Mensch stelle sich mal vor, er hätte eine Krankheit. Eine, die sich in sehr, sehr heftigen Kopfschmerzen auswirkt und die mehrere qualvolle Tage dauern kann.

Das Gute daran ist, dass diese Kopfschmerzen „nur“ ab und zu auftreten und dass die Anzeichen das Stunden bis Tage vorher ankündigen.

Und die Lösung des Problems ist ganz einfach: bei auftretenden Anzeichen nimmt mensch die entsprechende Tablette und hat sich die entsprechenden Kopfschmerzen erspart.

Ganz so einfach ist das jetzt allerdings nicht, denn wir befinden uns im Mittelalter, in der es eine unheilige Allianz zwischen Katholischer Kirche und Ärzteschaft gibt. Für die Religiösen, denen ein Großteil des Medizin-Wesens untersteht, sind Kopfschmerzen der Wille Gottes und dürfen nicht behandelt werden. Wer räumlich oder sonstwie von den Religiösen abhängig ist, ist dazu verdammt, die kommenden Kopfschmerzen auszuhalten.

Es gibt aber noch die Möglichkeit, einen nicht-religiösen Arzt aufzusuchen und um ein Rezept zu bitten. Arzt und Patient kennen die Krankheit und so ist das kein Problem. Allerdings bekommt der Patient nur eine einzige Tablette für den aktuellen Fall. Da der Arzt durch die Beratung bzw. das bloße Rezept-Ausstellen gutes Geld verdient, weigert er sich (und das machen alle Ärzte so), dem Patienten eine kleine Vorratspackung zu verschreiben oder eine Art „Dauer-Rezept“ zu geben, das der Patient bei Bedarf bei der Apotheke vorzeigen kann und dann seine Tablette bekommt (die übrigens keine nennenswerten Nebenwirkungen hat).

Diese Praxis ist nicht ideal, weil sie unnötig Zeit kostet (mensch braucht die Tablette ja recht hurtig), der Arzt nur ungern und unwirsch kurzfristige Termine gibt und, wenn er schlecht drauf ist, einem auch noch Vorwürfe wg. der Krankheit macht. Wenn mensch selbst krank ist, er sich um eines der erkrankten Kinder oder Pflege bedürftigen Menschen kümmern muss, oder einen oder mehrere wichtige Termine hat, ist das alles andere als schön.

Große Freude! Der Kaiser weist den besonders konservativen Landesherrn an, dass das so nicht weiter geht, dass der Patient sich den Gang zum Arzt sparen und die Tablette gleich in der Apotheke holen kann. Das ist ein großer Vorteil, aber er muss persönlich zum Apotheker und mit diesem ein Beratungs-Gespräch führen (noch mal: es handelt sich um ein ungefährliches Präparat) und bekommt eine einzige Tablette ausgehändigt. Dass der Patient diese Tablette vor den Augen des Apothekers einnehmen muss, konnte nur mit großer Mühe von den Ratgebern des Landesherrn verhindert werden. Ein kleiner Vorrat darf nicht angelegt werden.

Wer jetzt drüber schmunzelt, wie inhuman es im Mittelalter zugegangen ist, dem sei geschrieben: Mittelalter ist heute. So oder so ähnlich ging bzw. geht es zu mit der „Pille danach“, die seit der letzten Woche rezeptfrei gekauft werden darf.

Rechtliche Anordnung

„Lange hat sich die deutsche Bundesregierung dagegen gesträubt, die Pille danach von der Rezeptpflicht zu befreien. Jetzt hat die EU-Kommission ihr die Entscheidung abgenommen: In Zukunft können Frauen das Medikament Ellaone in der EU ohne ein Rezept in der Apotheke kaufen. Mit der Freigabe folgt die Kommission einer Empfehlung der europäischen Arzneimittelbehörde (Ema) vom November. Das bestätigte eine Sprecherin der EU-Kommission gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Ellaone (Wirkstoff Ulipristalacetat) ist die neuere von zwei Pillen danach, die in Europa auf dem Markt sind. Nachdem sie 2009 zugelassen wurde, unterlag sie bislang in der EU der Verschreibungspflicht. Die Vorsichtsmaßnahme diente dazu, noch unbekannte Nebenwirkungen so gut wie möglich zu dokumentieren. Dieser Prozess ist aus Sicht der Ema abgeschlossen. Da Ellaone auf einen Schlag in der EU zugelassen wurde, gilt die Freigabe ebenfalls EU-weit.

Anders ist es bei der Verschreibungspflicht der zweiten Pille danach auf dem europäischen Markt, der seit längerem etablierten Pidana mit dem Wirkstoff Levonorgestrel. Da sie in den EU-Ländern separat zugelassen wurde, obliegt es bei ihr auch den einzelnen Ländern, über die Rezeptfreigabe zu entscheiden. Während Frauen das Medikament etwa in Frankreich seit 1999 direkt in der Apotheke kaufen können, stemmte sich das zuständige Bundesgesundheitsministerium um CDU-Minister Hermann Gröhe bis zuletzt gegen die Freigabe. Auch das könnte die EU-Entscheidung jetzt ändern …

Beharrt das Gesundheitsministerium darauf, Pidana nicht freizugeben, hätten Frauen in der Apotheke keine Wahlmöglichkeit zwischen den beiden Präparaten. Für die deutlich länger etablierte Pidana bräuchten sie nach wie vor ein Rezept vom Arzt, während sie die neuere Ellaone vom Apotheker erhalten könnten. Ein paradoxer Zustand. Gröhe deutete jedoch bereits an, dass es so weit nicht kommen werde.

"Unser Ziel ist es, auch weiterhin eine gute Beratung für beide Präparate aus einer Hand sicherzustellen. Wenn diese Beratung aufgrund einer Brüssler Entscheidung zukünftig nicht mehr zwingend durch einen Arzt vorgenommen werden muss, ist eine intensive Beratung auch in den Apotheken der richtige Weg", erklärte er im Hinblick auf die Ema-Empfehlungen zur Aufhebung der Rezeptpflicht von Ellaone.“

http://www.spiegel.de/gesundheit/sex/pille-danach-eu-kommission-gibt-ellaone-frei-a-1011457.html#js-article-comments-box-Pager

Internationale Erfahrungen

„Noch Anfang des Jahres hatte sich der Minister gegen eine Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte gewandt, das bereits zuvor empfohlen hatte, den Wirkstoff Levonorgestrel freizugeben. Eine ärztliche Beratung sei auch deshalb notwendig, weil die "Pille danach" in Einzelfällen schwere Nebenwirkungen haben könne, hatte Gröhe argumentiert

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte das Präparat schon 2010 als leicht anwendbar bezeichnet. Eine ärztliche Betreuung ist ihr zufolge unnötig.“

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/verhuetung-pille-danach-wird-in-deutschland-rezeptfrei-1.2238241

„Levonorgestrel ist für die Anwendung zur Nachverhütung medizinisch unbedenklich. Es ist sehr gut untersucht, nebenwirkungsarm, es gibt kein Risiko der Überdosierung und keine wesentlichen Interaktionen mit anderen Arzneimitteln. Das hat der zuständige Sachverständigenausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bereits 2003 und erneut 2014 festgestellt.

Die internationale Studienlage belegt, dass Frauen weiterhin reguläre Verhütung anwenden, wenn die "Pille danach" rezeptfrei erhältlich ist, und dass sexuell übertragbare Krankheiten nicht zunehmen. In den Ländern mit rezeptfreier Vergabe der "Pille danach" ist auch kein Anstieg der Schwangerschaftsabbrüche zu verzeichnen …

Deutschland gehört zu den wenigen europäischen Ländern, die auf der Rezeptflicht von Levonorgestrel beharren. Erst kürzlich hat der österreichische Gesundheitsminister die Abschaffung der Rezeptpflicht in seinem Land vor fünf Jahren als richtigen Schritt gelobt.“

http://hpd.de/artikel/9959

Also, im katholischen Österreich (seit 2009) und sogar in Irland (seit 2011) gibt es die „Pille danach“ seit einigen Jahren rezeptfrei, im säkularen Frankeich (mit nur wenig Einfluss der Kirchen) sogar schon seit 1999.

„Wikipedia“ hat eine Liste einiger ausgewählter Länder, bei der zu sehen ist, ob und seit wann die „Pille danach“ rezeptfrei zu kaufen ist:

http://de.wikipedia.org/wiki/Pille_danach

Wirkungsweise

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2359714/Pille-danach-wird-rezeptfrei#/beitrag/video/2359714/Pille-danach-wird-rezeptfrei

„pro familia“ bringt’s noch mal auf den Punkt:

„Pille vergessen, Kondom gerissen – es gibt viele Gründe, warum nach einer sexuellen Begegnung plötzlich die Sorge um eine ungewollte Schwangerschaft im Raum steht. Oft passiert dies am Abend oder am Wochenende. Zum Glück bedeutet das nun keinen Hindernislauf mehr, um die Pille danach zu bekommen, denn sie ist seit 15. März 2015 auch in Deutschland rezeptfrei erhältlich.

Mit dieser neuen Regelung wird es für Frauen künftig deutlich leichter, die Pille danach mit möglichst wenig Zeitverzögerung einnehmen zu können.

Für Frauen unter 20 Jahren übernehmen die Krankenkassen die Kosten der Pille danach, wenn sie ein Rezept vorlegen. Alle anderen erhalten die Pille nach Beratung gegen Barzahlung in der Apotheke.

Die wichtigsten Argumente für die Rezeptfreiheit sind:

- Die Pille danach ist sicher und zuverlässig bei schneller Einnahme.

- Die Pille danach ist gut verträglich.

- Die Pille danach ist keine Abtreibungspille. Bei bestehenden Schwangerschaften wirkt sie nicht. Sie verhindert den Eisprung, ähnlich wie die Pille.

- Die Erfahrungen mit der rezeptfreien Vergabe in 28 europäischen Ländern sind positiv. Dies gilt für die Pille danach mit dem Wirkstoff  Levonorgestrel. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich dies durch die rezeptfreie Zulassung eines zweiten Präparats ändert.

Der schnelle, unkomplizierte Zugang zur Pille danach muss für Frauen in Deutschland eine Selbstverständlichkeit sein. Frauen, Männer und Jugendliche  haben das Recht auf Zugang zu sicheren, gesundheitsschonenden  und finanzierbaren Verhütungsmitteln. Dies ist in den sexuellen und reproduktiven Rechten verankert. pro familia setzt sich für die Achtung, Gewährleistung und den Schutz der in den Menschenrechten verankerten Rechte auf sexuelle und reproduktive Gesundheit ein.“

http://www.profamilia.de/pro-familia/kampagne-pille-danach.html#c81709

… und hier etwas ausführlicher:

Die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel

Die "Pille danach" kann eine ungewollte Schwangerschaft innerhalb von 72 Stunden nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr verhindern. Sie sollten nicht lange warten. Denn je früher sie eingenommen wird umso wirksamer ist sie. Beratung und Informationen erhalten Sie in der pro familia-Beratungsstelle in Ihrer Nähe.

Wie wirkt die Pille danach?

Die "Pille danach" besteht aus einer Tablette, die das Hormon Levonorgestrel (ein Gestagen) enthalten.

Die Wirkung der „Pille danach“ besteht im Wesentlichen darin, den Eisprung zu verzögern oder ganz zu verhindern. Die "Pille danach" bewirkt keinen Schwangerschaftsabbruch. Sie wirkt nicht, wenn eine befruchtete Eizelle beginnt sich einzunisten oder sich bereits in der Gebärmutterschleimhaut eingenistet hat.

Wieviel Zeit habe ich, um die 'Pille danach' einzunehmen?

Die "Pille danach" soll innerhalb von 72 Stunden, vorzugsweise in den ersten 12 bis 24 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Wichtig ist: die Wirkung der "Pille danach" sinkt, je mehr Zeit Sie bis zur Einnahme verstreichen lassen. Wenn Sie die 72-Stunden-Frist überschritten haben, haben Sie noch die Möglichkeit, die Pille danach auf Basis von Ulipristal zu nehmen oder sich die Spirale danach einsetzen zu lassen.

Wie sicher ist die Wirkung der 'Pille danach'?

Die "Pille danach" hat, wenn sie rechtzeitig eingenommen wird, eine hohe Zuverlässigkeit und kann in cirka neun von zehn Fällen eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Je früher sie eingenommen wird, umso höher ist ihre Wirksamkeit.

Wo bekomme ich die 'Pille danach' ?

Sie können die "Pille danach" ohne Rezept in der Apotheke kaufen.

Was kostet die 'Pille danach'?

Die Pille danach auf Basis von Levonorgestret kostet ca. 17 €. Wenn Sie 20 oder älter sind, müssen Sie diese Kosten auf jeden Fall selbst tragen. Sind Sie unter 20 Jahre alt, dann werden die Kosten übernommen, wenn Sie sich vorab ein Rezept von einer Ärztin oder einem Arzt besorgen. Das :

Unter 18 Jahre:

Mit Kassenrezept: Kostenlos – keine weiteren Gebühren

Ohne Rezept: ca. 17 €

Unter 20:

Mit Kassenrezept: 5€ Rezeptgebühr

Ohne Rezept: ca. 17 €

Ab 20:

ca. 17 €

Nebenwirkungen?

Die "Pille danach" hat wenig Nebenwirkungen. Einige Begleiterscheinungen können jedoch auftreten. Dazu gehören: Übelkeit, Kopfschmerzen, Brustspannen, Schwindelgefühle, leichte Bauchschmerzen und Schmierblutungen in den Tagen nach der Einnahme. Selten kommt es zu Erbrechen. Die "Pille danach" hat keinen Einfluss auf Ihre zukünftige Fruchtbarkeit

Kann die 'Pille danach' als reguläres Verhütungsmittel eingenommen werden?

Nein, die "Pille danach" ist kein Verhütungsmittel, denn

- ihre Wirkung nimmt bei häufiger Einnahme innerhalb eines kurzen Zeitraumes ab

- ihre Nebenwirkungen sind auf Dauer größer als die von Verhütungsmitteln

- sie ist teurer als Verhütungsmittel

- Verhütungsmittel haben eine höhere Sicherheit

Kann ich die 'Pille danach' einnehmen, wenn ich regelmäßig mit der Pille verhüte?

Ja. Sollten Sie die Pille zum Beispiel einmal vergessen oder erbrochen haben, dann können Sie nach einem Geschlechtsverkehr auch die "Pille danach" einnehmen. Weitere Infos finden Sie hier:  Pille vergessen?

Wirkt die 'Pille danach' bis zur nächsten Regelblutung?

Nein, die "Pille danach" wirkt nur für die Verhütungspanne vor der Einnahme. Da der Eisprung durch die Einnahme häufig verschoben wird, kann es später im Zyklus durchaus zu einer Schwangerschaft kommen. Sie müssen also für den Rest des Zyklus unbedingt zusätzlich verhüten.“

http://www.profamilia.de/erwachsene/verhuetung/pille-danach/ich-brauche-hilfe.html

Die Pille danach auf Basis von Ulipristal:

http://www.profamilia.de/erwachsene/verhuetung/pille-danach/ellaoner.html

Die Ärzteschaft

Da sagen die Weltgesundheits-Organisation und alle weiteren Untersuchungen, dass es sich um ungefährliche Präparate handelt. Und sämtliche Länder, in denen es die „Pille danach“ seit Jahren rezeptfrei gibt, sind zufrieden mit ihrer Regelung und haben überhaupt nichts Negatives im Umgang damit feststellen können, auch nicht im Sozialverhalten der betroffenen Frauen.

Umso entlarvender, was die deutsche Ärzteschaft so erfindet, um sich ihre Gelder zu sichern:

„Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt aufgrund der relativ guten Verträglichkeit von Levonorgestrel, und weil eine ärztliche Untersuchung vor der Einnahme nicht nötig ist, die Pille danach rezeptfrei zugänglich zu machen, weil so ungewollte oder unerwünschte Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche vermieden werden können. In fast allen europäischen Ländern ist Levonorgestrel zur postkoitalen Empfängnisverhütung ohne Rezept erhältlich. Ausnahmen sind Polen, Italien und Ungarn. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Berufsverband der Frauenärzte sprachen sich 2013 gegen eine Entlassung aus der Rezeptpflicht aus.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Pille_danach

„Frauenärzte plädieren dagegen schon seit Langem gegen eine rezeptfreie Herausgabe. "Die Beratung kann niemand anders vornehmen als der Frauenarzt beziehungsweise der Arzt im Bereitschaftsdienst", sagt der Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, Christian Albring. Denn die "Pille danach" eignet sich nicht für jede Frau: Werden gleichzeitig Antidepressiva oder Mittel gegen Epilepsie eingenommen, wird die Wirkung herabgesetzt.

Auch bei Frauen, die mehr als 70 Kilo (Levonorgestrel) oder 90 Kilo (Ulipristal) wiegen, sind die Mittel nicht mehr wirksam. Zudem müsse eine bereits bestehende Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Für den Bereitschaftsdienst in Kliniken wurde eine Checkliste entwickelt, so dass auch Ärzte aus anderen Fachgebieten die Fallstricke bei der Verschreibung des Medikaments kennen.“

http://www.dw.de/pille-danach-bald-rezeptfrei/a-17492839?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Also alles Sachen, die auf dem Beipackzettel stehen bzw. der Apotheker jetzt erzählen kann und in anderen Ländern problemlos geht.

Wg. Auswirkungen des Körpergewichtes ist der gute Mann nicht auf dem aktuellen Stand der Dinge:

„Pille danach: keine Einschränkung bei erhöhtem Köpergewicht

Die Europäische Zulassungsbehörde für Arzneimittel (EMA, European Medicines Agency) hat in den letzten Monaten geprüft, ob es einen Zusammenhang zwischen erhöhtem Körpergewicht und einem Wirkungsverlust der Pille danach gibt. Nach Auswertung der verfügbaren Datenlage hat die EMA am 24. Juli 2014 ihre abschließende Bewertung veröffentlicht. Sie kommt zu dem Schluss, dass

- die Pille danach (auf Levonorgestrel- und Ulipristalacetat-Basis) unabhängig von Gewicht oder Body Mass Index (BMI) zur Notfallverhütung angewendet werden kann

- die vorliegende Datenlage keine Einschränkungen der Anwendung auf Grund erhöhten Köpergewichts/BMI rechtfertigen

- für beide Pille danach Wirkstoffe zwar Untersuchungen vorliegen, die auf eine verminderte Wirkung bei erhöhtem Körpergewicht hinweisen, die Datenbasis aber zu gering und zu wenig robust ist für entsprechende Änderungen

- für die höchste Wirksamkeit der Nachverhütung die Pille danach so schnell wie möglich nach ungeschütztem Sexualkontakt oder Verhütungspanne eingenommen werden sollte

- Informationen zu neueren Studien in die Produktinformation aufgenommen werden sollten, aber alle Hinweise zum Wirkungsverlust bei erhöhtem Körpergewicht/BMI zu entfernen sind.“

http://www.profamilia.de/pro-familia/kampagne-pille-danach/pille-danach-keine-einschraenkung-bei-erhoehtem-koepergewicht.html

Weiter mit den Ärzten:

„Auch Ärzte wollen Geld verdienen, das gehört nun mal dazu. 400.000 Pillen danach bedeuten, wenn ich das richtig sehe, 400.000 Arztbesuche pro Jahr in Deutschland. Wollen sich die Ärzte das Geschäft nicht aus der Hand nehmen lassen?“

Im Gespräch ist Ärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery mit folgenden Antworten:

„Wir halten an der Rezeptpflicht nicht wegen der pharmakologischen, wegen der chemischen Wirkungen der Pille unbedingt fest, sondern weil wir in Deutschland ein gut funktionierendes System von Beratung für Schwangere oder für Menschen haben, bei denen ein, ich nenne es mal, tödlicher Unfall bei der Sexualität passiert ist. Wir finden das sehr gut, dass gerade sehr junge Menschen, gerade junge Mädchen durch den Zugang zum Arzt Beratung bekommen, wie man so was auch für die Zukunft verhindert, und nicht einfach nur eine Pille in der Apotheke kaufen …

Es sind eigentlich zwei Gründe, die uns ganz entscheidend bewegt haben. Das erste ist: Es gibt heute ein besseres Mittel als das Levonor-Gestrel. Das heißt – ich muss es leider jetzt mal mit dem pharmakologischen Namen sagen – Ulipristalacetat, ein Mittel, was allerdings nur nach Kontakt eines Arztes verschrieben werden darf, und wir halten das für deutlich besser …

Das ist das eine und das zweite ist: Wenn ein Medikament aus der Verschreibungspflicht herauskommt, darf es in Deutschland auch beworben werden, und dann würden wir in Zukunft in den Hochglanzbroschüren wahrscheinlich Werbung für Levonor-Gestrel sehen. Das sind alles Dinge, die wir nicht für vernünftig halten …

unser Argument ist auch mit den Erfahrungen aus dem Ausland, wo man ja gesehen hat, dass in den Ländern, in denen man die Pille freigegeben hat, deswegen die Schwangerschaften junger Menschen sehr viel höher immer noch sind als bei uns ...

Aber wer zur Apotheke geht, um sich vom Apotheker beraten zu lassen und das Medikament zu kaufen, für den ist doch diese Schwelle bereits dann überschritten. Der kann genauso gut zu einem Arzt gehen und sich dort beraten lassen, um dieses Medikament zu bekommen. Dann ist er viel kompetenter und vor allem auf die Zukunft orientiert und auf die Verhinderung weiterer derartiger Unfälle orientiert beraten.“

http://www.deutschlandfunk.de/pille-danach-montgomery-an-rezeptflicht-festhalten.694.de.html?dram:article_id=277147

Frank Ulrich Montgomery redet zusammengefasst Unfug:

- ärztliche Zwangs-Beratung ist nicht notwendig wg. eventueller Nebenwirkungen, sondern „weil wir in Deutschland ein gut funktionierendes System von Beratung für Schwangere oder für Menschen haben, bei denen ein, ich nenne es mal, tödlicher Unfall bei der Sexualität passiert ist“ – mit Verlaub: das ist ein blödsinniges Argument. Auch, wenn das funktionierende System noch so gut sein mag – wenn es unnötig und lästig ist, ist es Unfug. Wer will, kann sich ja immer noch ärztlich beraten lassen

- über die Vor-und Nachteile der beiden Mittel kann sich jeder Hannebambl in ein paar Minuten im Internet informieren und muss es jetzt beim Apotheker

- wer zum Apotheker geht, „kann genauso gut zu einem Arzt gehen und sich dort beraten lassen, um dieses Medikament zu bekommen“ – ja, du Hoidoi, es macht aber einen Unterschied, ob ich lediglich zum Apotheker muss oder vorher zwangsmäßig zusätzlich noch einen Arzt aufsuchen muss, möglicherweise auch noch am Wochende und da womöglicherweise noch Stunden lang auf eine Audienz warten muss

- „mit den Erfahrungen aus dem Ausland“ zündet der gute Mann eine gewaltige Nebelkerze ab (sofern er nicht bewusst lügt), zumal das „Ausland“ ausnahmslos gute Erfahrungen mit der Freigabe gemacht hat

- wo soll bitte das Problem sein, wenn Werbung für ein rezeptfreies Produkt gemacht wird?

Aber der Wurm kann den beunruhigten Mann beruhigen: die „Pille danach“ darf tatsächlich nicht beworben werden.

„Die künftig rezeptfreie „Pille danach“ soll für junge Frauen weiter kostenlos verfügbar sein und nicht kommerziell beworben werden dürfen. Der Gesundheitsausschuss des Bundestages billigte am Mittwoch einstimmig einen entsprechenden Änderungsantrag der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD zu einem Gesetzentwurf (18/3699) der Bundesregierung, in dem unter anderem Regelungen zur Notfallverhütung enthalten sind …

Nach den Regelungen des Heilmittelwerbegesetzes (HWG) wäre Werbung für die künftig rezeptfreien Notfallverhütungsmittel möglich, was aber durch eine Änderung des HWG verhindert wird. Befürchtet wird, dass Frauen häufiger von der „Pille danach“ Gebrauch machen könnten als nötig oder diese Pillen gar als reguläre Verhütungsmittel einsetzen und Vorräte anlegen, ohne sich im Einzelfall beraten zu lassen, zumal die Standardpille zur Verhütung verschreibungspflichtig ist. Diese mögliche Folge der Rezeptfreigabe soll verhindert werden.“

http://www.bundestag.de/presse/hib/2015_02/-/362698

„Zumal die Standardpille zur Verhütung verschreibungspflichtig ist“ – heisst das, dass das eigentlich unnötig ist und es die Standardpille auch rezeptfrei (zumindest nach der ersten Verschreibung) geben könnte?

Auf jeden Fall sind die Argumente der Ärzte, warum sie auf das schöne Geld nicht verzichten wollen, nicht überzeugend. Mensch kann sich durchaus Gedanken machen, ob alles, was von Ärzten empfohlen wird, auch sinnvoll ist oder in erster Linie dazu dient, dass diese mehr verdienen.

Die Apothekerschaft

Die Apotheker haben mit der Zwangsberatung einen zusätzlichen Arbeitsaufwand. Aber sie werden durch die Rezept-Freigabe einen erhöhten Umsatz haben. Und den konkurrenzlos, da der online-Versand ausgeschaltet ist.

Die Argumente, damit die Apotheker ihr Monopol behalten dürfen, sind ausgesprochen dumm:

„Die künftig rezeptfreie Pille danach wird es voraussichtlich nicht über Internet-Apotheken geben. Mehrere Ländergesundheitsminister wollen nach Informationen der "Welt" über den Bundesrat ein Versandhandelsverbot für das Medikament erwirken, das nach dem Geschlechtsverkehr eine ungewollte Schwangerschaft verhindern kann.

"Da der Anwendungserfolg am wahrscheinlichsten ist, je früher die Anwendung erfolgt, muss das Arzneimittel am besten unverzüglich zur Verfügung stehen", heißt es demnach in einem gemeinsamen Antrag der rot-grün regierten Länder Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie des schwarz-grün geführten Landes Hessen für den Bundesrat. "Dies kann über einen Versandhandel typischerweise nicht gewährleistet werden."

Außerdem sehen die Länder eine sachgerechte Beratung der betroffenen Frauen bei einem Verkauf der "Pille danach" über das Internet nicht gewährleistet. Da die Rezeptpflicht aufgehoben werde und ein sorgfältiges Behandlungsgespräch mit dem Arzt nicht mehr die Regel sei, komme der "Beratung von Angesicht zu Angesicht" in der Apotheke vor Ort eine besondere Bedeutung zu.“

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/pille-danach-soll-nicht-ueber-versandhandel-verkauft-werden-a-1019076.html

„Hauptargument für die Freigabe war, dass die Pille danach möglichst schnell nach einer Verhütungspanne geschluckt werden sollte. Je mehr Zeit zwischen dem Sex und der Einnahme des Präparats vergeht, desto weniger wirksam ist es.

Aus diesem Grund sollen die beiden Medikamente auch in Zukunft nicht über den Versandhandel, sondern nur in Apotheken abgegeben werden. Ziel ist, dadurch neben der schnelleren Einnahme auch eine bessere Beratung zu gewährleisten.“

http://www.spiegel.de/gesundheit/sex/pille-danach-bundesrat-bewilligt-freigabe-a-1022254.html

Also, so dumm können diejenigen, die das vom Stapel lassen, nicht sein, als dass sie das auch noch glauben würden. Selbstverständlich würde im Internet bestellt, bevor der Fall des Falles eintritt.

Die Kundin soll davon abgehalten werden, sich einen kleinen Vorrat anzulegen und soll den Kauf ausschließlich beim eingesessenen Apotheker machen.

Aber das Volk für dumm verkaufen und ihnen erzählen, so zu ihrem Wohl zu verfahren!

Die Katholiban

Ende 2012 geriet ein Vorfall in Köln in die Medien, dass sich zwei katholisch geführte Krankenhäuser geweigert hätten, eine vergewaltigte Frau zu untersuchen:

Unterlassene Hilfeleistung

„Wie vor kurzem bekannt geworden ist, war eine 25jährige Frau auf einer Party mit K.O.-Tropfen betäubt worden und erst einen Tag später auf einer Parkbank in Köln wieder zu sich gekommen. Sie konnte sich lediglich noch daran erinnern, dass sie sich zuletzt an einer Straßenbahnhaltestelle befunden hatte. Die Frau wurde dann von einer Kölner Notärztin behandelt, für die sich während der Behandlung der Verdacht bestätigte, dass nach der Verabreichung der Tropfen eine Vergewaltigung stattgefunden hatte.

Zwischen der vergewaltigten Frau und der Ärztin wurde über die Tat und auch über eine mögliche Schwangerschaft gesprochen. Die Ärztin verschrieb die "Pille danach" und nahm Kontakt zu den Kölner Krankenhäusern St. Vinzenz-Hospital in Köln-Nippes und dem Heilig-Geist-Krankenhaus in Köln-Longerich auf, um eine gynäkologische Untersuchung in die Wege zu leiten und um Tatspuren zu sichern. Beide Krankenhäuser lehnten die Untersuchung jedoch übereinstimmend mit der Begründung ab, dass bei einer solchen Untersuchung über die "Pille danach" aufgeklärt werden und ein Rezept ausgehändigt werden müsse. Dies sei mit christlichem Gedankengut nicht vereinbar und seit mehreren Monaten sei den Ärzten von den Klinikleitungen deshalb eine gynäkologische Untersuchung zur Beweissicherung untersagt. Selbst der Hinweis, dass eine Beratung über einen Schwangerschaftsabbruch und die Verschreibung der "Pille danach" bereits erfolgt sei, brachte die Krankenhausärzte nicht zum Einlenken. Sie lehnten jegliche Hilfestellung für die überfallene und vergewaltigte Frau ab, die irgendwo anders um Hilfe nachsuchen sollte.“

http://hpd.de/node/14838

Gängige Praxis

„Kardinal Meisner, der gerne Abtreibungen als „Super-Gau“ bezeichnet, verurteilt zwar wortreich die Ablehnung der Behandlung der vergewaltigten Frau durch die beiden katholischen Krankenhäuser, verliert aber kein einziges Wort über eine umfassende Hilfeleistung für vergewaltigte Frauen. Zur „Pille danach“, bleibt er dabei, dass diese in Katholischen Krankenhäusern nicht verordnet werden darf, da es ein Nein der Kirche zu Abtreibungen nach Vergewaltigungen gäbe. Dass es sich bei der „Pille danach“ um ein Verhütungsmittel und keine Abtreibungsmedikation handelt, interessiert offenbar nicht …

Der Verdacht, dass es lediglich über eine Sündenbock-Suche darum geht, vom eigenen Fehlverhalten der Kirchen- und Krankenhausoberen abzulenken und dass der Öffentlichkeit etwas verheimlicht wird, wird durch die Nachricht erhärtet, dass der Caritasverband bereits vor etwa 11 Monaten in einem der dpa vorliegenden Rundbrief die katholischen Krankenhäuser im Erzbistum Köln an die „Null-Toleranz-Grenze“ für die „Pille danach“ erinnert und eine Schulung und Unterweisung der Beschäftigten in katholischen Krankenhäusern angeregt hat, um sich „gemäß der Lehre der Kirche zu verhalten“, damit der Schutz des ungeborenen Lebens deutlicher werde! …

Fest steht, dass die Krankenhäuser eine Behandlung mit der „Pille danach“ ablehnen, obwohl es sich um keinen Abtreibungsvorgang handelt. Offenbar nimmt es hierzu der Kölsche Katholische Klüngel mit der Wahrheit nicht so genau: Der Sprecher des Erzbistums Köln hat Presseberichten zufolge behauptet, die „Pille danach“ habe abtreibende Wirkung. Kardinal Meißner hat sich, wie erwähnt, ähnlich in seiner Presseerklärung vor einigen Tagen geäußert. Ob dies kennzeichnend für das „medizinische Niveau“ ist, auf dem die Erzbistumsfunktionäre (und auch die Krankenhausärzte) debattieren? Eher wird es wohl so sein, dass man nicht genauer differenzieren möchte, um weiter bei der bisherigen Praxis gemäß der katholischen Lehre zu bleiben und die neuerdings immer lautstarker auftretenden und sich als „Lebensschützer“ bezeichnenden katholischen Hardliner zufrieden zu stellen.“

http://hpd.de/node/14894

„Pro famila hat vor wenigen Tagen erklärt, dass man aus der bundesweiten Beratungstätigkeit wisse, dass katholische Krankenhäuser in seelischer Not befindliche Frauen regelmäßig wegschickten, wenn sie die "Pille danach" verlangten, obwohl es auf eine schnelle Einnahme ankomme. Der Vorgang in Köln ist wohl kein Einzelfall sondern Praxis von Einrichtungen, die in die katholische Ideologie eingebunden sind.“

http://hpd.de/node/14838

http://www.profamilia.de/pro-familia/presse/pressearchiv/meldungen-2013/katholische-kirche-verweigert-pille-danach.html

„Frauen wird in katholischen Krankenhäusern keine „Pille danach“ verabreicht. Auch dann nicht, wenn eine Frau vergewaltigt wurde und fürchtet, durch die Vergewaltigung schwanger geworden zu sein. „Die ,Pille danach’ wird in katholischen Kliniken nicht gegeben oder verschrieben“, bestätigte Stefan Förner, der Sprecher des Berliner Erzbistums dem Tagesspiegel. Die Einnahme von Verhütungsmitteln zur Verhinderung einer Schwangerschaft widerspricht den moraltheologischen Grundsätzen der katholischen Kirche. Das gilt auch für die „Pille danach“ und auch bei Vergewaltigungen. Die „Pille danach“ gelte in weiterem Sinne als ein Fall von Abtreibung, sagt Bistumssprecher Förner …

„Grundsätzlich gilt, dass ein katholisches Krankenhaus keine Pille danach verabreichen oder verschreiben darf, auch nicht im Notfall“, sagte der Kölner Erzbistumssprecher Christoph Heckeley dem Tagesspiegel. Gegen die Spurensicherung zur Beweissicherung sei dagegen nichts einzuwenden. Wenn eine Frau aber gleich sagt, sie wolle untersucht werden und gegebenenfalls die Pille danach verabreicht bekommen, dann verweise man sie gleich an ein anderes Krankenhaus.“

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/abgewiesenes-vergewaltigungsopfer-kritik-an-katholischen-kliniken-und-der-kirche-von-allen-seiten/7649804.html

Religiöse Fundamentalisten

"Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden."

"Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da."

http://www.projektwerkstatt.de/religion/luther/luther_zitate.html

Na, von wem könnten wohl diese Sprüche sein? Richtig, von einem der größten Drecksäcke der deutschen Geschichte, Martin Luther. Siehe auch seine sehr unrühmliche Rolle in den Bauernkriegen:

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/113-fruehbuergerliche-revolution-in-deutschland.html

Zur generellen Frauenfeindlichkeit des christlichen Glaubens und der christlichen Kirchen hatte sich der Wurm auch schon Gedanken gemacht:

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/126-missachtung-von-frauenrechten.html

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/26-die-katholiban-und-das-leben.html

„Die Ablehnung einer Vergewaltigten hat eine Vorgeschichte. Eine bezahlte Provokateurin denunzierte beim Erzbistum Ärzte in katholischen Kliniken, die ihr die "Pille danach" verschrieben haben. Aus Angst lehnten die Ärzte daraufhin die Behandlung vergewaltigter Frauen ab.

Hinter dem Skandal um katholische Krankenhäuser in Köln steht eine Kampagne radikaler Abtreibungsgegner. Wie sich jetzt herausstellt, hatte eine von Abtreibungsgegnern angeheuerte Detektivin im Oktober 2011 in vier katholischen Kliniken in Köln um die „Pille danach“ gebeten und Einrichtungen, die ihren Wunsch erfüllten, beim Erzbistum Köln angeschwärzt. Diese Denunziation hat dazu beigetragen, dass es kürzlich zwei katholische Kliniken abgelehnt haben, eine junge Frau zu untersuchen, die mutmaßlich vergewaltigt worden war.

Die Detektivin hatte sich im Auftrag der Abtreibungsgegner vier katholische Kliniken ausgesucht, die in ihren Räumen oder auf ihrem Gelände Notfallambulanzen beherbergen, die nicht zum katholischen Träger gehören, sondern von der Kassenärztlichen Vereinigung betrieben werden.

Im katholischen Haupthaus wurde der Provokateurin der Wunsch nach der „Pille danach“ abgeschlagen. In den in demselben Haus beheimateten „weltlichen“ Notfallambulanzen wurde ihr der Wunsch erfüllt.

Im Februar 2012 berichtete die bei konservativen Katholiken beliebte Internetplattform gloria.tv über den Vorgang und prangerte an, „dass in katholischen Krankenhäusern in Köln durchweg die ,Pille danach’ verschrieben werde. Katholische Kliniken würden weltliche Notfallpraxen beherbergen, „ohne dort vertraglich ein Verbot der ,Pille danach’ zu fordern“. Auch die Klinik St. Vinzenz der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria war von der Detektivin aufgesucht und beim Erzbistum Köln angeschwärzt worden.

Der Vorfall habe zu „großer Verunsicherung“ unter den Ärzten geführt, bestätigte Christoph Leiden, Sprecher der Cellitinnen-Stiftung. Deshalb habe die hausinterne Ethikkommission mit einer Richtlinie Klarheit schaffen wollen. Sie legt fest, dass „alle medizinischen Maßnahmen“ sofort durchgeführt werden müssen, wenn der Verdacht bestehe, eine Patientin sei Opfer eines Sexualdelikts. Nur die „Pille danach“ dürfe nicht verschrieben werden. Dennoch wurde jetzt eine 25-Jährige mutmaßlich vergewaltigte Frau gänzlich abgewiesen. Der Fall hatte großes Aufsehen erregt. Die Frau war zuvor in der von der Kassenärztlichen Vereinigung getragenen Notfallpraxis auf dem Klinikgelände versorgt worden und hatte von der Notärztin Irmgard Maiworm die „Pille danach“ verschrieben bekommen. Im katholischen Haupthaus sollten nur noch die Spuren einer Vergewaltigung als Beweismaterial gesichert werden. Auch dies lehnte die dort diensthabende Ärztin ab.

„Die Ärztin wirkte sehr verunsichert und hatte Angst um ihren Job“, sagte Irmgard Maiworm. Die Cellitinnen-Stiftung hat sich dafür entschuldigt, dass die Patientin nicht behandelt wurde. Es sei „sehr traurig“, dass Abtreibungsgegner mit solchen Methoden arbeiten, sagte Cellitinnen-Sprecher Christoph Leiden. „Ich weiß nicht, wem das helfen soll. Für unsere Ärzte ist die Arbeit noch schwieriger, wenn sie fürchten müssen, eine Frau spielt ihnen etwas vor.“ Der Vorgang sei „unfassbar“, sagt Ursula Heinen-Esser, CDU-Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende des Schwangerenberatungsvereins „Donum Vita“. „Fundamentalisten sorgen dafür, dass Frauen, die in Not sind, Hilfe verweigert wird. Das ist wie in den USA.“ Die Abtreibungsgegner dürften erreicht haben, was sie wollten: „Wir müssen darüber nachdenken, ob es richtig ist, dass katholische Kliniken mit Ärzten zusammenarbeiten, die nicht dem katholischen Träger verpflichtet sind“, sagte ein Sprecher des Katholischen Krankenhausverbandes.“

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/skandal-in-koeln-aggressive-abtreibungsgegner-schicken-detektive-inkliniken/7667064.html

Was einem noch blühen kann:

„Wie die National Secular Society berichtet, hat sich in Hartlepool (Großbritannien) ein weiterer Apotheker geweigert, einer Frau das Medikament der „Pille danach“ auszuhändigen, obwohl sie ein gültiges Rezept dafür hatte. Der Mann berief sich dabei auf seine religiösen Einwände gegen dieses Medikament und verwies sie an eine andere Apotheke.

Die Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte, sagte, dass sie erst zwei Tage später in eine andere Apotheke gehen konnte, da eines ihrer Kinder krank geworden sei und sie zu Hause bleiben musste. Diese Verzögerung habe die Wirksamkeit des Medikaments sehr beeinträchtigt.“

http://hpd.de/node/12345

Wenigstens kam es durch den öffentlichen Druck zu einem Einlenken:

„Zum Abschluss ihrer Frühjahrskonferenz fassten die deutschen Bischöfe erneut ein besonders kontrovers diskutiertes Thema an. Sie erlaubten katholischen Krankenhäusern, vergewaltigten Frauen die "Pille danach" zu verordnen. Allerdings müsse sichergestellt sein, dass das Präparat nur die Befruchtung einer Eizelle verhindert. Die Abtreibung einer bereits befruchteten Eizelle sei dagegen nicht zulässig. Medikamente, die den Tod des Embryos bewirkten, dürften nicht angewendet werden, teilte die Deutsche Bischofskonferenz mit.

Mit ihrer Entscheidung folgten die Bischöfe der neuen Linie des Kölner Kardinals Joachim Meisner, der die "Pille danach" jüngst in seinem Bistum erlaubt hatte.

Die Kursänderung sei möglich geworden, weil neue Medikamente mit neuen Wirkweisen auf den Markt gekommen seien, so die Bischofskonferenz. "Die Bischöfe vertrauen darauf, dass in Einrichtungen in katholischer Trägerschaft die praktische Behandlungsentscheidung auf der Grundlage dieser moraltheologischen  Vorgaben erfolgt, heißt es in einer Mitteilung der Bischofskonferenz. Auf jeden Fall sei die Entscheidung der betroffenen Frau zu respektieren.

Hintergrund der Entscheidung war der Fall einer vergewaltigten Frau in Köln, die von zwei katholischen Kliniken abgewiesen worden war. In der Folge war es zu heftigen öffentlichen Diskussionen über die Position der Kirche in dieser Frage gekommen.“

http://www.dw.de/bischöfe-billigen-pille-danach/a-16617448

Zusammengefasst heisst das Folgendes:

- nur durch die „heftigen öffentlichen Diskussionen“ kam es überhaupt zu einem Einlenken

- wenn vergewaltigten Frauen die „Pille danach“ verordnet werden kann, heisst das wohl, dass nicht-vergewaltigte Frauen das Rezept nicht bekamen

- mit „die Kursänderung sei möglich geworden, weil neue Medikamente mit neuen Wirkweisen auf den Markt gekommen seien“ will die Bischofskonferenz die Bevölkerung für dumm verkaufen – die „alten“ Medikamente sind ethisch genauso unbedenklich wie die neuen

Der Gottesstaat

Kirche und Finanzen

Die Journalistin Ulrike Timm im Gespräch mit dem Kirchenkritiker Carsten Frerk:

„Timm: Das ist ja widersinnig: Ein katholisches Krankenhaus darf eine Vergewaltigung feststellen, und wenn die Frau dann auf dem Tisch liegt und diese Pille danach möchte, darf sie das nicht mehr. Ist das tatsächlich die Norm?

Frerk: Das ist die Norm und das ist auch in Deutschland akzeptierte Norm im staatlichen Gesundheitssystem, und das Eigentliche, ganz Problematische daran ist, dass Krankenhäuser, wenn sie im Krankenhausplan des Landes vorhanden sind, und das darf man bei diesen Krankenhäusern annehmen generell, zu 100 Prozent öffentlich finanziert werden.

Timm: 100 Prozent?

Frerk: Da geht kein Cent Kirchensteuer oder Kirchengeld hinein.

Timm: Das heißt, der Träger trägt eigentlich nicht?

Frerk: Es wird dual finanziert, wie man so im Fachjargon sagt: Die laufenden Kosten werden von Krankenkassen, Pflegeversicherungen, auch Beiträgen der Versicherten selber bezahlt, und die Investitionen – das ist das Duale –, die werden vom Staat finanziert.

Timm: Das müssen wir mal nacheinander ein bisschen aufschlüsseln. Erst mal ist klar: In kirchlichen Krankenhäusern steckt öffentliches Geld.

Frerk: 100 Prozent.

Timm: Das wussten wir alle, dass öffentliches Geld drinsteckt. Die 100 Prozent würden ja bedeuten: Ein öffentliches Krankenhaus, ein öffentlich mit Steuergeldern finanziertes Krankenhaus funktioniert nach katholischen Regeln.

Frerk: Ja, genau so ist es.

Timm: Das heißt aber, es bleibt der Widerspruch, dass eine junge Frau in einem mit öffentlichen Geldern bezahlten Krankenhaus nach kirchlichen und – wie es auf viele wirkt – dogmatischen Regeln nicht behandelt wird.

Frerk: Das ist korrekt …

Timm: Deutschlandradio Kultur, das "Radiofeuilleton", wir sprechen mit dem Kirchenkritiker und Autor des Buches "Violettbuch Kirchenfinanzen", mit Carsten Frerk. Wie der Staat die Kirchen finanziert, das ist sein Thema. Ich war ja doch ein bisschen platt, als Sie sagten, zu 100 Prozent öffentliche Gelder in einem Krankenhaus in kirchlicher Trägerschaft – ist das in allen kirchlichen Einrichtungen so, dass da mehr öffentliches Geld drin ist als Kirchensteuer?

Frerk: Wenn man den gesamten Bereich von Caritas und Diakonie nimmt – und dazu gehören ja noch viele, viele Einrichtungen mehr wie Kitas und so weiter alles –, dann werden von diesen Kosten, die dort entstehen, nur 1,8 Prozent von der Kirche finanziert.

Timm: Woher haben Sie die Zahlen?

Frerk: Das war bei mir eine zweijährige Recherche, die sehr kompliziert war, weil alle verschiedenen Bereiche unterschiedlich finanziert werden, verschiedenste Mischfinanzierungen. Also es ist eindeutig belegt – und da habe ich auch von Caritas, Diakonie die Bestätigung, dass diese Zahlen stimmen.

Timm: Ich frage mich natürlich: Wie sind Sie an die Daten rangekommen? Da hat ja niemand ein Interesse dran, wenn die dann so stimmen, dass die öffentlich werden.

Frerk: Das Interesse ist nicht da, aber ich weiß auch nicht, woran das liegt, zum Beispiel das Diakonische Werk verwendet heute meine Zahlen, weil die selber diese Zahlen bisher noch nie erhoben haben.

Timm: Dann geht die Kritik, die Sie haben, gegen die katholische Kirche oder gegen den Staat, der das ja auch anders machen könnte?

Frerk: Sie geht eindeutig gegen die Politik, denn das wird von der Politik ja den Kirchen im Grunde zugebilligt, dass sie dort eigene Loyalitätsrichtlinien haben, eigene Richtlinien haben, obwohl sie 100 Prozent öffentlich finanziert werden. Und dieser Grundsatz, wer öffentliches Geld bekommt zu 100 Prozent, muss auch öffentliche Rechtsgrundsätze dort realisieren – das ist eine politische Kategorie, die die Politik durchsetzen muss.

Timm: Machen denn das andere Länder anders als Deutschland? Ist da das Verhältnis anders von öffentlichem Geld und kirchlichem Geld im Bereich der karitativen Einrichtungen?

Frerk: Ich habe mir nur erzählen lassen von einer europäischen Vertretung, die jetzt diese ganzen auch Caritas- und Diakoniewerke in Europa machen, dass die kopfschüttelnd auf Deutschland schauen, weil in Spanien fragt niemand in einem Krankenhaus, was von einer Kirche betrieben wird, ob man katholisch sei. Das heißt, diese ganze konfessionelle Bindung an Kirchenmitgliedschaft, an Grundsätze der katholischen Kirche, das ist etwas spezifisch Deutsches.“

http://www.deutschlandradiokultur.de/koelner-klinik-skandal-publizist-kritisiert-rechtseigenen.954.de.html?dram:article_id=234723

Das Thema „Kirche und Geld“ war lange, lange Zeit ein Tabu in Deutschland. Bei den meisten war (und ist häufig immer noch) deshalb die Ansicht vorherrschend, dass sich die christlichen Kirchen um den gesamten sozialen Bereich kümmern und dafür ihre Kirchensteuer einsetzen.

Dem ist nicht so: laut Carsten Frerk werden lediglich 1,8% der Kosten der katholischen Caritas und der protestantischen Diakonie durch die Kirchen finanziert, bei christlichen Krankenhäusern sind es 0%.

Dadurch, dass dieses Thema die Bevölkerung kaum interessiert hat, war das soziale Engagement für die Kirchen Gold wert. Unabhängig vom ideologischen Nutzen, profitierten sie vom sozialen Ansehen und den entsprechenden Spenden.

Der deutsche Staat subventioniert die Kirchen mit Milliarden-Beträgen. Carsten Frerk hat das in seinem „Violettbuch Kirchenfinanzen“ beschrieben:

http://carstenfrerk.de/wb/buecher/violettbuch-kirchenfinanzen.php

Da sollte doch einiges übrig bleiben. Tut es auch. Seit den Vorgängen in Limburg (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/40-flug-lug-und-betrug.html ) möchten doch einige etwas über das Vermögen der Kirchen wissen. Im Februar hat etwa das Bistum Köln seine Zahlen offengelegt:

„Rund 3,35 Milliarden Euro Vermögen weist das Zahlenwerk für das Erzbistum und den mit ihm verbundenen Bischöflichen Stuhl zum 31. Dezember 2013 aus. Ein Großteil davon entfällt auf Wertpapiere und Immobilien …

Auch wenn längst nicht alle der 27 deutschen Diözesen ihr Vermögen so offenlegen: Was den Reichtum angeht, dürfte Köln einsame Spitze sein. Zum Vergleich: Das Bistum Limburg, wegen seines früheren Protz-Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst zu trauriger Berühmtheit gelangt, kommt gerade mal auf knapp 940 Millionen Euro Vermögen …

Der größte Vermögensposten ist das gut 2,3 Milliarden Euro schwere Wertpapierdepot des Bistums, das über eine eigene kleine Fondsgesellschaft mit mehreren Spezialfonds gemanagt wird …

Auf der anderen Seite der Bilanz kann sich auch das Eigenkapital des Erzbistums sehen lassen. Darunter versteht man die Mittel, die die Eigentümer in das Unternehmen eingebracht haben plus die einbehaltenen Gewinne. Im konkreten Fall beläuft sich das Eigenkapital auf fast 2,5 Milliarden Euro.“

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kirche-erzbistum-koeln-legt-vermoegen-offen-a-1018989.html

Insgesamt also ein äußerst lohnendes Geschäftsmodell.

Kirche als Arbeitgeber

 „„Die Ärztin wirkte sehr verunsichert und hatte Angst um ihren Job“, sagte Irmgard Maiworm.“

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/skandal-in-koeln-aggressive-abtreibungsgegner-schicken-detektive-inkliniken/7667064.html

„Die Notärztin hat in einem Zeitungsartikel, in einem Zeitungsinterview davon berichtet, dass eine Ärztin bereits aufgrund der Richtlinie oder der Stellungnahme oder wie Sie es jetzt auch formulieren gekündigt wurde.“

http://www.deutschlandfunk.de/heinen-esser-vergewaltigte-frau-abzuweisen-ist-zutiefst.694.de.html?dram:article_id=234525

„Eine den katholischen Grundsätzen entsprechende Verordnung war im November 2012 vom für die betroffenen Krankenhäuser zuständigen "Ethikrat" erlassen worden. Ärzte, die - dem hippokratischen Eid und ihrem Gewissen folgend - gegen diese Regeln verstoßen, müssen mit ihrer fristlosen Kündigung seitens der Krankenhausleitung rechnen. Eine Ärztin, die in einem ähnlichen Fall gegen die "ethischen" Richtlinien verstoßen haben soll, soll umgehend entlassen worden sein, was die Krankenhausleitungen jedoch bestreiten.“

http://hpd.de/node/14838

„Und solange die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche noch als wichtiges Qualifikationsmerkmal angesehen wird, wie vor kurzem der für die Personalangelegenheiten von etwa 50.000 Mitarbeitern im Erzbistum Köln zuständige Generalvikar Heße bestätigt hat, wird bei den katholischen Einrichtungen kaum Veränderungspotential vorhanden sein.

Es als Qualifikationsmerkmal für einen Herzchirurgen anzusehen, dass er neben seiner fachlichen Qualifikation auch noch gläubiger Katholik sein muss, wie Generalvikar Heße propagiert, erschließt sich dem verständigen Betrachter selbst bei viel gutem Willen und erheblichen geistigen Anstrengungen nicht.“

http://hpd.de/node/14894

Die christlichen Krankenhausverbände DEKV + KKVD betreiben in Deutschland 640 Krankenhäuser mit jährlich über 6 Millionen Patienten und ca. 270.000 Beschäftigten.

http://www.christliche-krankenhaeuser.de/#/wer-wir-sind

Dass die Kirchen ihre Ideologie an den Patienten auszuleben versuchen, ist jetzt bekannt. Vor allem wird den bei ihr Beschäftigten die zu führende Lebensweise aufgezwungen. Carsten Frerk in seinem Buch „Caritas und Diakonie in Deutschland“:

„1960 beschäftigte der Deutsche Caritasverband 137.496 MitarbeiterInnen, im Jahr 2003 sind es 499.313 MitarbeiterInnen - eine Steigerung von 263 Prozent. Das Diakonische Werk beschäftigte Anfang der 1970er Jahre 175.000 MitarbeiterInnen, 2002 waren es 452.244 Beschäftigte. ein Anstieg um 160 Prozent. Zusammen sind also bei den beiden Verbänden aktuell insgesamt mehr als 950.000 Menschen in Lohn und Arbeit. Nach den Zahlen der für die Wohlfahrtsverbände zuständigen Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege sind es sogar 1,45 Millionen Menschen, die von konfessionellen Organisationen außerhalb der Kirchen beschäftigt werden (denn das Kolpingwerk und andere große eigenständige Organisationen sind nicht Mitglied in den konfessionellen Großverbänden).“

http://www.carstenfrerk.de/wb/buecher/caritas-und-diakonie-in-deutschland.php#Inhalt

Die Kirchen leben in einem weitest gehend rechtsfreien Raum, in dem das deutsche Grundgesetz nicht gilt. Anbei einige Gründe, die eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses nach Ansicht der Kirchen und damit der Gerichte und damit des deutschen Volkes rechtfertigen (es geht hier nicht um Priester, sondern auch um solche Leute wie Anstreicher, Buchhalter oder Bierbrauer):

- Kirchenaustritt

- Sympathien für oder Mitgliedschaft in „kirchenfeindlichen“ Organisationen

- Homosexualität

- Nicht-Taufe der Kinder

- Wiederverheiratung eines Geschiedenen bzw. die Verheiratung mit einem Geschiedenen

- das Versprechen der Leiterin eines protestantischen Kindergartens gegenüber ihrem Verlobten, die gemeinsamen Kinder katholisch zu erziehen

Diese Kündigungen sind schon schlimm genug, die gerade in ländlichen Gebieten einem Berufsverbot gleichkommen können. Genauso schlimm ist die erzwungene Heuchelei der nicht-gekündigten Arbeitnehmer. Die zwangsläufigen Folgen sind Desinteresse an politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen sowie Entladung der Spannungen an den Nächsten.

Natürlich haben die Kirchen gewaltigen Einfluss in der Politik. Wie sich darin zeigt, dass die deutsche Regierung von der EU gezwungen werden musste, die „Pille danach“ rezeptfrei geben zu lassen. Der politische Einfluss zeigt sich auch darin, dass gerade in Bundesländern mit Dauer-Regierung christlicher Parteien wie es etwa Bayern und Baden-Württemberg sind bzw. waren, die für Schulen und Hochschulen zuständigen Minister meistens aus kirchlichen Organisationen stammen oder ihnen zumindest nahe stehen. Ein Atheist, der in diesen Ländern eine Professoren-Stelle antreten möchte, wird Schwierigkeiten bekommen. Wer sich näher dafür interessiert, sei an Franz Buggles Buch „Denn sie wissen nicht was sie glauben – Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann“ verwiesen.

Kurzum: in einem anderen Kulturkreis wird so etwas „Scharia“ genannt. Es gibt einen Ausdruck für die Zustände, wenn der christliche Einfluss auf die Gesellschaft sehr groß ist: „finsterstes Mittelalter“.

Fazit

Gegen heftigen Widerstand der Ärzteschaft, der christlichen Kirchen und der deutschen Regierung wurde von der EU die rezeptfreie Vergabe der „Pille danach“ erzwungen.

Eine große Erleichterung für die betroffenen Frauen und Männer. Allerdings mit zwei Schikanen: es wird nur eine einzige Tablette für den aktuellen Fall verabreicht (auf Vorrat darf also nicht gekauft werden) und es muss ein Gespräch mit dem Apotheker über intime Angelegenheiten geführt werden. Was viele als eine Art „Inquisition“ empfinden dürften.

Besonders dann, wenn die Tablette sofort unter Aufsicht hätte eingenommen werden müssen. Das ist kein Witz – das war tatsächlich im Gespräch:

„Die Ärzte sprechen sich daher für eine Abgabe nur an die Patientinnen und eine direkte Einnahme in der Apotheke aus.“

http://www.kath.net/news/49821

Damit ja nichts als Vorrat eingekauft wird, darf für die freigegebenen Medikamente keine Werbung gemacht werden. Dem Wurm ist so ein Vorgang in anderen Fällen nicht bekannt und ist für ein kapitalistisches Land (durch die Werbung würden ja Umsätze getätigt, Steuereinnahmen flössen und Arbeitsplätze würden gesichert) äußerst ungewöhnlich.

Eines hat der Vorgang um die „Pille danach“ gezeigt: dies ist kein Land, in dem es der Regierung um das Wohl der Bevölkerung geht, sondern um das Wohl der entsprechenden Lobby-Gruppen.

Wobei wurm der Regierung zugute halten muss, dass der Druck dieser Lobbys größer ist als der der Bevölkerung.

Wer entgegen dem Willen der Regierung für den Notfall eine oder mehrere Pillen vorrätig halten möchte, kann (wie bisher auch schon) ins Ausland gehen. Hierzu ein kleiner Tipp:

„In anderen Ländern gibt es die „Pille danach“ freiverkäuflich in Apotheken. Warum sie also nicht einfach aus dem nächsten Urlaub mitbringen?

Zum Beispiel:

  • aus der Schweiz,
  • aus Belgien („pilule du lendemain“),
  • aus Frankreich (contraception d`urgence),
  • aus Holland (morning-afterpil“),
  • aus Dänemark („fortrydelsespiller“)
  • aus Spanien (”píldora del día después”)
  • und aus Großbritannien („emergency contraception pill“).

Auch in der Türkei könnt ihr die „Pille danach“ (ertesi gün hapI) freiverkäuflich in Apotheken bekommen. Sie kostet dort nur zwischen 8 und 11 Euro. Wählt das Präparat, das nur aus einem Wirkstoff, nämlich Levonorgestrel, besteht. Es ist besser verträglich.“

http://www.deinkondom.de/wie-du-mit-deinem-kondom-richtig-spass-hast/pannenhilfe/de/

Oder (und das ist erst jetzt möglich) zum Apotheker gehen und ihm erzählen, dass der Notfall eingetreten ist (obwohl das gar nicht der Fall ist). Oder gleich zu mehreren Apothekern gehen.

Und exakt dies wird eintreten: ein irrsinniges Gesetz, das den Patienten zwingen soll, keinen auch noch so kleinen Vorrat anzulegen, wird massenweise umgangen.

Klare, logische Regeln zum Wohle der Bevölkerung sehen anders aus.