Mensch überlege sich mal, was er im Alter von 8 oder 9 Jahren gemacht hat. Oder was seine Eltern zu jener Zeit mit ihm unternommen haben.

Letzte Woche hat in der Nähe von Las Vegas ein 9-jähriges Mädchen völlig legal auf einem Schießstand mit einer Maschinenpistole einen Menschen erschossen. Es handelte sich um einen Unglücksfall. Da ein 9-jähriges Kind nun mal rein körperlich nicht mit einer Maschinenpistole umgehen kann, trägt für das Unglück der Schießlehrer die Schuld. Zur Verantwortung braucht der nicht mehr gezogen zu werden – er ist der Getötete.

„Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht“ ist ein Spruch, der im deutschen Sprachraum den meisten Kindern beigebracht wird (und in den USA gibt es mit Sicherheit ähnliche Sprüche). Wenn die Kinder etwas größer sind, sehen es die Eltern wohl auch nicht gerne, wenn sie mit Maschinenpistolen rumballern.

In den USA ist das Schießen für Kinder je nach Bundesstaat unterschiedlich geregelt. In diesem Fall (Arizona) betrug das Mindestalter 8 Jahre unter der Voraussetzung, dass mindestens ein Elternteil oder gesetzlicher Vertreter dabei ist. In diesem Fall waren beide Eltern dabei und haben Filmaufnahmen ihrer Tochter gemacht.

http://www.spiegel.de/panorama/waffen-usa-neunjaehrige-toetet-schiesslehrer-mit-maschinenpistole-a-988276.html

http://www.spiegel.de/panorama/neunjaehrige-erschiesst-schiesslehrer-debatte-um-us-waffenrecht-a-988494.html

Mensch sollte mal einen Blick auf den Schießstand werfen und folgende Buttons anklicken: „Intro“, „Guns“, „Videos“: http://bulletsandburgers.com/photos

Auffällig für einen europäischen Wurm ist die Zielscheibe: der Umriss eines Menschen. Eines schwarzen Menschen. Die Farbe mag praktische Gründe haben, aber ein einem Land, in dem oftmals Menschen mit dunkler Hautfarbe als Bedrohung angesehen werden, ist das keine gute Idee. Schieß-Training auf einen menschlichen Umriss auch nicht. Aus guten Gründen dürfen das in Europa nur Polizisten oder Militärs machen. Auch ist fraglich, warum da unbedingt mit „scharfer“ Munition geschossen werden muss. Dass das nicht ungefährlich ist, sollte ja bekannt sein.

Wer auch immer sich negativ über solche Schießstände äußern sollte, sollte sich fragen, ob es ihm lieber wäre, wenn all diese Schießwütigen sich anderweitig austoben würden. Menschen sind oft etwas merkwürdig. Zwar gibt es auch bei uns im Erdreich den ein oder anderen spinnischen Halbstarken (Willi Wildsau etwa gehört dazu), aber so daneben wie die Menschen benehmen wir uns dann doch nicht.

Grob geschätzt gibt es in den USA jährlich 30.000 Tote durch Schusswaffen, wobei allerdings zwei Drittel davon Selbstmorde sind. Nichtsdestotrotz heisst das, dass pro Tag ca. 30 Menschen in den USA erschossen werden. Mit dem Ergebnis einer äußerst rabiaten Polizei, die im Zweifelsfall nicht lange fackelt.

Eine „schöne“ Dokumentation hat der „freeman“ ins Netz gestellt. Im Film (bitte dort anklicken) kommt die Polizei nach 1:20 Minuten und dann geht alles sehr schnell: http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2014/08/usa-sie-haben-ihn-mit-12-schussen.html

Hier noch zwei Artikel von Marc Pitzke:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/ferguson-und-michael-brown-kluft-zwischen-weissen-und-schwarzen-in-usa-a-987031.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/chicago-buerger-wehren-sich-gegen-gewalt-und-morde-a-984450.html

Summiert mensch 30.000 Waffentote über die Jahre hinweg, kommt eine schöne Summe zusammen, so aus einer US-Sendung, in der Michael Moore interviewt wird: seit John Lennons Erschießung (Dezember 1980) bis zur Sendung (März 2012) sind über 1.057.000 US-Amerikaner durch Waffengewalt gestorben (allerdings nicht vergessen: 1/3 Morde, 2/3 Selbstmorde): https://www.youtube.com/watch?v=-JVORszwdNA

Wohl am Intensivsten mit der US-Waffenkultur hat sich eben dieser Michael Moore in seinem Dokumentarfilm „Bowling for Columbine“ aus dem Jahr 2002 auseinander gesetzt. Hier ein Auszug aus „Wikipedia“:

„Um einen Vergleich zu ziehen, wie viele Menschen in anderen Industriestaaten durch Schusswaffen jährlich getötet werden, blendet Moore eine Statistik ein (die Zahlen in Klammern verweisen auf die Todesrate pro 100.000 Einwohner):

- USA – 11.127 Tote pro Jahr (3,601/100.000)

- Deutschland – 381 Tote pro Jahr (0,466/100.000)

- Frankreich – 255 Tote pro Jahr (0,389/100.000)

- Kanada – 165 Tote pro Jahr (0,484/100.000)

- Großbritannien – 68 Tote pro Jahr (0,109/100.000)

- Australien – 65 Tote pro Jahr (0,292/100.000)

- Japan – 39 Tote pro Jahr (0,030/100.000)“

http://de.wikipedia.org/wiki/Bowling_for_Columbine

Michael Moore geht der Frage nach, warum in den USA so viel mehr Menschen erschossen werden als in anderen Ländern. Erhellend ist vor allem ein Vergleich mit Kanada: dort gibt es 13% Nicht-Weiße, eine höhere Arbeitslosigkeit als in den USA, leichten Zugang zu Schusswaffen (und 7 Millionen Schusswaffen bei einer Bevölkerung von 30 Millionen) und eine ähnliche „Begeisterung“ für Gewaltfilme und –spiele wie in den USA.

Für Michael Moore sind die Schuldigen die Medien. Da mag er Recht haben. Allerdings sollte mensch bei ihm vorsichtig sein. So wertvoll sein Film und seine Aussagen sein mögen – objektiv ist er nicht und logisch auch nicht immer. So, indem er den sozialen Aspekt unterkehrt mit dem Argument, dass es in Kanada mehr Arbeitslose gäbe als in den USA. Später fragt er nach den „Bedürftigen“ oder den „Slums“ in Kanada und muss hören, dass es dort keine gibt.

Um dem Gerücht nachzugehen, dass Kanadier (auch in den Großstädten) ihre Häuser nicht abschließen, marschiert er in ein paar Häuser rein, begrüßt die Einwohner und bedankt sich bei ihnen, dass sie ihn nicht erschossen haben.

Hier ein paar Zitate aus dem Film:

„Wenn mehr Waffen den Leuten mehr Sicherheit gäbe, wären die USA das sicherste Land der Welt. Das Gegenteil ist der Fall.“

„Man kann nur gemeinsam gewinnen, und nicht, wenn man gegen Wehrlose kämpft. Diesem Irrglauben folgen leider viele rechtsgerichtete Regierungen in Amerika. Man schikaniert die, die sich nicht verteidigen können und gibt Finanzhilfe und Steuernachlässe an die, die sie gar nicht brauchen.“

„Im Fernsehen in den Staaten geht es immer um Mord, Schießereien und Gewalt. Ich denke, in den Staaten versucht man, alles durch Gewalt zu lösen. Wenn es in einem Land ein Problem gibt, schicken sie Leute hin, um zu kämpfen. Während Kanada verhandelt oder andere Lösungen sucht, sagen die Staaten ‚Wir bringen euch um, dann ist Ruhe‘.“

„Die Medien, die Konzerne, die Politiker – sie alle haben Jahrzehnte lang die amerikanische Bevölkerung dermaßen verängstigt, dass sie jetzt an einem Punkt sind, an dem sie überhaupt nichts mehr begründen müssen.“

Und hier ist der ganze Film: https://www.youtube.com/watch?v=XORCYavjhk0

Michael Moore hat dafür den „Oscar“ gewonnen. Hier ist seine legendäre Rede bei der Preisverleihung („shame on you, Mr. Bush, shame on you!“): https://www.youtube.com/watch?v=M7Is43K6lrg

Ein gängiges Argument, dass viele US-Amerikaner Waffennarren sind, liegt im Individualismus begründet. Dem widerspricht der Wurm. Und zwar deshalb, weil dieser Individualismus nicht durchgängig ist. So darf in den USA Alkohol in der Öffentlichkeit erst ab einem Alter von 21 Jahren getrunken werden. Vom Rauchen in der Öffentlichkeit gar nicht zu reden. Und je nach Bundesstaat gibt es auf den Autobahnen Tempolimits zwischen 89 und 120 km pro Stunde (in seltenen Fällen 137 km), die streng kontrolliert werden. http://www.usatipps.de/mietwagen/verkehrsregeln/

Es ist eine Frage der Lobby. Und des Staates, wie sehr er sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt. Während in Deutschland die Lobby der Alkohol, Zigaretten- und Autoproduzenten sehr stark ist, ist es in den USA die Waffen-Industrie, die politisch sehr erfolgreich ist: http://de.wikipedia.org/wiki/National_Rifle_Association

Noch ein kurzer Blick auf Deutschland. Dass die hiesige Waffenlobby sehr aktiv ist, wird jeder in den zahlreichen Kommentaren zu kritischen Berichten sehen. Unter anderem zum Film „Waffen sind mein Leben“, der unter anderem die sehr guten Kontakte der Waffenlobby zur Politik beschreibt: https://www.youtube.com/watch?v=wiaq8L5E8As