Geschichte ist Gegenwart. Das zeigt sich nicht nur, aber auch zu bestimmten Jahrestagen und in deren Vorfeld.

Vor 100 Jahren startete der Völkermord der Türken an den Armeniern. Da meinen heute noch, 100 Jahre später, Parlamente von Ländern sich dazu äußern zu müssen, die weit weg von der Türkei liegen und es gibt hitzige Diskussionen darüber, ob für die Vorfälle der Begriff „Völkermord“ verwendet werden solle oder nicht.

Warum das alles? Nach so langer Zeit. Weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart haben sich diese Länder und deren Parlamente groß um Verbrechen anderer Länder gekümmert bzw. drehen selbst jetzt gerade krumme Dinger in der Welt, bei denen Menschen zu Tode kommen.

Als Begründung für das damalige türkische Vorgehen werden zumeist drei Gründe angeführt:

1. Bösartigkeit der Türken bzw. deren Regierung

2. Armenier als „Sündenböcke“ für eigenes militärisches Versagen, etwa hier: http://www.heise.de/tp/artikel/44/44632/1.html

3. Moslems sind an sich böse und töten Christen

Die ersten beiden Argumente sind die gängigen, haben aber einen Denkfehler, da auch (was gerne vergessen bzw. nicht erwähnt wird) Menschen aus anderen christlichen Gruppen getötet wurden.

Das 3. Argument wird gerne von den Islam-Hassern gebraucht. Damit kann zwar das Ergebnis erklärt werden, nicht aber, wie es dazu kam. Mal davon abgesehen, dass die damalige Türkei sehr gut mit christlichen Bündnispartnern im 1. Weltkrieg, hauptsächlich Deutschland, zurecht kam, gehen Moslems mit Christen traditionell besser um als umgekehrt.

Auf jeden Fall handelt es sich immer um durchgeknallte Türken, die unverhältnismäßig handeln.

Dem ist aber nicht so. Auch, wenn der Wurm das damalige Verbrechen keinesfalls billigt und den Verantwortlichen lieber nicht im Garten über den Weg laufen möchte, ist deren Verhalten tatsächlich rational und nachvollziehbar - und die Armenier sind nicht nur die armen, unschuldigen Opfer.

 

Der Völkermord aus damaliger türkischer Sicht

 

Hinrichtung auf offener Straße - Der Armenier Tehlirian rächt den Völkermord

Anbei eine sehr schöne Dokumentation, die etwas Licht ins Dunkel bringt:

„Am 15. März 1921 wurde Talât Pascha, der im Berliner Exil lebende letzte Innenminister des Osmanischen Reiches, auf offener Straße von dem jungen Armenier Soghomon Tehlirian erschossen. Als Tehlirian einige Monate später vor einem deutschen Gericht stand, stellte er sich als Opfer dar: „Ich habe einen Menschen umgebracht, aber ich bin kein Mörder.“ Der Prozess nahm eine überraschende Wende, denn Tehlirian brachte das Gericht dazu, sich mit Talât Paschas Verantwortung für das Massaker an den Armeniern im Jahr 1915 zu befassen. Das Urteil lautete letztlich auf Freispruch. Der Prozess setzte den Völkermord wieder auf die Tagesordnung. Überlebende Augenzeugen berichteten Einzelheiten über Verschleppungen und Massaker und enthüllten die ganze Tragweite des Vernichtungssystems der Jungtürken-Regierung.

Anhand der Protokolle der Gerichtsverhandlung, die in fiktionalen Szenen nachgestellt wird, sowie von Archivbildern und Einschätzungen anerkannter internationaler Experten beleuchtet der Film die widersprüchlichen Facetten dieses Falls und zeigt, wie das Gefühl widerfahrenen Unrechts eine Gruppe von Männern dazu brachte, ihr Volk rächen zu wollen. Denn Soghomon Tehlirian war kein Einzeltäter und ging auch nicht planlos vor. Er agierte im Auftrag der „Operation Nemesis“, eines Geheimbundes, der 1921 und 1922 Anschläge auf fünf weitere hochrangige Türken verübte, die nach dem Ersten Weltkrieg für die Beteiligung am Genozid verurteilt worden waren. Vor dem Hintergrund des 100. Jahrestags des Völkermords an den Armeniern erhellt der Film die Ursachen dieses ersten Verbrechens gegen die Menschlichkeit im 20. Jahrhundert und stellt erneut die Frage nach der internationalen Anerkennung des Genozids, die ein Jahrhundert nach den Ereignissen besonders in der Türkei immer noch strittig ist.“

http://www.arte.tv/guide/de/053411-000/hinrichtung-auf-offener-strasse

 

 

Im Film kommen unter anderem folgende Personen zu Wort:

Taner Akcam, Historiker

Raymond Kevorkian, Historiker

Claire Mouradian, Historikerin

Sofern nicht anders angegeben, stammen die folgenden vom Wurm verwendeten Zitate aus diesem Film.

Homogenität

Je homogener ein Land, desto problemloser. Je mehr Gruppen es gibt, die sich benachteiligt fühlen bzw. die meinen, die Herrschaft über die anderen Gruppen erlangen zu müssen, umso problematischer.

Ein gutes Beispiel ist im religiösen Bereich zu finden, etwa im Katholizismus. Wenn sich neue Gruppen bilden, gibt es drei Arten, darauf zu reagieren: ausrotten (etwa Manichäer oder Katharer) ist die übliche Hau-Drauf-Methode. Wenn das nicht funktioniert, da der Gegner zu stark ist, sich damit erstmal arrangieren und versuchen, ihn später platt zu machen (Hugenotten in Frankreich). Wenn das immer noch nicht geklappt hat, dann zumindest weiter nach außen arrangieren, aber innerlich auf Distanz gehen und nach langer Zeit sich auch innerlich mit dem ehemaligen Gegner arrangieren (Protestanten in Deutschland). Die dritte Möglichkeit ist, sich den Gegner einzuverleiben (Franziskaner).

Die Nicht-Homogenität entsteht durch Gruppen, die sich durch Gruppenzugehörigkeit „anders“ als die anderen empfinden und politisch agieren. Etwa im sozialen, nationalen oder religiösen Bereich. Einflussreiche Familien gehören auch dazu.

Klassisches Beispiel für einen solchen Fall ist der römische Kaiser Augustus, der zu seiner Zeit (und erst recht heute) als „Friedenskaiser“ angesehen wurde, der dem Reich Frieden und Wohlstand gebracht hat. Das hat er allerdings nur geschafft, indem er zu Anfang seiner Karriere in einem der blutrünstigsten Blutbäder der Geschichte seine potentiellen Gegner ausgeschaltet hat. Siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/111-pax-romana.html

Hinterher gab es freilich einen Ausgleich aller Nationen und Religionen (sofern diese bereit waren, sich dem Römischen Reich zu unterwerfen).

Zurück zum damaligen Osmanischen Reich: viele Jahrhunderte war das ein Vielvölkerstaat, in dem das Zusammenleben halbwegs geklappt hat. Bis im 19. Jahrhundert der Nationalismus immer stärker wird und sich immer mehr Völker vom Osmanischen Reich unabhängig machen oder unabhängig machen wollen.

Es handelt sich um ein nationales Problem, das sich auch in der Religion äußert.

Mouradian: „Das Osmanische Reich ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht gänzlich muslimisch. 30 bis 40 % sind griechisch-orthodoxe Christen, apostolische Armenier, Katholiken, Protestanten und Juden. Es ist kein homogenes Imperium.“

Kevorkian: „Das imperiale, multiethnische Staatsmodell ging über in einen Nationalstaat. Nach dem Verständnis der Jungtürken war es eine türkische Nation. Das brachte mit sich, dass alle ausgegrenzt wurden, die diesen Aufbau eines Nationalstaates nach französischem Vorbild nicht mittragen wollten oder konnten.“

Sozial-Darwinismus

Kevorkian: „Am ehesten entspricht die Ideologie der Jungtürken wohl dem, was Soziologen „Sozial-Darwinismus“ nennen. Das bedeutet eine Art Überlebenskampf, wie er bei den Tieren existiert, übertragen auf den Menschen. Bei den Jungtürken war der Sozial-Darwinismus eine allgegenwärtige Obsession.“

Mouradian: „“Wir oder sie“ – sozial-darwinistisch wurden andere Völker als reine Gefahr für den Aufbau einer türkischen, homogenen Nation betrachtet. Mit einer nationalen Volkswirtschaft. Den unliebsamen Bevölkerungsgruppen wurde ihr Hab und Gut weggenommen, weil sie vermeintlich eine Gefahr für die Schaffung und Wahrung der heiligen türkischen Stätten darstellten.“

„Sozialdarwinismus ist eine sozialwissenschaftliche Theorierichtung, die einen biologistischen Determinismus vertritt. Sie war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis zum Ersten Weltkrieg sehr populär. Sie wendet Teilaspekte des Darwinismus auf menschliche Gesellschaften an und fasst deren Entwicklung als Folge natürlicher Selektion beim „Kampf ums Dasein“ auf.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdarwinismus

Der Sozial-Darwinismus war auch weit über den 1. Weltkrieg populär und hat sich etwa sehr stark auf die Rassen-Ideologie des Nationalsozialismus ausgewirkt.

Beim Darwinismus (Evolutions-Theorie) handelt es sich übrigens keineswegs um einen „Kampf ums Dasein“. Ausgangspunkt ist die Überlegung, welche Individuen einer Art es bis zur Geschlechtsreife schaffen und warum sie das tun. Da findet überhaupt kein Kampf statt, zumindest nicht innerhalb der einzelnen Arten. Prügeleien um Sexualpartner oder Revierkämpfe einzelner Arten sind da nur Nebenaspekte.

Kranker Mann am Bosporus – Sorge um Auflösung der Türkei

Aus "Wikipedia":

„Ein zunehmendes Problem für den Vielvölkerstaat der Osmanen war der Nationalismus der sich zunehmend als eigenständige Völker begreifenden Gruppen in den von ihnen besetzten Gebieten. Diese erhoben vehement Anspruch auf Repräsentation in eigenen Staaten. Zunächst erhoben sich 1804 die Serben …

An diesem Beispiel zeigte sich, wie das Osmanische Reich, das von den Medien der Zeit als Kranker Mann am Bosporus persifliert wurde, immer mehr zum Spielball der europäischen Mächte wurde …

Bereits früher hatte der russische Zar vergeblich versucht, die Regierungen Österreichs und Großbritanniens für eine Aufteilung des Osmanischen Reiches zu gewinnen. Großbritannien und Frankreich sperrten sich aber gegen diese russische Expansion …

Im Osmanischen Reich begriffen führende Politiker den Weltkrieg als Chance zur Rückeroberung verlorengegangener Gebiete auf dem Balkan, zu expansionistischen Zielsetzungen in Richtung Kaukasus und Zentralasien und dazu, eine Lösung der armenischen Reformfrage zu unterbinden. Diese Frage war aufs engste mit der orientalischen Frage verknüpft. Sie bedeutete zugleich eine ständige Möglichkeit zur Einmischung für die westlichen Mächte und Russland in die Innenpolitik des Osmanischen Reichs und konnte einen Vorwand zur Intervention liefern – mit dem Ziel der Aufteilung des Reiches …

Die nationalistischen Bewegungen des 19. Jahrhunderts waren eine starke Kraft gewesen, die das Vielvölkerreich desintegriert hatten. Diese Kraft war aber auch in den Kerngebieten des Osmanischen Reichs vorhanden.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Osmanisches_Reich

„1912 erschüttert ein dramatisches Ereignis das Osmanische Reich: der Beginn des Balkankriegs. Angezettelt haben ihn die christlichen Völker Europas, weil sie ihre im Osmanischen Reich untergegangenen ethnischen Grenzen wiederherstellen wollen. Serbien, Bulgarien, Griechenland und Montenegro greifen das Land vereint an mehreren Fronten an und sind sehr schnell die Sieger.“

Akcam: „Binnen einer Woche haben die Osmanen im Oktober 1912 fast 75% ihrer Gebiete in Europa verloren. Das war ein großer Schock, und nicht nur das: alle Mitglieder des Komitees „Einheit und Fortschritt“, alle Mitglieder der Regierungspartei und alle Parteiführer stammten vom Balkan. Sie verloren innerhalb einer Woche ihre Heimat.  Das war ein Riesenschock. Alle wussten, dass nach dem Verlust des Balkans Anatolien dran sein würde. Für das Komitee „Einheit und Fortschritt“ stand fest, es ist unmöglich, in diesem Land mit Christen zusammenzuleben.“

Akcam: „Sie hatten vor, die Zahl der Armenier auf ungefähr 200.000 zu dezimieren und haben etwa 1,3 Millionen deportiert. Wissen Sie, wie viele Armenier überlebt haben? Zwischen 150.000 und 200.000. In Syrien und im Irak. Wenn Sie mich fragen, war das ein perfektes Social Engineering, alles wurde mit mathematischer Perfektion vollzogen. Das waren keine islamistischen Idioten, keine Leute, die aus religiöser Überzeugung oder Fanatismus gehandelt haben. Es waren Politiker, die glaubten, ihren Staat nur retten zu können, indem sie die christliche Bevölkerung auf 10% der Muslime reduzieren. Und den Plan setzten sie um.“

Der Völkermord an den Armeniern ist durch nichts gerechtfertigt. Dass allerdings die Sorgen der türkischen Nationalisten nicht unbegründet waren, zeigt die unmittelbare Zeit nach dem 1. Weltkrieg:

„Das im Ersten Weltkrieg mit den Mittelmächten verbündete Osmanische Reich unterzeichnete nach deren offenkundig gewordenen Niederlage am 30. Oktober 1918 das Waffenstillstandsabkommen von Mudros (Mudros auf Limnos) mit den Siegermächten. Kapitel 7 des Vertrages gestattete den Siegermächten, jederzeit jede Region des Reiches zu besetzen. Auf Grundlage dieses Abkommens wurden nahezu alle Gebiete der Türkei durch Großbritannien, Frankreich, Italien und Griechenland besetzt …

Der Türkische Befreiungskrieg (türkisch Kurtuluş Savaşı oder älteres Türkisch İstiklâl Harbi) war der Unabhängigkeitskrieg der türkischen Nation von 1919 bis 1923 unter der Führung Mustafa Kemal Paschas gegen die Besatzungsmächte der Triple Entente sowie gegen den Plan eines Großarmeniens, Großgriechenlands, italienischer, französischer und britischer Besatzungszonen in Anatolien. Er richtete sich gegen die Vergrößerung eines projektierten armenischen und des griechischen Staates auf Kosten des osmanischen Reiches sowie gegen o.g. Besatzungszonen nach dem Vertrag von Sèvres von 1920 …

Der Kampf hatte die Gründung eines souveränen türkischen Staates ohne politische, rechtliche und wirtschaftliche Bevormundung durch andere Staaten zum Ziel. Zudem sollte ein gemeinsames türkisches Nationalbewusstsein unter den weit über 40 ethnischen Gruppen begründet werden, unter denen die Türken die größte bildeten.“

http://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkischer_Befreiungskrieg

Endlösung

Kevorkian: „Im Februar und März 1914 wird in mehreren Sitzungen eine Umsiedlung der armenischen Bevölkerung beschlossen; im Klartext: deren Deportation. Hab und Gut der Deportierten wird konfisziert.“

Kevorkian: „Die Radikalisierung wird im März 1915 offenkundig, also einige Monate nach Kriegseintritt. Sie kristallisiert sich bei mehreren Zusammenkünften des Zentralkomitees der Jungtürken in ihrer Parteizentrale in Konstantinopel heraus. Im Laufe dieser Zusammenkünfte wird deutlich, dass es nicht mehr um Deportation, sondern um die systematische Vernichtung der Armenier geht.“

„Am 24. April 1915 beginnt die Massenverhaftung in der Hauptstadt Konstantinopel. Mehr als 650 Intellektuelle und angesehene Armenier werden deportiert. An den folgenden Tagen sind es mehr als 2.000. Im gesamten Osmanischen Reich spielt sich das Gleiche ab. Die Idee ist neu und entsetzlich effizient. „Aus Sicherheitsgründen“, so heisst es, „wird die gesamte armenische Zivilbevölkerung nach Syrien in die Wüste deportiert“ – in den sicheren Tod.“

Akcam: „Innenminister Talat Pascha verfasst am 26. Mai 1915 ein Memorandum, in dem er die gesamte Armenien-Frage zusammenfasst. Darin stand „Das armenische Reformproblem ist ein ernstes Problem für unseren Staat geworden und wir bemühen uns nun um eine Endlösung dieses Problems“. Sie wussten also da noch nicht, wie, aber sie suchten nach einer sogenannten „Endlösung“ für diese armenische Reform-Frage.“

„Es ist wie ein Paukenschlag, als im Prozess einer von Tehlirians Anwälten den Beweis vorlegt, dass Talat Pascha für die Massaker verantwortlich war. Er präsentiert ein verschlüsseltes Telegramm von Innenminister Talat Pascha an den Präfekten von Aleppo. Deutlicher geht es kaum: „Ohne Rücksicht auf Frauen, Kinder und Kranke, so tragisch die Mittel der Ausrottung auch sein mögen, ist, ohne auf die Gefühle des Gewissens zu hören, ihrem Dasein ein Ende zu machen.“

Die eindeutigen Dokumente werden von türkischer Seite als Fälschungen bezeichnet. Ob das stimmt oder nicht – Tatsache ist, dass die meisten Armenier hinterher nicht mehr „da“ sind.

Kevorkian:  „Der Krieg schafft erst die Voraussetzungen dafür, dass die Jungtürken ihre systematische Politik umsetzen können. Im Krieg schwinden alle Hemmungen. Er macht gewaltbereit. Und darüber hinaus gibt es den staatlichen Freibrief. Für mich hat es etwas von einem Rausch. Bei der Gewaltausübung, das ist wie eine Sucht.

Kevorkian: „Metzger-Bataillone“ werden sie damals genannt. Ich habe ungefähr 32 Stätten gefunden, an denen diese Einheiten gewütet haben. Oft wird angenommen, dass sie umhergezogen sind, aber nein: die Deportierten wurden zu ihnen geschafft.“

Akcam: „Diese Spezialeinheiten wurden aus der Armee herausgenommen und der Partei unterstellt. Vergleichbar mit der Waffen-SS der Nazis. Die Mitglieder der Sondereinheiten kamen im Wesentlichen aus drei Gruppen: 1. aus Kurdenstämmen, 2. waren viele muslimische Emigranten aus dem Kaukasus und dem Balkan darunter, die großen Hass auf die Christen hatten. Weil sie ihr Zuhause und ihre Angehörigen verloren hatten, die ermordet worden waren – deshalb waren sie voller Hass und auf Rache aus. Und die dritte Gruppe waren Häftlinge. Das Komitee „Einheit und Fortschritt“ holte die gefährlichsten Kriminellen, Mörder mit langjährigen Haftstrafen aus den Gefängnissen und steckte sie in solche paramilitärische Einheiten, die mit der Vernichtung der Armenier beauftragt waren.“

Türkei nach dem Völkermord

1918: „Auch die neue türkische Regierung will sich von den Verantwortlichen des Genozids distanzieren und stellt sie vor Gericht. Talat Pascha und die Mitglieder des jungtürkischen Triumvirats werden zum Tode verurteilt – in Abwesenheit, denn sie wurden von ihren deutschen Verbündeten schon außer Landes geschleust.“

„Nach jahrelangen Kämpfen gegen die Besatzung der Alliierten und gegen den Sultan, errichtet Mustafa Kemal Atatürk, der Held des 1. Weltkriegs, 1923 auf den Trümmern des Osmanischen Reichs eine nunmehr türkische Republik.“ Akcam: „Mustafa Kemal Atatürk war selbst nicht am Völkermord an den Armeniern beteiligt, sondern hat diese Morde verurteilt. Die Führer des Komitees „Einheit und Fortschritt“ waren für ihn Mörder. Und in einer Parlaments-Rede nannte er die Massaker von 1915 eine Schandtat. Das wiederholte er mehrmals. Nicht, weil er für die Menschenrechte eintrat, die Armenier besonders mochte oder ein Altruist war – nein, er war ein nationalistischer Führer und für seine Republik-Gründung Anfang der 1920er Jahre war es besser, sich von den Morden seiner Vorgänger zu distanzieren. Allerdings stellte er sich bei anderer Gelegenheit auch schützend vor die Führer des Komitees „Einheit und Fortschritt“.“

 

Aktivitäten der Armenier?

 

Da wird den Armeniern zu Beginn des 1. Weltkriegs (und wahrscheinlich auch schon vorher) seitens der Alliierten ein eigener Staat versprochen - keinerlei Aktivitäten?

Da wird der größte Teil der Armenier umgebracht – ohne Gegenwehr?

Zumindest steht da kaum etwas in den heutzutagigen Medien. Ein klein wenig hat der Wurm dann aber doch gefunden:

„Die Armenische Revolutionäre Föderation ist eine 1890 in Tiflis (heute Georgien) gegründete armenische politische Partei. Die Revolutionäre Föderation gründet auf zwei Wurzeln: Sie war Teil der reformerisch eingestellten sozialistischen Bewegung, verband dies mit dem Streben nach nationaler Befreiung vom Russischen Reich und Osmanischen Reich, die damals das Siedlungsgebiet der Armenier unter sich aufgeteilt hatten …

Kurz wird die Partei Daschnakzutjun genannt, so heißen ihre Mitglieder Daschnaken …

Die Daschnaken verstanden sich als revolutionäre Organisation, deren Zellen bewaffnete Aktionen ausführten. Die bekannteste war die Besetzung der Ottomanischen Bank in Konstantinopel 1896. In der Zeit von 1894 bis 1896 kam es zu gezielten Tötungen von Einzelpersonen. Auf der libanesischen Website der Jugendorganisation der Daschnak-Partei werden aufgezählt: „Armenier, die dem Sultan und der türkischen Regierung dienten. Unter anderem Maksoud Simon Bey, der Spion Ardashes, der Polizeichef Haji Dikran, der Priester Mampre Benlian, der Chirurg M. Tutunjiev und andere“. Zudem werden „Isahag Zhamharian, Janpoladian, Atamian“, das waren reiche Armenier in Russland, die sich weigerten, die Daschnak-Partei mit Geld zu unterstützen. Sie wurden deshalb nach 1903 von den Daschnakisten ermordet …

Während des Völkermordes an den Armeniern 1915 waren die Mitglieder der armenischen Revolutionären Föderation unter den ersten, die von den osmanischen Machthabern wegen ihrer führenden Rollen in den armenischen Gemeinden verfolgt und umgebracht wurden. Die Rolle der Armenischen Revolutionären Föderation in diesen Wirren wird bis heute äußerst widersprüchlich gewertet. Während von armenischer und westlicher Seite die Berechtigung des Einsatzes militärischer Mittel zum Schutz der Zivilbevölkerung als legitimes Mittel der Selbstverteidigung gesehen wird, betrachtet die staatliche türkische Geschichtsschreibung sie als kriminelle Aufrührer und Terroristen. Anschläge wurden auf den Kriegsminister Enver Pascha, den Innenminister Talât Pascha, den Arbeits- und Marineminister Cemal Pascha, den Großwesir Said Halim Pascha und den aserbaidschanischen Premierminister Fətəli Xan Xoyski verübt.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Armenische_Revolution%C3%A4re_F%C3%B6deration

Die Sozialdemokratische Huntschak-Partei ist die älteste armenische politische Partei und war die erste sozialistische Partei im Osmanischen Reich und in Persien …

Ziel der Gruppierung war, die armenischen Provinzen aus dem osmanischen Reich herauszulösen und einen unabhängigen armenischen Staat zu schaffen, der zu einer künftigen sozialistischen Welt gehören sollte. Obwohl marxistisch ausgerichtet, wurde auch der Gebrauch terroristischer Mittel befürwortet, um ihr Ziel zu erreichen. Als gangbare Methoden erwählte die Gruppe „Propaganda, Agitation, Terror, Organisation und Bauern- und Arbeiteraktionen“. Sie plante nicht nur Attentate auf osmanische Würdenträger, sondern auch auf Armenier, die mit der osmanischen Regierung kooperierten und daher als „Spione und Verräter“ angesehen wurden …

Am 27. Juli 1890 organisierten die Mitglieder Harutiun Jangülian, Mihran Damadian und Hampartsum Boyadjian die Kumkapı-Proteste in Istanbul. Der Zeytun-Widerstand 1896 und 1915 wurde ebenso wie der Widerstand von Şebinkarahisar von der Huntschak-Partei organisiert.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Huntschak-Partei

„Während des 7. Generalkongresses der Sozialdemokratischen Huntschak-Partei 1913 in der Hafenstadt Constanța, Rumänien, wurde die Liquidierung von Jungtürken geplant. Der Kongress vertagte sich mit zwei Hauptgrundsätzen:

- Wie im ursprünglichen Programm angegeben, sollte die Partei von legalen zu illegalen Aktivitäten bewegt werden, wodurch sie immer mehr zu einer verdeckten Organisation würde.

- Planung zur Ermordung der Führer des Komitees für Einheit und Fortschritt und der Verantwortlichen des Adana-Massakers von 1909 und somit der gleichen Führer, die zu diesem Zeitpunkt an der Planung zur Vernichtung des armenischen Volkes beteiligt seien.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Hinrichtung_der_20_Huntschakisten

Der Wurm kann nicht beurteilen, ob folgender Bericht in allen Punkten stimmt, möchte ihn aber dennoch wiedergeben:

„In der Zeit nach dem Berliner-Abkommen entwickelte sich die armenische Frage in zweier Art und Weise: Erstens, die westlichen Länder begannen, das Osmanische Reich zu unterdrücken und sich in seine inneren Angelegenheiten einzumischen. Zweitens, begannen die in Anatolien, Syrien und Thrazien lebenden Armenier sich in verschiedenen Gebieten Anatoliens, besonders in Ostanatolien und in Kilikien zu organisieren und zu bewaffnen …

Als es nicht mehr möglich war, die Armenier im Osmanischen Reich durch, die im inneren des Landes, gegründeten Komitees gegen den Osmanischen Staat aufzuhetzen, versuchte man nun, durch die Armenier in Russland außerhalb des Osmanischen Reiches armenische Komitees gründen zu lassen. Daraufhin wurde im Jahre 1887 in Genf ein sozialistisch orientiertes, gemäßigtes, militantes Komitee der Hintschaken, und im Jahre 1890 in Tibilisi ein extremistisches, terroristisches, kämpferisches und unabhängigkeitsfreundliches Komitee der Taschnaken gegründet. Diese Komitees hatten “die Befreiung der anatolischen Böden und der Armenier vom Osmanischen Reich” als Ziel zu verfolgen.

Die Hintschaken, die sich in Istanbul organisierten und die Aufmerksamkeit der europäischen Länder auf die armenische Frage zu lenken und die Armenier im Osmanischen Reich zu provozieren versuchten, fingen mit den Aufstandsversuchen an. Diesen Versuchen folgten die Aufstände der Taschnaken, welche sich im politischen Kampf mit den Hintschaken befanden. Die Gemeinsamkeit dieser Aufstandsversuche bestanden darin, dass alle von den Komitees geplant und geleitet wurden, die von Außen in das Osmanische Reich eingedrungen waren. Zu der Organisierung dieser Komitees leisteten die Missionare einen großen Beitrag, die sich auf das ganze Anatolien verstreut hatten.

Der erste Aufstand trat im Jahre 1890 in Erzurum auf. Diesem folgte im selben Jahr die Demonstration in Kumkapi, weitere Unruhen in den Jahren 1892-93 in Kayseri, Yozgat, Corum und Merzifon, 1894 der Sasun-Aufstand, 1894 Demonstrationen in Babiâli und der Zeytun-Aufstand, 1896 der Van-Aufstand und die Besetzung der Osmanli Bank, 1903 der zweite Sasun-Aufstand, 1905 versuchtes Attentat auf Sultan Abdülhamid und als letztlich 1909 der Adana-Aufstand.

Zwischen 1906 und 1922 wurden in Anatolien und um Kaukasus 517.955 Türken von Armeniern massakriert.

Die Armenier fügten dem türkischen Volk den größten Schaden mit ihren Massenmorden während des Ersten Weltkrieges zu. In dieser Zeit hatten die Armenier im Namen der Russen spioniert, die Aushebung für die Mobilisierung nicht berücksichtigt und den Wehrdienst verweigert, und diejenigen, die den Wehrdienst leisteten, wechselten samt ihrer Waffen auf die russische Seite um und begangen gemeinsamen “Landesverrat”. Schon zu Beginn der Mobilisierung griffen die armenischen Banden die türkischen Einheiten an und fügten durch Überfälle auf türkische Dörfer der zivilen Bevölkerung großen Schaden zu. So wurden zum Beispiel alle Einwohner des Dorfes Zeve bei Van, ohne Rücksicht auf Frau, Kind oder ältere Menschen zu nehmen, von Armeniern ermordet.

Die Aufstände wurden von den osmanischen Sicherheitskräften niedergeschlagen; aber dies wurde der Weltöffentlichkeit unter dem Slogan “die Moslems massakrieren die Christen” zur Kenntnis gebracht. Allmählich nahm die armenische Frage eine verbreitete und internationale Dimension an. So wurde in den Berichten der englischen und russischen Diplomaten aus dieser Zeit mitgeteilt: “Das Ziel der armenischen Aufständischen sei, Unruhen anzustiften und die Türken zum Gegenangriff zu zwingen um den Eingriff anderer Länder zu gewährleisten”. Auf der anderen Seite waren die diplomatischen Vertretungen und Botschaften der mächtigen Staaten auf alle Regionen Anatoliens verstreut und sie spielten eine große Rolle dabei, dass die armenische Propaganda der westlichen Öffentlichkeit mitgeteilt und von denen anerkannt wurde.“

https://truthabaoutgenocide.wordpress.com/2011/04/23/armenische-aufstande-und-massaker/

 

Die vierzig Tage des Musa Dagh

 

„Die vierzig Tage des Musa Dagh ist ein im November 1933 erschienener historischer Roman des österreichischen Schriftstellers Franz Werfel, in dem der Völkermord an den Armeniern und der armenische Widerstand auf dem Musa Dağı unter der Führung Moses Der Kalousdian literarisch verarbeitet wird.

Im Jahre 1929 reiste Franz Werfel mit Alma Mahler über Kairo nach Jerusalem und weiter nach Damaskus. Ihr Führer zeigte ihnen die großartigen Moscheen der Stadt und die Kaufhäuser. So gelangten sie schließlich auch in die größte Teppichweberei der Stadt. Bei der Führung durch das große Anwesen bemerkten sie überall ausgehungerte Kinder, die Hilfsarbeiten verrichteten. Auf ihre Frage an den Fabrikbesitzer antwortete dieser: „Ach diese armen Geschöpfe, die klaube ich auf der Straße auf und gebe ihnen zehn Piaster pro Tag, damit sie nicht verhungern. Es sind die Kinder der von den Türken erschlagenen Armenier. Wenn ich sie hier nicht beherberge, verhungern sie, und niemand kümmert sich darum. Leisten können sie ja nicht das geringste, sie sind zu schwach dazu“. Auf ihrer weiteren Reise in das libanesische Gebirge sehen sie viele armenische Dörfer, die sich von den türkischen Siedlungen durch ihre Sauberkeit und Blumenpracht unterschieden. Das Unglück der Armenier bewegte Franz Werfel so sehr, dass er noch auf der Reise die Idee eines Romans skizzierte. Um die historischen Details zu erfahren, ließ er sich von dem Gesandten Graf Clauzel alle Protokolle aus dem Pariser Kriegsministerium über die türkischen Gräuel aus dieser Zeit zusenden. Die Niederschrift des Buches erfolgte in der Zeit vom Juli 1932 bis März 1933. Auf einer Vorlesungsreise in verschiedenen deutschen Städten im November 1932 wählte Franz Werfel das fünfte Kapitel des ersten Buches zu einem Vortrag aus. Der Roman wurde im Februar 1934 in NS-Deutschland aufgrund des § 7 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes wegen „Gefährdung öffentlicher Sicherheit und Ordnung“ verboten. Werfel selbst wurde im Entstehungsjahr des Romans aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen.

Von den im Exil lebenden Armeniern wurde der Roman mit großer Begeisterung aufgenommen. Auf einer Reise nach Amerika im Jahre 1936 wurde Franz Werfel in New York von den Armeniern gefeiert. In einer armenischen Kirche sagte ein Priester während einer Predigt: „Wir waren eine Nation, aber erst Franz Werfel hat uns eine Seele gegeben.““

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_vierzig_Tage_des_Musa_Dagh

Dankenswerterweise wird im „Wikipedia“-Artikel ausführlich auf den Inhalt von „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ eingegangen.

 

Raphael Lemkin und der Begriff des Völkermordes

 

„Schon die Ausgangssituation dieses außergewöhnlichen Prozesses stimmt einen jungen polnischen Juristen nachdenklich, der noch von sich reden machen wird: Raphael Lemkin.  Akcam: „Als er von dem Prozess gelesen hatte, fragte er einen seiner Professoren: „Ich verstehe nicht, warum ein Mann wie Talat Pascha, der für den Tod von einer Million Menschen verantwortlich ist, frei herum läuft, während ein anderer, der nur eine Person getötet hat, verhaftet wird. Das ergibt keinen Sinn. Warum sperren sie nicht den Mann ein, der eine Million Menschen auf dem Gewissen hat?“ Sein Professor sah ihn an und sagte: „Stellen Sie sich einen Bauern vor, der viele Hühner hat. Dieser Bauer hat seine Hühner getötet. Na und? Das geht Sie nichts an, da können Sie nichts tun.“ Dann erläutert er, was nationale Souveränität bedeutet: ein souveräner Staat kann mit seinen Bürgern tun, was immer er will. Lemkin hat geantwortet: „Aber Menschen sind keine Hühner“.“

„Raphael Lemkin führt den Begriff „Genozid“ ein. Seine Arbeit wird zur Grundlage des Völkerstrafrechts, nachdem heute noch Personen, die sich des Genozids oder eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht haben, verfolgt und verurteilt werden können.“

Zu Raphael Lemkin aus „Wikipedia“:

„Raphael Lemkin (* 24. Juni 1900 als Rafał Lemkin in Bezwodne, Russisches Kaiserreich; † 28. August 1959 in New York) war ein Jurist und Friedensforscher polnisch-jüdischer Herkunft. 1947 arbeitete er für die UNO einen Gesetzesentwurf zur Bestrafung von Völkermord aus. Der Entwurf wurde ein Jahr später von der Generalversammlung der Vereinten Nationen mit 55:0 Stimmen fast unverändert als Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes beschlossen.

Die Grundlagen zu Lemkins Interesse am Thema Völkermord entstanden bereits Anfang der 1920er Jahre, als er Jura an der Universität Lemberg studierte. Auslöser war wohl der Mord an dem ehemaligen türkischen Innenminister Talaat Pascha durch einen jungen Armenier in Berlin. Talaat Pascha war an maßgeblicher Stelle für die Vernichtung der Armenier und anderer christlichen Minderheiten in der Türkei verantwortlich gewesen.

1926 erwarb Lemkin den juristischen Doktorgrad an der Universität Lemberg und studierte zudem in Heidelberg. 1927 wurde er Sekretär des polnischen obersten Appellationsgerichts und 1929 Staatsanwalt und arbeitete an einer Vereinheitlichung des polnischen Rechts mit.

In den 1930er Jahren unterbreitete er Völkerbundgremien in Brüssel und Kopenhagen Vorschläge für internationale Gerichtsbarkeiten sowohl gegen Terrorismus als auch gegen die Zerstörung nationaler, religiöser und rassischer Gruppen.

Lemkin beschäftigte sich bereits vor dem Holocaust intensiv mit dem Völkermord an den Armeniern. Mit Beginn des deutschen Angriffes auf Polen 1939 floh Raphael Lemkin über Schweden in die USA, wo er die erste umfassende Darstellung über die Taten des nationalsozialistischen Deutschlands vorbereitet. Bis auf seinen Bruder und seine Schwägerin verliert er seine gesamte Familie im Holocaust.

1941 erhielt er eine Einladung an die Duke University in Durham, North Carolina.

1943 prägte Lemkin für den Gesetzesentwurf der polnischen Exilregierung zur Bestrafung nicht nur der deutschen Verbrechen in Polen den Begriff ludobójstwo (von Polnisch lud, Volk und zabójstwo, Mord). 1944 übersetzte er den Begriff mit genocide (von Griechisch genos, Volk und Lateinisch caedere, töten) ins Englische. Seine deutsche Übersetzung lautete Völkermord. Mit Blick auf die Verbrechen an armenischen Bürgern des Osmanischen Reiches legte er dem Völkerbund 1934 eine internationale Konvention gegen Genozid vor und berief sich dabei auf den Völkermord an den Armeniern (Quelle: Gesellschaft für bedrohte Völker und Boris Barth).

Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher 1945 assistierte Lemkin dem Hauptanklagevertreter der Vereinigten Staaten, Robert H. Jackson. Im März 1948 erhielt er einen Lehrauftrag an der Yale University.

Raphael Lemkin wurde zweimal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen und mit einer Reihe von anderen Auszeichnungen (u.a. dem Bundesverdienstkreuz) geehrt. Trotzdem starb Lemkin bereits 1959 völlig verarmt in einem Ein-Zimmer-Apartment auf Manhattans West Side.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Raphael_Lemkin

 

Heutige Situation

 

Armenier in der Türkei

„Colin Dürkop: An und für sich ist das eigentlich keine sehr wichtige Angelegenheit, man kann fast sagen ein Nonthema, weil Armenien ist ein kleines Land mit drei Millionen Einwohnern, die Türkei hat 77 und es gibt eine kleine armenische Diaspora, die hier völlig integriert in der Türkei lebt. Für Armenien wäre es viel wichtiger, wenn sich etwas in den frostigen Beziehungen bewegen würde. Es gibt seit vielen Jahren keine diplomatischen Beziehungen mehr, und die armenischstämmige Bevölkerung in der Türkei, etwa 100.000 Menschen, ist generell nicht an einer öffentlichkeitswirksamen Verurteilung der Türkei interessiert. Ihr ist vielmehr daran gelegen, dass sich etwas bewegt in Punkto Verbesserung der Beziehungen, Öffnung der Grenzen, gegenseitiger Handel, Wandel durch Handel, Schüleraustausche, weitere Rückgaben von enteignetem Grundbesitz und dergleichen. Dazu gehört auch die Hoffnung, dass sich die Türkei weiterhin kulant zeigt bezüglich der zigtausenden sich illegal in der Türkei aufhaltenden und arbeitenden Armenier.“

http://www.deutschlandfunk.de/armenien-debatte-schon-einiges-entgegenkommen-seitens-der.694.de.html?dram:article_id=318125

Armenische Lobby + armenische Aktivitäten

„Seit 1965 haben 22 Staaten die durch den osmanischen Staat begangenen Deportationen und Massaker der Jahre 1915 bis 1917 offiziell als Genozid entsprechend der UN-Völkermordkonvention von 1948 anerkannt (u. a. Argentinien, Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Kanada, Libanon, die Niederlande, Russland, Schweden, die Schweiz, die Slowakei, Uruguay und Zypern).

Andere Staaten (so z. B. Israel, Dänemark, Georgien und Aserbaidschan) sprechen (Stand 2008) offiziell nicht von Völkermord. 2009 verurteilte die Regierung Brown (Großbritannien) die Verbrechen, bezeichnete sie aber nicht als Völkermord gemäß der UN-Völkermordkonvention.“

http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord_an_den_Armeniern

Neben der jüdischen Lobby gilt die armenische Lobby als die effektivste weltweit. Mit großem Einfluss auf Politik und Medien. Das ist nicht negativ gemeint, sondern ausgesprochen positiv. Wenn so ein kleines Völkchen es schafft, dass Parlamente etwa in Schweden, Uruguay oder Argentinien sich mit Sachen beschäftigen, die 100 Jahre her sind und die nicht das Geringste mit ihnen zu tun haben, dann ist das durchaus als Erfolg zu werten.

Da ist aber auch die Frage, ob die behaupteten Tatsachen immer der Wahrheit entsprechen oder die erfolgreiche Lobby-Arbeit auch manipulativ tätig sein kann.

Anbei eine Meinung, die nicht zu den friedlichen Armeniern passt. Auch hier kann der Wurm nicht sagen, ob die Aussagen zutreffen, ist nicht mit allen Aussagen glücklich, möchte sie aber dennoch wiedergeben:

„Durch die Besudelungskampagnen der in verschiedenen Ländern lebenden Armenier gegen Türken machte sich nach 1965, die angebliche armenische Frage in der Weltöffentlichkeit und der Türkei bemerkbar. Ab den 70’er Jahren verwandelten sich diese Kampagnen in Terroranschläge auf türkische Vertretungen im Ausland um. Gurgen (Karekin) Yanikan, ein alter Armenier ermordete am 27. Januar 1973 in der Stadt Santa Barbara in den USA Mehmet Baydar, den türkischen Generalkonsul in Los Angeles und den Konsul Bahadir Demir. Damit begann “der individuelle armenische Terror” und dieser wurde ab 1975 zum “organisierten armenischen Terror”. Die Terroranschläge auf unsere Beamten, auf unsere Botschaften und Einrichtungen im Ausland vermehrten sich in kürzester Zeit.

Ab dem Jahr 1979 beobachtete man eine Zunahme an armenischen Terroranschlägen, als die inneren Unruhen in der Türkei ihren Höhepunkt erreichten. Die armenischen Terroristen verübten in 38 Städten der 21 Länder insgesamt 110 Anschläge. Unter diesen Anschlägen hatte es 39 bewaffnete Anschläge, 70 Bombenanschläge und eine Besetzung gegeben. Bei diesen Anschlägen kamen 42 türkische Diplomaten und vier weitere Personen ums Leben und weitere 15 Türken und 66 Ausländer wurden dabei verletzt.

Als die armenischen Terrororganisationen auf Widerstand der Außenwelt stießen, änderten sie ab der 80’er Jahre ihre Taktik und fingen an, mit der Terrororganisation PKK zusammenzuarbeiten. Durch die Überfälle auf die Ortschaften Eruh und Semdinli wurde die PKK ins Feld geführt und die armenischen Terroristen zogen sich in den Hintergrund zurück. Die Dokumente bewiesen, dass Terroristen der ASALA und der PKK im Lager im Bekaa-Tal und in Zeli zusammen ausgebildet wurden.

Nachdem die türkischen Sicherheitskräfte bei der Bekämpfung des Terrors Erfolge erzielten, versuchten die armenischen Komitees für ihre Behauptung über “den angeblichen Völkermord” mit der offenen Unterstützung des armenischen Staates und durch die armenische Diaspora zu propagieren. Sie bewegten die Parlamente vieler Länder dazu, dass sie den angeblichen “Völkermord an den Armeniern” durch Gesetze zu bestätigen oder zumindest die Bestätigung der Behauptungen vorzuschlagen. Die Armenier wollen dadurch die Weltöffentlichkeit zur Annahme ihrer jeder Grundlage entbehrenden Behauptungen bewegen. Ihr Ziel dabei ist die “Bekanntmachung” ihrer unwahren Behauptungen auf der ganzen Welt, die Türkei zum “Eingeständnis” dieser jeder Grundlage entbehrenden Behauptungen zu zwingen, von der türkischen Regierung “Schadenersatz” wegen dieses angeblichen Völkermordes zu verlangen und die, für die Verwirklichung des Urtraums vom “Großen Armenien” benötigten “Erdböden” von den türkischen Territorien loszureißen.“

https://truthabaoutgenocide.wordpress.com/2011/04/23/einleitung/#more-44

Historiker-Kommission

Akcam „Wenn die Türkei den Völkermord anerkennt, muss sie für die Vergehen einstehen. Sie muss Entschädigungen zahlen für die Verluste der Armenier, was sie nicht will. Das ist ein wichtiger Grund. Und die moralischen Gründe: Ich sehe da zwei Ebenen. Die erste nenne ich den „Pinocchio-Effekt“: je mehr Pinocchio lügt, desto länger wird seine Nase. Die Türkei lügt seit mehr als 90 Jahren; die Nase ist schon sehr lang. Da ist es nicht so leicht zu sagen „tut uns Leid, wir lagen falsch“. Die andere Ebene hat mit der nationalen Identität der Türken zu tun. Nationalstaaten brauchen Helden, Gründungsväter, große Männer. Die Türkei hat das Problem, dass ihre Helden und Staatsgründer in den Völkermord an den Armeniern involviert waren. Es fällt schwer, sie zu Dieben und Mördern zu erklären.“

„Es gab seitens türkischer Regierungen mehrmals den Vorschlag, die Geschehnisse durch eine gemeinsame türkisch-armenische Historikerkommission wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Dieser Vorschlag wurde unter anderem 2005 vom türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan dem armenischen Präsidenten Robert Kotscharjan und 2007 vom türkischen Außenminister Ali Babacan seinem armenischen Kollegen Wartan Oskanjan unterbreitet. Die armenische Regierung lehnt diesen Vorschlag (Stand April 2010) ab. Staatspräsident Sersch Sargsjan äußerte, die Schaffung eines solchen Gremiums bedeute, das Faktum des Völkermords anzuzweifeln.“

http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord_an_den_Armeniern

„Dürkop: Der Schwenk der Bundesregierung kam in der Tat für die Türkei schon etwas überraschend, zumal bisher deren Haltung war, dass dies eine Angelegenheit zwischen der Türkei und Armenien sein sollte und Historiker eigentlich darüber abstimmen sollten und nicht Parlamente.

Liminski: Würde denn, Herr Dürkop, eine türkische Regierung das Votum einer Historikerkommission, die von Ankara ja immer wieder gefordert wird, akzeptieren, wenn diese Kommission nach Studium der einschlägigen Dokumente zum selben Ergebnis käme wie schon viele Historiker zuvor? Ist das nicht mehr eine Frage der nationalen Ehre als der historischen Wahrheit?

Dürkop: Der Türkei geht es wirklich darum, nicht Apriori einseitig verurteilt zu werden, sondern dass so eine Historikerkommission erst einmal zu einem Ergebnis und zu einer Bewertung kommt, und diese würde dann die Türkei auch akzeptieren.“

http://www.deutschlandfunk.de/armenien-debatte-schon-einiges-entgegenkommen-seitens-der.694.de.html?dram:article_id=318125

„Auch hat die Türkei, was gerne verschwiegen wird, schon lange zu diesem Völkermord alle Archive für eine unabhängige Historikerkommission uneingeschränkt zur Verfügung gestellt.“

http://sicht-vom-hochblauen.de/was-voelkermord-ist-bestimmen-wir/

 

Zuguterletzt

 

Dass es einen von den Türken begangenen Völkermord an den Armeniern gegeben hat, wird kaum jemand bestreiten. Auch nicht, dass es in der Türkei jede Menge „bockiger“, verrannter Menschen gibt, die dies leugnen und böse sind, wenn das so genannt wird.

Was kaum bekannt ist, ist, dass die Armenier vor dem Völkermord selbst Dreck am Stecken hatten.

Und, was sehr verdächtig ist, eine türkisch-armenische (wahrscheinlich auch international unabhängige) Historiker-Kommission mit dem blödsinnigen Argument „die Schaffung eines solchen Gremiums bedeute, das Faktum des Völkermords anzuzweifeln“ ablehnen.

Kein Wunder – denn dann würden einige für die Armenier unliebsame Sachen raus kommen. Dann schon lieber die Opfer-Nummer abziehen und die weltweite Lobby für sich arbeiten lassen.

Welche Ziele haben der Staat Armenien und die weltweit verstreuten Armenier? Unmittelbar geht es um inneren Zusammenhalt, moralische Gerechtigkeit den eigenen Opfern gegenüber und Entschädigungs-Zahlungen seitens des türkischen Staates. Langfristig geht es um ein „Groß-Armenien“, also um Gebiets-Gewinne in der heutigen Türkei. Wobei ihnen sicherlich die Kurden helfen könnten, wenn sie es tatsächlich schaffen, einen Teil von der Türkei abzutrennen.

Armenien ist ein beliebtes Land für Studienreisen. Viele, die eine solche Reise nach Armenien gemacht haben, leiden hinterher mit den Armeniern, weil die ihren „heiligen Berg“ nicht im eigenen Lande haben.

Aus einer Reise-Beschreibung: „Ein letzter Gruß zum Ararat, wenn er nicht wieder schamhaft sein Haupt in Wolken hüllt. Warum schämt er sich? Weil er in der Osttürkei stehen muss, wo die Armenier ihn doch so lieben - so heißt es zumindest in einem populären Witz.“

http://www.studiosus.com/Armenien/Sewansee/Studienreise/Rundreise/4801--Armenien-umfassend-erleben--Fluganreise?season=2015

„Auch wenn der Ararat heute in der Türkei liegt, ist er das Nationalsymbol der Armenier, die bis zum Völkermord an den Armeniern 1915 größtenteils in den sechs armenischen Ostprovinzen im Osmanischen Reich ihren Siedlungsraum rund um den Ararat hatten. Er war im Staatswappen der Armenischen SSR und ist auch im Wappen Armeniens abgebildet.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Ararat

Und dieses Gebiet wollen die Armenier wieder.

Gut und schön – aber welche Interessen haben weltweit jene Parlamente, die allen Ernstes über Begebenheiten von vor 100 Jahren abstimmen, mit denen sie gar nichts zu tun haben?

Offensichtlich geht es darum, damit ein Mittel in der Hand zu haben, der Türkei Schaden zuzufügen bzw. ein Droh- oder Druckmittel zu besitzen. In diesem Zusammenhang erinnert der Wurm gerne an die „angedeutete“ Farb-Revolution in der Türkei von vor zwei Jahren (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/22-getuerkt.html ), abgehörte Telefon-Gespräche und Korruptions-Vorwürfe hochrangiger türkischer Politiker.

Teilweise mag es um die aktuelle Regierungs-Politik der Türkei gehen, aber mit der Frage des Völkermordes an den Armeniern und der armenischen Weigerung, den Konflikt mit Hilfe einer unabhängigen Historiker-Kommission zu lösen, geht es überhaupt um den Bestand der geostrategisch äußerst interessanten Türkei.

Der Wurm hat keine Ahnung, welches Spiel mit welchen Zielen international mit dem immerhin NATO-Land Türkei gespielt wird. Aber es tut sich was.

Anbei noch ein paar Links:

Film „Mordakte Hrant Dink - Armenier in der Türkei“:

http://www.veoh.com/watch/v18458674xfajHAMn?h1=Mordakte+Hrant+Dink+-+Armenier+in+der+Tuerkei

Film „Nicht vergessen, nicht vergeben: Armenien und die Türkei“:

https://www.youtube.com/watch?v=9RBlnRiwbPY

http://www.abendblatt.de/politik/article205276857/Putin-und-Hollande-bei-Trauerfeier-in-Eriwan.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/gedenken-an-die-opfer-des-armenischen-voelkermordes-in-istanbul-a-1030601.html

http://sicht-vom-hochblauen.de/was-voelkermord-ist-bestimmen-wir/