Über Geschmäcke und Farben kann man eigentlich nicht streiten. Rein ästhetisch betrachtet, liebt ein Regenwurm kräftige Farben. Blasse Farben haben für ihn praktisch betrachtet aber auch einen Wert: Sie sind nämlich das Signal, dass die einstmals kräftige Pflanze dazu bereit ist, gefressen zu werden. Sie sind die Farben des Endes, der Müdigkeit, der Schwäche.

Eine besondere blasse Farbe ist rosa. Große Aufregung, nachdem in Berlin das „Barbie Dreamhouse“ eröffnet wurde: Presse, Demonstranten und eine Halbnackte von „Femen“ waren da. Weil Barbie und rosa angeblich nicht gut seien für Mädchen. Barbie gibt es schon seit 50 Jahren und seither gehört auch rosa irgendwie zu ihr.

Und seither schleicht sich rosa in das Leben der Menschen. Zumindest in das Leben weiblicher Menschen - und schleichen war auch nur am Anfang. Inzwischen trifft einem rosa allerdings schon fast wie ein Hammer und ist schon so gut wie - Ihr habt es erraten: alternativlos. Mädchen und Frauen wollen das, ist ihnen angeboren, sagt mensch uns. Merkwürdig, dass jedes Jahr mehr Mädchen mit dieser seltsamen Mutation geboren werden .... Vor 100 Jahren gab es wohl niemanden, der dachte, Mädchen würden sich für rosa interessieren und sie taten es auch nicht. Blau war die Farbe, die sie damals liebten - ist auf damaligen Malereien heute noch zu besichtigen. Blau, das war die Farbe der Maria, die Farbe der Treue. Das haben Mädchen und Frauen damals geliebt oder hat mensch ihnen das vielleicht nur eingeredet?

Rosa, die Farbe von Barbie und Lillifee, das lieben sie heute. Oder vielleicht redet mensch es ihnen nur ein? Jeder hat das liebliche Rosa schon gesehen: in den Abteilungen für Kinderkleider und Kinderschuhe aller Supermärkte, bei Spielsachen und Schulbedarf bis hin zu Joghurt-Verpackungen. Seit gut 10 Jahren ist die Mädchenwelt fast nur noch rosa. Wie weit das geht, das ist auch im Internet zu sehen (ein moderner Regenwurm sieht sich das schon mal an), wenn wurm bzw. mensch bei einer Suchmaschine das Wort „Kinderzimmer“ eingibt und sich die dazu gehörigen Bilder ansieht. Da ist die niedliche rosa Welt zu bewundern, in der Mädchen aufwachsen. In diese Welt aus rosa Tüll passt natürlich kein Wildfang oder Rabauke – das sieht sogar ein Regenwurm. Es passt ein liebes, zartes Wesen mit langem Haar und rosa lackierten Fingernägelchen – eine Prinzessin, ich glaube das moderne Wort dafür ist „Model“. Um ein Model zu werden, nehmen junge Frauen heutzutage bald so viel in Kauf, wie im Märchen Aschenputtels Stiefschwestern, die sich den großen Zeh bzw. die Ferse abschneiden, um in diesen blöden Schuh rein zu passen (wie Ihr seht, sind Regenwürmer recht belesen und gar nicht so dumm, wie sich das manche Menschen denken).

Ach, na ja, das bisschen Rosa, sagen die Leute dann, und außerdem tragen ja auch nicht alle Mädchen rosa, sagen die Leute dann. Gut, sagt der Wurm dann, vielleicht haben die Leute nur nicht genau hingeschaut. Wer hat denn auch Zeit zu so Unwichtigem wie genau hinschauen. Zu so etwas haben nur Würmer Zeit. Der Wurm hat hingeschaut und ja, es stimmt, es gibt auch manchmal Mädchen, die kein rosa tragen. Aber Jungen, die rosa tragen, gibt es nicht, nicht einmal manchmal. Es gibt sie gar nicht, zumindest nicht, wenn sie mal dem Kleinkindalter entwachsen sind (zumindest wurde von uns Regenwürmern so einer noch nicht entdeckt). Wer es nicht glaubt, kann ja mal etwas genauer hinschauen, oder er kann es beim eigenen Nachwuchs ausprobieren. Bereits im Alter von 5 Jahren finden männliche Wesen rosa „igitt“. Niemals würden sie etwas rosafarbenes haben wollen. Wer rosa Dinge besitzt, ist für sie lächerlich bzw. nicht ernst zu nehmen. Der Grundstein ist gelegt: Der zukünftige Mann weiss, was und wer nicht ernst zu nehmen ist. Auch wenn er es nicht laut sagt und noch nicht mal offiziell denkt: unterbewusst schwingt es immer mit.

Wurm weiss nicht, was schlimmer ist, dass durch die menschliche Umwelt den Mädchen Rosa anerzogen oder dass den Jungs Rosa aberzogen wird. Nur eines weiss wurm sicher: für’s eigene Würmchen käme das Rosa-Rüschen-Himmelbettchen nicht in Frage. Das knallrote Ferrari-Bett (mensch gebe in der Suchmaschine neben „Kinderzimmer“ noch „Ferrari“ ein und staune) wäre auch nicht die erste Wahl, aber wenn’s denn eines der beiden sein müsste, dann lieber das zweite. Schließlich soll das Würmchen mal selbstbewusst und lebenstüchtig werden.

Ach, wir Würmer haben es schön. Es gibt bei uns keine Männchen und keine Weibchen. Da muss niemand richtig weiblich und niemand richtig männlich sein. Aber bei den Menschen müssten sie das ja eigentlich auch nicht, oder? Richtig menschlich sein, wäre vielleicht mal ein Anfang. Für uns Würmer ist ein Mensch ein Mensch und für uns macht es keinen Unterschied, ob da jetzt ein weiblicher oder ein männlicher Mensch im Garten was macht.

https://www.google.de/search?q=kinderzimmer&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=eXQwU_3hHKif7AbZ1IGwBg&ved=0CAcQ_AUoAQ&biw=1280&bih=676

https://www.google.de/search?q=kinderzimmer&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=eXQwU_3hHKif7AbZ1IGwBg&ved=0CAcQ_AUoAQ&biw=1280&bih=676#q=kinderzimmer+ferrari&tbm=isch

http://pinkstinks.de/