“Einen Steinwurf entfernt von der US-Botschaft in Berlin trafen sich am Donnerstagabend “Unter den Linden” etliche Ex-Geheimdienstler zur jährlichen Verleihung des nach dem CIA-Analysten benannten Sam Adams benannten Whistleblowerpreises. Adams war 1968 während des Vietnamkriegs an die Öffentlichkeit gegangen, die von der US-Regierung belogen wurde. Dieses Jahr wurde die Auszeichnung an William Binney vergeben, einem der Architekten der NSA, der jedoch die massiven Eingriffe in die Bürgerrechte nach 2001 nicht mehr mittragen wollte.”

Dies der Beginn eines „Telepolis“-Artikels von Markus Kompa.

http://www.heise.de/tp/artikel/43/43942/1.html

Eine hochrangige Veranstaltung mit einem hochrangigen Preisträger, der letztes Jahr als Zeuge vor dem NSA-Untersuchungsausschuss im Bundestag aussagte. Also ein “gefundenes Fressen” für die Medien. Sollte mensch meinen.

Mensch gebe mal folgende Begriffe in seine Suchmaschine ein:

„william binney berlin sam adams“

Dann wird er feststellen, dass von den deutschen Staatsmedien allein die „taz“ darüber berichtet hat, dass es zur Preisverleihung kommen wird. Der Rest hat die Veranstaltung der Bevölkerung unterschlagen. 

https://www.google.de/?gws_rd=ssl#q=william+binney+berlin+sam+adams&lr=lang_de&tbs=lr:lang_1de&start=0

Weiter im Text von Markus Kompa:

„Der Mathematiker William Binney arbeitete 36 Jahre lang für die NSA und fungierte zuletzt als deren technischer Direktor. Als der Geheimdienst während der Bush-Ära begann, massenhaft die eigene Bevölkerung zu überwachen und auch Daten etwa von US-Justizbehörden abgriff, erinnerte dies Binney an totalitäre politische Systeme, gegen die der Dienst einst geschaffen worden war.

Binney, der die NSA insoweit mit dem KGB verglich, verließ den übermächtigen Geheimdienst, um die Regierung von der massenhaften Verletzung verfassungsmäßiger Rechte der US-Bevölkerung abzubringen. Seine Versuche, den Kongress und die Bundesanwaltschaft zu warnen, resultierten 2006 in einer Festnahme durch das FBI.

Die Verhaftung grenzte an Realsastire, denn wegen der Geheimhaltung durften die FBI-Agenten nicht wissen, wessen genau Binney beschuldigt wurde, während der Festgenommene zwar über Taten von Bush, Cheney und dem damaligen NSA-Chef Hayden aussagen konnte, aber nicht durfte, weil den FBI-Agenten die zur Geheimhaltung erforderliche Clearance fehlte. Die jedoch besaß Binneys Kollege Thomas Drake.

Binney löste das juristische Problem, in dem er über die Staatsgeheimnisse nicht direkt aussagte, sondern darüber detailliert mit Drake telefonierte - wissend, dass das FBI Drakes Telefon abhörte.

Der Preisträger engagiert sich seither bei den Veteran Intelligence Professionals for Sanity, die sich gegen den Missbrauch von Geheimdienstinformationen (etwa zu Kriegszwecken) einsetzt.

Letztes Jahr sagte Binney als bislang hochkarätigster Zeuge im Bundestag vor dem NSA-Untersuchungsausschuss aus. So erfuhren die deutschen Parlamentarier durch ihn von der bis dahin bemäntelten engen Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Auslandsgeheimdienst BND und der NSA sowie deren Fähigkeit, den Großteil der innerdeutschen Kommunikation aufzufangen. Außerdem schrieb die Gruppe einen offenen Brief an Angela Merkel, in dem die Bundeskanzlerin vor Desinformation im Ukraine-Konflikt gewarnt wird.

Bei der Laudatio betonte Ex-CIA-Analyst Ray McGovern Binneys Sinn für Humor, den man sich bewahren müsse, um als Whistleblower zu bestehen. McGovern war unter Reagan und George Bush senior für das morgendliche Briefing im Weißen Haus zuständig und ist inzwischen selbst ein vehementer Kritiker der US-Geheimpolitik. Er ermutigte Whistleblower, mit ihrem Schritt nicht damit zu warten, bis ein Krieg bereits im Gange sei, wie es bei Sam Adams der Fall war.

Zur Preisverleihung fanden sich denkbar renommierte Whistleblower aus der Geheimdienstwelt ein:

- Die MI5-Analystin Annie Machon machte in den 1990er Jahren öffentlich, dass der Geheimdienst ihrer Majestät Journalisten und mit der Geheimdienstkontrolle befassten Parlamentariern hinterherschnüffelte.

- Die vormalige GCHQ-Mitarbeiterin Katherine Gun wollte es im Vorfeld des Irakkriegs nicht mittragen, dass die britischen Abhörer im Auftrag der NSA Diplomaten ausspionieren sollten, um diese gegebenenfalls zu erpressen.

- Der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, konnte sich nicht damit abfinden, dass der dortige Geheimdienst sich der Folter bediente - etwa in der Form, dass Menschen in kochendem Wasser getötet wurden.

- FBI-Mitarbeiterin Coleen Rowley war mit dem eigenartigen Versagen der Bundespolizei vor dem 11. September befasst und reichte ihren Bericht eigenmächtig an zwei Senatoren weiter.

- Kryptolinguist Thomas Drake, der für die NSA im Kalten Krieg die DDR überwachte, leakte Informationen über das damals geheimste Abhörprogramm Trailblazer, nachdem seine Kritik hieran auf taube Ohren gestoßen war.

- Die vormalige Ethik-Beauftragte des US-Außenministeriums, Jesselyn Radack, wunderte sich über die Akzeptanz der Behörden für Folter, weshalb sie den Dienst quittierte und seither als Rechtsanwältin für Whistleblower kämpft.

- Ein US-Anwalt von Guantánamo-Häftlingen sprach über den während der Bush-Ära eingeleiteten Abbau von Bürgerrechten und Demokratie und Ernst Fraenkels Analyse der Entwicklung des NS-Staats nach dem Reichstagsbrand, den er mit 9/11 verglich.

Unter den Gästen befand sich auch Julian Assanges "Agentin" Sarah Harrison, die Edward Snowden aus Honkong ausgeschleust hatte, sowie der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele.“

http://www.heise.de/tp/artikel/43/43942/1.html

Auf seiner eigenen Homepage zeigt Markus Kompa ein ausführliches Interview mit William Binney:

http://www.kanzleikompa.de/2015/01/28/ungeheime-dienste/

Hier noch weitere Artikel über und mit William Binney:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Ehemaliger-NSA-Technikchef-Der-NSA-gehoert-das-Netzwerk-2188605.html

http://www.nachdenkseiten.de/?p=24073

http://de.wikipedia.org/wiki/William_Binney

Und hier der Offene Brief an Angela Merkel von Anfang September 2014, an dem William Binney beteiligt war, und in dem ehemalige Mitarbeiter der US-Geheimdienste vor den aktuellen Machenschaften dieser Geheimdienste im Ukraine-Konflikt warnen:

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42680/1.html

Im Gegensatz zu den deutschen Medien nutzte „Russia Today“ die Gelegenheit und führte kurze Interviews mit William Binney, Ray Mc Govern und Jesselyn Radack:

https://www.youtube.com/watch?v=jWQjnI3ozOU

https://www.youtube.com/watch?v=kwc38HjUSTo

https://www.youtube.com/watch?v=ch2Qny-S-_k

https://www.youtube.com/watch?v=SA_o9i7gKqs

Es ist jetzt schon so weit: während im deutschen Staatsfernsehen belangloses Zeug kommt, werden bei „Russia Today“ die wichtigen Themen diskutiert. Die ehemaligen US-Geheimdienst-Menschen hätten sich das wohl auch nicht träumen lassen, dass in den westlichen Ländern ausgerechnet die Russen über ihre Veranstaltungen berichten, sie bei denen ihre Meinung verbreiten können und sie die Meinungsfreiheit garantieren.

Whistleblower

In http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/117-diebstahl-ungeheuren-ausmasses.html hat der Wurm das Thema „Whistleblower“ schon mal kurz gestreift. Hier noch mal der Auszug daraus:

„Im Dossier der „Frankfurter Rundschau“ ist auch ein lesenswertes Interview mit Guido Strack über Whistleblower (Hinweisgeber) zu lesen, das der Wurm hier widergeben möchte:

„Herr Strack, die Steuerfahnder kämpfen seit rund zehn Jahren um Ruf und Existenz, nachdem sie öffentlich aussprachen, dass sie an der Verfolgung von großen Steuerhinterziehern gehindert wurden. Ein furchteinflößendes Beispiel für Menschen, die Missstände publik machen wollen?

Es reicht oft schon, wenn man intern Rechtsbrüche von Führungskräften kritisiert, um auf die Abschussliste zu kommen. Die Vorgesetzten sitzen im Zweifel am längeren Hebel. Man braucht eine Menge Standfestigkeit, umso etwas über Jahre durchzustehen.

Stehen Mitarbeiter, die Rechtsbrüche anprangern, am Ende oft alleine da?

Viele geben irgendwann auf. Es ist eine enorme Drucksituation. Man findet gravierende Verstöße und weiß, dass das dem Chef nicht passen wird. Was macht man damit? Entweder man geht in die innere Kündigung, geht weg oder man gibt einen Hinweis auf die Missstände. Oft werden diese Menschen dann als zu widerspenstig angesehen und von der Organisation ausgesiebt.

Warum können Organisationen mit Kritik von innen so schlecht umgehen?

Organisationen neigen dazu, Mitarbeiter auf das für sie Wichtige zu reduzieren: das reine Funktionieren. Menschen werden dort nicht als Individuen gebraucht, die sich Gedanken machen, sondern als Maschinenteile, die im Sinne der Organisation funktionieren. Moralität hat in einem solchen System keinen Platz. Rechtswidriges oder unethisches Verhalten kann vom Einzelnen mit seinem atomisierten Aufgabenbereich oft kaum mehr beurteilt werden, weil jeder nur sein Schnipselchen sieht.

Warum sind die Sanktionen gegen Whistleblower oft so heftig?

Das Schlimmste, was einer Organisation passieren kann, ist nicht, dass jemand nicht mehr funktioniert. Dann wird er eben ausgetauscht. Das Schlimmste ist, wenn jemand die Organisation in Frage stellt, etwa die Rechtmäßigkeit ihres Handelns. Wer das wagt, muss abgestraft werden. Sichtbar muss an ihm ein Exempel statuiert werden, damit andere verstehen, dass sie dies auf keinen Fall tun dürfen.

Was lässt sich denn Positives über Geheimnisverrat sagen?

Whistleblowing ist eigentlich nichts anderes als ein Verbesserungsvorschlag. Es gibt ja in vielen Unternehmen ein betriebliches Vorschlagswesen für Verbesserungsvorschläge. Wenn man rechtswidrige Praktiken im Unternehmen entdeckt und benennt, die zu einem großen Schaden führen könnten, ist das eigentlich nichts anderes. Aber mit diesen Hinweisen wird ganz anders umgegangen. Es wird nicht gesagt: Das ist ein Innovationspotenzial, das uns hilft, besser zu werden. Wir danken Dir für den Hinweis. Sondern es wird gesagt: Das ist Kritik an uns, Du greifst unsere Machtstellung an und deshalb werden wir Dich abstrafen.

Manche Whistleblower verraten Interna aus hehren Motiven, andere aus egoistischen − sind alle gleich nützlich?

Stellen wir uns den stellvertretenden Sicherheitschef eines Kernkraftwerks vor, der weiß, dass sein Chef ihn mit seiner Frau betrügt. Der aber gleichzeitig auch weiß, dass in diesem Kernkraftwerk erhebliche Sicherheitsmängel bestehen, die für die Bevölkerung gefährlich sind und für die sein Chef verantwortlich ist. Jetzt kommt die Frage an Ihre Leser: Wollen wir, dass er auf die gefährlichen Sicherheitsmängel hinweist, oder wollen wir das nicht?

Vertrauen Whistleblower zu sehr darauf, dass die Öffentlichkeit sie rettet?

Die meisten vertrauen zu sehr darauf. Es ist ihre Hoffnung, dass, wenn „ihr Skandal“ bekannt wird, ein Aufschrei der Öffentlichkeit alles ändern wird. Das ist eine Illusion. Es gibt sehr viele Whistleblower, deren Geschichte kein Journalist nachverfolgt, weil sie etwa zu abstrakt ist, zu aufwendig zu recherchieren oder zu lokal. Es gibt viele Menschen, die ihr Leben ruiniert haben, und deren Mut zum Anprangern eines Missstands nichts verändert hat. Bei strukturellen Missständen, die vielleicht in Tausenden Dokumenten verborgen sind, oder in Prozessen über lange Zeit, versagen meistens die medialen Mittel der Darstellung. Damit spekulieren auch die Verantwortlichen. Sie wollen die Leute zermürben. Zum Glück beißen sich die hessischen Verantwortlichen aber an diesen vier Fahndern die Zähne aus.“

http://www.fr-online.de/steuerfahnder-affaere/interview-mit-eu-jurist-strack--wer-fehler-aufdeckt-wird-abgestraft-,1477340,6604222.html

Die hessischen Steuerfahnder haben keine Interna verraten und sind deshalb auch keine Whistleblower, aber auch interne Kritik kommt in den meisten Fällen gar nicht gut an.“

Aus „Wikipedia“:

„Ein Whistleblower (von engl.: to blow the whistle, ‚in die Pfeife blasen‘; im deutschen Sprachraum auch ‚Enthüller‘, ‚Skandalaufdecker‘ oder ‚Hinweisgeber‘) ist eine Person, die für die Allgemeinheit wichtige Informationen aus einem geheimen oder geschützten Zusammenhang an die Öffentlichkeit bringt. Dazu gehören typischerweise Missstände oder Verbrechen wie Korruption, Insiderhandel, Menschenrechtsverletzungen, Datenmissbrauch oder allgemeine Gefahren, von denen der Whistleblower an seinem Arbeitsplatz oder in anderen Zusammenhängen erfährt. Im Allgemeinen betrifft dies vor allem Vorgänge in der Politik, in Behörden und in Wirtschaftsunternehmen.

Dabei handelt ein Whistleblower stets uneigennützig.

Der Begriff Whistleblower ist positiv besetzt, das negativ konnotierte Pendant ist Nestbeschmutzer.

Whistleblower genießen in Teilen der Öffentlichkeit ein hohes Ansehen, weil sie für Transparenz sorgen und sich als Informanten selbst in Gefahr begeben oder anderweitige gravierende Auswirkungen auf ihr Leben und ihre Arbeit riskieren. Häufig werden Whistleblower gemobbt, ihr Arbeitsverhältnis aufgekündigt oder wegen Geheimnisverrats vor Gericht gebracht. Besonders bei hochbrisanten Themen wie Waffenhandel, organisierter Kriminalität oder Korruption auf Regierungsebene gab es Fälle, bei denen Whistleblower ermordet wurden oder auf ungeklärte Weise in relativ jungem Alter plötzlich verstarben oder vermeintlich Suizid begingen. In einigen Ländern genießen Whistleblower besonderen gesetzlichen Schutz.

Die gelieferten Informationen sind meist sensibler Natur und können etwa zur Rufschädigung von Personen und Institutionen beitragen. Es sind auch Fälle bekannt, bei denen Regierungen oder Regierungschefs aufgrund solcher Veröffentlichungen zurücktreten mussten, etwa die Watergate-Affäre. Daher versuchen die veröffentlichenden Medien, Organisationen oder Enthüllungsplattformen wie etwa Wikileaks in der Regel, die Glaubwürdigkeit und Echtheit der Informationen vor ihrer Publizierung gründlich zu überprüfen. Damit schützen sie sich auch vor späteren Vorwürfen mangelnder Sorgfalt und Manipulierbarkeit. Whistleblower sind oft die zentrale oder einzige Quelle für investigative Journalisten, die an der Aufdeckung von politischen Affären oder Wirtschaftsskandalen arbeiten …

US-Präsident Barack Obama äußerte sich vor seiner ersten Wahl zum Präsidenten bewundernd über Whistleblower als „wertvollste Quelle“ für Informationen über Regierungsfehlverhalten und versprach, sich für die Steigerung der Transparenz von Regierungshandeln einzusetzen. Kritiker haben angemerkt, dass während seiner Präsidentschaft bereits bis zum Jahr 2011 fünf Whistleblower aus dem US-Geheimdienstbereich unter dem Anti-Spionage-Gesetz (Espionage Act of 1917) angeklagt worden waren, das auch die Todesstrafe vorsieht. Das seien mehr Fälle als unter allen US-Präsidenten vor ihm zusammengenommen. Er habe seine diesbezüglichen Wahlversprechen vollständig gebrochen. Der ehemalige NSA-Mitarbeiter Thomas Drake, der bereits ab 2003 über ungesetzliche Überwachungsmaßnahmen und eine von ihm festgestellte Geldverschwendung des Geheimdiensts an die Öffentlichkeit gegangen war, meinte dazu, dass er Obama selbst gewählt habe und damals große Hoffnungen in ihn gesetzt hätte. Diese seien aber völlig enttäuscht worden, Obama habe die Geheimhaltungspraxis des Staates auf ein Niveau gebracht, das selbst George W. Bush „nicht einmal beabsichtigt habe“. Obama sei in dieser Hinsicht „schlimmer als Bush“, die Amerikaner seien von ihm getäuscht worden („hoodwinked“). Drake war wegen seines Whistleblowings unter dem Espionage Act angeklagt worden und hatte eine 35-jährige Haftstrafe zu erwarten, die Anklage fiel im Prozess 2011 allerdings in allen Anklagepunkten in sich zusammen. Drake wurde nur wegen „Zweckentfremdung“ eines NSA-Computers zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt, wobei er selbst half, diesen Anklagepunkt zu finden, damit der Staat sein „Gesicht wahren“ konnte.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Whistleblower

Sam Adams Award

Aus „Wikipedia“:

"Der Sam Adams Award ist eine jährlich vergebene Auszeichnung, die nach dem Whistleblower Samuel A. Adams benannt ist. Er wird von den Sam Adams Associates for Integrity in Intelligence (deutsch, etwa: „Sam Adams Mitstreiter für Integrität im Nachrichtendienst“) vergeben, einer Gruppe ehemaliger CIA-Offiziere im Ruhestand, die im Gedenken an Adams ethisches Handeln im Vietnamkrieg integren Professionellen der Nachrichtendienste so Anerkennung ausspricht. Der kerzenhalterförmige Preis wird seit 2002 vergeben, die Verleihung erfolgt immer persönlich.“

Den Preis erhielten

„- 2002 Coleen Rowley

- 2003 Katharine Gun

- 2004 Sibel Edmonds

- 2005 Craig Murray

- 2006 Samuel Provance

- 2007 Andrew Wilkie

- 2008 Frank Grevil

- 2009 Lawrence Wilkerson

- 2010 Wikileaks & Julian Assange

- 2011 Thomas Andrews Drake & Jesselyn Radack

- 2012 Thomas Fingar

- 2013 Edward Snowden

- 2014 Chelsea Manning

- 2015 William Binney”

http://de.wikipedia.org/wiki/Sam_Adams_Award

Die Aufzeichnung der diesjährigen Veranstaltung gibt es hier zu sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=hSLRoIEJBsI

Während der Veranstaltung wird Sebastian Haffner zitiert, der sich über die „schafsmäßige Ergebenheit“ der Deutschen nach der nationalsozialistischen Machtergreifung beschwerte.

Zu Sam Adams, ebenfalls aus „Wikipedia“:

„Samuel A. Adams (* 14. Juni 1934; † 10. Oktober 1988, auch Sam Adams) war ein Analyst des US-amerikanischen Nachrichtendienstes Central Intelligence Agency (CIA), der während des Vietnamkrieges eine Verschwörung im Hauptquartier der U.S.-Truppen vermutete, in der Funktionsträger bewusst die Schätzungen zur Truppenstärke des Vietcong und der Vietnamesischen Volksarmee zu niedrig ansetzten und die Öffentlichkeit so täuschten. Adams gilt als Whistleblower, er ist Namensgeber des Sam Adams Award, der bis heute an Nachrichtendienstmitarbeiter verliehen wird …

Adams trat dem Auslandsgeheimdienst CIA 1963 bei, blieb allerdings nur bis 1973 im Dienst. Er unterstellte allgemein, dass Nachrichtendienste Erkenntnisse gemäß politischen Wünschen erbringen und insbesondere, dass General William C. Westmoreland 1967 die Öffentlichkeit durch eine zu gering angegebene Truppenstärke des Gegners, Vietcong und Vietnamesische Volksarmee, täuschte. Er führte die seines Erachtens um 50% zu niedrigen Zahlen auf politischen Druck zurück. Nach der Tet-Offensive im Januar 1968 wurden die von ihm vorgeschlagenen Zahlen offiziell von der CIA übernommen; zu diesem Zeitpunkt hatte Adams aus Protest schon die Abteilung gewechselt und beschäftigte sich mit Kambodscha. 1969 eignete er sich widerrechtlich Dokumente an, die seinen Standpunkt unterstützten und vergrub sie auf dem Gelände seiner privaten Farm im Bundesstaat Virginia.

Nach seinem Rückzug aus dem Dienst versuchte er Kontakt zu Mitstreitern aus der CIA aufzubauen, mit deren Hilfe er seine Anschuldigungen weiter untermauern wollte. Die aufbereiteten Chronologien aus den gestohlenen Unterlagen gab Adams 1975 an das Harper's Magazine. Nach der Veröffentlichung gelangte das U.S. House Permanent Select Committee on Intelligence zu dem gleichen Schluss: Die Truppenzahlen waren bewusst manipuliert.

Ebenfalls im Verlauf des Jahres 1973 war er vereidigter Zeuge der Angeklagten Daniel Ellsberg & Anthony J. Russo, die für die Veröffentlichungen der Pentagon-Papiere, einer regierungsfinanzierten, geheimen Analyse des Vietnamkrieges, vor Gericht standen.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_A._Adams

Whistleblower-Preis des VDW

„Der Whistleblower-Preis wird seit 1999 alle zwei Jahre von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW), der deutschen Sektion der International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA) und der Ethikschutz-Inititative des International Network for Engineers and Scientists for Social Responsibility (INESPE) vergeben. Mit dem Preis sollen Persönlichkeiten geehrt werden, die in ihrem Arbeitsumfeld oder Wirkungskreis schwerwiegende, mit erheblichen Risiken oder Gefahren für Mensch und Gesellschaft, Umwelt oder Frieden verbundene Missstände aufgedeckt haben.

Mit der Preisverleihung und ihrer anschließenden Dokumentation soll nicht nur einer herausragenden Persönlichkeit und ihrem beispielhaften Verhalten ein kleines, dauerhaftes Denkmal gesetzt werden. Von besonderem Interesse ist auch die Frage, was an dem Fall verallgemeinerungsfähig ist und was sich daraus für künftige Konfliktlagen dieser Art exemplarisch lernen lässt.

Uns geht es darum, eine möglichst breite gesellschaftliche Diskussion darüber anstoßen zu helfen, wie wichtig Whistleblower sind. Ihre Kenntnisse als Insider oder ExpertInnen und ihre uneigennützige mutige Bereitschaft, Alarm zu schlagen, stellen häufig die einzige Möglichkeit dar, in staatlichen Bürokratien, in der Wirtschaft, in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, aber auch in den internationalen Beziehungen grobe Missstände aufzudecken.“

http://www.vdw-ev.de/index.php/de-DE/?option=com_content&view=article&id=17

Ken Jebsen führt mit dem Geschäftsführer des VDW, Reiner Braun, ein Gespräch, in dem dieser über den „typischen“ Whistleblower spricht:

„Es gibt einen roten Faden, der heisst Zivilcourage. Und das heisst, der rote Faden ist, dass sie den Mut gehabt haben, ihre ganz persönlichen Interessen zurückzustellen zu der gesellschaftlichen Notwendigkeit, Ungerechtigkeiten an die Öffentlichkeit zu bringen. Das hat sie alle geeint.“

https://www.youtube.com/watch?x-yt-cl=85027636&v=GsGiRrwDOGg&x-yt-ts=1422503916#t=216

Weiter aus „Wikipedia“:

„Die bisherigen Preisträger sind:

1999: Alexander Nikitin – ehemaliger sowjetischer Marinekapitän, der auf unsichere Atommülllager und gefährliche Praktiken der russischen Nordflotte aufmerksam machte;

2001: Margrit Herbst – deutsche Tierärztin, die 1994 die Öffentlichkeit über die Vertuschung der ersten BSE-Fälle informierte;

2003: Daniel Ellsberg – hochrangiger Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums, der 1971 die Pentagon-Papiere an die Presse weitergab;

2005: Theodore A. Postol – Physiker am MIT, der das US-Raketenabwehrprogramm GMD kritisierte und dabei dem Lincoln Laboratory des MIT Wissenschaftsbetrug sowie dem MIT selbst Vertuschung vorwarf;

2005: Árpád Pusztai – Biochemiker am Rowett Institute in Aberdeen, der bei Ratten-Fütterungsversuchen mit Gen-Kartoffeln Schäden am Immunsystem und Wachstumsstörungen von Organen feststellte und dies veröffentlichte;

2007: Liv Bode – deutsche Wissenschaftlerin, die den Verdacht der Kontamination von Plasmaspenden mit infektiösen Bestandteilen von Bornavirus im Bereich der Infektionsforschung am Robert-Koch-Institut in Berlin zu klären versuchte;

2007: Brigitte Heinisch – Altenpflegerin in einer Berliner Einrichtung, die die dortige unzureichende Pflege und Betreuung alter und hilfebedürftiger Menschen durch eine Strafanzeige wegen Betrugs öffentlich machte. Sie wurde daraufhin fristlos gekündigt. Die Kündigung wurde von den deutschen Arbeitsgerichten bestätigt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg sah darin jedoch einen Menschenrechtsverstoß, weil die deutschen Gerichte bei der Bewertung des Whistleblowings nicht in ausreichendem Maße die Meinungsfreiheit der Arbeitnehmerin und das öffentliche Interesse an der Information berücksichtigt hatten. Er sprach der Betroffenen eine Entschädigung für den Arbeitsplatzverlust zu. In der daraufhin erhobenen Restitutionsklage gegen die Arbeitgeberin schlossen die Parteien am 24. Mai 2012 vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg einen Vergleich, nach dem Heinisch eine Abfindung im hohen fünfstelligen Bereich erhält und das Arbeitsverhältnis nach Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist am 31. März 2005 endete.

2009: Rudolf Schmenger und Frank Wehrheim – für die Aufdeckung von Steuerhinterziehung der Commerzbank und der Deutschen Bank von 500 Mio. Euro und ihren Einsatz für den Erhalt effektiver Arbeitsmethoden bei der Steuerfahndung Frankfurt im Kampf gegen Steuerhinterziehung – auch gegen den Widerstand der Finanzverwaltung.

2011: Rainer Moormann – Atomwissenschaftler am Forschungszentrum Jülich, der aufdeckte, dass der 1988 stillgelegte Kugelhaufen-Versuchsreaktor AVR in Jülich im Normalbetrieb jahrelang mit gefährlich überhöhten Kerntemperaturen betrieben worden war.

2011: Anonymus, für die Publikation des unter dem Titel Collateral Murder bekanntgewordenen Dokumentations-Videos über einen von US-Soldaten im Irak durchgeführten Luftangriff, den die verleihenden Vereinigungen als schweres Kriegsverbrechen einschätzen. Die Preisübergabe an den Whistleblower sollte erfolgen, sobald dessen Identität feststand. Heute ist bekannt, dass es sich bei dem Whistleblower um den US-Soldaten Bradley Manning handelte. Da Manning jedoch in amerikanischer Haft sitzt, konnte die Preisverleihung bisher noch nicht erfolgen.

2013: Edward Snowden – ehemaliger technischer Mitarbeiter der US-amerikanischen Geheimdienste NSA und CIA, der mit Hilfe Tausender kopierter Dokumente die Existenz von Programmen amerikanischer und britischer Geheimdienste öffentlich machte, die der Totalüberwachung des weltweiten Internetverkehrs dienen, darunter PRISM, Tempora und Boundless Informant. Der Preis wurde ihm in Abwesenheit verliehen. In einer von Jacob Appelbaum überbrachten Botschaft Snowdens, dankte dieser „allen, die sich an der Debatte beteiligt haben“ und ergänzte „Regierungen sind uns Rechenschaft schuldig für ihre Entscheidungen“.

http://de.wikipedia.org/wiki/Whistleblower

Zivil-Courage

Es wird gerne über den Gegensatz zwischen „Freiheit“ und „Sicherheit“ geredet. Anbei ein Debatten-Beitrag nach dem „Charlie Hebdo-Attentat“ in Paris (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/131-islam-in-europa.html ) von einem Vollpfosten der „Bild“ und einem Halbpfosten einer regionalen Zeitung mit dem Tenor, Edward Snowden trüge die Schuld am Attentat:

http://www.bild.de/politik/ausland/bild-kommentar/warum-wir-die-ueberwachung-der-nsa-gegen-den-terror-brauchen-39258474.bild.html

http://www.rp-online.de/politik/ausland/charlie-hebdo-und-edward-snowden-ein-kommentar-aid-1.4786541

Bevor noch weitere diesen Hoidois auf den Leim gehen: Edward Snowden und andere Whistleblower enthüllten und kritisierten, dass Geheimdienste gegen die Gesetze und die Verfassung ihres Landes vorgehen und die Parlamente ob ihres Tuns belügen. Das hat überhaupt nichts mit dem Thema „Sicherheit“ zu tun. Wenn das, was die Geheimdienste treiben, für die Bevölkerung gut sein soll, dann sollen bitte Verfassung und Gesetze entsprechend geändert werden.

Die drei weltweit bekanntesten Whistleblower sind:

Chelsea Manning: 35 Jahre Gefängnis in den USA

http://de.wikipedia.org/wiki/Chelsea_Manning

Julian Assange: Zuflucht in der Botschaft von Ekuador in London

http://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Assange

Edward Snowden: Zuflucht in Moskau

http://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Snowden

Nicht so bekannt, aber für 30 Monate hinter Gitter musste John Kiriakou, Whistleblower wg. CIA-Folter (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/128-reich-der-finsternis.html ). Diejenigen, die für die USA Folter angeordnet hatten oder selbst folterten, kommen straffrei davon. Derjenige, der darüber redet, kommt ins Gefängnis.

http://www.taz.de/!110191/

Nach den Attentaten von Paris hatten viele auf einmal ihr Herz für Meinungsfreiheit entdeckt.

Diese Woche wird der Befreiung des Konzentrations-Lagers Auschwitz vor 70 Jahren gedacht. Und dabei gerne das Wort „Zivil-Courage“ in den Mund genommen. Entweder weil sie allgemein fehlte oder indem positive Beispiele heraus gestellt werden.

Es gibt auch heute diese Einzelfälle. Und wie äußert sich die Solidarität der Menschen jenen gegenüber, die sich für sie engagieren und das Risiko eingehen, für sie gewaltige Nachteile in Kauf nehmen zu müssen?

Sebastian Haffner sagte dazu „schafsmäßige Ergebenheit“.