite. Bei klinischen Studien standen sie bislang im Vordergrund. Denn vor allem in den frühen Phasen der Arzneimitteltestung sind Probanden überwiegend jung und männlich. Das liegt vor allem an der Angst der Pharmahersteller, eine weibliche Testperson könne schwanger sein. Zudem könnten hormonelle Schwankungen Ergebnisse verfälschen und so zu einem Mehraufwand führen. Dabei müssten genau diese Schwankungen bei den Arzneimitteltests berücksichtigt werden. Über Jahrzehnte hinweg haben Frauen Medikamente geschluckt, die an ihnen nicht erprobt waren. Mittlerweile sind Pharmafirmen zwar gesetzlich dazu verpflichtet, Wirkstoffe auch an weiblichen Probanden zu testen. Doch noch immer ist das Verhältnis – besonders bei Herz- und Gefäßerkrankungen – nicht ausgeglichen.

In der Theorie gehen Soziologen und Literaturwissenschaftler den Unterschieden der Geschlechter schon seit Jahrzehnten auf den Grund. Doch welche Konsequenzen das Geschlecht für die Gesundheit, den Therapieerfolg oder die Risiken einer OP hat – das wird erst seit Kurzem erforscht. In ihrer systematischen Form existiert die Gender-Medizin seit 2001. „Bisher hat sich die Forschung an Männern orientiert, und die Ergebnisse wurden oftmals einfach auf die Frauen übertragen“, so Regitz-Zagrosek. „Wir wollen Befunde von Frauen und Männern systematisch miteinander vergleichen, um gezielter Medikamente und Therapien zu entwickeln.“ Für Geschlechterunterschiede seien die Hormone genauso wichtig wie die genetische Grundausstattung, so die Professorin.

Wie Experimente mit Mäusen und Ratten zeigten, wirkt sich das weibliche Geschlechtshormon Östrogen positiv auf Herz, Nieren und Stoffwechselfunktion aus. Ein möglicher Grund dafür, dass chronische Nierenerkrankungen bei Männern schwerer verlaufen und früher zum Tode führen.

Faktoren wie Körperfett, der pH-Wert des Blutes, Hormone oder ein unterschiedlicher Stoffwechsel können die Wirkung von Arzneien beeinträchtigen. Frauen leiden häufiger unter Nebenwirkungen. In manchen Fällen haben Medikamente bei ihnen sogar eine gänzlich andere Wirkung: So senkt der Wirkstoff Acetylsalicylsäure zwar bei Männern das Risiko eines ersten Herzinfarkts. Bei weiblichen Patienten beugt der Inhaltsstoff aber nur im Falle eines Schlaganfalls oder eines zweiten Infarkts vor.

Auch die Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten kann vom Geschlecht abhängig sein: Wie die Auswertung einer Studie zur Therapie mit dem verbreiteten Herzmedikament Digitalis ergab, wurde der Wirkstoff bei Frauen in der Vergangenheit oft überdosiert. Die Sterberate habe sich bei weiblichen Testpersonen infolge der Therapie eher erhöht, so Thomas Ruprecht.

Und obwohl die Risikofaktoren für einen Herzinfarkt – falsche Ernährung, Rauchen, Übergewicht, Zuckerkrankheit, Bewegungsmangel – für die Geschlechter gleich sind, wie die Experten des Robert Koch-Instituts in der Studie „Gesundheit von Frauen und Männern im mittleren Lebensalter“ betonen, gibt es Unterschiede in der Gewichtung: So erhöht beispielsweise ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) bei Frauen das Risiko für koronare Herzerkrankungen um das Vier- bis Sechsfache, bei Männern verdoppelt es sich lediglich. Auch Rauchen wirkt sich auf den weiblichen Organismus schädlicher aus als auf den männlichen. Umso mehr, wenn Raucherinnen die Antibabypille einnehmen.

Fett, Muskeln und Wasser sind im weiblichen Körper anders verteilt als im männlichen. Der Magen arbeitet langsamer, und die Nahrungspassage durch den Darm dauert länger – Schadstoffe in der Nahrung haben bei Frauen mehr Zeit, die Darmwand anzugreifen. Auch der Arzneistoffwechsel in der Leber unterscheidet sich bei den Geschlechtern. Gleiches gilt für die Ausscheidung über die Nieren.

Mindestens 90 Jahre alt würde der deutsche Durchschnittsmann gern werden. Ganze 16 Prozent halten es laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung sogar für erstrebenswert, 100 oder älter zu werden. Dieser ambitionierte Wunsch hält das männliche Geschlecht allerdings nicht von seinem ungesunden Lebensstil oder schlechtem Vorsorgeverhalten ab: Während rund 59 Prozent der Frauen zur Krebsvorsorge gehen, sind es bei den Männern nur 26 Prozent. Ein weiterer wichtiger Grund für die höhere Lebenserwartung von Frauen ist ihr leistungsfähigeres Immunsystem. Der weibliche Körper produziert mehr T-Abwehrzellen und ist daher weniger anfällig für Infektionskrankheiten. Selbst bei Transplantationen ziehen Männer den Kürzeren: Bei Organverpflanzungen kommt es bei ihnen häufiger zu Abstoßreaktionen.

Vor allem in jungen Jahren liegt die hohe Sterblichkeit der Y-Chromosom-Träger allerdings weniger in Krankheiten als in der männlichen Risikobereitschaft begründet. Doch an diesem Grund für die kürzere Lebenserwartung von Männern wird auch die Gender-Medizin nichts ändern können.“

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/zukunftsmedizin/forschung-und-technik-medizin-der-grosse-unterschied-_aid_751827.html

Bei typischen „Frauenkrankheiten“ (auch wenn viele Männer darunter leiden) wie Osteoporose, Migräne oder Depression kann mensch davon ausgehen, dass diese in der Forschung Jahrzehnte lang bis in die Gegenwart vernachlässigt wurden. Wären in der Mehrzahl Männer davon betroffen, sähe die Lage ganz anders aus.

Einen ähnlichen Artikel hat auch der „Spiegel“ geschrieben. Wer wissen will, welch ein Hass gegenüber der Gender-Forschung im Umlauf ist, braucht sich nur die Kommentare zu diesem Artikel anzusehen:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/gendermedizin-frauen-erkranken-anders-als-maenner-a-868202.html#js-article-comments-box-Pager

Bezahlung / Altersarmut

„Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass selbst in sogenannten Frauenberufen Krankenpfleger mehr verdienen als Krankenschwestern. Im Schnitt ist das Gehalt von Frauen bei gleicher Position um 7 Prozent geringer.“

http://www.alumniportal-deutschland.org/jobs-karriere/artikel/lohnunterschied-verdienst-frauen-maenner.html

Die letzten beiden Sätze sollte mensch sich noch mal geben – Frauen werden aus reiner Willkür schlechter bezahlt. Der Wurm hat es auch schon selbst erlebt, dass trotz höherer Intelligenz, größerer Fähigkeiten, besserer Leistung und höherer Eigeninitiative Frauen im direkten Vergleich mit Männern in eine niedrigere Gehaltsstufe eingruppiert wurden. Das Netzwerk der Männer funktioniert tadellos. Siehe auch „Apartheid ist überall“: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/47-apartheid-ist-ueberall.html

Um noch mal obigen Artikel zu zitieren:

„In der gesamten EU verdienen Frauen weniger als Männer: durchschnittlich 16,2 Prozent. Die Europäische Kommission kommentierte dies wie folgt: „Frauen in Europa arbeiten 59 Tage ‚unentgeltlich‘.“ Daten der Antidiskriminierungsstelle zeigen, dass die Lohnunterschiede in Italien, Malta, Rumänien und Slowenien unter 9 Prozent liegen. In allen anderen EU-Ländern sind die Lohnunterschiede höher. Schlechter als in Deutschland werden jedoch nur Frauen in Estland und Österreich bezahlt. Der Lohnunterschied in Österreich beträgt zum Beispiel 24 Prozent und Estland ist mit 27,7 Prozent negativer Spitzenreiter.““

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/103-heimat-grosser-soehne.html

„Kleine Teilzeit, geringer entlohnte Berufe, strukturell erzwungene Pausen – all das heißt: weniger Aufstiegschancen, geringere Erwerbszeiten, weniger Lohn im Laufe der Jahrzehnte. Denn die entscheidende Größe ist das Erwerbseinkommen im gesamten Lebensverlauf. Wenn man so rechnet, liegt das monatliche Einkommen von Frauen im Schnitt weit unter der Hälfte dessen, was Männer im Monat verdienen. Die Differenz ist nicht kleiner, sondern eher doppelt so hoch wie die oft zitierten 23 Prozent. Das deutet eine Größe, die die Lebensjahrzehnte abbildet: die Höhe der Rente aus eigener Erwerbsarbeit. 2009 lag diese in Westdeutschland im Schnitt bei 354 Euro. Die aus der Erwerbstätigkeit des Mannes abgeleitete Witwenrente lag dort bei 564 Euro im Monat …

Die Nachricht von der fast erreichten Lohngleichheit ist eine Ente. Was wir brauchen – und das sagt Hüther genauso, ohne damit groß zitiert zu werden –, ist eine gute Betreuungsinfrastruktur, die Frauen die Wahl lässt, Betriebe, die Beruf und Familie vereinbar machen und Pausen nicht sanktionieren, und eine Kultur, die Arbeit zwischen den Geschlechtern gleichgewichtiger verteilt. Erst wenn das erreicht ist, wäre eine Jubel-Schlagzeile berechtigt.“

http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/gastkommentar-von-wegen-gleicher-lohn/2620852.html

Offene Diskriminierung

Dadurch, dass ihnen schon von frühester Kindheit eingeredet wurde, dass sie von technischen Dingen nichts verstünden, glauben viele Frauen daran und stellen sich entsprechend „blöd“ an (siehe oben).

Das passt „hervorragend“ zu solchen Männern, die gut in technischen Sachen sind. Trifft solch ein Mann in seinem Gottesgnadentum auf eine so beschriebene Frau, passt das halbwegs zusammen.

Das Problem ist, dass diese Männer keinen Vergleich machen zwischen Menschen, die viel, etwas oder gar nichts von Technik verstehen, sondern zwischen Männern und Frauen – das sind in deren Augen halt „dumme“ Wesen, die entsprechend behandelt werden. Auch dann, wenn sie sehr viel von Technik verstehen.

Mensch lasse sich von Frauen erzählen, wie sie etwa von Autohändlern behandelt wurden. Da gibt’s also Menschen, die sich mit Autos sehr gut auskennen und bereit sind, viel Geld für ein neues Auto auszugeben – aber wie der letzte Dreck behandelt werden. Einfach deshalb, weil sie Frauen sind.

Dieses Behandeln bzw. Behandelt werden setzt sich im Alltagsleben weiter fort. Den einen fällt es gar nicht erst auf, die anderen empfinden es als fortwährende Diskriminierung.

 

Frauen in Führungs-Positionen

 

„Wer gut ist, wird sich durchsetzen und braucht keine Quote“.

Das stimmt nicht – so ziemlich jeder dürfte schon mit unfähigem Führungs-Personal zu tun gehabt haben. Solche, die eine große Klappe haben und bereit sind, sich zu inszenieren und mit einem gockelhaften Benehmen Machtkämpfe auszutragen, sind schon immer weit gekommen.

Dieses Verhalten mit dem entsprechenden Stress dürfte zu einem großen Teil dazu beitragen, dass Männer eine geringere Lebens-Erwartung als Frauen haben – Kastraten haben eine nahezu gleiche Lebensdauer wie Frauen und im Kloster sieht’s ähnlich aus: Mönche leben fast genauso lange wie Nonnen.

Der Sinn jeglicher Quote ist es, guten Menschen überhaupt die Chance zu ermöglichen, entsprechende Aufstiegs-Möglichkeiten zu haben.

Wer gute Leistung bringt, wird nicht automatisch Führungskraft. Wenn es Frauen tatsächlich schaffen, dann spielt Leistung auch hier eine untergeordnete Rolle. Das ist einfach nachzuweisen:

„Schockiert von den Zuständen in Sachen Gleichberechtigung waren jedoch die Frauen, die seit 1990 aus den ehemaligen sozialistischen Ländern nach Deutschland kamen ...

Und in den Betrieben hatte der Staat ein strenges Auge darauf, dass hauptsächlich die Leistung zählte. So durfte es nicht vorkommen, dass etwa nationale Minderheiten benachteiligt werden und natürlich durften auch die Frauen nicht benachteiligt werden. Entsprechend gab es in diesen Ländern um ein Vielfaches mehr an weiblichen Führungskräften als in West-Deutschland. Und von Arbeitslosigkeit war dort auch keiner bedroht. In der Spitze konnten sich die Menschen nicht so viel leisten wie im Westen, aber die Grundversorgung war gewährleistet.

Im Kapitalismus hat sich allerdings mittlerweile auch dort einiges geändert: Frauen wurden als erste entlassen, und der Staat schaut nicht mehr drauf, wer die Führungspositionen bekommt mit der Folge, dass sich Männer gegenseitig die Posten zuschanzen.

Auch hat sich der Typ „weibliche Führungskraft“ dort geändert. War früher eher unvorteilhaftes Aussehen kein Problem, kommen solche Frauen heutzutage kaum noch weit. Statt Leistung wird mehr und mehr repräsentatives Aussehen honoriert.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/103-heimat-grosser-soehne.html

Dem Bemühen um Gleichberechtigung, auch dann, wenn es nur um symbolische Dinge geht, schlägt gewaltiger Hass entgegen. Selbst von vielen Frauen, obwohl sie selbst Vorteile davon haben.

Der Wurm ist froh, ein Wurm zu sein. Wir Bewohner des Erdreichs bereiten uns keine selbst gemachten Probleme.